imerepante Au-'sUyrungcn über die Entwicklung der Leipziger Messe im Vergleich zum Deutschen Messewesen überhaupt. Der Redner ging dann auf Die engen Beziehungen Der Messe zu den Jndustrieorganisationen ein und wies daraus hin, daß namentlich die Technische Messe ihre Enisiehung und Ausdehnung dem Zusammenardeiicn mit diesen Verbänden verdanke. Zum Schluß nanM Drrcklvr Köhler eine Reihe von Verbänden, die sich für eine ausschließliche Beschickung der Leipziger Messe ausgesprochen haben Er sprach Die Hoffnung aus, daß diese Bewegung weitere Fortschritte machen möge. Nach der Begrüssungsfeier folgte ein Rundgang durch die Messehäuser und -Hallen der inneren Stadt.
Wieder Bürgerkrieg in Griechenland.
PU a sii r a s g e p e n Kondylis.
Nach einer in Genf eingctrosscne« Meldung aus Athen steht Griecheulmtd am Vorabend eines blutigen Bürgerkrieges. General Plastiras hat seine Truppen in der Umgebung von Saloniki konzentriert und schickt sich an, auf Alben Zu marschieren. Kondplis hat alle verfügbaren Tkuppenverbände zusammengczogen und rückt Plastiras in Eilmärschen entgegen.
Trotz der Bemühungen des Generals Kondylis, die Ordnung im Lande rasch wieder herzustellen, ereignen sich
noch immer ernste Zusammenstöße. So wird aus Saloniki gemeldet: Die Anhänger des Generals Pangalos lassen sich nicht ohne weiteres von ihren Posten entfernen. In vielen Fällen kam es bei der Besetzung von militärischen Dienststellen zu Zusammenstößen, die mit der Masse aus- getragen wurden. Kondylis hat Pangalos wissen lassen daß er kein Dolksgericht einsetzen, sondern ihn den-ordentlichen Gerichten übergeben werde.
Die Große Deutsche Ku^kausfiâng.
(Von unserem ständigen Mitarbeiter.)
Berlin, den 3. September.
Berlin hat seine neueste und höchste Sensation: den Funkturm! Als Wahrzeichen der neuen Zeit steht er bereits seit zwei Jahren auf dem Ausstellungsgeläude am Kaiserdamm, neben dem Haus der Funkindustrie. Aber er stand da als totes Eisengerüst, als reines Zweckgebäude, nur Träger der Antenne des Deutschlandsenders und nur indirekt durch diesen lebendig. Aber von jetzt ast pulsiert in ihm ein eigenes Leben; er ist, ohne seinen alten Zwecken untreu zu werden, geworden, wozu ihn seine Höhe bestimmt: Ausstchtsturnr. Von der Laterne des Funkturms, 138 Meter über dem Erdboden, schweift der Blick ungehemmt über das ganze Häusermeer hinweg und reicht noch weit ins Land hinein. 50 Personen faßt die obere Plattform des Fünkturmes, je zehn außer dem Führer befördert der Fahrstuhl in jeder Minute nach der luftigen Höhe. Bei 50 Metern ist Zwifchenstation: das Turinrestaurant.
Der Gesamterndruck der dritten Deutschen Funkausstellung ist der einer fortschreitenden Läuterung der Produktion. Besonders eine rückblickend auch auf die beiden vorangegangenen Funkausstellungen gerichtete Betrachtung läßt diese Lime klar und deutlich hervortreten. Die Preisfrage spielt bei der heutigen allgemeinen Lage für die Mehrzahl der Käufer die ausschlaggebende Rolle. Und da kann man erfreulicherweise feststellen, daß gerade hinsichtlich der absoluten Billigkeit und hinsichtlich der relativen Preiswürdigkeit von der letzten Funkausstellung bis zu der gegenwärtigen wieder ein großer Schritt getan ist. Ohne hier Preise im einzelnen auf führen zu wollen, läßt sich das Gesamtergebnis doch dahin zusammensasfen: wer heute im Umkreis von etwa 50 Kilometer von einer normalen Station ohne Hochantenne befriedigenden Laut-
sprecherempsang haben will (und das ist doch die Forderung, die vorwiegend gestellt wird), der braucht in der Anschaffung, alles Zubehör Eingerechnet, nicht über 100 bis 125 Mark hinauszugehen, j Vergleicht man diese Ziffer mit den Summen, die man vor drei Jahren für Apparate von lischt annähernd der heutigen Leistungsfähigkeit aus- flcban mißte, Summen, die das 3- bis -l-fache betrugen, so sprechen diese Zahlen für sich allein eine beredte Sprache über die erstaunliche.Entwicklung, die die deutsche -Funkindustrie in der kurzen Zeit ihres Bestehens genommen hat und für lüe diese Ausstellung das beste ^iengnis ablegt.
