Dienoiäg, Sen 11. Januar, abenv^ 8 Aht, spricht im Riiraerverein Pfarrer Gimm i aus' Zurich über »Die Methode J ihre psychologische Bedeutung und deren Folgerungen . vor kurzem Eâ«k Eouè ist der Schöpfer eines Ser« (Xens der Seldstbeeinflufsung, das viel besprochen worben “ ebenso wie sein Buch „Selbstbemeisterung", das aus wich- ’ Ledenssebiete der Gesundheit und Selbsterziehung hin- üprt Die Meinungen über die Methode Koué sind geteilt; ^eickÄvhl versagen auch die Gegner nicht die. Anerkennung / Erfolge, so z. B. Professor M. Friedlander, der dem Loten" Eouè nicht günstig gesinnt ist, aber doch die großen Erchlae der Einzelbehandlung bei Couè hervorhebt. Der Referent des Abends, Herr Pfarrer Gimmi, ist auch außerhalb einer schweizerischen Heimat ein gern gehörter Redner. Als ehemaliger Lehrer am Lonè-Fnstitut in Zurich ist er ein guter Kenner der Methode.
Evangelischer Frauenbund.
Die Mitglieder des Deutsch-Enal. Frauenbundes wer- den arkf'die am Montag, den 10. 'd. Mts. stattfindende Mitgliederversammlung hingewiesen.
Festgenommene Einbrecher.
Festgenommen und dem Amtsgericht zugeführt wurde am 5 1 1927 der 55jährige landwirtschaftliche Arbeiter Nikolaus Werner aus Marksuhl, Kr. Eisenach. Derselbe hatte sich in einer hiesigen Wirtschaft einguartiert und dort einen Kleiderschrank erbrochen und einige Sachen entwendet. - Anläßlich einer Fremdenkontrolle wurde heute der 26jährige lfchecho- slowakische Staatsangehörige Ferdinand Wünsch aus Prag, ber wegen verschiedener schwerer Diebstähle im Rückfalle aus dem deutschen Reichsgebiet ausgewiesen ist, festgenommen und in das hiesige Eerichtsgesängnis eingeliefert.
Fahrkartenuachlöjuug im Zuge.
Seit kurzem ist von der Deutschen Reichsbahngesellschaft — wie noch nicht genügend bekannt ist - der in den Tarifbestimmungen vorgesehene Zuschlag von 56 Pfg. bei Fahrkartennachlösung im Zuge in einigen Fällen beseitigt worden. Die Gebühr wird nicht mehr erhoben, wenn auf einer Anschlußstation eine Fahrkarte zur Weiterfahrt wegen Zugverspätung oder zu kurzer Uebergangszeit nicht gelöst werden konnte, ferner bei Weiterfahrt im gleichen Zuge über die Station hinaus, bis zu der die Fahrkarte gilt, oder bei Uebergang in eine höhere Wagenklasse, oder bei Benutzung eines Zuges mit höheren Fahrpreisen. Hierbei wird vorausgesetzt, daß sich der Reisende unaufgefordert beim Zugschaffner zur Nachlösung meldet.
