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Fulda, 18 Februar.
1927
Wtlnkmdräuumng und Enimffnmg.
Eine Rede d eS belgischen Außenministers.
Bei Beaniworlung einer Anfrage in der Belgischeit Kammer kam der belgische Außenminister Vandervelde aus Die Nheinlandrâumung und die deutsche Abrüstung zu sprechen. Urtter anderem behauptete Vanderveldr, daß Sie Alliierten auch nach Erfüllung der militkrischen Bedingungen des Versailler Vertrages das Recht Hütten, die Militärkontrolle ausrechtzuerhalten. Er habe jedoch kein Zutrauen zu einer stündigen Besbachtring durch die Alliierten. Auch die Einrichtung einer Kontrolle für die entmilitarisierte Zone halte er für zweifelhaft. Mit der Militürkontbvlle hänge die Nheinlandräumung zu- sauttncr«.
Vandervelde bedauerte, daß die Nheinlandräumung in Gens als ein Austauschobjekt angesehen worden sei. Eine vorzeitige Räumung würde von Garantien hinsichtlich der neutralen Zone und von der endgültigen Regelung des ReparationSproblems in Verbindung mit dem der interalliierten Schulden abhängen. Der Minister gab zu, daß Deutschland ossi zielt entwaffnet sei und die Reichswehr unfähig wäre, Angriffe gegen die Westfront 311 unternehmen.
FemesAsMO Md .WWw EmWHmmchr.
Berlin. Der FemeuntersuchrmsSauSsHutz des Reichstages setzte die Erörterung über die zum Mttsrfnchnngskomplex „Münchener Einwvhrrcrwch?" forlitsniben Anträge fort. Es sind dirs: 1. der Antrag des BerichterftatterS Dr. Levi (Soz.), (Feststellung von Fememorden und Mitschuld bayerischer Behörden), wozu über den Fall CarciS ein Zusatzantrag der Kommunisten (Creutzburg-Münzenberg) vorliegt: 2. Antrag des MitblrichterstatterL Dr. SchSfftrèeSlcm (DM.), wonach keine Fememorde vorliegen, die gerichtliche Enifchcibung für genügend erachtet wird und keine Schuld der bayerischen Behörden besteht: 3. ein BerAuttlungsantrag Gchulle-Breslsu (Ztr.), umerstützt von Bolksparici und Demokraten; 4. ein Antrag Troßmauu (Bayer. Bp.) betr. Haltlosigkeit der Par- Würfe gegen den bayerischen Justizminifter Gürtner und Verneinung von Fememorden.
Abg. Dr. S.chä sser-Breslau (Dtn.) erklärt zunuchsi namens seiner Freunde: Wir vrrtirtrilcn den Fememord, wir betrachten ihn nicht als Mittel zur Rermguzeg, sondern -ur Verstnsterung der politischen Atmosphäre. Fememorde bringen Staat und Volk in Gefahr und Zerrüttunx. Nienrand wäre mehr feines Lebens sicher. Der Staat muß eiftrsüchtig über die Wahrung seiner Rechte über Leben und Tod wachen. DaS bedingt aber auch, daß der Staat auf gesetzlichem Wege gegen Landes- und Wasfenverrâèer scharf vsr- geht und mit allen gesetzliche« Mitteln nachdrücklich und schleunigst LandeSyerröter verfolgen must.
Der Redner polemisiert hierauf gegen frühere Ausführungen des ASgeordueirn LandSberg, der im Fall Hartung versucht habe, eine objektive Schilderucrg in einem Gerrchts- urteil in eine Billigung der betr. Verhältnisse durch das Gericht u m z u d e u t e n. Er geht sodann auf die Frage der Abgrenzung der Befugnisse der Untersuchungsanöschüsse im allgemeinen ein. An sich solle der Ausschuß nur Tatsachen fest* stellen, aber es sei umnöglich, 'Urteile von Tatsachen zu trennen, und darum werde der Versuch in der Praxis immer scheitern, die parlamentarischen Ausschüsse in ihrer Tätigkeit auf Feststellung von Tatsachen 311 beschränken. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß dürfe weder in ein schwebendes gerichtliches Verfahren eingreisen noch rechtskräftige Urteile einer, sachlichen Nachprüfung unterziehen.
