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Der Frankfurter Raubmord aufgeklärt.

Mörder ist der Fuhrunternehmer Schultheiß

Frankfurt a. M., 30. Jan. Das furchtbare Verbrechen, dem vor 1 Woche der Juwelier I. Grebenau zum Opfer fiel, hat überaus rasche Aufklärung gefunden. Der Raubmör­der, gegen den ein erdrückendes Beweismaterial vorliegt, ist der 4öjührige Fuhrunternehmer Friedrich Schultheiß aus Wisselsheim bei Bad Nauheim. Ueber die Einzelhei­ten der Bluttat erfahren wir folgendes:

Am Dienstag nach dem Mord liefen bei der Kriminal­polizei aus Wisselsheim und zugleich auch aus Frankfurt mehrere Briefe ein, die den dringenden Verdacht ausspra­chen, daß der mit Zuchthaus schon vielmals vorbestrafte Schultheiß aller Wahrscheinlichkeit nach als Mörder in Frage komme. Die Polizei stellte sofort im geheimen Nach­forschungen an und erfuhr, daß Sch. Sonntag früh gegen 7 Uhr nach Frankfurt gefahren und spät abends zurück­gekommen sei. Er habe ein überaus auffallendes Wesen zur Schau getragen. Am Tatort hatte nun die Polizei einen mit Theodor Noack unterzeichneten Brief aufgefun- den, in dem dieser bei Grebenau seinen Besuch für Diens­tag nachmittag (also zwei Tage nach dem Mord) in Aus­sicht stellte. Man verglich die Handschrift des Briefes mit der in den Polizeiakten befindlichen Unterschrift des Schult­heiß und kam sofort zu dem Ergebnis, daß Schultheiß den Brief geschrieben habe. — Die Frankfurter Polizei richtete nunmehr an den Wisselsheimer Bürgermeister einen Brief, in dem sie ihren Besuch dort ankündigte. Inzwischen ging aber bereits das Gerede in dem kaum 300 Einwohner zäh­lenden Ort, daß der Schultheiß gegebenenfalls als Mörder in Frage komme. Durch eine Indiskretion erfuhr Sch. von dem bevorstehenden Besuch der Kriminalpolizei in seinem Wohnort und fuhr sofort nach Frankfurt. Hier begab er sich ohne weiteres in das Polizeipräsidium und sagte den Beamten, man habe ihn im Verdacht. Das sei absolut unwahr, dagegen verwahre er sich energisch und fordere „Wiedergutmachung". Inzwischen war von Wis­selsheim die Meldung von dem Funde schwersten Beweis­materials gegen Sch. eingegangen. Man behielt den Mann in Haft und überwachte ihn sehr streng.

Die Frankfurter Polizeibeamten hatten Samstag nach­mittag eine gründliche Durchsuchung der Wohnung des Schultheiß vorgenommen und fanden hier Mantel, Anzug und Hemd blutbefleckt. Das Hemd steckte bereits in der WäsHe. Außerdem beschlagnahmte man den Briefwech­sel des Sch.

Dieses erdrückende Beweismaterial wurde nun dem Sch. heute früh vorgelegt, der erklärte, daß das Blut von einem heftigen Nasenbluten herrühre. Ferner fand man an den Kleidern einige Haare, die zweifellos von Grebenau her­rühren. Die Blutflecke werden augenblicklich von Prof. Popp untersucht. Außerdem wurde festgestellt, daß Sch. den bei der Tat gebrauchten Revolver fortgeworfen hat.

In einem langstündigen Verhör leugnete Sch. heute natürlich die Tat ab und erklärte immer wieder: „Ich weiß von nichts!" Er leugnete auch, den Brief an Gre­benau geschrieben zu haben, doch konnte eine sofort vorge­nommene Schriftprobe das Gegenteil dartun. Sch. bestrei­tet nicht, in Frankfurt gewesen zu sein, er will seinen hier wohnenden Bruder aufgesucht haben, von dem er sich Geld borgen wollte. Es gelang ihm aber bisher nicht, für die kritische Stunde sein Alibi nachzuweisen. Außerdem paßt die Aussage mehrerer Zeugen vom Mordtage auf die Per­son des Sch. — alle unabhängig voneinander — ganz ge­nau. Ueber seinen weiteren Aufenthalt in Frankfurt kann Sch. keine Auskunft geben. Es besteht unter dem gerade­zu erdrückenden Beweismaterial absolut kein Zweifel mehr, daß Schulheiß als Mörder in Frage kommt.

