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, „« noch Services zerbrochen hatten) eine so erkleckliche e abnahin, daß wir uns wie Herzöge vorkamen. Erst haben wir erfahren, daß es in Paris üblich ist, alle hxg Kronleuchters ohne Rücksicht darauf, ob sie gebrannt •Lj oder nicht (unb sie werden nie gebrannt!), mit einem

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für die Nacht zu bezahlen. Unser Kronleuchter war ein ^iltwcrk im Stile Louis XIV. und zählte dreißig Lichter! — r unserer Einfalt haben wir auch erst später erfahren, daß |!Ciii zerbrochenes Service, sondern ein reichliches Bedie- iäiielb zu bezahlen gehabt hatten.

1 Wir fanden ein für Pariser Begriffe wohlfeiles und nettes Unterkommen und begaben uns nun in die Vorstädte von Paris, ' Beschäftigung zu suchen. Besonders schwierig ist das natür- S für jemand, der die Landessprache nicht beherrscht. Tag für M Moderten wir nachmittags die Boulevards entlang, um «nigstcns das Straßenleben in Paris kennen zu lernen. Da Spelte uns eines Tages ein kleiner Kerl mit bartstoppeligem so heftig an, daß Wirges ihm gegen alle Gebote der Klugheit ein echt hessisches „Dünner noch emvl, du Ochs!" wendete jener sich, wahrscheinlich aus Freude über „ncre schöne Muttersprache, um und erwiderte: „Ha, Dütsch! And Sie Daitsche, meine Herren? Ha. wie lang hän ich nix Tisches hier vernomme. Io, und wo süd's her?"

Muttersprache, Mutterlaut, 0 wie wonnesam und traut, bc- fonbers im Auslande, wo man um sich herum immer nur kau- denvelschen hört und nichts davon versteht!

Wir waren bald vertraut: er sei ein Elsässer aus Strafe ^rg und ein Deutscher, wie er wichtig betonte, der in Paris (in großes Delikatessengeschäft habe und sich gern unserer an= .0-17; nehmen wolle. Der Rheinhesse war Stuckbildhauer.

„Für ihn hab' ich Arbeit bei meinem Kussäh in Säutenih", tote der Elsässer zu ihm. Aber für mich, einen Kunstschüler? , „§a, wird sich scho au cppes sinne!" — Fand sich auch schon giberntags. denn der Vicomte de Chalot suche einen Groom.

„Se W'ise nit, was ein Groom ischt? Ha, s'ischt eppes ut'5. Ein Groom, das ischt der Mitfahrer, der Begleiter, der ijcisemarschall. Ein Groom ischt ganz was Vornehmes. Da habe Se nix z' tu, da habe Sc nix als aufz'passe, daß die Schähs nit geschtohle wird. Und Se verdiene viel Geld. Und wenn je eppes geschpart habe und de Schprach könne, dann gehe Se zur Akkedemie, und vielleicht zahlts Ihne der Graf, denn er ischt e kunschiverschtändiger Herr, den ich sehr gut kenne, weil ich ihm alle Tüg di Artischokke und Krebse und Mayonähs und Huitres und all die schöne Sach liefere. Also feie Se nit ver­schlage: das nehme Se an. Und nu los, daß mer Sie placiere, cbdmm fahre mer, hier der Schukadöhr und ich, zu meinem kussäh nach Säntenih."

Und so gingen wir denn los: geradeaus, linksherum, wieder

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geradeaus, durch eine Passage, eine Krumme Straße hindurch, einen Bogen herum, wieder geradeaus, rechtsherum, und so eiter. Es war ein beschwerlich langer Weg, über eine Stunde lang und immer im Menschengewühl herum.

„So," sagte unser Menschenfreund zum Rheinhessen, „hier ischt e Bierrestorah, do warte Se e Weilche, daß ich den Mosjöh da zum Herrn Grass hinüber schaff. In dih Minütt bin ich Widder do."

