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sorhtm die Einfuhr von Weinen ausgenommen wird, Da sie sich, wie das Blatt erklärt, trotz der Unterzeichnung des Protokolls das Recht Vorbehalten, das Provisorium am 21. Mär; mit Wirkung zum 31. März zu kündigen, wenn bis dabin ein Einverständnis über die Weinsrage nicht erzielt werde.

Die Schlacht um MMng,

U ampflose ü bcrg a b e Schanghai s.

Daily Mail" berichtet aus Schanghai, das Net; der Kantonesen um Nanking herum werde immer enger. Die Feng-Truppen besetzten Lischui und häUen eine Linie her- gestellt, die anscheinend am rechten Ufer drö Jangtse aus Die Stadt zutaufe. Eine andere Unterbrechung in der Front des Generals Tschangtsungtschang fei in der Nähe von Jjhsing erfolgt. Man nehme an, das; diese Stadt von den Kantonesen besetzt worden ist. Infolge hact- näckiger Angriffe auf die Verbindungslinien Tschangs sei die SchanghaiRanking-Eisenbahn so wirksam bei Tschautsching, 20 Meilen westlich Sutschau, unterbrochen worden, daß Tschang hier nicht in der Lage sei, die Füh- lung mit Nanking auszunehmcn.

Die Blätter melden aus Schanghai, es sei dort eine neue ernste Krise entstanden. Aus die Nachricht von der angeb­lichen Einnahme Nankings durch die Kantonesen hätten die Arbeiteragitataren in Schanghai den Generalstreik verkündet. Etwa 250 000 Arbeiter sollen wieder streiken.

Nach weiteren Meldungen aus Schanghai sind zwi­schen dem in Schanghai stationierten Befehlshaber der Schantungtruppen und dem Oberkommandierenden der Kantonarinee, General Tschiang Kai Schek, Verhandlun­gen über die friedliche Übergabe Schanghais im Gange.

Aus Seffeu-Aaffau und Aachdargebielen.

Merkblatt für den 20. und 21. Mörz.

Sonnenaufgang 604 Mondaufgana g57 R.

Sonnenuntergang 6'- Monduntergang 7 V.

20. März: 1770 Johann Christoph Friedrich Hölderlin geb. 1828 Henrik Ibsen geb.

21. März: Der schweizerische Rattonalheilige Nikolaus von der Flüc geb. 21. März 1417, gest. 21. März 1487.

Alles, was wir wirklich lieben, ist unersetzlich und alles, wofür Ersatz nur denkbar ist, haben wir niemals wahrhaf­tig geliebt.

Wetterbericht.

Das Hochdruckgebiet über dem Festland hat sich gehalten. Doch kommt cs mehr zur Ausbildung einer Westströmung, un­ter deren Einfluß zeitweise Bewölkung aber keine Niederschläge, oder nicht nennenswerte bei uns auftreten werden. Vorher­sage bis Samstag abend: Wolkig bis aufheiternd, trocken, milde, südliche bis westliche Winde. Vorhersage für Sonntag: Keine nennenswerten Aenderungen.

Das Wetter der Woche. Das veränderliche Wetter, das in der ganzen ersten Märzhälfte geherrscht hatte, hielt auch in den ersten Tagen der letzten Woche nodj an. Schon am Dienstag bereitete sich dann ein Umschwung vor, der rins eine völlige Veränderung der Wetterlage brachte. Bei ansteigendem Luftdruck nahm die Bewölkung mehr und mehr ab.' In den klaren Rächten gingen die Temperaturen dabei sehr stark zurück. Nicht nur in den Mittelgebirgen, wo es noch zu vereinzelten Schneefällen kam, sondern auch im Flachland kam cs zu Nachtfrösten. Im Lause des Tages kletterte die Quecksilbersäule allerdings immer wieder schnell empor. In den Mittagsstunden wurden 12 bis 15 Grad Celsius gemessen. Da augenblicklich über Mitteleuropa ein starkes Hochdruckgebiet lagert, ist eine Änderung des Wetters für die nächsten Tage nicht zu erwarten. Nur im Nordosten muß man bei Annäherung des über Nordfinnland liegenden Tiefdruckwirbels mit zunehmender Bewölkung rechnen.

Fulda, den 19. März 1927.

Am Wochenende.

