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Driert tverdea. Ein Seil 6e5 Kübilistt-r soll Vee Auf­fassung fein, daß eine Regierungsintervention noch immer notwendig fei, damit den Bergarbeitern vernünftige Bc- dingungen unterbreitet würden. Andere RegierungS- mitglieder sind dagegen der, Auffassung, daß die Berg­arbeiter,' nachdem sie beschlossen haben, die Gewerkschaft abS ÄppâatzönsgorichrShdf einZusetzen, nicht erwarten könnten, daß die Regierung noch ein Schiedsgericht bilden Werthe.

Die Erekutive der Bergarbeiter beschloß, die Gin* ladnna des Allrussischen Gewerkschaftsbundes zu dem im DcMuber statt findenden russischen Gewerkschaftskongreß anzuNehmen und den Sekretär Cook als Gastdele­gierten nach Moskau zu entsenden.

SsÄstÄdtzlrii her MWèn MonieK.

' G r g e'b n iff e d e r R e i ch s k o n sc r e n Z.

Die soeben verkündeten Beschlüsse der seit Wochen tagenden Britischen Roichskonscrcuz verleihen jedem selbständigen Glied des Weltreiches volle Autonomie! Der GentraigoUVernenr hört aus, Vertreter der englischen Re­gierung zu fein und wird der Träger der Personalunion Zwischen England und dem betefferrden Dominion nur als unmittelbarer Vertreter des Königs. Die Dominions er­halten das Recht, Vertrüge über alle ihnen geeignet er­scheinenden Fragen der inneren, äußeren und der Wirt­schaftspolitik abzuschließen. Kein Vertrag, den England oder ein Dominion abschließt, hat irgendwelche verbind­liche Kraft für einen nicht am Vertragsabschluß beteiligten Teil des Reichs. Die Dominions erteilen in Zukunft den fremden Regierungen die Zustimmung zur Konsul- ernennung, und die Reichskonferenz erkennt das Prinzip an, daß die Dominions besondere diplomatische Vertreter in Ländern unterhalten dürfen, mit denen sie besondere Interessengemeinschaften zu regeln haben.

Debatte über die Fridenkus-Marke.

Tagung des VerwaltungSrats der Deutschen Reichspost.

Im Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost tarn cs zr einer lebhaften Aussprache über die Ausgabe der Fridericus- 10-Pfcnnig-Briefmarke, die schon vor einiger Zeit die Polito scheu Gemüter stark erhitzt hatte. ReichSpopminister Dr Stingl erklärte hierbei, daß bei der Ausgabe der Marke

keine politischen Motive zugrunde gelegen hätten, sondern lediglick die Farbcnwirkun« ausschlaggebend gewesen sei. In der Aussprache erklärte Abg Morath (D. Vp.), für die neuen schönen Briefmarken sei den Minister zu danken. Der Reichspostminister habe Fricdrick den Großen

dem deutschen Volke wieder nahegebracht.

Professor Salomon (Frankfurt a. Ak.) bedauerte die Er­örterungen über die Fridericus-Marke überhaupt. Friedrick der Große könne all den anderen Männern auf den neuen Briefmarken an die Seite gestellt werden. (Beifall.) Abg Körner (Dtn.) äußerte Wünsche für

Verbesserung der Landpostbestellung

und sprach sich dann zugunsten der Fridericus-Marke aus. Ei verstehe nicht die Empfindsamkeit der Republikaner. Du Marke sei eine schöne geschichtliche Erinnerung und habe mi: Republik oder Monarchie nichts zu tun. Oberrcgieruugsra' Dr. Seeger, Baden, protestierte gegen die Verausgabung bei Marke. Diesem Protest schlossen sich der Demokrat Schuldt uni der Sozialdemokrat Steinkopf an, der hervorhob, daß durch Fridericus-Marke in weitesten Kreisen

große Unruhe entstanden

sei. In der nunmehr erfolgten Abstimmung wurde ein sozial­demokratischer Antrag auf Mißbilligung der Fridericus-Markk und ihre Zurückziehung aus dem Verkehr mit allen gegen fün Stimmen abgelehnt. Für den Antrag stimmten außer der Antragstellern der Vertreter von Baden und die Abg. Schuld: (Dem.) und Torgler (Komm.). Auch der sozialdemokratisch- Antrag, den Postminister zu ersuchen, im Sinne der Gewerk- ßchaften für die Wiedereinführung des Achtstundentages tätig zu sein, wurde abgelehnt, ebenso der Antrag, denjenigen Erwerbslosen, die mindestens drei Wochen eines Kalender­monats nachweisbar arbeitslos waren, die Rundfunkgebühren zu erlaflen.

politische Rundschau.

