Rom. Berwattdie Vos hörigen PapsteS Benedikt haben auZ dem Nachlaß des Verstorbenen Splitter des Christuskreuzes Mussolini als Geschenk überreichen lassen.
Rewyork. Mit Ablauf des 31. Dezember 1926 hat die Wcltausstcll u n g von Philadelphia ihre Tore geschloffen. 1 Der Mißerfolg, den diese Ausstellung gehabt hat, ist bereits ; seit langem bekannt gewesen.
j Newyork. Nach weiteren Meldungen aus dem E r d - i beb enge biet ist der an der mexikanischen Grenze liegende : Vulkan „Black Butto" ausgcbrochcn. Es ist noch unbekannt, , wieviel Menschen umgekommen sind.________________________
Aus dem Gerichissaal.
§ Wegen Beleidigung des Hamburger Senats verurteilt. Das Erweiterte Schöffengericht des Hamburger Anüsgerichtcs verurteilte den verantwortlichen Redakteur Albert Heinrich Meyer von der kommunistischen Hamburger Volkszeitimg wegen öffentlicher verleumderischer Beleidigung des Hamburger Senats durch einen Artikel vom 23. September 1926 zu einer Strafe von drei Monaten Gefängnis.
§ Freispruch im Gotteslästcrungsprozefr Gläser. Vor dem Großen Schöffengericht tn Kassel fand die Verhandlung gegen den Autor der Tragikomödie „Seele über Bord", Ernst Gläser, wegen Gotteslästerung statt. Nach 9>2stündiger Verhandlung fällte das Gericht, entgegen dem Antrag des' Staats- a walts, der wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses eine Gefängnisstrafe von einem Monat unter Bewilligung einer dreijährigen Bewährungsfrist beantragt hatte, folgendes Urteil: Der Angeklagte wird von der Anklage der Gotteslästerung freigesprochen, da sich herausgcstcllt hat, daß ein abgcändcrtes ' Manuskript, das zu der Vorstellung in Kassel nicht benutzt < de, zur Erhebung der Klage geführt bot. Ebenso wird ; Gläker von der Anklage der Erregung üsfeutlichen Ärgernisses ; frcigcsprocken. Die Kosten der Verhandlung trägt die ' Staatskasse.
§ Der Zwischenfall in Wörsdorf vor Gericht. Vor dem englischen Militärgericht in Wiesbaden fand die Vorverhandlung der Mörsdorfer Angelegenheit statt. In Wörsdorf hatte bc- kaumiim am Weihnachtsabend eine Schlägerei zwischen englischen Soldaten und einigen jungen Leuten stattgcfunden, die deshalb in Haft genommen worden waren. Der Verteidiger der Angcschuldigten verlangte die Freilassung der vier Inhaftierten unter Hinweis darauf, daß cs sich um angesehene Gerne indemitglieder handle, denen die besten Zeugnisse zur Verfügung ständen. Der Zwischenfall sei durch das herausfordernde Benehmen der Soldaten hervorgerufen worden. Der Antrag des Verteidigers wurde vom Staatsanwalt abgelchnl. Die Hauptverhandlung wird in kürzester Zeit stattsindcn.
Vermischtes.
= Die Lepra im Perserteppich. Sonderbare Dinge erfährt man durch den Verband der Deutschen Teppich- und Möbelstoffhändler. Es hatte im Sommer 1926 eine westdeutsche Zeitung berichtet, daß in Göttingen zwei Kinder, die aus einem orientalischen Gebetteppich gespielt hatten, an Lepra lAussatz) erkrankt seien. Obwohl die Nachricht damals sofort dementiert wurde, hat das Gerücht sich dock) rasch weiterverbreitet und die Teppichhändler scheinen zu befürchten, daß der Teppichverkauf zurückgehen konnte, weil jeder, der sich einen echten Perser kaufen kann — sehr viele sind das ja nicht —, das einstweilen unterlassen dürfte in der Besorgnis, er könnte sich mit dem Perser die Lepra ins Haus schleppen. Die Teppichhändler berufen sich auf ärztliche Autoritäten, die der Meinung seien, daß es wenig wahrscheinlich sei, daß die Lepra durch Gegenstände übertragen werde; der Direktor des Instituts für Schiffs- und Tropenkrankheiten in Hamburg halte sogar die Möglichkeit einer Übertragung von Aussatz durch Perserteppiche für völlig ausgeschlossen.
