tncncn zweiten Lesung des Budqeiprâliminärinmsckn der Kommission hatten die Nationaldemokraten einen Vorstoß gegen den Finanzminister Klarner unternommen, der aber auch damals in Wirklichkeit Pilsudski galt. Dessen überragender Einfluß wird aus der Tatsache Jlar, daß die Nachricht genügte, Pilsudski käme im Extra- --ug nach Warschau von seinem Urlaubsaufenthalt, um wider alles Erwarten den Sejm zur Annahme der Negie» , rungsvorlage mit großer Mehrheit zu veranlassen. Erst dann wagte die Opposition den Gegenschlag mit ihrem , Mißtrauensvotum gegen den Innenminister und den Kultusminister.
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DèuisH-englische WirWastsverhandlung.
Reisedeul sch erJndu st riel lern ach London.
Zu der auf Einladung einer Gruppe britischer Groß- industrieller im Oktober erfolgenden Reise einer Anzahl deutscher Jndustricführcr nach London verlautet von englischer Seite, daß sich Vertreter des deutschen Bergbaues, der Eisen- und Stahlindustrie und der chemischen Industrie nach England begeben werden. Trotz aller brs- Hörigen entgegengesetzten Meldungen sei beabsichtigt, an- läs-lich des Besuches der deutschen Großindustriellen die Frage einer deutsch-englischen Wirtschafts- Vereinigung speziell für Fragen des Stern» lohlenhandels, der Eisen- und Stahlindustrie so- wie der chemischen Industrie zu erörtern.
Aus London wird noch weiter gemeldet, daß die bevorstehende Konferenz als Ergebnis von Besprechungen aufzufassen ist, die vor einiger Zeit zwischen Geh. Rat Duisberg vom Reichsverband der Deutschen Industrie und Sir Max Muspratt von der Federation of British Industries stattgefunden haben.
Kongresse und Versammlungen.
k. Düsseldorfer Tagung deS Gustav-Adols-Vereins. In Düsseldorf tritt am 4. Oktober der evangelische Verein der Gustav-Adolf-Slistung (Vorsitzender Geheimrat Prof. D. Rendorss, Leipzig) zu feiner diesjährigen Abgeordneten- und Haupttagung zusammen. Gegründet im Jahre 1832 mit großen historischen Ausblicken, wie sie der Name des Vereins in sich schließt, hat sich der Gustav-Adolf-Verein die Ausgabe gestellt, die Fürsorge für die evangelische Diaspora auf materiellem und geistigem Gebiete zu organisieren. Schon vor dem Kriege war ein wesentliches Stück seiner Arbeit Auslandsarbeit. Heute liegt vollends der Schwerpunkt seines umfassenden Werkes in der Fürsorge für Auslandsdiaspora, insbesondere für das evangelische Grenz- und Deutschtum in aller Welt. Alljährlich gelangt aus den Hauptversammlungen des Verbandes eine große Liebesgabe zur Verteilung. Zur Wahl stehen diesmal Beuchen (Westoberschlesien) und Radbod in Westfalen für den Bau eines Gemeindehauses, Semlin (Süd- slawien) für den Bau einer Kirche. Die starke öffentliche Bedeutung der bevorstehenden Tagung kommt in der Teilnahme der Reichsminister Dr. Stresemann und Dr. Külz sowie des Präsidenten des Deutsch-Evangelischen Kirchenausschusses, D. Ar. Kapler, zum Ausdruck.
Neuere Meldungen.
Bluttat eines französischen Besetzungssoldaten.
Speyer, 27. Sept. (Tel., amtlich.) In der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr hat ein in Zivilkleidern befindlicher Angehöriger der französischen Besatzung in Germersheim mit einem Revolver zunächst in der Nähe des Preisburger Tores den Schuhmacher Richard Holzmann schwer am Kopf verletzt, im weiteren Verlauf des ausgebrochenen Streites vor dem Post- gebäude den 22jährigen Arbeiter Emil Müller durch Kopfschuß getötet und dann den Schuhmacher Richard Holzmann ebenfalls durch Kopfschuß so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der Täter wurde alsbald von einer französischen Wache in Hast genommen. Ermittlungen durch die deutschen und französischen Behörden sind im Gange. Lin Regierungskommissar befindet sich an Ort und Stelle.