Schultheiß wurde am 27. März 1881 in Langenselbold ge­boren, er war früher Installateur, ist verheiratet und Va­ter von zwei Kindern, einem Mädchen und einem erwach­senen stellenlosen Sohn, der Kaufmann ist. Der Mörder genießt in seinem Wohnort sehr schlechten Ruf. Er ist we-

Die thüringischen Landtagswahlen.

wtb. Berlin, 31. Ian. (Funkm.) Nach den vorläufigen Feststellungen erhalten im Thüringer Landtag die Ein­heitsliste (Deutschnationale, Deutsche Volkspartei, Land­bund und Zentrum) 19 Mandate (bisher 31), Sozialde­mokraten 18 (17), Kommunisten 8 (12), National soz. Ar­beiterpartei 2 (3), Deutschvölkische voraussichtlich 1 (4), Demokraten 2” (4), Wirtschaftspartei 5 (0), Aufwertungs­partei 1 (0), Parteilose 0 (0) von insgesamt 56 Mandaten gegen bisher 72.

Aus Heffen-Aaffau und Aachhargebieten.

Merkblatt für den 1. Februar.

Sonnenaufgang 746 Mondaufgang 7"' V.

Sonnenuntergang 4" Monduntergang 325 N.

1874 Hugo v. Hofmannsthal geb. — 1917 Beginn des uneingeschränkten U-Boot-Krieges.

Der Zweck der Bildung ist, Grundsätze einzuflöfen, die uns nachher zur Leitung und Belehrung dienen; Tatsa­chen sind nur insofern wünschenswert, als sie jene Grund­sätze in volles Licht setzen. Grundsätze müssen deshalb den Tatsachen vorangehen. V u l w e t.

Wetterbericht.

Die Luftdruckverteilung über Europa hat keine wesent­liche Aenderung erfahren. Im Norden ziehen fortgesetzt Tiefdruckwirbel ostwärts. Der Einfluß ihrer Ausläufer reicht auch bis zu unserem Gebiete. Von England zieht eine neue Luftdruckstörung heran, die bis morgen unser Gebiet erreichen wird. Stärkere Niederschläge sind jedoch nicht wahrscheinlich. Die Temperaturen erfahren keine wesentliche Aenderung. — Vorhersage bis Montag abend: Veränderlich, doch meist bewölkt, vereinzelt auch Nieder­schläge, Temperaturen über dem Gefrierpunkt, südwestliche Winde. — Witterungsaussichten für Dienstag: Noch kei­ne wesentliche Aenderung.

Fulda, den 31. Januar 1927.

Der Oberbefehlshaber der Gruppe 2

General der Infanterie Reinhardt, befindet sich vom 31. Januar bis einschl. 6. Februar 1927 auf einer Besichti­gungsreise zu den ihm unterstellten Truppenteilen in Süd- 'deutschland.

Die Invaliden- und Unfall-Nenten werden beim hiesigen Postamt am 1. und 2. Februar 1927 gezahlt. Die Zahlstellen sind an beiden Tagen von 8—12 Uhr norm. und von 3—6 Uhr nachm. geöffnet. Ver Emp­fangnahme des Geldes ist die Ausweiskarte vorzulegen. In den Quittungsvordrucken sind die Kinder, für die der

tus Wisselsheim. — Der Brief als Verräter, gen schwerer Einbrüche, namentlich in Juwelengeschüften zu Frankfurt, bis jetzt insgesamt mit zwölf Jahren Zucht­haus vorbestraft und erst vor einem Jahr entlassen wor­den. Seitdem betreibt er ein Fuhrgeschäft. Er wohnt bei weitläufigen Verwandten in einer ehemaligen Gastwirt­schaft.

