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’lidicè Wesen aus, worin sie ihren Nachbarn aus dem Gebirge nur mit Mühe wieder erkannten. Dadurch blieb auch dem zu­fällig anwesenden Gendarmen das Einschreiten erspart. Drei Stunden später war Anton zu Hause. Er fand eine gebrochene Braut und eine weinende Mutter. Natürlich hatte der Dampfer das rechtzeitig an Bord geschaffte Hochzeitsreisegepäck entführt, da man in der allgemeinen Aufregung vergessen hatte, es zu- rückzurufen. Die Fahrkarten waren verfallen. Nicht nur die „Hochzeitsgesellschaft", sondern auch die halbe Stadt befand sich in der größten Aufregung über diese „sonderbare" Hochzeit.

„Komm," sprach Anton darauf gefaßt zu seiner immer noch schluchzenden Amalia, „komm und tröste Dich! Wir holen heute alles nach und fahren dann zu mir hinaus. In die Berge!"

Amalia nickte weinend Bejahung. „Aber nicht mit der Drahtseilbahn" ... das war der einzige zusammenhängende Satz, den sie hervorbringen konnte.

3m Muf mit Zaren.

Von Walter Herrmann -München.

Diese Schilderung beruht aus eigenen Erlebnissen des Verfassers, der, 1912 von den Franzosen als Spion verhaftet, zwölf Jahre in der französischen Verbrecher­kolonie „Guyana" unter entsetzlichen Leiden zubrachte.

Von Süden her wehte eine frische Brise. Sie warf die schäumenden Wogen immer trotziger empor und jagte unser wackeres Boot, daß es eine Lust war, durch den sprühenden Gischt. Wer jemals in einem guten Boot vor einer solchen Brise gesegelt ist, weiß, wie froh und stolz sich da die Brust hebt, weiß, wie wohl einem da zu Mute ist, wie sich alle Muskeln straffen und spannen.

Vor uns lag das Ziel. Tort mußten wir in der von Sand- und Moorbänken sehr gefährdeten Mündung der „Bocca de Navios", des südlichsten und größten Ausflusses des Orinoco, einlaufen.

Diese gefährlichen Untiefen entstanden durch eine gewaltige Sturmflut in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Sie verschlang an der Nordostküste Südamerikas Tausende von Quadratkilometern des die ganze Küste bedeckenden Urwaldes. Die Urwaldriesen wurden entwurzelt und zerbrochen wie Streich­hölzer. Die allen Unbilden des Meeres und Stromes trotzenden Stöcke der Edelhölzer find bei normalem Wasserstand eine für die Schiffahrt kaum' auszudenkende Gefahr. Wehe dem Schiffe oder Boole, das in Unkenntnis der Lage oder durch Sturm oder Strömung in diese Gegend der Bocca de Navios vertrieben wirb. Es ist dem sicheren Untergange geweiht. Des Meeres gefräßige Hyäne, der Hai, vereitelt hier jeden Rettungsversuch. Ein Wun­der ist es, wenn es einem kleinen Doot gelingt, sich aus diesem fürchterlichen Labyrinth zu retten.

So erging es auch uns. Wir hielten den Kurs etwa 10 Ki­lometer vom Strande in der Hoffnung, die Barre bei einer Mün- Lungsbreite von etwa 40 Kilometer hier am leichtesten nehmen zu können.

Es mochte gegen 9 Uhr morgens fein. Der Himmel war be­deckt und ließ auf Regen schließen. Wir entschlossen uns daher, näher an die Küste heranzugehen, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Zunächst ging alles nach Wunsch. Wir waren der Küste schätzungsweise auf 5 Kilometer nahe gekommen, als sich indessen die eintretende Ebbe stark bemerkbar machte. Wenn die Wellen ein wenig tief ausholten, kamen plötzlich hie und da schwarze Stümpfe zum Vorschein. Zunächst hielten wir sie für schwimmendes Holz, das ja jeder große Urwaldstrom mit sich führt. Bald aber wurden wir unseren Irrtum gewahr. „Kaum noch 1% Meter Wasser!" rief mein Gefährte. Ausweichen oder Beidrehen schien ebenso gefährlich wie ein weiteres Vordringen. Die einzige Rettung bestand darin, den Höchststand der Flut ab­zuwarten und dann hinaus ins Weite zu segeln.