Deutsches Reich.

Gegen die Kriegsschuldlüge.

Die Arbeitsgemeinschaft für vaterländische Auf­klärung hat eine Denkschrift zur Kriegsschuldfrage an den Reichspräsidenten, die Reichsregierung und den Reichs­tag gerichtet. Die Eingabe ist von mehr als 90 Verbänden uito Vereinen unterzeichnet. Die Schrift gibt eine Dar­stellung der bisher von der Reichsregierung in der Kriegs­schuldfrage unternommenen Schritte und weckt die Erinne­rung an die Erklärungen Lloyd Georges und Poincares, durch die anerkannt werde, daß der Versailler Vertrag ent­sprechend dem Wortlaut des Artikels 231 mit dem Nach­

weis seiner W a h r h e i t s w i d r - g k e i t h I n s â l- I i g werde. Die Denkschrift gipfelt schließlich in der For­derung nach Beschleunigung des Abschlusses der großen Aktenpublikation und in dem Antrag, die Reichsregierung solle allen Unterzeichnern des Versailler Vertrages zur Kenntnis bringen, daß sie jetzt den aktenmüßigen Nach­weis für die Unrichtigkeit des Artikels 231 erbracht sehe, daß sie deshalb den Widerruf dieses Artikels für uner­läßlich halte und die Anerkennung dieses Standpunktes durch die Signatarmächte nunmehr erwarten müsse, auch, daß sie infolgedessen zu einer U m g e st a l t u n g des Vertrages entsprechend dem Vorfriedensabkommen, d. h., nach den Wilsonschen Grundsätzen, auffordere. j Der Reichsarbeitsminister gegen Überstunden.

Das Reichsarbeitsministerium hat in einem Rund­schreiben an die Landesregierungen erneut auf die Not­wendigkeit hingewiesen, wegen der großen Arbeitslosig­keit die ü b e r st u n d e n a r b e i t nach Möglichkeit ein - zusch ranken. Dies gilt einmal für die mit dem Ar- beitsbcschafsungsprogramm der Reichsregieruug zu- sammenhängende Arbeit/ für Regie-arbeiten und alle sonstigen Vergebungen von Arbeiten durch öffentliche Stellen. Wichtiger aber ist, daß die Landesregierungen gebeten werden, auch allgemein die Gewerbe- und Berg- aufsichtsbeamten anzuweisen', bei der Bewilligung von Arbeitszeitverlängerungen mit äußerster Vorsicht vorzu­gehen und dabei die gegenwärtig ungünstige Lage des Arbeitsmarktes mit zu berücksichtigen.

Bayerns Einzelhandel gegen die Getränkesteuern.

Die Arbeitsgemeinschaft des bayerischen Einzel-. Handels veranstaltete in München eine Protsstversamm- lung gegen die gemeindlichen Getränkesteuern, an der neben Abgeordneten und Vertretern des Stadtrates auch Vertreter des Landesverbandes der bayerischen Lebens- mittelhündler usw. teilnahnicn. Nach lebhafter Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, in der die Aufhebung der G e t r ü n k e st e u e r n verlangt und die Reichs- bzw. Landesregierung aufgefordert wird, unverzüglich N o t st a n d s m a ß n a h m e n für die in Rot befindlichen gewerblichen Betriebe, insbesondere des baye­rischen Hochlandes, zu ergreifen. Ferner wird eine Milde­rung des allgemeinen Steuerdruckes gefordert.

Portugal.

X Blutige Komm umstenunruhen. Wie aus Lissabon gemeldet wird, haben sich dort blutige Unruhen ereignet. Es hat sich eine sogenannteRote Legion" gebildet, deren Mitglieder hauptsächlich aus Kommunisten bestehen und die plündernd und raubend die Straßen durchzieht. Bei einem Zusammenstoß mit der Polizei ist der Polizeiches Lissabons, Oberst Amaral, schwer ver­letzt worden.

Aus Zn- und Ausland.

