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ZMaer Anzeiger
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^^ Fulda, 11. VNober 1926
Nah und Kem
O Mexikofahrt des Prinzen HFmich. Prinz Heinrich von Preußen wird eine Reise nach Mexiko antreten. Die S/unb Rückreise erfolgt mit dem Doppclschrauben- Ktftiff „Rio Bravo". Die Reise tragt privaten Cha- Xr Der Prinz beabsichtigt, cm modernes, auf deutscher erbautes Vassagiermotorschisf auf längerer Seereise Ä“ Sa?' *»”"’ d-- «MM »nw Dermaniawerft A.-G., Kiel, erbaut.
I n ^olaenickweres Autounglück. In der Nähe des KaimbofsHad m e r s l e b e n ereignete sich ein schweres Efounalürf Beim Nehmen einer Kurve fuhr das Auto Les von Wanzleben kommennden Fabrikbesitzers Bartels, dem sich dieser mit seinem Buchhalter befand, gegen kine Telegraphenstange. Das Auto wurde von Passanten L völlig zertrümmertem Zustande aufgefunden. Bartels âab noch schwache Lebenszeichen von sich und wurde auf schnellsten Wege in das Oscherslebener Krankenhaus gebracht. Sein Zustand ist hoffnungslos. Der Buchhalter Annie nur noch als Leiche geborgen werden.
I O 200 Tote in Hannover. Die Zahl der an Typhus Irkrankten betrug am Wochenende 1631, die der Toten )0. Neu eingeliefert wurden 18 Personen, entlassen 25. O Vom Jahrmarkt in den Tod. Ein Arbeiter aus 'leinscharren, der sich mit seiner Frau auf dem Heimweg om Jahrmarkt befand, fiel bei Oldenburg in einen 'anal. Seine Frau sprang nach, um ihn zu retten. Beide irtranken. Auf die Hilferufe, die beide ausstießen, wurde man leider zu spät aufmerksam.
[ O Schisfözusammenstost. Der englische Dampfer „Gas- tight-, der Stettin mit einer Ladung Kohlen verlassen hatte, hatte bei Arkona (Insel Rügen) einen Zusammenstoß mit einem bisher noch unbekannten Segler, der dabei [enterte. Wie die Reederei Kunstmann hierzu mitteilt, [inb acht Mann von der Besatzung des Seglers von dem Dampfer gerettet worden. Der Dampfer wird Kopenhagen «Kaufen, um die geretteten Mannschaften dort zu landen. [ O Folgenschwere Notlandung eines Flugzeuges. Das Flugzeug der Luftpost Frankfurt a. M.—Hannover war gezwungen, in der Nähe von Gießen notzulanden. Von den vier Passagieren erlitt einer eine leichte Beinverletzung. &er Pilot Basch ist tödlich verletzt.
tO Gletschersturz im Zillertal. Wie aus Innsbruck be
richtet wird, ist vom Großen Grainer in der Nähe der Berliner Hütte am Schwarzen Stein ein riesenhafter Glet- Werabsturz, der sich über eine Breite von 300 Metern erweckt, erfolgt. Der Talabschluß am Großen Grainer liegt toller Eismassen. Im hintersten Zemmtal ist infolge des Wletscherabsturzes eine große Eislawine niedergegangen.
|0 Schiffsunglück in Le Havre. Im Hafen von Le Havre Kieß ein französischer Amerikadampfer mit dem Schlepp- Dmpfer ^llrsus zusammen. Der Schlepper wurde in zwei Irtie getreu und sank sofort. Sechs Mann der Besatzung ■ranten.
KD Schwere Grubenexplosion in Südafrika. In einer Irube bei Durban ereignete sich eine schwere Explosion. .Navigation" glaubt, daß 4 weiße und 116 farbige Berg- ybeiter getötet worden sind. Der Grubenschacht ist voll- ßindig zerstört und die Bergleute sind verschüttet. Vor- pft haben die vorhandenen giftigen Gase jede Hilfeleistung vimöglich gemacht.
iO Lynchjustiz in Südkarolina. Eine zahlreiche Menschenmenge stürmte das Gefängnis in Aiken, bemächtigte |id) dreier Neger, die des Mordes beschuldigt wurden, und mchoß sie in einem benachbarten Wald.
IO Neue Strafe für Alkoholfrevler. In Ohio hat der Bürgermeister einer Stadt eine neue Strafe für Verfehlungen gegen das Antialkoholgesetz eingeführt, da sämtliche früheren Strafen, darunter eine Kost von Brot und
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OMAN von J. SCHNEiDER-FOERSTL pWRHEa ERRECHTSSCHUTZ DURCH VERLAG OSKAR MEISTER WERDAU
Forileyungy 'Nachdruck verbalen.)
