Nr 28 Fulda, 1. Februar.1927
Rah und Kem.
O Amtssuspendierung des Bürgermeisters von Reichen^ Vach. Durch Anordnung der Regierung ist der Erste Bürgermeister in Reichenbach in Schlesien, der wiederholt in Sonflifte mit Magistrat und Stadtverordnetenversammlung geraten war, mit sofortiger Wirkung und mit halbem Gehalt von seinem Amte suspendiert worden. Es ist gegen ihn ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden.
ö Naubüberfall — um heiraten zu können. Um sich das Geld zur Bestreitung der Kosten seiner Hochzeit zu beschaffen, hat ein junger Mann südlich von Paris auf der Landstraße einen Bauern überfallen und ausgeraubt. Der überfallene, der nicht weniger als 42 Hammerschläge erhielt, liegt im Sterben.
0 Zwei Arbeiter verschüttet. Bei Namur rutschte eine Erdmasse von 2000 Kubikmetern auf das Hauptgleis der Eisenbahnlinie Namur—Charleroi und sperrte das Gleis auf 30 Meter Länge. Von den an dieser Stelle beschäftigten zehn Arbeitern konnten sich acht retten, während Zwei Arbeiter unter den Erdmasson begraben wurden. Sie konnten noch nicht aufgefunden werden.
O Die Hinterlassenschaft der Kaiserin Charlotte. „Etoile Belge" hatte die Hinterlassenschaft der am 19. Januar verstorbenen Kaiserin Charlotte auf ungefähr 100 Millionen Goldfrank angegeben. Demgegenüber wird von zuständiger Seite darauf hingewiesen, daß die Hinterlassenschaft etwa zehn Millionen Goldfrank beträgt, so daß der Anteil jedes der sechs Erben sich nach Abzug der Erbschaftssteuer und anderer Abgaben auf 500 000 bis 600 000 Goldfrank belaufen würde.
O Die neuen Kandidaten für den Novelfriedenspreis 1927. Die interparlamentarische Gruppe des Schwedischen Reichstages hat beut Nobelkomitee des Norwegischen Storthings als Preisträger des Nobelfriedenspreises 1927 Professor Quidde- Berlin und den Bürgermeister von Stockholm, Lindhagen, vorgeschlagen.
O Schwerer Augzufammenstoß in Amerika. Nach einer Meldung des „New Uork Herold" aus Newyork wurden bei einem infolge dichten Nebels erfolgten Zusammenstoß von zwei aus Baltimore bzw. Ohio kommenden Zügen 35 Reisende zum Teil schwer verletzt. Unter den Verletzten befindet sich eine Anzahl Studenten aus Philadelphia.
0 Ein neunjähriger Mörder. Der Rekord der Kinderkriminalität ist von einem Dorfschulkind in Kakohori im peloponnesifchen Bezirk Aigion geschlagen worden. Der neunjährige Leonidas Righopoulos hat wegen einer Lappalie seinen Vetter, der ebenfalls neun Jahre alt ist, getötet. Der kleine Verbrecher wurde verhaftet.
Bunte Tageschronik.
Berlin. Die landwirtschaftliche Ausstellung „G töne Woche Berlin" wurde Sonntag von über 20 000 Gästen besucht.
Dresden. In der Vorstadt Ubigau raste ein scheugewordenes Pferd mit einem beladenen Düngerwagen von dem steilen Ufer in die Elve und versank mitsamt dem Wagen in den Wellen.
PutüuS. An den Folgen einer schweren Grippeerkrankung ist Fürst Franz zu Putbus im Alter von 79 Jahren gestorben. Der Fürst war Kommendator der pommerschcn Ge- nossenschaft des Joyanniterordens.
Salzburg. Im Forsthaus Weitzenbach wurde ein Forstzögling, der in später Abendstunde vor dem Fenster der Förstersenkelin fensterlte, von dem Förster erschossen, da dieser in den: jungen Mann einen Einbrecher vermutete.
Paris. Aus Cherbourg und Le Havre treffen Nachrichten über heftige S ü d w e st st ü r me im Kanal ein. Schiffer- boote sowie einige Dampfer mußten in die Häsen , zurückkehren. Der amerikanische Dampfer „Liberty" lief beim Verlassen des Hafens von Le Havre aus die Mole auf, wurde beschädigt und mußte feine Ausreise aufschicben.
