Auf Oer Männersuche.
Humoreske von E f f e m B e V.
(Nachdruck verboten.)
Fräulein Klara Wendeborn war eine große, dunkle, sehr apart aussehende Dame im Alter von 25 Jahren und von Beruf Bibliothekarin. Sie verwaltete mit lobenswertem Eifer die städtische Leihbibliothek einer kleinen Stadt, hatte infolgedessen eine starke Neigung für die schöne Literatur und verbrachte einen großen Teil ihrer Zeit damit, die Gedanken ihrer Mußestunden in schönen Worten auf das Papier zu bringen.
Fräulein Klara Wendeborn hatte außer dieser Liebe für die Poesie noch eine andere sehr bemerkenswerte Eigenschaft: sie war nämlich in Amerika geboren. Und wenn auch ihre Eltern gute und gemütliche Deutsche waren, andererseits die kleine Klara schon sechs Monate nach ihrer Geburt das Land der unbegrenzten Möglichkeiten verlassen hatte, um in Deutschland langsam zu einer hüb- schen, schlanken Jungfrau heranzuwachsen, so fühlte sie sich doch gern als Amerikanerin und pflegte in energischer Weise für das Recht der Frauen auf Emanzipation einzutreten.
Eines Tages, als Fräulein Klara Wendeborn wie gewöhnlich aus ihrem gepolsterten Stühlchen in der Bibliothek saß und dem Erbauungsbedürfnis der Bevölkerung durch die Aushändigung der neuesten Liebesromane entsprach, während ihr Vorgesetzter in seiner allerschlcchtesteu Laune durch das Bibliothekzimmer hin- und Herraste und wie ein rheumatischer Kater fauchre, kam es Fräulein Wendeborn so recht zum Bewußtsein, daß ein unverheiratetes weibliches Wesen eigentlich doch gerade nicht beneidenswert sei. „Aber leider haben ja die Männer nicht den Mut, sich zu einem Antrag zu entschließen." Während sie das dachte, kam ihr plötzlich eine ziemlich abenteuerliche Idee, der sie sich sofort mit großem Eifer hingab. „Wenn die Männer," dachte Fräulein Wendeborn weiter, „nicht den Mut haben, eine hübsche junge Dame zu einer gemeinsamen Fahrt durch das Leben einzuladen — warum soll man da nicht die Geschichte umdrehen und dem Mann selbst einen Antrag machen?" Im nächsten Augenblick hatte sie sich auch schon entschlossen und gleichzeitig ihr Opfer gewählt. Es war der reichste unverheiratete Mann und gleichzeitig die prominenteste Persönlichkeit des Städtchens.
Schon am folgenden Nachmittag machte sie Ernst und begab sich in das Bureau des Auserwählten. Nachdem sie glücklich ihm gegenüber Platz genommen und die üblichen schönen Redensarten über das Wetter gewechselt hatte, nahm sie plötzlich all ihren Mut zusammen, schürzte die Lippen zu einem berückenden Lächeln und begann: „Verehrter Herr Ziegenhals, sind Sie eigentlich auch der Meinung, daß den Frauen die gleichen Rechte wie den Männern zukommen?"
„Aber gewiß!" antwortete der Angeredete zuvorkommend.
„Dann hätten Sie also," fuhr Fräulein Wendeborn fort, „wenn Ihnen jemals der Gedanke in den Sinn gekommen wäre, mich zu Ihrer Gattin zu machen, das Recht gehabt, mich darum zu bitten. — Sie sagten eben, daß Sie uns Frauen dieselben Rechte zubilligen wie den Männern —, nun denn, Herr Ziegenhals, ich achte und bewundere Sie wie wohl kaum einen anderen Mann, und frage Sie deshalb: Wollen Sie mich heiraten?"
Herr Ziegenhals sah die Rednerin zunächst ziemlick erstaunt an, faßte sich dann aber schnell und meinte mi: einem liebenswürdigen Lächeln: „Sie suchen gewiß Stof! für eine Ihrer niedlichen Novellen. Wirklich sehr originell abex ich glaube wohl ganz zu Ihrer Zufriedenheit zu handeln, indem ich Ihren freundlichen Antrag mit eine: dankenden Ablehnung beantworte."