Hierauf wird die Verhandlung auf Mittwoch, den 23. Februar bei tagt.
Maßnahmen zum Grenzschutz.
Dr. Geßler über die Aufgaben der Reichswehr.
Der Haushaltsausschuß des Reichstages begann die Beratung des Haushalts des Reichswehrministerimns 1927. Berichterstatter Abg. Stückten (Soz.) legt in seinem Bericht dar, daß die Positionen sich wieder erhöht hätten und daß unbedingt Abstriche vorgenommen werden müßten. Eine Ersparnis bedeute der Verzicht des Ministers auf einen Staatssekretär, aber er, der Berichterstatter, beantrage die Wiedereinstellung des Staatsseketärs in den Etat, der die politische Verantwortung für den Heeresetar in Vertretung des Ministers übernehmen müsse. Mitberichterstatter Abg. Ersing (Ztr.) sprach Uch für eine genaue Prüfung des Etats aus.
Reichswehrminister Dr. Geßler erklärte, daß er die Kritik an der Reichswehr durchaus nicht verdamme, wenn sie an den wesentlichen V c r d i e n ft e n der Reichswehr nicht
Zaruliz öe 6immtL
(Zu seinem 250. Todestage am 21, Februar 1927.)
Von Dr. Werner Freytag.
imHn^^’^s18^ VON Vertretern fast sämtlicher Kultur- tenbes Denk»?^ ^tjioenogradjt im Haag ein achtungsgebie- WÄ Hessen granitener Sockel als einzige
Widmuna in'u^^» ^ ps » " z a trägt. Nichts weiter! Keine Namen der X^^rtT DK^ sondern einen unauslöschlichen ferstet 'MärtnrâE^ hellten Geistes, aber auch Ströme bis« Sahre trennen nur rIh tn ^< dirgt. Zweihundertundfünfzig Denker aller Völkerbund "2 'u^ Sterbestunde eines der klarsten zweieinhalb Takrbnnd^ Seiten; boaj wie wenig bedeuten diese tighÄ^Ä °» der überzeitlichen
•h-Ä^SSSK»,^ HW," sieben lassen- Um in teAtn..^“6^' ö‘e. f1^ auf ihn selbst be« klären können, je besser ° wir^Vein^ SNps?^^^de2^ Worte erkennen." Wie sdimerrliA mm- „ - ?- >D ^ ?^ ^ud seinen Geist seinen Zeitaenossen ein E„!"^ ^^ lebenden Denker, von und maßlos verkannt zu werden, daß bcks'pie?"we^
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achtlos borubrrgehc. Ter Minister sprach sich gegen die Schaffung einer StaatssekrelârstSlle im Rcichswehrministcrinm aus, da nach den Vereinbarungen mit der Entente die Chefs der Heeres- und Marineleitung schon als sachliche Berater des Ministers gelten. Dr. Geßler erklärte sich völlig einverstanden mit einer sorgfältigen Prüfung des Neichswehretats durch das Parlament. Im Hinblick auf die fieberhaften R ü st u n- g e n der Nachbarstaaten Deutschlands müsse wenigstens das erhalten werden, was die Entente Deutschland als Maximum seiner Wehrmacht gelassen habe. Die zwangsläufige Art der Bewafsnuugsfrage erfordere heute auch eine bestimmte Bevorschussung für die Rüstungsindustrie. Wenn man die Übertragbarkeit der Etatspositionen verhindern wolle, so würde damit in erster Linie die Dispositionssähigkelt der Rüstungs- industrie außerordentlich gestört werden. Gegen die Zusammenlegung von Garnisonen fei trotz ihrer Schwierigkeiten nichts einzuwenden. Ter Minister betonte mit Nachdruck, daß sein Ministerium allen Wehrver bänden fern st ehe. Dagegen sei es durchaus verständlich, wenn in Deutschland Sport- und T u r n v e r c i n i g u n g e n die Militärdienst- Pflicht durch körperliche^Ertüchtiguug der Jugend zu ersetzen suchen. Das Recht der Beteiligung an derartigen unpolitischen Vereinigungen könne auch den Soldaten nicht genommen werden.
