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Tageblatt für Rhsn unZ Vogelsberg §ulöa- unö HMKLÄl^JÄKaer Kreisblatt Redaktion und GefchäftsfieUe: Mühlenstraße 1 Zernsp-sch-^nfchkuß $k.W Nachdruck der mit * versehenen ftâl nur mit Wellenangadr .KilöaerFnz-iIsr" gestatt«.

Nr. 286 1926

Fulda, Samstag, 11. DeZember

Tingetgenpeefe: Für VchSer.Ve^ Genvffcnschaß- ten,Banken usw. beträgt »ft Klrlnzeilc ».zo Mk., für auswärtige slustraggeder 0,25 Mk.,für dir Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., ReNamezeile 0-.60 Mark B« RechnungsskÄ- hm$ hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen «-Tag- And Platzvarschristen unoerbinLlich.

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die Vertreter der Rheinpaktmächte in Genf sind wieder zu einer Besprechung über den Bericht der Botschasterkon- ferenz zusgmmenWtrcteit.

* Die Nobclsricdenspreise für 1920 wurden an den deut­schen Rcichsaußenminister Dr. Stresemann und den fran­zösischen Außenminister Briand erteilt. Die im vorigen Jahre zurückgchaltenen Friedenspreise für 1925 fielen an den bri­tischen Außenminister Chamberlain und den amerikanischen Vizepräsidenten, General Dawes.

* An die Beamten, Kriegsbeschädigten, Kriegshinterblie­benen und Altvetcranen wird nach einem Beschluß des Haus­haltsansschusses des Reichstages eine Weihnachtsbeihilsc ge­zahlt werden, die noch vor Weihnachten ausgezahlt werden soll.

* Jm 81. Lebensjahre ist der serbische Staatsmann Nikolai Paschitsch gestorben.

Unruhestifter Friedenspreise

Kein Mensch kann behaupten, daß die Welt in besoü- dcrs behaglicher Stimmung dem Weihnachtsfest entgegen« gehe. Richt nur, daß die unliebsamsten Verbrechen und llnglücksfävc, die widerwärtigsten Prozesse und Streitig­keiten der verschiedensten Art sich allerwärts häufen; diese Beunruhigungen ließen sich schließlich abschütteln, wenn man nur den Willen dazu hat.

Aber der Zufall fügt es, daß gerade wieder im Zeit- Punkt einer Völkerbundratstngung am Genfer See Herr Mu s s 0 l i n i im Süden und Herr P i l s u d s k i im Nor­den cs für ihre Aufgabe zu halten scheinen, sich möglichst stark bemerkbar zu machen, auf daß die B r i and und C h a m b c r ! a i n und S t r e s e in a n n nur nicht etwa glauben, außer ihnen und ihren Friedensbemühungen gäbe cs gar nichts anderes auf dieser Erde. In Polen bereiten sich, langsam, aber anscheinend unaufhaltsam, Dinge vor, die im Versailler Friedensvertrag bestimmt nicht vorgesehen waren. Und der italienische Diktator schickt, aus welchem Grunde, ist eigentlich schwer ersichtlich, unentwegt Truppen an die französische Grenze, natürlich, Jute Qr ppr breiten läßt, nur, um in Anbetracht der hciß- *Wtai 11 lMttMn-LEperameutc, die um Ri 5 3 a u nd C q n 11 c s bcrUNi' ihr Wesen trieben, größeres Unglück zu verhüten. Ganz zufällig sammelt sich nun aber auch auf französischer Seite ein immer erheblicheres Truppcnaufgcbot in diesen interessanten Gegenden an, und der Kriegsminister in Paris, in der Kammer über die beständigen Soldateu- bcfördcrnngen in Südfrankreich befragt, hatte den an sich gewiß nicht unwitzigen Einfall, denn Lande zu versichern, daß die Regierung nicht daran denke, in China mili­tärisch einzugreiscn. Ob die daraufhin von ihm dringend befürwortete Beruhigung auch bei Herrn Mussolini eint getreten ist, darf bezweifelt werden, zumal ja des Mors de ns und des Blutvergießens an der Grenze kein Ende ist. Und selbst wenn es gelingen sollte, den Tatendrang be$ Faschismus hier gegenüber dem großen lateinischen Bruder einigermaßen zu dampfen, so bliebe wiederum aus der anderen Seite der italienischen Halbinsel der neu entbrannte Zwiespalt über den Schutzvertrag, den Herr Mussolini mit dem sozusagen selbständigen Albanien, geschlossen und der in Belgrad helle Empörung ausgelöst hat. Es wirbelt nneber einmal alles durcheinander auf dem Ballan, der heute noch immer sointeressant" ist wie zu den Zeiten, da es noch seinen Völkerbund auf der Welt gab. Aber während früher wahrscheinlich schon allerhand Sabelgerassel zu vernehmen gewesen märe, nach einem ebenso kühnen wie eigenmächtigen Staatsakt, wie diese» Vertrag ihn darstellt, erinnert man sich heute in erster Reihe des.Genfer Friedenspalastcs, der ja eigens dazu geschaffen worden ist, um Streitigkeitci'. unter den Völkern nicht erst bis zu ernsten Wassengängen sich auswachsen 31t lassen. Also insofern wenigstens ein sichtbarer Erfolg beß Völkerbundes.