Sonntag nachmittag fuhren mehrere Kriminalbeamte in einem Polizeiauto nach Wisselsheim, um hier weitere Feststellungen zu machen und besonders auch zu ermitteln, inwieweit der 21jährige Sohn Willi des Schultheiß an der Tat beteiligt gewesen ist. Auf der Fahrt nach dem kleinen Orte erlitt das Auto kurz vor Friedberg einen

schweren Defekt.

Es sauste, steuerlos geworden, gegen einen dicken Straßen­baum, rasierte diesen ab und blieb dann vollständig zer­trümmert liegen. Die Beamten flogen aus dem Wagen, erlitten aber nur ganz geringfügige Verletzungen. Sie fuhren dann in einem anderen Wagen nach Wisselsheim und sistierten den jungen Mann und brachten ihn abends nach Frankfurt.

Der junge Schultheiß ist stellenloser Kaufmann und wohnt sonst bei seiner Großmutter in Frankfurt, arbeitete aber schon seit mehreren Wochen auf dem elterlichen Ge­höft in Wisselsbach. Sim Samstag vor dem Mordtage, also in der Nacht zum Sonntag, weilte er aber in Frank­furt und besuchte hier mit seiner Braut einen Maskenball, von dem er früh nach der großmütterlichen Wohnung ging und schlief.

Kurz vor zehn Uhr erschien der alte Schultheiß in der Wohnung der alten Frau und holte seinen Sohn zu einem Besuch bei einem Bruder in der Vcrgerstraße ab, der dort eine Wirtschaft betreibt.

Schultheiß sen. war Sonntag früh gegen 9 Uhr auf dem Hauptbahnhof eingetroffen und hat sich — so folgert man jetzt — sofort nach der Kaiserstraße begeben, hier in we­nigen Minuten den Raubmord verübt und sich dann zur Großmutter begeben. Diese Annahme, daß der Mord be­reits zwischen 9 und 10 Uhr verübt wurde, stimmt auch mit den Bekundungen einer alten Frau überein, die, als sie den Hofraum der Kaiserstraße überschritt, einen kurzen Schrei gehört hat. Der Mörder hat sich, um sein Alibi beweisen zu können, nun zum Sohn begeben und diesen dann mit zum Bruder genommen. Ueber seinen Aufenhalt in der Zeit zwischen 9 und 10 Uhr weiß er keine Angaben zu machen.

Der junge Schultheiß, der einen braven soliden Ein­druck macht und dem von allen Seiten das beste Zeugnis ausgestellt wird, kommt nach den heutigen Aussagen als Mittäter nich in Frage u. hat von dem Raubmord seines Vaters auch nichts gewußt.

Der junge Mann wurde heute abend 7 Uhr aus der Haft entlassen. Inzwischen hat die Polizei mehrere nahe nahe Verwandte des Schultheiß vernommen, die aus­nahmslos diesem das denkbar schlechteste Zeugnis ausstel­len. Schultheiß hat sich von seinen alten Verwandten, auf dessen Hof er lebte, das Erbrecht durch die schmutzigsten Handlungen erschleichen wollen. Am letzten Freitag woll­te er das Anwesen, um zu Geld zu kommen, zwangsweise versteigern lassen. Trotzdem genoß er im Dorfe ein ge­wisses Ansehen. Er befand sich augenblicklich in der größ­ten Geldnot und versuchte auf alle Weise zu Mitteln zu kommen. Das hat er nün' ansthmrend durch das Verbre­chen erreichen wollen. Sch. war oft in die übelsten Ge­schäfte verwickelt; erst am letzten Montag hielt eine andere Polizeibehörde bei ihm Haussuchungen nach Brillantrin- gen ab, die aber erfolglos blieben.

Bei der Vernehmung am Nachmittag brach Schultheiß nahezu zusammen, äußerte sich aber nicht im geringsten über die Tat und gab schließlich gar keine Antwort mehr. Seine Vernehmung wird Montag fortgesetzt.

