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Der hessische Etat.

Darmstadt, 16. Febr. Der Voranschlag für dieses Jahr ist dieser Tage dem Landtag zugegangen. Der neue Vor­anschlag weicht in den Abschlußziffern wie in den Einzel­ergebnissen nicht sehr erheblich von dem Voranschlag des vorhergegangenen Jahres ab, ein Zeichen dafür, daß sich nun eine gewisse Stabilität der Ziffern und ihrer Grund­lagen wieder eingestellt hat. Der neue Voranschlag weist einen Fehlbetrag von 1.2 Mill. auf. Die Abschlutzziffern des Voranschlags für 1924, 1925, 1926 und 1927 ergeben folgendes Bild: Gesamtausgaben 124,82 Mill. (i. V. 126.38) laufende Einnahmen 117.32 (118.99 v. Fehlbetrag 7.50 Mill. (7.84). Besondere Deckung 7 Mill. (3) ungedeckter Fehlbetrag 0.5 Mill. (4.84 v.). Für das Kalenderjahr 1926 entfallen auf den hessischen Staat für Erwerbslosenunter- stützunq insgesamt 9.450.000 Mark. Für das Rechnungs­jahr 1926April bis März wird eine Ausgabe von 8.5 Mill, in Betracht kommen. Im Sommer 1926 glaubte man noch mit einer solchen von 1 Mill, rechnen zu miUen. Aehnlich ging es mit den Ueberweisungen aus der Reichs­einkommensteuer, die nach den Zahlen des ersten Halb­jahres einen Iahresausfall von 6 Mill, befürchten ließen. Dieser besondere Ausfall wird nach dem inzwischen bekannt­gewordenen Verteilungsschlüssel nicht eintreten, so daß die Rechnung 1926 wesentlich günstiger abschließen wird, als man noch vor wenigen Monaten annehmen mußte. Die vom Reich bisher geleisteten festen Zuschüsse zu den außer­gewöhnlichen Ausgaben für die ErwerbslosenuntersÜitz- ungen und ein Vorschuß zur Deckung des budgetmäßigen Fehlbetrages gestatten es, unter Zuhilfenahme des Rest- bestandes aus dem Reststock und unter der Voraussetzung eines weiteren Reichszuschusses den auf 7.5 Mill, beziffer­ten voranschlagsmäßigen Fehlbetrag für 1927 bis auf 0.5 Mill. als gedeckt anzunehmen.

Nur eine Frage sei nun besonders hervorgehoben: Wie wird es mit der Steuerbelastung für 1927? Die Belast­ung der Steuerzahler mit Reichssteuern ist von der Landes- Politik abhängig. Die wenn auch langsame Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse läßt gegen den vorjähri­gen Voranschlag eine Mehreinnahme aus Reichssteüern in Höhe von rund 2 Mill, erwarten. Die Grundsteuer und di Gewerbesteuer soll in ihrem bisherigen Betrage unver­ändert bleiben. Wie sich die in Aussicht stehende Umschich­tung der Steuerwerte aufgrund des Reichssteuerbewer- tungsgesetzes auf den einzelnen Steuerzahler auswirken wird, ist heute noch nicht zu erkennen. Der Umstand, daß die neuen Steuerwerke auch nicht in ihrer Zusammenfassung bekannt sind, macht es unmöglich, heute schon die Steuer­sätze zu nennen, die angewendet werden müssen, um das bisherige Eefamtsteuerfoll zu erzielen. Man wird ohnehin für den Anfang des Steuerjahres 1927 noch mit Voraus­zahlungen aufgrund der bisherigen Sätze und Bestimm­ungen rechnen müssen, die dann erst im Laufe des Jahres nach vollzogener Steuerveranlagung den endgültigen Steu­erbeträgen Platz zu machen hätten. Bei der Sonderge­bäudesteuer soll im ganzen eine Herabsetzung der Steuer eintreten.