Eva Marias Bild zur Seite legend, damit es nicht durch fein Blut beschmutzt werde, das von feinem rechten Daumen rann, drückte er auf einen der Elfenbeinknöpfe nahe der Ein- bangstüre.
k Fast unmittelbar darauf erschien ein Bediensteter und frug nach seinen Wünschen.
„Etwas heißes Wasser und einen Streifen Gazeverband," ffbat sich Radanyi und sah dabei dem Manne forschend ins fseslcht. Es war ihm so bekannt, aber er wußte nicht, wo er es unterbringen sollte.
. ®Q ra‘1r es auch schon verschwunden, denn der Diener l,ch sofort wieder zum Gehen gewandt, das Verlangte herbeizuholen.
URadanyi vergaß vollständig auf feine Schnittwunde und sengte sein Gedächtnis an. Wo hatte er nur diesen Menschen gesehen? — Oft gesehen? — Eine Bewegung des- 1®Qr *bm insbesondere im Erinnern haften geblieben, ihn mit erhobenen Armen etwas in Schränke legen herausnehmen. - Er verbiß sich ganz tnr L I ^"^ ®ann und Wie zu finden. Aber es war zweck- Er fand es nicht.
öer ^^wn siete f^hon wieder zurück- Lfrh 7 . ^wc zu fragen oder viele Worte zu machen, verletzten Daumen, ließ einen Tropfen farbob wrsi,>», ^/^ndrn Oeles darüber tropfen und machte einen NN ab Gazeverband um das ganze Glied.
*J.at,le ^m wortlos zugesehen. Er ärgerte sich, W Ina Gedächtnis ihn so im Stiche ließ.
"^danyi noch etwas?" kam es höflich. Ln ^onke! - Aber sagen Sie einmal," er hielt den uns ^"^^nden Knöpfen feiner Livree fest, „haben ober lo 2 il r °? '^^divo gesehen oder auch gesprochen Wesen ist!" mbe Qbfo!ul nicht mehr, wann und wo das tfteii. '^c ^ Lächeln zuckte über das Gesicht des Vedicn- ienfte L« 5 t ^^ ^"^anyil — Ich stand früher im |r perlümi^" karren in Wien und hatte die Ehre M.!a , !-er innrer zu sein, als Sie damals von der I " u| 111 ^ns Haus in der Herrenstraße. kamen!"
Milch, nicht den gewünschten Erfolg hatten. Diese neue Strafe heißt „Wasserkur". Der Gefangene muß täglich 4 Liter Wasser trinken; jeder Tag, an dem er hinter dieser Ration zurückbleibt, wird zur Gefängnisstrafe zugerechnet. Bunte Tageschronik.
Magdeburg. Der 23jährige Sohn des Eigentümers Techen in Nohlsdors bei Perleberg verübte Selbstmord durch E r - schieße m Er hatte ein Verhältnis mit einem jungen Mädchen, das aber nicht die Billigung des 60jährigen Vaters sand. Als der Vater seinen Sohn erschossen vorsand, nahm er sich das so zu Herzen, daß er ebenfalls Selbstmord durch Erhängen verübte.
Köln. Der Z^jährige Paul Mitesser aus Köln-Mülheim verging sich au einer 10jährigen Schülerin aus den Wiesdorser Rheinwiesen. Er hielt dem Kind, das um Hilse schrie, den Mund zu, so daß es erstickte, dann warf er cs i n d e n R h c i n. Der Täter wurde verhaftet.
Hamburg. Bei der Einfahrt zum Bahnhos Hagenow-Land entgleiste infolge Auffahrens aus eine Rangierlokomotive ein von Hamburg kommender Leerwagengüterzug. Drei Zugbedienstele wurden unerheblich verletzt.
Amsterdam. Wie ein Telegramm der Belga aus Veracruz meldete, fand eine Erplasion an Bord des Petroleum- tankschiffes „San Leopoldo" statt. Zwei Mann der Besatzung Würben getötet, einer verwundet.
London. Die Zahl der in den englischen Kohlen- arube» bcschästigteu Arbeiter ist aus 203:1'2 gestiegen.
AmLfikasieg Di-nekö.
W c l t in e i st e r a s p i r.n n t H a n s e n g e s ch l a g e n.
In N e w y o r f schlug der deutsche Boxer Fran z Diener den riesenhasten Amerikaner Kunte H a u s e n in einem 10 Runden Kamvs überlegen nach Punkten. Der
Franz Diener.