Mit Bestimmtheit erklärte der Minister, daß geheime Rüstungen weder in Deutschland noch in einem anderen Lande möglich seien. Im Rahmen des Versailler Vertrages habe aber die Hreresvcr;mtilnng das Recht und die Pflicht, die e r f o r d e r l i ch e n M a h u a h in e n z u m Grenz- f ch u tz zu treffen. Das Reichswehnninifterium habe aber auch die Pflicht, an K r i e g S m o g l i ch k e i 1 e » zu denken, wenn auch der .Krieg selbst ganz unwahrscheinlich sei. Die Absichten unserer Nachbarstaaten seien ja nicht unbekannt. Mit ihren Rüstungen wollen sie scheinbar erreichen, daß sie schon am ersten Tage eines Krieges möglichst rasch und möglichst tief nach Deutftlflrmd hineinstoßen können. Daß Deutschland selbst 3li jedem Angriffskrieg unfähig sei, liege auf der Hand.
Der Minister ging dann aus die Èhiftelhmg der ReichZ- Wehrfoldatru ein urid bemerkte, daß seit 1824 infolge der Arbeitslosigkeit der Andrang zur Reichswehr äußerst stark sei. Heute tönateu nur drei bis fünf Prozent der sich Meldenden genommen werden. Im Jahre 1926 hätten sich allein bei der Marine 60 000 Mann gemeldet, von denen nur 1800 eingestellt Werden konnten. Eine Werbetätigkeit für die Wehrmacht sei heute nicht mehr nötig. Neuerdings sei für die Einstellung eine Bestätigung der Landesverwaltung erforderlich, nach der sich der Bewerber niemals be r =• fasfun g s feindlich betätigt hat. Wenn Arbeiterkinder 6 um Ofsizicrsberuf kommen sollen, muffe ihnen auch der Eintritt in akademische Beruft ermöglicht werden, denn der Offiziers beruf setze auch wissenschaftliche Denkschulung voraus.
Aufwerfung ton Srbpachtzmsen und FttterverfichermtStu.
Gesetzentwürfe des preußischen Staats Ministeriums.
Das preußische Siastsminksterium hat dem Landtag den Entwurf des Gesetzes über die Aufwertung von ErbpZcht- zinfen (Kanon), Grundnneten, Erbkeihen und ähnlichen Ansprüchen übersandt. Danach sollen Ansprüche auf wieder- kehreude Leistungen, wenn das Rechtsverhältnis der Erbpacht und so weiter lisch befiehl und der Anspruch durch den W«H- rungsderfâA betrssfen ist, nach den stgcwinrn Vorschriften aufgewertet werde«, Die Leistungen, die der dem L Januar 1925 fällig geworden waren, gelten als erlassen. Der Entwurf schließt sich der Auffassung der Gerichte an, die sich bisher mit der Auswertung dâ Eropach-zinsen befaßt höben, diese als Leistungen aus einem gegeuftitigLu Vertrage auszusaffen und demgemäß indibiMM aufzuwerten. Eine Küâkrktmg wird insoweit vorgèschlagrn, als bei MlSfung vsn Erbpschtd-rhält- nissen der Anspruch des ErSverpächters auf die Mlsmngs- summc durch den Währungsverfall betroffen worden ist Die Entscheidung von Streitigkeiten wird den ordentliche» Gerichten entzogen und den AufwertungssteSrn zugewiesen.
