ö. Me Cholera . m Indien. „TiMZ" berichtet .nuS1 Bombay: Die letzten amtlichen Ziffern der Cholera- epidemie in den Bezirkest Belgamn und Dstorwar seinen, daß zwischen dem 12. und 26. März 2000 Fälle gemeldet wurden, die auf 150 Dörfer verteilt waren. V0u diesen 2000 Fällen verliefen 900 tödlich. 2!tte Vorsichtsmaßnahmen werden getroffen, um die Ausdehnung der Krankheit aufzuhalten.
Bunte LageSchrontt
Dresden. Als der Kassenbote einer Großbank bei der Dresdener Reichsbankhauptstelle einen größeren Geldbetrag einzahlte,.ritz ein junger Mann ein Paket m i t 20 000 M a r k an sich. Der Täter wurde jedoch bald darauf verhaftet.
Leipzig. In Döhlen wurde ein Pole verhaftet, der am 1. Februar 1920 einen Doppelraubmord an zwei Eheleuten verübt hat.
Chemnitz. Vom Eilgüterzug 6112 entgleisten zwischen Hohenstein-Ernsttal und St. Egidien n c n n W a gen, vermutlich durch Bruch eines Wagenteiles, und sperrten beide Hauptgleise der Strecke. Der Personenzug wurde umgeleitet.
Marburg. Der Militärschriftsteller Oberst a. D. Friedrich I m m a n u c l - M a r b u r g, ein Führer im Kriegervereinswesen, vollendet am 9. April sein 70. Lebensjahr.
Gotha. In S ck, l o t h e i m in Thüringen e r s ch o tz sich der Sohn eines Postmeisters, weil er die Abschlußprüfung der Untersekunda nicht bestanden hatte.
Paris. Eine Wahnsinnstragödie spielte sich in Mont-Saint-Sulpice ab, wo ein Schnhmachcrmeister seiner Frau, seinem Hund und seinem Kleinvieh mit dem Schuster- messer die Kehle durchschnitt. Erst nach Kampf gelang es der ^Gendarmerie, den Mörder festzunehmen.
Prag. Den amtlichen Statistiken zufolge sind in der Tschechoslowakei in der Zeit vom 1. Januar bis 19. März 1927 359 551 Personen an Grippe erkrankt. 2254 Erkran- kungSfälle sind tödlich verlausen.
Newyork. Die Polizei fahndet noch immer eifrig nach den Automobilisten, die den Anschlag aus Ford verübt haben. Während Ford weiterhin die Überzeugung ansspricht, daß er das Opfer eines Attentates geworden sei, sprechen andere^Bc- richte von der Möglichkeit eines Streiches Betrunkener. Ford befindet sich auf dem Wege der Besserung.
Aus dem Gerich-ssaal.
§ Pause im Barmat-Prozeß. In der weiteren Verhandlung im Barmat-Prozeß wurde mit der Erörterung der Angelegen- )eit der Postkredite fortgefahren. Zeugen wurden nicht ver- ionimen. Das Gericht beschäftigte sich besonders damit, inwic- veit der Angeklagte Lange-Hegermann an den einzelnen Unternehmen finanziell beteiligt war. Auf Antrag der Verteidigung ritt eine zweitägige Pause ein, um dem Angeklagten Lange- Hegermann und der Verteidigung Gelegenheit zu geben, Unter- jagen herbeizuschaffen.
§ Der Kntisker-Prozeß weiter hinausgeschoben. Der Prozeß pgen Iwan Kutisker, der Anfang April stattfinden sollte, ist ,tzt erneut verschoben worden. Tas Gericht hat den Termin ms Anfang Mai angesetzt, vorausgesetzt, daß der Angeklagte ns dahin verhandlungsfähig sein wird.
§ Verurteilung eines Versicherungsdirektors. Das Schöffengericht in Karlsruhe verurteilte den früheren Direktor der !lllianz-Versicherungs-A.-G., Schifferer, nach fast zehnstündiger Lerhandlungsdauer wegen fortgesetzter Untreue aus Gewinnsucht und Unterschlagung sowie Betruges in zwei Fällen zu iiner Gesamtstrafe von zwei I a h r e n. G e f ä n g n i s, auf >ie sechs Monate der Untersuchungshaft angerechnet werden, stach der Anklageschrift hatte Schifferer als leitender Direktor 'er Zweigstelle Stuttgart und später Karlsruhe neben anderen Betrügereien 39 000 Mark veruntreut.