Du Sumserin von Gold, wo kommst du her? du Zucker- jchlürferin, Wachsmacherlein!-- Rautendeleins Lied zi- ricrt des Nachbars Töchterlein, das sich auf den Besuch der B ersunkenen Glocke" vorbereitet. Und wahrhaftig, im Gar ren summen die ersten Bienen, und sie laben sich an den prächtig aufgeblühten Schneeglöckchen. Noch gibt es bei uns zu Lande nicht Krokus, Veilchen, Himmelsschlüssel". Bei dem schönen Wetter werden sie jedoch nicht mehr lange auf sich war­ten lassen.Alle Farben leuchten lichter Jedes Menschen­kind ein Dichter!" Der den Vers geschmiedet, hat übertrieben -- jedes Menschenkind ein Dichter ist ein bischen zu­viel gesagt. Vielleicht jedes zweite oder dritte? E s i ft halt Fr s h l i n g, und deshalb ist auch per Stoßseufzer jenes Schriftleiters verständlich, er seufzt in seinem Briefkasten: Bitt^ nicht dichten, wir sind mit Frühlingsgedichten etwa bis zum ^ahre 1940 versehen!" Wenn das im nüchternen Jndu- itrierevier geschieht, wie mag es dann erst im Rheingau, tyt der Bergstraße oder sonstwo im sonnigen Süden sein? Aber es ist schon so, daß der Mensch das am ehesten besingt, was ihm am meisten fehlt. Ich habe zum Beispiel die Freude am Frühling und die Sehnsucht nach Gottes freier Natur am tiefsten aus­geprägt gefunden in der Arbeiterschaft des Dortmunder Koh- lenbezirks. In den landschaftlich reizvolleren Gegenden nimmt man die ganze Frühlingsherrlichkeit als etwas Selbstverständ­liches hin, man sieht alles sozusagen mit prosaischen Alltags- augen an. Wen je das Schicksal verschlug in jene Industrie- gegenden, wo die Kcboldr gehen in Ruß, und kreischender Stahl Die Lüfte durchschauert, dem gehen die Augen für die Schön­heit unseres Fuldaer Landes auf, überhaupt für das Schöne in der Landschaft. Gewiß, es liegt eine hohe Poesie in dem Lied der Arbeit, wie es uns mit ehernem Rhythmus in den ^ndustriegcgenden entgegen braust. Als einen seiner besten Sänger fermen wir den Kesselschmied Lersch, doch zutiefst klingt aus seiner Dichtcrseele der Schrei nach Erlösung und die Sehn­sucht nach der freien Natur. Mit tiefer Ehrfurcht erfüllt uns vielleicht der Geist, der hinter dem Räderwerk moderner Technik steht. Manchen: wird vielleicht ein Gang durch das Krupp'sche Werk in Essen zu einem Erlebnis - und es ist nicht zuviel, das heute vielfach mißbrauchte Wort darauf anzuwenden. Aber all dieses Mcnschenweri dünkt uns klein, entschwindet unseren Sinnen vor jenem wahrhaft religiösem Erlebnis in der freien Natur, wenn uns etwa die ausgehende Sonne im Gebirge auf die Knie zwingt, dem Schöpfer Danc und Anbetung. Innerlich reicher kehren wir heim vom frohen Wandern, das jetzt wieder jo recht anhebt. Wanderer sind Gottsucher Wanderer sind Heimatsuchcr. Das Wandern ist auch ein Gesundbrunnen, des­halb ist zu hoffen, daß auch bei dem kommenden Tubcrkulojc- fürsorgegssetz dem Wandern die gebührende Beachtung zuteil wird. Solchen Fürsorgemeßnahmen der Regierung steht ein großer Teil der Bevölkerung mißtrauisch gegenüber. So würde man beispielsweise das Pferd am Schwänze auf säumen, wollte man diese Volksseuchc bekämpfen, ohne das Wohnungselend dabei in Betracht zu ziehen. Stift, Licht, Sonne, billig und je­