Außerdem ist dem Preußischen Landtag "her Entwurf klncs Gesetzes über die Aufwertung von Versicherungscm- sprüchen gegen öfftütliche FeuerPsrs-chorungsaustatten übersandt worden. Danach sollen aus Ansprüche auS GeSärcde- Versicherungen gegen eine öffentliche Feuerverstcherungsau- sialt, die unmittelbar kraft Gesetzes entstehen oder bei einer solchen Anstalt infolge eines gesetzlichen Zwanges oder eines gesetzlichen Ausschlußrechtes genommen worden sind, die Vorschriften der Verordnung der Reichsreglerimg über die Auswertung von Versichetungsanspruchen vom 22. Mai 1926 entsprechende Anwendung finden. Diese Verordnung sieht hinsichtlich der Feuerversicherung eine Igprozentige Erstattung des Gèlderttwertungsschadens bei allen noch nicht geregelten Versichcrungsansprüchcn bor; sie regelt jedoch nur die Ansprüche gegen privatrechtliche Versicherungsgesellschaft^ Hierfür kommen — und zwar auch nur für die in Klammern bezeichneten Teile des Anstattsbezirks — die Alisprüche gegen folgende Anstalten in Betracht: 1. Städtische Fcucrsozietüt voll Berlin (alte Stadtgemeinde Berlin), 2. Stettiner öffentliche Feuerversichernngsanstalt (Stadtgemeiude Stettin), 3. Städtische Fenerversicherungsarlstalt in Breslan (Stadt--
Unterricht empfing der Knabe in der jüdisch-spanischen Gemeindeschule der Eladt. Mit Feuereifer durchlief er ihre samt« Uchen Stufen und schärfte seinen wachen Geist am Talmud und uem Studium kabbalistischer Schriften. Der väterlichen Absicht, ihn Kaüsmann werden zu lassen, widersetzte sich der junge Spinoza aus das entschiedenste. Ihm schwebte vielmehr die Stellung eines feingebildeten Rabbiners vor. So befaßte er sich gründlich mit Religionsphilosophen wie R. Jehuda Alphakar, Gersonides und Ehasdai Kreskas. Von einem deutschen Studenten lernte er die Anfangsgründe des Lateinischen, deren systematische Kenntnis er jedoch erst int Hause des als Freigeist verschrienen Franciscus va>! den Enden erwarb. Diesem vorurteilslosen Vtaniie verdankt Spinoza vieles, nicht weniger aber dessen geistreicher Tochter Clara Maria. Sie soll die erste ernsthafte Liebe des Jünglings gewesen sein, doch scheint Spinoza bald die Zivecklosigkeit seiner Neigung ihr gegenüber erkannt zu haben. Ja, ein Zeitgenosse wußte sogar zu berichten: „Spinoza hat zum Heiraten niemals Inklination gehabt." Sowie ihm das Latein geläufig geworden, wirst er sich auf das Studium der Mathematik, der Naturwissen, schäften und Medizin. Von allen neueren Philosophen wird ihm Reno Descartes zur Richtschnur, und es mag wohl eine Art geistiger Wahlverwandtschaft gewesen sein, die just Spinoza in bas durchsichtige, kristallklare Gedaiikengebüude des cartesiani. scheu Rationalismus hineintrieb. Zieht sich doch gerade dessen erkenntnistheoretischer Grundsatz, daß die Erscheinungen der Welt nach logisch-mathematisch abzuleitenden Gesetzen verlaufen, wie ein roter Fäden durch das gesamte spinozische System. Auch Descartes' Standpunkt, „nichts fei für wahr zu halten, was nicht aus sichersten Gründen bewiesen", machte er sich zu eigen und mußte so notgedrungen zu heftigen Konflikten mit der orthodoxen jüdischen Theplogie geraten. Die Katastrophe folgte bald. Baruch Spinoza wurde als Abtrünniger von der Synagoge ausgestoßen. Ein jüdischer Fanatiker versuchte sogar einen dreisten Anschlag auf das „gottverfluchte Leben des Atheisten", und der Bannfluch traf den Bedrohten schwer. In Amsterdam war seines Bleibens nicht länger.
1660 verließ er die Stadt, nachdem er mit Hilfe seines väterlichen Freundes noch ein Handwerk, das Schleifen optischer Gläser, zur Rüstung seines Unterhalts gelernt und fiedelte in die Abgeschiedenheit des kleinen Fleckens Rijnsburg über, wo er drei Jahre" emsiger Studien verbrachte.
Der Ruf eines Gotteslästerers verfolgte den geplagten Philosophen selbst in die beschaWche Stille des Dörfchens Voorburg beim Haag, wohin Spinoza im April des Jahres 1663 flüchtete.
gemeinde Breslau), 4. Ostsriesische landschaftliche Braudlassc in Aurich (Regierungsbezirk Aurich), 5. Hessische Brandversicherungsanstalt in Kassel (Teile des Regierungsbezirks Kassel), 6. Nassauische Brandversicherungsanstalt (Teile des Regierungsbezirks Wiesbaden) und 7. Hohenzollernsche Feuerdersicherungsanstalt.
(246. Sitzung.)
preußischer Lâöiag
tt Berlin, 16. Februar.
