Meine Zeitung für eilige £efer
* Jm Reichstag hielt Reichsaußenminisier Dr.. Stresemann die augekündigte Rede über die Lage der deutschen Außen- Politik.
* In Genf hat Lord Robert Cecil im Auftrage der englischen Regierung der jetzt dort tagenden vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz neue Vorschläge für die Av- tiistungtzfrage übergeben.
* Im jugoslawisch-italienischen Konflikt ist eine merkliche Entspannung erngetreten.
* In Schanghai finden blutige Straßeukämpfe statt. Nanking ist kampflos den Kanwniknppen in die Hände gefallen. f>^^^^^ffiHA-^^&^<t^^aiâtt^
9N MersLäMgHer AMw des ZusMMnhrM.
Berlin. Der mit der Unterfuedung der Ursachen des Zn - sgruutenbruchs beauftragte Unterausschuß in: purlameiltarnare» 1!.. ersuLungöausschnß verimhm den fruUereu Oberbelzer Beckers. Der Zweck der Vernehmung richtete sich an, eint Uärnng der pol: - seinen Verhältnisse auf der Flotte unter dem vküdW>untt, ob in den Kreiselt der MaimjMaften bewirkt auf Urnfmrz in der Richtung der Organisationen der U.-s-P, und der noch weiter links Stehenden hingcürbeitet wurde. Beckers war Oberhèizer auf dem Schlachtkreuzer „Prinz Luitpold".- Er führte aus, die letzte Ursache eines gerne tn- s„ . cn Vorgehens der Mannschaft sei die Unzufriedenheit md dem ihnen vorgesetzten Essen gewesen. Auch der Kampf um den sogenannten Rcscrvistengroschen, der für jede Dekade in einen Reservefonds geflossen sei, habe mit hinemgcspiclt. Es sei eine Organisation, der sogenannte Soldatenbund, gegründet worden, um die Mißstände im Essen zu beseitigen. Eine politische Betätigung sei nicht erfolgt.
Der Komprourißantrag der Regierungsparteien über die Bier- steuer im Ausschutz augeuourvrcii.
Berlin. Im weiteren Verlauf der Beratungen im Steuer- ausschrch des Reichstages wurde der Kompromißaiurag bei l iegierungspartcieu über die Biersteuer mit 14 gegen 12 Stimmen angenommen. Für die Deutsche Volksparrei hatte bei Avg. Keinath vorher noch erklärt, daß die Bcieiligmtg seine; Fraktion an Lem Kompromihantrag nur eine vorläufige sei
Die GememdeßelräMsteuer vor dem SLeuerausschuß.
Berlin. Im Steuerausschutz des Reichstages wurde im Verlaufe der Debatte zur Frage der GemeisdegetrLukeßeuer von den Regierungsparteien beantragt, daß die Gemeinden mit Genehmißmtg der Landesreyrcrutig oder der von ihr beauftragten Behörden Steuern aus den örtlichen. Verbrauch von Bier erheben dürfen. Die Genehmigung darf nur erteilt werden, wenn sicher ist, daß die Neuciusuhrung oder Erhöhung der Brersteuer durch die entsprechenden Steuerscnkuu- gen auf anderen Gebieten, insbesondere aus dem Gebiet der Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuern ausgeglichen wird. Die Steuer dürfe nur von dem Hersteller des Bieres oder demjenigen erhoben werden, der Bier in die Gemeinden einführt. Sie dürfe 7 % des Hcrstellerprcise» n i ch i überschreiten. Staatssekretär Popitz erklärte, die Ablösung der Geträukesteuer durch den Reichsfonds, die eine weitere Verschlechterung der Finanzlage des Reiches boderne, müsse deshalb abgelehnt werden. Der Ausweg muffe gc- fuusen werden, indem man aus die Vergangenheit zurückgehe, wo die Biersteuer die wichtigste Gemeiudegeträirkestemr war. Der Regierunßsverlreier empfahl daher den Antrag der Regierungsparteien. Gegen die Besteuerung des Weines beständen solange Bedenken, als die Krise des Weinbaues nicht überwunden sei. Der Branntwcinkonsum müsse vom Branntweinmonopol so ausgiebig wie möglich erfaßt werden.
Abstriche am Mittellandkanalbau.