Der Wenigerumsatz von 6.1 Mill, in 1927 gegen 192ß ist nicht in vollem Umfange auf die Ermäßigung der Steu­ern zurückzuführen. 2.5 Mill, dieses Betrages entfallen auf Steuerherabsetzungen, 3.5 Mill, auf die veränderte Ver- rechnungsweise. Der auf den Wohnungsbau entfallende Anteil dieser Steuer bleiht gegen das Vohrjahr unver­mindert: der hierfür aufgewendete Betrag erhöht sich um Kapitalbeträge die auf dem Darlehenswege beschafft und aus der Sondergebäudesteuer verzinst werden sollen. Alles in allem ist die ftnanzielle Lage des Landes noch ernst und schwer und es bedarf noch mancher Anstrengung und ernster Arbeit, bis der wünschenswerte Normalzustand wieder er­reicht ist, nähmlich daß der notwendige Bedarf durch regelm. fließende Einnahmen bei erträglcher Steerbelastung wieder voll gedeckt wird. Die Entwicklung der letzten Monate läßt die Hoffnung als begründet erscheinen, daß wir uns wenig­stens auf dem Wege zu diesem Ziele befinden.

Aus SeffeN'Aaffau und ÄMargebieten.

Wahre Königin ist nur des Weibes weibliche Schön­heit, Wo sie sich zeige, sie herrscht, herrscht bloß, weil sie sich zeigt. Schiller.

Wetterbericht.

DirWirbeltäiigkeit über Nordeuropa hat sich verstärkt. Auch haben die Ausläufer der Wirbel schon leichten Einfluß auf unsere Witterung gewonnen, der sich allmählich weiter verstär­ken wird. Bei westlichen Winden wird die Temperatur noch etwas ansteigen. Vorhersage bis Donnerstag abend: Viel­fach nebelig, fast wolkig bis bedeckt, leichte Niederschläge, milde westliche Winde. Vorhersage bis Freitag abend: Wolkig bis bedeckt, leichte Niederschläge, milde westliche Winde.

Wichtig für Auszügler.

In vielen Fällen wurden, soweit uns bekannt geworden ist, Anträge aus Borzugsrenten von Auszüglern als Be­sitzer von Kriegsanleihen adgewiesen, weil man bei den zustän­digen Stellen allzu schematisch vorging und nicht den Ertrags- Wert, sondern den praktischen nicht in Betracht kommenden Verkaufswert der früher übergebenen Güter der Beurteilung der Bedürftigkeitsftage zu Grunde legte.

Rcichstagsaügeordneter Dr. Becker (Deutsche Volkspartei) ' j hat sich deshalb an den Herrn Reichsfinanzminister gewandt. ! um eine entgegevlommenderc Behandlung dieser Anträge durch I die Ausschüße zu erzielen. Erfreulicherweise haben die Be­mühungen vollen Erfolg gehabt. Der Reichsfinanzmini­ster hat die ihm vorgetragenen Gründe anerkannt und durch Runderlasse auf die zur Entscheidung der Dollzugsrentenanträge berufenen Stellen im Sinne einer sozialen und weitherzigen Behandlung des Altenteilsberechtigten eingewrrkt.

Herrn Abgeordneten Dr. Becker gebührt der Dank aller I Alten", die nicht organisiert sind, sich nicht selbst helfen konn- , len, und doch auf die paar Mark Dorzugsrente nur allzusehr angewiesen sind. Das Reich aber erfüllte seine Pflicht, wenn es bei Prüfung der Bedürftigkeit derer, die ihm in Notzeiten ihre Ersparnisse anvertraut hatten, nicht allzu engherzig ver­fährt.

Wenn das Glück kommt ...

Das Sprichwort sagt:Das Glück kommt über Nacht* und es kommtunverhofft". Und dann sagt ein anderes Sprichwort:Unverhofft kommt oft." Aber sofern sich dies ans das Glück bezieht, stimmt es schon nicht ganz, denn allzuoft kommt das Glück wirklich nicht. Wie oft wohl gewinnt man dasGroße Los"? Und wie oft wohl beerbt man den Goldonkel ans Amerika? Wäre das eine AMagsfache, so wäre es eben kein Extraglück mehr und man brauchte nicht viel darüber zu reden. Aber w e n n das Glück nun einmal unverhofft und ühcr Nacht kommt, w c n n man wirklich den Goldonkel aus Amerika beerbt, wie das jetzt einem vielbeneideten säch­sischen Dienstmädchen geschah, wie verhalt man sich da? Man verhält sich genau so wie das vielbeucidetc sächsische Dienstmädchen, indem man nämlich hübsch bescheiden bleibt, nicht sofort über die Stränge schlägt, nicht im nächsten Nu aus den Verhältnissen, in denen man ge­boren und erzogen worden ist, hochmütig hinausstrebt, nichtüppig" wird, wie man das so nennt. Ruhe be­wahren, Haltung bewahren, sich nicht über sich selbst er­heben wollen trotz Dollarmillionen, trotz der Katzbucke­leien und Schmeichelworte der anderen, die mitgenießen möchten. Immer bedenken, daß ein ganz anderes Sprich­wort sagt:Glück und Glas, wie leicht bricht das!" Also nicht übermütig werden, vor allem nicht übermütig wer­den, wenn das Gluck kommt . . .

