Kreisen allgemein. Reichspräsident von H l n d e n b u r g hat dem Reichstagspräsidenten in einem besonderen Schreiben seine besten Wünsche für baldige Genesung aus gesprochen und hat sich durch Staatssekretär Dr. Meißner nach dem Befinden des Erkrankten erkundigen lassen. Reichskanzler Dr. Marx hat namens der Reichsrcgic- rung in einem Schreiben das größte Bedauern zu der schweren Erkrankung ausgesprochen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Reichstagspräsident bald wieder in Gesundheit und Frische seines wichtigen Amtes walten könne. Auch das gesamte Diplomatische Korps, zahlreiche Politiker aller Parteien sowie die prominentesten Vertreter von Kunst und Wissenschaft haben ihre Teilnahme an der Erkrankung des Reichstagspräsidenten bezeugt und dem Erkrankten wiederholt telegraphisch Lie besten Wünsche ausgesprochen.
Als besonders merkwürdig und eigenartig erscheint die Tatsache, daß Reichstagspräsident Löbe an der gleichen Erkrankung operiert werden mußte wie seinerzeit der Reichspräsident Ebert und daß die vollzogene Operation auch bei dem verstorbenen Reichspräsidenten am 24. Februar, also am gleichen Tage wie beim Rcichstagspräsi- denten Löbe, ausgeführt wurde.
Die Auslandsreisen der Marine.
DerKreuzer „Hamburg" in San Fra n zisko.
Im Haushaltsausschuß des Reichstages, der sich mit dein Marineetat beschäftigt, brachte Abg. S ch ö p f l i n <^w;.^ die Angelegenheit des Kreuzers „Hamburg" in ^an Franzisko zur Sprache, wo ein Offizier despektierlich über die schwarz-rot-goldene Rosette gesprochen haben soll
Reichswehrmimster Dr. Getzlcr erklärte, wenn der Wahrheitsbeweis für die behauptete Äußerung sich führen laste, würde der betreffende Marineoffizier entlasten wer- den; aber dieser B e w c i s f e h l c. In San Franzisko sei auch nicht das Wort Republik von unseren Leuten peinlich vermieden worden, sondern im Gegenteil habe der vortreffliche Kapitän Groß ausdrücklich in seiner Rede erklärt, die junge Deutsche Republik werde alles tun, um wieder hochzukommen, usw.
Marine und Heer müßten aus dem Kampf der Parieren heraus. Wenn er durch dienstliche Erhebungen nicht zum Ziele komme, müsse er sich a n die Gerichte wenden, nicht etwa, weil er auf Be- strafnng von Pressefünden Wert lege, sondern um die Wahrheit Mtzustellen. Admiral Zenker dankte der Notgemcinschaft der deutschen Wissenschaft für die Unter» Nutzung der Marine. Die vermehrten Auslandsreisen der Marine seien notwendig im Interesse der militärischen und marinctechuischeu Ausbildung auf dem freien Meere, zur Erhaltung der Dienstfreudigkeit und Drenstfrische der auf zwölf Jahre verpflichteten Mannschaften und Offiziere. Die Repräsentationsgelder sclen namentlich für den AuslandsWuch außerordentlich
Zeitgemäße Betrachtungen.
(Nachdruck verboten.) Allerlei vom Februar.
Die Zeit, die immer flüchtig war, — eilt weiter ohne Rast und Ruh, — nun geht der Monat Februar — auch wieder seinem Ende zu, — drum sei zum Schlüsse aufgeführt, — was er gebracht, indessen — ob Lob ob Tadel ihm gebührt, — mag jeder selbst ermessen.
Zwar hat er sich drauf eingestellt — uns Daseinslust zu gönnen, — doch hat die Wirren dieser Welt — er nicht beseligen können. — Frau Sorge, die uns nimmer flieht, — begleitet uns getreulich, — und das politische Gebiet — ist noch recht unerfreulich.--—
Im Osten macht der Chinamann — dem, den es angeht, viel Verdruß, — uns aber geht das wen'ger an, — denn weit davon ist gut nor’m Schuß, — doch ist kein Volk in dieser Zeit — im Friedensglück geborgen, — noch bringen Hader, Zant und Streit — dem Völkerbund viel Sorgen.