Rückgang der Erwerbslosigkeit.
Berlin. Für die erste Hälfte des Monats September weist die Statistik der Erwerbslosenfürsorge einen weiteren gegenüber den vorhergehenden Berichtszeiträumen stärkeren Rückgang der Erwerbslosigkeit auf. In der Zeit vom 1. bis 15. September ist die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsempfänger von 1245 000 auf 1195 000, die der weiblichen von 303 000 aus 289 000, die Gesamtziffer von 1548 000 auf 1484 000, d. h. um 64 000 oder über 4 % zurückgegangen. Die Zahl der Zuschlagsempfänger (unterstützungsbcrechtigten Angehörigen Vollerwerbsloser) hat sich von 1538 000 auf 1484 000 verringert.
Aufhebung des Gesetzes über Einfuhrscheine.
Berlin. Das Reichsfinanzministerium macht zu der vom Reichsrat genehmigten Verordnung, nach der das Gesetz über die Wertbestimmung der Einsuhrscheine für eine Übergangszeit vom 14. Juli 1926 aufgehoben wird, daraus aufmerksam, daß nach dem von der Reichsregierung vorgelegten Entwurf, dem der Reichsrat zugestimmt hat, nicht der 1. Oktober, sondern der 10. Oktober der Tag ist, an dem das Gesetz vom 14. Juli 1926 ausser Kraft treten soll.
MubM in einem ZMelkerraden.
Berlin. Ein schwerer Raubüberfall, der in seiner Ausführung an die Raubzüge der berüchtigten Newyorker Ban- ditcn erinnert, ist Sonnabend am hellen Tage, in der belebtesten Geschäftsstraße des Berliner Westens, der Tauentzien- 'straße, verübt worden. Zwei gutgcklcidete Männer dränge« in das Juweliergeschäft von Marotti u. Freink G. m. b. $: ein, trieben mit vorgehaltenem Revolver das Geschäftspersonal in ein Hotelzimmer, raubten aus dem Schaufenster die aus einer Glasplatte liegenden Juwelen im Werte von etwa 150 000 Marl und warfen eine Rauchbombe, die das ganze Geschäft in dichten Onalm hüllte. Im nächsten Augenblick ergriffen die Banditen die Flucht, rannten quer über die Straß« in ein Kaufhaus und enttarnen schließlich durch ein Nebenhaus. Trotzdem das Überfallkommando und die Kriminalpolizei in wenigen Minuten zur Stelle waren, konnte man einstweilen der Täter nicht habhaft werden.
Urteil im Finsterwalder Prozeß.
Kottbus. Folgendes Urteil wurde in der zweiten Verhandlung des bekannten Prozesses wogen Landfriedensbruches gesprochen: Die Angeklagten Kurt Müller, Tosch, Harke, Kliesch werden freigesprochen. Die Berufung der übrigen Angeklagten wird verworfen mit der Maßgabe, daß die in der ersten Instanz verhängten Gesängnisstrasen bei Jacobi um zwei Monate und bei Gerlach um einen Monat ermäßigt werden; di« Strafen der Angeklagten Nottdorf und Ungar werden um je vier Monate erhöht. Im ganzen verhängte das Gericht 67 Monate Gefängnis über die Angeklagten.
Anläßlich einer zur Feier des Geburtstages des Reichspräsidenten von Hindenburg im Oktober v. Js. veranstalteten Kundgebung des Stahlhelms in Finsterwalde war es zwischen Mitgliedern des Stahlhelms und Einwohnern zu blutigen Ausschreitungen gekommen. Gegen eine Reihe von Einwohnern aus Finsterwalde und Umgebung wurde im Anschluß daran Anklage wegen Landfriedensbruch erhoben.
Die Ostasienflieger in Deutschland.
Königsberg. Sonnabend sind die Ostasienflieger auf dem Devauer Flugplatz in Königsberg glatt gelandet. Tie Flieger wurden bei ihrer Ankunft aus deutschem Boden auf das herz- lidn'te begrüßt und willkommen geheißen. Sie flogen Sonntag nach Berlin weiter.
Reise des Königs von Jugoslawien nach Rom.
