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Sulfate Mzeiger

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Nr. 213 1926

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal -Zul-aer Kreisblatt Rr-aktio« «n- Geschäftsstelle: Muhlenstrasse 1 Zernfprech-RnschluZ Nr. 959

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Fulda, Donnerstag, 16. September

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3. Jahrgang

Kleine Leitung für eilige Leser.

* Reichspräfi den, von Hindcnburg tun am Mittwoch den indischen Dichlcrphilosophcn RabiiidrMiaih Tagore in Audienz empianaen

* Reichswirlschoslsminister Dr. Curttus hieli aus der Taauusi des Den,scheu Groschandels in Essen eine bedeutsame Rede über unsere WirlschasiSIagc.

* In Jena ist Der bekannte Philosoph Professor Dr. Eucken gestorben.

* Der Völkerbund beschäftig, sich mit der Frage der Reus- reform. Die Wahl der nichiständigen Nalsmilglieder findet am Donnerslag statt.

IiMMch-rlânische Gegensätze.

Im Jahre 1903 erschien im französischen Sozialisten- Hüb in Lausanne ein junger italienischer Maurer, der wegen seiner politischen Gesinnung Halle flüchten müssen, vor aiiem aber, um sich dem Militärdienst zu entziehen. Der Führer der geflüchteten italienischen Sozialisten, S er­rat i, verhinderte die Fragen Neugieriger durch den Vorwurf:Fragt ihn nicht nach all dem Zeug, fragt ihn lieber, ob er Hunger hat." Der Hunger sprach aus Den Augen des jungen Maurers und der ist niemand anders als Mussolini gewesen.

Es mutet fast wie ein Witz der Weltgeschichte an, daß es jetzt nach dem Attentat auf denDuce" zu ziemlich ernsthaften diplomatischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Italien gekommen ist, weil Mussolini ver­langt, die Pariser Regierung solle energisch gegen die antifaschistischen Flüchtlinge aus Italien einschreiten, die namentlich im Suden und Südosten Frankreichs ein Asyl gefunden haben. Frankreich hat aber erklärt, nicht ein- schreilcu zu wollen, denn solches Vorgehen würde aufs strikteste einem viele Jahrzehnte lang geübten französischen Gewohnheitsrecht widersprechen. Mussolini wird also mach wie vor damit rechnen müssen, daß sich vor den Torerl Italiens seine Gegner sammeln; das Verhältnis sreilich zwischen Frankreich und Italien wird durch diese Dinge

^^^^^^^i^ uls.es bisher schon

Bei der Maßlosigkeit, mit der namentlich in der italie- Nischen Zeitungswelt jede Spur des Antifaschismus be­kämpft wird, fühlt sich nun wieder Frankreich nicht uner­heblich geärgert durch die wilde Zeitungspolemik, die, sicherlich nicht ohne Genehmigung von oben, gegen die Pariser Regierung entfesselt worden ist. Dabei ist ès nicht einmal ein schlechter Witz, wenn der französische Außen- Minister Briand in seiner Genfer Unterredung mit dem italienischen Staatssekretär Grandi erklärte, nur bei Angriffen auf den König von Italien könne eine in Frankreich erscheinende italienische Zeitung verboten werden. Aber demDuce" Mussolini ist die Sache so ernst, daß er sogar seinen Pariser Botschafter zu Poincarâ schickte allerdings auch ohne jeden Erfolg.

