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Fulda, 8. März
1927
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0 Eine der reichsten Frauen Deutschlands gestorben. Pi Bad Kreuth in Oberbayern ist Frau Hildegard Carl- soil, noch nicht 50 Jahre alt, einem Schlaganfall erlegen. Frau Carlson ist die Enkelin und Erbin Ferdinand Achichaus, des Begründers der Schichau-Werft in Elbing, und eine der reichsten Frauen Deutschlands gewesen.
» o Zwei Jahrgänge infolge der Hungerblockade auSge- slorben. über eine traurige Folge der Hungerblockade ich in den Jahren 1917 und 1918 wird aus Wittlich gemeldet, hs:k daß in diesem Jahr die Pfarrgemeinde Eisenschmidt nicht füt| einen einzigen Erstkommunikanton aufzuweisen hat. Die 1 Kinder, die in den Jahren 1917 und 1918 geboren wurden, M sind infolge der Hungerblockade während des Krieges sämtlich gestorben. Eisenschmidt zählt über 600 Einwohner. ■ o Neuschnee im Schwarzwald. Im Hochschwarzwald
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find nach klarem Föhnwetter weitverbreitete Schneefälle eingetreten in den Höhen über 900 Meter. Bei zwei Grad KM beträgt die Schneehöhe 110 Zentimeter.
0 Betrug und Unterschlagung von französischen Hceres- Mrâgen. Gegen fünf Zivil- und Militärbeamte, die bem technischen Luftfahrtdienst des französischen Handelsministeriums zugeteilt sind, wurde wegen Betruges und Unterschlagung eine Disziplinaruntersuchuug eingeleitet. Die Beamten sollen in mehreren Fällen von Fabriken, beiten sie Aufträge der Regierung beschafften, L>chmier- gcibcr zwischen 1000 und 50 000 Frank erhalten haben. Ein Offizier hat bereits ein Geständnis abgelegt und wurde verhaftet.
0 Lawinenunglück französischer Alpenjäger. Nach einer Meldung aus Besancon wurden 50 Mann eines Alpen- jagerregiments bei einem Patrouillengang von einer Lawine überrascht. Zwei Unteroffiziere und ein Mann fanden dabei den Tod. Die Leichen sind noch nicht geborgen.
0 Frecher Straßenraub in London. Am hellen Tage ist mitten in London ein Straßenraub verübt worden. Der Kassierer und ein Angestellter eines Geschäftshauses wurden niedergeschlagen. Etwa SO 000 Mark, die sie von einer Bank abgehoben hatten, sind geraubt worden.
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0 Spanische WeUfjngvorbercitrmgen in Friedrichs- Hat. Wie Havas aus Barcelona meldet, sind Maior Franco, Hauptmann Ruiz de Alda und der Mechaniker Naada, die den Flug nach Buenos Aires ausgeführt haben, auf dem Wege nach Friedrichshafen, um dort das Flugzeug vorzubereiten, mit dem sie einen Flug um die Welt auszuführen gedenken. — Wie eine spätere Meldung besagt, bestätigte es sich zweifelsfrei, daß die vier uruguay- anischen Flieger von Kabylen bei Kap Juby, ungefähr 50 Kilometer von Küste entfernt, gefangen genom- men worden sind. Der betreffende Stamm ist aber friedlich. Man hofft daher, die Flieger mit Lösegeld w/chestens freiMpelonimen.
0 Das «srytasal der Besatzung des Flugzeuges „Uru- 8^Y". Zu der Auffindung des verunglückten Flugzeuges „Uruguay" wird noch folgendes gemeldet: Die bei den Eingeborenen eingezogenen Nachrichten besagen, daß die Besatzung bei dem Unfall mit heiler Haut davongekom- men sei und sich auf den Weg gemacht habe, um das Kap . .Juby zu erreichen. Nachrichten aus Las Palmas zufolge du'»sollen die Flieger bei dem Stamm Ait-Lasen interniert >er »worden sein, während im Gegensatz hierzu-aus Casa- er, 1 Manea gemeldet wird, daß sie unter dem Schutze treuer »Naurenstämme auf Kap Juby zu marschierten.
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0 80 Opfer eines Dampferzusammenstostes auf dem Jangtse. Nach einer Agenturmelvung ans Schanghai sind zwei chinesische Dampfer, die der Personenbeförderung auf dem Jangtse dienen, zusammengestoßen. Der eine mit 80 Fahrgästen an Bord sank innerhalb weniaer Minuten: cs konnte niemand gerettet werden.