Kurz entschlossen warfen wir Anker, refften die Segel und hielten aufmerksam Umschau nach etwaigen „Stöcken". Keine leichte Arbeit, da das Wasser vom mitführenden Erdreich dunkel­braun und undurchsichtig war. Doch wir hatten Glück. Die nächsten Stümpfe waren 12 bis 15 Meter entfernt. Aber wir wurden bald von allen Seiten eingeschlossen. Langsam fiel das Wasser. Noch halten wir 1 Meter Tiefe, als das Boot vor Anker zu treiben anfinq. Der Anker hielt nicht: er war zu schwach, und außerdem bestand der Grund aus weichem Modder. Wollten wir unser Boot nicht verlieren, so mutzte einer von uns ins Wasser und das Boot selbst halten.

Gedacht, getan! Etwa bis zum Knie sank ich nur in dem Modder ein, doch das Wasser reichte mir bis zur Brust. „Hier sind aber viele Tümmler", sagte mein Kamerad plötzlich. Sofort wurde ich aufmerksam, denn von den Kenntnissen einer Land­ratte über Seetiere hatte ich keine große Meinung. Konnte er doch leicht die Finne, das ist die Rückenflosse des Haies, für die eines Tümmlers ansehen. — Und richtig, so war es auch! Plötzlich sah ich kaum fünf Meter von mir entfernt die Finne eines Haies. Ein Zweifel war ausgeschlossen. In etwas größerer Ent­fernung beobachteten wir noch wenigstens ein Dutzend. Das waren meines Freundes Tümmler. Was tun? Das Boot durfte ich keinesfalls fahren lassen. Die Strömung, die jetzt außer­ordentlich stark war, warf es dann ohne Zweifel auf die nächsten sehr spitzen Stöcke und — es war verloren und wir mit ihm. Blitzartig schoß mir dieser Gedanke durch den Kopf. In Greif­weite lag mein Buschmesser. Eine furchtbare Waffe in der Hand des Kundigen. Etwa 80 Zentimeter lang, breit wie eine Hand. Kann man mit einem Hieb einen Bananenstamm damit fällen. Instinktiv ariff ich danach und rief aleichzeitia meinem Ge-

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Em MUès MèrkMèWlkitN.

Von L. M. Dieck-Man.

Wenn uns die Tuberkulose, im Volke vielfach Schwindsucht genannt, heute nicht mehr so schreckt wie vor wenigen Jahr­zehnten, so ist das hauptsächlich der hygienischen Volksaufklä­rung zu verdanken. Die Befolgung stricktester Reinlichkefts- grundsätze und die Anwendung der natürlichen Heilfaktoren Licht, Luft und Wasser zur systematischen Hebung der Wider­standskräfte bedrohter Körper haben bewiesen, daß gerade im Kampfe gegen die Tuberkulose Vorbeugung besser ist als Hei­lung. Denn noch bis vor kurzem verfügte die Medizin nicht über ein Tuberkuloseheilmittel von zuverlässiger Dauerwirkung. Die : Methoden der Koch'schen Tuberkulin- und Friedmann'scken Vak- zinetherapie haben sich trotz mancher Einzelerfolge nicht allge- 'Mein durchsetzen können. Die Schwierigkeiten für die Erfor- tschung eines spezifischen Tuberkuloseheilmittels entstehen teils aus der eigenartigen biologischen Beschaffenheit des unmittel­baren Krankheitserregers, des Tuberkulosebazillus selbst, teils aus der vielfältigen physiologischen Auswirkung seiner chemi­schen Bestandteile und Abbau- (Stoffwechsel-) Produkte und schließlich noch aus der verschiedenartigen, d. h. individuellen Reaktionsweise der Tuberkulosekranken.

