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WaDtisie nun. hangen naß und betropft ~ wie es da wöh^ Pinschern wird beim Frühlingsgewitter und schon lauter Knospen, dick und leimig; alles ahne ich, wie es bald paradiesisch grünt. Da werden die Goldammern trällern körst du es innerlich, mein Herz? Ein Star pfeift in mir tönt der' Frühling voraus Gott, v Gott, Deine feuchte Erde berühre uh mit meinen Händen.

Und da bist du, kleiner Bach ich stehe vor dir, sehe dich eilig rinnen über viele Kiesel und Steinchen. Unter narbigen Wurzelknorren hindurch wie du dann wohl tönst? Brummelst du behaglich oder polterst du leis' und böse gegen das Wurzel- stück? Wie wohl?

Wüßte ich's! Auch in mir poltert und grollt es gegen das das ich zersprungene Saite soll tönen! ach, es ist kein Wurzelstück, dem ich ausweichen kann: ein Berg hat sich in meinen Weg geworfen, davor staut sich der Strom, kann nimmer weiter ... Fühle längst, wie ich versickere, der Grund ist mürbe unter mir, und der Strom ist mein Herzblut ach, vergeblich staut es sich und schwillt heraus..

Grausames Rätsel meines Lebens! Was ich dichte und komponiere, dringt nicht an mein Ohr von der schreibenden Hand geht es weg zu euch geheimnisvoll vereinsamter Schöpfer bin ich. O Gott, Herr des Weltraums wußtest auch Du nichts von Schöpferglück? Kehren auch von Dir die Bäche und Blumen, alle Wesen sich ab, die Du geschaffen hast? Ich Bildhauer ohne Gliedmaßen wie nur führte ich Hammer und Meißel? Denn die Werke sind da, die für mich zwu gen! Herrliches, erhabenes Rätsel! Ihr Sehenden schaut in die Fülle, aber die Gnade ist unnütz über euch verschwendet. Doch ich Geblendeter sah dicht vor meinen kranken Augen einen Wassei tropfen und ich zauberte daraus das Meer.

Wäre doch Bettina hier! Ein einziger Ton. den sie mir vor- fummen konnte, wäre mir wie der Tropfen. Aber niemand hilft mir, es kann mir niemand helfen--der Aussätzige ver­stecke sich vor den schönen, dummen Gesichtern der Begnadeten! Alles muß ich mir aus Granit hervorscharren mit den bloßen Fingerspitzen was euch mühelos gegeben wird ...

Aus was bist du geschaffen, kleiner Bach? Kiesel reibt sich an Kieseln hurtig, zwei Steinchen her und neben dem Ohr gerieben. Das gibt ein lieblich hohes Klingeln, wie von Glöck­chen: ft sieund was sagt das Wasser dazu? Hier stehe ich, ich starre dich an, mit meinen hörenden Augen wenn ich Menschen sehe, ganz weit weg, sie reden, flüstern, ich sehe nur die Bewegungen ihres Mundes, horch: geheimnisvoll offenbart sich da meinem Innern die Klangfarbe rind Art ihrer Stimmen. Und du hast tausend Lippen, Bächlein!

Wie sang der Rhein in meiner Kindheit, als »mir seligem Tor die Welt noch nicht verstummt war?! Der Rhein war breit, rief klang sein Mollton. Du bist schmal, Bächlein ich sehe dir es an, du tönst helle!

Oh einen einzigen Ton nur in die Knie, Beethoven streß deine Knie in den feuchten Waldmoder wie in einen Bet- schemel und das Hörrohr aus der Manteltasche, das abscheuliche Krüppelinstrilment, in die tauben Ohren! Nichts nichts zu hören ---ich Geschändeter! nieder, nieder, noch viel tiefer, bis mir das Wasser ans Hörrohr geht, die Rechte in den Bach hineingestemmt, auf einen Stein. Eiskalt das gibt einen neuen Anfall---oh oh ichhöredenBach herr­lich herrlich!