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An der EröffmmgSfeier der FunkanösWung nahmen Reichsminister des Innern Dr.. K ü I z, Neichsjustiz- minister Dr. Bell, der preußische Kultusminister Dr. Becker t Oberbürgermeister Dr. B ö ß„ Polizerprüstdent Grzcsynski und viele andere Persönlichkeiten teil. Oberbürgermeister, Dr. Böß hielt die Erösf.inZgsrede, in der er aus die Wichtigkeit und Bedeutung der Ausstel-. Imig für Berlin hinwies.
Aus Hkffen-Aaffau und Rachbargrbielen.
Merkblatt für den 5. und G. September.
Sonnenausgayg 517 (5'“) Myndaufgäng 2“ V. (P V.)
Sonnenuntergang v" (63T) I| MonduNterg. 6’5 R. (<>17 N.)
5. Scpte m b c r. 1733 Der Dichter Christoph Martin Wieland geb. — 1902 Der Mediziner Rudolf Virchow gest. — 1914 (5.—-10. Sept.) Schlackn an der Marne, Rückzug der Deutschen. — 1916 Französischer Großaugriss an der Somme.
6. S e p t e in b e r. 1813 Sieg der Preußen über Die Franzosen, Sachsen pnd Württemberger bei Dennewitz. — 1903 Der Maler Friedrich von Kaulbach gest.
Geh' früh zu Bett und schlaf dich aus, — Kriech morgens dann beizeiten raus — Und laß dir Ruh' am Früh- stückstisch — Das macht gesund und klug und frisch.
Wetterbericht.
Die Luftdruckverteilung ist immer noch sehr gleichförmig. Die von Nordwesten her vordringende kältere Luft hat Nordwestdeutschland schon erreicht und wird unserem Bezirk im Norden Abkühlung bringen. Mit Nachlassen der Gewittertätigkeit ist zu rechnen. Vorhersage bis Samstag abend: Meist bewölkt, zunächst noch vielerorts Gewitter oder Gewitterregen, Abkühlung. Witterungs- aussichten bis Sonntag abend: Wolkig bis aufheiternd, meist trocken, müßig warm.
Frrlda, den 4. September 1926.
Am Wochenende.
Fast ist die Hitze zu groß in diesen Tagen — um Drachen steigen zu lassen. Aber sie steigen, sie sind einfach da, sobald die letzte Garbe geborgen ist. Sie erinnern uns daran, daß der Herbst mit Riesenschritten naht. Es gibt Leute, die bei diesem Gedanken melancholische Anwandlungen bekommen — sind sie poetisch angehaucht, dann machen sie manchmal auch Gedichte. Es reimt sich so gut auf scheiden und meiden, auf kahl und fahl und andere herbstliche Erscheinungen. Prosaische Menschen suchen in diesen Tagen die bevorstehenden Ausgaben für Kartoffel, Kohlen und anderen Bedarf der Herbstzeit auf ihren Geldbeutel zu reimen und mit ihm in Einklang zu bringen. Der Zirkus als unvorhergesehenes Ereignis hat manches Loch in den Geldbeutel gerissen, das jetzt wieder irgendwie gefüllt werden muß. Der Zirkus hätte eigentlich dazu beitragen können, durch einx angemessene Platzmiete dem Stadtsäckel einige Batzen einzubringen, es wäre ein müheloser Verdienst gewesen, der ein städtischer Festplatz abgeworfen hätte. Nur zwei' solche Unternehmen im Jahr, wie der Zirkus Gleich, würden das Vereithalten eines städtischen Festplatzes glänzend verzinsen und darüber hinaus noch etwas abwerfen, das vielleicht einer verbesserten Beleuchtung zu gut kommen könnte. Es soll natürlich mit dem Festplatz nicht einem vermehrten Festefeiern das Wort geredet werden — aber ohne den städtischen Festplatz kommt noch kein Karussel weniger nach Fulda und wird kein „Volks"fest