Einzelbild herunterladen
 

En Kai dort nicht bloß seinen Hausschneidcr, sein Schwimmbassin und sein Gratiskmo, sondern auch im Abonnement, Bndgcpariw, Rund- usw Nebenbei: man kann im Hotel sogar , chla.cn, wenn man Wert darauf legt.

Die Koalitionsspeisekarte. In der Tschechei sind dieser Taae bekanntlich zwei deutsche Männer als Ml-uster m die^Regierung eingetreten. Das hat bereits entsetzliche Äolaen gehabt, und der Bestand des ganzen tschechoslo- wakischen Landes erscheint bedroht. Em Prager tsche­chisches Blatt veröffentlicht das Faksimile eines Doku­mentes, das bezeichnend istfür den Verfall des natto- alen Selbstbewußtseins". Es handelt sich um nichts Ge- riltaeres als um die Speisekarte, die in den Restaurations- räumen des Prager Parlaments aus egt, und zwar um eines der Exemplare, die für die deutschen Abgeordneten bestimmt sind und daher die Namen der Speisen m deut­scher Sprache aufweisen. Aus den germanischen Worten der veröffentlichten Speisenkarte ersieht man, daß es an jenem Tage zu essen gab: Rindfleisch, Schnitzel, Blumen­kohl und Vanillenschnitte. Rlndsbraten ist bereits ge­strichen. Das tschechische Blatt gerät wegen der deutschen Gerichtssprache" derartig in Aufregung, daß es seine LandsleuteSklaven" schimpft. Unb dabei ist die ganze Aufregung umsonst vertan, denn Forscher haben bereits Aachaewiesen, daß es im tschechischen Parlament Blumen­kohl mit Schnitzel auf deutsch bereits vor den beiden deut- sch» Ministern gegeben hat und daß angesichts der deut­schen Speisekarte bisher auch nicht einem einzigen ttchechi- schen Abgeordneten der Appetit vergangen ist.

- Der Prinz von Wales tanzt Charleston. Char­leston ist bekanntlich der neue Modetanz. Diesen Tanz kennzeichnete eines der gelciensten englischen Blätter kürz­lich folgendermaßen:Der Charleston ist ein Afsentanz, (aber er wird sich noch aus Monate hinaus behaupten. Der jTag ist noch nicht gekommen, an dem wir uns wieder er­innern, daß Tanz und Grazie zusammengehen müssen, und daß die Nachahmung von Mgerstrampeleien nur eine Rückkehr zu den Gewohnheiten einer Zeit ist, in der der primitive Höhlenbewohner Feuer aus dem Kieselstein und mit demselben Stein sein Weib schlug." Das ist, luic man sicht, eine ungewöhnlich grobe Charakterist'.k. In derselben Nummer des englischen Blattes aber steht, drei Seiten weiter, folgendes:Der Prinz von Wales hat die Kunst des Charlesions in hervorragender Weise gemeistert. Er tanzt ihn mit einem Elan und einem Sinn für Rhyth­mus, wie sie in gleicher Vollendung nur noch zwei oder drei Berufstänzer aufweiseu . . ." Wie hieß es doch vor­her?Regerstrampeleien" und so.

Bon der Ölfarbine zum Sirius. Ein Rumäne namens Tina, der seit vielen Jahren mit seiner Familie in einer Villa auf dem Mont Salove, an der schweizerisch­französischen Grenze, lebt, ist auf den Gedanken gekom­men, die rätselhafte Begleitsonne des Sirius zu erforschen und die kosmischen Rebel photographisch zu durchmustern. Herr Dina stammt aus kleinsten Verhältnissen, war aber ^geschäftstüchtig und hat in Amerika und in Portugal mit ^Llsardinenexport ein paar Dollarmillionen verdient. Als er das Geld beisammen hatte, zog er sich 1918 von den LUardinen zurück und beschloß, sich fortan nur noch dem Sternenhimmel zu widmen. Mit einem Kostenaufwand von 200 000 Dollar will er ein Teleskop bauen lassen, wie :C§ in der ganzen Welt nicht seinesgleichen haben dürfte: ^es handelt sich um ein Objektivglas von fünf Meter Durch- imesset und von acht Tonnen Gewicht. 30 000 Dollar hat Herr Dina bereits angezahlt, und wenn das Riesentele- skop fertig sein wird, will Herr Dina sich auf einem mit einen Kostenaufwand von 800 000 Dollar erbauten