Die Meisen als beste Insekteusänger.

Unsere besten Insektenjäger sind die Meisen, sie nehmen deshalb unter den nützlichen Vögeln unbedingt die erste Stelle ein. Die Kohlmeisen, die Blaumeisen, die Hauben­meisen, die Tannenmeisen, Sumpf- und Schwanzmeisen entfalten im Vernichtungskrieg gegen schädliche Vaumin- sekten eine d. ganzen Tag währende unermüdliche Tätigkeit. Dazu sind die Meisen von Natur aus durch ihre turnerische Fertigkeit ist und durch ihre Klettergewandtheit besonders an schwankenden Zweigen zur Jagd auf sämtliche Insekten ganz besonders geeignet. Die Meisen besitzen eine Staunen erregende Fertigkeit, sich beim Suchen nach Insek­ten in allen möglichen Stellungen, sogar unter den Zwei­gen sestzuhalten. Und wenn sich die Riugelspinner, Blatt­wespen und anderes Gesindel den Winter über noch so tief in verborgene Ritzen zurückzieben, sie werden durch die Meislein unbedingt verhaftet und verschwinden in dem un­ersättlichen Magen dieser Insektenjäger. Das Nahrungs­bedürfnis der Meisen ist außerordentlich groß und steht in keinem Verhältnis zu ihrer geringen Körpergröße. Sie sind keine Zugvögel, arbeiten also auch im Winter. Jede vernichtete Blattwespe und jeder verzehrte Ringelspinner liefert eine Frucht mehr. Es ist zu wünschen, daß sich die Meisen außerordentlich vermehren. Sie legen jährlich zwei­mal Eier, aber es fehlt ihnen an Nistgelegenheiten. Die Meisen sind nämlich Bcrumhöhlenbewohner, u. solche Baum höhlen werden in den gepflegten Gärten selten. Man sann die Meisen anziehen, wenn man Nistkästen für sie aufhängt. Sie dürfen nicht zu hoch angebracht werden, etwa drei bis vier Mete: hoch. Die Meisen sind gesellige Vögel, wenn sich einmal eine Familie in einem aufgehängten Nistkasten eingerichtet hat, so werden auch bald andere Meisen in der Nachbarschaft ankommen.

* Surfen Amseln geschossen werden? In gewissen Krei­sen scheint die Auffassung zu bestehen, daß Schwarzdrosseln (Amseln) ohne weiteres gefangen und abgeschossen werden dürfen. Demgegenüber wird ausdrücklich daraus hinge­

wiesen, daß die Amseln zu den das ganze Jahr hindurch geschützten Vogelarten gehören. Nur die höheren Verwal­tungsbehörden können auf Ansuchen das Töten von Amseln mit Feuerwaffen innerhalb der Weinberge, Obstpflanzungen oder Garten, in denen diese Vögel Schaden anrichten, aus­nahmsweise auf kurze Zeit gestatten. Gegen diese Barba­rei mehren sich aber die Proteststimmen der Naturfreunde.

* Der Anmarsch des Vogelhecres. Die Rückkehr der Zugvögel beginnt bereits im Februar. Schon in der ersten Hälfte des Monats trifft gewöhnlich der Bussard aus dem südlichen Europa ein. Mitte Februar beobachtet man auch hie und da den Star, den Verkünder des Frühlings, ben man in diesen Tagen eingelaufenen Meldungen auch jetzt schon gesehen hat. Auch die Feidlerche und die Gabelweihe kehren jetzt zurück. Wenige Tage darauf folgt die Ringel­taube und der Kibitz. Zu den Ankömmlingen im März gehört die kleine Bekassine, die Waldschnepfe, das Haus­rotschwänzchen, der Turmfalke, der graue Steinschmätzer und die Singdrossel. Anfang April zieht der Wiedehopft die Rauchschwalbe, die große Rohrdommel und die Bach­stelze wieder ein. Dann folgen Grasmücke, Gartenrot­schwanz, Wachtelkönig, Nachtigall, Goldammer, Wende­hals usw. Ende April wird uns Gelegenheit geboten, den Plattmönch, den Sprosser, den Kuckuck, die Hausschwalbe, die Heine Rohrdommel, den Schilfrohrsänger zu begrüßen. Im Mai treffen die letzten Zugvögel ein, zuerst der Dros­selrohrsänger, dann drè Nachtschwalbe, die Mandelkrähe, die Turmschwalbe, die Eartengrasmücke, der große Fliegen­fänger und zuletzt die Wachtel. Ein reichliches Vierteljahr dauert demnach der Anmarsch des Vogelheeres.