* D n Lande. (7 Uhr Ladenschluß.) Vor einigen Tagen sand eine Kontrolle her ländlichen Ladengeschäfte auf Einhaltung der gesetzlich bestimmten Verkäufszei! statt. Wie nicht anders" zu erwarten, wurden überall Ueberfchreikungen festgestellt, was den Ladenbesitzern eine vorläufige Verwarnung eintrug, im Wiederholungsfälle tritt Bestrafung ein. Dies ist alles ganz schön und gut, Gesetze müssen befolgt werden, denn wohin sollte es führen, wenn ein jeder die bestehenden Verordnungen ignorieren wollte. Betrachten wir aber einmal die Kehrseite der Medaille! Die gleichmäßige Anwendung eines Gesetzes auf Hinz und Kunz wirk! sich sehr oft grundverschieden aus. Nehmen wir nur den 7 Uhr Ladenschluß heraus. In der Stadt ist tagsüber immer jemand in der Familie zuhause, der die nötigen Einkäufe besorgen kann. Wie sieht es aber damit auf dem Lande aus? Zu den Feldarbeiten müssen Kind und Kegel mit heran, niemand bleibt zuhause, erst spät abends kommt die ganze Familie heim. Beim Herrichten des Abendessens stellt es sich dann heraus, daß es an Essig oder Del mangelt, also schnell zum Krämer und das Fehlende besorgt. Die Geschäftsleute bekunden einstimmig, daß der Verkauf fast ausschließlich in den Abendstunden vor sich geht, wenn die Leute vom Felde heimkommen. Der 7 Uhr Ladenschluß bedeutet für das flache Land eine Härte, denn der Bauer kann nicht um 5 oder 6 Uhr von seinem Acker heimrennen, um vor 7 Uhr ^ajch estu âuud -^ulz cinzukaujen. Zeige Existenz hängt vom Wetter ab, nach dein er sich richten muß. Diesem Umstand sollte man auf dem Lande Rechnung tragen und eine Verlängerung bis mindestens 9 Uhr gestatten. Eine Menge Unannehmlichkeiten würde dadurch erspart. Auch die Arbeiter, die am Samstag abend ihren Wochenlohn nach Hause bringen, wollen sich gerne noch etwas für Sonntag kaufen. Kaufmännisches Personal kommt bei einer Verlängerung der Lierkaufs- frift nicht in Frage, da die Ladeninhaber ihre eigenen Verkäufer sind.
* Schlitz, 5. Ian. Am Dienstag abend nach %7 Uhr wyrbe unsere Stadt durch das plötzliche Ertönen der 'Feu- ersäreve in großen Schrecken versetzt. Es sollte in der 3imt'jdjen Tischlerei und Möbelschreinerei brennen. Zum Glück .erwies sich die allgemeine Aufregung als unnötig, da es sich nur um einen Schornsteinürand handelte, der durch einen starten Funkenregen den Ausbruch eines Feuers vermuten ließ. Die Feuerwhr brauchte nicht in Aktion zu treten, und die an der Brandstätte zusammsngeströmte Menschenmenge verlief sich rasch wieder, da ja „nichts los war".
* Schlitz. (Kommunalpolitisches.) Zwei große Kdkturwerke, welche dem Fortschritt in unserer Gemeinde bie« wert sollen, nehmen die ganze Tatkraft der Stadtverwaltung und das Interesse der Einwohnerschaft in besonderem Maße in Anspruch. Das Eine ist die Durchführung der vom größten Teil der Landbesitzer seiner Zeit beantragten Feldbereinigung in der Gemarkung Schlitz, eng verbunden mit der gleichzeitig in den benachbarten Gemarkungen Hutzdorf und Bernshausen stattfindenden, und das Andre ist die Durchführung der seit langem sich als notwendig erwiesenen Kanalisation. Für die Feldbereinigung, die im vorigen Frühjahr in Angriff genommen wurde, ist im Hause des Kaufmanns Otto Döring ein Vermessungsbüro eingerichtet worden, auf dem verschiedene Beamte, welche für die Zeit ihrer hiesigen Wirksamkeit — die sich noch auf einige Jahre erstrecken wird — zum Teil mit ihren Familien in unserer Stadt Wohnung genommen haben, , tätig sind. Die Vermessungsarbeit haben, wie man hört, im vergangenen Jahr gute Fortschritte gemacht, sodaß man auch im neuen Jahr mit einem raschen Fortschreiten der Arbeiten rechnen darf. Man ist unter anderem gespannt darauf, ob gelegentlich dieser Feldbereinigung eine Besserung, namentlich der Wiesen oberhalb unseres Elektrizitätswerks sich ermöglichen lassen wird, die nach allgemeiner Ansicht der Wiejenbesitzer infolge der dauernden Stauung der Schlitz durchs Elektrizitätswerk immer mehr versumpfen. Wo früher gutes Gras geerntet wurde, wächst jetzt oftmals derartig saures Gras, welches manchmal das „Abmachen" nicht wert ist. — Die Kanalisationsarbeiten, „ welche die Bürgermeisterei in dankenswerter Weise, mit Rücksichtnahme auf die Beschäftigung der Arbeitslosen. nicht wie in anderen Städten zur Sommerzeit — wo diese Arbeiten^ leichter und ohne den furchtbaren Dreck, der nunmehr die Straßen „verziert", zu bewerkstelligen wären, — sondern jetzt im Winter ausführen läßt, haben in den letzten Wochen gute Fortschritte gemacht Nachdem 1925 die Hinrer- gasse. Günthergasse und Bahnhofstraße bis zum Amtsgericht kanalisiert worden sind, ist jetzt auch die Kanalisation in dem größeren Teil der Straßen innerhalb der alten einstigen Stadt vollendet. Gegenwärtig wird, um den Anschluß der noch zu Lomälisierenden „Hainbuche" und „Hinter der Hainbuche" aus Kanalnetz in der Hintergassc zu erreichen, eine Rohrlegung im Herrengärten durchgeführt. Mögen eben auch Viele über den argen Dreck schimpfen, nach der Vollendung des Werks wird cs auch hier allgemein heißen, wie nach der Einführung des elektrischen Lichts: „Wohl den Meister — hier den Bürgermeister — will ich loben!"