Und dann gingen wir beiden unseres Weges, wieder ein paar Straßen herum, dann in ein anderes Bierrestaurant mit zwei Ausgängen. „Hier warte Sie e Weilchen, bis ich mit dem Herrn Concierge geschproche hab."

Nach „dih Minütt" war er wieder bei mir: „Fein isches", sagte er. „Aber die Liwrüh müsche Se Kaafe. Hawe Se Geld?"

Ich hatte keines, denn eine innere Stimme gebot mir, meinen kleinen Goldschatz im Brustbeutel dem Menschenfreunde in verheimlichen.

„No, wolle sehen, ob mers anders mache könne. Warte Se ein halb Stund do, ich will den Concierge beschwätze."

Aber der Menschenfreund ging nicht zum Concierge, sondern zum Rheinhessen im andern „Restorah" und beschwätzte diesen, ihm gegen das Vers echen sofortiger Rückerstattung seinen ganzen Goldschatz von bru Zwanzigmarkstücken für mich aus­zuhändigen. Damit verschwand der Menschenfreund und wurde nicht wieder gesehen.

Uns beiden, dem Rheinhessen und mir, hatte nämlich das Warten zu lange gedauert. Wir fragten jeder für sich den Weg ins Hotel zurück, das wir in ganz kurzer Zeit erreichten. Der CWser hatte uns also im Kreise herum geführt. ^m Hotel gab es eine erregte Auseinandersetzung, als der Geschäftsführer meinte, ber' Bicomte de Chalot wohne wahrscheinlich in den Wolken und der Concierge sei dort sein Türpförtner.

Der Rheinhesse rüstete sofort zur Abreise, das Geld dazu be­kam er von mir. Als ich nun meine deutschen Münzen am Wech­selschalter des Bahnhofs in Francs umzuwechseln suchte, kam be­hutsam tastend unter meinem Ellenbogen hindurch eine fremde Hand, die fingernd am Schalterbrette, gedeckt durch einen Knäuel von Menschen, mein Goldstück zu erlangen suchte. Aber plötzlich zuckte die Hand zurück. Der Kerl, dem sie gehörte, er­hielt von dem hinter ihm stehenden Wirges einen kräftigen Cchlag auf den Kopf und wurde sofort von der Polizei ergriffen. Es war unser Menschenfreund, der Elsässer, ein sehr gesuchter Ealaenvogel, den das Sckickiol fn fdmell ereilte.

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Von Sanitätsrat Dr. Bergmann- Berlin.

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Die Schlaflosigkeit gehört, wenn sie nicht gerade durch ein organisches Leiden unterhalten wird, zu den Gesundheitsstörun- gen von nervöser Art und Kanu, wenn sie nicht blos; vorüber­gehend erscheint, sondern zu einem chronischen Zustand gewor­den ist, ernste oder sogar schwere Beeinträchtigungen der Ge­sundheit im Gefolge haben. Die Patienten verlieren ihre gei­stige sowie körperliche Frische und Beweglichkeit, ihre Gesichts- ■ farbe nimmt ein sahles Aussehen an, ihr Eßverlangen latzt nach, sie magern ab, und sie werden übermäßig reizbar sowie gemuts- ■ verstimmt, ja, in schweren Fällen kann die Widerstands- und ^annhraft des Nervensystems so sehr unterhöhlt werden, daß seelischer Zusammenbruch unausbleiblich ist und daß der Client, wie es nicht selten geschieht, Selbstmord begeht.