'Tic Menschheit auf dem Wege zum Verhungern. Traurige Aussichten hat dieser Tage der englische Ge­lehrte Daniel Hall der ohnehin schon geplagten Mensch­heit eröffnet. Er hat in einer in London gehaltenen Vor­lesung die Behauptung ausgestellt, daß der Nahrungs- Vorrat der Erde im Verhältnis zur Zahl der Menschen immer mehr abnimmt und daß wir in nicht allzuferner Zeit dem Hunger preisgegcbcu sein werden, wenn wir uns nicht entschließen, dem uns so liebgewordenen Fleischgenuß zu entsagen und uns aus vegetabilische Kost zu beschränken. Hall hat ausgerechnet, daß sich die Be­völkerung der Erde jährlich um mindestens fünf Mil­lionen Seelen vermehrt und daß man, um alle diese Menschen zu ernähren, eines Tages sämtlichen Boden, der jetzt als Weideland für das Vieh benutzt wird, als Ackerland wird verwenden müssen. Wenn es aber kein Weideland mehr geben wird, wird es natürlich auch kein Vieh mein neben, und das wird die Menschheit ebenso

natürlich zwingen, zum Vegetarismus übcrzugehen. Dieser pessimistischen Prophezeiung stehen allerdings op­timistische Erklärungen einiger Amerikaner gegenüber. Einer der amerikanischen Forscher machi die Mitteilung, daß neue Methoden der Konservierung von Lebensmitteln die Deponierung gewaltiger Rahrungsmittelvorräte für den Notfall ermöglichen werden. Im übrigen möge man Vertrauen zur Wissenschaft haben, sie werde das Er­nährungsprobleni schon der richtigen Lösung zuführen. In ein paar tausend Jahren wird man ja sehen, ob die Enaländer oder die Amerikaner recht behalten . . .

Börse unü Kandel-

Frankfurter Börse vom 25. Oktober. Die bevorstehende Ver­schmelzung der Hamburg-Amerika-Linie mit demKosmos", dann auch die bedeutenden Aufträge Frankreichs für die deutsche elektrotechnische Industrie gaben der Vörie heute den Anreiz zu lebhafter Geschäftstätigkeit und merklicher Befestigung. Auf dem Montanmarkt setzte die Luxemburggruppr mit' einem An- faugsgewinu bis 5 Prozent ein. Oberschlesier lagen gut be­hauptet. Sehr scharf gingen auch Kaliwerte in die Höhe. Westeregeln stiegen von 160 auf 172, Aschersleben stiegen auf 160. Der Chemicmarkt eröffnete für Farbenindustrie bei leb­hafter Umsatztätigkeit mit einem Ansimgsgcwinn bis zu 5,75 Prozent. Auch die Metallbankgruppe zog schärfer an. Auto­werte standen auf erneute Verfchmclzungsgerüchte anfangs in guter Nachfrage, bröckelten jedoch später wieder ab. Maschinen­werte verkehrten fest. Der Elektromarkt setzte bei guten Um­sätzen fest ein und konnte sich später noch wesentlich' versteifen. Zückerwerte halten uneinheitliche Haltung. Auf dem Bankak­tienmarkt, der fest verkehrte, holten Darmstädter Bank mit einem Gewinn von 7 Prozent die Führung. Deutsche Renten lagen vernachlässigt. Auch Ausländer fanden kaum Beachtung. Die Börse schwächte gegen Schluß um weitere 2 Prozent ab und schloß uneinheitlich. Die Geschäfistätigkeit der Abend­börse erstreckte sich vorwiegend auf Chemie- und Elektrowerte, in zweiter Linie auf Monlanakticn. Elektrowerte sind gesucht und weiterhin befestigt. Von Chemieaktien konnten Farben­industrie sich leicht erholen, auch die Werte der Metallbank- gruppe standen etwas in Nachfrage. Auf dem Montanmarkt zogen Oberschlesier an; von westdeutschen Werten gewannen vor allem Mannesmann und die Rheinstahlgruppe. Autowerte verkehrten uneinheitlich. Bankaktien neigten verschiedentlich zu leichten Abgaben. Schiffahrtswerte leicht abgeschwächt. Im Freiverkehr sind wieder Kriegsanleihe gesucht, auch Tür­ken wurden in kleineren Posten gehandelt. Es wurden ge­nannt: Commerz- u. Privatbank 144.5, Darmstädter Bank 245.75, Dresdner Bank 159.5, Norddeutscher Lloyd 174, Adler­werke Kleyer 107.5, Daimler 98 5, Farbenindustrie 329.5, Gold- und Silberscheideanstalt 176.5, Deutsch-Luxemburg 175.25, Gel­senkirchen 177, Harpcner 183, Mannesmann 176, Stahlverein 152.75, Phönix 137.25, Oberbedarf 87.5, Laura 83, Westeregeln 172.5, Kriegsanleihe 700.