Postnachsendung für BermesfungsfuMMeteor". Nachssndemöglichkeit von Privatpaketen für die Besatzung des VermessungsschiffesMeteor" nach Para ist mit dem DampferAttika" (Norddeutscher Lloyd) ab Hamburg, 5. März 1927, Ankunft in Para Anfang April 1927 gege­ben. Die Pakete müssen bis spätestens 1. März 1927 bei Matthias Rohde und Co.', Hamburg, Freihafen, Lager Dammtorkai 33, mit der Post befördert eintreffen. Höchst­gewicht für Pakete 10 Kilogramm. Die Kosten für die Beförderung bis Hamburg sind vom Absender zu tragen. Mit der Freigebühr muß bei der anne$menbew Posianstalt für Verpackung und Verladung im Seehafen eine Reichs­mark durch Aufkleben von Freimarken auf die Paketkarte entrichtet werden. Die Weiterbeförderung der Pakete von Hamburg jur See erfolgt kostenlos.

Fulda, den 17. Februar 1927.

Der Kreistag stimmt dem Auseinandersetzungsvertrag zu.

In der heutigen Kreistagssitzung, die um 10 Uhr ihren Anfang nahm, wurde der vorgelegte Entwurf des Ausein- nandersetzungsvertraAes zwischen dem Kreis Fulda und der Stadt Fmlda über das Ausscheiden der Stadt aus dem Krcisverbande einstimmig angenommen. Da auch die Stadtverordneterfitzung heute nachmittag dem Vertrage zweifellos zustimmen wird und der Bezirksausschuß seine Zustimmung bereits in Aussicht gestellt hat, ist das Aus­scheiden der Stadt Fulda aus dem Kreis Zchlda nunmehr zur Tatsache geworden. Näherer Bericht über die Sitzungen der beiden Körperschaften folgt morgen.

Zur Abberufung des Kasseler Regierungspräsidenten.

Die Abberufung des Kasseler Regierungspräsibenttzn Stölzel. hat, wie die Blätter zu einer Berliner Zeitunasuotiz von W- nung nichts zu tun. Er Wurde aus politischen Gründen ab­berufen.

Gesellenprüfung.

Zu der Mitte März stattfindenden Gesellenprüfung für das Spengler- und Installationshandwerk müssen die Anmeldungen bis spätestens 1. März an Herrn Spenglermeister Joseph Kalb, Petersbergerstraße Nr. 7, cingereicht sein.

Bühnenvolksbund.

tx> Der gestrige Theaterabend des Bühnenvolksbundes paßte so recht in die Faschingszeit mit ihrem lustigen, tol- Ifn Leben und Treiben. Molière, der unübertreffliche Meister, und der Russe Tschechow schütten über alle, die sich ' einmal freilachen wollten von den Sorgen und Beschwerden des Alltags, ihr unerschöpfliches Füllhorn guter Laune aus. Wir wiinschien, baj alle Miesepeter und unbelehrbare,' PDimlstcn Fuldas es soll eine ganze Reihe solcher be­klagenswerter Seelen bei uns geben! anMsend gewesen wären und sich an Monsieur Argan ein abschreckendes Bei­spiel genommen hätten. Auch sonst hätten sie wohl noch allerhand lernen können aus Moi ihr es meistgespielter KomödieDer eingebildete Kranke", in der des großen

Im sonnigen Italien.

Von einem Vogelsberger Soldaten.