Forscht man im einzelnen Falle nach der Ursache der ner- M Mii Schlaflosigkeit, so zeigen sich gewöhnlich die Organe des Klienten gesund, alle ihre Lebensverrichtungen sind ungestört, »t ber Schlaf fehlt. In der Regel entsteht der so quälende Zu- «d aus wenig beachteten Anfängen, er pflegt aus anfänglich Ergänz vorübergehenden Schlafstörungen heranzuwachsen und tosn ernstlichen Charakter erst im Laufe längerer Zeit und Wer dem Einfluß von immer wiederkehrenden schädlichen Ä.iasgewohnheiten an,zunehmen. Diesen ist daher befonbers. Aufmerksamkeit zuzuwenden. . r, . . Von Größter Wichtigkeit ist der Raum, i n welchem, und °uo Lager, auf welchem wir schlafen. Der erstere muß vor u-Iein von reiner Luft erfüllt sein. Das zuverlässigste Urteil “per die Beschaffenheit der Luft besitzt unsere Nase. Sobald wir Luft des Schlafraumes zu riechen vermögen, ist dies ein Deres Zeichen, daß ihr schädliche Bestandteile, gewöhnlich Kohlensäure, beigemengt sind. Es gibt ein einfaches und um er poljnlidjen Verhältnissen jedem zugängliches Mittel, die Luft o?ur im engsten bewohnten Raume dauernd gut zu erhalten, und dieses Mittel heißt: die Fenster auf, recht weit, recht oft M recht lanoe auf! Das Schlafen bei offenem Fenster ist eine rebensgewohnheit ivelche den Patienten in unseren Lungenheil. Ren grundsätzlich anerzogen wird und welche erfahrungsgemäß ° n wohltuendsten Einfluß auf Länge und Tiefe ihres Schlafes

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hui E^^chädigend wirken die Federbetten, weil sie, wenigstens . Bedeckung des ganzen Körpers, die Ausdunstung der Haut erschweren. Am beiten ist es fick einer mit Leinen beklei- Wolldecke zu bedienen. Über deren Fußende allenfalls d Juenger Kälte ein Federkissen gelegt werden darf Was Stellung des Bettes betrifft, so ist darauf zu halten, daß der M?^nde der Zimmerwand, wo ja die Luft weniger rein iA, meinen Kopf, sondern die Füße Zukchrt.

Jnedjt häuf in wirb GdilafloHäheit verursacht durch die Ge- p°Neit eines -u reichlichen Nachtmahls, durch anhaltende d-benhockèrei oder durch Mangel an ausgiebiger Muskelarbeit

Klftcns läßt sie sich durch Verbesserung der Schlafraumluft der Ruhelagers aber durch zweckmäßige Aenderungen in sixtt^ens- unb Ernährungsweise beseitigen, aber dieser Weg Zeit, die Ausdauer und, Sorgfalt der Patientcn ge- - ^nforbemntien. u^ hah^x greifen nickt mentüe neu iLm 1

Die Polizei war über den Fang sehr erfreut. Wir aber auch, denn es handelte sich um einen Verbrecher, auf dessen Er­greifung eine Belohnung ausgesetzt war. Die Belohnung war immerhin so groß, daß Wirges seinen Aufenthalt in Paris noch um zwei Wochen verlängern konnte.

Weine Wirse.

Von Clara Blüthgen.

Für uns alle, die wir in der Stadt geboren sind, die wir wohl zwischen den steinernen Kolossen der Großstadt nn Jahre hingebracht haben, wird das Wort „Wiese" mit eine. - seltsamen Zauber umsponnen sein.

Eine weite, sanstgewellte Fläche, wunderbares Grün, mit weißen und mattvioletten Blumenknäueln durchsetzt, Humusdust des Bodens, das Reich von Milliarden würzigen Kräutern — darüber ein Himmel, groß, weit, ein Stück Unendlichkeit, selig blau mit weißen Lämmerwölkchen. Eine Lerche als jubilieren­des Pünktchen hoch im Blau. Auf der Erde eine Herde rost­brauner weidender Kühe mit sanften Bimmelglöckchen.--

„Meine" Wiese aber ist herrlicher als jede andere. Sie ge­hört mir, ist ein Teil von mir selbst geworden, so inbrünstig ge­nieße ich sie nun schon seit Wochen von „meiner" Loggia aus, int Streckstuhl liegend, vom Morgen bis zum Abend — eine Kranke — vielleicht eine Gesundende.