Freilich, stünden wir jetzt nicht am Anfang des Winters, läge nicht tiefer Schnee auf den Bergen zwischen der Adria und der Donau, die Macht des Völkerbunds gcdaukcns würde vielleicht doch nicht ausreichen, um big Geister zur Ruhe zu zwingen. Auch Genf stand in diesen Tagen nicht unter der Herrschaft des ewigen Frühlings^ auf den seine nun schon regelmäßig wiederkehrenden inter-- nationalen Gäste nachgerade ein wohlerworbenes Recht zu besitzen glaubten. Diesmal hatten sie gegen eisige Wind-? stoße anzukämpfcn. Auch in Rats- und Konferenzstuben, in denen man zu vertraulichen Besprechungen zusammen­kam, wollte sich keine rechte Wärmetemperatur cinstcllcn. Herr Stresemann mußte mehrere Tage lang dach Zimmer hüten, Herrn Briand ging es auch nicht viel besser, und nur die wetterfesten Juristen, die als in allen Sätteln gerechte Fachmänner auch diesmal wieder bc^ weniger unverwüstlichen Diplomaten zur Seite standen, ließen sich keine Mühe verdrießen, um auch in den jetzt zur Lösung gestellten Fragen ein Kompromiß zu suchen, das ebensowohl in Berlin wie in Paris und in London als schmackhaft befunden werden könnte.

*

Gewiß, nur wenige Menschen werden an dieser Art von Verhandlungen Gefallen finden, an diesem ewigen Herumfcilschen um Dinge, über die es eigentlich gar kein Markten mehr geben dürfte, weil sic mit dem tiefsten Wesen jedes Staates, mit der Staatshoheit, seiner Selbständigkeit und Unabhängigkeit unmittelbar Zusammenhängen. Aber wir sind nun einmal auf diese Bahn gegangen und müssen nun sehen, wie sich am besten daraus fahren läßt. Die Wagenführer, die darauf zu achten haben, daß unterwegs kein größerer Zusammenstoß passiert, sind um ihre Auf­gabe auch nicht sehr zu beneiden. Dafür haben sic auch wenigstens vom Norden her ein schönes Pflaster aus die Wunden und Schrammen erhalten, die sic sich bei ihrer

Die Verteilung der Friedenspreise

Stresemann und Znand Zriedenspreisträger.

A u ch Chamberlain und D a w c s.

Das Robelpreiskomitee in Oslo hat den Nobel- sriedcnspreis für daS Jahr 1926 dem deutschen Minister des Äußeren, Dr. Stresemann. und Dem französischen Minister des Äußeren, Briand, den im Vorjahr zu- rückgestellten Preis für 1925 dem britischen Staats­sekretär des Äußeren, Chamberlain, und dem amerika­nischen Viezepräsidenten, General Dawes, verliehen. Die Bekanntgabe der Nobelfriedcnspreisträger fand in einer feierlichen Sitzung im Saale des Nobel-Instituts in Oslo statt. Dem feierlichen Akt wohnten u. a. der Könia

Stresemann. Briand.

und der Kronprinz, Mitglirder der Regierung und des Parlaments, des Diplomatischen Korps sowie zahlreiche Vertreter von Wissenschaft, Kunst, Literatur und Presse, von iiibufiriellenjgerääiiben, her .Gewerkschaften usw. bei. Die AoüelpretHuriunbcu würben an Die Gesandten Der Länder, Denen Die Preisträger angehörcu, übergeben.