Der Tuberkelbazillus enthält außer der spezifischen „le­benden" Eiweiß-Substanz noch leblose Bestandteile, Fette (Wachs- arten) und fettähnliche Stoffe (Sipoibe), die den Eiweißkörper umpanzern und ihm zugleich die charakteristische Form eines gebogenen Stäbchens geben. Löse -Panzerung sichert dem Bazillus die bekannte Widerstandsfähigkeit gegen chemische Heilmittel. Nachdem die r '-’^i ^, Wissenschaft jahrzehnte­lang erfolglos nach einem Mu^l geahndet hatte, um die Schutz­hülle aufzulösen und dadurch direkt an die Lebenssubstanz des Erregers. gelangen zu können, versuchte man einen anderen Weg, nämlich durch Anregung oder Förderung der in jedem kranken Körper vorhandenen natürlichen Abwehrkräfte aus der Gegengift- (Antigen-) bildung die Bazillen unschädlich zu machen. Die großen Erfolge dieser Methode bei vielen anderen Infektionskrankheiten haben die Forscher immer wieder zu analogen Versuchen auf dem Gebiete der Tuberkulosebehand- lung angespornt. Aber gerade hier lagen die physiologischen Verhältnisse insofern besonders verwickelt, als tue Tuberkeln nicht wie die Mehrzahl der anderen Krankheitserreger einheit­lich wirkende Stoffwechselprodukte bilden, vielmehr je nach ihren chemischen Bestandteilen ganz verschiedenartige Bindun­gen eingehen, demnach in therapeutischer Hinsicht spezifisch ein­gestellte Abwehrmaßnahmen fordern, die den einzelnen toxischen (giftigen) Auswirkungen entsprechen. Wie wir heute wissen, wirken in ähnlicher Weise auch die natürlichen Heilkräfte im tuberkulosekranken Organismus: sie erzeugen in den Zellen und besonders im Bindegewebe zu jedem toxischen Bakterienprodukte das spezifische Gegengift, Partialantigen oder and) kurz Bär­tigen genannt. Die Partigene wandern zum Teil ab in die

Ttmrrett zu, er wo nm einem RUder aus MDèZkräftèN unaits; gesetzt auf das Wasser schlagen. Es war hohe Zeit. Die unheim­lichen Bestien zogen immer engere Kreise um uns.

Da! Das Ruder zerbrach. Mein Freund hatte einen dieser gefährlichen Gesellen getroffen. Schnell griff er zu einem an­deren und schlug damit weiter. Mir war noch kein Hai in er­reichbare Nähe gekommen. Schon glaubte ich, das fallende Wasser würde die Haie verscheuchen, als plötzlich eine respektable Rückenfinne, ungefähr einen Meter vor mir auftauchte und sich sogleich umlegte. Dieses Mal war es auf mich abgesehen. Gin banger Augenblick! Wußte ich doch aus Erfahrung, daß, wenn der Hai sich umlegt, er dies zur Ersaffung seiner Beute tut. Der Fisch muß diese Bewegung machen, da das Maul, welches mit 5 bis 6 Reihen beweglicher Zähne bewehrt ist, sich etwa 20 bis 30 Zentimeter von der Kopfspitze entfernt, an der unteren Seite befindet.

Ich kam ihm zuvor. Wie ein Besessener schlug ich mit dem Buschmesser auf ihn ein. Die Hiebe saßen! Fast gleichzeitig erhielt ich jedoch einen gewaltigen Schlag, der mich aus dem Wasser hob und einige Schritte weit fortschleuderte. Der Hai, vor Schmerz rasend, hatte mich blitzschnell mit seinem Schwanz­ende getroffen. Als es mir endlich gelang, mich wieder aufzu­richten, konnte ich vor Schmerzen kaum atmen. Das, was ich aber jetzt sah, ließ mich meine Beschwerden vergessen. In unmit­telbarer Nähe des Bootes entstand nun im Wasser ein furcht­barer Kampf. Der getroffene Hai war durch meinen Schlag fdfwer verwundet worden und blutete stark. Die übrigen Haie nahmen dies — glücklicherweise für mich — zum Anlaß, über ihn herzufallen und ihn zu zerreißen. Immer mehr kamen herbei. Wir zählten wenigstens dreißig. Wie toll schossen sie in dem immer flacher werdenden Wasser hin und her. Wie aber sah der Kampfplatz aus! Tiefe Furchen und Löcher waren in dem zähen Modder, hier und da noch Reste des blutigen, schmutzigen Was­sers. Nirgends waren Ueberreste des verwundeten Haies zu sehen! Ich dankte meinem Schöpfer, so gnädig davongekom- men zu sein. Stumm drückte ich meinem Gefährten die Hand.