Deutsche lieferte den größten Kampf seines Lebens. Knuts Hansen galt als einer der ersten Kandidaten für den nächsten Weltmeistersckafts- kan'pf mit Tunney und natürlich tritt nun Diener an seine Stelle. Mit einem Schlage hat sich also ein deutscher Boxer zur Weltelite gesellt. Diener wurde mit nicht endenwollendem Jubel begrüßt. Wenige Stunden nach Kampfschluß hatte sein Manager für seinen Schützling zu den denkbar vorteilhaftesten Bedingungen drei weitere Känipse aüschließen können. Die amerikanischen Boxkampfunter- nehmer überhäuften Diener mit Kampfangeboten.
Aus dem Gerichissaal.
§ Der Dresdener VolkSop-erprozeß vor dem Reichsgericht. Vor dem Reichsgericht als Revisionsinstanz wurde der Dresdener Volksopserprozcß verhandelt. Ter Geschästssührer des Sächsischen Volksopsers, Dr. Meißner, ber von der Strafkammer des Landgerichts Dresden als Berufungsinstanz am 6. August d. J. wegen fortgesetzter Untreue und Unterschlagung zu vier Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt worden war, hatte gegen dieses Urteil Revision eingelegt. Dem Antrag des Rcichsanwalts entsprechend verwarf das Reichsgericht nach längerer Beratung bie Revision und bestätigte somit das Urteil der Vorinstanz.
§ Voruntersuchung gegen die Spritschmugglcr. Aus Antrag der Staatsanwaltschast beim Landgericht Ul B c i l i ii ist nunmehr die Voruntersuchung gegen die Brüder Lindemann und die übrigen in die Spritschninggelasfärc verwickelten Personen wegen Bandenschmuggels, Zollvergehens usw. einge- leitet worden. Von dem flüchtigen Ingenieur Bauer fehlt noch immer jede Spltr.
§ Der Fluchtversuch Schröders. Die Staatsanwaltschaft hat nunmehr die Anklage gegen Schröder und seinen Helfer beim Überfall auf den Justizwachtmeister Blancke in Magdeburg, den Studenten der Medizin Valentin Schulze, seriiggcstelll. Die Anklage lautet auf Meuterei. Sie Verhandlung gegen bie Meuterer wird binnen kurzem vor dem Erweiterten Schössen- gericht in Magdeburg ftattfinben.
§ Haas hat noch keine Schadenscrsahansprüche gestellt. Der Vertreter des Fabrikanten Rudolf Hâas, Rechtsanwalt Dr. Braun, teilt mit, daß bisher keine Schadensersatzansprüchc ein-
Radanyis ganzes Gesicht strahlte. „Ja! Wahrhaftig. Und Sie haben mir damals am ersten Tage beim Umkleiden geholfen!"
„Jawohl, Herr Nadanyi!"
„Damals und heute!" Elemer lachte. „Und wie geht es Ihnen hier?"
„Nicht gut, Herr Radanyi!"
„Nicht gut? — Ich dächte, gerade hier fei so recht der Boden, sich Geld zu holen!"
„Schon, Herr Nadanyi. Aber man wird auch leichtsinnig dabei. Man kommt in allerlei Gesellschaft, sieht den Prunk und den Luxus, weiß wie's die anderen treiben, denen der Dollar angeboren ist, und das — das hat mich ruiniert!"
„Sie wollten es auch so haben?" frug Elemer.
„Ja, ich wollt es auch so haben, Herr Nadanyi. Weniger für mich, als für meine Frau und meine Kinder. Ich habe angefangen zu spielen. Erst mit kleinen Summen, dann mit großen, habe wechselnd Glück gehabt, aber dann hat es mich verfolgt, als ob ich einem Falschspieler in die Fänge gegangen wäre. Schlag auf Schlag verlor ich. Und immer wieder begann ich von neuem, weil ich glaubte, einmal müsse es doch wieder anders kommen. Aber es blieb immer wie es war. Und jetzt stecke ich bis über den Hals in Schulden und es wird nicht mehr lange dauern, werde ich hier vor die Türe gesetzt sein. Zu spielen ist dem Personal verboten. Es hilft eben alles zusammen, daß ich nicht mehr herauskomme aus dem Schmutz. Schon seit Tagen trage ich mich mit dem Gedanken, wie ich mich und Frau und Kind am raschesten aus dem Leben schaffe."
„Das ist feige!" sagte Nadanyi mit einem kühlen, abweisenden Blick.