Fräulein Klarn Wendeborn war nicht umsonst ir Amerika geboren. Sie verlor ihre Geistesgegenwart durchaus nicht, sondern erwiderte schlagfertig: „Ich bewundern Ihren Scharfsinn, Herr Ziegenhals. Sie haben meiner Plan sehr richtig erraten. Ich beabsichtige tatsächlich eint kseine Geschichte zu schreiben, in ver ich die Antworter der Herren verwenden will. Also nochmals meinen bester Dank." Damit rauschte sie an dem sich verbeugenden Herrn Ziegenhals vorbei.
In ihrem Heim angelangt, dachte Fräulein Klars Wendeborn das eben Erlebte nochmals gründlich durch Es unterlag keinem Zweifel, daß sie soeben einen Kort erhalten hatte. Aber gleichzeitig hatte ihr die Sache eigentlich doch noch was emgebracht, denn die Idee, die ihr „Auserwählter a. D." ihr zur Versüßung seines Korbes untergeschoben hatte, war wirklich nicht schlecht. Man stelle sich vor, welches Aufsehen so ein Buch unter dem Titel „Die Bekenntnipe einer Junggesellin" machen würde. Tas könnte sogar ein sensationeller Erfolg auf dem Büchermärkte werden! Fräulein Wendeborn entschloß sich also aus diesen Erwägungen heraus, die Sache, die ihr bisher Ernst war, als Scherz weiter zu betreiben uns nne Anzahl von Junggesellen mit Anträgen zu beglücken, sie sie dann zugleich mit den Antworten der Betroffenen in Buchform veröffentlichen wollte. Bei sieben verschiedenen Herren wollte sie ihren Antrag anbringen.
Ein paar Tage, nachdem sie diesen Vorsatz gefaßt hatte, kam es ihr zu Ohren, daß Herr Waldemar Enking, per Leiter des Engroshauses Enking u. Co., noch mit dem Abend zug in Begleitung seiner Mutter uns Schwester nach Italien fahren wollte, um den Winter im Süden zu verbringen. „Aha," dachte Fräulein Wendeborn entzückt, „der kommt mir wie gerufen. Waldemar Enking ist ein pompöser, eingebildeter junger Mann, der sich wie ein Truthahn auszuplustern pflegt und mit dem ich noch nicht sechs Worte gesprochen habe, aber als Objekt für meinen Antrag eignet er sich vorzüglich." Schnell setzte sie sich an ihren Schreibtisch und eine Stunde vor Abgang «s Zuges hatte Waldemar Enking in Firma Enking u. Co. folgende Zeilen von ihr in Händen:
„Sehr geehrter Herr, Sie werden ohne Zweifel von diesen Zeilen sehr überrascht sein, durch die ich in die Tat umfetze, was ich stets für das Recht einer Frau gehalten habe, nämlich dem Mann, den sie achtet und bewundert, ihre Hand anzubieten. Sollten Sie diese Ansicht nicht teilen, so verbrennen Sie bitte diesen Brief und vergessen Sie die unglückliche Absenderin. Sollte aber das Gegen- ,'eil der ?jM sein, so würde ich Sie sehr gern noch vor Ihrer Steife nach Dem Süden sprechen. Klara ÄÄnde- born."
Es waren kaum zehn Minuten vergangen, da sah Fräulein Wendeborn, die sich hinter den Gardinen ihres Fensters auf die Lauer gestellt batte, wie Herr Waldemar
Enking mit Riesenschritten ihrer Wohnung zueilte. Er stieg die Treppen herauf und konnte kurz darauf von der rechtzeitig instruierten Wirtin den Bescheid in Empfang nehmen, daß Fräulein Wendeborn nicht zu Hause sei. Er ging fort, aber nur um nach zehn Minuten nochmals vor- z-ilsprechen und von neuem denselben Bescheid zu emp^ fangen. Und erst nachdem er noch zum dritten Male einen Versuch gemacht hatte, der allerdings ebenfalls erfolglos verlief, begab er sich endgültig wieder nach Hanse. Dafür kamen aber schon am nächsten Tage von unterwegs zivei Briefe an Fräulein Wendeborn, in denen Herr Enking eine Erklärung forderte. Die Briefe kamen selbstverständlich sofort in das Konzeptheft für den künftigen Roman, und damit war dieser Fall erledigt.
