Vermischtes.
w. Die RcichShauptstaLt nl6 internationales AentrilNl. .Weilstadl Berlin" — das ist die Parole, die in den nächsten Jahren die Entwicklung der Retchshmlptstadt bestimmt. Und schon machen sich überall, in den neuen Bauten und in den Vorarbeiten zu den großen Ausstellungen des nächsten Jahres, die Zeichen dieser Umwicklung bemerkbar. Schon Heine kommen die großen Künstler und geistigen Persönlichkeiten aller Länder und Erdteile nach Berlin, um sich hier den Stempel ihres Weltrufes zu erringen. Denn Berlin rind seine Kritik stellen heute wieder unzweifelhaft die lehne Entscheidung für einen Künstler dar. Rußland, Spanien, Italien und auch Frankreich sendet seine besten Kräfte nach Berlin. Ja, selbst aus Asien haben javanische und indische Künstler den Weg nach Berlin gefunden. Aber nicht nur in der Kunst spielt Berlin Henie eine große internationale Rolle, sondern auch in bet Wirtschaft und Industrie, wofür die zahlreichen Besuche amerikanischer und englischer Industriellen ein beredtes Zeugnis oblegen. Das nächste Jahr wird die Konzentration der gesamten deutschen Kunstkräste in Berlin durch eine „R e i ch s k u n st Woche" im Herbst bringen. Die Silierten» nung der Entwicklung beweist auch die Tatsache, daß die Weltausstellung 1930 in Berlin staltsrndet.
w. Ein Fall von nachgcwicscner Krebsansteckuna. In einer Pariser Klinik ist dieser Tage der 24jährige Assistent Henri Badou an Krebs gestorben. Vadon hatte sich vor zwei Jahren bei der Operation einer Krebskranken an der Hand verletzt. Einige Monate später fühlte er Schmerzen in der Hand und eine Geschwulst am Arme trat auf. Da man aber die über» tragung der Krebskrankbeit für unmöglich hält, legten die Professoren der Sache keine Bedeutung bei. AIs dann die Geschwulst wuchs, glaubte man, es handle sich um ein gut- artiges Reugebildc. Vadon ließ die Geschwulst operieren, aber sie trat wieder aus. Run blieb kein Zweifel mehr, daß Krebs vorlag. Der Arm wurde amputiert und es zeigte sich, daß das Krebsgeschwür von derselben Art war wie dasjenige, daS Vadon seinerzeit operiert hatte. Auch die Amputation des Armes hals nicht mehr.
w. Der Wert von Kurzwellcnstationen geht aus einem Bericht ^ ^ amerikanischen Fliegerhauptmanns Stevens hervor, der i Auftrag der Vereinigten Staaten eine Forschungsreise durch Südafrika unternimmt. Die Expedition ist mit einer Kurzwellcnstation ausgerüstet und sendet damit Berichte auf der Welle 80 Meter. Dabei wurde beobachtet, daß weder die fürchterlichsten Hitzen noch feuchtes Wetter noch irgendwelche sonstigen Einflüsse stören. Man blieb in ständiger täglicher Verbindung mit London, Newuork und Neuseeland, wohin man Berichte schickte und von wo man Nachrichten erhielt.
— Wind auf dem Mars. Die Astronomen haben den Mars Ende Oktober anläßlich seiner größten Erdnähe wieder einmal genau untersucht, und einer von ihnen; der Amerikaner Pickering, der schon seit Jahren als gewaltiger Marsrätsellöser bekannt ist, hat sich von neuem der sagenhaften Marskanäle angenommen. Pickering hat jetzt herausdekommen, daß diese Kanäle weder riesenhafte Bauwerke noch Begetationsstreifen darstellen, sondern Windbahnen bezeichnen. Die Temperaturverhült- msse auf dem Mars sind nämlich ein bißchen anders als die aus der Erde. Es gibt da weit größere Temperatur- schwankungen, und die großen Temperaturunterschiede — an den beiden Marspolen bis zu 70 Grad Kälte, in den heißesten Zonen nur 15—20 Grad Wärme — bedingen heftige Strömungen der Atmosphäre. Es müssen, sagt Pickering, aus dem Mars Stürme und Orkane von einer Stärke, wie sie aus der Erde unbekannt sind, herrschen, Der feuchte Wind aber zieht Furchen von fabelhafter Ausdehnung in die Marsvegetation, «nd das sind dann die Linien, die wir in unserem astronomischen Unverstand für Kanäle gehalten haben. Sagt Pickering. So daß also jetzt zu dem vielen Wind, den man schon seit langem um den Mars macht, noch der Wind ans dem Mars selbst hinzukommt.