„Feige?" Der Mann lachte bitter auf. „Das sagt man, wenn man die Not nicht kennt. Sie wissen nicht, was das ist, Herr Nadanyi: ein krankes Weib zu Hause, das vor Kummer und Aufregung dahinstecht und nicht einmal mehr eine Träne findet, und die Kinder — wenn ich heimkomme, hängen sie an meinem Rocke und betteln um ein Stück Brot und ich kann ihnen seins geben, muß zusehen, wie sie hungern und matt und hager werden, weil alles, was ich verdiene, den Spielerkomplizen gehört. Da ist das weniger feige, wenn ich der ganzen Misere so bald als möglich ein Ende mache!"
Elemer entledigte sich, ohne etwas zu sagen, seines Frackes. Behutsam halte der Bediente mit zugegriffen und schob vorsichtig den Aermel über den Verband des Fingers. Dann kniete er nieder und löste ihm die Schuhbänder. Alles, als sei er noch in Warrens Diensten.
âeretchl feiest. Die JMMS seO^iMSNslz llöckOML VlK W schätzung und Ausstellung ber erlittenen Schäden beschäftigt. Über die Höhe der veranlagten Gesamtsumme könne vorerst noch nichts Abschließendes gesagt werden.
§ Verurteilte VcrsandgeschästSschwindler. Zwanzig junge Kausleute und Haudluugsgehilseu stauben in Hamburg vor dem Richter, um für einen von ihucu veranstalteten Riesenbetrug einzustehen. Sie betrieben seit dem Jahre 1920 ein großzügig ausgczogcncs „Tecvcrsandgeschäst", auf das Hnnderi- tausende von Hausfrauen hereingefallen sind. Das Geschäft florierte, so daß ber Hauptgcschäslssührer Groot in kurzer Zeit eine Reihe von Häusern und Villen erwerben konnte, in denen er in hemmungsloser Weise seinen Vergnügungen uachging. Unter anderem unterhielt er einen ganzen Stab von Privatboxern. Die Jahreselnuahme ans dem Tecversandgcschäsl be- trug zuletzt 3U0tK)O Alark. Tie verkaufte Ware war vollkommen wertlos. Wegen Betruges, Beihilfe und Begünstigung wurden bie Angeklagten mit Gefängnisstrafen von einem Alonat bis zu drei Jahren bedacht.
§ Der Film als Entlastungszcugc. Aus Paris wird bc« richtet von einer Gerichtsverhandlung in Straßburg, bet der der Film eine sehr wesentliche Rolle als Entlastungszeuge gespielt hat. Ein Lokomotivführer war wegen fahrlässiger Tö- tung angeklagt, Weil er bei einer Strahenüberfübrung ein Mädchen überfahren halte. Der Angeklagte gab an, sein Opfer für den Schatten eines Baumstammes angesehen zu haben. Tas Gericht ließ nun die ganze Szene retonftruieren und von einer fahrenden Lokomotive aus filmen. Man stellte fest, daß die Angaben des Lokomotivführers sehr wohl der Wahrheit entsprechen konnten, und der Angeklagte wurde daraufhin freigesprochen.
§ Urteil in einem Hochverratsprozeß. In fünftägiger Verhandlung hat sich vor dem Obersten Laudesgericht in M ü n - dien das Chemikerehepaar Richard unb Ella Becker aus Düsseldorf wegen Verrates militärischer Geheimnisse zu verantworten. Die unter Ausschluß der Offentltchkeil burchge- führten Verhandlungen endeten mit ber Verurteilung von Richard Becker zu sieben Jahrcu, Zuchthaus und zehn fahren Ehrverlust. Seine Ehefrau Ella erhielt zwei Jahre drei Rloiiate Zuchtbaus.
Vermischtes.
W. Messungen von Röntgenstrahlen möglich. Wie aus Wien gemeldet wird, wurde in der österreichischen Röntgengesell- schaft ein Apparat vorgesührt, der bei Röntgenbestrahlungen die Messung der Intensität der Strahlen ermöglicht; dadurch ist bei Anwendung von Röittgenstrahlen zu Heilzwecken jederzeit eine Kontrolle möglich und damit Verbrennung bei Röntgenbehandlungen ausgeschlossen. Der Apparat ist die Er- sindung des Wiener Ingenieurs Kraus, die auf der von dem verstorbenen Forscher Lieben erfundenen Eleltiouenröhre beruht.