Was hat der Februar gebracht — für unsre inn're Politik? — Der Lärm, den man im Landtag macht, — klingt nicht wie friedliche Musik. — Statt daß die Kräfte treu vereint, zum Wohl des ganzen walten — erscheint der Geist, der stets verneint, — und alles bleibt beim Alten!
Da kam im Februar ein East, — der hat Zerstreuung uns gebracht, — er rief: Werft ab die Sorgenlast — und kommt zu mir und scherzt un d lacht! — Das war der Ritter Karneval, — er rief zu buntem Reigen, — sein froher Ruf fand Widerhall, da tönten hell die Geigen.
Da stürzten fröhlich Mann und Maid — sich in des Lebens Vollgenuß, — doch jedes Ding währt feine Zeit, — das ist der Weißheit letzter Schluß. — Wer flott und übermütig war, — zählt jetzt den Rest der Habe, — denn mit dem letzten Februar — geht aller Glanz zu Grabe. — So brachte reichlich hier und dort — auch Daseinslust der Februar, — wer Freude hat am Wintersport, — nahm diesen wähl nach Kräften wahr, — dort, wo verschneit sind Tal und Grund; — jedoch die Zeit rückt weiter, — bald tun uns Märzenstürme kund: Der Frühling kommt!»— —
Ern st Heiter.
Aus Heffen-Aaffau und Aachbargebieten.
Merkblatt für den 27. und 28. Februar.
Sonnenaufgang 6” Mondausgang 5” 23.
Sonnenuntergang 55* MonduMergang lüg’ N. ’ 27. Februar. 1807 Der amerikanische Dichter Henrt W. Longfellow geb.
28. Februar. 1867 Gründung der Natiynallibcralcn Partei. — 1925 Friedrich Ebert gest.
Vergangenheit laß deine Lehrerin sein, in die Gegenwart streue den Samen ein; ob die Zukunft belebe de» zarten Keim, das stelle Gott anheim.
Wetterbericht.
Unser Bezirk liegt noch unter dem Einfluß der Ausläufer des bei England liegenden Tiefdruckwirbels. Da sich immer neue Randstörungen entwickeln, ist eine wesentliche Witterungsänderung nicht wahrscheinlich. — Vorhersage bis Samstag abend: Wolkig bis bedeckt, zeitweise Regen, mild, südliche dis westliche Winde. — Aussichten bis Sonntag abend: Keine wesentliche Aenderungen.
Amtlicher Wintersportbericht.
Rhön (Wasserkuppe): Heiter, 0 Grad, 50 cm. Schnee, etwas verweht, Schi und Rodel gut.
Vogelsberg (Hoherodskopf): Heiter, 1 Grad Kälte, 45 cm. Schnee, gekörnt, Scht und Rodel gut.
Bis zu etwa 900 Meter' Höhe werden auch weiterhin die Temperaturen mindestens zeitweise den Gefrierpunkt übersteigen. Mit dem Auftreten von Regenfällen ist in den unteren und mittleren Höhenlagen besonders des westlichen Deutschlands zu rechnen..
Fasching.
Pred. Sal. 3, 1: Alles hat feine Zeit — weinen und lachen, klagen und tanzen.
Bei dem Faschingstreiben dicht vor dem Anfang der Passionszeit brach früher noch einmal die Lebenslust hervor, ehe die lange ernste Zeit der Passion kam, in der es still wurde im Lande; die ernst war und die man auch ernst nahm, denn man hatte noch Sinn für den mächtigen Ernst des Leidens Jesu. Heute ist dieser Ernst bei vielen geschwunden. Sie sind geistig nicht mehr fähig, den tiefen Sinn im Wechsel von Lust und Ernst zu erfassen, zu verstehen, daß alles seine Zeit haben muß. Gewiß ist cs in erster und glücklicherweise säst ausschließlicher Linie die Bevölkerung der Großstädte, die sich sinnlosem Taumel, ohne (Selbstbesinnung, ohne Würde, ohne Tiese hingibt. Was einst mit cincmmal aus der sonst so ernsten Lebensführung des ganzen Jahres übermütig herausschäumte, um dann schnell wieder in doppelten Ernst zu versinken — was da naturwahr und verständlich aufleuchtete, ein schönes buntes Fleckchen, das wird dort schmuddlig breitgetreten durch Wochen, ja, fast durchs ganze Jahr: aus dem fröhlich-herzhaften Auflqchen ist ein breites, ödes Grinsen geworden. Wir wollen uns besinnen: auch Lachen und Tanzen hat seine Zeit, aber diese Zeit muß einmal ein Ende haben, damit auch der Ernst, der tiefe, besinnliche, der seelenstärkende und erbebende, seine Zeit finde. Ein Volk, das sich selbst, das das Ernsteste aus dem Erleben der Menschheit, die Passion Jesu, nicht mehr ernst zu nehmen versteht, ist gefährdet. Gott gebe, daß nach dem übertriebenen Fasching doch die Passionszeit der Selbstbesinnung komme uiiu zu einem Ostern mit seiner Auferstehung führe! P. H. P.