— Reptilienhaut — ein Ersatz für Leder. Eine schweizerische Lederwarensabrik befaßt sich seit einiger Zeit in großem Maßstabe mit der Verarbeitung von Rep- lilicnhäute«. Aus Westindien, Afrika, Südamerika gelangen Tausende von Fässern mit eingesalzenen imb ein» gepfefferten Häuten verschiedener Reptilien — Schlangen, Eidechsen, Krokodile usw. — in die Schweiz, um dort präpariert und zu allen möglichen Gegenständen verarbeitet zu werden. Tie Fabrik besitzt beispielsweise Co-
bicchâule von über sicbetOMettr Länge. Nach einem besonderen Verfahren werden die Häute in allen möglichen Farben und Farbenschatticrungcn gefärbt, so daß die Farbe vollständig in die Haut eindringt und nicht mehr, ivic das bisher der Fall war, nur an der Oberfläche haftenbleibt. Auch in allen möglichen Mctallfarben werden die Häute eingefärbt, und es werden daraus hergestellt: Klubsessel, Damenjacken, Herrenkrawatte«, Etuis, Reisekosfer, Damcmäschchen usw. Auch die Schuhmode verwendet Reptilienhänte auf verschiedene Arten, so daß die Reptilienhaut vielfach bereits einen Ersatz für Leder darstellt. Ursprungsland dieser neuen Mode ist Amerika; von dort kam sie nach Paris, und nunmehr hat sie Aussicht, sich über ganz Europa zu verbreiten.
— Die Augenkrankheit der Gemse». In der Schweiz herrscht eine Gemsenseuche, die befürchten läßt, daß der Bestand an Gemsen stark vermindert wird. Es handelt sich um eine ansteckende Augenkrankheit, die von der Bindehaut ausgeht, sich aus die Hornhaut fortsetzt, schließlich die inneren Teile des Augapfels ergreift und zur Erblindung führt. Ähnliche Augenkrankheiten kann man auch bei Ziegen und Schafen beobachten. Die Krankheit wird nmbrenb der Brunst (November-Dezember) übertragen. In einem großen Bezirk des Berner Oberlandes grassiert die Angenkrankheil in schwerster Weise: es sind bereits zahlreiche Gemsen totgefallcn und viele Dutzend sind angesteckt. Ein Verschwinden der Seuche kann nur mit dem nahezu völligen Abschuß des Krickelwildes erwartet werden. Das Fleisch der Tiere soll trotz der Seuche genießbar sein.
— Der Dieb in der Kiste. Ein höchst origineller Ein- bruchsdiebstahl, der vielleicht sogar dem zu Zuchthaus verurteilten Berliner Jnwelendèeb Johannes Spruch, dem Einbrecher mit den Explosivkörpern, Bewunderung abgerungen hätte, ist dieser Tage in Brünn begangen worden. Der Dieb hatte sich von Helfershelfern in einer großen Kiste vor den Laden eines Juweliers tragen lassen, und zwar so, daß die Öffnung der Kiste gegen die Spiegelscheibe des Schaufensters ging. Während draußen zahlreiche Leute spazierengingen, durchschnitt der Dieb aus der Kiste heraus mit einem Glaserdiamanten die Schaufensterscheibe und raffte zusammen, was im Bereich seiner Hände war: goldene Uhren, goldene Anhänger, Juwelen; Silbersachen usw., Dinge im Gesamtwert von 120 000 Tschechenkronen. Nachdem der nach neuen Grundsätzen organisierte Einbruch vollzogen war, wurde die Kiste wieder weggetragen, und die Leute gingen weiter durch die belebte Straße spazieren, ohne von der Komödie, die sozusagen unter ihren Augen gespielt worden war, auch nur eine Ahnung zu haben.
— Tie Antinlküholkur. In Amerika, wo es bekanntlich offiziell keinen Alkohol gibt, soll jemand ein Mittel er» funden haben, das den Menschen das Schnapstrinken für immer verekelt. Der Erfinder ist ein Mediziner namens Horowitz, ein Ungar, der kurz vor dem Ausbruch des großen Krieges in Amerika eingewandert ist. In einem ernst zu nehmenden medizinischen Blatt wird berichtet, daß das Mittel des Dr. Horowitz die Schnapsbeflissenen dauernd vom Alkoholismus und ähnlichen üblen Angewohnheiten befreit. Es scheint aber, als ob das Mittel noch scheußlicher wäre als der Alkohol: es besteht aus einem Extrakt von allerlei Wanzensamen und Sojabohnen und wird dem Trinker in das Blut eingespritzt. Dort fuhrt es dann einen Kampf gegen die verschiedenen Grste, die mit Hilse des Alkohols den Körper des Menschen ruinieren. Wie wir die Amerikaner kennen, werden sie aber sicher auch fürderhin den Alkohol den Sojabohnen vorziehen.