' Die Bezeichnung des „grünsamtnen Rasenteppichs" mag ab­gegriffen sein. 3mmerb:m Ich finde keine passendere. Das ist ja gerade der Beweis für die Bildkrast solchen Wortes, daß es zum Allgemeingut wird. Dieser grüne Sammet ist wunder­voll, wenn morgens noch der Tau darauf liegt, das Grün ver­tieft. Da ist es, als würde meine Wiese noch durch ein geheimes Licht von innen durchleuchtet, als müsse irgendwo plötzlich ein Spalt aufbrechen, diesem Licht den Ausweg bahnend. Meine Wiese kriecht den Berg hinan, wird hoch oben durch einen Tan­nenwald gehemmt, der düster und schwer, ihrer Leuchtkraft zur Folie dient. Davor eine Villa. Nein, ein echtes rechtes Schwei­zerhaus, holzverschalt, braunrot mit blankem Dach und locken­den, ringsum laufenden Galerien, ein Spielzeug, das man dort hingestellt auf malerische Wirkung. Müdes Gartenland rings­um. Rechts ein rundverschnittener Strauch, wie die Kegelkugel eines Riesen, links, ein Stückchen seitab, eine junge schlanke Pappel, noch hellgrün in ihrem kinderhasten Laubwerk. Wenn die Sonne scheint, so bedeutet für mich diese Pappel die Uhr: der Zeiger einer Sonnenuhr, denn nach ihrem dunkelgrünen Schlagschatten auf der hellgrünen Wiese kann ich genau be­rechnen, welche Stunde wir haben.

Früh gehört die Wiese mir allein. Das ist dann das Schönste. Da glaube ich alle die Stimmen aus Gras, Klee, keuschen Gänse­blümchen zu hören, wunderliche Geheimnisse zu erlauschen. Wer kann wissen, wie weit das Belebte und Bewußte in der Schöp­fung geht, ob nicht das bescheidene Veilchen seinen Herz-Kelch von ebenso heißen Wünschen bewegt fühlt wie die mondäne Pflastertreterin!

Bald aber fängt der Betrieb an. Zuerst die Kuhherdc, ihrer zwanzig Stück, alle gleich gelbrot, wie aus demselben Farben­topf gezogen, geführt und betraut von einem zehnjährigen Lüm­mel, der sie gut in Zucht hält. Gleich darauf all das Menschen­volk, das die Wiese zum Tagcsausenthalt wählt. Fröhliche Fcrienpapas mit Plaids und Kisten bepackt, junge Mütter in weißen Kleidern, allerliebster Kindernachwuchs jeden Alters, Frühstückskörbe, Sonnenschirme, Zeitungen, Bücher. Man richtet sich häuslich ein zu seligem Nichtstun. Man liegt lang­gestreckt, die Papas den Bauch dem Himmelslicht entgegenge­wölbt, die Mütter in malerischer Haltung. Man starrt in den Himmel, spürt den Zusammenhängen des Alls nach oder schaltet, gleich dem indischen Fakir, jedes bewußte Denken aus. Jede Sippe drängt sich eng zusammen. Verkehr unter den einzelnen ist nicht eingeführt. Zuweilen nur, daß sich die Hunde einer jeden — hier ein gebrechlicher schwarzer Rehpintscher, dort ein unbestimmbares gelbes Wollhündchen — beschnuppern.

Selbst die Kinder sind träge und sonnenmüde. Sie hocken im Grase, ihre roten, gelben, lila Kleidchen bauschen sich um sie wie die Kelche großer Ranunkeln. Da schweifen meine Ge­danken rückwärts: Konstantinopel, die Gelände an den süßen Wassern. Von weitem gesehen, ein Feld mit Kieseln übersät — in der Nähe Grabstein bei Grabstein; denn der Orientale gönnt seinen Toten die „ewige Ruhe" — und gräbt nie aus. Unb in­mitten dieser Gräberwelt junges Leben: die Frauen in ihren dunkelblauen Seidenkleidern, die Kinder mohnrot, dottergelb, orange, hellblau: Riesenblumen, wie die vor mir.

