Freiheit gesetzt wurden, einen Ausweisungsbefehl erlassen. Dem Obersten Macia und seinen Genossen wird eine Frist von einem Monat gewährt. Riciotti Garibaldi nur eine solche von drei Tagen.
Die neuen VorMriflen über die AnterfuchnngsSast.
Erlaß b e 3 preußischen Justizministers.
Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Änderung der Strafprozeßordnung am 13. Januar 1927 gibt der preußische Justrzrninister Ausführungsvorschristen, in denen es nach dem Amtlichen Preußischen Pressedienst u. a. heißt: Die Verantwortung dafür, daß die für die Nachprüfung der Haftvoraussetzungen vorgesehenen Fristen gewahrt und die dort vorgeschriehenen Formen beobachtet werden, trägt neben bem Gericht die Staatsanwaltschaft. Sie hat durch geeignete Anträge auf die Wahrung der Fristen und die Beobachtung der Förmlichkeiten hinzuwirken. Dem pflichtgemäßen Ermessen bei Gerichte ist es anheimgestellt, in welcher Form und in welchem Umfange Anträgen auf Beweiserhebungen, die die Freilassung des Verhafteten begründen sollen, zu entsprechen sein wird. Im Sinne des Gesetzgebers liegt es, daß den Anregungen, die anläßlich der Verhandlung hinsichtlich des Entlastungsbeweises gegeben werden, weitherzig und so schnell als möglich entsprochen wird. Auch abgesehen vom Hastprüfungsverfahren und der mündlichen Verhandlung, hat die Staatsanwaltschaft darauf, ob die Voraussetzungen der Untersuchungshaft fortbestehen, ihr dauerndes Augenmerk zu richten und Anträge des Verhafteten auf Beweiserhebungen, die seine Freilassung begründen sollen, möglichst weitgehend und beschleunigt zu berücksichtigen. Die Staatsanwaltschaft hat in jedem Falle darauf zu achten, daß die Dauer der Untersuchungshaft in einem angemessenen Verhältnis zu der Bedeutung des Straffalles, insbesondere auch zur Höhe der zu erwartenden Strafe bleibt.
pstLiische Rundschau» r -
Deutsches Reich.
Falschmeldungen über die Reichswehr.
In der Öffentlichkeit sind Nachrichten verbreitet von Betrügereien, die höhere Reichswehrosfiziere gegen die Reichswehr durch Waffenverschiebungen begangen haben sollen. Von offiziöser Seite wird mitgeteilt, daß diese Nachrichten unwahr sind. Der durch Selbstmord aus dem Leben geschiedene Major Wiedemann hat sich, wie die offiziöse Mitteilung weiter sagt, ebensowenig etwas zuschulden kommen lassen wie der Major a. D. Glod- gowski, der auch nicht entlassen ist. Das Reich ist auch nicht durch betrügerische Handlungen bei Wassenkäufen geschädigt worden. Gegen die Verbreiter der unwahren Nachrichten beabsichtigt das Reichswehrministerium Strafanzeige zu erstatten.
Für gänzliche Aufhebung derWohnungszwangswirtschaft.
Im Preußischen Landtag haben die Abgg. Ladendorfs, Müller-Franken (Wirtsch. Vgg.) den Antrag eingebracht, das preußische Staatsministerium zu ersuchen, auf die Reichsregierung dahin einzuwirken, daß dem Reichstag ein Gesetzentwurf vorgelegt werde, der die Aufhebung des Reichsmietengefetzes sowie des Gesetzes über Mieterschutz und Mieteinigungsämter zum Gegenstand hat. Zur Vermeidung von Härten wird gefordert, daß dieser Gesetzentwurf Übergangsbestimmungen mit angemessenen Fristen enthalte.
Aus Zn- und Ausland.
Berlin. Reichspräsident von Hindenburg und Reichsaußenminister Dr. Stresemann haben Geheimrat Havemann, dem ehemaligen Reichspresfechcs, zu dessen 75. Gcburtsiag herzliche Glückwünsche gesandt.