Kinderzuschlag gezahlt wird, namentlich aufzuführen. Ei­ner Beglaubigung der Unterschrift für den Monat Februar bedarf es nicht. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß die Quittungsvordrucke genau dem Vordruck entspre­chend auszufüllen sind.

Verlegung des Rindviehmarktcs.

Der Regierungspräsident gibt bekannt, daß der nach der Marktregel für den 14. Juli 1927 in der Stadt Fulda vor­gesehene Rindviehmarkt auf den 21. Juli 1927 verlegt wird.

Obmännerkonfercnz des Bühnenvolksbundes für Hessen und Hessen-Nassau.

Unter Leitung des Landesobmannes, Landesgerichts­rat Raab, Darmstadt, fand am 22. Januar 1927 im Ho­tel Ercelsior in Frankfurt a. M. eine von 20 Obmännern des Hessen-Nassauischen Bezirks besuchte Konferenz statt, zu der von der Berliner Reichsgeschüftsstelle Generaldi­rektor Gerst erschienen war. Außerdem nahm der Ehren­vorsitzende des Bundes Geh. Kons. Rat D. Kayser, Schul­rat Hassinger, vom Landesbildungsamt Darmstadt, und Landtagsabgeordneter Heinstadt an der Sitzung teil.

Generaldirektor Eerst, der gleichzeitig den durch die politische Lage verhinderten 1. Vorsitzenden des Bundes, Staatsminister a. D. Dr. v. Boelitz vertrat, berichtete über die Verhandlungen des Verbandes der gemeinnützigen Theater vom 4. Dezember 26 in Leipzig mit ihrer Stel­lungnahme zur Bedeutung der Besucherorganisationen für das heutige Theater. Der Redner hob insbesondere fol­gende Punkte heraus:

Es muß eine vernünftige Grundlage für die Preise ge­sucht werden, die den Theatergemeinden seitens der The­aterleitungen gestellt werden.' Die Entscheidung, ob die Theatergemeinden von ihren Mitgliedern einen Einheits­beitrag oder gestaffelte Beiträge erheben, macht der Büh­nenvolksbund nicht zu einer Prinzipienfrage, sondern diese Frage muß sich jeweils aus den örtlichen Verhältnissen, wobei insbesondere die Platzordnung der Theater eine Rolle spielt, lösen lassen. Die Einführung eines Steuer­zensus für die Mitglieder der Theatergemeinde muß der Bühnenvolksbund ablehnen, da er als Gesinnungsgemein­schaft alle Volkskreise einschließt. Eine Mitwirkung der Führer der Theatergemeinden am Spielplan liegt auch im Interesse der Theaterleitungen. Die Aussprache ergänzte die Grundsätze der Referenten, wobei festgestellt werden konnte, daß sich ein immer besseres Verhältnis zwischen Theaterleitungen und Führerschaft der Theatergemeinden anbahnt. Eine Vorberatung des Spielplans zwischen die­sen beiden Faktoren vor Eintritt jeder Spielzeit wurde als erstrebenswert bezeichnet.

In eingehendster Weise wurde noch das Wanderthea- terwesen behandelt. Die Schmierenbetriebe, die früher die theaterlosen Städte heinisuchten, sind durch planmäßig aus- gebaute Wanderbühnen in allen Gauen allmählich ver­drängt worden. Die jetzt von der Bühnengenossenschaft

unternommenen Versuche der Bildung neuer Wanderspieft truppen aus erwerbslosen Schauspielern dürfen nicht dazu führen, die mühsame 9[u bau arbeit der bestehenden Wan­derbühnen zu stören. Landessekretär Leweke macht ergän­zende Ausführungen über das Wandertheaterwesen in Hes­sen u. im Hessen-Nassauischen Bezirk. Ein weiterer Ausbau der Theatergemeindeorganisation soll die Möglichkeit schaf­fen. jeden theaterlosen Ort, in dem Bevölkerungszahl und Saalvcrhältnisse eine Aufführung möglich machen, mit Vorstellungen eines gemeinnützigen künstlerisch geführten Wandertheaters zu versorgen.

Couè-Unterricht.