Zu Mittag lichtet sich das Feld. Aber nachmittags rückt alles wieder in alter Weise, so daß das Bild unverändert er­schiene, wenxi nicht der Zeiger meiner „Sonnenuhr", die schlanke Pappel/ das Verrinnen der Zeit kündete. Jetzt werden auch die Väter zu nützlichen Zeitgenossen. Ihre Zigarren helfen die Mücken verscheuchen, die mit Sonnenuntergang in Scharen an­rücken. Taschentücher wehen rhythmisch, Hände schlagen um sich in Abwehrbewegung. Trotzdem bleibt man liegen bis zum sinkenden Abend. Gilt es doch, gleich Antäus aus der Berüh­rung mit der mütterlichen Erde immer neue Kräfte zu ge­winnen.

lieber zur arzneilichen Hilse, '.utan nimmt ein Pulver, eine Ta­blette, einen Löffel voll von einem Trünkchen, und siehe, in kur­zer Zeit ist der ersehnte Schlummer da. Jedoch darf man nicht übersehen, daß das, was man sich auf diese Weise erkauft, kein wirklicher gesunder Schlaf ist, sondern ein Ersatz für ihn, ein Zustand, der durch chemische Arzneiwirkung auf das Gehirn er­zwungen wird und viel eher einer Betäubung als dem natür­lichen Schlummer gleicht. Alle diese arzneilichen Schlafmittel sind fast ausnahmslos von mancher unerwünschten oder sogar gefährlichen Nebenwirkung begleitet, die sich nur dann aus­schalten läßt, wenn sie in vorsichtiger Weise unter dauernder ärztlicher Beobachtung gebraucht werden.

Ein unschädliches und oft doch recht wirksames Hallsmittel gegen die Schlaslosigkeit besteht darin, daß der Patient im Bett über seine warmen' oder vorher erwärmten Füße grobe baum­wollene, in kaltes Wasser getauchte und leicht ausgewundene Socken anzieht, welche dann'sogleich von trockenen dicken Woll­strümpfen umhüllt werden.

Unsere mittelalterlichen Vorfahren machten, obwohl sie ein nervenstarkes Geschlecht waren, gegen die Schlaflosigkeit weit­gehenden Gebrauch von einem Hausmittel, welches sie „S chlaff- drunke" nannten. Diesen pflegten sie in Form einer warmen Suppe zu genießen, welche aus Wein oder noch häufiger aus schwer ■eingebrautem Bier, aus sogenanntem Starkbier, bereitet war und der Salbei, Wermlit, Rosmarin, Ingwer oder andere Kräuter und Gewürze zugefügt wurden.

Als allgemeine Volkssitte ist der unterschiedslose Alkohol­genuß zur 'Schlafsörderung gewiß nicht zu billigen. Für ge­sunde Menschen bedeutet es zweifellos einen schädlichen Miß­brauch, wenn sie den Schlaf durch geistige Getränke nicht ge­legentlich, sondern so regelmäßig herbeiführen, daß sie ihn ohne diesen nicht mehr zu finden vermögen. Hingegen kann der Alkohol in Füllen von krankhafte m Schlasmangel bei ver­ständiger Anwendung ungemein wohltuend wirken. Man braucht kein Arzt zu sein, um einzusehen, daß geistige Getränke durch das Uebermaß ihres Genusses oder durch starken Alkoholgehalt keinen gesunden und naturgemäßen Schlaf, sondern — ähnlich wie die arzneilichen Mittel — nur eine Art von Betäubung herbeizuführen vermögen. Wein, Liköre, Punsch oder Grog sind zu alkoholreich und aus diesem Grunde als Abendtrumk für Schlaflose nicht zu empfehlen. Hingegen bringt das Bier, selbst in seinen schweren Sorten, dank seinem geringen Alkoholgehalt nicht die Gefahr mit sich, in kleinen Mengen einen schädlichen Gehirnreiz zu verursachen: es vermag, vor dem Zubettgehen mäßig genossen, bei zahlreichen Menschen den Schlaf zu fördern und kann somit dazu beitragen, schlafhemmende Einflüsse von seelischer Art, besonders bewußte oder unbewußte Gemüts- verstimmungen, zu beseitigen ober wenigstens zu mildern.