Dresden. Reichspräsident von Hindenburg hat an den Ministerpräsidenten Heldt ein Schreiben gerichtet, in dem er seinen h e r z l i ch st e n Dank für die freundliche Begrüßung und Ausnahme, die er bei seinem Besuch in.Dresden bei den Behörden und der Bevölkerung gesunden hat, ausspricht.

Rom. Rach einer Meldung des linksgerichtetenParis Soir" sind in Italien zahlreiche Abgeordnete der Sozialistischen und der Kommunistischen Partei verhaftet worden.

Reval. Im Gebiet von Petseri an der estnisch-russischen Grenze wurde eine geheime S p i o n a g e o r g a u i s a - 1 i o n ettldeckt, die zugunsten Rußlands arbeitete. Sie trieb nicht nur Spionage, sondern sammelte unter der Bevölkerung anen Unterschriften für eine Wiedervereinigung mit Rußlan d. Es wurden zehn Verhaftungen vorgenommen.

Vermischte ^rachrichten.

Keine VünlnoèenaufèymuW.

Berlin. Das Kammergericht hat nach mündlicher Ver­handlung die von dem Obcrfeuerwehrmann I ü n t s ch und dein Betriebsanwalt Winter gegen die Reichsbant erhobenen Klagen wegen Auswertung von Banknoten als unzulässig ver­worfen. In der ebenfalls anstehenden BaNknotenaufwertungs- sache der Privatierc Schwank gegen die Reichsbank wurde die Berufung der Klägerin vom Kammergericht zurückgewiesen.

Zunahme der Ardeitskosigkeil in Berlin.

Berlin. Die Zahl der Arbeitslosen in Berlin ist in der letzten Woche nm 3628 auf 232 895 Personen gestiegen. Es waren 232 895 Personen eingetragen, darunter 148 35!) männ­liche und 84536 weibliche.

Erkrankung des sächsischen Ministerpräsidenten.

Dresden. Entgegen anders lautenden Meldungen kann mitgeteilt werden, daß sich das Befinden des Ministerpräsi­denten in den letzten zwei Tagen gebessert hat, so daß die Hoff­nung besteht, daß er in der Lage sein wird, vor dem Zusam­mentritt des neuen Landtages seine Dirnstgefchäfte wieder aufzunehmen.

Rechtsstellung der auf das Reich überNonnncnen Länderbeamtcn.

Leipzig. Der Staatsgcrichtshos des Deutschen Reiches verhandelte in einem Rechtsstreit zwischen dem Reich und Bayern die Frage des Beförderungsrechts der gemäß dem Staatsvertraa vom 30. Avril 1920 beim Übergang Don Post und

Eisenbahn aus das Reich übernommenen Beamten. Taâ 91 i<> hielt ein von den Beamten gefordertes Schiedsgericht für unzu­lässig, Bayern war.entgegepgesetzter Ansicht; ihn, schlossen sich an Preußen, Württemberg, Sachsen, Hessen, . Mecklenburg- Schwerin u. a. Das Gericht verkündete folgenden Beschlnf-- Der Antrag des Deutschen Reiches wird 'abgelehnt, Schiedsgericht kann nicht nur von den einen RechisfEvit verwickelten, sondern von allen Prämien zur grundsätzlichen Entscheidung angerufen werden.

Bor Schreck gestorben.

Köln. In Bruchweiler wurde ein Anwesen von einem schweren Schadenscuer beimgefmbt; Wohnhaus, Scheune und Mallung wurden völlig verlrichtet; das Meh konnte gereuet werden. Eine Frau geriet beim Anblick des Feueâeeres tu derartige Erregung, daß sic tot umfiel. Ihre Tochter verlor aus Schreck darüber die Sprache.

Eine Falschinstnzerivcrista!t entdeckt.

Singen am Hohentwiel. Hier würde eine Falschmünzer- bande ermittelt, die feit zwei Monaten Eui- und Zweimark­stücke aus reiner Alumiuium-Ziuu-Lcgicruug hersteüte und in den Verkehr brachte. Bis jetzt ivurden fünf Personen ver­haftet, die zum Teil ans Singen stammen. Die falschen Geld­stücke, wurden in Der näheren unb weiteren Umgebung Singens und wahrscheinlich auch in Karlsruhe und in Freiburg ver­breitet.

Auszeichnung deutscher Industrieller.