Bozckn. Der bekannte Rechtsanwalt und Deutschenführer Dr. Joseph Nold in in Saturn ist am 23. d. M. vormittags von Karabinieri verhaftet worden. Dr. Noldin wurde um 1 Uhr mittags nach Trient in das Gefängnis des Tribunals ciugeliefcrt.
Kowuo. Wie die „Liberale Rundschau" meldet, wurde in die Wohnung des deutschen Pastors Satter selb in Kowno eine Verfügung gebracht, in der Pastor Katterfeld mit Familie vorgeschrieben wird, das litauische Gebiet spätestens am 10. Februar zu verlassen.
Als ich noch Prinz war.
Roman von Paul Hain.
Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau.
1] (Nachdruck verboten.)
1.
Die Bogenlampen der Hauptstraße der kleinen Residenzstadt brannten bereits, trotzdem der Sommerabend noch licht und mit dem roten Widerschein der untergehenden Sonne erfüllt war. Die bewaldete Hügelkette jenseits der Stadt stand noch deutlich umrissen gegen den verdämmernden Himmel.
Aber die Hauptstraße hatte heute ihr besonderes Erlebnis. In dem schon ganz großstädtischen Hotel „Zur Krone", das sich, fast majestätisch mit seiner wuchtigen Sandsteinfassade zwischen den kleineren Fremdenhotels heraushob — im Sommer herrschte hier ein nicht unbeträchtlicher Kurbetrieb — wurde heute ein besonderes Fest gefeiert. Daher die zeitige, fast strahlende Beleuchtung.
Ein Fest, das wohl die Erinnerung an die glanzvollen Veranstaltungen des weiland großherzoglichen Hofes wieder wach werden lassen konnte, der früher hier residiert hatte. Nun hatte ja der Atemzug einer neuen Zeit derartige höfische Feiern beseitigt, wiewohl der Herzog und seine Familie noch immer aus ihrem Schlößchen außerhalb der Stadt wohnten und die Kleinbürger ihnen ein wohlwollendes Erinnern bewahrten. Der Charakter der Residenzstadt war immerhin geblieben und die Stadt war stolz darauf. —
Heute nun fand im Hotel „Zur Krone", im Marmorsaal, die Verlobungsfeier der jüngsten Nichte des Herzogs, Ethel von Basfenried-Coburg, statt. Der Bräutigam, aus dem ungarischen Hochadel stammend, schon in mancherlei Verzweigungen mit preußischer Aristokratie verschwägert, hatte es sich nicht nehmen lassen, diese Gelegenheit zu benutzen, um einmal wieder ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges zu arrangieren. Der Hochadel gab sich èin Stelldichein und selbst Angehörige ehemaliger Herrscherhäuser sollten, so erzählte die Fama, eingetroffen sein, um das Brautpaar durch ihre Anwesenheit auszuzeichnen.--
Schon glitten die Autos in dichterer Aufeinanderfolge an dem breiten Portal des Hotels vor. Ein dunkelroter Läufer sijhrte bis zum Straßenrand. Die Kandelaber zu feiten des Portals brannten feierlich. Spaziergänger drängten sich davor, zumeist natürlich Frauen und Mädchen, voll prickelnder Neugierde und Sensationshunger. Jede, Toilette der Damen, bie vorfuhren, und dann über den roten Läufer WUtak-in A§ HM hinejn^wMen lW LtÄW-dLr gally-
Deutscher Reichstag.
(258. Sitzung.) ' CB. Berlin, 24. Januar.
Auf der Tagesordnung steht die Ginzetberaiung bcS Gesetzes zur Bekämpfung der G c s ch l e ch l s k r a n k h c i t c ii.
Abg. Rüdel (Komm.) bezeichnet das Gesetz als ein Klassen- und Kastengesetz. Er glaubt nicht, daß man das Übel mit Polizeimaßnahrncn aus der Welt schaffen kann und beantragt, schließlich die unentgeltliche Zulassung bewährter Heilkundiger zur Behandlung.
Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.) trat bei dein Widerspruch des Reichsrates gegen unentgeltliche Behandlung für eine Verbilligung der jetzt viel gu teuren Kuren ein.
Abg. v. Ramin (Völk.) trat gegen das Behandlungs- Monopol der approbierten Ärzte ein und meinte, wenn ba3 Gesetz die Patienten zur Behandlung zwinge, müsse das Reich auch die Kosten tragen.