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Als ich noch Prinz war
Roman von Paul Hain.
- Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau«
87]
(Nachdruck verboten.)
■ / »Endlich — mein lieber Ferdi!"
■ Sie küßte ihn flüchtig. Mit der feinen Zurückhaltung der ■ Kroßen Dame, die noch mehr als Zärtlichkeiten im Kopf hat. H M u - doch flammte Stolz in ihren Augen beim Anblick der M "Etlichen, eleganten Erscheinung ihres Mannes. Es gab °" I Männer in der Gesellschaft, die ihm in seiner äußeren M ^»ukommeuheit gleichkamen. Nach besonderen, hochwer- W w^' inneren Qualitäten fragte sie nicht so viel. In dieser I S^no wäre ihr ein Mann, der geistig unter ihr stand, °- i sogar willkommener gewesen.
I hast Gäste?" Ä T- und sie warten schon voll Sehnsucht auf dich. Du I ,0^l gute Bekannte unter ihnen finden. — Denke dir, 1 ■ feH 'Jäcrny mit seiner Gattin ist auch da. Er hält sich schon £ ■ Lr L^' Wochen bei uns auf. Charmant! Nächste Woche k M gxk.,A ^ste Fuchsjagd sein. Du — es wird dir prachtvoll D ■ Pßar% ®u kennst dich hier ja noch gar nicht recht aus. Die " | Jochen nach unserer Hochzeit, die du hier warst, sonn’ ■ bh«,“ 0'ch ja nicht richtig umtun. Und dann kam gleich die I Geschichte in Wien. Ist denn nun alles gesund?"
■ butchP™ar fast benommen von ihrer schnellen Rede, die alles , ■ Brinanderwarf, was sie interessierte.
■ 60" q' oanke — sonst hätte ich ja noch nicht kommen können.
■ mein?3- DieI Besuch! Nun — gestatte, daß ich erst in
i ton ,s?"er gehe und mich umziehe. Gott — die Musik—"
■ Wte hörte den klirrenden Rhythmus einer Kapelle, die
■ Lâ" 1Q> .Ferdi. Ich habe Jean schon orientiert. Dein ■ Ohperi^V^ h'rr — du erinnerst dich ? Er hat schon das Bad »Da? c ' ^^ wird dir nachher allein servieren —" WfpE ^ tut nicht not. Ich habe unterwegs hinreichend ge- W^n m^o roeit war ja auch die Fahrt nicht. Die sechs Stun- »There,?^ keine Ewigkeit. Also — auf Wiedersehen, Mschg^a??^ 'hm eine kokette Kußhand zu — er verschwand 1 reifa öer Treppe zum oberen Geschoß. Dort stand be- Ilinken et,- !ler und wartete, um ihn zu seinen Zimmern im Jean ?os ausgedehnten Schlosses zu führen. —
I lag btrcjf y^011 ^" Gesellschaftsanzug herausgelegt. Alles »Nun in Dos Bad war wohltemperiert.
■ »In Sßjp “ ^.man ist ein Prinz —," dachte Karl Ferdinand,
s - — 'n den Baracken — in den Krankenhäusern war
Bunte Tageschrom'?
Leipzig. Im Grassi-Textilmesiehaus wurde die zweite Deutsche Ku n st s e i d c n a u s st e l l u n g in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden feierlich eröffnet.
Leipzig. Am Sonntag ist die Große Internationale K u n st g e w e r b e f ch a u eröffnet worden, die Wertarbeiten des Handwerks und der Veredeluugsindnstrie aus Deutschlano und aus dem Ausland zeigt.
Glogmi. Die Typhuserkrankungèn in Glogau nehmen zu. Bis Montag waren 81 Fülle und das erste Todesopfer gemeldet.
Waldenburg. In der Gustav-Grube in Rothenbach stürzte der 20jährige Schlepper Alfred Springer etwa 80 Meter tief in einen Schacht und wurde getötet.
Hannover. Hier fand auf bem Warcrlooplatz die Grundsteinlegung zum Denkmal der ehemaligen 78. R e - servedivifion statt.
Paris. Aus einer Mitteilung des Pensionsministers geht bervor, daß in Frankreich am 1. Januar 1927 an 7 0 0 0 0 0 Krie gsverletzte Renten gezahlt wurden.
