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Nr. 60 — 1927
Fulda, Samstag, 12. März
4. Jahrgang
Blick auf eurer Kinder Geschick. / All euer heihes Streben sollt ihr dem Vaterland geben, / Bis es befriedet, befreit einer beglückteren Zeit ^ Gläubig entgegenstrebt. Nur, wenn dasDunkelentschwebtund goldenes Morgenlicht aus
Lauf des Jahres einen Tag auf, / Einen Tag, da vereint ihr um uns trauert und weint. / Damit die Sonne euch lacht, tauchten wir in die Nacht/ Und euer treues Gedenken soll uns Unsterblichkeit schenken. / Doch mit dem
Ium Volkstrauertag.
Ihr, die ihr noch wandelt im Licht, Brüder, I Kraft ^ Euch wieder der Arbeit hin. Schaffet! vergeht uns nicht! / Haltet den stürmenden | Mehrt den Gewinn!/Unverwandt heftet den
Trauertage laht auch verstummen die Klagen Rot u. Verhängnis bricht. Kündend den Sieg Und fest zusammengerafft gebet mit fröhlicher des Lebens, war unser Tod nicht vergebens. Armin.
Volk in Trauer.
Es sei uns heute Hoffnung und Gelübde, daß der Tag, an dem wir unserer gefallenen Soldaten ehrfürchtig gedenken, Millionen lebender Volksgenossen mehr bedeuten möge als eine Reihe Stunden voll sanfter Pietät und eine behördlich festgesetzte Feier voll zur Schau getragener Gefühle.
Zweifeln wir nicht! Es kommen wieder die Lauen und Stumpfen im Lande und fragen: „Volkstrauertag für die Gefallenen? Ach, laßt sie ruhen! Sie waren einmal . . . jetzt aber sind sie tot! .. ." Und wir? Sind wir so müde oder herzlos, uns nicht aufzubäumen wider solche Worte? Nein, viel zu tief hineingemeißelt in unsere deutschen Seelen sind alle Taten derer, die fern der Heimat tausendfältigem Sensenschnitt erlagen, sie mit dem Schutzwall ihrer eigenen Leiber schirmend.
Es ist schon lange her, seit sich zum letzten Mal der Tod anschickte, auf blutgetränkter Walstatt furchtbare Musterung zu halten. Not, Umsturz, Leid und Armut folgten dem knöchernen Gesellen und fielen wie ein Heuschreckenschwarm über unser Volk. Was aber war, gemessen an der Kette dieser Leiden, ein ehrenvoller Heldentod? Man muß schon selbst dabei gewesen sein, um solches Sterben nachfühlend zu erleben, sonst versteht man von alledem so wenig, so bitter wenig!
Wer nie waidwund und fiebrig in Gräben, Scheunen und strohbedeckten Kirchenfliesen die Augen bester Kameraden brechen sah, wer nie allein in dunkler, sternenloser Nacht auf Sappenposten stand, wenn jäh die Schlacht aufbrisillte, Leuchtkugeln fahl und geisterhaft gen Himmel zischten und weit und breit die Erde barst
Von Ernst G o e r i n g.
und bebte vom stundenlangen Einschlag unzähliger Geschosse, wird nie des Krieges Antlitz ganz enträtselt haben. Die dennoch diese Hölle von Grauen und Irrsinn lebend überwanden, wurden schweigsam, sprachen nicht gern von dem furchtbaren Geschehen. Das macht ihr Wissen um das Zwielicht letzter Dinge zwischen Tod und Leben, die sich so oft berührten.
Seht, da kommen die Gefallenen, endlos die Reihen ihrer Marschkolonnen von der Karpathen Kamm zu Tal geschritten. Aus den zerfallenen Kasematten und Minengängen von Vaux und Douaumont steigen sie bataillonsweise herauf aus den lehmigen Trichterfeldern und Unterständen um den Kemmel, den „Tod von Ypern" im ungebeugten Nacken. Am Suez bleichen ihre Kreuze und vor > Jerusalem nicht weniger als hinter den Dardanellen, j Und wie viele schlummern friedlich auf Meeresgrund bei den Falklandsinseln, der Doggerbank und Skager- j rat? Nicht zu vergessen jene Adlergleichen, denen hoch im Aether der Schnitter Tod die Steuerung entriß und die zur Erde stürtzten, von der sie sich im Siegesrausch gelöst?
So stehen sie alle vor uns, von jener heißen Liebe zeugend, die stärker war als Tod und Hölle aller Schlachten und einst auf den Lippen junger Kriegsfreiwilliger bei Langemark zum erschütternden Bekenntnis wurde: „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!"
Wahrlich, es stände bester um uns Volk der Mitte, wenn wir ein wenig mehr vom freien, gläubigen Jdea-
lsmus unserer gefallenen Jugend in uns trügen! Dis klar erkannte: „Das Leben ist der Güter höchstes nicht । . . ." — Der Weise von Sansouci sprach einmal diese ' Worte: „Es ist nicht nötig, daß ich lebe, wohl aber, daß ich meine Pflicht tue." Es war derselbe Geist, der aus den abgehackten Worten eines deutschen Führers auf verlorenem Posten, des heldenmütigen Gouverneurs von Tsingtau, hindusdrang in eine Welt von Haß und Feindschaft: Einstehe für Pflichterfüllung bis zum Aeußersten." Wenn unsere eigentliche Bestimmung im sittlichen Handeln wurzelt, so erfüllten gerade die , Scharen unserer Gefallenen diese ihre Bestimmung in einem Maße, das über jedes Lob erhaben ist. Sie taten Menschenmöglichstes: Sie opferten sich bewußt für die Daheimgebliebenen.
Uns Ueberlebenden erwächst daraus die heilige Pflicht, das Vermächtnis dieser schlichten Helden, ihren reinen, selbstlosen, sieghaften Glauben an die Kraft der Heimat, in Treue zu verwalten.
Dann sind sie nicht umsonst gestorben! Wenn 60 Millionen Deutsche, geeint in Stolz und Trauer, ihrer gefallenen Brüder voll Herzlichkeit gedenken, so muß, deß sind wir sicher, ein Schimmer der Verklärung auf den vielen Soldatengräbern daheim und in der Fremde liegen: die Krone des Lebens. „Und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein."
Sie haben es ehrlich gewonnen, die vielen, allzuvielen stummen Kämpfer unterm grünen Rasen, aus dem bereits die ersten Frühlingsblumen sprießen, llirs aber bkeibt die Trauer um sie, die Frühvollendeten! _u