Heiße und erbitterte Kämpfe im Westen lagen hinter uns. Segen Franzosen und Engländer standen wir im Treffen. Endlich trat nach langen schweren Wochen etwas Ruhe ein. Die Regimenter bezogen Quartier in den Ruhestellungen, und nur Lie notwendigsten Truppen blieben vorne. Nicht lange durfte unser Bataillon sich der wohlverdienten Ruhe erfreuen, denn nach einigen Tagen kam der Befehl zur Verladung der Truppe. In Kompagnien wurde der Marsch nach der Bahn­station angetreten. Die Verladung des Bataillons ging in gewohnter Weise ruhig vonstatten, und in kurzer Zeit rollte der ganze Transportzug davon. Wohin? Irgendwohin aber keiner wußte es. Jedenfalls dahin, wo man uns wieder brauchte. Die Nacht verging, und im dämmernden Morgen sah man, daß es der Heimat zuging. Deutschland, du herrliches Vaterland, wie hatt man sich gefreut, dich wieder­zusehen. Weiter, immer weiter rollte der Zug. Gehts nach Rußland? Gehts nach Galizien? Was nützte das Fragen es wußte's keiner und man frug gar nicht mehr. Hic und da hielt der Zug zur Einnahme der Mahlzeiten, dann ging es wieder^ weiter durch deutsche Gauen. Reichslande Preußen Hessen Baden Württemberg Bayern. Es wird wohl nach Galizien gehen? Oesterreich, du Bruderland, wie erstrahltest du in der goldenen Morgensonne. Doch die ge­wohnte Route nach Osten schlug der Zug nicht ein. Viel­mehr kamen die gewaltigen Alpengipzel immer mehr zum Vorschein und endlich ging's gar über die Alpen. Erst da wußte man, daß es nach Italien ging. In Laibach, einem österreichischen Städtchen wurde das Bataillon ausgeladen, und nun ging es im Marsch der Stellung entgegen. Freudig be­grüßten uns die Bewohner der Orte. Noch immer stand aber der Italiener auf österreichischem Boden und der österreichische Soldat brachte ihn nicht aus seinem Lande hinaus. Wieder hieß es auch hier:Die Eermens vor die Front". Und deut­scher Zähigkeit, deutschem Mut und Tapferkeit konnten Ita­liens Söhne nicht widerstehen. Die kampfgewohtrten Trup­pen, die aus der Hölle an Frankreichs Fronten nach dem Isonzo kamen, stürmten los und überrannten den Gegner. Im Hurra ging es über die Grenze und durch die oberitalienische Tiefebene. Der Zsonzo wurde überschritten und bald Undine eingenommen. Erst hier konnte sich die tapfere Schar etwas . verschnaufen. Gar zu gern hätten wir noch ein bißchen län­ger in Italien gekriegt, aber der Spaß dürfte nicht länger dauern. Oesterreich war frei vom Feind, damit war unsere Aufgabe erfüllt, und es sollte nun wieder nach unserer alten

Kampfstätte Frankreichs gehen. Selbst den Italienern haben wir damals mächtig imponiert, und gar manches glutäugige Mägdelein blickte mit Wohlgefallen auf die tapferen Deutschen, und auch bei der ganzen Bevölkerung wurden wir, wenn auch nicht freudig begrüßt, so doch fteundlich, respektvoll behandelt. Die Maccaronis und das gute Weißbrot brachten eine feine Abwechslung in das ewige Dörrgemüse unser Feldküche, und für Geld und gute Worte bekam man bei den Italiano zu kaufen, was das Herz begehrte. Anders war das Verhältnis zu den Oesterreichern. Diese wurden von der Bevölkerung ge­haßt und Bruder Oesterreich mußte manches verbeißen. End­lich schlug auch uns wieder die Abschiedsstunde, und' wieder ging es nach Frankreich neuen Kämpfen neuen Siegen, entgegen. Ein requicrierter Weißbrotwagen mußte seine Reise unterbrechen und mit uns wandern, und cs wurde festgxstellt, daß auch Soldatenmagen recht gut Weißbrot vertragen können.

Ein Abschnitt des Krieges (die siebente Isonzofchlacht) war vorüber neue Kämpfe standen bevor. Ein frohes Ge­fühl und eine gehobene Stimmung herrschte bei der Truppe, und mit Recht war das Bataillon stolz darauf, mitgewirkt zu haben bei dem großen Befreiungskämpfe, und jeder Ein­zelne freute sich, daß er auch im fernen Süden eintreten durfte für feines Vaterlandes Ehre. Und die größte Freude war die, daß wir unserem Namen als Deutsihe Ehre gemacht hatten.

Treu deutsch allerwege!

Mische ÄWt und Technik in Argentinien.

Von F. Paulig- Bahia Blanca (Argentinien.)