Aulsterdam. In R o t t e r d a m wurde ein neues für die türkische Marine erbautes Unterseeboot vom Stapel gelassen. Zu dieser Feierlichkeit war der Chef des türkischen Marinewesens aus Angora eingetroffen.
Als ich noch Prinz war.
Roman von Paul Hain.
Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau.
7] (Nachdruck verboten.)
Er bekam ein großes, helles Zimmer, von wo aus er einen schönen Ausblick über die Waldkulissen und die dazwischen gebetteten Wiesen und Felder hatte. In der Ferne lag bis Silhouette der Berge, die dem Panorama den reizvollen Abschluß gaben. —
Kaum war er übergesiedelt und fühlte sich nun ganz mit ein einfacher Ferdinand Brauzell in der soliden Umgebung so wurde auch die Sehnsucht nach Anita wieder übermächtig in ihm.
Nachdem er sie zwei Tage lang nicht gesehen hatte, beschlaf er, sie heute Abend wieder zu treffen. Wie hatte sie dock gesagt? „Ueberlassen Sie es dem Zufall!"
Nun gut — der Zufall konnte ja leicht herbeigeführt werden, indem er sie einfach in der Nähe des Schneideratelien erwartete.
So spazierte er denn am Spätnachmittag Jbie Ninggassi hinunter, an dem Hause der Frau Haller vorbei. Nock waren die Vorhänge nicht vor die unteren Fenster bei Arbeitsstube zugezogen. Diese standen sogar offen, damit bü frische, sommervolle Luft hinein konnte. Und deutlich sah ei die drei Mädchenköpfe über die Arbeit gebeugt.
Aber da sah eines der Mädchen auf — und es war keir Wunder, daß nun auch die andern hochblickten.
Der Prinz zog höflich den Hut.
Anita Wielandt schoß die Räte ins Gesicht. Sie ärgerst sich: Wie dumm, daß sie sich nicht beherrschen — oder verfiel
len konnte. Tief beugte sie das Gesicht wieder über bii Stickerei, die sie in der Hand hielt. Ihre Kolleginnen aber — ahnungsvoll, wie Mädchenjugend ist — sahen sich lächeln! und bedeutungsvoll an und sagten fromm:
„Anita — ist dir denn so heiß?"
’ dübelte mit Feuereifer.
Margo Kroll, die braunhaarige, seufzte ein bißchen neidvoll:
»Ein entzückender Mensch!"
Und Else Thieme, die Dunkle mit den schwermütigen Augen, fügte hinzu:
»Sie hat sich in sein Herz gesungen
Anita aber schwieg beharrlich. Sie hatte nur Angst, oah die beiden den lauten Schlag ihres Herzens hören könnten. Sie biß verstohlen die Zähne in die Lippen, um die plötzliche ErrMing ihres Blutes au meistern:
Aus dem Gerichtssaal.
Ae Sühne für das Eisenbahnunglück bei München-Riem. Dezember 1925 fuhr ein Eilzug in der Station Riem bet München, wo der Elsenbahnassistem Lochner die Fahr- dlenstaufstcht hatte und der Wagenaufseher Meier das Ran- leitete, aus einen Güterzug aus, auf dessen Maschine 1!ch der Lokomotivführer Bauer befand. Durch den Zusam- menstoß wurden fünf Personen verletzt, zwei Güterwagen zer-
und die Maschine des Eilzuges stark beschädig" In 3„®orhcm dmng be rte len sich die Angeklagten auf das an diesem ^age herrschende nebelige Wetter, dem hauptsächlich der Unfall zuzufchreibeu tet. Das Münchener Gerücht verurteilte Lochner wegen des Vergehens der fahrlässigen Transportgefährdung zu einer G efängnis str a fe von "zwei Monaten und den Rangierer zu 120 M a r k G e l d st r a s e Bauer wurde f r e i g c s p r o ch e n. * '
§ DaS Urteil im zweiten Kohlenschieberprozetz. Im zweiten Kohlen,chieberprozeß in Duisburg verurteilte das Schöffengericht einen Angestellten der Rheinschisfahrt A. G., Fendel, der sich neun Kohlenausfuhrscheine angeeignet hatte, wegen Diebstahls zu 150 Mark Geldstra f e. Vier Hehler, die für die Scheine teilweise 1400 Mark gezahlt hatten, erhielten Geldstrafen von 175 und 50 Mark. Das Gericht sah von den an sich verwirkten Gefängnisstrafen ab, da die Angeklagten bisher unbestraft waren und als kleine Angestellte sich einen Nebenverdienst schaffen wollten.