Ein Tünchen sprüht immer wieder, gläsern hell c ,. c ja, so sang Bettina, aber sie sang es ohne Sinn tiefer hinab, die Hand zittert mir, eisig kriecht es den Arm her­aus o Gott, gütiger Gott, da ist er. der dunklere Ton, den ich mit meinen Augen geahnt habe!

O herrliche Welt gnadenreicher Schöpfer c und ! meine Knie sind schmutzig, ich bin naß bis auf die Haut und Mattere timdarimdim, Zauber und Taumel gehen durch meine Sinne eisig erstarrt die Hand, heim, schnell heim jetzt, ?? utebedcbretb.cn c und f, ein heller und ein dunkler Ton

- das gibt eine ganze SiMphouie---

; Beethoven geht vorüber.

Skizze von Hans Rothhardt.

/ Ein köstlicher Sonnentag hatte Wien, das blütenselige, ge- silberner Abendlust gebadet, lagen jetzt Straßen und Platze. Der Turm des Elefansdoms tauchte - mit seiner Spitze noch ins Glutmeer der scheidenden Sonne. Alle Fenster waren geöffnet Akazienduft aus dem einfchlummernden Hofgürtchen hinter dem kleinen, krummen Seitengäßchen, wo der junge Fränzel Schubert wohnte, quoll in vollen berauschenden Wellen in sein Mansardenfenster, aus dem er soeben mit seinem Stumpfnäschen unterm krausen Wollkopf herausschnupperte.

Endlich hatte er sein Ziel, erreicht. Mit zwanzig Jahren âr .er der Fuchtel seines strengen Vaters entronnen. Als selbständiger Musikmeister hatte er sich hier niedergelassen, aus sein junges Genie vertrauend und auf das Glück, das ihm iraend- wann lächeln mußte.

. »O Musik, du göttliche Kunst! Dir will ich mich ergeben, und bis ans Ende meiner Tage. Komme, mae da wolle, du sollst mein Schicksal sein!" Als stände er aus einer Opern- buhne, sang er's in schmelzendem Rezitativo vor sich hin. In tiefen, durstigen Zügen sog er die würzige Lust ein. Glücklich lächelnd dachte er seiner ersten kleinen Erfolge. Man begann, auf ihn aufmerksam zu werden. Die jungen Bürgertöchter Wiens fangen mit- Vorliebe seine ersten Lieder. Man suchte seinen Gesangunterricht. Ja, manches Mäderl wollte nur von ihm, dem Fränzel Schubert, begleitet sein, obwohl er doch aar kein Ausbund von Schönheit war.

. Er lauschte in sein übervolles Herz hinein. Da zappelte drinnen schon so ein bunter, lieber Mädchenvogel, wie in ein Bauer eingesperrt:Nein, nein... Nur nicht gleich so hoch hin­aus!. Die reiche Burgermamsell und so ein armes Musikmeister- lein. Sachte, Fränzel, sachte! Aber schön wür's halt doch mit so einem süßen Fratzerl..."

Ob wohl der große Beethoven schon etwas von ihm gehört haben nrochte? Ein seliges Beben ging durch seine Nerven, wenn er an diesen großen Genius dachte. Alle Welt vergötterte von ihr a§vandt^^^^^' selbstauferlegter Einsamkeit so schroff

, Beethoven! Ja das war die Sonne, in die er nicht zu blicken wagte. Ein Meer von Licht überschäumte ihn, wenri er das Meer seiner . Töne rauschen hörte. Von diesem Meister ge­achtet. und als Kunstler anerkannt sein, das war Weihe! ÖH. er wollte danach streben, unablässig, mit eisernem Fleiß, bis der Erhaoene ihm mit seinem Händedruck diese Weihe gegeben.