* Schlitz, 5. Jan. (Jugendherberge.) Im vergangenen Jahre übernachteten in unserer Jugendherberge 185 Wanderer ließen 334 in 14125 und 206 in 1921. — Das Fest der silbernen Hochzeit feierten heute Herr Philipp Gerbig und Frau Margarete, geb. Hofmann.
* HmchAü, 6. Jan (PscMtuna mit Dc^chgm.). Ein häg- lahm Ratyeuic tourbe cm einem hiesigem Einwohner verübt. Derselbe sand am Morgen auf seinem Grundstücke eine Menge Brotkrumen, die von fremder Hand hingestreut waren. Als die Hühner davon gefressen hatten, erkrankten sie nacheinander und gingen ein. Beim ersten Tiere wollte man dieses noch schlachten und in der Familie verzehren. Erst als man sah, daß alle Tiere erkrankten, wurde man stutzig. Eine sachverständige Untersuchung ergab dann auch, daß die Brotkrumen anscheinend mir Strychnin vergiftet waren. Eine polizeiliche Untersuchung ist eingeleitet. Unter Umständen hätte die ganze Familie zugrunde gehen können.
* Hersfeld, 6. Jan. (Neue Startzenbeleuchiung.) Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte die Kosten für eine durchgreifende neue Straßenbeleuchtung, die sich auf 1000 Mk. belaufen dürfte. Es handelt sich um vier Nachtlampen, 54 Abendlaternen und zwei elektrische Lampen, die neu in Betrieb gesetzt werden sollen. Die Laternen an sich sind zum großen Teil schon vorhanden und bedürfen nur einer Reparierung und Inbetriebsetzung. Die jährlichen Aufwendungen für die Beleuchtung steigern sich hierdurch von 12 000 Mark auf 14 500 Mark. Weiter wurde die Abrechnung des .Kurbades genehmigt, die mit einem Ueber Muß von 4000 Mark abschließt. In Wirklichkeit ist allerdings ein Fehlbetrag vorhanden, da die für die Kriegs- und Nachkriegsschäden gemachten Aufwendungen in Höhe von 10 000 Mark noch zu decken sind.
Bebra, 6. Jan. (Eroßfeuer.) Der Schneidersche Gutshof in Mottenfelde wurde von einem gewaltigen Eroßfeuer heimgesucht, bas schweren Sachschaden anrschreie. Sämtliche Ernte- vorräte, 50 Schare, fast das gesamte Federvieh und alle landwirtschaftlichen Maschinen wurden ein Raub der Flammen.
Kassel, 6. Jan. (Wegen politischer Betätigung aus dem Dienst entlassen.) Wegen öffentlicher Beschimpfung ber Reichsfarbon hat der Disziplinargerichtshöf den Lehrer (brünblatt aus Kassel aus dem Dienst entlassen.