Abg. Frau Dr. Stegemann beantragte die Beseitigung des Ärztemonopols.
Abg. Dr. Beyersdörffer (Bayer. Vp.) ernannte oie Verdienste mancher Laien an. Hilfe bei Geschlechtskrankheiten sei aber nur mit den Methoden der Schulmedizin möglich.
Abg. Dr. Hilferding (Soz.) trat für einen Teil seiner Freunde für das ärztliche Bchandluugsmouopol ein.
Angenommen wurde ein volksparteilicher Antrag, der anonyme und nicht genügend begründete Anzeigen über Geschlechtskrankheiten anderer nicht berücksichtigen will.
Zu § 7 der sog. Kurpfuscherparagrapheu wurde aus Antrag Birkes (D. Vp.) die Regierungsvorlage wieder hergestellt, so daß das ärztliche Behandlungsmonopol nicht nur aus die ansteckenden, sondern aus alle Geschlechtskrankheiten ausgedehnt wird.
Abg. Limücrtz (Soz.) bezeichnet diesen Beschluß als die Aushebung der Kurierfreiheit. Zu dem Paragraphen, der das Anpreisen von Heilmitteln oder Heilverfahren zur Heilung oder Linderung von Geschlechtskrankheiten verbietet, beantragte der Redner, daß aufklärcndc Vorträge, Schriften, Abbildungen oder Darstellungen über Verhütung der Geschlechtskrankheiten nicht unter das Verbot fallen sollen. Dieser Antrag wurde anoenommen.
Die §§ 8—13 wurden in der Ausschußfasiung angenommen. Nach § 14 soll derjenige bestraft werden, der ein Kind, für befien Pflege er zu sorgen hat, von einer anderen Person als der Mutter stillen läßt, ohne vorher im Besitz eines ärztlichen Zeugnisses über deren Gesundheitszustand zu sein.
Frau Dr. Stegmann (Soz.) verlangte ein Zeugnis darüber, daß ivebcr an dem Kinde noch an dessen Mutter eine Geschlechiskrankheit nachweisbar ist.
Abg. Frau Arendsee (Komm.) beantragte ein ärztliches Zeugnis darüber, daß gesundheitliche Bedenken gegen das Stillen durch eine Amme nicht vorliegen.
Die sozialdemokratischen und kommunistischen Abände- rungsanträge wurden abgelehnt.
Dagegen wurde ein Antrag Dr. Bepersdörffer (Bahr. Vp.) angenommen, der die Straffreiheit dann cutsschließen will, wenn in Notfällen das Kind einer anderen Person zum Stillen übergeben werden mußte.
Unter Ablehnung sozialistischer und kommunistischer Ab- änderungsauträgc wurde darauf der Rest der Vorlage in der Ausschußfassung angenommen.
Das Gesetz tritt am 1. Oktober 1927 in Kraft.
Darauf vertagte sich das Haus auf Dienstaa.
preußischer Landtag.
(242. Sitzuua.i tt. Berlin, 24. Januar.
Die zweite Beratung des Wohlfahrtsetats wird mit der weiteren allgemeinen Aussprache zum Abschnitt „Allgemeine V o l k s w o h l f a h r t" fortgesetzt.
Abg. Steinhoff (Tin.) fordert reichsgesetz?! hc Regelung der Kleinrentnerfürsorge. Der Redner setzt sich für eine ausreichende Entlohnung der Zivilblinden und für eine Fürsorge der Kriegsopfer ein.
Abg. Frau Hirschmann (Toz.) betont, der Wohlfahrtsminister müsse, wie dies vor ihm schon Minister Stegerwald anerkannt habe, auch eine Arbciterwohlsahrtssürsorge berücksichtigen und fördern.