§ Ztveimal zum Tode verurteilt. Der im August v. I. in der Postagentur in Leuber bei Reustadt (Oberschlesien) verübte Doppelraubmord hat jetzt seine Sühne gefunden. Ter 20jährige Gärtnergehilfe Otto Wolff wurde der Tat überführt und zweimal zum Tode verurteilt. In der Verhandlung versuchte der Verurteilte es so darzustellen, als ob nicht er den Mord verübt hätte, sondern zwei andere Einbrecher, mit denen er gemeinsam einen Anschlag auf die Postagemur verübt habe.
§ Der Domela-Prozeß erst Ende Avril. Entgegen anderweitigen Meldungen dürfte der Prozeß Domela nicht vor Ende April zur Verhandlung kommen, da erst für die kommende Woche die Vernehmung des Hotelbesitzers Kossenhaschen aus Erfurt im Beisein des Verteidigers Rechtsanwalt von der Heyden in Magdeburg stattfinden soll.
§ Verurteilung eines Bürgermeisters. Im Büdericher Bnrgermeifterprozcß wurde in Düsseldorf der Bürgermeister Kaiser wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrugs zu einem Monat Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Befähigung zur Bekleidung öffentlicher Ämter wurde ihm nicht abgesprochen. Die übrigen sechs Angeklagten erhielten wegen Beihilfe zum Betrug je eine Woche Gefängnis. In der Anklageschrift Ivar Bürgermeister Kaiser beschuldigt worden, Erwcrbsloseügcldcr vom Reich und vom Staat zu anderweitigen Gemcindczwcckcn verwendet zu haben.
§ Hart bestrafte Naschhaftigkeit. Ein lljähriger Knabe in Mvmplleicr ließ sich durch Naschhaftigkeit dazu verführen, in eine Konditorei einznbrcchcn. Er stahl dort genau sieben Schokoladenplätzchen im Werte von einigen Pfennigen. Trotzdem verurteilte ihn das Gericht zur Zwangserziehung bis zum 21. Lebensjahre.
Vermischtes.
— Ein Wohltäter der Menschheit. Am 5. April fährt sich zum Hundertstenmal der Tag, an dem Joseph L i st e r, der berühmte Chirurg, dem die neuere Chirurgie ihren großartigen Aufschwung verdankt, geboren wurde. Lister, der zuerst in Edinburg und später in London lehrte, hat durch Einführung der antiseptischen Verbandmethode Weltruf erlangt. Durch diese Methode werden Zersetzungs- Prozesse, die nach Operationen oder Quetschungen an offenen Wündflächen zuweilen auftreten können, verhindert. Nachdem Pasteur uachgewiesen hatte, daß die Bakterien die Fäulniserreger sind, suchte Lister nach Mitteln zur Verhütung dieser Wundfäulnis. Mittels eines besonderen Zerstäubungsapparates wurde während der ganzen Operation ein Äarbolsäurencbel erzeugt, der die Fäulniserreger vor ihrer Niederlassung auf die Wunde bereits unschädlich machen sollte. Erst nach Anlegen des mit Karbolsäure getränkten Verbandes, der nun seinerseits den Zutritt jener Keime verhindert, wurde die Zerstäubung unterbrochen. Dieses ursprüngliche Listersche Verfahren ist später vielfach abgeändert worden, aber Lister verbleibt der Ruhm, der Wundbehandlung neue Wege gewiesen zu haben.
Börse Mö Hssvel.