Die Freundschaft zwischen den beidenlateinischen Schwesternationen" und früheren Wafseugefährten ist ja schon lange in die Brüche gegangen, seitdem Mussolini als wirkliches Haupt Italiens eine zielbewußte Machtpolitik im Mittelmeerbecken zu treiben begann und allmählich durch eine ganze Reihe von Bündnissen mit den südost­europäischen Staaten der dortigen Vorherrschaft Frank­reichs immer gefährlicher wurde. Die Fahrt Mussolinis nach Tripolis beispielsweise war weit mehr als eine Geste, deutete an, daß man den Verlust von Tunis, in dem ja weit mehr Italiener als Franzosen wohnen, immer wach nicht verschmerzt hat. Andererseits spielen auch die großen Verschiedenheiten zwischen der staatlich-geistigen Struktur beider Völker eine sehr erhebliche Rolle bei die- fem Gegensatz: auf der einen Seite ein nationalistischer Autokratismus, ein Selbstherrschertum von des Volkes Gnaden, aus der anderen Seite dasMutterland der Revo- lutron" und der Demokratie. Der dadurch erzeugte in­stinktive Gegensatz zwischen den beiden Völkern ist so schroff geworden, daß mancher Italiener in jüngster Zeit deutschen Reisenden gegenüber erklärte, man müsse vereint gegen Frankreich marschieren. Die Rücksichtslosigkeit, mit der Mussolini gegen jeden innerpolitischen Gegner vor- geht, ist es aber gerade in der Hauptsache gewesen, die nicht etwa bloß Sozialdemokraten und Kommunisten außer Landes zu gehen zwang, sondern selbst ein so harm­loser Liberaler wie der frühere Ministerpräsident Nitti darf es nicht wagen, nach Italien zurückzukehren. Es ist natürlich eine gutgespielte Phantastik italienischer Blätter, wenn sie behaupten, die Flüchtlinge vor den Toren Ita­liens planten etwa einen Einfall, um das faschistische Re- gime zu stürzen. Viel zu fest schon ist dieses Regime fun- damentiert. Es würde wahrscheinlich selbst ein geglücktes Attentat auf Mussolini überstehen. Was man aber wirk­lich fürchtet, das ist die allmählich immer stärker und fühl- üarer werdende antifaschistische Propaganda in Broschüren, Flugblättern und Zeitungen, die sich von Frankreich her durch unterirdische Kanäle nach Italien ergießt. Diese iKauäle soll nun die französische Regierung verstopfen.

Die schwere Verstimmung zwischen beiden Staaten kann möglicherweise auch in Genf nicht ganz ohne Folgen bleiben, wie sich schon in der eifrigen Unterstützung des .spanischen Vorgehens durch Italien gezeigt hat. Aber es ist doch wohl allzu viel Optimismus, wenn gewisse Kreise an Deutschland nun zu einer Ausnutzung dieses Gegen­satzes hindrüngen, denn Italien wird sich nie bereit er- klärerr, auch nur dem geringsten deutschen Verlangen nach Liner milderen Behandlung Südtirols Folge zu steiften.

Neue Wege der Zollpolitik.

Die Tagung des Großhandels

E i n e R e d e d e s R e i ch s w i r 1 s ch a f t s m i n i st e r s.

Die Tagung des Zcutralverbaudes des Deutschen Großhandels in Düsseldorf, die am Mittwoch eröffnet wurde, hat Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius benutzt, um vor den Vertretern des Großhandels ein Bild über die Lage von Handel und Wirtschaft in Deutschland zu geben. Der Minister beschäftigte sich, nachdem er seslgc- stellt hatte, daß die erste Welle der Wirtschaftskrise über­wunden ist, eingehend mit dem Dawes-Plan, zu dessen Tilgung ja die Wirtschaft in umfangreichem Maße heran­gezogen wird. Zu diesem Punkt sagte Dr. Curtius:

Die Diskussion über die Grundlagen des Dawes- Planes und seine Ausführbarkeit sind im Ausland im vollen Gang. Im Inland dagegen entspricht die Be­schäftigung mit diesen Fragen keineswegs der überragen­den Bedeutung, die sie für das Schicksal der deutschen Wirtschaft und des deutschen Volkes haben. Ich wünschte eine startete Beieiliaung der maßgebenden Wirtschasts- kreise an rein wirlimaftlichen, leidenschaftslos seststelleu- den Untersuchungen der tatsächlichen Wirkungen des T a w e s - P l a n e s in Richtung auf die deutsche Lcistungssähiglcii einerseits, die Aufnahmewilligkett des Auslandes für die deutschen Leistungen andererseits und nach vorsichtig abwägeudci Prüfung der zukünftigen Eul- Wicklungsmöglichkeiten.