Minister Hirtsiefer
sagt, es sei eine Art Pflicht des Staates, zum Ersatz des Verlustes beizutrageu, den die öffentlichen und privaten Wohl- sahrtseinrichtungen durch ihre erhöhte Fürsorgetätigkeil und ihre Jnslationsoerlufte erlitten haben. Der Minister bebanbeh dann die Fragen der Unterbringung gesundheitlich gefährdeter Kinder auf dem Lande, der Durchführung der Fürsorgeerziehung, bei der auf eine Verringerung der Ausgaben hin- zuzielen sei. Bei der Jugendpflege könne bet Staat nur anregend und fördernd wirken. Es seien leider noch nicht ganz vier Millionen Mark an Mitteln für diesen Zweck vorhanden. (Hört, hört!) Der Minister weist an Hand von Zahlen weiter den Vorwurf zurück, daß die produktive Erwerbslosensürsorge nur überflüssige Aufgaben durchführe. Zum Schluß sagte der Minister eine gleichartige Behandlung gegenüber den Einrichtungen der Ärbeiterwohlfahrt zu. Die staatliche Wohlfahrt müsse mit der freien Wohlfahrt und mit ihren Verbänden zu- sammcnarbcitcn.
nierten Diener entlang, wurde eifrig und kritisch besprochen. Dis mancherlei Uniformen der Herren nicht minder. —
Gerade fuhr ein geschloffenes Auto mit ockerfarbener Karosserie vor. Der Chauffeur hielt mit einem Ruck. Oer Schlag wurde von innen geöffnet und eine hohe, elegante Männererscheinung, den Havelock und Zylinder im Arm, zwängte sich heraus. Das glattrasierte, edel geschnittene Gesicht voll jungenhafter Lustigkeit beim Anblick der Neugierigen.
„I verdammt —"
Er war mit einem Frackschoß am Schloß der kleinen Tür hängen geblieben — ein dreieckiger Riß war die peinliche Folge.
Leises Lachen unter den Gaffenden.
„Das fehlte gerade noch!"
Das hübsche, jugendliche Gesicht des Fahrgastes, der nun erst, da er draußen stand, sich zu seiner vollen, stattlichen Größe aufrichtete und den Schaden besah, verzog sich zu einem amüsierten Lächeln.
„Chauffeur — wo ist die nächste Kunststopferei?"
Der grinste verhalten. I
„Hoheit — keine Ahnung —"
Da meldete sich schon eine Stimme aus dem Publikum.
„In der Ringgasse Nr. 12 — bei Frau Haller —"
Das lachende Gesicht einer jungen Frau schob sich vor.
„Da kriegen Sie's gemacht."
„Schönen Dank."
Der blessierte Frack kletterte wieder in das Auto zurück, dem Chauffeur zurufend:
„Na, denn'zu! Ringgasse 12."
Es war Zeit, daß das Kupee von der Stells kam, denn schon waren dahinter eine Anzahl weiterer Autos aufgefahren, die darauf warteten, vor das Portal zu kommen. In dem nächsten Wagen hatte eine Dame den Kopf aus dem Fenster aefteett. das Loranon vor den Auaen. und die kurze Szene beobachtet. Nun zog sie sich wieder zurück und sagte mit unendlicher Würde zu ihrer Fahrtgenossin:
„Shoking! Der Prinz Branzell muß selbst bei solchem Anlaß Komödie spielen. Immer was extra. Was geht ihn das Publikum an."
Sie hatte eigentlich nur gesehen, daß er mit „einer Frau aus dem Volk" sprach. Und das schon allein fand die Gräfin von Schlieben choking!" Die kleine Komtesse von Bülow, die mit ihr im Wagen saß, hatte Mühe, ein Lachen um ihre frischen Lippen zu verbergen.
Ach, der Ferdi! Der lustige Karl Ferdinand Branzell! Wenn der das „choking" gehört hätte, er hätte gewiß laut berausgeladjt; „Verehrte Frau Gräfin und weiland erste
Seiner Durchlaucht, meines großen Onkels, was in aller Welt finden Sie nicht choking?' Wir sind ja doch alle UlZZefamt flam sewöhnliM PisnscheMüdLs Md HUterf^l*
Nachdem Abg. Frau Lauer (Zir.) größeres Interesse für die erwerbslose Jugend, insbesondere auf deckt Lande, gefordert hatte, vertagte sich der Landtag auf Dienstag.
Dankschreiben an die Rheinprovinz.