Frankfurter Samstagsbörse vom 2. April. Die Führung hatten heule bei bedeutenden Umsätzen Farbenindustrie, die von 321 auf 331 hinaufgetrieben mürben. Anlaß zu dieser stürmischen Aufwärtsbewegung gab eine Berliner Meldung über ein unter Führung der Farben-J.-G. in Bildung begriffenes Internationales Stickstoff-Syndikat. Auch die übrigen Märkte versehrten durchaus fest. Auf dem Montanmarkt un- lerlagen die westlichen Werte nach fester Eröffnung leichten Schwankungen. Oberschlesier sind gesucht. Der Kalimarkt eröffnete infolge der guten Äbsatztätigkeit in der Industrie lebhaft und fest. Elektrowerte waren zunächst etwas matt, holten dann jedoch leicht auf. Für Autowerte lagen gute Kaufauf- trä-ge vor. Der Maschinenmarkt verkehrte behauptet. Auf dem Bankaktrenmarkt zogen die Hauptwerke bei sonst guten Umsätzen leicht an. Besonderes Interesse wandte man" den Hypothekenbank-Aktien zu. Vor allem sind Frankfurter Hypothekenbank im Hinblick auf die bevorstehende Kapikalserhöhung gesucht und fest, von 215 auf 222. Schiffahrtswerte waren nach ansänglich ruhiger Eröffnung später fest und gefragt. Von beweglichen Werten standen Vauaktien unter leichtem Kurs- bruef. Dagegen sind kleinere Werte sehr fest. Auch Zellstoff- aktien holten weiter scharf auf. Deutsche und auch ausländische Renten und Anleihen fanden kaum Beachtung. Die Nachbörse
hatte lediglich Interesse für Farbenindustne. Die Börse schloß fest und freundlich.
Amtliche Berliner Notierungen vom 2. April.
1? Börsenbericht. Die Börsenwoche schloß in fester Haltung, die Kaufltlst der letzten Tage hielt unvermindert an, insbesondere will man auch Auslandskäuse beobachtet haben. Am Geldmarkt überwiegt noch die Nachfrage zu letzten Sätzen.
* Devisenbörse. Dollar 4,20—4,22; cngl. Pfund 20,45—20,50; holl. Gulden 168,55 168,97; Danz. 81,78 bis 81,89; fran z. Frank 16,50—16,54; fchweiz. 81,03 bis 81,23; Belg. 58,56—58,70; Italien 19,91—19,95; schwe d. Krone 112,86—113,14; bau. 112,39—112,67; norm eg. 109,51—109,79; Ische ch. 12,46—12,50; öfter r. Schilling 59,24—59,38; p o l n. Zloty (nichtamtlich) 47,05—47,29.
♦ Produktenbörse. Für Weizen sowohl als auch für Roggen waren die ausländischen Forderungen erhöht, wobei Roggen stärkere Steigerung zeigte als Weizen. In beiden Ärot- getreidearten hat bic Nachfrage zugenommen, da Jnlands- angcbot nahezu fehlt. Jnlandsroggen begegnete besonders lebhaftem Interesse, da Provinzmühlen und auch die hiesigen Müller rege Frage bekunden. Zu gesteigerten Kursen fanden einige Umsätze statt. Für Gerste hat sich die Nachfrage für Brauwarc vermindert, während für gute Futtcrwarc Begehr bleibt. Hafer setzte in den Forderungen des Inlandes seine Hochbewegung weiter fort. Der Konsum ist wenig versorgt und drängt nach Material, während gleichzeitig gegen Vor- berige Verkäufe nach dem Auslande Deckungsbegehr besteht. Für Mehl lauten die Forderungen höher und werden beim Weizenmehl nur vereinzelt, beim Roggenmehl eher bewilligt. Immerhin besteht ein.Mißverhältnis zwischen den Getreide- unb Mehrpreisen. Im Zcithandcl Waren, angeregt durch die festeren amerikanischen Berichte und die merklich gesteigerten Forderungen für Westernroggen, Käufe und Deckungen bei steigenden Preisen im Markt. Weizen gleichfalls fest, aber nur wenig höher.
Getreide und Olsaaten per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilo--
gramm in
Reichsmark.
2.4.
1. 4.
2. 4.
1.4,
Weiz., mark.
267-270
267-270
Weizkl.f.Brl.
14,7
14,7
Pommersch.
——
'—
Rogkl. f.Vrl.
15,0
15.0
Rogg., mark.
255-260
253-258
Raps
—
Pommersch.
——
Leinsaat
—
westpreuß.
——
—
• Vikl.-Erbsen
42-59
42-59
Braugerste
215-243
214-242
kl.Spetseerb.
30-32
30-32
Futiergerste
■ • -—'
192-205
Futtererbsen
22-23
22-23
Haser, mark.
208-216
206-214
Peluschken
20-22
20-22
Pommersch.
——
——
Ackerbohnen
20-22
20-22
westpreuß.
——
——
Wicken
22,0-24,0
22,0-24,0
Weizenmehl
Lupin.,blaue
14,0-14,7
14,0-14,7
p. 100 kg fr.