B rauhen schwamm schon erstes, scheues Mondlicht über die Giebel des lustigen Hausergewirres. Spitzwegstimmung! Da Nelen iym me Anfangstakte des Adagio zu Beethovens A-dur- Sonate ein, ine damals gerade bekannt wurde. Der Meister hatte es selbst in vornehmer Abendgesellschaft improvisiert. Wie f^^^l, wie maiestatisch schritt die ebbe Melodie einher, wie griff Ne so seltsam ans Herz!

Schubert kam nicht los davon. Er ging in sein Zimmer zu- ^^--^b, Kavier und spielte den Anfang. Bald wurde er fo gesesfelt, daß er sich vollends ans Instrument setzte und sich in srererr Phantasie über das edle Thema erging. Mit der Seelen- inracye,des großen Ausgereisten vermischte er seinen jugend- tichen Ueberschwang. Mit den Arabesken zäntlich werbender -.lebe umfing er den Erhabenen, versunken in Andacht und Hingebung'

ÄÄ^ ^ugenbltdie ging der so Gestiebte, als wäre er . it magischen Kräften dorthin gezogen, ime zufällig abgeirrt in diesem schnurrigen Gasienwinkel, auf spätem Abeudspazier- gang an Schuberts Hau,el vorüber.

d°vor stehen und Nickte hinaus zur Man- m^de. .ewohl schon halbtaub, hörte er doch rote aus weiter .yerne das Spiel des jungen Schwärmers und erkannte die eigenen Klunge darin.Das wäre doch, Teufel noch eins. . knurrte er nach seiner Art vor sich hin und fuchtelte mit den kurzen Armen.

Aber seltsam! Wie neugeboren, jung, unbändig jung kam er sich vor in der Neuschöpfung da oben,. Teufelskerl das! j>er konnte sich wohl den Scherz erlauben. Das klang wie wenn lachender Frühling einen melancholischen. Herbstwald umschlang, -so etwas konnte nur ein Mchsikus voy. Gottes Gnaden. Wer mochte das wohl sein?...

Beethoven trat rasch und verstohlen an die Tür des Kleinen .jausajens und suchte nach dsin Täselch en, das die Hausbewoh- ner angab. Da es schon zu bimhcl man; rieb er an der brüchigen Hausmauer ein Schweselhölzchen an entzifferte mühsam:

Fränzel Schubert. Gesirugslehr er und Kioinponist." 4

Oben verstummte gerade das S piel. Ein nmnnlicher Ober­körper erschien oben miz Fenster, unl^beugte sichchinab. Wie ein

ertappter Dieb schätz Beethoven davon. Wie ein jâh wendendes Segelboot war er, schräg um die Ecke biegend, verschwunden.

Schubert hatte alles wohl bemerkt. Zwar kannte er Beet­hoven nicht genau. Gesehen hatte er ihn aber schon hier und da und glaubte, ihn jetzt wiederzuerkennen. Ja, es war ihm wie eine blitzartige Eingebung, daß Beethoven soeben an seinem Hause vorübergegangen war. Er fühlte es fast wie körperliche Berührung.

Die jubelnde Gewißheit litt ihn nicht daheim. Es war noch nicht so spät. Er mußte Freunde sehen. Rasch machte er sich zum Ausgehen fertig, flog hastig die steile, etwas wackelige Stiege hinunter, sprang ins Freis und stob davon wie eine rollende Kugel.

Auf dem Prater drückten sich im Gebüsch noch Liebespärchen herum. Hinter der Laubwand der Linden und Akazien winkten gastliche Lichter. Schuberts Stammlokal war noch erleuchtet. Stit Hallo empfangen, trat der späte Gast ein und saß bald mit­ten unter lachenden, trällernden, zechenden Künstlergenossen.

Kinder! Beethoven ist vor einer halben Stunde an meinem Häuser! vorübergegangen und hat mich spielen gehört!" sagte er, noch außer Atem.