= Rauche, trinke, bummle, dann wirst du 100 Fahre alt! Der Fockei Faulkner ist wütend auf William Smith. William Smith ist jener Ire oder Schotte, der kürzlich im Alter v^n 126 Jahren gestorben ist und noch kurz vor seinem Tode der Welt mitgeteitt hatte, daß man so alt wie er nur dann werden könne, wenn man sehr mäßig lebe, nicht rauche, wenig trinke und frühestens, mit 60 Jahren heirate. Der Jockei Faulkner sagt, das âes sei Unsinn. Der Jockei ist allerdings gegen William Smith ein unmündiges Kind, denn er ist soeben erst hundert Jahre alt geworden. Aber immerhin — mit hundert Jahren kann man auch schon einige Erfahrungen haben. Also der Jockei Faulkner meint, daß der Mensch nach Gutdünken rauchen, trinken und sonstige Allotria treiben und doch ein ummekgreis werden könne. Er selbst sei ein lebendes D eDp-el für die Nichtigkeit dieser goldenen Lebensweisheit. Noch Heute könne er, obwohl er immer ein Feind des „Alles mit Maß" gewesen sei, auf die Berge Heitern, kilometerweit spaGerenseben und, wenn es darauf ankomme,
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Der Kunpelhof.
Roman von Alfred Vock.
11] (Nachdruck verboten.)
Während er also mit Leidenschaft sprach, schlug der Mariann das Herz zum Zerspringen. Sie sah, welchen Schatz von Liebe und Treue der Fried ihr entgegenbrachte, und empfand nun als doppelte Schuld, ihn vor dem Vater verleugnet zu haben. Eine Stimme ward in ihr laut: lag alles im Stich und nimm den Fried. Der zeigt dir immer ein Conntagsgesicht und trägt dich auf den Händen. Aber es war doch nur ein Augenblick, daß sie dieser Regung nachgab. Ihre Eewissenszweifel gewannen sogleich wieder die Oberhand.
„Fried," sagte sie, ohne ihre Erregtheit verbergen zu können. „Du meinst, mein Vater wüßt' von nix. Das is net eso. 's hat's ihm Wahrscheins eins zugebischbert, dann he hat mich vorgenommen."
Der Fried ritz die Augen auf.
„Krieg dis Krammenot! Ei wann dann?"
„Samtstagabend."
„No und?"
Sie senkte den Kopf.
„Ich hab's geleugent."
' „Du hast's geleugent?"
„Gell das war schlecht?"
Er hatte sie fest umschlungen gehalten, nun gab er sie plötzlich frei und sagte bestürzt: „Ja das war schlecht."
Ihr Atem ging schwer.
„Ich will dir erzählen, wie's kommen is. Erst hat mich mein Vater angeranzt. Und da frag ich's mit der Angst. Und sein dir ganz verstabert gewest. He hat mir obendrein angekündigt, wann's doch sein sollt, daß ich was mit dir hätt', dernach wären wir geschiedene Leut', und mein Platz war vor der Tür."
„Und was is nu?" fragte der Fried mit unsicherer Stimme, wie jemand, dem nichts Gutes schwant.
„Mein Vater sitzt empfing auf seinem Hof", versetzte sie. „und is kränklich. He hat mich, sonst keins. Das siehst du doch ein, fortlaufen kann ich net."
Er lachte kurz auf.
„Ja freilich, das sehn ich ein."