Frankfurter Getreidebörse vom 25. Oktober. Der fortgesetzt scharfe Aufstieg der Auslandspreise wirkte sich an den heimischen Getreidemärkten für alle Erzeugnisse in überaus scharfer Weise aus. Es wurden heute bezahlt für 100 Kilo: Weizen 30.5 30.75, Roggen 24.524.75, Gerste 2529, Hafer 2021, Mais 2020.25, Weizenmehl 4344, Roggenmehl 35 536.5, Wei- zenkleie 10 510.75, Roggenkleie 10.510.75, Erbsen 4570, Linsen 5080, Hen 77.5, Weizen- unb Roggenstroh drahtgepr. 3.253.75, dto. gebündelt 2.753, Treber 16.517.

Frankfurter Kartoffelmarkt vom 25. Oktober. Auch hier steigen die Preise bei immer knapper werdendem Material und Zufuhr. Man rechnet, daß sie in den nächsten Wochen eine seit Jahren nicht erreichte Höhe erreichen werden. Es wurden be­zahlt für je 50 Kilo: Industrie hiesiger Gegend 5.205.40, weißfleischige hiesiger Gegend 4.5.

Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 25. Oktober. Die Ab­wicklung des heutigen Schlachtviehmarktes vollzog sich unter er­heblichen Schwierigkeiten. Von den Tierärzten war bei einem Schwein die Maul- und Klauenseuche sestgestellt und daraufhin der ganze Schlacht- und Viehhof als Sperrgebiet erklärt wor­den. Die Folge war, daß die Großhändler für Rinder die Sperre für unzulässig erklärten und beschlossen, überhaupt nichts zu verkaufen. Sie traten also regelrecht in den Streik ein. Nach langen Verhandlungen wurde eine Einigung erzielt. Der Auftrieb bestand aus 1409 Rindern, darunter 326 Ochsen, 57 Bullen, 678 Kühen und 348 Färsen, ferner aus 384 Kälbern, 237 Schafen und 3069 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen: vollst, ausgem. 5762, sonst, vollst. 5358, fleischige 4852, Bullen: jung, vollst. 5154, sonstige vollst, ober ausgem. 4650, Kühe: jung, vollst. 49 bis 54, sost. vollst. 4148, fleischige 3040, gering genährte 22 bis 29, Färsen: vollfl. ausgem. 5660, vollst. 4955, fleifch. 4048, Kälber: beste Mast- und Saugkälber 8286, mittl. Mast- und Saugkälber 788.1, geringe Kälber 6272, Schafe : Weidemastlämmer unb -Hammel 4044, mittl. Mastlämmer, ält. Masthammcl und gut genährte Schafe 3439, fleisch. Schaf­vieh 2533, Schweine: Fettschweine über 300 Pfund 80 82, vollfl. von 240300 Pfund 8082, von 200240 Pfund 80 bis 83, von 160200 Pfund 7882, von 120160 Pfund 75

80, Sauen 6575. Marktverkauf: Ringer, Kälber uns» Schweine wurden langsam, Schafe lebhaft ausverkauft. Bei Schweinen verblieb geringer Ueberstand. Fleischgroß- Handelspreise: Ochsen- und Rindfleisch 1. 95100, Och­sen- und Rindfleisch II. 8595, Bullenflestch 8590, Kuh- fleisch I. 6575, Kuhfleifch II. 5060, Kuhfleisch III. 2535, Kalbfleisch I. 115130, Hammelfleisch 7080, Schweinefleisch I. 90100. Gefrierfleisch: Rindfleisch, Vordervicrtel 52, Hintcrviertel 58. Geschäftsgang: langsam.

Amtliche Berliner Notierungen vom 25. Oktober.

