ließen Wurzeln verloren und das neue fruchtbare Erdreich der Gegenwart noch nicht gefunden bat.
Es wurde zu weit führen, hier im Rahmen dieser kurzen Ausführungen auf die Vertiefung der Gegensätze zwischen arm und reich, zwischen Stadt und Land, zwischen den einzelnen Klassen und Konfessionen einzugehen. Die Disharmonie der Stände und Klassen hatte zugenommen und verhinderte die Einheit der Nation. In diese schwüle Zeit des Materialismus und des Kampfes aller gegen alle schlug der Blitzstrahl der Augusttage von 1914. And dem staunenden Auge des um Deutschlands Zukunft Bangenden zeigte es sich, daß trotz aller Fäulnis doch Kräfte in dem Volk schlummerten, die nun in dem ersten Donner-
. Da ver- Da zog
schlag des Weltkrieges zur Oberfläche drängten schwanden Standesdünkel und Klassengegensatz.
das deutsche Heer in schimmernder Wehr an die Grenzen. Es war nicht das Gefühl, daß man anszöge, um Länder oder Erzgruben zu erobern, das diese Millionen von Männern kämpfen unb sterben ließ. Es war das plötzlich durchleuchtende Bewußtsein, daß über alle diese kleinen Gegensätze der vergangenen Zeit und des Alltags ein Wort in seiner ganzen Schicksalhastigkeit stand: Deutschland. Es war das Bewußtsein, daß das deutsche Volk in seiner Ganzheit zum Leben und zur Vollendung drängte und daß Neid und Rachgier diesen Willen zum Eigenleben beschränken und ertöten wollte.
Den Augusttagen von 1914 folgten nach unmenschlichen Heldentaten, aber auch nach unsäglichem Leiden, die No- vembertage 1918. Zu tief hatte das Gift des Materialismus gefressen. Langsam, aber sicher waren sie wiederher ausgekrochen aus ihren Löchern: der Standesdünkel, der Klassenhaß, die Selbstsucht und das Spießertum. Eine große Zeit fand ein kleines Geschlecht von Führern. Und als die unruhige Masse der Großstädte sich in Selbstsucht und dem verhängnisvollen Streben nach Ruhe der Obrigkeit entgegenwarf, da brach dieser stolze Bau des Reiches auseinander. Deutschland lag am Boden, weil das kämpfende Geschlecht den Sinn des Kampfes nich: mehr erkannte.
Aber alle diese heimkehrenden Kämpfer. brachten als Talismann eines mit in die Heimat. Dieses Heiligtum war das Fronterlebnis. Es war dem deutschen Kämpfer dort draußen in Trichterfeld und Granathügel klar geworden, daß nicht Stand und Rang, nicht Klasse und Konfession den Mann vom Mann scheiden, sondern der Charak- ter und das Maß des Willens und der Fähigkeiten. Dieses Erlebnis wirkte fort und mußte fortwirken. Es zwang den Kämpfern des Krieges erneut die Waffe in die Hand, als das Chaos drohte. Es schloß dje nationale Bewegung zusammen. And es führte zur Gründung des Jungdeutschen Ordens.
Ueber die Ziele des Ordens sagt die Verfassung:
§ 3. Der Jungdeutsche Orden erstrebt die deutsche Volks- gcmeinfdjaft auf christlicher Grundlage und durch sie die Erziehung des deutschen Volksstaates.
Ein freies Reich aller Teutschen, einig in allen seinen Stämmen und Ständen, ist politisches Hochziel jungdeutscher Arbeit.
§ 4. Der Jungdeutsche Orden steht auf dem Boden her Verfassung. Er will durch die Zusammenfassung gut deutsch gesinnter Männer eine Gemeinschaft herstellen, die fest entschlossen ist, den Aufbau des Vaterlandes zu fördern und für die sittliche Wiedergeburt des deutschen Volles zu arbeiten.
§ 5. Sein Kampf gilt der sittlichen Entartung; der Unehrenhnftigkeit und Selbstsucht, die die Kraft des deut- schen Volkes zermürben und den Wiederaufstieg des Vaterlandes unmöglich machen.
Er will in der Kampfgemeinschaft erprobte Kameradschaft unb Manneszucht vertiefen und zum Brudergedanken der Volksgemeinschaft erheben, um frei von Standes- und Parteigegensätzen für die gegenseitige Achtung und Versöhnung aller gut deutsch gesinnten Männer zu wirken und den Zwiespalt, Neid und Haß bekämpfen, der heute das deutsche Volk entzweit.
§ 6. Tie Pflege deutscher Geistesgüter, Förderung des voltsgemeinschaftlichen Denkens und des - Verständnisses für soziale Fragen. Erziehung zu Pflichttreue und Opfersinn für Recht und Volk stehen im Mittelpunkt der Ordensarbeit.
§ 7. Im Kampfe für seine Ziele faßt der Jungdeutsche Orden seine Brüder in straffer Ordenszucht zu Einheiten zusammen und erfüllt diese Gemeinschaften mit dem zielbewußten Willen zu Mannhaftigkeit und Wehrhaftigkeit."