Kopenhagen. An verschiedenen Banken in Kopenhagen sind falsche e n g l i s ä> e B a n k n o 1 e n znm Umwechseln cingercichl worden. Die Noten sind sehr gut nachgemacht und tragen das Datum b^w z, s^ril 1925.
Börse ««S Handel.
Frankfurter Börse vom 7. März. Die angekündigte Erhöhung der Reportgelder wirkte auf die Börse schwer oerstim- mend. Dann unternahm die sogenannte Daissepartei heute einen schweren Vorstoß gegen die Börse und verursa1)te einen scharfen Kurseinbruch, der sich auf fast allen Märkten auswirttc. Auf dem ChemiemarU verloren Farbeninduftrie 11, Scheide- anstalt 12 Prozent. Ferner büßten Oelaktien bedeutend ein. Don Montanwcrtcn, die dem Zusammenbruch zunächst ziemlichen Widerstand leisteten, gaben besonders westliche Werte ansehnlich nach. Der 'Kalimarkt hatte anfänglich nur geringe Verluste, verlor schließlich aber auch scharf. Unter starkem Kursdruck lagen sämtliche Elektrowerte. Maschinenwerts waren verhältnismäßig wenig verändert. Auf dem Automarkt gaben Ädlerwerke Kleyer stärker nach. Der Bankaktieninarkt eröffnete ausgesprochen matt und verzeichnete Verluste bis zu acht Prozent. Deutsche Renten und ausländische Anleihen standen im Angebot. Im ferneren Verlauf gaben die Hauptwerte weiterhin erheblich nach. Die Börse schloß völlig lustlos.
Frankfurter Aberrdbörse vom 7. Mürz. Die auf Anregung der Reichsbank für Mittwoch einberufene Dankierversammlung, um Kassendispositionen zum Ultimo zu treffen, regte heute abend etwas zu Deckungen an, umsomehr, als die Version, daß eins allgemeine Reportgeldrestriklion geplant sei, dementiert wird. Das Geschäft war zwar immer noch recht unsicher und schwankend, aber zu den stark herabgesetzten nachbörslichen Kursen machte sich doch Deckungsbegehr bemerkbar, besonders von Seiten der lokalen Tagesspekulation. I. G. Farben konnten sich gegen den niedrigsten Kurs um 5 Present erholen, auch die Montanwerte lagen 2 bis 3 Prozent höher. Elektrowerte ebenfalls etwas erholt. Ablösungsschuld stiegen von 22.25 auf 23.40, Commerzbank 199, Danatdank 265, Diskonto- gesellschaft 177.5, Dresdner Bank 174.5, Metall bank 156.5, Buderus 116.5, Gelsenkirchen 179.5, Harpsner 213.5, Mannesmann 204.25, Phönix 137, Rheinische Braunkohlen 284, Rheinstahl 215.5, Stahlverein 140.5, Adlerwerke 125.5, A. E. G. 158 25, J. E. Farben 291.5, Daimler 113, Erdöl 186.75, Scheideanstalt 224.25, Holzmann 177, Lahmeyer 16190, N. S. 11. 129, Rütgerswerke 127, Siemens u. Halske 253, Lloyd 140.
Frankfurter Getreidebörse vom 7. März. Bei gutem Besuch und fester Haltung wurden heute bezahlt für je 100 Kilo: Weizen 29.25—29.50, Roggen 27, Gerste 25—26, Hafer 2150— 22.50, Mais 18.25—18.50, Weizenmehl 40.25—40 75, Roggenmehl 37.50—37.75, Weizenkleie 14—14125, Roggenlleie 14.25 14.50, Erbsen 35—60, Linsen 50—60, Heu 8—9, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 4.25—5, gebündelt 3.75—4, Treber 17—17.25. Tendenz: fest.
Frankfurter Kartofselmarkt vom 7. März. Bezahlt wurden für 50 Kilo Kartoffeln: Industrie hiesiger Gegend 6 RMk., weißflèischige hiesiger Gegend 5.30 RMk.
Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 7. -cärz. Dem heutigen Hauptmarkt waren zugetriebcn: 1358 Rinder, nämlich 396 Ochsen, 57 Bullen, 591 Kühe, 314 Färsen, ferner 426 Kälber, 49 Schafe und 4598 Schweine. Es wurden bezahlt für je einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen: vollst, ausgemäftetc 59— 61, ältere 55—58, sonstige vollfleischige jüngere 50—54, ältere 50—54, fleischige 44—49. Bullen : jüngere vollfleischige 54 bis 56, sonstige vollfleischige 48—53. Kühe: jüngere vollfl. 47—52, sonstige vollst 40—46, fleischige 32—39, gering ge- näbrte 25—31. Färsen: vollst ausgemästete 57—63, vollst 51—56, fleischige 42—50. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 67—72, mittlere Mast- und Saugkälber 50—57. Schafe: Weidemaftlämmer und jüngere Masthämmel 50—55, mittlere
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andere Luft. Man kam manchmal tagelang nicht aus den Kleidern heraus."
Er zog sich um.
Vom Fenster seines Schlafzimmers aus konnte er über den Schloßhof in den Wald sehen. Die ersten Sterne entzündeten sich am Himmel. Im Hof standen, unter dem weit vorgebauten Dach des Schuppens, zahlreiche Llutos. Alles elegante Reisewagen. Manche wappengeschmückt.
Ach ja — die vielen Gäste! Die Autos hatten in den Garagen nicht mehr Platz. —
Karl Ferdinand wandte den Blick ab und sah wieder in i)en Wald. Leise wiegten sich die Wipfel im Frühlingswind. Es rauschte bedächtig hin und her.
Und die Sterne funkelten.
Da klopfte es an der Tür.
Er fuhr erschrocken herum. Hatte er sich versäumt? Ach — die Pflicht! Hausherrenpflicht — aufgedrängte!
Jean öffnete.
„Ihre Durchlaucht läßt fragen, ob Durchlaucht schon —"
„Ja!" schrie der Prinz in plötzlichem Zorn. „Die Durchlaucht ist so weit, sich den Gästen zu präsentieren!"
Der Diener stand erstarrt in Devotion. Kein Muskelzucken im Gesicht. Ein tadellos diszipliniertes Lakaiengesicht.
Karl Ferdinand schritt an ihm vorbei. Er nahm sich keine Zeit, noch einmal in den Spiegel zu sehen. Langsam stieg er du Treppe nach unten.
In den unteren Gesellschaftsräumen herrschte buntes Leben. Karl Ferdinand hatte reichlich zu tun, allen die Hand zu drücken. Man freute sich allseitig, ihn wieder zu sehen, und die Herzogin von Waldburg zeigte sich von ihrer be= stnckendsten Seite, wiewohl sie ihm seine „Starrköpfigkeit", mit der er die geplante, kostspielige Hochzeitsreise seinerzeit abgelehnt, nicht vergessen hatte.
Endlich kam er in dem Trubel einigermaßen zur Ruhe und war so ungefähr im Bilde, wer von all den Gästen im Schlosse wohnte und wer nur für heute geladen war. Er lebte sich mit Czerny und dessen Frau zusammen, froh, endlich zu aerubiaem Plaudern zu kommen. Therese tauchte ball r, halb von auf, stets von einem kleinen Schwarm un« crwüdpcher Anbeter umgeben, eine Staffage, die ihr offenbar wohl gefiel.
. „Wir haben uns lange nicht gesehen, Ferdi —," meinte Czerny, der das Monokel mit vollendeter Grazie zu haud- haben verstand. „Du — ich habe in Ungarn — da bei Öfen herum — wunderbare Wochen verlebt. Und eine richtige Wolfsjagd habe ich mitgemacht im Winter. Du hast dabei gesehll Also - fabelhaft aufregend. Ucbrigens — ich hörte — bei euch ist auch Fuchsjagd ungesagt Mit Damen —"
Die junge Gräfin klatschte entzückt in die Hände. Sich im roten Reitdreß zu sehen, war ihre besondere Koketterie
Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 47 bis 49. Schweine: Fettschweine über 300 Pfund 62^63, von 240—300 Pfund 62—63, von 200—240 Pfund 63—65, von 160— 200 Pfund 62—63, fleischige Schweine von 120—160 Pfund 61—62. Marktverlauf: Das Geschäft in Rindern war ruhig, in Kälbern und Schafen langsam und in Schweinen mäßig rege. Letztere wurden nicht ganz ausverkauft. Fleischgroghandels- preifs: Ochsen- und Rindfleisch 1. 95—105, Ochsen- und Rindfleisch II. 90—95, Bullenfleisch 85—90, Knhsteisch I. 70—80, Kuhfleisch lt 55—65, Kuhfleisch in. 40—50, Kalbfleisch I. —.—, Kalbfleisch II. 87—100, Hammelfleisch 85—95, Schaffleisch 65— 75, Schweinefleisch I. 80—85, Gefrierfleisch: Rindfleisch, Vorderviertel 52, Hinterviertel 56. Der Fleischgroßmarkl verlief schleppend.