Professor Frithjof N a n s c u, selbst einer der früheren Nobelpreisträger, hielt die Festrede. Er betonte dabei, daß die Locarnovcrträgc und der Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund und die bei Der Aufnahme Deutschlands gehaltenen Reden gute Aussichten für die Zukunft erwecken. Aber es darf nicht vergessen werde«, daß noch ein weiter Weg zurnckzulcgen ist, bis das Ziel erreicht und ein wirklicher dauernder F r ic d e n gesichert ist. Die Losung müsse fein: kein Krieg mehr, kein Krieg irgendwelcher.Art. keine blutigen rücksichtS­

Chamberlain. Dawcs.

losen Zusammenstöße, die solange die Geschichte befleckt haben. Nansen feierte sodann den Völkerbund als cinen wesentlichen Teil des Triebwerkes der Weltleitung. Wenn wir, so schloß Nansen, wahrhaft wünschen, dem Kriege ein Ende zu bereiten, so müssen die Regierungen auf jede Weise und bei jeder Gelegenheit die Macht und die Kraft des Völkerbundes stützen.

Nach der Übergabe der Medaillen und Diplome spielte das Orchester des Nationalthcaters einige Musikstücke und mit bent norwegischen Nationallied schloß der feier­liche Akt.

Zeder Prersiräger erhält 70000 Mark.

Vcreits nach dem Abschluß deS Vertrages Don Locarno waren Stresemann und Briand von amerikanischer Seite als Kandidaten für Den Friedenspreis eiiiacrcidit worden.

qcfäbrlichcn Kutschierarvèit zugezogen bauen: neu N 0 bclpreis für F r i ed e u s a r b e i t haben er« halten Stresemann, Briand, Chamberlain und Dawcs. Die Welt wird also wieder einmal eine Zeitlang sich über einen neuen GcsprächSgcgenstand unter­halten können, sic kann die Männer nach Gebühr feiern, die als Friedensstifter ausgezeichnet werden. Ihnen gegen­über werden die großen und die kleinen Unruhestifter, die anderen Leuten die Weihnachtsstimmung verderben, für ein paar Tage und Wochen wenigstens in den Hmtcr- , «rund zu treten haben. ~r- ^-

Weihnachisbeihilfe für Beamie.

Auch für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene.

Die Verhandlungen der Beamtenvertreter mit dem Reichsfinanzminister über die Gewährung einer Weih- nächtsberhilfe an die Beamten haben jetzt zu einem Erfolg geführt. Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde folgender diesbezüglicher Antrag der Regierungsparteien angenommen: ..... -

Die Nennung la»! jedoch zu spät, da Die Kandidaten statutengemäß bis zum 31. Januar eingcrcicht werden müssen, die Vertr-kgc von Locarno aber erst im Dezcmbdr unterzeichnet wurden. Der vorjährige Preis wurde daraufhin auf Beschluß des Nobelkomitees zurückgestellt und cs wurde beschlossen, ihn gleichzeitig mit dem Frie­denspreis für 1926 zu verteilen. Die Höhe der Einzel­preise .betrügt 66 GOO norwegische Kronen, also ungefähr 70 000 Mark.

Der Präsident des Nobclpreiskomitccs hat an General Dawes, an Chamberlain, Briand und Stresemann ein gleichlautendes Telegramm gerichtet, in welchem er an­fragt, ob es den Friedcnsprcisträgcrn möglich sei, Mitte Januar nächsten Jahres in Oslo entsprchend dem Statut der Nobelpreisstiftung einen Vortrag zu halten. Es heißt, daß Dr. Stresemann die Absicht hat, diesem Ersuchen nach- ^ukommcn.

Erklärung Dr. Stresemanns über die Ver­leihung des Nobelpreises.

(Senf, 10. Dez. (W. BZ Anläßlich der zahlreichen Glückwünsche, die den neuen Trägern des Friedenspreises von allen Seiten dargebracht werden, gab Dr. Stresemann der Presse folgende Erklärung: Die Verleihung des No- belfricdcnspieises ist mir eine aufrichtige Freude und Ge­nugtuung. Ich sehe in diesem Ereignis weniger eine persönliche Ehrung für die Außenminister Englands, Frankreichs und für mich, vielmehr betrachte ich die Ent­scheidung als Symbol der Anerkennung, die die Welt der Politik zollt, bereit Anfang durch die Namen London, Locarno, Genf und Thoiry gekennzeichnet ist. Das Ziel dieser Politik ist der dauernde Frieden und das Wohler­gehen der Völker. Wird dieses Ziel erreicht werden? Ich vertraue darauf, solange Männer wie Briand und Cham­berlain die Geschicke ihrer Völker leiten. Zwei Männer, die aufrichtig und unter Einsetzung ihrer ganzen Persön­lichkeit eine wirkliche Verständigung erstreben und deren große Verdienste um den Frieden der Welt bereits ge­schichtliche Tatsachen sind.