Rom. Wie die Blätter ans Belgrad melden, wurde zwi- schcn dem jugoslawischen Ministerium des Äußern und dem italienischen Gesandten in Belgrad vereinbart, daß der Besuch des Königs und der Königin von Jugoslawien in Rom Ende April stattfiudcn und der König von Italien in Begleitung des Kronprinzen diesen Besuch im Mai in Belgrad erwidern soll. Der König von Italien wird sich dann von Belgrad nach Bukarest begeben, um den in Ronârwartctcn Besuch des rumänischen Königs zu erwidern.
Ein faschistischer Führer verhaftet.
Nom. Wegen beleidigender Äußerungen über den Ministerpräsidenten Mussolini hat die römische Polizei den bekannten Faschisten Amerigo Dumini verhaftet. Dumini, der bei der Ermordung des Sozialisten Matteotti als Ausführen- der beteiligt war, hat immer wieder mit Enthüllungen über die damaligen Anstifter der Mordtat gedroht.
AeutralMsoertrag zwischen Litauen und Rußland.
K o w n o. Rach einer Meldung ist zwischen der Sowjet- regierung und Litauen ein Neutralitäts- und Schiedsgerichts- Vertrag abgeschlossen worden.
Im Vertrag soll Rußland das Recht Litauens auf das von Polen besetzte Wilna anerkennen.
Die polnische Regierungskrise.
Warschau. In der Regierungskrise ist keine weitere Entwicklung zu verzeichnen. Ministerpräsident Bartol und Land- wirtschafisminister Raczinski sind zum Marschall Pilsudski gefahren, um mit ihm die Lage zu besprechen. Nach ihrer Rückkehr werden sie dem Staatspräsidenten Bericht erstatten, der dann eine Entscheidung treffen wird. Alle Kombinationen bezüglich der Persönlichkeiten, aus die die Wahl fallen wird, sind leere Vermutungen. Die Entscheidung dürfte am Montag oder Dienstag nächster Woche fallen.
Aus Sefsen-Nassau und Aachbargebieten.
Merkblatt für den 28. September.
Sonnenaufgang 5" II Mondausgang 9» N.
Sonnenuntergang 5” || Monduntergang 1" W 1803 Der Maler Ludwig Richter in Dresden geb. — 1870 Die Festung Straßburg kapituliert. — 1883 Enthüllung des Nationaldenkmals auf dem Niederwald.
Nach den Tränen stellt im Leben — Sich auch oft das Lachen ein; — Tränen habeu auch die Reben, — Aber trotz der Tränen geben — Sie den lust'gen goldnen Wein.
Justinus Kerner.
Wetterbericht.
Das Tiefdruckgebiet über dem Nordmeer hat seine Lage wenig verändert. Seine Randstöruugcn haben auch bei uns zum Auftreten von Niederschlägen geführt. Da in der Nord- westströmuiig, die an seiner Rückseite herrscht, sich weitere Störungen ausbilden, so ist für die nächsten Tage mit Fortdauer des Wechsels zwischen Aufheiterung und Niederschlägen und Bewölkung zu rechnen. — Vorhersage bis Montag abend: Wolkig, zeitweise bedeckt, vereinzelt kurze Niederschläge, Temperatur wenig verändert, westliche Winde. — Witterungsaussichten für Dienstag: Keine wesentliche Aenderung.
Fulda, den 27. September 1926.
Kurhcssrscher Landgemeindetag.
Der erste kurhessische Landgemeindetag des Verbandes der preußischen Landgemeinden findet am 23. Oktober 1926 in Kassel, Stadtparksäle statt. Alle Landgemeinden und Gutsbezirke des Regierungsbezirks Kassel find dazu eingeladen.
Der Typhus im Kreise Fulda.
Amtlich wird mitgeteilt: Die Zahl der Paratyphus- erkrankungen im hiesigen Bezirke beträgt 65. Davon entfallen auf die Stadt Fulda 17 Fälle. Betroffen sind 23 Ortschaften. Ein Todesfall hat sich noch nicht ereignet.
Gesellenprüfung für das Elektro-Handwerk.
Die Gesellenprüfungen für das Elektro-Handwerk finden am 15. und 16. Oktober 1926, nachmittags 2 Uhr, in Fulda statt. — Anmeldungen nebst den erforderlichen Unterlagen sind bis spätestens 5. Oktober 1926 an das Handwerksamt Fulda zu richten.