„Mutzt net so sein, Fried," sprach sie kummervoll. „Du weißt net, wie weh mir is. Ich setz den Fall, ich gehn bei
sogar noch M den Sattel steigen. Ek habe üii Laufe der Jahre mehr als fünfzig Unfälle leichter und schwerer Natur erlitten und trotzdem erst mit 85 Jahren das Weberei tcn aufgegeben. Also William Smith habe sich mit seinen Mäßigkettspredigten ruhig begraben lassen können, was er ja auch getan hat.
— Vom Straßenjungen zum Millionär. In Newyork in der fünften Avenue starb vor kurzem in seinem Palast der größte Fruchthändler der Welt, Joseph Steinhardt, genannt der Äpfelkönig, im Alter von 62 Jahren. Steinhardt ist in Taubcrbischofsheim in Baden als der Sohn eines Schuhmachers geboren und kam als 12jähriger Knabe zu Verwandten nach Newyork. Schon nach ein paar Wochen warfen sie den Jungen mit 25 Cents in der Tasche aus die Straße. Das Kind ernährte sich als richtiger Straßenjunge durch allerlei Beschäftigung, mußte aber oft hungeru. Als er eines Tages von einem Fuhrmann für Hilfeleistung eine Tüte Äpfel bekam, verkaufte er den nicht aufgezehrten Rest als Hausierer. Er fand, daß sich dieses Geschäft von allen bisher versuchten am besten rentiere, und blieb dabei. Steinhardt assoziierte sich schließlich mit einem anderen Jungen, einem Iren namens Kelly. Die so entstandene Firma ist die größte Obstfirma der Erde geworden. Die Firma verleiht jedes Jahr vier Millionen Dollar an Obstzüchter und bezahlt jährlich den Eisenbahnen 2% Millionen Dollar an Fracht. Der Jahresumsatz beträgt ungefähr 15 Millionen Dollar.
= Wie wird eS mit 1927 werden ? Alle Sterndeuter und Hellseher, wes Landes sie auch fein mögen, sind der Ansicht, daß wir in ein Katastrophenjahr hm ungeraten sind, und daß der Welt in diesem Jahre übel mtgcfpielt werden lvird. Nur der Astrologe Paulus ist ein bißchen freundlicher gestimmt. Er meint, daß zwischen dem 27. Februar und dem 22. März Deutschland Glück haben wird, und daß man darum diese Zeit benutzen sollte, um mit der Schweiz, Polen, Schweden unb Österreich gute handelspolitische Beziehungen herzustellen. Mit Rußland aber ist es aus: Revolution ist noch das mindeste, was die unerbittlichen Sternforscher dort in Vorbereitung sehen. Auch die Engländer können sich gratulieren: noch sind sie den einen großen Streik nicht ganz los, da stellen ihnen die Astrologen schon einen neuen, noch größeren in Aussicht. Auch vor Indien wird England sich zu hüten haben: es soll dort Aufstände geben, und es sollen viele Millionen Sierlingpfunde aufgebraucht iverben, ehe man mit den Landsleuten Ghandis und Rabindranath Tagores fertig werden wird. Und an all dem hat der Planet Saturn schuld, weil er irgendwie unangenehm wirkt. Frankreich dagegen wird es sehr gut gehen, wobei man allerdings hinzufügen muß, daß das ausschließlich ein französischer, vielleicht von dem Planeten Poincarä beeinflußter Sterngucker sagt. Der amerikanische Hellseher Withcomb verdirbt aber den Franzosen das ganze Ver- i gnügen, indem er kurz und bündig mitteilt, daß zu Weihnachten 1927 sich Österreich an Deutschland angeschlossen haben wird.