Frankfurter Pferdemarkt vom 7. März. Der März-Pferde- markt war von rund 550 Pferden beschickt. Dazu standen 77 Wagen aller Art zum Verkauf. Landwirte, Fuhrwerksbesitzer und sonstige Interessenten hatten sich diesmal zahlreich eingefunden, sodaß der Handel bereits in den frühen Morgenstunden lebhaft einsetzte. Der Umsatz war unter Brücksichtigung der wirtschaftlichen Notlage in der Landwirtschaft als mittel bis gut zu bezeichnen. In der Hauptsache wurden Kaltblütler, beste Stuten und schwere Arbeitspferde, dann geringe Arbeitspferde und Fohlen verkauft. Die Preise bewegten sich in der gleichen Kurve wie auf dem Februarmarkt. Pferde besonderer Güte wurden zu höheren Preisen verkauft. — Der nächste Pferdemarkt findet am 4. April statt.
Amtliche Berliner Notierungen vom 7. März.
* Börsenbericht. Tie Börsenwoche begann mit einer un- angenehmen Überraschung. Aus Geldsorgen kam es zu einer allgemeinen Verslauung, die Kurse waren durchweg scharf rückgängig und vereinzelt gab es Kurseiilbutzen bis zu 20 %. Veranlassung zu dieser Bewegung sollen nicht zuletzt scharfe Restriktionen der Banken gegeben haben. Tägliches Geld notierte 5,50—7 %, monatliches Geld 6—7,50 %.
* Devisenbörse. Dollar 4,21—4,22: engt Pfund 20,44—20,49; holl. Gulden 168,58—169,00; Danz. 81,71 bis 81,91; sraN z. Frank 16,47—16,51; schweiz. 81,02 bis 81,22; b c 1 g. 58,57—58,71; Italien 18,51—18,55; f ch w e b. K r o tt c 112,56—112,84; d ä n. 112,24—112,52; norm eg. 109,39 bis 109,60; lschech. 12,47—12,51; öfter r. Schilli n g 59,29 dis 59,43; p o l n. Zloty (nichtamtlich) 46,88—47,12.
* Erhöhte Privatdiskontnotierungen. Am Berliner Privaè- diskontmarkt war ziemlich erhebliches Angebot vorhanden; inrolgcbeffeii erhöhte man die Notierungen um */8% für beide Sichten. Es stellten sich also kurze Siebten auf 4% und lange auf 4% %.
* Produktenbörse. Die leicht erhöhten Notierungen Chi- tagos standen in einigem Gegensatz zu der entschieden festen Haltung Winnipegs, wo der Pool, besonders für nahe Lieferung, höhere Preise schlank durchsetzt. Von Argentinien waren die Forderungen wenig verändert. Von den für Deutschland früher gekauften Partien Baruso-Weizen kommen jetzt allmählich vermehrte Zufuhren an der Küste an und werden von den Jnlaudsmühlcn laufend ausgenommen. Im Zeitgeschäft stellten sich die Preise für Mai und Juli etwas fester, während Marz, wohl in Erwartung von Andienungen, etwas schwächer lao formet wird von der Warthe und Netze wie i auch von Mecklenburg mannigfach angeboten, hat aber i schwaches Geschäft wegen der vergleichsweise niedrigen Liefe- i rmtgShtrfe. Gerste und Hafer mehr angeboteu und ruhiger. Mehl war weiter still.
Gerreide und Qlsaaun per Killt Gramm in
1 7. 3. i 5. :z Weiz., mârk 268-271 |267 270 pommerüb. — ! -
Rvstg.. märt 248 251 248-251 pommerscb — 1 —
wcstprcuß 1 ■ —
Braugerste '213-241 213-241
Kilogramm, sonst per 100 Kilo« Reichsmark:
1 7.3. 1 5. 3. Wei stl.s.Brl 15.7-16 0 15.7-16,0 Rogll. , Brl. 15.2-15,4 15.2-15,4 Raps — —
V.infaai 1 — —
Bitt. Erbsen 48-64 48-64 i
kl Sveiseerb 32-35 32-35 ’
Futiergerfte w2-â> i»2-20n
Hafer, märt. 196-204 196 204
Pommers*. — —
weftpreuß. — —
Weizenmehl
p. 100 kg fr.