Kriegerverein Fulda.
Die am Samstag abend in der „Traube" abgehaltene Monatsversammlung erfreute sich eines guten Besuches. Ein kürzlich neuaufgenommenes Mitglied, das erstmalig in der Versammlung erschienen war, wurde durch Handschlag von dem Vorsitzenden eingesührt. Die Vortragsfolge für das am 17. Oktober stattfindenden Stiftungsfest des Kriegervereins, verbunden mit Ehrung der Jubilare, wurde eingehend besprochen. Ebenso das Winterprogramm, bestehend aus belehrenden Vorträgen auf mancherlei Gebieten, Aufführung historischer Festspiele (voraussichtlich im Januar 1927) u. a. m. Zwei Neuaufnahmen erfolgten. Zur Kenntnis diente die inzwischen er= folgte Auswertung der mündelsicheren Wertpapiere des Kriegervereins. Allseitig bedauert wurde, daß der alte treue Kamerad Haubrich, der zu Besuch in der Nähe von Betzdorf weilt, von einem Schlaganfall betroffen, und trotz aller Pflege noch nicht transportfähig ist.
Aufruf zur Bildung einer Theatergemeinde in Fulda.
Wie im vergangenen Jahr beabsichtigt der Bühnenvolksbund auch in diesem Jahre wieder eine Reihe künstlerisch wertvoller Theatervorstellungen in Fulda zu veranstalten. Um die regelmäßigen Vorstellungen zu ermöglichen, ist es notwendig, eine Theatergemeinde mit fester Mitgliedschaft zu bilden. Eine ausreichende Beteiligung an der Theatergemeinde bietet erst die Gewähr für die Durchführung des Spielplans, und ermöglicht die niedrigsten Preise! Vorgesehen sind 10 Vorstellungen: 29. 9. 26 Dame Kobold, Lustspiel von Calderon, 21. 10. Wiener Blut, Operette von Joh. Strauß. 3. 11. Nathan der Weise, Schauspiel von Lessing, 20. 11. La Tra- viata, Oper von Verdi, 2. 12. Apostelspiel, von Mell, 21. 1. 27 Don Pasquale, Oper von Donizetti, 28. 2. Molière- Abend, 15. 3. Barbier von Sevilla, Oper von Rossini, 30. 3. Man kann nie wissen, Lustspiel von B. Shaw, 24.. 5. Die Räuber, Trauerspiel von Fr. v. Schiller. Anmeldungen zur Theatergemeinde erfolgt wieder in der G. Nehrkorn- schen Buchhandlung Fulda, wo auch gerne jede weitere Auskunft erteilt wird.
Der Schützenverein Fulda hielt gestern nach 4 sonntägigem Schießen bei Henning in Neuenberg seine Preisverteilung ab. Die Beteiligung und die erzielten Resultaten waren recht gut. Es wurden auf 100 Meter Freihand folgende Resultate erzielt. Die ersten 10 Preisträger sind: Vieten - 55 Ringe; Wisse- mann - 55 R.; Knappe - 53 R.; Krumme - 53 R.; Noll - 52 R.; Weber - 52 R.; Zott - 52 R.; Vogler - 51 R.; Jutzi - 51 R.; und Grosch - 51 R.
Verhafteter D'l udant.
Der 35jährige Kaufmann F.: I Göbel aus Berlin, welcher für die Verlagsbuchhandlung Georg S t i e l k e in Berlin die hiesige Vahnhossbuchhandlung geführt hat, ist
vor einigen Tagen nach Veruntreuung von insgesamt etwa 1700 Ji von hier flüchtig gegangen. Er konnte gestern von dem Landjägeramt in Neuhof festgenommen und dem Eerichtsgefüngnis in Fulda zugeführ-t werden. In seinem Besitz befanden sich nur noch etwa 100 Ji.