Das Haus verwies einen volkspartcUichcn Urantrag mh Vorlegung eines Gesetzentwurfes zur Errichtung von I n - dustrieschäften, die bestimmt sind, der mittleren und kleineren Industrie sowie dem Handwerk und dem Einzelhandel langfristige Kredite zu gewähren, an ben Hyuptaus- schuß. Sodann wurden die Restanträge des Hauplausfchusses zur hannoverschen T y p h u s e p i d e tu i c beraten. Ter Hauptausschuß empfiehlt u. a. die Gewährung eines Zuschusses für die Stadt Hannover von insgesamt 3 Millionen, eines Kredits von 7 Millionen für Vorbeugungsmaßnahmen und Berücksichtigung der Stadt beim preußischen Arbeitsbeschaffungspro- gramm. Verlangt wird feiner die Einrichtung einer Zentralstelle für Tvphusbekämpfung, Unterstützung des Robert-Koch- Jnstituts usw.
Finanzministcr Dr. Höpker Aschosf betont, daß die Staatsregierung an dem Standpunkt sesthalten müsse, nicht mehr als ein Drittel der zur unmittelbaren Bekäinpfung der Krankheit entstandenen Kosten beizusteuern. Die Stadt Hamiover müsse auch selbst etwas tun. Der Minister lehnte vor allem die Überweisung einer Million für soziale Zwecke an die Stadt ab; es. sei auch nicht Sache der Staalsrcgicrung, der Stadt Hannover Darlehen zu geben. Den Antrag auf 7 Millionen Kredit bitte er abzulehnen.
Nach kurzer Debatte werden sämtliche Ausschußanträge mit großer Mehrheit angenommen. Es folgt die zweite Beratung der G e w e r b c st e u e r f ü r 1927.
Abg. Dr. Neumann-Frohnau (D. Vp.) erklärt als Berichterstatter, daß in ben Ausschutzberalungcn im wesentlichen die Regierungsvorlage bestätigt worden sei. Abzugsfähig sollen nicht fein u. a. die Zinsen für das Gcwcrbekapftal und die Schulden, die zum Zwecke der Bctriebsverbesserung gemacht worden sind, die Bezüge der Gesellschafter der offenen Handelsgefellfchaften. G. m. b. H.'s usw. sowie bei Konsumvereinen der sogenannte Kundcngcwiün, soweit er 5 % der auf die Waren geleisteten Barzahlungen übersteigt. Außerdem foKen nicht zu den abzugssähigen Beiricdsaüsgaben gehören der Teil der Miet- und Pachizinsen, der über die von gleichartigen Betrieben üblicherweise gezahlten Miet- und Pachtzinsen hrnatisgeht. Maßgebend für die Feststellung des Ge- Werbekapitals bzw. des Betriebsvermögens ist der auf Grund des Rcichsbcwertlmgsgesetzes festgestellte Einheitswert.
Rsh anb Jern.
^.O 51006 Hktrdèüchcr bei der Reichsbahn gestohlen. Die ReichsbahN hat mit der Wiedereinführung der Hand- recht trübe Erfahrungen gemacht.
Von Mar brs September sind 51 000 H a n d t ü ch e c verschwunden. Obwohl die Reichsballn damit rech- nen muß, daß im Laufe des Jahres ein Zehntel der 1,1 Mlüronerr Handtücher verlorengehen, will sie dis Einrichtung beibehalten.
. Q Ämer Kinder verbrüht. In dem Dorfs Treuenhausen tu der Grenzmark fielen die beiden minderjährigen Kinder elnes Landwirtes Beim Spielen in einen mit kochendem Master gefüllten Bottich. Kurz nach ihrer Einlieferung in das Krankenhaus starben die Kinder unter entsetzlichen Qualen. * '
^O Ein Opfer seiner Spielleidenschaft. Der frühere ^übnfüei^er Höhnefeld aus Wiesbaden, der mit 25 000 -warf nach Zoppot gekommen war, verlor diese Summe ^.^/Enb restlos. Da er in einem Drohbriese an der: Schrelklub zur Likgung seiner Schulden eine Geldsumme forderte, wurde er wegen Erpressung verhaftet.