* Expreßgutoerkehr auf der Eisenbahn. Die Frist für den Aufbrauch der früheren Eisenbahnpaketkarte mit rotem Rand war am 31. Dezember 1926 abgelaufen. Da ein Teil der Versender noch im Besitz solcher Karten ist, hat die Reichsbahn nunmehr die Aufbrauchsfrist der Karten mit rotem Rand bis zum 1. Juli 1927 und die der Expreßgutkarten mit grünem Rand bis zum 31. Dezember 1927 verlängert.
* Nähr- und Wärmewert von Milch und Käse. Unter Nährwert versteht man die Gesamtmenge der in einem Nahrungsmittel erhaltenen „Nährwerteinheiten" und nimmt in ihrem gegenseitigen Wertverhältnis die stickstoffhaltigen Körper (Eiweißstoffe) zu 5, Fett zu 3, Zucker und Stärke (Kohlehydrate) zu 1 an. Dem Alkohol spricht man überhaupt keinen Nährwert zu und betrachtet ihn als Gift oder höchstens als Genußmittel. Bei der Beurteilung nach diesem Nährwert tritt der Eiweißgehalt gegenüber dem Fettgehalt in den Vordergrund. Es stehen deshalb die Käse, besonders die wasserarmeren Hartkäse obenan. Magere Hartkäse weisen doppelt soviel Nährwerteinheiten auf als Lendenbraten oder Kalbsschnitzel oder Leberwurst und 3—4mal soviel als Mehlspeisen. Ein halbes Liter Milch entspricht gleichviel Nährwerteinheiten wie 100 Gramm mageres Schweinefleisch oder Rinderbraten oder 30prozent. Limburger Käse oder wie 200 Gramm Mehlspeisen (Spätzeln, Dampfnudeln, geröstete Kartoffel u. dgl.)
□ Das Wetter der Woche. Dje über der Nordsee lagernden Tiefdruckwirbel haben ihren Wirkungskreis nicht fo weit ausgedehnt, wie man zunächst befürchten mußte. Im großen und ganzen wurde nur Nordwestdeutschlaud stärker beeinflußt, während das übrige Deutschland im Bereich des Hochdruckgebietes blieb. Die Temperaturen gingen nachts auf 3 bis 4 Grad unter den Gefrierpunkt zurück, in Den Mittagsstunden aber kletterte die Quecksilbersäule schon ziemlich hoch hinauf. In den deutschen Mittelgebirgen hielt das leichte Frostwetter an: diè Schneeverhältnisse waren für die Ausübung des Winter- fports recht gut. Aus Oberbayern wurde schärferer Frost gemeldet. Nach der allgemeinen Wetterlage darf man damit rechnen, daß wir auch in den nächsten Tagen das schöne Frühlings Wetter in Nord- und Mitteldeutschland behalten, während im Nord Westen die Witterung veränderlich bleiben dürfte.
Fulda, den 20. Februar 1927.
Am Wochenende.