§ Barmat-Prozeß. Als bei der weiteren Verhandlung des Barmat-Prozesses Regierungsrat Selckmann, der zu beginn des Prozesses auf Antrag der Verteidigung als Sachverständiger abgelehnt worden war, nunmehr als sachverständiger Zeuge vernommen werden sollte, erhob der Verteidiger Rechtsanwalt Schwersenz Bedenken gegen die Zeugenvernehmung Selckmanns. Ein abgelehnter Sachverständiger könne auch nicht mehr als sachverständiger Zeuge über vergangene Tatsachen vernommen werden. Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende die Ablehnung des Antrages der Verteidigung.
§ Keine Berufung im Fall Lützow. Wie verlautet, wird das freisprechende Urteil im Prozeß gegen den Zossener Pädagogen Freiherr» von Lützow, der seinerzeit monatelang das Lichterselder Schöffengericht beschäftigt hatte, nunmehr rechtskräftig werden. Die Verteidiger des Angeklagten Haven, nachdem bekanntgeworden ist, daß die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil Berufung eingelegt hatte, Hunderte von Protestbriefen von Pädagogen und Eltern der in dem Lützowschen Internat u, liergebrachten Schüler erhalten, die sich gegen ein Wicderaufrollen des Prozesses wandten. Diese Schreiben wurden dem Justizminister mit einer Eingabe vorgelegt, und der Minister hat sich nunmehr entschlossen, die Staatsanwaltschaft n anzuweisen, ihre gegen das Urteil des Schöffengerichts eingelegte Berufung zurückz uzi ehe».
8 Die Güterschiebungen während des Ruhrkampfes. In Düsseldorf begann vor dem Erweiterten Schöffengericht der Prozeß gegen 36 frühere Regierungsangestellte, die an- geUagt find, auf dem Terendorfer GLterüahnhof, teilweise gemeinsam mit den auf dem Bahnhof tätigen französischen Offizieren und Beamten, Riesenmengen von Gütern verschoben zu haben. Ter Prozeß wird längere Zeit dauern.
Mpfe und Handel.
Frankfurter Börse vom 31. Januar. Die Börse verkehrte aus einzelnen Märkten recht gedrückt und durchweg uneinheitlich. Der Chcmiemarkt eröffnete matt. Für Scheideanstalt setzte sich im weiteren Verlauf eine geringe Erholung durch. Der Montanmarkt hatte uneinheitliche Haltung und lag später gering befestigt. Elekrrowerte standen unter Kursdruck. Ma- schinenwerte sind etwas erholt. Auf dem Automarkt war die Nachfrage nach Daimler etwas besser. Bankwerte sind außerordentlich fest. S-»nfahrtswerte eröffneten fest, gaben dann aber scharfer nach. Bauwerte sind infolge der lebhaften Beschäftigung des Baumarktes sehr fest. Durch das Urteil des Haager Schicdsgerichis verloren Schutzgebiete außerordentlich. Ebenso auch Schantung. Deutsche Renten verkehrten unverändert. Auch auf dem Auslandsmarkt war das Geschäft sehr ruhig. Im weiteren Verlauf lagen Vankwerte unverändert sehr fest. Ebenso hält auch die Nachfrage für kleinere chemische Werte an. Die Börse schloß angeregt.
Frankfurter Abendbörse vom 31. Januar. Die Abendbörse verkehrte bei lebhafter Geschäftstätigkeit durchweg sehr fest. Montanwerte gewannen teilweise bis zu 9 Prozent. Chemiewerte holten durchweg gut auf. Elcktrowene sind gefragt. Autowerte etwas ruhiger, aber gleichfalls fest, ebenso auch Maschinenwerte. Bankwerte stehen auch weiterhin in scharfer Nachfrage bei Gewinnen bis zu 8 Prozent. Schiffahrtswerte, wie auch Zuckeraktien vernachläffmt. Auf dem Kassamarkt stehen ZellftEaktien in lebhafter Nachfrage. Es wurden genannt: Commerzbank 225, Darmstädter Bank 296.5, Deutsche Bank 211.5, Diskonto 200, Dresdner Bank 199, Metallbank 181, A. E. E. 177, Bergmann 193.875, Daimler 108.75, Pokorny u. Wittekind 105, Schlickert 182, Farbenindustrie 328,5, Scheideanstalt 268, Deutsch-Luxemburg 198.75, Gelsenkirchen 200, Har-
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Nun wußte sie: E r würde auf sie warten! Wenn sie heute die Nähstube verließ, würde sie ihm begegnen. Und — war sie dessen nicht froh? Hatte sie das nicht schon gestern und vorgestern erhofft? So ganz im tiefsten, heimlichsten Winkel ihres Herzens? Er hatte sie nicht vergessen.