Börsenbericht. Das Geschäft war ziemlich still, gleichwohl konnte man von einer festen Grundtendenz sprechen. Auf den meisteil Markten kam cs zu Kurssteigerungen von 12 %. Jm Vordergrund des Interesses standen Schissahrtswcrte, dagegen waren inländische Anleihen eher vernachlässigt. Der Geld- ist weiter sehr flüssig, tägliches Geld 3-5 %, moimt. liches Geld 5,756,75 %.

* Devisenbörse. Dollar 4,19-4,20: engl. Pfund P^-^OJl; holl. Gulden 167,95-168,37; Danz. 81,50 big 81,70; franz. Frank 12,84-12,88; b c l g. 11,68 11,72; ! d) w e I ;. 81,0281,22; Italien 18,8118,85: sch > c d. ; - d ä ii. 111,71111,89; norme g. 103,97 bis 101,23; t;d)c ch. 12,43-12,47; ö st c r r. Schilling 59,25 ul 5

* Produktenbörse. Der Getreidemarkt zeigte ruhigere Ten­denz. Amerika und Liverpool hatten leichte Abschwächungen gemeldet. Erportfrage für Weizen wie für Roggen blieb hier beste) en, aber das Jnlandsangebot ist sehr schwach und die enorme Frachtcntciiccung und Knappbcit disponibler Dampfer machen den Export unrentabel. Das Mchlgeschäst war auch Piller geworden und das ließ die Müllerei mit ©etreibefäufen vorpctmgcr werden. Im Zeitgeschäst von Weizen stellten sich die Roticruiigen durchschnittlich etwas schwächer. Die Cis- sorderungcn vom Auslande waren nur leicht abgeschwächt Roggen war auf Lieferung infolge Zurückhaltung ber Abgcber eher fester. Gerste in den besseren Sorten weiter im greife boch gehalten. Auch für Hafer blieb die Tendenz gut be­hauptet. Mais von La Plata höher gehalten und auch hier fest. Nach Futtcrartikeln hielt die lebhafte Kauflust der Handler an.

Gei reivc uuo Clfaaien per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Ktlo-

glomm ui Reichsmark:

Wetz, märt

2\ 10 274-277

23. iO.

2,4-277

Weizkl.i.Brl.

25. 10. 11,0-11.2

23. 10.

11.0-11.7

pommerid/

-

Nogkl. f.örl.

11.0-11,2

11,0-11,2

Rogg., märt.

225-230

226-231

Raps

pommerfd}.

Leinsaat

meftpreuB

Vikt..Erbsen

57 65

54-61 '

Braugerste

220-270

220-270

tt.Sperfeerbf.

39-42

36-39

Ruueraerfte

190-103

190-2 3

Suuererbfen

21-24

21-21

Haier, mârt.

181-197

181-197

Peluschken

22-23

twmmericd meftpreuB.

-

'Merbopuen Wicken

21-23

25-26

21-22,5

Weizenmehl p 100 kg ir. Bin br.intl. Sack (ieutft

Liivin. blaue Luo in , gelbe èerabeüa Raosknchen

13-14 5 11 Io

15.6-15,8

15.2-15 4

Mik. ».Ron Rvggenmehl p.ioti ki- fr Berlin br

3i>,7- 9,5

56,7-39,5

Leinkuchen SrudeuidjBl. Zona-Sckroi Tvkjml.3U 70

20,5-21,0

9.8-10,2

19,8-20,0

20.3--0.8

9,8-10

19,6-19.8

trift $ ad

32.7 '4. '

32 7 31.2

»anoiielilck

21,5-25

24,5 25

* Eierpreisc. a) Inländische Gier (in Pf. und je Stück): Große, vollsrische, gestempelte Jnlandseter 18, frische Inlands- eier über 55 Gramm 14,5016, irische Inlandseier unter 55 Gramm 1314; b) Auslandseicr: Extra große Eier 1819, große Gier 1416,50, normale Gier 1113,50, abweichende Gier 1112,50, kleine unb Schmutzeier 9,5010,50; c) Kühl- Hauscier: Dänen 1416,50. Tendenz: Ruhig.

* Kartosselpreise (je Zentner, waggonirci märkischer Station). Amtlich ermittelt durch die Landwirtschastskainmer für die Provinz Brandenburg unb für Berlin. Weiße Kar­toffeln 33,30, rote Kartosseln 3,253,60, Jndustrickartostetil 3,504 M., Jabrikkartosscln 12,5014 Psg. pro Stârkepro- zeiit. Andere gelbfleischige Kartoffeln 3,253,75 M. Groß- fallenbe Kartoffeln über 2 Zoll über Notiz.