Koblenz. Der preußische Minister des Innern hat die am 11. Januar beendete Reise in die Rhcinprovinz und das besetzte preußische Gebiet zum Anlaß genommen, an den Ober-* Präsidenten der RheinMovinz ein Dankschreiben zu richten, im beut es heißt: Abgesehen von den zahlreichen für eine dienstliche Auswirkung bedeutsamen Eindrücken gereicht cs mir zur besonderen Befriedigung, daß mir die Reise Gelegenheit gegeben hat, den Menschen am Rhein bei ernster Arbeit und zwanglosem, geselligen Beisammensein näherznkormncn. Ich hoffe, -u nickn zu ferner Zeit einzelne Eindrücke an Ort und Stelle noch Vertiefen zu können. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, die persönlichen Beziehungen, die sich jetzt in so glücklicher Weise zwischen dem Rheinland und mir angetHÜpft haben, durch gegenseitiges Vertrauen immer fester und inniger zu gestalten.
De^ DaMai-prszetz.
Immer n o ch d i c Staatsba n k k redite.
§ Berlin, 24. Januar.
Bei der weit^ Verhandlung im Barmai-Prozeß wurde zunächst Baukral Kurt Brandt als Zeuge vernommen, der erklärte, er habe die Deckung der Barmat-Kredrtc nicht nachzuprüfen, aber bei Barmat doch auch keine Bedenken gehabt» Staatsfinanzrat Soldat äußerte sich bann über die Buchungen und Kontobewegungen der Konten der Amerima, wobei es mehrmals zu MelNÜNgDverschledènhelten zwischen ihm und dem Sachverständigen Professor Leitner kam. Geheimrat R u g g c, der im Jahre 1924 stellvertretender Präsident und Gelddi^ponent gewesen ist, wird unvereidigt vernommen. Auch aus seinen Angaben geht hervor, daß ihm über Ausleihungen großer Summen täglichen Geldes von den übrigen Mitgliedern der Bank keine Mitteilung gemacht worden ist. Wie aus seiner Vernehmung weiter hervorgeht, versuchte er am 12. Juni, die Kredite Zurückzrlsordcrn. Da Barmat sehr erregt gewesen sei und gebeten habe, ihm doch Zeit zu lassen, wurden die Kredite nicht nur verlängert, sondern ihm für seine Banken sogar noch drei Millionen neue Kredite gegeben. Dr. Hellwig erklärt darauf, man sei zufrieden gewesen, daß Barmai nicht gezahlt hat, da ja die Staatsbank sonst mit ihrem Gelde festgesessen hätte. Geheimrat Rugge betonte, daß ihm Barmat für die Höhe der Kredite sicher gewesen sei. Wenn er jedoch gewußt hätte, daß diese Gelder weiter ausgeliehen wurden, hatte er die Gelder nicht gegeben. Im November hat bann Henry Barmat bei Geheimrat Rugge einen neuen Kredit von einer Million erbeten, der dann nicht gewährt wurde. Aus die Frage des Oberstaatsanwalts, ob dieser »Vorfall mit dazu beigetragen habe, daß nach dem 15. September die Kredite nicht mehr verlängert wurden, erklärt der Zeuge: „Jawohl, Vor allen Dingen waren es drei Punkte, die mich dazu veranlaßten: 1. daß dieser Kredit zinslos gegeben werden sollte aus Verlangen Barmats, 2. daß ein Kredit von 260 000 Mark trotz Versprechungen nicht zur Zeit zrirückgezahlt worden war, und 3., daß schon Angriffe in der Presse gestanden hatten. Diese drei Punkte waren ausschlaggebend für uns." Vorsitzender: „Da ist doch wunderbar, daß man trotzdem noch gute Auskünfte über Barmat weitergegeben hat, die sogar von Rugge und Brekeufcld unterschrieben waren." Diesen Widerspruch vermochte der Zeuge Geheimrat Rugge nicht aufzuklären.
Das Wrack des Kreuzers
„Armz Adalbert" gefunden.
Wenr gehört der Goldschatz?