965 Maier m MM.

Von Iohannes v. Hanstein.

Die Erkenntnis, daß wir durch künstlerische Darbietungen nachhaltiger auf die große Menge einwirken können als durch Reden und Schriften, hat die Sowjetregierung schon während der ersten Rcvolutionsjahre veranlaßt, sich der Kunst in aus­gedehntestem Maße als politischen Agitationsmittels zu bedie­nen, und zwar besonders der Schauspielkunst. Durch den Akt der Nationalisierung gingen sämtliche Theatergebäuüe mit dem Inventar in staatlichen Besitz über und wurden dem Bolks- Kommissariat für Unterricht sowie den lokalen Unterrichts- ämtern unterstellt. Zwecks Ausarbeitung von Spielplänen für die Arbeiter- und Bauerntheater wurde die Vereinigung revo­lutionärer Dramaturgen gegründet und als Hauptstelle, für die künstlerische Agitation die kunstwissenschaftliche Sektion des „Gus", d. h. des Staatlichen Gelehrten Rates, geschaffen, in der die Künstler nach den Anweisungen der kommunistischen Leiter die Theaterpropaganda organisieren. Alle Kunsttätigen sind in .einem kommunistischen allrussischen Verband organisiert, der unter seinen Bühnenmitgliedern 22 000 Schauspieler und Dün­ger zählt. Der Verband ist außerordentlich einslußreich. Er ■ hat seinen Sitz in Moskau, unterhält aber in größeren Städten Bezirksverwaltungen und übt auch das Bildungspatronat über die Rote Armee aus. Er hat das Recht, für feine Mitglieder bei besonderen Leistungen den Titel eines Volksartisten bei dem Rat der Volkskommissare zu beantragen.

Das Interesse der Regierung erstreckt sich nicht nur auf die Theater mit berufsmäßigen Schauspielern, die sogenannten „professionellen" Theater, sondern auch auf die Vorführungen der Arbeiterklubs und der Roten Armee, die als „selbsttätige" Theater bezeichnet werden. Während man in den ersten Re­volutionsjahren durch Berufsschauspieler in den Arbeiterklubs Gastspiele veranstalten ließ, ist man allmählich dazu überge­gangen, Arbeitern mit darstellerischen Fähigkeiten eine gewisse Ausbildung zu geben und ihnen dann für ihre Aufführungen die Theater zur Verfügung zu stellen. Allein in Leningrad be­stehen etwa 150 Arbeiterklubs, unter denen häufig ein Wett­bewerb um die von der Regierung ausgesetzten Preise stattfindet. Ihre Stücke behandeln die Geschichte der Revolution, die Ent­wicklung ihrer Arbeitsbetriebe und damit zusammenhängende Fragen.

Unter den etwa dreißig professionellen Theatern Moskaus besteht ein gewisser Gegensatz zwischen den sogenannten akade­mischen Bühnen (dem Großen Theater, den Kammerspielen und dem Künstlertheater) und den linksgerichteten Häusern, die man kurz „Linke Front" nennt. Diese haben sich von vorn­herein ganz der kommunistischen Propaganda zur Verfügung gestellt und bringen ausschließlich Stücke agitatorischen Inhalts. Die bedeutendsten unter ihnen sind das Revolutionstheater und das schnell zu großer Bedeutung gelangte Theater Meyerhold.

