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Zul-aer Mzeiger

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Nr. 233 1926

Fulda, Samstag, 9. Oktober

3. Zahrgang

Meine Zeitung für eilige Leser.

* Der Rcichspräsideu, hat das Abschiedsgesuch des General- obersten von Sccckt genehmigt.

* Reichskanzler Dr. Marx hielt bei dem in Berlin erfolgten Zusammenschluß der Beamtenverbände eine bedeutsame Rede.

* Der Reichstagsausschuß für auswärtige Angelegenheiten verhandelte Freilag über den Fall Germersheim.

* Die amerikanische Anleihe von 25 Millionen Dollar, durch die der Stinnes-Vcsitz saniert werden soll, ist zustande ge­kommen.

Herbstkrisen.

Langsam sinken die Blätter, gelb und braun gefärbt, von den Bäumen, als wären sie es müde geworden, noch mehr des herbstlichen Sonnenscheins in sich aufzunehmcn, der wieder einmal an die Vergänglichkeit alles irdischen Merdens und Reisens erinnert. Mit der gleichen Pünkt- ltchkeit, wie wir so vom Sommer Abschied zu nehmen ge- a?e?^.n' J^IT.J^ auch diesmal wieder in der hohen Politik die Krisen ein, die den Übergang zum seit Jahren anzukündigen pflegen. In E Kaiserzeit war es nachgerade sprichwörtlich geworden: den Herbststurmen gerät nicht nur die Natur noch ^^Ä,in Aufregung, gibt es nicht nur draußen in Wald und ylur noch ein letztes Aufbau men gegen winterliche Erstarrung und Fesselung, auch in Staat und Gesellschaft begann es, zu rütteln und zu schütteln, und was den Sommer über sich an ungelösten Problemen, an person- Urcs? Reibereien und Unstimmigkeiten in den hohen ^teaungen nnb Ämtern angesammelt Hatje, das drängte, '"ddld die Tage kürzer und kürzer wurden und die groß« Nadttschen Salons mitsamt den Parlamentsstuben sich wieder füllten, zum Nustrag, und wo es nicht anders ging, zu Konflikten. Mit dieser Überlieferung hat die neue Zett nicht gebrochen; der Wechsel der Jahreszeiten ist eben doch wohl mehr als ein bloß für die leblose IllW fâMYfW^^ J^SktfaM haben mir ~ ° "lteren nun auch schon in der Republik erlebt, daß m.Fm^c/ "'^ gleichbedeutend erwies mit Krisen- llnfarry. Herbftstrmmungcn in der Politik.

*

immerhin ein seltener Vorgang, wie der Rücktritt preußischen Innenministers Severing und das Abschiedsgesuch des Chefs unserer Heeresleitung, @ene« raloberften von Seeckt, an ein und demselben Tage die Öffentlichkeit überraschten. Die bloße Zufälligkeit des Zusammentreffens der freiwilligen Amtsniederlegung desjenigen sozialdemokratischen Ministers, der als' der besondere Träger des republikanischen Staatsgedankens Proben gefeiert wurde, mit dem Rücktritt der höchsten militärischen Spitze der Reichswehr kann in den Tat­sachen noch so sehr festgelegt sein, das allen Vorgängen in Deutschland besonders begierig folgende Ausland mochte zum Teil zu gern beweisen, daß hier Zusanimen- hange vorliegen, deren Deutung der unbegrenzten Er- sindnngsgabe mancher restlos tätigen Spürnase weitesten Spielraum läßt. Wir wehren uns mit vollem Recht da­gegen, daß hinter einem Vorgang, der an unabänderlichen Grundsätzen der Disziplin seine hinreichende Erklärung finden kann, Beweggründe anderer, insbesondere außen­politischer Art gesucht werden. Wenn wir es dabei nicht verhindern können, daß jenseits unserer Grenzen, in erster Reihe sicherlich in F r a n k r e i ch , der Rücktritt des Herrn von Seeckt mit dem Thoirygespräch der Herren Strcse- wann und Briand in irgendeine Verbindung gebracht so läßt sich bei der Eigenart der Franzosen eben nichts ändern. Der Reichspräsident wäre gewiß der letzte, einen solchen Rücktritt des Chefs der Heeresleitung aus anderen als zwingenden Gründen zuzulassen; wie er um« beehrt auch unter keinen Umständen eine Einflußnahme militärischer Kreise aus wichtige politische Entscheidungen dulden würde. Wenn er also das Abschiedsgesuch des Herrn von Seeckt genehmigt hat, so sollte damit auch für das Ausland der vollgültige Beweis erbracht sein, daß wir cs hier lediglich mit einem innerdeutschen Vorgang zu tun haben, genau ebenso wie beim Rücktritt des Ministers Severing in Preußen.