Der protektionistische Wettlauf hat, so führte der Minister aus, drin Gedanken der e u r 0 p ä i j ch e n Zoll­union zu neuer, ungeahnter Lebenskraft verholst» und selbst Kreise in seinen Baun gezogen, die ihm bisher skep- tisch gegenüberslanden. Deutschland wird, wie es geo­graphisch in der Mitte liegt, so auch zwischen diesen beiden Extremen kühl und verständig, unbeirrt von Schlagwor­ten und nur von seinen eigenen Interessen geleitet, den rechten Weg suchen müssen. Tast dieser Weg von dem ^brrfpanutpu MâktwmAmus, der den Kamps aller gegen alle bedeutet und an dessen Ende die Zer- t r ü in in e r u n g d e r europäischen Wirts ch a f t durch den amerikanischen WirtschaflSkolost steht. vast dieser Weg vom wirtschaftlichen Nationalismus in der Richtung einer umfassenderen Wirtschaflssolidarität der nächst be­troffenen Völker hinzuführen hat, darüber kann man wohl kaum ein Zweifel sein, auch dann nicht, wenn man das letzte Ziel, das auf diesem Wege liegt, die europäische Zollunion, als eine Utopie a »sicht

Trotz mancher mißlichen .Erfahrungen glaube ich, daß die Befolgung des M e i st be g ü n st i g u n y s - f a tz e s am ersten geeignet ist, uns dem Ziele näberzu­bringen. Wir müssen jedenfalls am bisherigen Sustem solange festhalten, bis die fehlenden Handelsverträge ab­geschlossen sind.

Es wird noch eine geraume Zeit dauern, bis wir in der Lage sein werden, wirklich zuverlässig die Ergebnisse unserer bisherigen Handelspolitik zu übersehen. Vor allen Dingen auch ein Urteil darüber zu gewinnen, wie die noch kaum ein Jahr in Kraft befindliche ZolltarifnoveUe und das aus dieser Grundlage und auf Grund der letzten

Audorf Eucken f.

Der Professor Der Philosophie Dr. Rudolf Eucken ist im 81. Lebensjahre in Jena gestorben.

Der Name Rudolf Eucken war auch in Laien- kreiseii, die sich sonst »venig mit Philosophie zu beschäftigen pflegen, nicht unbekannt. Zweierlei hatte bemirtt, daß der Philosoph von Jena eine gewisse Volkstümlichkeit er­langte: die außerordentliche Ebruna. Die ihm 1908 zuteil

Prof. Dr. Eucken.

wurde, als ihm die Schwedische Akademie den Nobelpreis für Literatur verlieh, und ein kleines BüchleinDie Träger des deutschen Idealismus", das er während des Weltkrieges erscheinen ließ, um dem in seinen Grundfesten erschütterten Deutschland zu zeigen, daß es nicht zu ver- zagen brauche und daß trotz Not und Tod seine ideellen Werte weiterlebten. Dieses populär geschriebene Buch ist bis lveit in die Schützengräben hinein gedrungen und tourbe maucüeitt müden Mrunr, der an sich hub an der Welt

Handtlsverlragsverhandlungrn gewonnene Vrrtragözoll- fuftem, das noch durch die bevorstehenden und schweben­den Verhandlungen tPolen. Tschechoslowakei. Frankreich- mönche Ausgestaltung erfahren wird, sich auSwirlcn. Erst wenn wir über ausreich-udc und zuverlässige Erfahrungcn vrrfügen werden, werden wir an das eigentliche große HandelSveriragswert, an den Ausbau eines langfristigen und lückenlosen HaudelsvcrtragsspstemS her. aUgehen können, zu dem aber vorher noch in dem neuen Z 0 lliris ein brauchbares Instrument geschaffen werden must. Tas Ziel unserer Handelspolitik wird aber bleiben, Naiionalwirischast und Wellwirtschafl in Einklang zu bringen und mit der Förderung der ersten gleichzeitig der letzten zu dienen.

Nach der Rede deS Reichswiitschastsmiuisters sprachen am Vormittag noch Staaissekrtär Dr. Popitz über Die Steuerreform, Der Stellvertretende Präsident des Reichs- Verbandes der Deutschen Industrie, Frowein, über das Verhältnis der Industrie zum Großhandel, das geschäfts- sührende Präsidialmitglied Vee Teutschen Großhandels, Keinath, M. d. R., über neue Ausgaben des Großhandels und schließlich Erzellenz Riedl, ehemaliger österreichischer Gesandter in Berlin, über das Thema Handelspolitik und Handelsverträge.

Gegen die Lokalisierung.

Tie in Essen tagende Zeiitralausschußsitzung des Deutschen Großhandels beschäftigte sich eingehend mit der Frage dersogen"n kalten oder stillen Soziali- fierung. Mit diesem BegAss wurden die Versuche be- zeichnet, die aus ein Eindringen des Staates oder der Kommunen in die P i i v a t w i r t s ch a s t abzielen. Als Mittel zur BekämHnng derkalten" Soziali­sierung wurde eine genaue Abgrenzung Der Aufgaben von Staats- und Kommunalverwaltungen auf privatwirtschaft- lichem und öffentlich rechtlichem Gebiete jolvic die Beseiti­gung jeder Steuerbefreiung für Betriebe Der öffentlichen Hand gefordert.