0 Ein Wiener Hrldrnterror von seiner Frau erschossen, i/er Heldentenor Trajan Grofavescu ist in W i e w im Verlauf einer Auseinandersetzung mit seiner Ehefrau kurz vor seiner Abreise nach Berlin, wo er ein Engaae« Utens, angenommen hatte, erschossen worden. Die Frau Uetz sicy ohne Widerstand verhaften. Sie soll die Tat aus Elserzucht begangen haben.
. © Die Schiffahrt auf dem Kanal infolge des Nebels eingestellt. Infolge des Nebels ist der gesamte Verkehr auf dem Kanal eingestellt worden. Das belgische Königs-, pâar mutzte infolgedessen seine Rückreise nach Belgien Verschieben. Auch her belgische Delegierte de Brouü^re, der in London erwartet wurde, ist nicht eingetroffen.
Ein Feiertag in England aufgehoben. Die englischen Bischöfe haben den Valentmstag aus dem Kalender ae- Urchen. An diesem Tage, dem 14. Februar, durften junge Mädchen durch Zustellung einer Postkarte, eines shin- bol-ichen Herzens ober auf andere Weise den von ihnen Verehrten eine Andeutung ihrer Zuneigung machen.
0 Er» Mörder, der sich nach 38 Jahren selbst stellt. Ein Mörder, der vor 38 Jahren ausbrach, kehrte freiwillig nach dem Zuchthaus in London zurück. Er ist jetzt 67 Jahre alt und hat nach seiner Flucht als Seemann die ganze Welt bereist. Vor einigen Wochen kehrte er zurück.
Er wohnte dort, als „gemeinschädliches Subjekt" versänken, im Hause des rechtschaffenen Malers Daniel Tydeman, ohne sich natürlich auf die Tauer in dieser Umgebung wahrhaft frei und wohl zu fühlen. So zog er denn, nachdem 'er in Soorburg die letzte Hand an ein zu Lebzeiten nicht unter eigenem Namen veröffentlichtes Werk, den vielumstrittenen theologisch-politischen Traktat, gelegt hatte, 1671 nach dem Haag und verblieb dort im Hause des Malers Heinrich van der Spijk bis zu seinem Tode. Einen ehrenvollen Ruf der Universität Heidelberg lehnte er ab. Sein Sinn stand nicht nach äußerem Prunk und Glanz. Albert Burghs Versuch, ihm zum Katholizismus zu bekehren, scheiterte vollständig. Spinoza hatte inzwischen die Gottesidee sich innerlich^ so sehr zu eigen gemacht, daß er bereits die Ruhe der Ozeanstiefe besaß und eine Seligkeit, wie sie etwa Bögel beim leisen Gesang verspüren. Spinoza war weise geworden. Im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte schied er am 21. Februar 1677 aus einem Leben, das, reich an Bitternissen und Enttäuschungen, ihm endlich doch die schwer erkämpfte innere Glückseligkeit gebracht hatte.
Spinozas wissenschaftliches Verdienst beruht vor allein auf der Tatsache, den cartefianifchen Dualismus überwunden zu haben, indem er die Lehre von der ungeschaffenen und den geschaffenen Substanzen vereinigte. Jede Erkenntnis beginnt für ihn mit der Aneignung von Vorstellungen, die durch die Empfindung (fenfatio ober perceptio) hervorgerufen werden. Wahre Erkenntnis bedeutet ihm Einsicht in die Ursachen der Erscheinungen. Zur letzten Erkenntnis, ix h. zur Erkenntnis der Substanz gelangen wir nach Spinoza nur durch geistiges Schauen. Von grundlegender Bedeutung ist ferner für fein System der Begriff des psychophysischen Paralleiismus, wonach körperliche und seelische Vorgänge einander parallel laufen und hierbei die Seele als Summe aller körperlichen Vorgänge im Bewußtsein vorgestellt wird.
Seine Schriften endlich, von denen hier außer dem bereits erwähnten „theologisch-politischen Traktat" die feingeschliffene „Ethica. more geometrico bemonftrata", der „Tractatris politi- eus", „Tractatus de intellectus cmenbatione“ („Abhandlung zur Verbesserung des Verstandes") sowie der „Tractatus de beo et hamine eiuogue felicitate“ („Abhandlung über Gott, den M.m- s*en und dessen Glückseligkeit") erwähnt werden müssen — heute noch immer zum Allgemeingut jedes philosophisch Gebildeten. , , . r i, L . ■ Z^