Lupin., gelbe
16,0-17,0
16,0-17,0
Bln.br.inkl.
Seradella
22,5-25,0
22,5-25,0
Sack (feinst.
Rapskuchen
14,5-15,5
14,5-15,6
Mrk. ü.No1
34,7-36,5
34,7-36,5
Leinkuchen
19,7-20,0
19,7-20,0
Roggenmehl
Trockenschyl.
12,1-12,6
12,1-12,3
V. 100 kg fr.
Soya-Schrot
19,0-19.4
19.0-19.4
Berlin br
Torkn'..3N/70
—
—
infL Sack
34,6-36.7
34.2-36,0
Kartofselflck
29.8-30,1
29.8-30.1
* Butter. 1. Qualität 1.75, 2. Qualität 1,64, abfallende Sorten 1,50 Mark für ein Pfund.
* Schlachtviehmarkt. Auftrieb: Rinder 2071, darunter Ochsen 615, Bullen 402, Kühe und Färsen 1054, Kälber 2083, Schafe 5270, Schweine 10 302, zum Schlachthof direkt seit letztem Viehmarkt 18 087, Auslandsschweine 38. Marktverkauf: In allen Gattungen glatt. Ausgesuchte Posten Rinder über Notiz. Preise. Für einen Zeytner Lebendgewicht in Reichsmark : Ochsen a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts 60—62, b) sonstige vollfleischige 56—58, c) fleischige 49 bis 53, b) gering genährte 40—46; Bullen a) 56—57, b) 54—55, c) 50—52, b) 47—49; Kühe a) 48—51, b) 42—46, c) 32—38, d> 22—26: Färsen a) 58—61, b) 54—58, c) 47—50; Fresser 40—48; Kalber a) —, b) 73—87, c) 52—69, Strafe“
a) 60—63, b) 52—58, c) 42—48, b) 30—40; Schweine ^- —, V) 63—64, c) 61—63, b) 59—61, c) 56—58; Sauen 57—59.
BGellMgm auf diese Fettung
werden jederzeit entcrenenaenornmen.
Jeden etwas» ==-
Auf der Giraffenpirsch.
Jagderlebnis im früheren Deutsch-Ostafrika.
Schon vor Tagesanbruch, als eben über den fernen Bergen des Kilimandjâros lichtgelbe Streifen den nahenden Morgen verkündeten, waren wir unterwegs. Flott ging es in den taufrischen Morgen hinein.
Schatten gleich huschten Hartebeeste an uns vorüber. Schnell wurde es Heller. In prächtigen roten Tinten malte die Sonne den östlichen Himmel, die Hügel erstrahlten int zartesten rosa Licht. Noch lag grau, wie tot, die weite Steppe vor uns, bis plötzlich das Tagesgestirn auch über sie feine Strahlen ergoß, alles vergoldend. Das. waren Farbenspiele, wie man sie selten zu sehen bekommt. Und nun, welches Bild zauberte der junge Tag vor unser Auge. In langen Zügen wanderte das Wild heimwärts, den Bergen zu. Im Fluß hatten die Tiere sich getränkt, nicht einzeln, sondern alle zusammen, vereint zu einer gewaltigen Herde. Im Verein zogen Hartebeeste und Zebras, Wasserböcke mit Warzenschweinen, etwas abgesondert Pallaantilopen, deren schönes, leierförmiges Gehörn scharf vom gelben SteppeNboden abstach, und vorn marschierten, gewissermaßen als Wachtposten für die ganze Herde, etwa 15 Giraffen. Weit ragten die mächtigen Hälse über die niedrigen Büsche. .
Heute galt es, dieses edle Wild zu beschleichen. Jede Geländefalte sorgfältig ausnützend, ging es so rasch wie möglich vorwärts, parallel mit den Giraffen den Bergen zu. Das war die einzige Möglichkeit, den Tieren nahezukommen, ihnen womöglich den Weg abzuschneiden. Das Gras war etwa meterhoch, deckte mich, wenn ich in gebückter Stellung pirschte. Aber der arme Rücken, er schmerzte und zog, doch es half nichts. Drei Strauße kreuzen unseren Weg. Kaum haben sie uns bemerkt, da geht die Fahrt los. Den Hals vorgestreckt, den Schwanz erst etwas erhoben, dann in wagerechter Haltung, eilen sie mit großen Schritten über die Ebene.