Der spinnt! rollte des langen Schober tiefster Baß.Na, und wenn schon!" quiekte fröhlich der blondschopfige Schwind nach seiner Gewohnheit hellen Gelächters.Er hat aber meinen Namen gelesen, rief der Schubertsranzel.Der Heft viele Namen!" neckte der übermütige Castelli.

Na, zwegen meiner, ös Fadlingo, ös Gdflankerln! Ich weiß, was ich weiß. Das hat was zu bedeuten. Ich fühl's, da­bringt mir Glück! Aber nun will ich auch mal mein neues Liedl vorspielen und fingen, das mir grad eingefalle is!"

Er fetzte sich ans Spinett, begann ein inniges Vorspiel, das rasch in Melodie überging. Mit seiner warmen Baritonstimme sang er dazu:

Du holde Künst, in wieviel grauen Stunden, wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt,

hast du mein Herz zu warmer Lieb entzünden,

, hast mich in eine beffre Welt entrückt!"

Ausgezeichnet!"Wundervoll!"Köstlich!..." Klan» gen die Stimmen begeistert durcheinander.Das nenn ich einen Hochgesang auf die Musik, Fränzel", rief Castelli, der schnell- entzückte, begeistert aus, als Schubert geendet hatte.Wenn das Meister Beethoven gehört hätte, er tät' dich gleich zum Ritter vom goldnen Vließ schlagen!"

Still..., still, Freunde! Ich wag' nicht dran zu denken!" stammelte Schubert freudig-erregt. Bald trennten sie sich. In luftigen Gruppen mit lautem Geschwätz und fröhlichem Gelächter strebten sie ihren Penaten zu. Auch Schubert lag bald in seinem armseligen Stübchen auf dem noch bescheideneren Lager und schlummerte beseligt in freundliche Träume hinein.

Am nächsten Morgen brachte ihm der Briefbote ein kleines, blaugraues, umständlich gesiegeltes Briefchen. Schubert erbrach es hastig und las:

Dem jungen Fränzel Schubert für fein schönes Frühlings­spiel Dank und Glückauf! Ludwig van Beethoven.

Beethovens Geburtshaus in Bonn.

- Ler Meister.

/ Skizze von Elisabeth v. Aster. ,

Sonne liegt über Wien, der frohen, prächtigen Stadt. Son­nenschein in allen Gassen und Gäßchen lockt Alt und Jung hin­aus in beginnenden Frühling, der einen leisen, zartgrünen Schimmer über die Felder spann und nun in' die Stadt eiiige- zogen ist mit Knospen und Blühen, mit buntem Gewimmel auf Straßen und Plätzen, mit spielenden Kindern und Leierkasten- männern.

In bevölkerter Gasse läßt ein alter Mann die Drehorgel klingen. Er weiß nicht, daß droben, wo ein Fenster offen steht, Beethoven wohnt. Der große Meister der Töne, der im Lehn­stuhl am Fenster sitzt, lächelt bitter ... Er kennt die Welt, die heute ihm zujubelt, ihm Lorbeer und Ehren spendet, um morgen über ihn hinweg zu schreiten. Aber er kennt auch den Funken des Genies, den Gott ihm in die Seele legte, der ihn mit heiligem Feuer durchglüht, ihm Kraft verleiht, des Lebens Widrigkeiten zu ertragen. Und er weiß, daß diejenigen, die nach den Heutigen kommen, ihn und sein Werk erst ganz begreifen und würdigen werden bis in alle Zeit. ...

Des Meisters Blick fällt hinunter in die Gasse, wo der alte Mann den Leierkasten dreht, umringt von Kindern. Eifrig dreht der Alte, und die Kinder fassen einander um, beginnen zu tanzen. Am Takt sieht's der Meister: es ist ein Walzer, den die Orgel spielt, ein lustiger Wiener Walzer! Ueber des Meisters Züge huscht ein Lächeln ... Die Augen, die eben ifoctj düster geblickt, leuchten auf; obwohl sein Ohr nichts vernimmt von der sröhlichen Musik und dem Jubel der Kleinen. Doch-das Auge sieht Sonne und Frühling und Jugend sieht Wien!