— Houdinis Geist bereut. Houdtm war jener berühmte, in der ganzen Wett bekannte Entfesselungskünstler, der einen großen Teil seines großen Vermögens aufgewendet hat, um betrügerische Medien zu entlarven und in anti- spiritistischen Vorträgen den Kampf mit den Geistern auf» zunehmen. Kurz nach einem solchen Vortrag ist er vor einigen Wochen gestorben und die Spiritisten erklärten sofort, daß ihm recht geschehen sei und daß die Geister sich an ihm gerächt hätten. Das scheint den toten Houdini tief gekrankt zu haben. Aus den Fesseln des Grabes zwar konnte er sich leiblich nicht mehr befreien, aber er ist jetzt, wo er selbst ein Geist ist, zu der Überzeugung gelangt, daß das mit den Geistern seine Richtigkeit habe. Da er MUeDM? eiir "mrstänviMr Mann war, hielt er e£ für ehrlich, den Medien und seinen Geifterkollegen eine ttadf? trägliche Genugtuung zu verschaffen. Die amerikanischen Spiritisten machen in ihren Blättern die Mitteilung, daß der Entfesselungskünstler kürzlich in einer „Seance" erschienen sei und durch den Mund eines Mediums bekannt- gegeben habe, daß er seine Angriffe gegen die Spiritisten aufs tiefste bereue, da er nunmehr den Beweis habe, daß es tatsächlich Geistererscheinungcn gebe. Die amerikanischen Nichtspiritisten meinen allerdings, daß die ganze Geschichte eine gut erfundene Geisteranekdote sei.
— Frankreichs Einwohnerzahl. Von Zeit zu Zeit hört man, daß Frankreich im Sterben liege, da seine Einwohnerzahl dauernd zurückgehe. Das ist zum mindesten i stark übertrieben. Die Bevölkerungszahl unseres Nachbarlandes jenseits des Rheines wächst zwar nicht gerade i überwältigend, aber sie wächst. Die soeben veröffent- < lichten Ergebnisse der französischen Volkszählung von 1926 liefern den Beweis hierfür. Frankreich hatte im
dich, dernach tät ich mich doch an meinem Vater versündigen. And an unserm Herrgott auch. Letzt erst hat's der Pfarrer gepredigt: Ungehorsame, verstockte Kinder sind dem Herrgott ein Greuel und machen sich zeitlicher und ( ewiger Strafe schuldig."
„Wann sich zwei wirklich gern haben," sagte der Fried mit flammenden Augen, „hat sich keins er einzumischen, = kein Vater, kein Pfarrer, kein Herrgott net."
„Fried, das is schandlasterlich!" rief die Mariann er? ; schrocken.
Er stand auf.
„Alleweil is mir's klar: bu hast mich net gern."
Ihr schossen die Tränen in die Augen, und sie bedeckte ; ihr Gesicht mit den Händen.
Er schritt ein paar mal um den Vorn herum. Plötz- i lich stürzte er vor ihr nieder und umklammerte ihre Knie.
„Mariann, ich bitt' dich um alles in der Welt, sei net obstenat. Wann du dich von mir abwenden tust, mein Lebtag sein ich unglücklich."
„Daß ich argwillig bin," schluchzte sie, „das traust mir doch n^i zu."
Ein Schimmer von Hoffnung glomm in ihm auf.
„So mag's bleiben mit uns, wie's war."
„Nee, Fried," sagte sie leise, aber entschlossen. „Schlimm genynf, daß ich einmal gelogen hab. Morn will ich ohne Falsch vor meinen Vater treten."
Er richtete sich empor.
„Das soll soviel heißen: zwischen uns is es aus?"
Sie schwieg.
Eine Weile stand er völlig zerknirscht. Dann stieg er langsam den Hang hinauf und war bald im Dunkel des Wäldchens verschwunden.
Ihr war's, als mutzte sie ihn zurückrufen. Aber sie hielt an sich. Was half auch alles Lamentieren?. Sie war dem Vater Gehorsam schuldig.
VII.