In seinen Reihen kämpfen für Deutschlands Erneuerung und Wiedergeburt Männer jeden Standes und jeder Klasse. In seinen Reihen steht im Einheitskleid der grauen Windjacke der Edelmann neben dem Bauer, der Jnduftrieherr neben dem Arbeiter. Und das ist das Beglückende an dein Erlebnis des Ordens, daß er in siebenjähriger Arbeit zeigen konnte, daß über den Interessen der Stände und Klassen das eine und das einzige Interesse steht: „Deutschland".
Schluß folgt.
Geistliche und Lehrer in Deutschland.
Auf Grund der vorliegenden Ergebnisse der Berufszählung ist festgestellt worden, daß die größte Zahl der Pfarrer 'und Geistlichen je Kopf der Bevölkerung — ohne Berücksichtigung der Ordensgeistlichen in Klöstern — in Bayern mit 110 Geistlichen auf je 100000 Einwohner erreicht wird; es folgt Meklenburg-Strelitz mit 73. Die geringste Zahl hat Hamburg mit nur 24. Eine bedeutend gleichmäßigere Verteilung zeigt die Zahl der Lehrer. Die Höchstzahl
hat Lübeck mit 671 auf je 100 000 Einwohner, es solo« Mcklenburg-Strelitz mit 567; die geringsten Zahlen hohen Bayern mit 496, Ostpreußen mit 493 und Sachsen mit 47g
Vereinskalender.
Alldeutscher Verband, Ortsgruppe Fulda. — $eute Abend 8.30 Uhr, Sitzung im ev. Gemeindehaus.
Kirchliche Nachrichten von Gersfeld.
Evangelischer Gottesdienst.
Freitag: 10 Uhr und 2. Advent (nach dem Hauptgottesdienst) Feier des hl. Abendmahles. (Pfr. Habicht). Von 9.30—10 Uhr: Anmeldung im Pfarrhause.
Amtlicher Teil
Viehseuchen polizeiliche Anordnung.
Zum Schutze gegen die Maul- und Klauenseuche wird auf Grund der §§18 ff. des Viehseuchengesetzes Juni 1909 (Reichsgesetzblatt S. 519) mit Ermüch
. _ i vom 26.
, „ , „ , mächtigung des
Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten der § 1 meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 21. d. Mts. Fuldaer Anzeiger wie folgt abgeändert: Weitere Sperrbezirke im Sinne-dieser Anordnung sind: Ort und Gemarkung: Großenlüder und Gläser
zell.
§ 2.
Die vollständige, hiernach erlassene viehseuchenpolizei- liche Anordnung vom heutigen Tage ist in den vorgenannten Gemeinden ortsüblich durch Ausrufen — Aushang bekannt gemacht worden und kann auf dem Bürgermeister, amt daselbst oder bei mir eingesehen werden.
Fulda ,den 29. November 1926.
Der Landrat. J. V.: Schuster.
Die heutige Stummer umfaßt 8 Seiten
Verantwortlich für die Schriftleitung: Dr. rer. pol. Karl Krömmelbein -Fulda.
Verantwortlich für den Anzeigenteil: Otto Schneider -Fulda.
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Ministerpräsident a. D. Dr. Stegerwald
spricht am Sonntag, den 5« Dezember^ nachmittags 3^2 Uhr im großen Stadtsaal
Deutscher Gewerkschafts-Bund, Ortsausschuß Fulda
Handwerker
Versammlung
für alle Handwerker der Kreise Fulda, Hünfeld und Gersfeld, am Freitag, den 3. Dezember 1926, abends 8 Uhr im großen Saale des kath. Gesellenhauses zu Fulda, Florengasse.
Vortrag
des Syndikus des Handwcrksamtes Fulda Dr. W. Ens- graber über:
a. das Gesetz über die Bewertung der Grundstücke und der Betriebsvermögen (Reichsbewertungsgefetz);
b. die Gewerbesteuer.
Handwerksamt Fulda
Vertrauensstelle der Handwerkskammer Kassel für die Kreise Fulda, Hünfeld, Gersfeld.
Retuheilsere!« Selb.
— Frauengruppe. - Mittwoch, bell l. Dezember, abends 8 Vhr
in der „Harmouie"
Ortsgruppe Fulda.
Heute abend 8.30 Uhr „Hauptwache" wichtige Monalsversammlung.
MWr Mmimd LliWWè Salil.
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Turngemeinde 1848 e. &
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Lcichtathlrlik.Bbteiliwg.
Mittwoch, 1. Dezember, abends 9 Uhr. jinoet im „Lindenhos" eine Versammlung statt. Besonders diejenigen, die Wintersport treiben, wollen sich einfinden.
Der Obmann.
Versammlung mit Bortrag von Frau M. Fischer: „Erinnerungen an di« Gesolei".
Von 9'/° Uhr ab: Äaflettafel.
Gebäck müht tagen.
Eintritt frei.
BESUCHS KARTEN
FRIEDR. EHRENKLALL
Jum Wsntnertag
findet Samstag, den 4. Dezember, nachmittags 4 Uhr in den Sälen der „Harmonie" eine Versammlung statt, in welcher über das Rentnerversorgungsgesetz sowie über andre Rentnerproblcme von Herrn Dr. Otto Kramer, Frankfurt a. M. ein Vortrag mit anschließender Diskussion abgehalten wird. Anschließend Bericht über den gegenwärtigen Stand der Aufwcrtungsbestrebungen,
Mitglieder und sonstige Interessenten von Stadt und Land werden zu dieser Versammlung höfl. eingeladen.
Der Vorstand
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