Jetzt stockt plötzlich unser Führer. Nur etwa dreißig Schritt vor uns taucht eine Nashornmutter nebst Kitz aus. Der Wind steht gut, aber etwas scheint der alten Dame doch nicht zu passen. Hat sie das Rascheln des Grases gehört oder doch Wind bekommen? Die Nase uns entgegengewandt, läßt sie den mächtigen Kopf immer hin- und herpendeln, als wollte sie allenthalben Hinschauen, und doch sehen die armen Tiere so wenig. Artig und ängstlich drängt sich das dicke Baby an die Mutter. Da fliegt ihr von boshafter Hand ein Stein an den Kopf, und weg sind die beiden. Unser Weg ist frei, wir kommen etwas höher, und vor uns tauchen unsere langhalsigen Freunde auf. Jetzt haben wir so weit Vorsprung, um etwas verschnaufen zu können. Von einem Baum gedeckt, beobachten wir den etwa 300 Meter entfernten Gegner. Arglos zieht er langsam das Tal entlang. Man sollte es nicht für möglich halten, daß Tiere mit so langen Beinen so langsam gehen können. Vorwärtskriechend verlegen wir ihnen den Wechsel. Da, wie eine kühle Hand packt es mich am Nacken, der Wind ist umgeschlagen. Wir
sonst ist alle Mühe umsonst. Die Giraffen ziehen seitlich halb auf mich zu, unsere Aussichten steigen. Im nächsten Rinnsal geht es Marsch, Marsch vorwärts. Jetzt vorsichtig den Kopf gehoben, ein Blick durch das Glas, jetzt schwenken sie ein, in eins der unzähligen flachen Täler.
Doch wieder ein Zwischenfall. In dem lichten Buschwald schimmert es graublau, ein großer Tierkörper. „Elen," raunt mir mein Jäger zu. Es ist ein ganz guter Bulle mit einer Herde. Soll ich schießen? Nein, die Giraffen sind mir lieber. Wir drücken uns ins Gras, und vor mir auf kaum 60 Schritt zieht ahnungslos ein Rudel Elenantilopen, mehr als 20 Stück. Nie wieder habe ich so viele zusammen gesehen. Kaum sind sie vorüber, da rennen wir auch wieder vor. Mißtrauisch äugen auf etwa 200 Schritt von der anderen Seite einige weibliche Giraffen mit Jungen nach uns herüber, die wir bisher gar nicht bemerkt haben, merkwürdigerweile ohne flüchtig zu werden. Vor mir wird eine Gazelle hoch, ich blicke ihr nach, und da — mir stockt das Herz, auf kaum 80 Schritt taucht ein Giraffenkopf nach dem anderen über der Höhe auf. Langsam sinke ich ins Gras, kriechend geht es ihnen entgegen. Doch es nutzt nichts, nur der Kopf und ein kleines Stück Hals bleiben sichtbar. Gedeckt näher heranzukommen ist unmöglich, vor mir ist die Steppe abgebrannt. Die Doppelbüchfe in der Hand, springe ich auf und renne einfach auf die Tiere zu. Nun ist das Erstaunen auf ihrer Seite. Ganz verdutzt, wie verzaubert stehen die fünfzehn Giraffen vor mir, als letzter, ganz frei, der uralte, schon dunkelgefärbte Bulle. Ehe er dessen sich versieht, hat er zwei Geschosse, Kaliber 450, auf dem Blatt. Nun kommt Leben in die Gesellschaft, und wie viele Menschen beim unerwarteten Tuten eines Autos mit absoluter Sicherheit diesem in den Weg laufen, so prescht die ganze Gesellschaft auf mich los. Annehmen wollten mich diese harmlosen Tiere wirklich nicht und doch hätten sie in ihrer Dummheit Schaden anrichten können. Ich glaube wenigstens, es gibt böse blaue Flecke, wenn man von einem solchen Koloß umgerannt wird oder gar einen Fußtritt erhält. Ich mußte natürlich darauf achten, den krankgeschossenen Bullen nicht bei dem Tohuwobohu aus den Augen zu verlieren, und feuerte nochmals auf ihn. Bei jedem Schuß drehten sich die Giraffen herum. Es machte wirklich einen ganz eigenen Eindruck, so mitten zwischen den Tieren zu stehen.