Diesmal vergingen 14 Tage, ehe Fräulein Wendeborn einen neuen Antrag riskierte, und zwar galt er jetzt einem Herrn, den sie seit langem kannte. Das war der siebzigjährige Rentier Stolz, der dreimal verheiratet gewesen und ebensooft Witwer geworden war. Aber bei dem kam sie schlecht an. Sie hatte kaum ihren Antrag zu Ende gesprochen, als der alte Herr wütend losbrüllte: „Rein, zum Donnerwetter! Die Welt wird noch zugrunde gehen, wenn diese modernen Geschichten so weitergehen. Sie sind eine ganz emanzipierte Frau und dafür danke ich ganz ergebenst."
Die Wahl des vierten Objektes machte schon beträchtlichere Schwierigkeiten. Bis sich Fräulein Wendeborn endlich entschloß, Ernst, dem Hausdiener der Biblioihek, einen Antrag zu machen. Sie ging also an dem Tage etwas früher zum Dienst als sonst und erwischte ihn gerade beim Aufräumen. Er war eine treue, alte Seele, zwar auch schon Witwer, aber doch noch in den besten Jahren.
V/S ist das Glück ein flüchtig Ding, Und war's zu allen Tagen;
Und jagtest du um der Erde Ring, Du möchtest es nicht erjagen.
Leg dich lieber ins Gras voll Duft linb singe deine Lieder;
Plötzlich vielleicht aus blauer Luft Fällt es auf dich hernieder.
Aber dann pack es und halt es fest
Und plaudre nicht viel dazwischen;
Wenn du zu lang es warten läßt, Möcht' es dir wieder entwischen.
(Emanuel Geibel.
„Ernst!" sagte Fräulein Wendeborn zu ihm, als er gerade seinen Besen fortstellen wollte. „Wollen Sie mich heiraten?"
Ernst wurde rot bis an Die Haarwurzeln und schien sich sehr zu schämen.
„Danke schön, Fräulein. Und ich freue mich, wenn ich etwas für Sie tun kann."
„Tas Tanken ist ganz aus meiner Seite," erwiderte Fräulein Wendeborn höflich. „Und übrigens," fuhr sie fort, als Ernst Miene machte, schleunigst von Der Bud- flüche zu verschwinden, „werde ich cs dem Chef sagen, wenn Sie die leeren Bücherkisten noch länger im Flur stehen lassen." Damit war Die Unterhaltung zu Ende.
Obwohl nun seitdem ein Monat vergangen war, war der Hausdiener Ernst in der ganzen Zeit noch niemals auf seine Verlobung wieder zu sprechen gekommen. Ja, Fräulein Wendeborn überraschte ihn sogar oft Dabei, wie er mit seltsam- traurigen Augen sie ansah.
Eines Abends setzte sich Fräulein Wendeborn wieder mal au Den Schreibtisch, um das bisherige Ergebnis ihrer Versuche nachzuprüsen. Von Den vier Objekten, denen sie einen Antrag hatte znkommen lassen, hatten zwei mit „Rein", einer — es war Der Hausdiener Ernst — mit „Ja" geantwortet, während beim vierten. Dem Herrn Enking, das Ergebnis noch zweifelhast war, Denn seine Briefe ließen sich ebensogut als „ja" wie als „nein" deuten. Fräulein Wendeborn dachte gerade Darüber nach, wem sie noch die drei letzten Anträge machen sollte, als ihr der Besuch des Herrn Ziegenhals gemeldet wurde. Erstaunt erhob sie sich, um ihm entgegenzugehen. Nachdem die ersten Begrüßungsworte gewechselt waren, rückte Herr Ziegenhals mit seinem Anliegen heraus: ob sie seine Frau werden wolle! Und dann erzählte er ihr, daß er seit dem Tage, Da sie ihm Den Antrag machte, immerfort an sie denken mußte.
„Aber ich habe ja noch Drei Männern einen Antrag zu machen!" wandte Fräulein Wendeborn ein. „Und außerdem bin ich mit dem Hausdiener in unserer Bibliothek so gut wie verlobt!" fügte sie schelmisch hinzu.
„Sie werden für Jhr° Schriftstellerei auch noch genug Zeit haben, wenn Sie erst meine Frau sind." Protestierte Herr Ziegenbals, ohne von dem Hausdienerbräutigam irgendwelche Notiz zu nehmen.
Und so batte denn Fräulein Wendeborn keinen Grund mehr, Revanche zu üben und Herrn Ziegenhals den von ihm empfangenen Korb zurückzugeben: sie meinte zwar, daß Herr Ziegenhals es eigentlich bequemer gehabt hätte, wenn er ihren Antraa gleich angenommen hätte. aber die einzige Antwort, Die sie Darauf von ihrem Verlobten empfing, war ein allerdings sehr lange dauernder, Kuß, und so gab sie sich denn schließlich auch damit zufrieden, worauf das Gespräch aus Dieser angenehmen und erfreu- lichen Basis fortgesetzt wurde.