Prinz Karneval schwingt in diesen Tagen sein Szepter. Roch einmal versammelt sich sein närrischer Hofstaat, noch einmal huldigen ihm die Narren und Närrinnen bis zum Kehraus in ter Frühe des Aschermittwochs. Lustig! Heiho! Ein frischer Sprung zum Bruder Humor hinüber macht wieder jung. — Er wohnt um die Ecke im letzten Haus, — Frau Laune schaut heiter zum Fenster heraus, — und Scherz und Witz, ihre beiden Rangen, — an der Tür uns artig neckend empfangen. — Doch bleiben wir hübsch bei der Prosa, das Reimen versteht Ernst Heiter auf der anderen Seite besser. Die Faschingszeit müßte eigentlich für die Fuldaer Schuhmacher eine goldene Zeit fein, wegen der vielen durchtanzten Ballschuhe. Um dieser Sache auf den Grund zu kommen, interviewte ich meinen Schuhmacher — feine Auskunft war „niederschmetternd": Das junge Volk kauft sich die billigsten Pappdeckelschuhe und wirft sic weg, wenn sie durchgetanzt sind, weil sich das Sohlen dann nimmer lohnt. — Und die Alten? Ja, die tragen so solicdes Schuhwerk, daß ein Sohlen bestimmt nicht in der Fastnachtszeit in Frage kommt. — Und die Alten? Ja, die tragen so solides Schuhwerk, daß futzlaufen wirbt. In Fulda werden die Varfußläufer nicht viele Anhänger finden, denn die Straßen unserer Stadt sind keine Asphodeloswiesen, auf denen man ungestraft barfuß wandeln könnte! Selbst mit beschuhten Füßen kann man in Sachen treten, in Sachen, die außerhalb der Erörterung liegen. Also von der Sekte der Barsußläufcr droht unserem Leder verarbeitenden Handwerk vorläufig keine Gefaht — Aus Paris wird eine gründliche Reform unserer Herrentracht eifrig befürwortet. Es soll mehr Farbe in die Eintönigkeit der Männerkleidung gebracht werden. Es ist kein Fastnachtsscherz, und schließlich gar nicht so unvernünftig, wenn dem gestärkten Kragen und der Ärapatte der Krieg erklärt wird. Dahingegen klagt eine Berliner mondäne Halbinonatszeitschrift: Wir Deutsche kleiden uns zu salopp, wir verstehen es nicht einen Frackan- anzug richtig zu tragen! Wir können uns darüber trösten, macht doch selbst den englischen Staatsmännern eine englische Zeitschrift den Vorwurf nachlässiger altväterlicher Kleidung.
Wenn also nur ver Frack korrekt getragen wird, der Kerl, der darin steckt, ist Nebensache! Kleider machen Leute. Daß unsere Kleidung reformbedürftig ist, darüber herrscht kein Zweifel, aber gerate bei unserem Festgewand, dem Frack, müßte die Reform anfangen. Dieses Kleidungsstück paßt so recht zu unserer Naturentfremdung. — Wie harmonisch fügt sich dagegen die Volkstracht mancher ländlichen Gegenden in das Bild der Landschaft. Nicht jede „Tracht" ist unbedingt schön, manche gro- tcskwirkenden Auswüchse sicht man hier und da, das ist aber noch besser als eine charakterlose Allerweltstracht. Hans Thoma, der heimatliebende Maler, sagt dazu: „Man darf aber auch glauben, daß die stilwidrige Kleidung, die einen Hollcdauer nicht mehr von einem Polacken unterscheidet, den Leuten viel vom Stolz auf Heimat und Stand nimmt.“ — Auf jedem Maskenball sind vereinzelte „Trachtenmasken" zu sehen, diese