Meyerhold hat für die russische Bühnenkunst völlig neue 'Prinzipien geschaffen und versteht es, kräftige Wirkungen zu erzielen, die teils auf dem auspeitschenden revolutionären Cha­rakter der Stücke, teils auf der geschickten Inszenierung be­ruhen. Ten größten Erfolg errang er mit dem Schauspiel „Brülle China", in dem das Leben chinesischer Fischer und ihre Leiden durch die Ausländer geschildert werden. Schauplatz der Handlung sind ein englisches, im Hafen liegendes Schiff und die Hafenanlagen. Das Meyerholdsche Theater unterhält eine

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Blutbahn. Außerdem bilden die Tuberkeln noch ein besonderes Toxin, das von Robert Koch entdeckte Tuberkulin. Der Ent­decker stellte fest, daß bei künstlicher Züchtung von Tuberkulose­erregern auf flüssigen Nährböden dieser Giftstoff an die Flüs­sigkeit abgegeben wird. Damit war der Weg für die laborato­riumsmäßige Darstellung des Tuberkulins gefunden. Das the­rapeutisch angewandte „Tuberkulin Koch" enthält neben dem eigentlichen Tuberkulin der Nährflüssigkeiten noch verschiedene Toxine der Tuberkeln. Mit dieser Verbindung bezweckte man die Sicherung vielseitiger Angriffswirkungen des Heilmittels oder, wissenschaftlich ausgedrückt, eine Erhöhung des „therapeu­tischen Effektes".

Trotz dieser weitgehenden Berücksichtigung der Eigentüm­lichkeiten in der Tuberkulose-Pathologie sind die Heilerfolge des „Tuberkulin Koch" zu individuell bedingt geblieben, um es als universales Therapeutikum (Heilmittel) bezeichnen zu können. Deshalb versuchte die klinische Medizin in der Folgezeit die verschiedenartigsten Modifikationen des Koch'schen Verfahrens. Die Friedmann'sche Vakzinetherapie arbeitet z. B. mit kleinen Dosen von Impfstoffen aus abgeschwächten Tuberkeln. Auch Vakzine aus zertrümmerten Leibern gezüchteter Bakterien wer­den benutzt, da diese, ohne selbst noch zur Erzeugung giftiger Zerfallsprodukte befähigt zu sein, den kranken Organismus dennoch zu gesteigerter Antigenbildung anregen.

Allen Tuberkulosemitteln, die nach den Grundsätzen der Immuntherapie dargestellt sind, kommt in therapeutischer Hin­sicht nur ein beschränkter Anwendungsbereich zu. Größere Be­deutung haben sie dagegen in der modernen Medizin zum Nach­weis und zur Erkennung (Diagnose) von Tuberkulose erlangt (Tuberkulin-Probe, Pirquet-Punktion).

In Anbetracht des bedingten Wertes der verschiedensten in­direkten Methoden versuchte Professor Weninger das Problem der Tuberkulosebekämpfung auf direktem Wege zu lösen: Es gelang ihm, nach jahrzehntelangen, mühsamen Studien und Experimen­ten eine Jnhalationstherapie auszuarbeiten, die unmittelbar die Vernichtung der Erreger erreicht und damit auch die tuber­kulösen Zerstörungsprozesse zum Stillstand bringt. Das eigent­liche Heilmittel wurde zunächst nach Laboratoriumsgebrauch als „Weninger 174" bezeichnet, weil es die nach 173 unbefrie­digenden Zusammenstellungen erfolgreiche chemische Kombina­tion darstellte; später hat es der Erfinder „Ektoplasmin" ge­nannt, um gleich mit dem Namen auf die Wirkungseigenârt hinzudeuten: Die wesentlichen Bestandteile des Ektoplasmins sind Verbindungen des Urans, Mangans, Thoriums sowie ge­wisse Säuren: Stoffe, die, wie subtile Untersuchungen ergaben, in der von Weninger getroffenen Zusammensetzung neben einer ausgesprochenen bakteriziden (bakterientötenden) Kraft noch im besondern die Eigenschaft besitzen, die wachsähnlichen Schutz­hüllen, das sogenannte „Ektoplasma" der Tuberkeln, aufzu­lasen. Die Wirkung des Präparats wird erhöht durch die ebenso eigenartige wie einfache Anwendungsmethode: Infolge der geradezu genial zu nennenden chemisa,en Kombination ist eine außerordentlich feine Verneblunq des Ektoplysmins möglich, so