Die drei restlichen Anträge hat Fräulein Wendeborn aber bis auf den heutigen Tag noch nicht gemacht und auch ihr Buch „Tie Bekenntnisse einer Junggesellin" ist noch immer nicht erschienen. Dafür hat sie aber schon ein entzückendes kleines Baby, aus das sie außerordentlich stolz ist.
Heiteres.
Eigenartige Wirkung. Arzt (zum kleinen, Patienten): „Na, Bübchen, jetzt bist du wieder obenauf. Meine Pillen haben dir gut geholfen. Wie hast du sie denn gebraucht? In Wasser oder in Oblaten?" — „Im- Blasrohr." i
Tanz. ,Mutt st ich möchte mit zum Tanztee," springt die siebenjährige Edith nach Mutters Rock-saum. — „Aber Kleines, du kannst doch noch nicht tanzen." — „Besser, als du, Mutti. Ich tanze allein. Du âr brauchst immer einen Herrn, der dich führt.“
Das bessere Teil. „Einmal war ich mit einer Gräfin verlobt. Eines Tages erfuhr ich-, daß sie jährlich 20 000 Mark für ihre Schneiderin ausgibt." — „Und was haben Sie da gemacht?" — „Ich habe die Schneiderin geheiratet!"
Gleiche Neugier. Wirt (zum Gast): „Ich bin nur neugierig, wann Sie Ihre Zechfchnl-den bezahlen werden." — „Ich- auch!"
Derieröikd.
Hier muß irgendwo der Spion versteckt sein! Wo?
Rätselecke.
Mâtfekhafle Anschrift.
W-chsekrälsek.
Baude. Nachen, Dorf, Dis, Arad, Messe, Ruth, Baum, Tiger, Hamm, Kirn, Ballen, Hiller, Mahn, Laren, Ried, Zimmer, Binsen, Heine.
Aus jedem der vorstehenden Worte bilde man dadurch ein neues Wort, daß man irgendeinen Buchstaben streicht und durch einen andern ersetzt, aber so, daß die gestrichenen Buchstaben zusammen mit den dafür eingesetzten, diese letzteren aber in „"'gekehrter Reihenfolge gelesen, den Schluß eines Liedes von Heine nennen.
chnreihung.
Die Quadrate sind seitlich so aneinanderzureihrn, daß die Buchslobcn, der Reihenfolge nach gelesen, ein Zitat von Schiller ergeben.
Zikakenrâlsek.
1. Wen die Götter lieben, der stirbt jung.
2. Glück und gute Botschaft kommt nie zu spät.
8. Hör' ich das Pförtchen nicht gehen?
4. Ich weiß nicht was soll es bedeuten.
5. Wohl nun kann der Guß beginnen.
6. Es ist nicht gut, daß der Mensch allein tei.
7. Meine Mittel erlauben mir das.
8. Fehlt leider nur das geistige Band.
9. Es ist einer wie der andere.
10. Der Glaube läßt sich nicht zwingen.
Wenn jedem der vorstehenden Sätze das richtige Wort entnommen wird, so findet man ein Zitat von Goethe.
Lösungen aus voriger Nummer.
Lösung der Schachaufgabe:
W-itz:
Schmarrr
1. T e 8 — d 8......
1. K d 5 — c 6.
2. Tel — e 6......
3. Zurm matt.
2. Bkltibig.
A.
1. T e 8 — C 8
d 3 —d 2
2. Lh7 —g8 4-
K d 5 X d 4
3. T c8 —c4 + ,
4. L g 8 — h 7 #
Kd 4 — dl
Folgt auf Zug 1;
1. c 2 nach d l Ober b 1
b 3 nach b 2
g 5 nach g 4
so mit dein 2. nämlich
1 Lh7 — g8#
Zug«
matt
Lösung des Zahlenquadrats: •
897
99
85
87
60
41
50
25
897
25
87
41
50
99
60
35
897
60
25
60
87
35
99
41
397
85
99
25
41
60
87
50
897
50
60
99
85
25
41
87
397
41
50
60
25
87
85
99
897
87
41
85
99
50
25
60
897
897
897
897
897
897
897
897
897