Der anläßlich des Vortrags in der Vortragsvereinigung Fulda in Aussicht genommene Kursus von Pfarrer Walter Gimmi aus Zürich zur Einführung in die Lehre Eouë oder in das Verfahren der beabsichtigten Selbstbeeinflussung und dessen Anwendungs- und Erfolgsmöglichkeiten auf den wichtigsten Lebensgebieten hat während der letzten Tage etwa 30 Teil­nehmer an je 2 Abendstunden im Zeichensaal der Stadtschule vereinigt. Die Beteiligten folgten dem Unterricht mit gro­ßer Aufmerksamkeit. Vieles, was sich im Rahmen des Vor­trags nur streifen ließ, konnte in dem Kursus eingehend be­handelt, erklärt und begründet werden. Anregend wirkten auch die Versuche, welche der mit dem Stoff wohlvertraute und diesen klar und verständlich darlegende Unterrichtsleiter zum Zweck des Nachweises der unterbewußten Gedanken- Ver­wirklichung anstellte. Die Teilnehmer gewannen die Ueber­zeugung, daß sich im Wege der Selbstbeicinflussung auf den Gebieten der Gesundheit, der Fremd- und Selbsterziehung, der Berufs- und Erwerbstätigkeit und der gesamten Lebensführung viel Gutes schaffen läßt. Sie spendeten am Schluß des Unter­richts für die vortrefflichen, gedankenreichen, von großer Le­benserfahrung und Menschenkenntnis zeugenden Ausführungen des Herrn Pfarrer Eimmi lebhaften Beifall. Es wurde ge­wünscht und angeregt, daß die Unterrichtsteilnehmer unter sich eine gewisse Fühlung behalten, um sich in der Ausnutzung des Gelernten gegenseitig zu fördern und zu befruchten.

General-Versammlung der Turngemeinde 1848 e. V.

Die am Samstag abend im Parkhotel stattgefundene Generalversammlung war recht gut besucht. Der 1. Vor­sitzende, Herr Oswald Wilker, hieß die Erschienenen herz­lichst willkommen und begrüßte besonders zahlreiche Ehren­mitglieder, ältere Turner und die Turnerinnen. Das An­denken der verstorbenen 4 Mitglieder wurde in üblicher Weise geehrt. Aus dem Jahresbericht ging hervor, daß ab­gehalten wurden: 1 außerordentliche Generalversammlung, eine Herbst-Generalversammlung und 16 Vorstands-Sit­zungen, in letzteren wurde eifrige Arbeit zum Wohle der Turngemeinde geleistet. Die Beteiligung der aktiven Tur­ner und Turnerinnen an sportlichen Veranstaltungen war stets rege. An Mitgliedern zählt die Turngemeinde z. Zt. 14 Ehrenmitglieder, 453 Männer und 77 Damen, außerdem noch 68 Knaben und Mädels, die aktiv an den Turnübun­gen teilnehmen. Eingehend berichtete der erste T u r n- w a r t über das M ä n n e r t u r n e n und die guten Re­sultate bei Turnfesten. — Der Frauenturnwart lob­te die vorzüglichen Leistungen der Turnerinnen bei Sport­festen und ihre große Begeisterung für die Turnsache. Die Jugendabteilung hielt häufig gut besuchte Turn­stunden ab und unternahm verschiedene Ausflüge mit Ge­sang und Spiel. — Der Obmann der Leichtathletik­abteilung berichtete über gute Erfolge dieser Abtei­lung, die 32 Herren und 12 Damen zählt. Neu ausge­nommen wurde das F a u st b a l l s p i e l und hierin meh­rere Siege errungen. Auch zahlreiche Waldläufe wurden ausgetragen. An den ausgeführten Schneeschuhwande­rungen beteiligten sich fast stets 20 Personen. Die Fecht- a b 1 e i l u n g focht an 40 Abenden und führte verschie­dene Steuerungen ein. - Recht humorvoll war der Schwimmabteilung, der jedoch auch des tiefsten Ernsteck nicht entbehrte. — Die Fußballabteilung, die ine Aufnahme in den Westdeutschen Spielverband beantragt hat, war ebenfalls nicht müßig. — Der Kassenbericht dien­te zur Kenntnis, dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Der Voranschlag für 1927 wurde wie aufgestellt genehmigt. Die durch Stimmzettel getätigte Wahl des 1. und 2. Vor­sitzenden ergab Wiederwahl des ersten Vorsitzenden Oswald Wilker und des zweiten Vorsitzenden Erich Großenbach; die anderen Vorstandsmitglieder einschl. der Beisitzer wur­den durch Zuruf wiedergewählt. Neu gewählt als Turn- wart wurde Herr Bruno Köhler. Der Beitrag für 1927 bleibt derselbe wie seither. Bezüglich des in diesem Som­mer hier stattfindenden Kreisturnfestes wurde mitgeteilf, daß die Vorbereitungen in vollem Gange sind und bereits mehrere Sitzungen in dieser Angelegenheit stattgefunden haben. Zur würdigen Durchführung eines Kreisturnfestes, zu dem sicherlich über 1000 Turner und Turnerinnen hier etwartet werden, spielt besonders die Platzfrage eine gro­ße Rolle. Auch soll Hauptwert auf eine volkstümliche Ge­staltung des Festes gelegt werden. Man hofft, daß die Platzfrage bald endgültig entschieden wird. Der diesja- rige Maskenball der Turngemeinde, der stets eine große Beteiligung auswies, findet am 26. Februar statt. Beschlossen wurde, in der Fastenzeit einen Theaterabend mit turnerischen Veranstaltungen abzuhalten. In der Hoffnung, daß die Turngemeinde 48 auch in diesem Jahre ihrem alten guten Ruf Ehre macht und weiterhin wachse, blühe und gedeihe, schloß der 1. Vorsitzende mit einem 3fa- chen Gut Heil um 1 Uhr nachts die Versammlung.