Der Hannpeter stand auf der Finkelhöhe in Mittags- sonnenglut. Zu seinen Füßen sah er das Dorf, den glitzernden Rödelbach und die von mächtigen Basaltblöcken um? aren^te Hommelwiese, auf der der Schäferkaspar seine Schafe weiden ließ. Ueber das farbenreiche Bild hinweg wanderten seine Blicke in das weite, wellige Gelände, durch das sich wie ein glänzender gelber Streifen in vielfachen Krümmen die Landstraße zog:
Es war ein Tag vor dem Kriegerfest. Der Matz wurde
März 1926, wie sein Innenministerium mitteUt, 40 743 851 Einwohner, darunter 4 498 230 Ausländer. Dies bedeutet gegen 1921, das Jahr, in dem die letzte Volkszählung ftattfanb, eine Zunahme von einer Million Ausländern und einer halben Million Franzosen. Kriegsende und Frankin-, flation haben die Ausländer ins Land gelockt. Das Departement der Seine — Paris — steht mit 423 784 Ausländern an der Spitze. Es folgen das Norddepartement — Lille mit 223 000 Ausländern (zum großen Teil Bergarbeiter), Marseille mit 180 000 Ausländern (Italiener), das Industriegebiet des Pas de Calais mit 153 000 Ausländern, Lyon mit 63 000 und Bordeaux mit 30 000.
= Die Atmung der Flieger. Über physiologische und medizinische Beobachtungen beim Fliegen macht der Züricher Privatdozent Dr. Alder bemerkenswerte Mitteilungen. Die Möglichkeit, in große Höhen zu steigen, ist begrenzt durch die Abnahme des Sauerstoffes in der Luft. Man verspürt in Höhen von 4000 bis 6000 Meter an bereits den Sauerstoffmangel. Über 7000 Meter wird das Leben a^f die^Dauer unmöglich. Während der Bergsteiger durch die körperliche Anstrengung zur tieferen Atmung angeregt wird, fehlt beim Flieger eine solche Anregung; er muß deshalb früher als der Bergsteiger zur künstlichen Sauerstoffzufuhr seine Zuflucht nehmen, theoretisch könnte er dann Höhen bis zu 14 000 Meter erreichen. Bei raschem Aufstieg wird der Fliegerneuling etwa in einer Höhe von 4000 bis 4500 Meter von Mattigkeit und Schläfrigkeit befallen. Der geübte Flieger bleibt noch in 6000 Meter Höhe zu genauen wissenschaftlichen Beobachtungen fähig. Über 6000 Meter Höhe wird die Atmung langsamer und unregelmäßig. Falls nach der Landung noch Zeichen der Ermüdung des Herzens vorhanden sind, bedarf der Flieger vor einem neuen Flug« einer mehrstündigen Ruhepause. Die wiederholt ausgestellte Behauptung, daß sich bei Berufsfliegern eine Vergrößerung des Herzens entwickle, konnte von den Schweizer Ärzten nicht bestätigt werden. Auch die Verdauungsorgane werden nicht beeinflußt; zur Vermeidung von Gasaustreibungen des Magens sollen vor Hochslügen schwere und blähende Speisen vermieden werden.
— Charleston in der Luft und in Schweden. Viele behaupten, daß der Charleston, jener Urwaldtanz, bereits im Sterben liege. Andere dagegen sagen, daß er jetzt erst recht auflebe, und diese andern scheinen recht zu haben. Charleston wird jetzt nämlich sogar in der Luft getanzt. Auf einem Flugzeug, das den Luftverkehr zwischen Paris und London vermittelt, hat man dieser Tage in taufend Meter Höhe den ersten schüchternen Versuch mit dieser Tanzübung gemacht. Ein Pariser Tanz.- merster und seine Partnerin produzierten sich v»--' etwa zwanzig Passagieren und ein Grammophon machte die Musik dazu. Dann wurde einigen Passagieren Unterricht im Charleston erteilt, und es soll, wie es heißt, auch fürderhin so gehalten werden, so daß auf der Luftstrecke Paris—London sich ganz unterhaltsame Tanzkränzchen entspinnen werden. Dagegen scheint man in Schweden im Charleston ein Haar gefunden zu haben, wenn man so sagen kann. Einige Gemeindeverwaltungen treten dafür ein, daß das freche Getanze streng verboten wird, da es für die Umgebung gefährlich sei. Aber Schweden ist schließlich nicht die Welt, und wenn dort für den Charleston kein Platz ist, bleiben immer noch, wie gesagt, die höheren Luftschichten als Tanzplatz.