Bln.br. inkl.
Sack (feinst.
Mrk. ü. Not. 34,5-37,0 34,5-37,0
Roggenmehl
P. 100 kg fr.
Berlin br.
inkl. Sack 134,2-36.0 34,0-35.7
Funercrbsen 22-24 22-24 -
Peluschken 20-21 | 20-21 's Ackerbohnen — —
Wicken 22,5-24,0 22,5-24,0
Lupln.,blauc 14,5-15,5 14,5-15,5 Lupin. gelbe 16,0-17,0 16,0-17,0 Teradella 24,0-26 0 24,5-26.5 Rapskuchen 16,0-16,4 16,0-16,4 Leinkuchen [20,7-21,0 20,7-21.0 Trockenschtzl. [11.8-12.0 11,8-12.0 Sova-Schrot 19.5-20.0 19,5-20.0 Torfm.30/70 — —
Karte üelilrt 29,6-30,0 29.8-30,3
♦ Kartoffelpreise je Zeutuer waggonfrei märkischer Station. Amtlich ermittelt durch die Landwirtschaftstammer für die Provinz Brandenburg und für Berlin. Weiße Kartoffeln 3,40—3,70, rote Kartoffeln 4,10—4,50, andere gelbfleischige Kartoffeln (außer Nieren) 4.50—5 Mark, Fabrikkartoffeln 19 Pfg. pro Stärkeprozent, Jndustriekartoffelii 5—5,30 Mark, großfallende Kartoffeln über Notiz.
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»Ich befürchte, ich werde das Schießen in Wien verlernt haben —," sagte der Prinz lächelnd. „Ich hatte zuviel mit Pinzetten und Chloroform zu tun —"
„Ach so — du bist ja der reine Humanitätsapostel gewor- ben," gab Czerny lachend zurück. „Auch 'ne Passion. Ueber- Haupt — du hast dich sehr verändert, scheint mir. Donnerwetter — ordentlich Falten schon um den Mund. Und weißes Haar an den Schläfen."
„Ja — man ist halt verheiratet," suchte Karl Ferdinand zu scherzen.
Dik Gräfin drohte ihm mit dem Finger.
„Davon wird man doch im allgemeinen jünger!”
Czerny lachte laut heraus.
„Sollt' ich auch meinen!“
Der Prinz trank sein Glos aus, um eine leichte Verlegenheit zu verbergen.
„Nun — im Sommer wirst du wieder Aufblühen, Ferdi. Wenn wir durch Italiens Herrlichkeiten wandern —"
„Wie? Wir?"
„Nun ja. Deine .Gemahlin und wir haben schon alles dulchgeiprochen. Wir fahren zusammen im Juni los. Ju Nizza —"
„Also — keine Ahnung, bester Czerny!"
„Na — umso angenehmer die Ueberraschung!"
. Sir diesem Augenblick näherte sich Therese. Es war Zeit, sich wieder einmal bei ihrem Gatten sehen zu lassen. Karl Ferdinand sagte freundlich:
»Ick; höre eben — du hast da schon einen Plan für eine Sommerreise entworfen —"
Sie ietzte sich neben ihn.
„Hatte ich's dir nicht geschrieben?"
„Äeine Spur."
Sie lachte hell ' ^— -^ —
„Na — dann muß es schleunigst nachgeholt werden. Graf Czerilti, fahren Sie fort."
„Also in Nizza Aufenthalt. Teilnahme unserer lieben Frauen und meiner Wenigkeit am Tennisturnier. Da gibt's was zu sehen, Ferdi. Fabelhaft. Die Suzanne Lenglen wird auch da sein, die französische Meisterin. Die muß man endlich mal gesehen haben. Dann über Genua nach Florenz, wo in diesem Jahre das neue, gewaltige Amphitheater eröffnet wird, mit einem Festspiel dÄnnunzios! In Rom — nächste Etappe! — ist immer was los. Besuch meines alten Freundes, des Conte di Merino. Und von dort aus gondeln ivir mit dessen Segeljacht nach Sizilien. Fabelhafte Fahrt.
Es wird ungeheuer amüsant werden."
Kar! Ferdinand nickte leichthin.
„Allerdings! Ungeheuer interessant!"
(Fortsetzung folgt.) " i