In verzweifelten Fällen, wo alle anderen Mittel und Be- 'Yandlungsweisen nicht 3um Ziele geführt haben, entschließt sich der Arzt wohl, von der H y p n 0 s e Gebrauch zu machen, die zwar mit dem natürlichen Schlaf keineswegs gleichbedeutend ist, ihn aber auf dem Umwege über das Vorstellungsleben her­beiführen kann, und so gelingt es denn nicht selten, durch die wundersame Aiacht der hypnotischen Suggestion sogar Greisen den gesunden Schlaf ihrer Jugend zurück zu gewinnen. ___

F^Es kommt der Abend und nimmt den Dingen Form und Härten. Nebelschwaden steigen aus dem Wiesengrund. Das Schlößchen auf dem Berge wandelt sich zur Gralsburg, die hüb­schen kleinen Stollen ringsum werden zu Höhlen, in denen allerhand mißgünstiges Zwergenpack hausen mag. Blasser und blasser werden die Bergrücken, bis der letzte in Nebel zerrinnt. Hier und dort durchschlägt ein elektrisches Bogenlicht die Trübe, beleuchtet den Pfad und führt uns wieder zur Wirklichkeit zurück.

Plötzlich aber verrieselt der Nebel. Der Mond steigt herauf in unerhörter Größe und Pracht. Weihevoll, über alles Be- greifen hinaus. Der Abend hält den Atem an, neigt sich in Demut vor dem Gewaltigen und doch so Milden. Zuerst durch­schneiden seine Scheibe noch stahlblaue Wolkenbänder, rücken auseinander, rücken zusammen im wechselvollen Spiel — dann sinken sie, und unverhüllt steht der Herrscher dieser Sommer­nacht da und weint Silbertränen über eine Welt, die ein Para­dies sein könnte, wenn der Mensch es nicht selbst zerschlagen hätte. ^^^^ • ' -

- Gericht des Zlütes

Historische Skizze von Th. Vogest "

„Recht wollt Ihr sprechen!" höhnte noch die Stimme Grum- bachs durch das Schweigen des Saales, wiewohl sie sogleich er­stickt war unter der Faust des eisengepanzerten Hauptmanns. Er hatte dem Wehrlosen und Gefesselten ins Gesicht geschlagen, daß er blutend zusammenbrach und sie ihn in sein Gefängnis Zurücktragen mußten.

„Recht wollt Ihr sprechen!"

Und nun sprachen sie Recht über den Kanzler Christian Brück, die Räte Augusts von Sachsen, des Vollstreckers der Reichsacht an dem funkischen Ritter und dem Herzog von Gotha, der dem Verlorenen und Geächteten treu geblieben war auch in der Not. -

„Dr. Christian Pontanus, das ist Brück!" las der eisgraue, hagere kursächsische Rat von seinem Pergament herunter, „wird angeklagt, daß er die durchlauchtigste Gnaden Johann Friedrichs von Gotha bewegt, dem Wilhelm von Grumbach Schutz und Schirm wider kaiserliches Achtgebot zu gewähren. Darauf er­kennet ein gerechtes Gericht den Tod."

Der Kanzler stand gebeugt unter der Last seiner Ketten. Nun hob er das müde und Zerquälte Gesicht, ungläubig und kindlich verwundert.

„Den Tod ..." murmelten die Stimmen der anderen Richter.

Hinten, wo die Zuschauer standen unter den Waffen der Landsknechte, erstarb der Aufschrei eines Weibes. Ein jähes Zucken lief über das Antlitz des Kanzlers.