Löben. Im Anschlüß an die Döktorcrnestnungcn an der montanistischen Hochschule in Löben fand die Ernennung von Dr.-Jng. Albert Vögler, Vorsitzender des Vereins Deut­scher Eisenhüttenleute in Dortmund, Dr.-Fng. Otto Petersen, Vorstandsmitglied des Vereins deutscher Eisen- hiittenleutc in Düsseldorf unb Dr. A u t o n W e i t b o s e r, Generaldirektor der oberbayerischen Gesellschaft für Kohlen­bergbau in München, zu Ehrendoktoren der montanistischen Wissenschaft statt.

Flugzeugunglück in Augsburg.

Augsburg. Der Chefpilot Häusl der Bayerischen Flug. Werke A.-G. ist auf Dem Fabrikflugplatz schwer abgestürzt. Häusl hatte die Maschine ins Trudeln gebracht unb konnte fit erst fünf bis sieben Meter über dem Boden abfangen. Durch deu scharfeu Aufprall überschlug sich die Maschine unb ging vollkommen in Trümenir. Der Pilot erlitt schwere Kopfver­letzungen und mußte besinnungslos ius Krautenhans gebracht werden.

Der Papst zum mexilanèschen KircheßstreiL.

R o in. Der Papst hat eine Enzyklika an alle Bischöst erlassen, in der er gegen die Verfolgungen der Katholiken in Mexiko protestiert.

Reichskanzler a. D. Dr. Luther in Montevideo.

Montevideo. Dr. Luther, der im Flugzeug aus Buenos Aires hier eintraf, wurde vom Präsidenten Serrato empfan­gen und war Gast der Rxgreruttg, welche zu feinen Ehren ein Frühstück gab. Nach einem Empfang, den der dcntsche Ge­sandte Schmidt-Elskop veranstaltete, und nach einem Essen im Deutschen Klub setzte Dr. Luther seinen Flug nach Bra­silien fort.

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Radiospiegel.

Sturmschäden und Ueberfchwemmungen in Spanien.

wtb. Madrid, 22. Nov. (Eig. Funkm.) In Spanien sind schwere Unwetter niedergegangen. Fast alle Flüsse sind über die Ufer getreten. Es werden zahlreiche Unfälle gemeldet. Viele Fischerboote werden vermißt. Neun Fischerboote zerschellten an den Uferfelsen vor San Lucar. Mehrere Menschen sind er­trunken.

Sturm an Frankreichs Küsten.

Paris. Die heftigen Stürme bot letzten Stunden haben den Schiffsverkehr behindert. So wird aus Cherbourg ge­meldet, daß ein Unterseeboot, das zur Hochscedivisiou stoßen wollte, umkehren und im Hafen von Cherbourg Puitudu suchen mußte. Es ist bèsckädM worden. ^aN «M»"Häüüw Passagierdampfer treffen mit Verspätungen ein. Die in Cisn-' bourg eingelaufenen großen PassagierdampferLeviathan' undOlympic" sollen von dem Sturm, der auf dem Atlan­tischen Ozean herrscht, beschädigt worden sein. Auch au bei Mittelmeerküste herrscht Sturmwetter. Der aus Marseille ausgelaufene, nach Beirut bestimmte DampferTranslibanon' ist gestrandet. Zu seiner Rettung wurden Schiffe entsandt. In Port Sainte Marie ist der Deich gebrochen und die Stadt wurde von der Sturmflut heimgesucht.

Religiöse Zusammenstöße in Warschau.

wtb. Warschau, 22. Nov. (Eig. Funkm.) Bei einer Vor- tragsDcraiiÜaltung von Anhängern der polnischen nationalen Kirche in Warschau kam es zu Demonstrationen katholischer Ele­mente, bei denen verschiedene Geistliche, sowie eine Anzahl von Zuhörern schwer verletzt wurden. Unter den von ver Polizei verhafteten Tätern befinden sich auch einige Studenten.

Verhafteter Werber für die Fremdenlegion.

wtb. Nieder-Ingelheim, 22. Nov. (Eig. Funkn«.) Der Sepa­ratist Erbes von hier wurde verhaftet, weil er beschuldigt wird, junge Leute für die Fremdenlegion angeworben zu haben.