Falsche Zweimarkstücke im Umlauf. Seit einiger Zeit ist wieder eine Anzahl falscher Silbermünzen im Umlauf, die man wiederholt beim Wechseln, zusammen mit anderen Geldstücken, in die Hand gedrückt bekommt. Es handelt sich diesmal um falsche Zweimarkstücke, die allerdings so plump imitiert sind, daß man sie bei einiger Aufmerksamkeit sofort von den echten Münzen unterscheiden kann. Das Augenfällige der Fälschung liegt hauptsächlich in der völligen Glanzlosigkeit des Geldstücks, das eine graue, trübe,* schmutzige Farbe besitzt und auch nicht ein Gramm Silber rufweift. Schließlich hat das Geldstück einen blechernen, dumpfen Klang, der sofort die Fälschung erkennen laßt.
, Postalisches. Vom 1. Oktober an müssen im Verkehr mit der Schweiz die durch ein mechanisches polygraphisches Verfahren hergestellten Schriftstücke, wenn sie gegen die Drucksachengebühr befördert werden sollen, ebenso tote tm Verkehr mit dem übrigen Ausland in mindestens zwanzrg Sendungen mit vollkommen gleichen Stücken dieser Vervielfältigungen am Postschalter eingeliefert werden. Vom aleichen Zeitpunkt an sind im Verkehr mit Litauen und dem Memelgebiet auch Wertkästchen bis zum Meistbetrag der Wertangabe von 8000 Mark zugelassen. Am 1. Oktober wird der Postanweisungsperkehr mit Guatemala aufge- nommen.
* Schlitz. In unsrer Stadt bewegt eben ein für den nichtinteressierten Zuschauer lustiger Krieg recht lebhaft die Gemüter, der in zahlreichen Artikeln im „Schlitzer Bote" zum Austrag gebracht wird. Auf der einen Seite stehen die Anhänger eines schon in Betrieb genommenen etwas primitiven „Familienbades" bei Hutzdorf und auf der anderen Seite die Anhänger eines nach Geschlechtern getrennt geordneten Badebetriebs in der vom Turnverein in diesem Jahr errichteten Badeanstalt. Wie der Streit auch enden mag, — allen Anschein nach haben die Anhänger der letzten „veralteten" und „unmodernen" Anschauung die große Uebermacht in der Bürgerschaft — vorläufig hat wenigstens für dieses Jahr vernünftiger- j weise der Himmel praktisch Schluß gemacht, indem er den „Streithähnen" zur Abkühlung kaltes und unfreundliches Wetter sandte, was zum Baden in keinerlei Form mehr verlocken kann.
* Aus dem Schlitzerland. Die sehr gefährliche spinale Kinderlähmung, die in Deutschland erst seit einigen Jahren beobachtet wird, ist nun auch zum ersten Mal im Schlitzerland aufgetreten. Dieser furchtbaren Krankheit fiel in dieser Woche das einzige 31-jährige Töchterchen des Landwirts Georg Heinrich Schäfer in Uetzhausen zum Opfer. Es starb, nachdem es nur wenige Tage krank gewesen, im Spital zu Schlitz, wohin es auf ärztliche Anordnung überführt worden war. Daselbst liegt, von derselben unheimlichen Krankheit befallen, noch ein andres kleines Kind aus Willofs, etwa im gleichen Alter, wie das verstorbene. Es befindet sich jedoch schon auf dem Wege der Genesung, wenn es wahrscheinlich auch an einem Arm gelähmt bleibt, wie überhaupt bei dieser heimtückischen Krankheit, wenn sie überstanden wird, schwerere oder geringere Lähmungserscheinungen an den Armen oder Beinen zurückbleiben. Hoffentlich gibt es bei uns nicht noch mehr Fälle dieser schweren Krankheit.