Kostüme, sofern sie echt sind, sind eigentlich zu Schade dafür. Die herr^yende Kleider mode wurde seit alter Zeit, besonders an Fastnachtssonntag und Aschermittwoch parodiert und durch Uebertreibungen lächerlich gemacht. Mindestens die Hälfte der Einwohner lief als Fastnachtsgeck in den Straßen umher. Wer sich keine Verkleidung leisten konnte, wickelte sich als Ersatz vom Kopf bis zu den Füßen in Stroh ein und lief als Strohmann herum. Möglich, daß das, was wir unter „Strohmann" verstehen, in jener Sitte feinen Ursprung hat. — Auch im goldenen Mainz huldigte man von jeher ausgiebig dem Prinzen mit der Schellenkappe. In diesem Jahre werden 70 000 Gäste erwartet zu dem großen Rosenmontagszug. 64 Sonderzüge sind eingelegt, die Mainzer Wirte werden sich freuen, denn der Mainzer Wahlspruch: „Worscht, Weck und Woi" wird auch von den Nicytmainzern yr.Wsend respektiert. — Die Anziehungskraft des rheinischen Karnevals ist so groß, daß sogar aus Amerika begeisterte Fastnachtsnarren herbeigeeilt sind. — Herr Ford ist nicht darunter. Sein Absatz in Automobilen stockt, er ist damit beschäftigt, seinen Riesenbetrieb „umzuftellen". Vorläufig macht er cs wie andere Industrielle in seiner Lage auch, er läßt Feierschichten entlegen. Staunend hat die Welt vernommen, daß dieser Jndustriekönig, der vor einigen Jahren noch ein armer Teufel war, in jeder Minute vierhundert Mark an Steuern hinlegen muß. Eine angenehme Multiplikationsaufgabe für unsere angehenden Rechenkünstler: Wenn Herr Ford in einer Minute vierhundert Mark Steuern bezahlt und er ist, nehmen wir an, sechzig Jahre alt, wieviel "hat er dann an seinem 87. Geburtstag gezahlt. Wer rechnet cs aus? — Leichter ist folgende Rechnung: Wenn von 1,1 Mill. Handtücher der Deutschen Reichsbahn 54 000 Stück gestohlen werden oder „fortkommen". Wieviel „fortgekommene" Handtücher kommen dann auf den Kopf der O-Zugbenutzendcn Bevölkerung? — Die Stadt Köln hatte in ihren „Elektrischen" Glühbirnen mit der eingeätzten Inschrift: „Gestohlen in der Scraßenbahn der Stadt Köln". Diese Zuschrift entsprechend geändert, ließe sich mit Leichtigkeit in den Reichsbahnhandtiichern einweben. Aber immerhin — es macht keinen guten Eindruck, so ein allgemeines Mißtrauensvotum! — Die Reichsbahn hat übrigens „Konkurrenzsorgen" — wie jeder Kleinbetrieb. Die Fracht ist von 8.0 auf 60 Milliarden Tonnenkilometer gurüdgegangen. Die nicht mit Reparationsleistungen belastete Autotechnik hat erfolgreich den Wettbewerb ausgenommen, der vorerst im Güterverkehr zur Auswirkung kommt. Ueber 30 Proz. der Reichsbahneinnahmen gehen für politische Lasten weg. Weitere 10 Proz. (300 Mill.) verschlingt der Ausbau der Gleisanlagen. — In dex allgemeinen wirtjtyaftlichen Lage ist eine Besserung eingetreten. Die kommende „Saison" wirkt in einigen Eeschäftsziveigen „belebend". — Belebend wirkt auch die steigende Sonne auf die geplagten Erdenpilger. Der Winter pfeift aus dem letzten Loch. Wenn wir cs nicht wüßten, sagten es uns die Fuldaer Kinder, die den Vorfrühling mit ihren Bewegungsspielen: Ballschlag, Seilhüpfen, Kreisel (Schnorbetzel auf fuldisch) usw. eröffnet haben. Mit einet merkwürdigen gesetzmäßigen Regelmäßigkeit wird von der Jugend die Reihenfolge dieser Saisonspiele eingefallen. Wenn wir es nicht wüßten, daß es dem Frühling mit Riesenschritten entgegengebt, sagten cs uns auch die Flut der Empfehlungen der Gartensämereien; aus Erfurt und aus Holland flattern sie Jedem, der einige Quadratmeter Gartenland sein Eigen nennt, auf den Tisch. Sie mögen uns als. Vorboten des Frühlings willkommen sein. —
Die Erde reibt sich den Schlaf aus den Augen, der Morgen schreitet gölten herab von den weißen Bergen. Durch die braunen Ackerfurchen rieseln ganz kleine Bächlein, sie eilen zur Wiese und locken ein kurzsticliges Gänseblümchen oder eine voreilige Schlüsselblume, als „Primula veris" hervor. Und
Abend schreitet aus blauen Tälern zu den Bergen hinauf, und kleine Häuflein grcntfcftmirgcnetW
unter den Saum seines Mantels. Eine seltsame Wehmut ergreift den naturliebenden Dienschen, fast stärker als in den Tagen des scheidenden Sommers. — A. M.