dem zugängig, Anlage von Luft- und Wasserbädern müssen in der Bekämpfung der Volksseuchen obenan stehen. Vielleicht genehmigt die Regierung uns Fuldaern eine Lotterie für das dringend notwendige Volksbad. Nach der Statistik gibt die deutsche Republik für Förderung der Gesundheitspflege der Jugend . Säuglings-Kleinkinderfürsorge den bescheidenen Po­sten von 500 000 Mk. aus. Für das Reichsgesundheitsamt einschl. der Mittel für Laboratorien: 1,1 Millionen das sind sehr bescheidener Zahlen im Vergleich zu anderen Etatsposten. Da wird der Löwenanteil der Ausgaben an den finanziell bis zum Weißbluten angestrengten Kommunen hängen bleiben. - Im Reichstag sind auch von den Abgeordneten verschiedener Richtung die Nöte des Eewerbestandes wieder einmal darge­legt worden. Das Reich mit seinen Zuchthäusern und Gefäng­nissen als scharfer Konkurrent des freien Gewerbes ist eines der traurigsten Kapitel, das auch die Republik bis jetzt noch nicht beseitigt, sondern im Gegenteil erweitert hat. Wenn ferner in Erwerbsbeschränktenarbeitsstätten und ähnlichen An­stalten mit Nachtschichten gearbeitet wird, während der gesunde Arbeiter stempeln geht, und der Unternehmer infolge dieser preisunterbietenden Konkurrenz zugrunde geht, so erwächst je­dem Volksvertreter, der es mit der Volkskultur ehrlich meint, die Pflicht, diesem ruinösen Treiben entgegen zu wirken. Es sind recht herzhafte Worte zu diesen Mißständen im Reichs­tag gefallen, mögen sie zur Tat werden, ehe es zu spät ist. Zu spät", cs sind zwei merkwürdige Wörtchen, in denen eine furchtbare Tragik enthalten sein kann. Beobachtet man die Menschen, wie sie aus den Bahnhöfen stürzen, hasten, sich drängen, steigt einem unwillkürlich der Gedanke auf: Jeder eilt, als ob er irgendwo zu spät kommen könnte. Und gar die motorradelnde Jugend, wie rast sie durch die Straßen! Zu frisch ist der erschütternde Unglücksfall der vergangenen Woche, es soll nicht daran gerührt werden, aber eine Mahnung möge es allen sein: Du kommst nicht zu spät, wenn du vernünftig fährst. Täglich verunglücken in den Großstädten Menschen, aus der Angst heraus, zu spät zu kommen.Zu spät" betitelt sich endlich auch ein kitschiger französischer Film aus der Kriegs- icit: Eine Französin schießt aus ihrem Schloß auf deutsche Trup­pen, wird gestellt, entpuppt sich zufälligerweise als die Braut eines deutschen Offiziers, der in das nächste Stabsquartier eilt, um die Begnadigung zu erwirken. Als er zurückkehrt, ist die gesetzte Frist herum:Zu spät" ist alles, was zu sagen übrig bleibt. Dieser verlogene Film hat unzählige ähnliche Brüder, sic hämmern unseren westlichen Nachbarn immer wieder ein: 2, diese Barbaren!" Was bei uns an sogenannten Kriegs­filmen gezeigt wird, ist teilweise auch nicht einwandfrei und fordert den Rietest eines jeden heraus, der dabei war.Der dickeFatty" will in diesem Jahre nach Deutschland kommen und filmen nun, hoffentlich erspart er dem Reich die halb und halb zugesagten Subventionen. Die Fattifilme helfen vielleicht mit, daß das Filmdefizit nicht insUfa"lose geht. Noch eine Uederraschung steht uns für den Sommer bevor der Durchganz durch einen Kometenschweif. Aengstlichc Ge­müter befürchten irgend welche Katastrophen, die aber nach Aussage der Fachgelehrten ausbleiben werden. AIs bei dem letzten Kometen manchem mit dem Weltuntergang graulich gemacht worden war, beschloß ein Bäuerlein in Hinterpom- mern. sein Geld zuvor noch anzulegen; in einem Konfektions­geschäft erklärte es:Bevor de Welt unergeiht, will ick min Geld umfetten. Ick hcww noch 40 Mk. Givt Sei mi eenen Anzog to 35 Mk., dann werd ick mi for den Rest beduseln." Große Enttäuschung nach einigen Tagen!Die Welt sterbt jo noch, nun heff ick feen Geld mehr. Ick verklage die Zeitung, die dat schrieben hat." Die Geschichte ist verbürgt. Das Prophe- zcihen hat seine Schattenseiten! Bis zum Juni sollen uns da­rüber feine grauen Haare wachsen, denn:

Die Sterne, die gelben und weißen, Segen Gottes werden sie heißen! A. M.