Und dennoch: Sie verstand sich selbst nicht. „Es hat keinen - Sinn," hatte sie damals gesagt, als er sie nach Hause begleitete und um ein Wiedersehen bat. Aus dem dunklen Gefühl heraus: Er kommt aus einer anderen Welt, die mir immer verschlossen bleiben wird. Was soll das nun? Ich bin nur ein Nähmädchen. Und er?
Aber dann mußte sie wieder an seine Worte denken, die er im abendlich-dunklen Kurpark zu ihr gesprochen hatte und die so gut und voll starken Gefühls waren und die ihre junge, sehnsüchtige Seele verwirrten und ihr dennoch das Wijsen gaben: Er kann kein schlechter Mensch sein. —
Um sieben Uhr schloß Frau Haller an diesem Tage ihre i Nähstube. Noch war es draußen hell und voll Sonne. "Anita räumte umständlich ihren Platz ab. Sie tat bas mit Absicht, um nicht mit ihren Kolleginnen gehen zu müssen. Die schienest es glücklicherweise eilig zu haben — hatten jchon ihre Verabredungen — und flitzten schon durch die Tür, als Anita noch die Arbeitsschürze abband. Aber Marga Kroll konnte es sich doch nicht versagen, ihr noch zuzurufen:
„Sieh dich nur nachher ordentlich um, e r wird schon irgendwo warten —"
"Lachte fröhlich und war draußen.
Anita stand eine Weile nachdenklich ba. Es ist nicht recht von mir, ging es ihr durch den Sinn. Ich hätte es — Tante sagen müssen.
Aber wer mag der Sonne verbieten zu leuchten, und dem Sommer feinen Duft zu verstreuen, und einem Müdchenher- zen, in süßem Verlangen zu zittern, wenn es zum erstenmal den heißen Atemzug jenes Erlebens fühlt, das Liebs und Glück heißt?
Karl Ferdinand war nicht zu sehen, als Anita auf die Straße trat und mit halbem Blick nach links und rechts sich. 2(ber als sie die Ecke der nächsten Seitengasse erreichte, stand er plötzlich vor ihr. Er hatte dort gewartet, um den Nachbarn des Hallerschen Haches nicht Unterhaltungsstoff zu geben.
„Fräulein Wielandt — der Zufall hat gesiegt —" Da muffte sie lachen.
„Aber Sie haben ihm tüchtig auf die Beine geholfen." „Wahrhaftig. Seit einer Stunde drücke ich mich hier her- um. Ich wußte ja nicht, wann Sie heute Schluß haben würden. Aber nun sind Sie da — und das ist die Hauptsache. Und was nun?"
«Ich muB nach Haufe. Die Tante wartet auf mich."
Uenet 221.5, Mauesmann 245, Mansfeld 158, Rheiubraunkohlen 305, Rütgers 149, Stahlverein 159, Zellstoff Waldhof 273. Frankfurter Getreidemarkt vom 31. Januar. Es wurden bezahlt für je 100 Kilo: Weizen 29.75—30, Roggen 27—27.25, Gerste 26—27.5, Hafer 21.25—22, Mais 18.75—19, Weizenmehl 40.25—40.75, Roggenmehl 38.25—38.75, Weizenkleie 13.5, Roggenkleie 13.5, Erbsen 35—65, Linsen 50—90, Heu 9—10 25. Stroh 3.75—5, Treber 16.5—16.75. Tendenz: fest.
Frankfurter Kartosfelmartt vom 31. Januar. Es wurden bezahlt für je 50 Kilo: Industrie hiesiger Gegend 5.7, weiß- fieischige hiesiger Gegend 4.3. Tendenz: ruhig.
Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 31. Januar. Dem heutigen Hauptmarkte waren zugetrieben: 292 Ochsen, 67 Dullen, 6- Kühe, 312 Färsen, 429 Kälber, 151 Schafe, 4703 Schweine. Es wurden bezahlt für je einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen: vollst, ausgem. höchsten Schlachtwertes 1. jüngere 58—61, 2. ältere 52—57, sonstige vollst. 47—51, fleischige 43— 46, Bullen: jüngere vollst, höchst. Schlachtw. 52—54, sonst, vollst, oder ausgem. 47—51, Kühe: jüngere vollst, hoch». Schlachtw. 47—52, sonstige vollst, oder ausgem. 38—46, fleisch. 31—37, gering genährte 23—30, Färsen: vollst, ausgem. Höchst. Schlachtw. 57—63, vollst. 50—56, fletsch. 42—49, Kälber: beste Mast 70—76, mittlere 60—69, geringere 50—59, Schafe: Wcide-Mastlämmer und Hammel 45—50, mittlere Mastlämmer, ältere Mafthammel und gut genährte Schafe 40 bis 44, Schweine: Fett- und sonstige Schweine von 240— 300 Pfund und darüber 61—64, vollst, von 200—240 Pfund 62 ; bis 64, von 160—200 Pfund 63-^65, von 120—160 Pfund 56 bis 60. Fleischgroßhandelspreife: Ochsen- und Rindfleisch I. 95—100, Ochsen- und Rindfleisch IL 90—95, Bullenfleisch 85—90, Kuhflcisch I. 75—80, Kubsteisch II. 60—75, Kuhfleisch III, 45—60, Kalbfleisch I. —.— Kalbfleisch II. 92 bis 100, Hammelfleisch 80—88, Schaffleisch 65—75, Schweinefleisch 80—85. Marktverlauf: Rinder bei ruhigem, Kälber bei schleppendem, Schafe bei lebhaftem Handel ausver- kausl, Schweine gedrücktes Geschäft und Ueberftanb.
Amtliche Berliner Notierungen vanl 31. Januar.
* Börsenbericht. Das Urteil des Haager Schiedsgerichts hatte bei einer ganzen Reihe von Worten scharfe Kursrückgänge zur Folge, iusbcsouderc waren Kolonialwerle in Mit-» leideuschast gezogen. Auf der aubereit Seite konnten einzelne Spezialwertc namhafte Kursgewinne erzielen, so Bemberg 41 %, Glanzstoff 35 %. Am Geldmarkt war die Nachfrage stärker, ingliwes Geld zog auf 6—7 % an, monatliches Geld notierte 5,50—6,50 %.
* Devisenbörse. Dollar 4,21—4,22: c ii g I. Pfund 20,43—20,49; holl. Gulden 168,38—168,80; D a» z. 81,30 bis 81,50; frans. Frank 16,60—16,64; schwetz. 81,08 bis 81,28; Belg. 58,61—58,75; Italien 18,09—18,13; schweb. Kro ne 112,43—112,71; d ä n. 112,30—112,58; vorweg. 108,94 bis 109,22; tsche ch. 12,47—12,51; öfter r. Schilling 59,45 bis 59,59.
* Produktenbörse. Größere Anregungen vom Auslande lagen nicht vor, doch blieb es nicht ohne Einfluß, daß die Laplataforderuugeu etwas nachgiebiger waren, und die ersten Liverpooler Depeschen leichte Abschwächungen aufwiesen. Das Angebot vom Jnlande ist nicht groß, sächsischer Weizen war wohl angeboten, allermeist aber für hier zu teuer. Im Zeithandel hielten Käufer zurück, unb ohne daß viel Material am Markt war, stellten sich die Ansangsnoticrungen eine Kleinigkeit niedriger. Roggen fehlt in Waggonware, Kabn- Ware ist meist zu hoch gehalten. Die Jnlandsmühlen halten die in ihrer Umgebung herauskommende Ware meist für sich fest. Lieferung blieb still, die Forderungen für Äuslands- roggen haben sich wenig geändert. Der Gerstenmarkt hat seine (Situation beibehalten. Hafer lag erneut fest. Gutes Material bleibt gesucht, auch geht das Saathafergefchäft besser. Im Mehlhandel zeigt sich wenig Anregung. Käufer sind vorsichtiger.