Chamberlain über den Nobelpreis.

Genf, 10. Dez. (W. V.) In der heutigen Besprechung der Rhcinpaktmächte beglückwünschte der belgische Außen­minister Vanderveldc Briand, Chamberlain und Strese­mann in herzlichen Wendungen zu der Zuerkennung des Friedenspreises der Nobelstiftung. Chamberlain gab an­läßlich der Verleihung des Friedenspreises der Presie fol­gende Erklärung:Ich fühle mich sehr geehrt durch die Zu­erkennung des Friedenspreises, weil dieser für das in Locarno vollbrachte Werk das Siegel internationaler Ge­nehmigung darstellt. Die Vertreter von sieben Mäch­ten haben zu den dort erreichten Ergebnissen beigetragen, aber der größte Teil jedweden Verdienstes darf von Briand und Stresemann beansprucht werden und es ist mit eine doppelte Freude, daß mein Name mit den ihrigen durch die Zuerkennung des Friedenspreises verknüpft worden ist.

Danktelegramme der Nobelpreisträger.

Oslo, 10. Dez. (W. BZ Rcichsaußenminister Dr. Stresemann ersuchte den deutschen Gesandten, telegraphisch dem Nobelprciskomitec des Stortings den Ausdruck sei­nes Dankes zu übermitteln. Stresemann betrachtet die Entscheidung des Nobelpreisausschusses als^ehrenvolle An­erkennung seiner Bemühungen um die Förderung des Weltfriedens und des allgemeinen Wiederaufbaues.

Chamberlain sandte ein Telegramm, in dem er seinen Dank für die ihm zuteil gewordene große Ehre zum^Aus- brud bringt und die Mitarbeit der übrigen Staatsmänner rühmend hervorhebt.

Auch Briand erklät in seinem Telegramm, er messe der ihm zuteil gewordenen Ehrung einen umso höheren Wert bei, weil sie die Anerkennung der wertvollsten Bestrebun­gen seiner öffentlichen Laufbahn bedeute.

Der amerikanische Gesandte erhielt ein Telegramm des Vizepräsidenten Dawes, in dem dieser erklärt, die ihm zuteil gewordene Auszeichnung sei ein Zeichen des Wertes, den man dem von den Mitgliedern des ersten Cachver- ständigcnkamitees in gemeinsamer Anstrengung geschaf­fenen Werk beilege.

Es erhalten noch vor Weihnachten die Beamten, Wartcgcld- und Ruhegchaltsempfänger, Bcamtcnhintcr- blicbene und Angestellte der Gruppe 14 ein Viertel ihres Monatsgehalts, die Gruppen 512 ein Fünftel ihres Monatsgehaltes, mindestens aber die Ledigen 30 Mark, höchstens 60 Mark, Die Empfänger eine Frauenzuschlages 50 Mark, höchstens 80 Mark, und für jedes Kind 5 Mark, Die Vollwaisen insgesamt 10 Mark, höchstens jedoch ins­gesamt 15 Mark. Die Kriegsbeschädigten und Kriegs- Hinterbliebenen erhalten ein Viertel der ihnen für Trzem bcr zustchcndcn Beträge.

Angenommen wurde ferner ein Antrag, wonach den Altbcterancn eine einmalige Beihilfe tote ben K rtegv beschädigten gewährt werden soll. Ferner wurde cm An­trag angenommen, daß die einmalige Notstandsdcmrlic auch auf Die Arbeiter des Reiches Anwendung tutben ,oll.

«ine Weihnachtsbeihilsc der Reichsbahn und Reichspoft.

wtb Berlin. 11. Dez. (Eig. FunkmZ Nachdem die Frage der Weihnachtsbeihilsc für bk Reichsbcamten so- wcit geklärt ist, ist, wie W. T. B. erfährt, damit zu roth