Amtseinführung Dr. Friedensburgs.

In Anwesenheit aller leitenden Beamten der Kasseler Regierung führte Mittwoch mittags 12 Uhr Oberpräsident T)r' Schwanker den neuen Regierungspräsidenten Dr. Friedensburg in sein Amt ein. Der Oberpräsident ver­wies auf die historischen und kulturellen Eigenarten des Regierungsbezirks Kassel und auf die besondere Lagerung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Aus ihnen erwüchsen dem neuen Regierungspräsidenten sehr große Aufgaben, und es sei sein Wunsch, daß Dr. Friedensburg diese Aufgaben so lösen möchte, daß das Wohl des Landes gefördert und der Ausgleich widerstreitender Interessen herbeigeführt werde. Dann widmete der Oberpräsident dem demnächst scheidenden Vizepräsident Dr. Lehmann besonders warme Morte des Dankes der Regierung für die verständnisvolle und fördernde Arbeit. Regierungs­präsident Dr. Friedensburg versicherte, er werde söine gan­zen Kräfte den neuen Aufgaben widmen und bat die Beamten, ihm volles Vertrauen entgegenzubringen. Da­rauf übernahm Dr. Friedensburg die Geschäfte.

Die letzte Sitzung des alten Kreistages.

Laut amtlicher Bekanntmachung findet die nächste Sitzung des bisherigen Kreistages am Samstag, den 26. März nachm. 2 Uhr statt. Diese Sitzung dürfte die letzte in der bisherigen Zusammensetzung des Kreistages sein und ist notwendig wegen des formellen Rechnungsabschlusses über die vom Reich gewährten Notstandsdarlehen.

Von den Fuldaer Schulen.

Ausgaben für das Schulwesen im Jahre 1925 betru­gen für die 3 Volksschulen 217 481,94 Ji. Der Zuschuß für die israelitische Volksschule betrug 7 500 Jf, zusammen also 224 981,94 Ji. An weiteren Zuschüssen wurden aufge­wandt: für die Gewerbliche Berufsschule 14 978,26 Ji, für die kaufmännische Berufsschule 4 230,62 Ji, die Oberreal­schule 100 876.30, die Aufbauschule (sächliche Kosten) 2 993,54 Jt, das Katholische Lyzeum 4 500 Ji, das Evangelische Lyzeum 9 400 Ji, die Volkshochschule 1 000 Ji, für sämtliche unterstützten Schulen zusammen 362 960,66 JL Im Einzelnen beliefen sich die Kosten der Berechnung eines Kindes der Volksschule auf 95,39 Ji. An den Volksschulen unterrichteten am 25. 11. 1926 32 Lehrer und 30 Leh­rerinnen. Die gesamte Zahl der Schüler der Volksschulen belief sich am vorgenannten Stichtag auf 2 333, und zwar zählte die stadtpfarrliche Schule 569 Knaben und 474 Mäd­chen, die dompfarrliche Schule 393 Knaben und 361 Mäd­chen, die evangelische Schule 252 Knaben und 221 Mäd­chen. die israelitische Schule 37 Knaben und 26 Mädchen, die Volksschulen zusammen 1 251 Knaben und 1 082 Mäd­chen. Außer den Schulhöfen standen den 4 Schulen als Turn- und Spielplätze der Irrgarten und der Sportpark. Johannisau zur Verfügung. Die gewerbliche Berufsschule für Knaben hatte 907 Schüler gegen 833 im Vorjahr. Die kaufmännische Berufsschule für Knaben war von 182 Schülern gegen 228 im Vorjahr besucht. Die Berufsschule für Mädchen besuchten am 15. 12 1926 215 Schülerinnen. Die landwirtschaftliche Schule zählte im Jahre 1926 66 Schüler gegen 80 im Jahre 1925. Aus dem Kreise Fulda stammen 46 Schüler, aus dem Kreise Gersfeld 16, aus anderen Kreisen 4. Die Molkereischule wurde wie im Vor­jahre von 25 Schülern besucht, das Gymnasium im Schul­

jahr 1926/27 von 345 Schülern, davon waren 311 katholisch, 38 evangelisch und einer Israelit. Das Zeugnis der Reife erhielten 22 Schüler. Das Katholische Lyzeum besuchten Anfang des Sommerhalbjahres 437 Schülerinnen, Anfang des Winterhalbjahres 423 Schülerinnen. Das Evangelische Lyzeum zählte Anfang des Sommerhalbjahres 228 Schü­lerinnen, Anfang des Winterhalbjahres 227 Schülerinnen.