Als einen willkommenen Ausgleich gegen diese plötz­lich aufgetanchten Konflikte kann aus der anderen Seite der neue Vertrag begrüßt werden, den die preußische S t a a t s r e g i c r « n g soeben mit, dem Hohen- z oll e rnh a use über dessen vermögrnsrechtlichc An­sprüche abgeschlossen bat. Nach so schweren Irrungen und Wirrungen ans diesem heiklen Gebiet scheint sich jetzt mit einem Male alles sozusagen in Freundschaft und Ver­ständigung auflösen zu wollen. Der Staat soll im wesent- ''chen erhalten, was er verlangt, das frühere Königshaus doch aber noch so gestellt bleiben, daß von einer restlosen Enteignung nicht entfernt die Rede sein kann. Man möchte aufatmen bei dem Gedanken, daß damit endlich dieser im höchsten Grade unerfreuliche Streitgegenstand ein- für genial aus der öffentlichen Diskussion verschwinden soll. Die maßgebenden Parteien des Landtages scheinen der letzt vorgeschlagenen Lösung Altstimmen zu wollen, und da sich auf der Rechten doch wohl niemand finden dürfte, der kaiserlicher wird sein wollen als der frühere Kaiser, dcisen Beauftragter dem Vertrag zugestimmt hat, so darf man die Aussichten für den neuen Vergleich wohl als günstig bezeichnen. Um die Fürsteneuteiguung haben wir ja wirklich genug Krisen im Lande gehabt. Drei Kreuze hinter der Sache, wenn sic endlich aus der Welt geschafft sein wird! Dr. Sy.

Seeckls Rücktrittsgesuch genehmigt.

Generaloberst v. Seelkl entlassen.

Reichskanzler Marx bei Hindenburg.

Reichspräsident von Hindenburg hat das AbschiedZ- zesuch des Generalobersten von Seeckt unter wärmster Kneifen nung der von dem General in Krieg und Frieden dein Vaterland? und dem Heere geleisteten her- oorragendcn Dienste genehmigt. Der Reichspräsident [jat Generaloberst von Seeckt erneut empfangen und ihm Die Anerkennung und seinen Dank persönlich zum Ausdruck gebracht.

Vor seiner Entscheidung hat Reichspräsident von Hindenburg den Reichskanzler Dr. Marr zu einer ein» gehenden Aussprache empfangen. Der Kanzler ließ den Reichspräsidenten nicht darüber im Zweifel, daß er, in Übereinstimmung mit der Auffassung des Reichswehr­ministers und aller übrigen Mitglieder der Reichsregie­rung, keine Möglichkeit sehe, den Konflikt beiz «legen. An der Besprechung zwischen dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten nahmen auch Staatssekretär Dr. Meißner sowie der Staatssekretär der Reichskanzlei, Dr. Pünder, teil. Später erschien dann noch einmal der Reichswchrmiuister Dr. Geßler beim Reichskanzler Marx, um sich über das Ergebnis der Aus- spräche zwischen Kanzler und Reichspräsident zu infor­mieren. Rach der Unterredung mit Dr. Marr hat dann der Reichspräsident das Abschiedsgesuch des General­obersten von Seeckt genehmigt. Wie cs heißt, sollen auch Vermittlungsversuche unternommen worden sein, die dar­auf hinausgiugcn, sowohl Reichswehrminister Dr. Geßler wie auch General von Seeckt zum Verbleiben im Amt zu

Der Leichsbliiizier m

Die Beamtenemigung endgültig vollzogen.

Berlin, 8. Oktober.