Mühsam erhebt sich dèr Leidende. Immer den Blick auf die frohe Kinderschar gerichtet, geht er zum Flügel. Sinnend ruhen die Hände einen Augenblick auf den Tasten, dann ruckt das markige, von buschigem Haar umwallte Haupt und das In­strument braust von gewaltigen Klängen! Meisterhände sind es, gottbegnadete, die Leid und Jubel, Schmerz und glühende Sehn­sucht einer großen, einsam ringenden Seele in machtvoll quel­lende Töne formen. Töne, die voll wunderbarer Harmonien daherrauschen, die das Gemach füllen und hinausfluten in Sonne und Frühling mitten unter die Kinderschar

Längst hat der alte Mann ausgehört, den Leierkasten zu drehen. Längst stehen die Kleinen da mit offenen Mündchen und sehen scheu zu den großen Leuten auf, die von allen Seiten kommen, um still und reglos unter dem Fenster zu horchen auf das, was mit den Melodien zu ihnen herniederflutet so groß, gewaltig und bezwingend. Erschütternd in dunkler Klage brausen die Töne, um leise und weich in schmeichelndes Flüstern zu sinken und sich wieder hoch zu schwingen auf Sehnsuchtsfitti­chen zur Sonne ...

Jeder Ton, der des Meisters Händen entquillt, kommt aus den Tiefen einer göttlichen Seele, die ihn wie feinstes, zart­besaitetes Instrument erfühlt, auch wenn kein äußerer Klang das Ohr erreicht.

Dämmerung breitet feinen Schleier heilig, entrückt, in überirdischer Reine verweht der letzte Ton ...

Noch stehen die Menschen. Einer flüstert:Beethoven, Lud­wig van Beethoven!" Der Name läuft durch die Menge, die still sich zerstreut ... Des Meisters Haupt sinkt auf die Brust ---- wieder wird kleinliches Leben die Finger nach ihm strecken, wieder lauert Klanglosigkeit!

Ein Jahrhundert verrauschte ... Lange schon ist des Mei­sters Ohr ausgetau droben, im himmlischen Licht, wo es den Sang der Sterne vernimmt.

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Die El'üiklk. ,

Veelhovenskizze von Bruno Winklèr.^-, ;

Endlich war das Werk vollendet. Beethoven hatte um G lernacht den Schlußstrich hinter den letzten Takt gesekt stand er nach einigen Stunden traumlosen Schlafes im Xbinr» scmnenlicht und blätterte in ben Noten. Freude zitterte übCTp Antlitz. Umflutet von den Strahlen der Sonne, burdjglübt n der Seligkeit seines Herzens, sah fein wildes pockennmbi? Gesicht wie das eines himmlischen Wesens aus. ®

Er nahm ein leeres Blatt aus der Schublade seines tilckes. leate es auf die andern und schrieb mit großen stabenBuonaparte" darauf. Unten an den Rand' setzte er i t nen eigenen Namen.

Die Schaffnerin brachte den Morgenimbiß. Beethoven zehrte ihn stehend. Er lief kauend in der Stube auf und ab w den Hut vom Nagel, stülpte ihn sich über das schwarzinük'n^ Haupt und ging, ein Stück Brot zwischen die Zähne ebietw hinaus.

Auf der Gasse grüßte er den blendenden Himmel. Jubeln stieg der Ataientag empor. In den Gärten zwitscherten die Beethoven vernahm nichts von ihrem Gesang.

Beschwingt von dem Sang in seiner eigenen Brust, schlug den Weg nach dem Prater ein. Mit Entzücken drang er in h i frühlingsprangenden Park. Er durchquerte ihn und erreiâ die Donau.

Brausend wälzte sich der Strom vorüber. Beethovens M flog über die glitzernde Flut. Heiter folgte fein Auge den Ufer abwärts strudelnden Wirbeln.