Berlin. Der Haushaltsausschutz des Reichstages beschloß Den mit 40 300 000 Mark vorgesehenen Etatstitel zur Fortsetzung des Mittellandkanalbaues östlich Hannover um 20 Millionen Mark zu kürzen^ Ebenso wurde beschlossen, daß Die Bauausführungen am «>MMsël zunächst umerbleiben sollen. Vorher hatte her sächsische Gesandte, Gradnauer, eine Erklärung abgegeben, worin er gegen Die Kürzung und die Einstellung der Arbeiten am Jüdslügel protestierte. Auch der arr- haltische Vertreter gab eine ähnliche Erklärung ab.
Ellgiffche MrâstvngsvötHläge.
Während in China der Kriegsbrand lodert und es auf dem Balkan ziernlich heftig kriselt, während der englisch-russische Konflikt sich gleichfalls immer mehr zuzuspitzen scheint und Frankreich ein Riesensysrem militärischer NürLungen ausbaut, ist in Genf beim Völkerbund wieder einmal die Abrüstungskommission zufammengetreten. Es ist ihre dritte Tagung und mehrere Unterkommissionen hâen in langwierigen Sitzungen Vorarbeiten zu leisten versucht —, aber es ist bei dem Versuch geblieben; irgend etwas Praktisches ist schon deswegen nicht herausge- ksmmen, weil sich keine Macht um die Entschließungen dieser .Kommission kümmerte, auch dann nicht, wenn der Vertreter jener Macht solchen Entschließungen zustimmte. Das gilt besonders für den Gaskrieg.
Deutschland sitzt ja nun auch in dieser Kommission, begnügt sich aber als einziges Land, das völlig abgerüstet hat, in der Hauptsache mit der Rolle eines. Zuhörers. Auch insofern ist die Kommission noch nicht zu einem praktischen Resultat gekommen, als sie einen Entwurf bzw. einen Vorschlag noch nicht ausgearbeitet hat, der einer künftigen Abrüstungskonferenz zur Beratungs gründ läge dienen soll. Nun ist der englische Vertreter, Lord Cecil, mit einem neuen Vorschlag vorgetreten, der nur den einen Nachteil hat, daß Frankreich ganz sicher nicht damit einverstanden sein wird. Zunächst will der englische Vorschlag fordern, daß alle vertragschließenden Staaten dem Völkerbundsekretariat eine genaue Ausstellung ihrer Ausgaben für R it stungen jeder Art alljäh r lick) übersenden sollen. Das ist eine Forderung, deren Erfüllung weiter nicht schwierig ist, weil ja die Kosten für die Rüstungen wenigstens zu ihrem allergrößten Teil im Haushalt eines jeden Landes erscheinen und veröffentlicht werden. Aber schon der zweite Punkt des englischen Vorschlages wird büch er stark umstritten werden: eine «Herabsetzung der Land-rüstungen nämlich dadurch erzielen zu wollen, daß eine Herabsetzung der Zahl jener Truppen vorgenommen wird, die nach der Eröffnung der Feindseligkeiten an die Kampffront geschickt werden sollen; das heißt also, daß überhaupt nur die Friedenszähl der Landtruppen in Betracht gezogen werden soll, also nicht die Reserven. Schließlich macht England den Vorschlag, daß die Zahl der aktiven Offiziere und Unteroffiziere in ein bestimmtes Verhältnis =ntr Truppenzahl gebracht werden soll, um Kadersbildungen vorzubeugen.
Hinsichtlich der SeerüDungen soll nun größte Offenheit obwalten über Zahl, Tonnage und Bestückung der Kriegsschiffe aller Kategorien mit festen Begrenzungen der Größen nach oben, genau so wie man es teilweise, aber schließlich doch ohne jeden Erfolg 1922 auf der Washingtoner .Konferenz beschlossen hatte. Auch' für die Herabsetzung der L u f t r ü st u n g e n werden allerhand Vorschläge gemacht; grundsätzlich sollen aber Untersuchungen darüber, ob eine solche etwa abgeschlossene Konvention von einem der beteilig teil Staaten nicht eingehakten wird, nur mit Zustimmung dieses betreffenden Staates erfolgen.