Von dem 5. Bundestag des Deutschen Beamtenbundes wurde, nachdem noch bclanntgegeben worden war, daß sich auch der Bcaintcnring grundsätzlich zu Einig«ngsverhand- lungen bereit erklärt habe, folgender Antrag, der den Zu­sammenschluß anerkennt, angenommen:Die am 8. Oktober in Berlin versammelten gewählten Vertreter der im Deutschen Bcamtenbund und hem ^csamtvcrbanor Dent- schcr Bcamtengewerkfchaftcn organisierten Mitglieder konstituieren sich als Grüudnngsversammlung des durch den Zusammenschluß der vorgenannten Spitzcnorganisa- Konen entstandenen neuen gewerkschaftlichen Beaiitten- bundks und geben diesem den NamenDeutscher Bcantten- bund".

Der zweite Vcrhandlungstag brachte eine große Kund­gebung zu dem Zusammenschluß des Deutschen Beantten- bundes und des Gesamtverbandes deutscher Bcamtengewcrk- schaften. Unter den Erschienenen bemerkte man u. a. den Reichskanzler Dr. Marx, den Reichsminister des Innern, Dr. K ü l z , den Rcichspostmiiiistcr S t i n g l, den preußi­schen Ministerpräsidenten- Braun, dön preußischen Finanzminister H ö p k e r - A s ch o s f, den Volkswohl­fahrtsminister H i r t s i e s e r und den Landwirtschafts- Minister Dr. Steiger. Im Verlaus der Kundgebung nahm nach der Begrüßung durch den Bundesvorsitzenden, Flügel- Berlin, das Wort

Reichskanzler Dr. Marx.

Er führte u. a auS: Unsere staatliche Geschlossenheit, unser deutscher Volksstaal, hat wiederum einen bedeutenden Schritt vorangetan zu seiner Festigung und zu seiner Stär- kung. Die Reichsregierung hat alle Veranlassung, den heuti­gen Tag ganz besonders frohen Herzens zu begeben und allen denen, die zur Vereinigung dieser großen Beantten- organisationen beigetragen haben, den allerherzlichstcn Tank auszusprechen. Der Herr Vorsitzende hat einen Gesichtspunkt berührt, der mir so ganz aus dem Herzen gesprochen ist. Er hat als Ziel des Deutschen Beamtendundes die

. politische Neutralität

ohne Rücksicht ans Konfessionen, ohne Rücksicht aus die einzel- nett Bestrebungen, die wir in unserem Lande zu verzeichtren haben, nur im Interesse der llberpartcilichkeit und des Volks- ganzen betont. Dieses Ideal soll erstrebt werden auch ans den, parteipolitischen Boden. Es gilt immer, um das Wohl des Volkes und des Staates zu ringen. Es gibt nur ein Ziel: das Wobl der Gesamtheit, die Einheit unseres Reiches, die Wohlfahr, der Länder, die Wohlfahrt des gesamten deutschen Volkes. Es darf für einen deutschen Beamten und für den Bcamtenbund

teilte Frage der Staaisform mehr geben. Die Staatsform ist da, rechtlich, moralisch un­angreifbar. Die Verfassung ist zu schützen, zu achten und zu ehren. Das ist eins der Hauptziele des Beamtenstandes. Der Beamte, der ruhig die Entwicklung der Dinge übersieht, muß seinen Weg beleuchtet sehen von der großen Vergangenheit, die auch in den letzten Jahren hinter uns liegt. Ich denke mit Stolz an die schlimmen Zeiten von 1918 und 1919, wo man kaum einen Moment sicher war, ob das deutsche Volk erhalten bleiben würde. Unser Bcamlenwcseu und unser Beamtentum haben damals einzig den Gang der Staatsverwaltung ruhig und fest weitergeführt. Damals ist

das deutsche Beamtentum der Retter unseres Vaterlandes in ganz besonderem Maße gewesen. Ob man mit der Ent­wicklung einverstanden ist oder nicht, jetzt sollte jeder Beamte,

veranlassen. Dr. Geßler hat indessen darauf bestanden, daß General von Seeckt aus seinem Amt zu scheiden habe, da er andernfalls seinen Ministerposten niederlegen würde.

Eine Entscheidung über den Nachfolger ist noch nicht getroffen. In unterrichteten Kreisen nimmt man all­gemein an, daß Generalleutnant Hasse zum Chef der Heeresleitung ernannt werden wird.

Geeckts glänzende Laufbahn.