Ein französisches Militärflugzeug zerstört.

wtb. Nierstein, 22. Nov. (Eig. Funkm.) Ein französisches Militärflugzeug, das hier eine Landung vornehmen wollte, blieb in einem Weidenbckum hängen und wurde vollständig zerstört. Der Flieger wurde leicht verletzt.

Krieg im Frieden.

/Von unserem ständigen Mitarbeiter.

Wien, Mitte November.

Wenn man in den letzten Wochen die Lokalnachrichten bei Wiener Zeitungen betrachtete, so konnte man sich in die glück­licherweise schon in Vergessenheit geratene Zeit vor einem Jahrzehnt zurückversetzt glauben. Man las Berichte von der Vorpostengefechten am Donauuser, von der Gefechtsbereitschaft der Truppen, von hartnäckigem Widerstand, von Generalan­griff und Waffenstillstand. Wie ist das möglich, was ging hier bot*

Ein gemeinnütziger Verein, der in der sogenannten Oberau", einem nicht bevölkerten, aber fruchtbaren Gelände am linken Donauufer, unweit der Wiener Weichbildgrenze, eine große Kolonie für Arbeitslose errichten wollte, konnte mit seinem Vorhaben infolge endlosen Umherwanderns bei Akten von einer Behörde zur anderen seinen schönen Plan nicht der Verwirklichung näherbringen und entschloß sich, die Rechnung zu machen, ohne den Wirr zu fragen. Eines Nachts zogen über hundert Mitglieder dieses Vereins mit Sack und Pack in dieOberau" und ergriffen ganz einfach namens ihrer Organisation von dem Gebiete Besitz. Zelte wurden errichtet, Lagerfeuer angezündet, Feldwachen ausgestellt und die Parole lautete:Wir weichen nur der Gewalt! Eher lassen wir uns zerstückeln, als daß wir freiwillig von der Stelle gehen!" Zu­nächst hatte man Mundvorral auf einige Tage mit sich, aber bald kam Nachschub von weiteren hundert Gleichgesinnten mit neuen Hilfsmitteln. In den Ministerien werden die Köpfe zusammengesteckt, die Gendarmerie wird alarmiert, man ent­sendet Parlamentäre, aber umsonst. Ein Vorgehen mit Waffengewalt war natürlich tiicht denkbar und man dachte, die unternehmungslustigen Siedler werden sich im Lause der Zeit eines Bessereit besinnen und schon die Unbilden der Witte­rung werden sie zum Abzug zwingen. Aber die dachten nicht daran. Nicht umsonst hatten die Leute Kriegsersahrungcn ge­sammelt. Man schaufelte und sägte, grub und hackte, man zeigte, daß man nicht arbeitsscheu, sondern nur arbeitslos war, man stellte fest:hier ist gut sein" und zog daraus die Folge­rung:hier laßt uns Hütten bauen." Die Berichterstatter Latten herrliche Tage, sie unternahmen täglich ihre Reise an

Die Front und wurden von den Ausrührern bereitwilligst durch die Postenlinien hindurchgeführt, so daß sie die herrlichsten Kriegsberichte" und Schilderungen des Lebens und Treihcns an der Front ihren Blättern übermitteln konnten. Dringliche Anfragen im Nationalrat, Volksversammlungen im Hofe des Rathauses, ein Ultimatum der Landesregierung, Näumungs- drohungen alles umsonst! Erst eine Hungerblockade konnte die Entscheidung bringen. Man hatte die Zufuhr von Lebens- mitteln abgeschnitten und das Wild, das sich auf diesem unge­fähr 600 Hektar großen Gebiet befand, nahnt auch bald ein Ende. Das Unterhaltende an der ganzen Geschichte machte auch bald dem Überdruß Platz, das Ackerbauministerium ließ sich herbei, den Siedlern Entgegenkommen zu zeigen und ihnen an anderer Stelle ein Gebiet zuzuweisen. So konnte, reichlich vier Wochen nach der Kriegserklärung, der Bezirkshauptmann in der Mitte der Ausrührer erscheinen und mit ihnen den Friedensschluß unterzeichnen. Und liebenswürdig, wie man nun einmal in Österreich ist, stellte man sogar Fuhrwerke und Lastautos zur Verfügung, in denen die Empörer samt ihrem Hab und Gut und ihren Werkzeugen abtransportiert wurden.. Viele tausend Schilling beträgt der Schaden, der durch das Wildern, Holzfällen usw. entstanden ist. 9(ber etwas hat man doch erworben, die Erkcttntnis, daß nicht nur Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist.