* Berliner Häutevcrsteigcrung. Der Bestich war nur schwach, und die Käufer gaben ihre Gebote sehr vorsichtig und zögernd ab. Bei ben Wichten Großviehhäuten wurden nur Kuhhäute vertäust. Soweit verkauft wurde, erzielten leichte Häute bis 29 Pfund: Kuhhäute 55,50 (55,50), Kalbfelle «Berliner Schlachthof) bis 9 Pfund mit Kopf zurückgezogen (8488), ohne Kopf 100 (88), 9,1 bis 15 Pfund mit Kopf 90 (82,25- 85), ohne Kops ohne Gebot (83,25), 15,1 bis 20 Pfund mit Kopf 81,5088 (76,50- 79), ohne Kops 87,75 (78), 20,1 und mehr Pfund mit Kopf 78,7579 (74). Die Preise verstehen sich je Pfund in Pfennigen. Die Zahlen in Klam­mern bedeuten die greife für beschädigte Waren.

* Allgemeiner Deutscher Saatciimarkt. Der nächste vom Verein Berliner Getreide- und Prodnktcnhändlcr unb der Vereinigung her Samcnbänbfcr dcs Deutschen Reiches ver­anstaltete Allgemeine Teutsche Saatenmartt findet am 25. Januar 1927, wie alljährlich, wieder in den Räumen deS Zoologischen Gartens zu Berlin statt.

M MD MWUMMW ROMAN von J. SCHN EIDER-FOERSTL «HEBEilRECHTSSCHUTZ DURCH VERLAG OSKAR MEISTER. WERDAU

(66. Fortsetzung.) lNaci)druck verboten.)

Vaier!" schrie sie unterdrückt auf.

Haft du es noch nicht bemerkt? Er sitzt stuirdenlang, ohne etwas zu sagen, er horcht, ohne etwas zu hören. Seit der Amerikaner dagewesen ist und die andern, geht's ab­wärts mit ihm. Früher hat er gesprochen, jetzt schweigt er. Keine zehn Worte bekommst du im Tage von ihm zu hören." Sag, was ich tun soll!" klagte die arme Mutter.Soll ah zu ihr fahren?" .

Zu wem?" v \

-Zur Baronin Gellern!" '

Radanyi antwortete nicht sofort.

Ja fahr zu ihr.Vielleicht hat sie ein Herz im Leib ! vnd kommt," stieß er heraus.

Soll ich heute noch reisen, Vater?"

Du weißt nicht mehr, was du sprichst, Luise!" meinte er beschwichtigend.Das beste Pferd brächte dich heute nicht die Hälfte Wegs nach Debreszin. Aber morgen vielleicht, 9« lange dauert der Hexentanz da draußen nicht. Das wäre uoch zu früh jetzt im November. Packe für alle Fälle was du brauchst für ein paar Tage. Und bring sie mit. Alles andere umsonst!"

Und du bist immer um ihn, Vater, du läßt ihn nicht aus Ustgen, wenn ich weg bin!"

T . n ~ ich laß ihn nicht aus den Augen. Schon feil mehr, sonst müßt ich nicht, daß es allerhöchste

*' ^Ui wcgzubringcn!"

beiden Armen umfaßte Luise Radanyi den alten nn und drückte sich gegen ihn.

,den Kopf verlieren, Luise," mahnte er.Nichts . ^ . , Es gibt sich ganz von selbst, daß, wo er ist, m L kann mir nicht aus. Weder bei Tag noch Ammer "' "scn 611 *n Wien bist, teile ich mit ihm sein

Er wird es merken' Vater!"

mehAALm1,tuirb mir Gauben, wenn ich ihm sage, daß Lübc!" ^ fnltP für f° alte Knochen, wie ich sie

urto wenn er geht, Don Esikos auszujuchen?" frug sie bange.

Dann geh ich eben mit. Ich habe lange nicht mehr nach den Pferden gesehen. Das weiß er und wird nichts dahinter finden!"

Luise nahm ihr Taschentuch und verwischte damit die letzten Tränenspuren, ehe sie aus der Gaststube trat, um nach Siemers Zimmer zu gehen.

Es lag vollständig in grauschwarzem Dämmer, als sie bei ihm eintrat. Sie konnte nichts unerscheiden.Elemerl" rief sie angstvoll.