— Drohende Übervölkerung. Aus dem Amerikanisten- kongreß, der dieser Tage in Rom tagte, hielt der berühmte Berliner Geograph Professor Penck einen interessanten Vortrag über den Bevölkerungszuwachs der Erde. Er erklärte, daß in zwei-, dreihundert Jahren der Bevölkerungszuwachs, gemessen an den bisherigen Ziffern, auf 15 Milliarden Menschen steigen müsse. Tic Nahrungsfläche der Erde biete aber kaum dafür noch Platz. Schon in einem Jahrhundert etwa würde sich nicht genug Nahrung schassen lassen, wenn nicht die weiten Flächen Südamerikas bis aufs letzte Plätzchen für den Anbau von Nahrungsmitteln ausgenutzt würden. Dort, wo Henie unbebautes Land oder Gummiplantagen seien, dorthin müsste sich die ganze kolonisatorische Tätigkeit der Menschen richten. Die meisten nordischen Rassen aber seien für solche Arbeit dort, des Klimas wegen, ungeeignet, und es würden sich nur akklimatisierte Angehörige der romanischen Rassen als brauchbar erweisen, um die übervölkerte Erde vor dem Verhungern zu retten.
— Mädchen sollen zu Hause bleiben. In Ehikago ist ein Gesetzentwurf angenommen worden, nach welchem Mädchen unter 18 Jahren nach Mitternacht nicht allein auf der Straße sein dürfen. Mädchen, die eine Nachtbeschäftigung haben, müssen, wenn sie angehalten werden, eine vom Arbeitgeber unterzeichnete Ausweiskarte vorlegen können. Da jedoch die Arbeitgeber die Mühen und die Geldausgaben für die Herstellung der Ausweiskartell nicht gern auf sich nehmen wollen, besteht in Ehikago die Gefahr, daß viele junge Mädchen, die als Anfängerinnen in gewerblichen Nachtbetrieben arbeiten, gekündigt werden. Die ersten Fälle dieser Art sind bereits eingetreten und die Chikagoer Frauen sind in großer Aufregung und behaupten, daß die ganze Aktion eine Rachetat der beruflich tätigen Männer gegen die beruflich tätigen Frauen sei. Die amerikanische Frauenpartei verlangt nun entschieden, daß das nächtliche Straßenverbot, wenn es schon bestehen- bleiben müsse, sofort auch auf die Burschen unter achtzehn ausaedehnt werde.
„Wie heißen Sie?" frug Radanyi.
„Rinkerl — Konstantin Rinker!"
„Wie hoch beläuft sich Ihre Spielschuld?"
Der Mann erhob sich verlegen und machte eine abmehrende Bewegung. „Ich weiß schon, Herr Radanyi. Sie wollen mir helfen. Aber es hat keinen Sinn. Das Geld wäre für Sie so viel wie verloren. Es würde ein halbes Menschenalter dauern, bis ich die Summe wieder zurückbezahlen könnte."
„Sind es mehr wie zweitausend Dollar?"
„Nein! Um hundert weniger!"
Elemer nahm die beiden Wertbriefe vom Tische und reichte sie Rinker. „Nehmen Sie! Das reicht gerade."
Der wußte nicht, wie ihm geschah. Da hatte ihn der Geigerkönig schon vor die Türe geschoben und drehte den Schlüssel hinter ihm im Schloß.
„Herr Radanyi! — Herr Nadanyi!" hörte er draußen rufen.
„Gehen Sie!" gab er gedämpft zurück. „Machen Sie Ihre Schulden quitt und kaufen Sie Ihren Kindern Brot — und spielen Sie nicht wieder!"
„Nie wieder!" Dann ein rauhes Aufschluchzen.
Rinker kniete vor der Schwelle und preßte sein Gesicht gegen die Wandung der hohen Flügeltüre, hinter der Radanyi sich zur Ruhe legte. „Gott segne ihn! — Gott segne ihn!" Es war feit Monaten das erstemal, daß Rinker wieder zu feinem Gotte mit einer Bitte Eam.
Gleich einem orangefarbenen Vorhang hing der Abend- himmel über der Millionenstadt Newyork. Dieses Notgeld drang selbst durch die Schicht von Dunst und Dampf und aufsteigenden Nebeln, welche über dem endlosen Raufer« gewirr lagerte. Die Straßen erschienen wie mit einer ockergelben Flut übergossen. An den tausenden von Fenstern rann sie herab und tauchte alles in ein unwirkliches, wesenloses, unirdisches Licht. Die Wolkenkratzer tauchten wie Gralsburgen aus der mattgoldenen Helle, ihre Fenster brannten, die Mauern schienen aus gleißendem Erz geformt. Die mächtigen bronzefarbenen Zeiger der Riesenuhr an einem der Geschäftshäuser erschienen wie aus reinem Gold gehämmert. Man staunte über das seltene Schauspiel. Aber man blieb nicht stehen. Newyork hatte keine Zeit für Natur und Sentimentalität. Unaufhaltsam weiter raste die Zeit und mit ihr die Menschen.