Bühncnoolksbund.

Wie schon mitgeteilt, bringt das Gastspiel des Frank­furter Künstlertheaters am 30. März im Stadtsaal um' 8 Ubr das DramaDie versunkene Glocke" von Gerhart Hauptmann zur Aufführung.

Für die neue Bergkirche hat Meister Heinrich die schönste Glocke gegossen, die je aus seinen kunstfertigen Händen kam. Aber am Wagen, der sie hinauffahren soll, bricht ein Rad, und die Glocke schießt in ein unergründ­liches Wasserloch. Der Meister verzweifelt und liegt auf den Tod, denn er sucht den Grund des Unglücks bei sich selbstda küßt ihn das Elfenkind Rautendelein gesund. Aber dies Wunder, das Magda, Heinrichs Frau, jubelnd begrüßt, wird ihr Unheil nun zieht es den Meister hin- auf in die Berge, wo er mit Rautendelein lebt. Hier will er unerhörte Werke schaffen aber der Pfarrer aus dem Tal warnt ihn: daß er an Weib und Kindern schuldig geworden sei, daß sei so wahr, wie daß die versunkene Glocke ihm noch tönen werde. Und oben auf der Höhe wird ihm wohl der Rausch des Schaffens, aber er bringt es nicht zum Vollenden, und wieder an sich verzweifelnd hört er nun den Klageton seiner versunkenen Glocke, sieht, von den eigenen Kindern im Krüglein dargebracht, die Tränen der ertrunkenen Frau, die er verließ. Eine zarte Elfe hat ihn aus dem bürgerlichen Leben gelockt, die unheimliche Buschgroßmutter hilft ihm aus dem zeitlichen Dasein, das ihm nichts mehr ist. Um die Menschen der Handlung spuken die Geister: der bocksfüßige, ziegenbärtige Wald­schrat, der froschartige Wasserkönig Nickelmann und das liebliche Kind Rautendelein. Wie Heinrich sie verläßt, streckt Nickelmann die feuchten, tausendjährigen Arme nach ihr aus und zieht sie in seinen Brunnen und in seinen Schlamm.

Unglücksfall.

Die beim hiesigen Artillerie-Regiment als Köchin be­schäftigte Frau Sch. hatte am Donnerstag vormittag das Unglück, in einen Bottich mit kochendem Wasser zu fallen und sich derart zu verbrühen, daß Lebensgefahr besteht. Die erste Hilfe wurde ihr auf dem Revier des Regiments zuteil, von dem auch die Ueberführung ins Krankenhaus veranlaßt wurde.

Kleine Strafkammersitzung vom 18. März.

Freigesprochen.

Vom Amtsgericht Burghaun war am 15. September 1926 der Holzbändler A. K. von Schlitz wegen Holzdiebstahls zu 100 Mark Geldstrafe oder 10 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Hiergegen legte K. Berufung ein. Die kleine Strafkammer Fulda hob das erstinstanzliche Urteil auf und erkannte auf Freisprechung.

Vertagt.

Das Amtsgericht Eiterfeld hatte ant 21. Dezember v. I. den East- und Landwirt V. E. von Großentaft, weil er in öffent­licher Gerichtssitzung den Tierarzt beleidigt hatte, zu 80 Mark Geldstrafe verurteilt, außerdem sollte das Urteil im Hünfelder Kreisblatt veröffentlicht werden. Gegen dieses Urteils hatte sowohl der Verurteilte, als auch die Staatsanwaltschaft Be­rufung eingelegt. Ler Staatsanwaltschaftsrat Mühlhausen hielt die totrafe für zu niedrig und beantragte 150 Mk. Geldstrafe. Das Gericht beschloß die Verhandlung zu vertagen und durch Geheimrat Professor Jahrmärker Mauubrg die Neurasthenie des G eingehend fcftfteilen zu lassen.