Kassel, 6. Jan. (50 Schafe bei einem Eroßfeuer verbrannt.) Auf dem Gute des Freiherrn v. Berlepsch in Mollenfelde brach gestern abend ein gewaltiges Großfeu- feuer aus. Das ganze Gut brannte bis auf das Wohnhaus und einige Stallgebäude völlig nieder. Während das Großvieh im letzten Augenblick noch gerettet werden konnte, fielen den Flammen etwa 50 junge Schafe zum Opfer; außerdem verbrannten zahlreiches Federvieh, Maschinen, Geräte und gewaltige Erntevorräte. Die Löscharbeiten wurden durch Wassermangel sehr erschwert. Als Entstehungsursache wird Kurzschluß angenommen.
Kassel, 6. Jan. (Ein guter Fang.) Die hiesige Kriminalpolizei hat in einem Verstecke in Wilhelmshöhe eine gefährliche Gaunergesellschaft unschädlich gemacht. Es handelt sich um eine Bande polnischer Landarbeiter, die in der ländlichen Umgebung Kassels verschiedene zum Teil schwere Einbrüche verübt und sich vor allem mit Lebensmitteln eingedeckt hatte. Ein Teil der Beute konnte bei einer polnischen Familie beschlagnahmt werden. Im Verlaufe der Untersuchung wurden noch weitere vier Personen verhaftet, deren Sündenkonto ebenfalls polizeilich bekannt ist. Einer der Festgenommenen hat am Sylvester- nachmittag einen räuberischen Hebers all von beispielloser Gemeinheit ausgeführt. Er schlängelte sich an einen gänzlich erblindeten Rentner heran und stahl dem alten wehrlosen Herrn eine goldene Herrenuhr sowie die Brieftasche mit 176 fOiarf Inhalt. Die wertvolle Uhr konnte bisher noch nicht herbeigeschafft werden. Angeblich ist sie einem russischen Arbeiter verkauft worden. Anzunehmen ist jedoch eher, daß sie einem Hehler übergeben wurde. Das Geld wurde bis auf 20 Jl wenige Stunden später bei einem wüsten Zechgelage vertrunken. Mit der völlig geglückten Aushebung des Nestes in Wilhelmshöhe ist eine Bande unschädlich gemacht worden, die die nähere und weitere Umgebung Kassels gebrandschatzt hat. Sie wird jetzt vor den Kasseler Gerichten ihrer Aburteilung entgegensehen.
Marburg, 5. Jan. (Beschlüsse des Stadtparlamentes in Marburg.) In ber gestrigen Sitzung ber Stadtverordnetenversammlung wurden ii. a. aus den für das Wasserwerk zur Verfügung stehenden Anleihemitteln 69 000 Mark für eine Was- 'srlcitüng von See ibenberufen über die Capplerstraßk nach ber Eisselberacrftraße bewilligt. Mit dem Bau dieser Wasserleitung hofft man neues Baugelände zu erschließen. Für die Errichtung eines 4. Doppelwohnhauses auf ber Weise wurden 30 000 Mark aus Anleihemitteln bewilligt, ferner 3000 Mark zur Gewährung von Umzugsbeihilfen. Genehmigt wurden ferner die Halbjahrsbilanzen für die gewerlküchsn Betriebe ber Stabt, die sich alle auf der Höhe des Vorjahres bewegen. Hierbei wurde mitgeteilt, daß noch vor dem 1. April Äs. Js. zwei neue Wagen für die elektrische Straßenbahn eintreffen werden. Zur Bewilligung einer einmaligen Zuwendung an die städtischen Beamten, Lehrpersonen usw. konnte man sich noch nicht entschließen; die Vorlage wurde bis zur nächsten Sitzung zu- rückgestellt. Im übrigen sind noch der Verkauf eines Bauplatzes an der Höhlsgajse und der Erwerb eines Hauses in Weidenhausen zu erwähnen.