! eigene Ausbildungsanstalt für Darsteller und Regifleüre, die vir Charakter einer staatlichen Hochschule für Theaterknnst triirt

Die professionellen Theater erhalten von der Regierung Zuschüsse, die ihrer Bedeutung entsprechen. Die Besucher bc stehen größtenteils aus Arbeitern und Rotarmisten, staatlichen Angestellten und der proletarischen Studentenschaft, denen säim lid) der Theaterbesuch zu ermäßigten Eintrittspreisen gewährt wirb.

Erwähnt sei schließlich noch das „Theater der blauen Btz,, sen". Darunter versteht man eine Gruppe von etwa 150 be­rufsmässigen Darstellern, die sich zum Zwecke künstlerisch« politischer Propaganda vereinigt haben und in kleinen Abtei- hingen von 10—15 Mann stündig die Provinz bereisen. Ta? Kostüm ist eine blaue Bluse; vorgetragen werden schnell impro­visierte kleine Stücke, welche die neuesten Tagesfragen ober dst ausgegebenen Losungen der politischen Führer behandeln.

Zur Verbreitung des Kommunismus auf dem Lande wer­den ferner von den Theatern abwechselnd Gastspielreisen aus­gerüstet, die durch die entlegensten Gouvernements gehen. g0 legte Z. B. eine vom Leningrader Staatstheater „Junger Zu­schauer" ausgesandte Gruppe, die Transkaukasien bereisen sollte in zwei Monaten mehr als 600 Werst zurück und gab in dieser Zeit 38 Vorstellungen auf Talwiesen und in Bauernhütten vor Osseten, Gfiben, Georgiern, Armeniern. Tataren und Russen.

Von besonderem Interesse für uns ist die Entwicklung der Schauspielkunst bei den Wolgadeutschen. Hier fehlte es lange an einer geeigneten Theaterftteratur, und man beschränkte sich vornehmlich auf die Pflege des Volksliedes. Allmählich trat jedoch ein Umschwung ein, und das Saratower Stadttheater, das im Herbst 1926 sein'sechzigjähriges Bestehen feiern konnte, ge­nießt nicht nur in der Wolgadeutschen Republik, sondern auch in der ganzen Union einen guten Rus. wie die Glückwünsche ■ aller bedeutenden Kunstiustitute zu seinem Jubiläum beweisen. Möge es weiter wie bisher — unbeeinftußbar durch homnut. nistische Agitation — seine Tätigkeit zur Stärkung deutschen Wesens ausüben!

Rätselecke.

Kreuzworträtsel.

„M orgenlektüre'

Bedeutung der einzelnenWörter: a) wagerechi: ; mi 1 Faultierart, 3 Nachtvogel, 7 Farbe, 8 griech. Buchstâ j h 10 Trinkstube, 12 Teil des Segels, 14 Getränk, 16 Empfm dungsorgan, 18 Biene, 20 griech. Göttin, 24 Küchengegenstast 25 Kinderfrau, 26 altdeutsches Getränk, 27 Erdart, 28 Paris' gerät, 29 Einwohner von Indien, 31 Elend, 32 Stadt k Italien, 33 Hotzerpriester, 36 Zeichen für Osmium, 37 Erzengel, 38 Pers. Fürwort, 39 Sohn Noahs, 40 ägypt. Gottheit;

b) senkrecht; 2 Stegreifdichter, 4 Auerochs, 5 Anerkennung,

6 Voranschlag, 9 Tierlaut, 11 Insel an der franz. Westküste,

13 Heerführer Iver Griechen vor Troja, 15 Gegenteil von Anfang,

17 Weintraube, 19 Schauspieler, 20 Bergwiese, 21 Kopfbedeckung,

22 Siedlung. 23 Nebenfluß der Donau. 29 ägypt. Göttin,

30 Fluß in Ungarn, 32 Figur aus „Don Carlos", 33 Gefrorenes,

34 Schiffsseite, 35 Fluß in Thüringen, 38 Pers. Fürwort.

Lösungen «Zus voriger Mummer.