Statt 5 Tage Gefängnis

2 0. Mark Geldstrafe.

Das Amtsgericht Hilders hatte den wegen Beleidigung und Unterschlagung vorbestraften Kaufmann N. R. von Wenders­hausen wegen? Betrugs zu 5 Tagen Gefängnis verurteilt. R. hatte sich am 24. 8. v. I. an Zeugengebühren 4 Mk. auszahlen lassen, für Verdienstausfall als Provisionsreisender der Pfingstbrunnen-Eesellschaft in Neustädtels. Es stellte sich jedoch später heraus, daß nicht er, sondern seine Frau als Vrovisionsreisender in Betracht komme. Dir Berufungsin­stanz änderte das erste Urteil dahingehend ab, daß statt der 5 Tage Gefängnis eine Geldstrafe von 20 Mark cintreten soll.

Diebstahl im Rückfall.

Der schon dreimal wegen Diebstahls vorbestrafte 30jährige C. B. von Poppenhausen (Rhön) war Ende Dezember 1926 vom Amtsgericht Weyhers weaen Diebstahls zweier Strickjacken bei der Rhönrossitten-Gesellschaft auf der Wasserkuppe zu 11s Jahr verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte B., der seit 29. Oktober verhaftet ist, Berufung eingelegt. Mit Rücksicht darauf, daß es sich um geringe Gegenstände handelte, änderte die kleine Strafkammer das erstinstanzliche Urteil in nur 9 Monate Gefängnis um.

Kein Glück gehab t.

Vom Amtsgericht Fulda war int Februar ds. Js., das schon mehrmals vorbestrafte Dienstmädchen Sophie Deigert ge­bürtig von Blankenau wegen Diebstahls in 6 Fällen und eines Betrugsfalles zu 7 Monaten Gefängnis, ferner wegen Land- streichens zu 3 Wochen Haft und Ueberrveifung an die Landes- poliwibehördc verurteilt worden. Lediglich wegen der Ueber- weisung ins Arbeitshaus hatte sie Berufung eingelegt. Die Verhandlung in zweiter Instanz ergab, daß sich Sophie meh­rere Monate in Fulda, Hcrsfeld, Frankfurt a. M., Soden, Sal­münster, Margaretenhaun u. a. Orten ziel- und planlos auf­gehalten hatte und ihren Lebensunterhalt durch Diebstähle oder auf andere Weise fristete. Die kleine Strafkammer Fulda schloß sich dem Anträge des Staatsanwatschafisrats Mühlhau­sen an und bestätigte das erstinstanzliche Urteil voll und ganz, zumal Sophie in der Strafanstalt Fulda bisher keine Zeichen von Reue gezeigt Habs.

Ehemalige Angehörige des 1. Garde-Negts. z. F. und seiner Kriegsformalionen.

Unter der Bezeichnung Semper talis-Bund haben sich, ursprünglich zum Zwecke der Errichtung eines Denkmals, das dem ehrenden Gedächtnis der im Welt­kriege 19141918 gefallenen und verstorbenen 8119 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften vorgenannter Regimenter dienen sollte, viele Tausende ehemalige Regi­ments-Angehörige zusammengeschlossen. Dieser Zusammen­schluß führte anläßlich der im Juni 1924 stattgefundenen Denkmalsweihe zu einem gewaltigen Zustrom alter und jüngerer Regimentskameraden in ihrer lieben, tiefwur­zelnde reiche Erinnerungen bergenden Earnisonstadt Pots­dam, und groß und nachhaltig war der Eindruck, den die Erschienenen bei dieser feierlichen Veranstaltung gewannen. Groß war auch die Freude des Wiedersehens mit Kame­raden gemeinsam verlebter Dienstzeit. Kein Wunder, daß der Wunsch laut wurde, den Bund nicht der Vergan­genheit zu überliefern, sondern mit neuen Zweckbestim- mungen fortzufahren, insbesondere derjenigen, alle zwer Ighre in Potsdam Diedersehensfeiern zu veranstalten und in den Zwischenjahren an anderen Orten unseres lieben Vaterlandes Zusammenkünfte abzuhalten. In einer be­sonderen Festsitzung erklärten sich die hierzu abgeordnet gewesenen Kameraden einmütig mit dieser Anregung ein­verstanden. Eine solche Zusammenkunft findet in diesem