Ein junger Staat wie Argentinien tut klug, sich die Mit­arbeit der alten Kulturstaaten am Aus- und Ausbau seiner öffentlichen Einrichtungen in weitestgehendem Maße zu sichern, da der Schätze, die in diesem weiträumigen Lande ihrer Er­schließung harren, zu viele sind, als daß sie allein von argen­tinischer Kraft rechtzeitig gehoben und verwertet werden könnten.

Unter den ins Land gerufenen fremden Vertretern der Wissenschaft und Technik war das deutsche Element schon vor dem Kriege stark vertreten. Heute steht in Argentinien deutsche Wissenschaft uni) Technik vielleicht noch höher im Ansehen als vor dem .Kriege. Alle nach Argentinien in den letzten Jahren zum Besuche -gekommenen deutschen Forscher und Gelehnten sind von ihren argentinischen Fachkollegen, von der Presse und in der Oeffentlichkeit stets in ausgesuchter WHö geehrt und aus- gezeichnet worden. Erinnert sei hierbei nur an die für die deut­schen Gelehrten selbst wie für ganz Deutschland überaus ehren­volle'Ars der Ausnghme des Chemikers Hubex. H?? ^bi/gn'cis

Mühlens, des Juristen von Rauchhaupt und des Geologen und Mathematikers Gast.

Von der Achtung deutscher Wissensclmft in Argentinien Zeugt auch die große Zahl deutscher Gelehrter, die in Argen­tinien seit vielen Jahren als Hochschullehrer oder an wissen­schaftlich-technischen Anstalten wie im Heere und in der Marine mit Erfolg tätig sind. Es gibt wohl kaum eine argentinische Universität, an der nicht ein oder mehrere deutsche Lehrer wir­ken. In Büchereien, Museen, Laboratorien, am astronomischen Observatorium wie mir bakteriologischen Institute haben Deutsche oder Deutschstämmige die leitenden Posten inne.

In der Technik wird deutsche Arbeit nicht minder geachtet. Das größte im letzten Jahrzehnt in Südamerika errichtete Bauwerk ist der Funkturm von Monte Grande. Er ver­dankt seine Entstehung und Errichtung deutscher Wissenschaft und Technik. Zur Aufführung besonders schmieriger Bauwerke zieht der Argentinier mit Vorliebe deutsche Konstrukteure und Baufirmen heran. Bei der Fliegertruppe des Heeres und der Flotte ivirht eine große Zahl deutscher Instrukteure, ebenso wie bei der vom Militär durchgeführten Landesvermessung Teutsche in leitenden Posten tätig sind. Auf den eisig-rauhen Orkeden-Inseln besteht ein staatliches Observatorium. Bezeich­nend ist, daß die Forscher, die alljährlich dorthin zur Vor­nahme wissenschaftlicher Untersuchungen vom argentinischen Staate geschickt werden, 1926 ohne Ausnahme Deutsche roaren.

Wir in fremder Umgebung lebenden Uebersee-Deutschen können täglich beobachten, wie auch andere Völker mit Recht jede Gelegenheit wahruehmen, um durch Kultur-Propaganda aller Art Einfluß in fremden Ländern zu erlangen. Den Ver­tretern deutscher Wissenschaft und Technik wie der Kunst und Musik möge das stets ein Ansporn sein, an ihrem Teile mitzu- helfen an der Aufklärung anderer Völker über Deutschland und deutsche Kultur. Eines der besten Mittel dazu ist der gegen­seitige Austausch von Professoren und Studierenden. Einmal erhalten die ins Ausland geschickrten deutschen Geistesarbeiter dort neue Anregungen und erweitern ihren Gesichtskreis wie ihre Kenntnisse: ihre srcmdländifchen Kollegen haben ande­rerseits in Deutschland so viel Gelegenheit zu sehen und zu lernen, daß sie später in ihrer Heimat als überzeugte Anhänger und Verehrer deutscher Wissenschaft und Technik für diese stets emtreten werden.

Natürlich kann das verarmte Deutschland nicht große Sum­men heute baf ist ve'i^ Wird der Plan richtig angefatzt uud durchgeführt, sv wird sich aber auch mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln auf diesem Gebiete viel Gutes erreichen lassen. Es gibt in 1 leberfee genug Deutsche, die, wenn ihr In­teresse erst entfacht ist, gern die Rolle eines Mäcens übernehmen pnb ausreichende Stipendien für besagten Zweck stiften werden. $0 ein Wille ist, findet sich auch ein Weg!