Getreide und Olsaaten per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilogramm in Reichsmark:
! 31. 1.
' 29. 1.
; 31. 1.
[ 9Q 1
Weiz., mark.
268-272
1268-272
Wcizkl.f.Brl.
; 15,2
1 15*2'
pommersch.
——■
—
Rogkl. f.Brl.
15,3
15,5
Rogg., mark.
253-256
253-256
Raps
pommersch.
—-
Leinsaat
_
westpreuß.
Vikt.-Erbsen
52-66
51-65
Braugerste
217-245
217-245
kl.Speiseerb.
32-34
32-34
Fultergerste
194-207
194-207
Fmiererbsen
22-25
22-25
Hafer, mark.
191-203
190-202
Peluschken
22-23
22-23
pommersch.
——
•——
Äckerbohnen
20,5-21,5
20,5-21,5
westpreuß.
—
——
Wicken
23-24,5
23-24.5
Weizenmehl
Lupln.,blaue
15,5-16,5
15.5-16,5
p. 100 kg fr.
Lupln. gelbe
18-19
18,0-19.0
Bln.br.inkl.
Serabella
28-30
28.0-31,0
Sack (feinst.
Rapskuchen
16,5
16,5
Mrk. ü.Nor.
35,2-38,0
35,2-38,0
Leinkuchen
21,0-21,1
21,0-21,1
Roggenmehl
Trockenschtzl.
11,8-12.1
11,8-12,1
p. 100 kg fr.
Sova-Schror
20.1-20.5
20.1-20.5
Berlin br.
5orfni3O/7O
—
—
inkl Sack
35.2-37.2
35,2-37,2
Karte itcTff-t
30 2-30,6
30,3-30.6
„Und nachher?"
Er sah sie bittend an. Langsam waren sie weiteraefchrit- ten.
«Ja — was benn?"
»Ich erwarte Sie im Kurpark. Einverstanden? Auf der gleichen Bank, auf der wir neulich saßen —"
Sie zögerte. Das — das war doch ein richtiges Rendezvous. Es würde — eine Heimlichkeit vor der Taute werden Die erste Heimlichkeit.
„Sagen Sie ja — Fräulein Anita —"
Wie zärtlich er den Namen sprach.
Und es kam wie von selbst, daß sie antwortete:
„Nun — ja. Weil es — der Zufall so will —"
Um ihre Lippen war ein feines Lächeln. Jenes Lächeln, von dem Tante Wielandt sagte, daß es auch ihr toter Vater gehabt und daß es immer sein ganzes Gesicht durchleuchtet hatte.
Und es w a r so: Eine tiefe, zärtliche Innigkeit strömte von diesem feinen Lächeln über Anitas Gesicht, und der Prinz war ergriffen davon. Impulsiv griff er nach ihrer Hand und druckte sie:
»Ich danke Ihnen —"
Sie ließ es geschehen. Aber gleich darauf sagte sie:
. »Nun lassen Sie mich allein weiter gehen. Man kennt mich hier — und —"
„Und?"
„M, Sie wissen ja, wie schnell hier der Klatsch läuft —" Da gab er ihre Hand frei.
»Auf Wiedersehen — heut' Abend."
Sie huschte davon. —
Der Prinz wanderte gemächlich zurück. Er beschloß, im Kurhaus zu Abend zu speisen. Dann war er wenigstens gleich an Ort und Stelle. —
Ihm war wohl zumute. Frei von jeder lästigen Fefiel der Etiquette, ein Fremder unter Fremden, nur Mensch, dem jebe Prinzenherrlichkeit genommen — es war ihm ein le- yluckendes Gefühl. Die Kinderklinik und feine Patienten in nUen fielen ihm ein. Nun ja — da mußte er morgen noch Nachricht geben, das hätte er beinahe vergessen. Gut, daß er für Vertretung in der Klinik gesorgt hatte. Immerhin — er mußte Bescheid geben, daß er seinen Urlaub verlängert hatte.
' — Er saß auf der nach dem Konzertgarten gugeher.ben Veranda des Kurhauses und hatte abgespeist. Der Garten war bereits gut gefüllt. Die Musik spielte.
Er zahlte und erhob sich.
(Fortsetzung folgt.)