Libauer Fischer haben zufälligerweise vor einigen Tag das Wrack des von einem englischen U-Boot»«DM»». senkten deutschen Kreuzers „Prinz Adalbert" entdeckt. Es befand sich etwa 6)4 Kilometer vom Ufer entfernt, und zwar an der Stelle, die etwa gegenüber dem Libauer Kurhaus liegt.
Der Kreuzer „Prinz Adalbert" füllte seinerzeit in Llban Verwundete an Bord nehmen unb heimbringen. Er selbst trug 600 Mann Besatzung. Das Schiff hatte auch eine große Summe Goldgeld an Bord, das zur Auszahlung an die deutschen Truppen bestimmt gewesen war und nun am Grunde des Meeres ruht. Diesen Betrag wird Deutschland jedenfalls als Eigentum beanspruchen. Der Kreuzer hatte bereits zu Anfang des Weltkrieges im Baltischen Meer operiert und einen Goldmarkbetrag von einigen hundert Millionen mit sich geführt. Man will unn versuchen, die Hebung und die Bergung in die Wege zu leiten.
den uns bloß durch — unser Bankguthaben voneineinander. Na, und das Ihrige, verehrte Gräfin, ist doch gar nicht mal so groß! Servus, Frau Gräfin!" —
Karl Ferdinand von Branzell sauste nach der Riuggasfe. Der kleine Vorfall hatte ihn fröhlich gemacht. Du lieber Gott, die paar Tage, die er hier lebte, als Gast Graf Czernys, des glücklichen Bräutigams, waren doch sträflich langweilig gewesen. Der hatte hier „irgendwo herum" sein Sonuner- palais und natürlich war „Ferdi", der mit Czerny zusammen einst im glücklichen Wien beim K. u. K. Jnfanteris- regiment Deutschmeister Offizier gewesen, herzlichst einge= laden worden, das Verlobungsfest zu verschönern." Wer konnte da nein sagen! Ferdi — der luftige Ferdi — am allerwenigsten. Seine prinzliche Hoheit war eigentlich froh, der gar nicht mehr so lustigen Wiener Luft für ein paar Tage entrückt zu sein. Und — der väterlichen Autorität! Es war nicht mehr schön, der Sohn eines abgesetzten Erzherzogs zu sein, der noch allerlei ehrgeizige Gelüste hatte. Gott — die fade Politik! Man mußte sich'halt umstellen — das war die einzig richtige Politik! Karl Ferdinand Hafts sich immer mehr als Bürger denn als Prinz gefühlt. Und gar nach dem glorreich verlorenen Kriege — du lieber Herrgott, man konnte doch auch als einfacher Branzell sehr, sehr gut leben. Aber mit solchen Gedanken wurde man das schwarze Schaf der Familie. Pfui Teufel!
Das Auto, das ihm Czerny zur Verfügung gestellt hatte, fuhr jetzt über das Kopssteinpflaster enger Seitenstraßen. Und es dauerte nicht lange, so bog es in die Ninggasse ein.
Schmal und engbrüstig sahen die Häuser aus, die schon alle sehr alt sein mußten. Die Romantik der Jahre hing um sie. Kleine Gärten streuten herben Blumenduft aus. Hier und da saßen alte Leutchen auf den Steinstufen der Haustore oder auf den Bänken in den Vorgärten. Kinder tummelten sich und bewunderten das schöne Auto. Die niedrigen Häuser mit dem grotesken Giebelwerk, das an Spitzwegfche Bilder gemahnte, waren vom Abendrot überhaucht.
Der Chauffeur hielt vor dem Hause Nr. 12 an. Es war neu gestrichen, der kleine Vorgarten sah besonders sauber und gepflegt aus, und die Flurtür zeigte dicke Messingknöpfe, die sicher eine Sehenswürdigkeit in der Gasse waren.
Ueber den unteren Fenstern des einstöckigen Hauses war ein weithin^ weihleuchtendes Holzfchild angebracht, darauf stand: -Feinstickerei und Näherei von E. Haller.
Der Prinz kletterte aus dem Kupee, winkte dem Chauffeur 3u:
„Warten Sie!"
Und ging eilig in das Haus.
Ein enger, dämmeriger Flur. Viele Türen. Solid und großväterlich alles.
(Fortsetzung folgt.)