Dieses englische Kind ist aus der Konferenz der Ab- rüstungskontmission nicht gerade unter glücklichen Aus-
f^ien in die Welt gesetzt svordeN. Zunächst erklärte der französische Vertreter, Paut-Boneour, dessen energischen Auftreten bei den Boen-ungen über die weitgehenden Verstärkungen der Rüstungen Frankreichs bekannt genug ik nach dcw'AnWihruugen des englischen Pertreiers sofort, in bett nächsten Tagen würde die Antwort durch die Einbringung eines s r a n z ö s i s ch e n G e g c u v o i - schl age s erfolgen. Und noch schärfer war die rtauc Nische. Antwort, als nämlich Ler General de Marina er klärte.: Italien verlange, in Rüguugsfragen zunächst ein mal auf die gleiche Höhe wie die stärkste europäische Ko:: tinentälmachg gebracht zu werden, und man müsse zunächst einmal demgemäß mit einer Rev-non der Rüstungen an fangen, ehe man an eine Stabilisierung oder gar Herab femuia denken könne. Mo erst Grabes Rüstungsinvean für alle bisher noch zurückgebliebenen Groß; nichts Europas und erst dann eine gleichmäßige Abrüstung. ,
Deutschland und die .AbrâstungsvsrschiZgr Lstd Cetils.
Der Wortlaut der Abr üstrmgsvorschlüge Lord Roben Cècils liegt in Berlin noch nicht vor. Sie entsprechen aber dem von England bisher eingenommenen Standpunkt, bei im wesentlichen auch mit dem unseren übereiustimmt. Der Hauptpunkt dieser Vorschläge dürste sein, daß England die C' ^iuen Bestände der Armeen zum Gegenstand d^r Ab- rü umg vorschlägt. Das ist wesentlich, weil die französische AuZassimg dahin geht, daß die Abrüstung nicht die ausge- di - Kcn Reserven, lagerndes Material und alle materiellen und personellen Mittel umfaßt, die in Paris mit dem Begriff „potentiel de guerre" bezeichnet werden. In der Frage der Seeabrüstung schlägt England einen Ausbau des Washingtoner Abkommens vor, und auch die Vorschläge für die Luststreitkräfle entsprechen im wesentlichen unseren Auffassungen.
AeMWland uüd dis AbrüftulrMraßs.
Genf. Der Vertreter Deutschlands in der Abrüstnugs- kommission, Graf Bernstorff, gab in der Dèenâtaggtzung eine aruudsätzlise Darstellung des deutschen Standpunktes zum Abrüstungsprobum. Er betonte, daß nach den Dielen mühsamen Verhandlungen der Sachverständigen nun auch Taten folgen müßten. Deutschland habe ein Recht daraus, daß nunmehr die allgemeine Abrüstung erfolgt, nachdem Lie deutsche Abrüstung restlos durchgeführt sei. Graf Bernstorff begrüßte den englischen Abrüstungsvorschlag, auf dessen Entwurf allerdings noch näher eingsgangen werden müßte. Unsere wichtigste Aufgabe sei Die Herabsetzung der Rüst un- gen. Dcutscklaud sei zu ernster Mitarbeit beim Werle wahrhafter Abrüstung entswiossen, zu unbefriedigende!! Lösungen könne cs aber seine Zustimmung nicht geben. Das Endziel sei boll ständige Abrüstung: auf Scheinlösungen dürfe man sich nicht tinlassen.
SnlsPsnnMg im Wamenkvnfiitt.
Für Entsendung einer internationalen UntersuchungskOMmission.
_ In der durch den italienisch-südslawischen Konflikt geschaffenen Lage ist keine nennenswerte Änderung ein- getreten. Der Meinungsaustausch zwischen den Regierungen von Paris, Berlin und London, denen das italienische Memorandum überreicht worden ist, wurde fortgesetzt.
Der französische Slandpunkt zu der italienisch-jugoslawischen Spannung geht dahin, daß die Lage nicht mehr als besonders beunruhigend zu betrachten sei, da die italienische und die jugoslawische Regierung, wenn ein Gewaltstreich beabsichtigt gewesen wäre, sicher nicht alle Kanzleieti Europas verständigt haben wurden. Die Annahme, so schreibt „Matin", iß begründet, daß die italienische Regierung ernstlich wünschtz auf internationalenr Gebiete eine Lage aufzuklären, die ihrer Ansicht nach beunruhigend ist. So hat denn auch oer italienische Botschafter im Verlaufe seiner Unter revnng mit Briand anscheinend keinen grundsätzlichen Einspruch gegen den jugoslawischen Vorschlag der Entsendung einer internationalen Kommission zur Untersuchung der angeblichen jugoslawischen
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Der Gießener Fememsrdprozetz.