* Gießen, 4. Jan. Ein Todschlcrq in der Nervenheilanstalt an ber Litzerstraße ereignete sich letzte Stacht. Ein Patient, der an Verfolgungswahnsinn litt, geriet mit einem anderen Kranken in Streit, da er glaubte, ber andere habe ihn bedroht. Der zweite aber erwiderte die Schläge kräftig und schlug den ersten Kranken mit ber Faust nieder. Beim Wegtragen starb er. Ee- "iidcsürztliche Untersuchung ist eingeleitet. Der Tote ist aus Gießen. _ ' * > ; * ^ i fW
^ Gießen, 5. Jan. (Die Schlägerei in der Gießener Nervenheilanstalt.) Zu dem von uns gemeldeten Streit zweier Patienten der hiesigen Heil- und Pflegen nftalt. nach dessen Beendigung her eine Kranke verstarb, erfahren wir von zuständiger Seite, daß nach dem Ergebnis der gcrichtsärztkichen Sektion der Tod des Kranken nicht auf Gewaltanwendung zurückgeführt werden kann, sondern daß ber Mann einem Schlaganfall infolge Aufregung erlegen ist. Der tragische Ausgang der Schlägerei ist demnach als ein unglücklicher Zufall anzusehen. Der ebenfalls nervenkranke Gegner des Toten kann für seine Handlungsweise nicht verantwortlich gemacht werden.
* Lich, 3. Ian. Ein V e r sö h n u n g s f e st beging der Gemeinderat unseres Städtchens in seiner Iahrescnd- Sitjung. Es soll dieser alte Brauch die harten Stampfe, die das Jahr über in den Sitzungen zwischen den Vertretern der einzelnen Parteien ausgefochten wurden, wieder ausgleichen. Der Vorsitzende, Bürgermeister Völker, hielt die Versöhnungsrede und begrüßte besonders auch die ein- geladenen Frauen der Stadtväter. Bei musikalischen und .humoristischen Darbietungen herrschte eine allgemeine friedliche Stimmung.
* Grünberg, 4. Jan. Der bei dem furchtbaren Neujahrs- Unglück in Lumda getötete Obersteigerssohn Karl Sekt wurde unter starker Beteiligung beerdigt. Der junge Mensch war gräßlich zugerichtet worden, die Unterarme waren abgerissen, bie Oberarme zerfleischt, die Brust zerschmettert, das Gesicht zur Uukünntlichkeit verstümmelt. Der Waldarbeiter Ernst Theiß wurde mit zerschmettertem Arm und abgerissenen Fingern in bie Klinik nach Gießen überführt. Waldarbeiter Otto Stark erlitt Brandwunden im Gesicht, Schlosser Heinrich Seng wurde durch Sprengstücke am Oberschenkel verletzt. Sämtliche Verunglückten stehen im Alter von 16—19 Jahren.
* Vom Vogelsberg, 4. Jan. Ein Ski-Rennen beabsichtigt bie Ortsgruppe Gießen des Ski-Klubs Sauerland am 9. Januar auf dem Hoherodskopf abzuhalten. Es finden Langlauf. Springen, Abfahrlslauf für Herren, Damen und Jugendgruppen statt. Da heute wieder Neuschnee gefallen ist, so werden bie Teilnehmer eine günstige Ski-Bahn vorfinden. Ueberall sieh! man Kommandos von Arbeitslosen, bie mit dem Frei- schaufeln der verwehten Kreisstraßen beschäftigt sind.
Bom NsisâLrètzZ 5 • Jan. Eine neue A u t ol s-' nie quer durch oe u £ ü geisberg beschLWAe dieser Tage eine Verkehrs-Konseränz unter Leitung des Re- gierungsrates Weber. Sie soll von Alsfeld über Vadenrod, StorNdorf, Ateiches und Helpershain nach Ulrichstein führen und eventuell nach Schotten weitergeführt werden. Auch über die Verkehrsmängel auf der Strecke Schotte n—N idda wurde verhandelt und in erster Linie gefordert, daß Sonntags wieder der Frühzug nach Schotten eingelegt wird. Bürgermeister Mengel teilte mit, daß die neue Autolinie Schotten—Ulfa—Hungen in dieser Woche eröffnet wird.