Der jetzt aus seinem Amte scheidende Generaloberst von Seeckt wurde im Jahre 1866 als Sohn eines Offiziers in Schleswig geboren. Rach den üblichen Kompagnie- und Bataillonskommandos rückte er int Jahre 1913 zum Chef des Stabes des 3. Armeekorps auf. In dieser Eigenschaft zog er auch ins Feld und nahm zunächst am V o r m a r s ch des Generals von Kluck in Nordfrankreich teil. Im Jahre 1915 wurde er nach dem östlichen Kriegsschau­platz kommandiert, wo er dem G e n e r a l v o n M a ck e n - f e n als Stabschef zur Seite, stand und zahlreiche. Kampferfolge erwarb. Rach dem Kapp-Putsch im Jahre 1920 wurde er zum Ches der Heerccleilung ernannt. Mehr als sechs Jahre hat er aus diesem Posten ausgehalten und die neue Deutsche Reichswehr oft unter den schwierigsten. Verhältnissen organisiert.

Reinhards lehnt ab.

Wie eine Korrespondenz erfahren haben will, soll Ge­neral Reinhardt gebeten haben, von seiner Berufung als Nachfolger des Generalobersten von Seeckt auf den Posten des Chefs der Hcereslcijuna Abstand zu prhmcn.

dem doch in allererster Linie das Jies vorfchwcven muh. dem Volke zu bienen, fiel) sagen: Alles nndcre tritt zurück^ Wir müssen am Vaterlande festhglien. Tie Verfassung halten wir hoch in Ehren.. Ich stehe ans dem Siandpunkt, daß unsere Republik zurzeit befestigt ist und daß abgesehen von einigen wahnsinnigen Ideen kaum niehr jemand wagt, sie anzn- greifen. Was die Reichs- uitb Die Ländervekfafsungen angeh!, muß unberührbar sein von jedem Hauck, der Verachtung und Geringschätzung. Ob man an sich anders denk, unb manches für verbesscrungssähig hält, sind Fragen, die später erörtert werden können. Eines muß feststeben:'

Die Verfassung ist die Grundlage unseres Aufbaus Wir dürfen das nicht gezwungen oder itufreimiHig betonen, sondern müssen auch nach außen hin Die Verfassung als die Grundlage achten, auf. Der wir zum Wohle unseres ganzen Volkes zusammen geben wollen

Nach der mit großem Beifall ansgenommcncn Rede des Kanzlers beglückwünschte

der preußische Ministerpräsident Braun

den Bund zu seiner Tagung und unterstrich insbesondere die Worte des Reichskanzlers. Ter Beamte solle künsrig nicht nur mittelbar, sondern auch unmittelbar im Dienste des Volkes stehen. Die gesamte Beamtenschaft müßte zu einem wichtigen Bestandteil des Volkes werden, und nur durch die Einheit von Beamtenschaft und Volk könnten wir zu Höchst, leistungen gelangen, die wir erringen müßten, wenn wir unser schwerringendcs Vaterland einer hellen Zukunft zusuhren wollen. , m

Es sprachen noch Vertreter des Reichstags, des Vrengi- schen Landtags, der ostpreußischen und der Tanzigcr Beamten und der Bcamtcnschasl der besetzten Gebiete.

Lord d'Abkmoi» beim Reichspräsidenten.

Abschiedsaudienz des englischen Botschafters.

Bei der Abschiedsaudienz des aus Berlin scheidenden englischen Botschafters Lord d'Abernon beim Reichspräsi- dènten hielt der Botschafter eine Rede, in der er seiner Bewunderung für den schnellen Wiederaufstieg Deutschlands aus dem finanziellen und

p o l i t i s ch e n C h a o s der letzten Jahre Ausdruck ga».' Der Botschafter versprach, daß er stets eine lebhafte Er­innerung an Berlin bewahren würde.. . ,

In seiner Erwiderungsrede hob der Re t Präsident hervor, daß Lord d'?lbernons Berln er Miffion mit einem bedeutungsvollen « bschnl t t in der europäischen N a ch k r i e g s g c s ch i ch t e endet. Der Reichspräsident wies hierbei auf das Jnlrakt- treten her Socarnoncrträgc und auf den Eintritt Deutsch. landS in den Völkerbund hin und betonte, daß Lo a d Abcrnon an dieser Gestaltung maßgeblichen Ante,» «c-