— Die Zigaretten der Mäuse. Das Rauchen bei der Damenwelt ist so modern geworden, daß heute nach Ansicht der Ärzte 50 % der erwachsenen Mädchen und o n Raucherinnen sind, während weitere 25 % mindestens au den
Nun will man aber feftgeffeöt haben, daß bei leidenschaft- : lichen Raucherinnen und vor allem bei Tabakarbeiterinnen viel häufiger als bei anderen Frauen der gleichen Altersstufen Fehlgeburten Vorkommen. Um festzustellen, ob solche Zusammenhänge zwischen der Zigarette und den Ge-- burten tatsächlich bestehen, haben mehrere Ärzte in Berlin mit Mäuse- und Rattenweibchen interessante Rauchversuche geachi. In kleine, dichtschließende Glaskasten, in denen die Tiere untergebracht waren, wurde durch eine besondere Vorrichtung Zigarettenrauch eingesogen. Auf diese Weise hat man weiblichen Mäusen und Ratten pro Tag drei Zigaretten zu „rauchen" gegeben, ein für so kleine Tiere geradezu fabelhaftes Rauchquautum. Es ging aber den rauchenden Ratten- und Mäusefrauen auch weiterhin ganz gut: sie brachten so normale Kinder zur Welt, daß die Ärzte den Schluß ziehen konnten, daß der Zusammenhang zwischen Fehlgeburten und starkem Rauchen ein zusälliger ist.
heute in der Heimat erwartet. Der Hannpeter hatte sich ; erboten, ihm eine Strecke Wegs cntgegcnzugehen, um mit i ihm den Heiratsplan zu besprechen. Die Sache war ihm
von Wichtigkeit, nicht bloß wegen des Sacks Mehl, der für ihn als Freiersmann abfallen würde, sondern auch aus der Erwägung heraus, daß der Matz sich seiner Verpflichtung gegen ihn erinnern werde, wenn er ihm den Hof des Dotzheimerberz erheiraten half. So eine Art Faktotum bei dem jungen Bauer zu werden, das schwebte dem Hann- peter vor. Seine Lage war just nicht die beste. Er lebte aus der Hand in den Mund und suchte nebenher seine Profitchen zu machen. Mit seinen paar Lappen Land durfte er sich nicht vermessen, im Dorf eine führende Rolle zu spielen, wozu ihn, sein Verstand wohl befähigt hätte. Indessen war er inmitten zahlreicher Familienzwiste und scharf hervortretender politischer Gegensätze mit allen Gutfreund. Ein gut Teil Scheinheiligkeit machte ihm das leicht.
Der Schäferkaspar kam die Höhe herauf. Er war froh, jemand entdeckt zu haben, mit dem er wenig schnurren konnte. ^ Seine beiden Hunde hatte er bei der Herde zurückgelassen. -
„Was tust bu dann hier oben bei dere Hitz?" sprach er den Hannpeter an.
Der entgegnete: „Ei, Kasper, wer wird dann so neu? schierig sein!"
„No, man wird doch noch fragen dürfen." „Ich lur auf mein Petter, den Matz." „Dem Karges seiner?"
„Jawohl."
„Is dann der net beim Militär?"
„Ja, he kommt auf Urlaub zum Fest."
„Und will sich emal die Schnut voll tunken." „Allemal."
„Weiter is es doch nix."
Der Schäfer stieß seine Schuppe in den Boden und trat nahe an den Hannpeter heran.
„Wie's scheint, kommt allerlei Gezeug 31t dem Fest beisammen. Ich hab' gest nacht schon ein Veteran gesehn. Obendrin ein verstorbene."
„Wo?" fragte der Hannpeter mit einem Gesicht, als ob er nicht den mindesten Zweifel hege, daß dergleichen möglich sei.
„Auf'm Kirchhofsstück," versetzte der Kaspar, „'s konnt einem bei Gott gruselig werden."