Todesfall.
Ganz unerwartet verschied heute früh der langjährige Leiter der Eifenbahnausbesserungswerkstätte Fulda, Herr Reichsbahnrat Otto Seyfferth. Der so plötzlich aus dem Leben Geschiedene erfreute sich auf Grund seiner hervorragenden Charaktereigenschaften allgemeiner Beliebtheit und Verehrung bei seinen Beamten und Untergebenen. Ein arbeitsreiches, pflichtbewußtes Leben hat durch den Todesfall sein Ende gefunden. R. i. p. *
Obergärtnerprüfung.
In der Obstbauanstalt Oberzwehren fand dieser Tage die Obergärtnerprüfung der Landwirtschaftskammer für den Reg. Bez. Kasiel statt. Von den 7 zur Prüfung zugelassenen Prüflingen bestanden 6, u. a. auch Herr AZalter Luäau, Fulda. Die die Prüfung bestandenen Gärtner sind berechtigt, die Bezeichnung „Geprüfter Obergärtner" zu führen.
Störung des Gottesdienstes.
Durch einen Betrunkenen — nach der Aussprache zu urteilen, handelt es sich um einen polnischen Arbeiter — wurde der heute früh im Dome abgehaltene Gottesdienst empfindlich gestört. Als alle Versuche fehlschlugen, den Mann zum Verlassen des Gotteshauses zu bewegen, mußte polizeiliche Hilfe in Anspruch genommen werde». Nur mit großer Mühe gelang es dem betreffenden Beamten, den schwer Betrunkenen auf die Polizeiwache zu transportieren. Eine Anklage und Bestrafung wegen Kirchcnftörung wird der Schluß dieses Rauschexzeffes fein.
Verdftlgungsergcbnis.
Der Spar- und Bauverein Fulda beabsichtigt dieses Frühjahr durch seinen bauleitenden Architekten, Herrn Eottesbühren, eine Wohnhausgruppe an der Wörth- und Sebastianstraße (an der Waides) zu errichten. Die hierzu erforderlichen Erdarbeitcn hatte die Bauleitung in engerer Submission ausgeschrieben. Es forderten: Gehring 1360 dl, Rützel 1402,10 Ji Frentzel und Witzel 1415 Ji, Hillenbrand 1445,10 Ji, Bernjus 1700 Ji, Grosch 1700 Jt, Kollmann 1997,50 Jt, Hautumm 2125 Ji, Stein 2125 Ji, Remmel 2193 Ji, Hendler 2550 Ji. Für die Bruchstein- lieferung für die Neubauten verlangten: a) ab Bruch, b) frei Baustelle: Hillenbrand a) 5 Ji pro Kubikmeter, b) 8,70 Jl, Arlt, Steinau a) 5 Ji, b) 8,50 Ji, Grünkorn, Zirkenbach a) 5 Ji, b) 9 Ji, Dehler a) 5,20 Jl, b) 8,50 Ji. Für die Kanalisierung der Waides forderten für Rohrliefern und Verlegen: E. Ehrig 16,81 Ji, Gehring 18,50 Jl, Frentzel und Witzel 21 Ji, für das Ausfchachten des Grabens verlangten pro Kubikmeter: Gehring 1,80 Ji, Frentzel und Witzel 2 Jl, E. Ehrig 4,50 Jl; für das Mauern des Einsteigschachtes E. Ehrig 42 Ji, Frentzel und Witzel 65 Jl, Gehring 66 Ji.
Kleine Straskammersitzung vom 25. 2. 1927.
H ü h n c r d i e b st a l; l und verbotener W a f f c n h e s i tz.
Vom Amtsgericht Weyhers war der Arbeiter J. H. aus Hettenhausen wegen schworen Dicbstähls und 'inbcfvgicn Wafsen- tragens zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt und der Mitangeklagte Arbeiter Gg. H. von Hettenhausen frcigesprochen worden. Gegen dieses Urteil hatte sowohl die StqatsäÜMftschhft