Das beweist auch ein anderer amüsanter Vorfall der letzten Wochen: Ein Wiener Geschäftsmann, der sich als denGold- s ü l l s e d e r k ö il i g" bezeichnet hatte und der unausgesetzt darauf sinnt, neue Rcklametricks, die ihn in den Mund der Leute bringen, zu ersinnen, verschwand eines Tages von Hause und hinterließ Abschiedsbriefe an Verwandte und Polizei. An letztere aus dem Grunde, weil er mit ihr leider auf ge- spanntenl Fuße lebte, in mehrere Prozeße verwickelt war und sogar schon eine Zeitlang wegen irgendeiner Sache hinter schwe­dischen Gardinen hatte zubringen müßen. Aber da ließ er über der Tür seines Ladens eine eigenartige Lichtreklame an­bringen, die nicht etwa die Vorzüge seines Füst- federhalters anpries, sondern in dürren Worten besagte:Man hat miet) ungerecht verurteilt!", aber auch dieser im wahrsten Sinne des Wortesflammende Protest" hatte nichts gefruchtet. Nun wollte also die Goldfiillsedcrmajestät aus der ihr zuwider gewordenen Welt scheiden und diele schien sich schon mit tzielem

herben Verlust abgesunden zu haben. Aber der Ordnung halber wollte man wenigstens doch einen richtiggehenden Totenschein ausstellcn und den Lebensüberdrüssigen aus den Listen dieser Welt streichen. Aber vergebens wartete man, daß irgendwo seine Leiche austauchen würde. Was man dagegen fand, war eine gelbes Köfferchen mit einer Autographensamm­lung und einer Visitenkarte, lautend aus den Namen:Graf Edgar Henckel-Donnersmarck", der ankündigte, seine Geliebte, Fräulein Mimi B., erschoßen und dann selbst der bösen Welt Lebewohl gesagt zu haben. Wiederum lebhafte Tätigkeit van Polizei und Gendarmerie, die zwar auch diese Leiche nicht tage förderte, aber zu dem Ergebnis führte, daß sich schon vor vielen Jahren einmal in Dresden der obenerwähnte tüchtige Geschäftsmann als Gras Henckel-Donnersmarck ausgegcben hatte und daß man auch eine Auwgrapheusammlung, so wie die aufgefundene, in seinem Besitz entdeckt hatte. Und na® weiteren acht Tagen kam eine blaue Pappschachtel zum Vor­schein mit einem großen Goldsüllfederhalter und der aus einen Zettel geschriebenen BotschaftAn alle", in der der Goldf»"^ federkönig nunmehr seinen Vorsatz als endgültigen und unum­stößlichen Entschluß ankündigte, während er zuerst nur dm Wirkung seiner Mitteilung aus die Mitmenschen hätte,av-- warten wollen. Den Schluß der Tragikomödie bildete die Aust, greifung des Selbstmordkandidaten in einem kleinen VoroN» Gasthof, wo er unter falschem Namen wohnte, und feine Aus­lieferung an die Gerichte, wo er sich wegen Irreführung vor Behörde zu verantworteu hat. Auch das ist ein Reklamyaus- Wnchs, wie er sich wohl kaum besser jeuseits des großen Wußers Anträgen könnte.

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Neuerdings will man ein ganzes Jnfanterieregimertt aus Wien ausweisen. Es wird nämlich im österreichischen Weyr­gesetz bestimmt, daß jede militärische Formatioi« inneryaio ihres Werbebezirkes zu garuisouieren hat. Nun aber bilder das Stadtgebiet von Wien verfassungsmäßig einen eigenen Bundesstaat und das 5. Infanterieregiment rekrutiert sich au» der zum Lande Niederösterreich gehörenden Umgebung, wo­gegen es seine Kaserne innerhalb des Stadtgebietes hat. M Konflikt zwischen Gemeindeverwaltung und HeèresMtmsterlUi hat nun die erstere dazu gebracht, auf ihr Recht zu pochen w den braven Kriegern den Stuhl vor die Tur zu setzon. scheint aber doch nur bei der Drohung bleiben zu sollen u man scheint sich schon wieder in GM LU einigen. ^ u « *