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Entschließungen des Deutschen Großhandels.

D ü s f e l d 0 r s. Am Schluß seiner Verhandlungen fasste Der Zcmralvcrbaud des Dem scheu Großhandels eine lnngeie Entschließung, in Der es n. o heißt: Trov des vankenswcricn Versuches des Reichssinanzministers ist eine wesrniliche Milde­rung der gesamten steuerlichen Belastung noch immer nicht er­reicht. Die von der Reichsregierung angefünbigte Herabsetzung der Ausgaben muß unverzüglich, und zwar in wciiestem Umfange, erfolgen. In der Zoil- und Handelspolitik müssen alle Hondels- Ijcmninifft beseitigt werden. Jin dcullchcn wie auch im âli- wirtschafisinicresse muß sobald wie möglich her Kreis der HandclsverirKge aus Grundlage ivwvlil der 'Bieiftbcgünft' gung wie umfangreicher ZoUbindungcu undermäßign'-« gen geschlossen werden 3n der lokalen Fürsorge, in der auch Der Großhandel ein Ruhmesblatt des Treulichen Reiches ist. Darf nidu durch übermäßige Belastung der Bestand der 'Wiri» filiafi selbst in Frage gestellt werden Tie Absirtn her ReichS- regierung, in die Bestimmungen über die Regelung her Ar- bcuszcft auch den Groß!>angel cinzubezirhen, ist unannehmbar.

verzweifeln wollte, ein Trostbüchlein, das ihn wieder auf- richtete und mit neuem Lebensmut erfüllte.

In seiner Philosophie lehnt sich Eucken einigermaßen «n den älteren Fichte an. Seine Lehre trägt einen durch­aus religiös-sittliche« Charakter und zielt auf eine einheit- kiche Lebens- und Weltanschauung hin. Seine Hauptwerke sind:Die Lebensanschauungeu der großen Denker",Der Wahrheitsgehalt der Religion",Hauptprobleme der Rett- gionsphilosophie Der Gegenwart",Der Sinn und Wert des Lebens",Mensch und Welt" u. a. Eucken, der ans Ostfriesland stammte, war zuerst als Gymnasiallehrer in Berlin tätig, wurde dann Professor der Philosophie in Basel und wirkte seit 1874 in gleicher Eigenschaft in Jena. Im Herbst 1912 wurde er als Austauschprosessor nach. Amerika berufen. Er war Mitglied mehrerer großer Aka-^ bemien des Auslandes.

Die englische Presse bei Dr. Stresemann.

Besetzungs- und Kolonialfragen.

RcichSnusrenministcr Dr. Stresemann hat aus Anlaß dcS Austausches und der Nicderlegung der Ratifikations­urkunden die in Genf anwesenden Vertreter Der englischen Presse empfangen Die Londoner Zeitungen geben über Diesen Empsang lange Berichte wieder, aus denen man näheres über Ausführungen und Pläne Dr. StrrsenraniiS erfährt. Der Genfer Berichterstatter derM 0 r n i n g P v ft" schreibt, Stresemann habe klar ertenneu lassen, daß Deutschland eine neue Verteilung von Mandaten oder Die Wiedererstattung einiger seiner K 0 l v » i c n er­warte. Der Berichlerslattcr erwähnt jedoch ebenso rote Die übrigen, Stresemann habe hinziigcfügt, wann unD ob eine Grundlage für ein Vorbringen der kolonialen Ansprüche 11 erliegen werde, fei von künftigen Entwickelungen ab»

Är Genfer Korrespondent desDaily Chronicle stellt Stresemanns Erkläriingen über den Eisen Pakt in den Vordergrund seines Beiichtes, der in dem Blatt an ers c Stelle veröffentlicht wird. Dem Korre-poiidruten zufolge besteht in Völkerbundkreisen Die weitverbreitete Hoffnung, daß die Frage des besehen Gebietes bald durch allseitige Übereinstimmung geregelt werden wird. ^n Deutschen Detegationski eisen wird, so sagt der Kolrespolldent, Du.