Gießen, 22. März. Unter starkem Andrang des Publikums begann heute vormittag 8.30 Uhr vor dem Obsrheffischen Schwurgericht in Gießen der Fememordprozetz gegen den Chauffeur Ernst Kssimir Schwing, Leutnant v. Salomon, beide aus Frankfurt a. M., sowie dem Stahlhelmredakteur Friedrich Wilhelm Heinz, z. Zt. Magdeburg. Das Gerichtsgebäude ist von der Polizei streng gesperrt. Der Zutritt ist nur gegen Vorzeigung von Eintrittskarten gestattet. Zahlreiche Pressevertreter, u. a. aus Berlin, sind zur Berichterstattung erschienen. Im Zuhörerraum sind Plätze für 200 Personen geschaffen. Die Eintrittskarten für diesen Besuch sind schon seit etwa acht Tagen vergriffen, zahlreiche weitere Gesuche um Gewährung von Eintrittskarten mutzten abgelehnt werden, da der vorhandene Raum keine weitere Besucherzahl zulützl. Den Vorsitz des Schwurgerichts führt Landgerichtsdrrektsr Dr. Cramer, Gießen. Außerdem gehören dem Gerichtshof als Berufsrichter noch an die Landgerichtsrüte Dt. VrM und Dr. Küchler, Gießen. Die sechs Geschworenen, die schon zi^ Beginn des Jahres für die zweite Schwurgerichtsperiods vorausbestimmt waren, sind Herren aus kleineren Orten der Provinz. Sie gehören teils dem kleinen Handwerkerstand an, teils sind sie Privatangestellte und teils sind sie als Arbeiter tätig.
Die Anklageochörde vertritt Staatsanwalt Justizrat Weidemann, Gießen. Verteidiger sind für Schwing Rechtsanwalt Luley-Eietzcn, für von Salomon Rechtsanwalt Dr. Lüttgebrune- Göttingen, für Heinz Rechtsanwalt Schlinck-Gießen. Als Vertreter des Oberreichsanwalts wohnt Amtsgerichtsrat Dr. Friedrich tpscherauer-Leipzig den Verhandlungen bei, ferner ein Vertreter des Berliner Polizeipräsidenten. Zu dem Prozeß sind e:wa 81 Zeugen geladen. Die Anklage lautet gegen Schwing und v. Salomon aus Mordversuch, geg^n Heinz wegen Beihilfe Kurz nach 8.30 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Cramer, die.Verhandlungen und vereidigte die Geschworenen. Aus der Untersuchungshaft werden vorgeführt die Angeklagten Schwing und v. Salomon, Salomon in Zuchthauskleidung. Der Angeklagte Heinz ist gegen Kaution von 10 000 Mark auf freiem Fuß belassen worden und ist heute zur Verhandlung erschienen.
Zunächst werden die Personalien festgestellt. Der Angeklagte Ernst Kasimir Schwing wurde am 16. 12. 1897 in Frankfurt am Main geboren, von Beruf Kaufmann, verheiratet und bisher unbestraft. Der Angeklagte Bankbeanite und Leutnant a. D. Ernst v. Salomon wurde am 27. 9. 1902 in Kiel geboren. Er ist ledig, wohnte zuletzt in Frankfurt a. M. und befindet sich zurzeit wegen Beihilfe zur Ermordung des Reichsaußenminifters Rathenau im Zuchthaus Striegau in Strafhaft. Der dritte Angeklagte Oberleutnant a. D. und frühere Schriftleiter des Stahlhelm, Friedrich Wilhelin Heinz, erblicktc am 7. Mai 1899 in Frankfurt a. M. das Licht der Welt. Er ist gleichfalls ledig und wohnt znrzeit in Magdeburg.
Der Vorsitzende verliest zunächst den Eröffnungsbeschluß, m Salomon und Schwing hal^n in der Nacht vom 4. zum 5. Mai 1922 in Bad Nauheim den Oberleutnant a. D. Wagner töten wollen, wobei Heinz und die anderen Beibilfe geleistet haben. Zunächst wird v. Salomon vernommen, wobei der Vorsitzende zahlreiche Fragen stellt.