„Wie könnet Ihr mich also richten?" preßte er zwischen den blutleeren Lippen hervor. „Was tat ich wider Gesetz und Recht, da ich meinem Herrn empfahl, geschworene Treue zu halten?"

„Den Tod!" wiederholte unbewegt der Alte. „Wille ist's des fürstlichen Richters und Siegers, daß nicht das geheiligte Haupt des Fürsten, sondern das seines Dieners falle, der ihn schlecht beriet. Tod durch das Schwert!"

„Danket der Gnade unseres Herrn." murmelte die dunkle und eintönige Stimme weiter, „daß Ihr nicht dem Strang ver-

Das Schweigen des Todes lag über dem Saal, lange und schwer, nicht der erstickte Trotz des höhnischen Ritters, sondern die Erkenntnis des Mannes von seinem Schicksal. Langsam hob der Kanzler den Kopf, langsam richtete er die glühenden Augen auf das Kruzifix über dem Richtertisch, langsam bewegten sich feine Lippen zur Entgegnung, die aus der hellsichtigen Klar­heit der Stunde heraus wuchs und vor seinem Geist Gestalt gewann:

„Richtet, richtet!" erhob sich laut seine Stimme. „Es wird einer kommen aus meinem Blut, das Ihr vergießt aus einem treuen Mannesherzen. Der wird Euch richten. Wenn Ihr tot, vergessen und verachtet seid, werde ich leben!"

Keiner der Richter fand Antwort. Und schweigend, wie­der ganz erdrückt von der eisernen Kettenlast, ward der Doktor Christian Brück aus dem Saal geführt.

Am anderen Tage fiel sein Haupt auf dem Richtblock des. Henkers.

Aber zweihundert Jahre später entzündete einer mit glü­hendem Herzen, gehorsam einem undeutbaren und unnennbaren Geheiß seines Blutes, eine Flamme in den Herzen der Men­schen, die seinen Worten lauschten und dem Fluge, seiner ewig gültigen Gedanken folgten, einer, der ein Nachfahre des g< ■, sichteten Kanzlers Christian Brück zu Gotha war, ohne daß er vs ahnte, und der im „Götz von Berlichingen" das Schicksal seines ihm selber unbekannten Ahnen unsterblich erstehen ließ.

Rätselecke.

3 Landschaftliche Bezeichnung» 4 Vogel, 8 Diener, 10 Ru­mänische Münze, 11 Singstimme, 14 Zuchtmittel, 16 Deutscher Fluß, 17 Früheres Maß, 18 Tonart.

Wagerecht: 5 Figur aus Don Carlos, 6 Verkehrsmittel, 7 Nebenfluß der Donau, 9 Erdpunkt, 11 Körperteil, 12 Ver­wandter, 13 Schweizer Kanton, 15 Musikalischer Ausdruck, 17 Teil des Auges, 19 Männlicher Vorname, 20 Stadt in der Tschechoslowakei.

Buchstabenrätsel.

Die Punkte sind so mit den Buchstaben ■ ■ ■ ■ ■ 5a, Id, 4e, lf, 2i, 31, 5n, lo, Ir,

■ ■ ■ ■ 3s, It, lu zu besetzen, daß die wagè-

W" rechten Reihen folgendes bezeichnen:

. ■ 1. jagdbare Hühnergattung, 2. Neben­

fluß der Elbe, 8. chirurgisches Instru­ment, 4. Festsaal der Schule, 5. den längsten Strom Afrikas, 6. ein tierisches Produkt, 7. einen Konsonanten. — Die An­fangsbuchstaben der Wörter sind gleichlautend mit der obersten Reihe.

Magisches Lreieü.

Die Buchstaben sind so zu ordnen, daß die einander ent­sprechenden senkrechten und wagerechten Reihen gleichlautens bezeichnen:

1. ein Metall

2. eine Stadt in Mittelrußlans

8. eine Stimme

4. einen Ausruf

5. einen Buchstaben