Neues Theater.

Es ist gerade keine erhebende Episode aus der Zeitge­schichte der letzten Jahrzehnte, an die die jetzt verfilmte Tat des „Hauptmanns von K ö p e n i ck" rührt. Aber die Hersteller dieses Films haben sich in Grenzen ge­halten, die kein Unbehagen darüber aufkommen lassen, daß man diese Eepisode nicht im Dunkel der Vergangenheit be­ließ. Das Schicksal des umhergestoßenen armen Schuh­machers, der sein Lebensschisf niemals wieder verankern soll, bis er dann seinen großen Streich ausführt, ist in menschlich verständlicher, von sonnigem Humor verschönten Zügen ausgesponnen. Geradezu meisterhaft spielt Her­mann Picha diese ihm besonders liegende Rolle. Hier ist alles tiefes Miterleben. Wenn man dann die jetzt un­glaublich erscheinenden Szenen im Rathaus von Köpenick im Bilde erstehen sieht, so muß man sich energisch erinnern, daß das alles vor 20 Jahren wirklich einmal geschehen ist. Und in das Lachen mischt sich ein klein wenig Beschämung.

Als zweites Hauptwerk läuft der 6 Akter: „Das Mädel m i t der Protektiv n", bei dem sich das Pub­likum gut unterhalten hat, vielleicht aber wurde mehr über die humorvoll aufgezogene Regiearbeit und die Darsteller als über die Handlung selber gelacht. Wie sich die Ber­liner Herren ein Mädel vom Lande vorstellen, mit gestreif­ten Strümpfen und Hosen! (die man im hintersten Hinter­kickelsbach nicht mehr trägt.) Eine Freude reinsten Genus­ses dagegen ist Ossi Oswalda und Willi Fritsch. Auch die vorzüglich eingespielte Kapelle mit ihrer stimmungsvollen Musik hilft mit dazu beitragen, ein paar Stunden voller harmloser Fröhlichkeit zu verleben.

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Verantwortlich für die Schriftleitung:

Dr. rer. pol. Karl K r ö Nt m e l b e 1 n-Fulda.

Verantwortlich für den Anzeigenteil: Otto Schneider-Fulda.