Rüsilnujon er hohem In Paris glaubt man deshalb an die Möglichkeit einer praktis ch e n und loyalen L ö s u n g , ohne das; man nötig haben wird, große Mittel anzuwenden. Auch die Stimmung in England ist bedeutend ruhiger geworden.
Der Gedanke einer dringlichen Einberufung des Völkerbundrates, obwohl noch nicht völlig aufgegeben, ist also gegenwärtig in den Hintergrund gedrängt. Man wird zuerst versuchen wollen, die Zustimmung Italiens zu der Entsendung einer internationalen unparteiischen llnferiimnuigrt^ zu erhalten, die au Ort und Stelle die nötigen Erhebungen über die strittigen Fragen anzustellen hätte. Die serbische Regierung hat sich bo kauutlich bereits hiermit einverstanden erklärt.
Ulutige GiraßenkampsL in Schanghai.
A u d^ Nanking gefallen.
Nach der Emuahrne Schanghais durch die Kantontruppen ist es in den Straßen der Stadt zu Kämpfen zwischen Soldaten und bewaffneten Zivilisten gekommen. An verschiedenen Punkten der Stadt sind Brände aus- gebrochen. Der Handel ruht vollständig. Die Zahl der Streikenden beläuft sich auf 150 000. Die Chinesenstadt wird außerdem von Plünderern stark heimgksucht. Wie weiter bekannt wird, haben Nordtruppen, bereu Zahl auf mehrere Hundert geschätzt wird, die Drahtverhaue Les nördlichen Teiles der internationalen Niederlassung durchbrochen und sind durch Seitengassen, die nur schwach von den britischen Streitkräften besetzt waren, eingedrungen. Nach einer Meldung des „Svening Standard" sind bei den bisherigen Unruhen und Kämpfen auch bereits Ausländer zu Schaden g c t o m m e n. So wurden bisher drei Engländer getötet. 14 verwundet, außerdem wurden ein Japaner und ein Portugiese verwundet. Von einer Abteilung Kanton- truppen wurde ein britischer Panzerwagen umzingelt; die Mannschaft, von der melwere Mann verletzt wurden, mußte sich unter ßnrüdraffunq des Panzerwagens zurückzieheu.
Ähnlich wie in Schanghai ist auch in Hanka it ein Streik ansgebrochen, an dem sich alle chinesischen Angestellten der ausländischen Bank von Hankau beteiligen. Streikposten haben vor dem Bankgebäude Aufstellung genommen und drohen den europäischen Angestellten, ihnen ihre Lebensmittel wegzunehmen, wenn sic die Arbeitsstelle nicht verlassen.
Nach englischen Agenturmcldnngen haben die Nord- truppen Nanking geräumt, die dort operierende Armee der Kantonregierung hat die Stadt ohneKampfcin- 0 e n o m m e it.
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Kerne Gefahr für Deutsche.
Dem Ostasiatisckkcn Verein Hamburg-Breruen ging von her deutschen Handelskammer Schanghai das nachstehende Telegramm vom 22. März zu: „Der Übergang zur Süd- partèi erfolgte fast ohne Kampfhandlung. Wir erwarten feine Unruhen. Zur Befürchtung liegt kein Grund vor."
Preu^itoer &mMa&
(202. Sitzung.) tt. Berlin, 22. März.
Ein vom Abg. Kasper (Komm.) gestellter Antrag auf so-, dortige Besprechung angeblicher Überfälle aus Rote Frontkämpfer scheitert am Widerspruch aus dem Hanse. Der Landtag nahm bann Anträge des HauptansschufseS an, wonach zur Verminderung der Erwerbslosigkeit ein Teil der im Haushaltsplan für 1927 vorgesehenen Mittel für öffentliche Bauten schon jetzt zur Verfügung zu stellen ist und das Staatsministerium ersucht wird, sämtliche Ausgabetitel 1927, Deren Durchführung eine unmittelbare Befrnchtung des Ar- beitsmarktes zu bewirken geeignet ist, in einem besonderen Rotctat zusammenzustcllen und diesen dem Landtage schnellstens vorzulcgen. Es folgt die Eiuzelberatnng des Kultuselats. Der Etat wird erledigt, die Abstimmungen sollen später erfolgen. Die Etats Der preußischen Gesetzsammlung, des Deut-- schen Reichs- und des Preußischen StaatssuzeigerS, der Münz- unb Lotterieverwaltung werden ebenfalls in zweiter Lesung erledigt. Dann tritt Vertagung ein.