Endlich schwankte der „Kirchturm" und polternd brach er zusammen. Das war das Signal für die anderen, in vollster Fahrt abzugehen. Und ich? Hatte ich jetzt Freude, als ich an das Tier herantrat? Nein. War ich von der Pirsch und Jagd befriedigt, so stimmte die Beute selbst mich fast traurig. Da lag, von meiner Kugel gestreckt, eines der größten und zugleich harmlosesten Tiere Afrikas am Boden. Ein Zittern durchflog den Körper, dann sank das Haupt zur Seite. Die Träger kamen herzu, in einer Stunde war das Tier zerstückelt. Ich setzte mich abseits und sah von einem die Gegend beherrschenden Hügel dem Wild zu, das, durch die Kanonade erschreckt, aus allen Tälern nach den Bergen flüchtete.
AufschneiöereL.
In Künstlerkreisen unterhielt man sich eines Abends nach des Tages Last und Mühe in der Welt des Scheins über Nachahmungskunst. Nachdem ein Tierstimmen- imitator in der üblichen Übertreibung von seiner Kunst erzählte, wandelte eine jugendliche Schauspielerin die Lust an, auch einmal zu reden und so meinte sie zu ihrem Vorredner: „Das, was Sie da erzählten, ist ja gar nicht der Erwähnung wert. Da kann ich mit anderen Dingen aufwarten. So verstand beispielsweife ein Freund von mir so meisterhaft das Schluchzen der Nachtigall zu imitieren, daß seine nähere Umgebung, bis zu deren Ohr die Töne drangen, anfing, Frühlingsgedichte zu schreiben." „Kinderei," sagte achselzuckend ein Dichter in der Tafelrunde. „Das ist ja' noch weniger! Ich habe einen Kollegen, der versteht das Krähen des Hahnes zu imitieren, daß allemal die Sonne aufgeht, wenn er sein „Kikerikiki" zum Himmel sendet."
Wirkliche Treus dis üders Grad.
In einem englischen Städtchen ist kürzlich eine Witwe gestorben, die hundert Jahre alt war. In ihrem dreißigsten Jahre wurde sie Witive, seitdem war sie Tag für Tag zum Grabe ihres Mannes gewandert, siebzig Jahre lang. Sie war nur fünf Jahre verheiratet. Mit rührender Begeisterung erzählte sie stets von ihrem damaligen Glück. Nie wollte sie sich wieder verheiraten. Deshalb ging sie täglich zu feinem Grabe, um ihm und den Erinnerungen näher zu sein. Es war eine einfache, bescheidene Gemüsehändlerin. Also: „Die Treue ist doch kein leerer Wahn!"
Heiteres.
Ruhige Gegend. Häusernmklcr zum Kauflustigen: .„Ich kann Ihnen dieses Haus nur wärmstens empfehlen. Es ist ungewöhnlich ruhig in dieser Gegend. Dessen können Sie ganz sicher sein. Die Herrschaften, die zuletzt hier gewohnt haben, sind am hellen Tage umgebracht worden, und kein Mensch yar etwas gemerkt."
Wirlltngsloscs Mittel. „Doktor, was soll ich nur tun, um meine rote Nase loszuwerden?" — „Trinken Sie einmal ein Jahr lang nur Milch!" — „Nützt nichts, Doktor, habe ich aucy schon versucht; ich habe schon einmal zwei Jahre nur von Milch gelebt." — „So, wann war denn das?" — „Na, wie w auf die Welt kam!"
Eigene Erfahrung. Ein junger Rechtsanwalt, der zum erstenmal als Verteidiger auftrat und die Betrunkeuheit ferner Klienten als mildernden Grund geltend 31t machen suchte, oe- flamt seine Rede mit den Worten: „Hoher Gerichtshof und verehrte Herren von der Geschworenenbank, Sie alle iverben J aus eigener Erfahrung wissen, was es heißt, sinnlos betrumu zu sein."
Verwechslung. „Auf diese Weise," belehrte ein wohlwollender Schutzmann einen spät in der Nacht heimkchrcndeu Zea?er, „werden Sie nie und nimmer die Haustür aufschließen. versuchen ja unentwegt, das Schlüsselloch mit der Zigarre » finden." -—„Zigarre," stammelte der Mann und starrte seuu. Stummel an, „dann muß ich geradeswegs meinen Haussch»uij>-