So strudelte und wirbelte es auch in ihm, Erinnerungsbilds und Zukunftshoffnungcn lösend. Ein Abend kam ihm in d-i Sinn, ein Gespräch. Damals wanderte er noch nicht in bi höllischen Stille. Er hatte beim Fürsten Lichnowsky am W vier phantasiert und unterhielt sich mit dem französischen G. sandten.Was haben Sie sich vargestellt, Meister, als Sie fv» ten? fragte ihn Bernadotte.Mich selbst, den Himmel M menb."Sie haben einen Helden geschildert. Ich nuiiiti während Ihres Spiels immer unsern General vor mir sehen." Da war die Idee des Titanensangs zum erstenmal in r geglüht.

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Beethoven schwang den Arm durch die Luft, als risse er eit Orchester zu den mächtigen Eingangsklängeu seines Weiln; empor. Er wandte sich nordwärts. In freudiger Erregung gh;l er rasch stromauf.

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Das war ein Werk geworden, wie es noch niemand bracht: gewaltig, unerhört. Etwas Neues für die Welt und M ihn selbst! Wie Flammen loderte es auf, gen Himmel steigend, aber nicht rote ein ungebänbigter Braud, sondern wie ein Leucht­feuer, das den Menschen den Weg zur Glückseligkeit wies.

Der Gedanke, "den Feldherrn der Franzosen zum Helden einer Tondichtung zu machen, hatte ihn nicht mehr verlassen Das Genie in seinem Kampf mit feindlichen Mächten zu schil­dern, war eine Aufgabe, seines eigenen Kämpfergeistes wert. Drei Jahre ruhte der Same in ihm. Dann keimte er zögernd aus; doch seltsam: nicht zu siegverheißenden Klängen sich for­mend, sondern zu Schmerzenstönen. Das war, als er selbst nichts mehr kannte als Verzweiflung und Schmerz, als ihn das Schicksal für immer des Gehörs beraubte. Wenig hatte gefehlt,, und er hätte sein Leben aus freiem Willen geendet.

Der Zeit feiner Schwäche gedenkend, faßte Beethoven sich wie in Scham an die Stirn. Unwillkürlich glitt sein Blick nach den Höhen, an deren Fuß das Dorf Heiligeustadt lag. Dort batst er in erschütternden Worten seine Qual niedergeschrieben. - Aber dahinten lag auch ein Winkel des Glücks: Oberdöbling, wo die Symphonie entstanden war.

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Spielend hatte er die Quadern seines Werks aufemanto M

getürmt. Kraft hatte es geboren, Kraft war es selbst: Mit > gendgewalt braust der Heldenkämpser einher. Himmel und Grit hallen wider vom Schlachtgetöse. Herrlich leuchtet der Sieg, Aber kein Sieg ohne Opfer! Klagetöne zerreißen das Herz Einst wird der Sieger selbst Opfer fein. Dumpf rauschen Wogen des Trauermarsches. Geläutert schreitet der Held seins Bahn. Rastloses Wirken füllt seinen Tag. Freude fordert ist Recht. Jauchzend strebt er dem Himmel entgegen. Siebtti nimmt die Gottheit ihn auf.

Das hatte er gestaltet. Jener aber lebte es und und rote es noch leben, der erste Konsul der französischen Republik

Beethoven blieb stehen. Er schaute gen Westen. Sein grüßte den Heldengeist des großen Zeitgenossen.

Plötzlich kehrte er um. Er erinnerte sich feiner PM Auf dem kürzesten Wege eilte er heim.

Ries, sein Schüler, wartete schon. Er deutete auf die ncii Bonaparte benannte Schöpfung und machte mit der RMi' eine stolze zackige Bewegung über seinem Kopf. Fragend sch der Meister ihn an. Er reichte ihm das kleine Heft, das er z« Verständigung mit den Menschen immer bei sich trug. Ries nahm es und schrieb hinein:Buonaparte hat sich zum Kaiser » rufen lassen."