Lösung des Rösselsprungs:

Der Tag verblüht

Und tn der hetl'aen Stille Stirb! hin das Lied, Das klagende der Grille.

Kein Lüftchen geht:

Das Bächlein murmelt leise Jm Siefeibett

Die alte Wanderweise.

Ms Höh'n verglüh'»

Und es fängt an -u dunkeln — Am Himmel blüh'» Die Sterns auf mit Funkeln.

Ruh', ringsum Ruh'!

Ja, alles atmet Frieden: O gib ihn du, Statur, auch mir dem Müden: Vogel v. GlaruS.

daß also die chemische Auswirkung nock unterstützt wtro vB den bei jeder Zerstäubung frei werdenden physikalischen SW ten der Oberflächenspannung. Das Weninger'sche Heilmittel wm in einem Inhalationsapparat versprüht, der Patient atmet Nebel ein, diese dringen bis in die feinsten Lungenästchen und entfalten dort ihre bereits beschriebenen Wirkungen. -W Ektoplasmin ist vollkommen frei von schädlichen Neben- 0-® Nachwirkungen für den Kranken, es gestattet außerdem v«' möge seiner Anwendungsari eine genaue Kontrolle der £wj fortschritte. Die Erfolge der Weninger'schen Erfindung liegen s I der therapeutischen Angriffsweise begründet: Sie erzielt unmuß telbar und allein durch die kombinierte HèMsch-physidalVi Auswirkung des Ektoplasmins die Behebung der Krankhe^I Ursache, während die indirekten TuberkulosebehandlungsmeNhl den die Mitarbeit der natürlichen Abwehrkräfte verlang -I sDiefe aber versagen bei hochgradiger Schwächung des Organ 1 mus bezw. bei Degeneration der Säfte, Folgeerscheinungen, bei Tuberkuloseerkrankungen allzu häufig zu beobachten I ■ und den Heilwert aller indirekten Verfahren in Frage stein ■

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Den preußischen Offizieren war es, auch als die Spülst 'm den deutschen Bädern noch geduldet wurden, streng, verbolz sich am Glücksspiel zu beteiligen. Trotzdem Halte ein tuns Leutnant die Kühnheit, allerdings in Zivil, am Roulettetisch Goldstücke zu setzen, obwohl ihm bekannt war, daß sich w i Friedrich Wilhelm IV. ebenfalls gerade in Baden-Baden Kur aufhielt. Die gesetzte Farbe kam zweimal heraus,.mw Leutnant wollte eben die vierzig gewonnenen Goldstücke stecken, als bei einer zufälligen Wendung seines Kopfes i Blick auf den König fiel, der entgegen seiner Gewohnheir " 'Spiele zusah. Der Offizier, den der König kennen mochte, o j es nun nicht wagen, das Geld an sich zu nehmen. Er blico ^ am Spieltisch stehen, innerlich in grosser Aufregung, c>a>t rollende Kugel beim nächsten Spiel eine andere Farbe bezc ' könne und"so sein Gewinn samt Einsatz flöten â einen Leutnant ein peinlicher Verlust. Jedoch kam die Farbe zum dritten, vierten und fünften Male heraus. i , seine zehn Goldstücke zu dreihundertzwanzig Goldfüchsen wachsen waren. Man kann sich die Erregung diese-' Leutnants vorstellen, der schon beim nächsten tzpiel den » Goldhausen rettungslos fortschwimmen sah. Seine Aug c§ Serien zum König. Aber der stand noch da, denn er ) ^, wohl bemerkt, weshalb der junge Mann in, Zivil M ^e^ wintn dauernd stehen ließ. Nun machte er dessen pLMUck mit den Worten ein Ende: „Ziehen Sie Ihr Geld c ^ machen Sie sich schnÄl davon, ehe der König Sie ^01»«'^.^- Glück möchte Ihnen auf die Dauer nicht so gewogen • p, .— Hocherrötend strich unser Leutnant das Geld in tasten und verschwand, doppelt froh, rasch aus dem ,

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