— Was muh man tun, um lange zu leben? John D. Rockefeller, der Petroleumkönig, ist kürzlich 86 Jahre alt geworden, und die Amerikaner behaupteten, das könne nicht mit rechten Dingen zugehen. Rockefeller, jagten sie, führt ein Leben wie ein Eremit, und wenn ein so vielbeschäftigter Mann trotz seines einfachen Lebens 86 Jahre erreicht, so muß er unbedingt ein geheimes Lebenselixier besitzen. Darauf veranstaltete der alte Herr eine kleine Geburtstagsfeier und hielt, nachdem er sich in Whisky —
trotz des Mloholverbvtès ' ein bißchen Mut anaehm.T. hatte, eine kleine Ansprache, in der er dartat, wie er- seinem langen Leben gcfommcn ist und wie andere mm dazu kommen sönnen. Das Rezept lautet: 1. Setze Fett an — gesund bist btt nur, wenn du schlank bleibt? 2. Tummle und bewege dich: 3. Sorge dafür, ban während des Schlafes frische Luft cinatmcft; 1. Trink ton lich drei Liter Wasser; 5. Mensch, ärgere dich nicht Sache ist also, bis auf die drei Liter Wasser, die manchem das ganze Leben verleiden könnten, sehr einfach einer der Gäste Rockefeller entgegenhielt, daß kein Mens» den täglichen Ärger »ermeiben könne und daß daher auch Punkt 5 schwer vurchzusühren sei, sann John D. fettet ein wenig nach und sprach baun: „Schön ban» verliert diese Weisheit 20 Prozent an Wert, aber bleiben noch vier Fünftel übrig, und der Mensch dann eben statt der hundert nur achtzig Jahre!" 1
Turnen, Sport und Spiel.
8p. Der Wintersport war in den Weihnachtsseierio^. überall recht rege. In Bayern herrschte bei augÄ neter Schneelage trockenes Frostwetter. Unter Heineren Veranstaltungen ist das Eishockeyturnier Rceyersee zu erwähnen, an dem Stuttgarter E. V. berget E. ^. C. S. C. Rießersee (1 BZ teilnahmen, io waren die Wmtersportler im Erzgebirge recht ^u Zinnwald-Georgenfels fand das @röfinmiaöfhri,^ einer Jugeudschauze statt. Außerordentlich guten V kehr konnte auch das Riesengebirge bei PrachwM^ Wittterwetter aufweisen. Bei Schreiberhau wurde? umgebaute Zackelfall-Bobbahn durch Rennen eingewâ Ile bewahrte sich dabei sehr gut.
8p. Der erste Start des Amerikaners Walthour ir den Radrennen der Kaiserdamm-Arena zu Berlin end- in einem Fliegerrennen mit einem Siege. Er aew^n» mit 9 P. vor Oszmella 7 P., Lorenz und bem Italien be Martim je 6 P. Das lOV-Nunden-Manilschaftsrennn der Amateure wurde von Ehnier-Kroschel 25 P ' Dahms-Weyer 11 P., Krehn-Graffunder 8 P. gewönnet
8p. 13 :1 schlug der Altmeister Spandau 1860 die Den- baler Friesen tm Berliner Weihnachtshandball der runter. Guts-Muths unterlag gegen M. T. V. Landsberg, mit Ersatz spielend, 1:6.
Sp Die Berufsboxkämpfx in Stettin hatten folgende Ergebnisse: Schumacher— Glaser unentschiede«, Paulke Sieger gegen Sasse durch dessen Disqualifikation in her zweiten Runde, Peter—Matheus unentschieden. Der Halb- fchwergewichtsmcister Schmeling lieferte gegen Siewert einen Exhrbitionskamps.
Sp. Rudi Wageners k.-o.-Sieg. Rudi Wagener-DuiL Vurg schlug in Duisburg überraschenderweise durch out in der zweiten Runve den belgischen Borer Seron her für den in letzter Minute verhinderten Nillcs-FmA- reich eingesprungen war.
8g Deutscher Boxsieg in Köln. Der deutsche Mittel- gewichtsmeister im Berufsboxen, D o m görgcn, siegte bei den Kölner Boxkämpfen knapp nach Punkten über den Exeuropameister im Weltergewicht, $obtm®elgien. Der ehemalige belgische Schwergewichtsmeister Humbeek schlug den Würzburger Joe Mehling ebenfalls nach Punkten.
Sp. Das 25-Stundcn-Rennen in Breslau vom 1. Feiertag, abends 9 Uhr, bis zum 2. Feiertag, abends 10 Uhr, endete nach interessantem Verlauf mit dein Siege bei Mar, Hschuft Ri^lè«s---M^^ 86
58 P., Faudet—Choury 53 P., Feja—Buysse 34 P. und den eine Runde znrückliegenden Tonani—Zanaga (Straf« runde), Rieger-Tietz. Zurückgelegt wurden 818,620 Kilometer.
Verantwortlich für die Schriftleitung: Dr. rer. pol. Karl K r ö m m e l b c i n-Fulda.
Verantwortlich für den Anzeigenteil: Otto Schneider-Fulda.
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