* Dom oberen Vogelsberg, 5. Jan. Durch Rauhreif und Schncebrcuh wurde in den Waldbeständen des Oberwaldes an zahlreichen Steller, ziemlicher Schaden verursacht. Besonders Harr mitgenommen wurden einzelne Fichlenbestände.
* Aus Oberhessen, 4. Jan. Am Küchenherd schwer ver- brannl ist in dem Landstädrchen Grebenau eine Bauersfrau, die mit dem Backen von Pfannkuchen beschäftigt war. Der Ehemann geriet beim Löschen ebenfalls in Brand. Beide mußten ins Krankenhaus Alsfeld verbracht werden. Die Ehefrau schwebt in Lebensgefahr. ----- In Lollar wollte ein 12jähriger Schuljunge Neujahrsschießen probieren. Das Schicßding explodierte und verletzte den Knaben so schwer, daß er in die Klinik nach Gießen überführt werden mußte. — Spurlos verschwunden ist seit fünf Tagen der 23 Jahre alte Wilhelm Hotz von Friedberg. Er wollte am Sylvesterabend an einer Ver- einsfefilidjteu teilnehmen. Die Angehörigen halten Selbstmord für ausgeschlossen und befürchten, daß der Sohn von Agenten der Fremdenlegion verschleppt worden ist. — In Beuern feierten die Eheleute Georg Nachtigall goldene Hochzeit im Kreise ihrer Kinder und Enkel. — In Bad-Salzhausen wurde auf Anregung des Badearztes Dr. Balser eine Ortsgruppe des Verbands Deutscher Jugendherbergen für Nidda und Salzhausen gegründet, außerdem wurde in der Nähe des Gradierwerkes eine Jugendherberge eingerichtet.
Frankfurt a. M. (Bor 2 ohn sümpfen t n bei) chemischen Ind uff r i e.) JM-Bezirk Maingau der ckemi-» schen Jnvusirie, der sogenannten Sektion 8, haben die Arbeit« nohmer den geltenden Lohntarif gekündigt und neue Lohnforderungen gestellt, über deren Einzelheiten bisher nichts Genaues! bekannt ist. Von dieser Kiindigrrng ist vor allem J. G. Farbe»-l inbuftric betroffen.
Frankfurt a. M., 6. Jan. (Sie kehrten alle zu- r ü ck.) Ein treffliches Zeichen guter Erziehung boten 40 Kinder des nassauischen Aufnahineheim's Steinmühle im benachbarten Obererlenbach. Die Mädchen erhielten von der Anstaltsleiterin zu Weihnachten einen längeren Urlaub in die Heimat zu den Angehörigen. Obwohl bei ihnen die dringende Gefahr vorlag, daß sie nicht wieder zu- rücktehrten und obwohl man die Anstaltsleiterin eindringlich vor diesem gefährlichen Experiment des Urlaubs gewarnt hatte, übernahm die Direktion im sicheren Vertrauen auf ihron Einfluß auf die Mädchen die Verantwortung. Das Vertrauen wurde nicht getauscht. Sämtliche Mädchen kehrten freudestrahlend pünktlich zur festgesetzten Zeit in das Heim zurück und hatten damit das in sie gesetzte Vertrauen glänzend gerechtfertigt.
Frankfurt a. M., 5. Ian. (Eine zweite Frankfurter Sunda-Expedttion.) Im Anschluß an die große Sunda- Expedition, die Dr. Johannes Elbert im Jahre 1911—12 im Auftrag des Frankfurter Vereins für Geographie und Statistik ausgeführt hat, reift in diesen Tagen eine zweite Expedition unter Führung von Dr. V. Rensch-Berlin nach den kleinen Sunda-Inseln ab. An dieser Expedition, die durch reiche Spenden der Herren Oskar F. Oppenheimer und Geheimrat Dr. Arthur von Weinberg-Frankfurt a. M. und auch der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft ermöglicht wird, nimmt im Auftrag der Sencken- bergischen Naturforschenden Gesellschaft der Kustos des Senckenberg-Museums, Dr. Robert Martens, teil. Es ist! der Besuch zahlreicher wenig oder gar nicht erforschter Inseln in diesem zco-geographisch wichtigen - Grenzgebiets zwischen der indischen und australischen Tierwelt geplant.^ Forschungsreisen nach den Sunda-Inseln im Auftrag der! Senckenbergischen Gesellschaft sind wiederholt schon ausge-' führt worden. Co bereiften Wilhelm Kükenthal in den Jahren 1893—91 Borneo, Celebes und Halmahera und H. Merton von 1907—98 die Aru- und Kei-Inseln. Ein großer Teil der bei diesen Reisen gemachten zoologischen Funde befindet sich im Besitze des Senckenberg-Museums. Zum Studium der Schmetterlingsfauna von Brasilien hat sich der Kustos der Jusektensammlung des Senckenbcrgi- schon Museums nach dort begeben. Auch diese Reise ist durch Spenden der genannten Frankfurter Herren ermöglicht worden.