* Hersfeld, 27. Sept. (8ângertâ “n^er-Mi^:) " lÄW^W^ * , Sänger aus dem Kreise Hersfeld, aus dem Fulpa- und Werra- , tale gaben sich in der alten Lullusstadt ein Stelldichein. In einem großangelegten Wertungssingen legten 20 Vereine Proben ihres Könnens ab und ließen sich von zwei Hervoragenden Sachverständigen, dem Staatlichen Kapellmeister Laugs-Kassel und dem bekannten Volksliederkomponisten Hofmann-Kassel wertvolle Anregungen zur weiteren Vervollkommnung des deutschen Männergesanges geben. . In einer gewaltgien Kundgebung wurde nach einem imposanten Festzug durch die alten Straßen auf dem historischen Marktplatz das deutsche Lied verherrlicht. Mehrere Massenchöre wurden äußerst wirkungsvoll zu Gehör gebracht. Der Vorsitzende des Mitteldeutschen Sängerbundes, Schrader-Kassel, sprach herrliche Worte über den Wert des deutschen Liedes, dessen Pflege Dienst am Vaterlands bedeute. Die Gesangvereine sind ein wertvoller Faktor im deutschen Kulturleben, der sich nicht unterkriegen läßt. Mit dem Gesang des Deutschlandsliedes, das in gewaltigen Akkorden über den Marktplatz brauste, erreichte'die eindrucksvolle Kundgebung ihren Höhepunkt. ■
* Hersfeld, 27. Sept. (Ein Typhusfall in Hersfeld.) Die Typhusepidemie hat auch auf Hersfeld übergegriffen. Bis jetzt liegt ein Kranker schwer darnieder. Nach Erklärung von amtlicher Stelle besteht eine Ansteckungsgefahr nicht. Gerüchte, denen zufolge auch in dem zum Kreise Hersfeld gehörigen Teile des Werratales die Typhusepidemie ausgebrochen sei, entsprechen nicht den Tatsachen. Allerdings ist dort eine starke Verunreinigung des Trinkwassers durch allerlei totes und lebendes Gewürm festgestellt worden, das seinen Weg durch die Leitung bis in die Häuser gefunden hat. Maßnahmen zur Ab- 1 stellung dieses unhaltbaren Zustandes sind eingeleitet worden.
Gießen, 24. Sept. Einen A u s bi l d u n g s k u r s u s für junge Sanitäter hat die hiesige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz mit 75 Teilnehmern eröffnet. Ansprachen hielten dabei Medizinalrat Dr. Walger und Oberregierungsrat Dr. Hetz. Der Unterricht erstreckt sich auf erste praktische Hilfe bei Unglücksfällen.
Frankfurt a. M., 26. Sept. (Die Frankfurter Herbstmesse.) Als letzte im Ringe der deutschen Groß- und Kleinmessen eröffnete heute mittag die Frankfurter Herbstmesse ihre Pforten. Das Bild ist das allgewohnte, nur mit dem Unterschied, daß eine Anzahl Hallen geschlossen sind. Das große Haus der Technik, vor zwei Jahren mit besonderen Erwartungen auf eine glänzende Entwicklung der Frankfurter Messe errichtet, steht leer und dient der Herstellung von Vimssteinplatten für städt. Hausbauten. Auch andere erst in den letzten Jahren erstandene Hallen stehen leer. Die Zahl der Aussteller ist etwas stärker als im Frühling, die Zahl der Besucher nicht übermäßig groß. Eine besondere Note bringt der Messebesuch in das Straßenbild nicht hinein. Det Besuch aus dem Ausland hält sich in engen Grenzen, nur England hat einige Besucher angemeldet. Die Festhalle ist der Ausstellung „Von der Faser zum Gewebe" eingeräumt, eine Schau, die stark besucht wird. Im angrenzenden Haus der Moden hat die Textilmesse wiederum 1 ihr Heim gefunden. Schuhwaren und Leder sind im Hause Schuhe und Leder in dem üblichen beträchtlichen Umfang erschienen. Das Haus Offenbach birgt Lederwaren. Spielsachen und Musikinstrumente und auch das Kunstgewerbe. Die Südhalle enthält Haus- und Küchengeräte, die Möbelhalle. Das Haus Werkbund enthält in seinen unteren Räumen die Ausstellung der sogenannten „braunen Woche", einer umfassenden Schau von Tabak- und Tabakerzeugnissen. Die oberen Räume werden von der italienischen Sammelausstellung eingenommen. Daneben laufen noch kleinere Ausstellungen, so die immer fesselnde Erfindermesse. Wenn die Frankfurter Messe ein Barometer der wirtschaftlichen Konjunktur sein soll, so darf heute am Schluß des ersten Tages gesagt werden, daß wohl unverkennbare Zeichen einer leichten Besserung der Lage vorhanden sind, die aber auf das Geschäft im großen und ganzen noch keinen erheblichen und bestimmenden Einfluß ausübten. Die Wirtschaft hat ihren Tiefstand überwunden, aber geschäftlich