Er schildert zunächst sein Vorleben, seinen Aufenthalt vmher, dann in Frankfurt a. M., hierauf in Vad-Nauheim. v. Salomon ist Sohn des xrhninalinfpeltors v. Salomon, der nach Frankfurt a. M. versetzt wurde. Er war nach dein Kriege bei den Kämpfen gegen die Kommunisten beteiligt, kämpfte im Baltikum mit, machte den Kapp-Putsch mit, war dann im Ruhrgebiet und mußte wegen des Kapp-Putsches im Juli 1920 seinen Abschied nehmen. Er war damals noch nicht 18 Jahre alt. Im Mai 1921 war er in Frankfurt a. M. bei der Providentia ange- fteüt, ging dann nach Ober sch le sien bis August 1921 und dann wieder zurück in seine Stellung. Er trat Lem Verband national gesinnter Soldaten in Frankfurt a. M. bei. Dort lernte er Till essen, Kern usw. im Winter 1921 auf 1922 kennen. Mit Kern safroh er nähere Freundschaft, den er außerordentlich verehrte und heute noch verehrt. Er war dem 19jährigen Führer, Freund und Vorbild, noch inniger als ein Leibsuchs und ein Leibbursch.
Ueber den Führer des Verbandes war er sich nicht ganz klar. Seines Wissens war in Frankfurt a. M. ein gewisser 'Schröder, Hi al Heinz, Führer des Gaues Tillessen. Die meisten Mitglieder waren Jugendliche, national gesinnt, aber Soldaten waren sie ni-ht. Absolute Gehorsamspflicht bestand nicht. Seines Wif- sen-s war Leiter des Verbandes national gesinnter Soldaten der völkische Abgeordnete Henning. Seines Wissens habe die Organisation Consul in Frankfurt a. M. nicht bestanden. Er habe unter der Organisation Consul einen Verband verstanden, der einen gewissen Schwurparagraphen, Nebenbestimmungen usw. gehabt habe. Einem solchem Verband habe er nicht angehört. Er habe nach der Befreiung Dittmars für diesen Geld gesammelt. Kern, fache er, habe Dittmar in der Nacht zum: 28. 1. 1923 aus dem Gefängnis geholt. Wer das Auto gefahren habe, wisse er nicht. Wagner war er ganz unbekannt. Ob Wagner mitgewirkt habe, wisse er nicht. Vorher habe er von Wagner gar nichts gehört. Am Freitag, den 3.3. 1922 habe ihn Kern gesagt: „Ich solle mit ihm ins Trocadero gehen." Er habe sich umgetogen und sei mitgegangen. Als er dorthin ge-- kommen sei, habe Kern mit einem Herrn zusammen dort gesessen. Korn habe ihm diesen als v. Salomon vorgestellt. Der andere habe sich als Redakteur Dr. Weigel vorgestellt. Dieses sei Wagner gewesen. Kern habe ihn mit seinem Spitznamen „Pfeffer" genannt. Weigel (also Wagner) habe allerlei renommiert und die- ausgezeichneten Beziehungen zum besetzten Gebiet gerühmt Er habe ihm Ausweispapiere der Interalliierten Kommission gezeigt, ausgestellt auf Schlosser Weigel. Auf Einzelheiten tön nc er sich nicht mehr besinnen. Sie hätten sich gegen 6 Uhr getrennt und bäten sich abends um 8 Uhr wieder treffen wollen. Wagner sei mit den Damen, die bei ihnen gewesen seien, vorausgegangen. Er habe Kern sein Erstaunen über die Bekanntschaft geäußert. Da habe Kern losgebrochen: Wagner sei ein Srbwcin usw. Er habe alles verpulvert u. nun schreibe er Erpres- serbriefe mit der Drohung, die Ditrmarfache der Polizei zu verraten. Jetzt wolle er den Mann loswerden. Es fei ihm unangenehm, mit diefem zusammen zu sein. Wagner stehe auch im Spitzelverdacht, er solle zurückhaltend sein. Sie hätten sich getrennt und seien am Freitag, den 3. März, abends 8 Uhr im Trocadero wieder zusammengekommen. Wagner habe Wein