Mutter?" kam es aus dem Dunkel, dorther, wo der riesige, grüne Kachelofen eine angenehme Wärme ausstrahlte.

Sie tastete sich vorwärts. Er kam ihr langsam entgegen, griff nach ihrem Arm und zog sie mit sich nach dem Divan, der vor dem weißbezogenen Bette neben der Längsmauer stand.

Zwei Korbstühle leuchteten aus dem Dunkel, am Boden schimmerte ein weißes Fell.

Ein unbestimmter Duft von Blüten und Obst lag über dem Raume, der in seiner schlichten Einfachheit unendliches Behagen zu geben vermochte. Sie fühlte, wie seine Finger trotz der Wärme, die der Ofen ausstrahlte, kalt waren und daß er fröstelte.

Frierst du, mein Bub?" sagte sie besorgt und wollte sich heben, das Feuer neu anzufachen.

Er drückte sie auf das Sofa zurück.Laß, Mutter, es nützt ja nichts. Es kommt alles von innen."

Willst du es nicht hell haben, Siemer?" frug sie. Sic I konnte nicht einmal fein Gesicht erkennen."

Nein!" kam es hastig.Aber es ist gut, daß du da bist, ! ich habe mich gefürchtet!"

I Sie erschrak. Er ließ ihre zitternde Hand nicht los.Wo­vor hast du dich gefürchtet, mein Bub?"

Ich hab sie heute gesehen, Mutter!" raunte er ihr zu.

:Wen denn?" . 2

Mutter, du frägst noch?" Ky^

Wo willst du sie denn gesehen haben, Siemer?"

In Debreszin. Ich bin heute hinübergeritten, meine Post zu holen, da hat sie an einer Straßenecke gestanden!" Siemer! Bedenke doch. Wie jollte sie denn dorthin kommen. Sine Achniichkeit! Sonst nichts!"

Mutter!" er beugte sich nahe zu ihr.Du glaubst also * nicht, daß sie es war!"

Nein, mein armer Junge, gewiß nicht!"

Sie reißt mir noch das Herz aus dem Leibe und lacht dazu!"

Sei nicht ungerecht, Siemer! Sie ist nicht grausam! Weißt du nicht, was die kleine Ellen dir gesagt hat?"

Das ist ja alles nicht wahr, Mutter. Niemand kennt sie so gut wie ich. Ich bin vor ihr gekniet gekniet Mutter und sie hatnein" gesagt! Zweimalnein"!"

Schon in der nächsten Minute, nachdem du gegangen warst, hat sie vielleicht bereut!"

Sie hat gelacht!"

Ich hab es mit eigenen Ohren gehört, Mutter!"

Du hast dich getäuscht, mein Sohn geweint wird sie haben, gerufen aber nicht gelacht."

Er widersprach nicht mehr. Qualvoll in tiefster Seelen­pein stöhnte er auf.

Ach, Mutter, wär ich doch ein Zigeuner geblieben."

Sie fuhr wortlos rasch über beide Augen. Jetzt, im Dunkel konnte er wenigstens nicht sehen, daß sie weinte. Ja, es war wirklich höchste Zeit, daß er fort kam. Hier, wo er so gar keine Ablenkung hatte, wo er nur immer den gleichen Gedanken nachhing, ging er zugrunde. Sie verwand ihren Jammer und suchte ihrer Stimme einen gleichmütig-ruhmeu Klang zu geben.

Wenn du wieder reisen wolltest, Siemer, hier ist es jo furchtbar eintönig im Winter, du bist die Gesellschaft gewöhnt und wirst dich langweilen!"

Ach, nein! Es ist ja alles nicht der Mühe wert."

Du irrst, mein Bub! Jeder Tag bringt draußen in der großen Welt etwas Neues!"

Für mich nicht, Mutter! Mir bringt er immer das Gleiche!"

Mit unsicheren Händen machte sie Licht. Als sie die dunklen Vorhänge zuziehen wollte, wehrte er bittend:Nicht, Mutter! Wenn alles jo fest verschlossen ist, meine ich immer, ich 'üge in einer Totenkämmer."

Solche Gedanken trägst du!" sagte sie vorwurfsvoll.

Ja solche Gedanken unb noch andere noch andere, die viel gräßlicher sind Mutter, ich muß dich etwas fragen, sonst verzweifle ich darüber!"

Frage alles, was du willst, mein Bub! Vielleicht bringt es dir Ruhe!" - . , .

1 . toortfeteuna tolaU