Offenbach, 6. Jan. (80jähriae Zwillingskindor.) Das Zwillingspaar Heinrich Kraus unb Wilhelmine Bottmann, geb. Krauß, feiert am Freirag in voller Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. Der jugendfrische Greis versteht seit nunmehr 40 Jahren auch ben Helferdienst in der kaiholiichen Gemeinde und bekleidet leit Jahrzehnten die Stelle eines Kassierers der Ortskrankenkasse. *
Wiesbaden, 5. Jan. (Separatist Dorten als Handlungsreisender.) Der einmalige Staatsanwalt Dr. Dorten, der f. Zt. als Separatistenführer im besetzten Gebiet eine üble Rolle spielte, hat sich französijchen Blätrern zufolge in Nizza als Geschäftsagent niedergelassen.
Dortmund, 7. Jan. (E i n S y l v e st e r s ch e r z.) Ein hiesiger Einwohner, dem es nach durchzechter Sylvesternacht zu warm geworden war, verkaufte am Hauptbahn- hof seinen U eberzieh er für ganze fünf Reichsmark. Als der Käufer verschwunden war, mußte der Mann die betrübende Feststellung machen, daß er seine Brieftasche, in der sich 50 Mark befanden und die in der inneren Manteltasche steckte, mit verkauft hatte.
W.ri^ o^n Wilma.
Von Dr. H. R. Lau g e n.
Ein türkischer Arzt. Hulussi Mustafa in Tiarbebir ist auf bie Idee gekommen, zur Bekämpfung der Malariamücken Giftgase zu verwenden. In sumpfigen Gegenden und ausgedehnten Bezirken mit stehendem Gewässer würbe bas Vergasen keine Schwierigkeiten bereiten und allen Minken und Atilwenlarven den Garaus machen. Hulussi Mustafa brachte feine Gedanken zur Kenntnis des Präsidenten der Türkischen Republik. M-stafa Kemal Pascha, der bie Akten im März 1925 an bas Gesundheitsamt in Konstantinopels weiterleitete. Nach einigen Ladorato- rinmsversucken hielt man den originellen Gedanken für erwägenswert. Auch auf dem im September 1925 in Angora abgehaltenen türkischen Acrztekcmgrcß wurde diese Idee lebhaft begrüßt. Inzwischen brachte das „Journal of the American Medical Association" vom 23. Oktober 1926 eine Mitteilung von Andrew Balfour, dem Direktor des Londoner Instituts für Hygiene und Tropemneöizin. Darin mürbe bie Priorität des Gedankens einer Malariabekämpfung durch Giftgase für einen englischen Gelehrten beansprucht. In den „Mitteilungen ber Royal Society of Tropica! Stebecine and Hygiene" veröffentlichte Dr. K. B. Williamson schon im Jahre 1924 einen Aufsatz über den „Gebrauch non Gasen und Dämpfen zur Tötung von Moskitos", worin eine Uebersicht über die Resultate der betreffenden Untersuchungen während des Krieges gegeben wurde. Williamson untersuchte eine große Anzahl Gase, vor allem Chlor und Chlorverbindungen. Durch Forii-chrung ber. Versuche in großem Maßstabe wird sich ergeben müssen, ob diese Idee einer neuartigen Malariabekümpfung eine Zukunft hat.