Beethoven erbleichte.Zum Kaiser?" stieß er hervor. K? Der Retter, der Held?" Aèit verzerrtem Gesicht stürzte er nach dem Schreibtisch, zerriß das Titelblatt und schleuderte die fr derschrift seines Werkes auf den Boden.Ist der auch nicht» anderes als ein gewöhnlicher Mensch?" rief er schrill.M wird auch er alle Menschenrechte mit Füßen treten! Wie ein Rasender stampfte er durch das Zimmer, feinen entgötterten Helden verwünschend. Dann warf er sich in einen Stuhl.

Ries hob die auf dem Boden liegenden Blätter auf und ordnete sie.Der Heros, der ihn begeistert hat, ist ein Trugbild gewesen", fprad) er dabei zu sich selbst.Aber das Werk, das der Meister schuf, ist vollkommen." Er nahm einen Zettel, legte ihn Auf die Noten und schrieb die WorteSinfonia eroioa" darauf

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Beethoven stand bald nach Tagesanbruch auf und arbeitclc bis zur Mittagsmahlzeit, nämlich bis etwa zwei Uhr. In d« Zwischenzeit lief er wohl auch ein- oder zweimal ins Freie, Gedanken immer noch mit feinen Arbeiten beschäftigt, so M auf der Straße mancher dem murmelnden oder gestikuliercnten Manne, der dann und wann stehen blieb, um mit seinem dicke" Zimmermannsbleistift in sein Notizbuch zu schreiben, beluN nachsah. Am Nachmittag unternahm er weite Spaziergön^ besonders im Sommer, den er in den reizvollen Vororven oct Wien verbrachte, Wiesen und Wälder rastlos durchstreifen!» Abends studierte er in einem Wirtshaus die Zeituntzien.

10 Uhr begab er sich zur Ruhe. Seine Hauptmahlzeitwi roarc reichlich aber einfach. Wein war fein bevorzugtes Getftänk, das er noch auf dem Sterbelager verlangte; aber der von stnnA Verleger Schott in Mainz gesandte alte Rheinwein traf zu einem Zeitpunkt ein, an dem der Kranke ihn uicht mehr genieijen -konnte. Als man die Flaschen auf feilten Tisch stelle, rief e aus:Zu spät, schade, schade!" Dies sind übrigens Beethoven letzte Worte .gewesen.

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Es geschah einst, daß zwei Kohlbauern die Straße Grinzing hcrabsuhren, als eben Beethoven mitten auf 6 Fahrstraße ruhig schreibend saß. Schon wollte der eine, u willig über den ihm den Weg Verstellenden, mit einem dcrv AuSruf ihn gehen heißen, als der andere ihn mit dem Ausrm zurückhrcll:Hannes, tu das beileib nlt, der is ^cr, sl^ Musikaul von Wien, der grad wieder was Neues schreib!. Beide verweilten nun solange, bis Beethoven seine Papier gebracht und sich ohne weiter den Ort und Vic

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gebung zu beachten entfernt hatte."

Als Siebzehnjähriger tarn Beethoven zum cefielt nach Wien, um Mozart, bei dem er Unterricht uey sollte, vorzuspiclcn. Bald geriet der zuerst äußerst mißtrau i Mozart in höchstes Staunen und sagte zu seinen Freu" $ »Aus Ben gebt acht, der wird einmal in der Welt von » reden machen."

Auch Beethoven hat wie alle großen Meister Fülle von schlechten Kritiken bekommen. So bezoichnc .^ Rezensent derZeitung für die elegante Well'» die » M Smnvhouie als ein »krasses Ungeheuer, eine« curgestow unbändig sich windenden Lindwurm, der nicht starben ^, JL selbst verblutend noch mit aufgereettem Schweife (Finale-< geblich wüttnd am sich schlägt."