weniger gefeiert. —* Was ich mir für Fulda wünsche, das wäre ein großes Kinderfest nach süddeutschem Muster. Alljährlich im Mai geben die schwäbischen Städte ihrer gesamten Jugend ein solches Fest. Bei Sport, Spiel, Reigentänzen usw. ist alles, was sich jung fühlt, auf der Festwiese versammelt und nimmt Eindrücke mit nach Hause, die unauslöschlich fürs Leben haften. — Nicht nur der Zirkus, sondern hauptsächlich auch das schöne Wetter । brachte in der vergangenen Woche unserer Stadt einen Massenverkehr. Ganze Scharen von Schulkindern in Be- I gleitung ihrer Lehrer belebten die Straßen. Auch der i Autoverkehr war außerordentlich stark, der freie Platz | vor einem hiesigen Hotel war zeitweise fast zu klein fikr i die haltenden Automobile. Es ist erfeulich, wie sich die i Fremden einig sind in dem Lobe unserer Stadt. Auch
die Fuldaer Gaststätten und Geschäfte werden durchweg in dieses Lob eingeschlossen. Der Fuldaer selbst ist im allgemeinen seiner Vaterstadt gegenüber kritisch eingestellt, jedoch nicht aus einer kleinlichen Nörgelsucht heraus, sondern aus einem Interesse, das nicht zuletzt einer tiefen Heimatliebe entspringt. Nie wollen wir irgend ein Tun oder Lassen unseres Nächsten ohne Würdigung der Beweggründe verwerfen. Der Deutsche kann im Durchschnitt Widerspruch nicht vertragen. Es, ist tief zu beklagen, daß oft aus politischen oder weltanschaulichen Gegensätzen persönliche Feindschaften erwachsen. Was wäre es traurig auf der Welt» wenn es nur eine Meinung gäbe! Gegensätze müssen sein, sie haben aber nichts mit der Zersplitterung der Kräfte zu tun. So wie wir es im sieben für selbstverständlich hinnehmen, daß zwei Rechtsanwälte, die sich in einer Sache aufs schärfste bekämpfen, als gute Freunde auseinander gehen, so müßte es auch im Kampf der Geister auf politischen und kulturellen Gebieten sein. — Uns alle bedrückt tief die Not unserer Tage. Warnende Stimmen von führenden Geistern sprechen vom deutschen Verfall. Dies mag übertrieben fein, aber trotzdem ist es, ein gutes Zeichen, daß diese warnenden Rufe erklingen — sie können unmöglich ungehört verhallen. Es ist das Merkwürdige, daß in allen Parteien diese Warner vorhanden sind. Damit ist bewiesen, daß der Kampf gegen die wachsende Not keine egoistische Parteisache ist, sondern in allen Schichten des Volkes seine Pioniere auf den Plan schickt. Der uralte Gegensatz zwischen Einzelpersonen und der Masse scheint heute schärfer zugespitzt zu sein. als jemals. Die Müsse ist ein furchtbares Instrument in der Hand geistloser Schreier, es kommt deshalb darauf an, daß der Einzelne über sich hinauswachse, indem er in seinem engen Wirkungskreis mit wirken an dem gewaltigen Werke der Volksgesundung, an dem Eindämmen der flutenden Not. Nur wer die Blicke aus dem Alltagsgetümmel, aus der Finsternis banalen Geschwätzes zu den Werten ewiger Dauer emporrichtet, wird Kraft und Trost verspüren, die ihn vor der Verzweiflung bewahren. — Möge uns der Kanalbezwinger Vierkötter ein Symbol sein. Ist es nur Ruhm- unb Ehrsucht, die den tapfern Schwimmer zu seiner gefahrvollen Rekordleistung zwang? Mit blutenden Gliedern wird er von der Brandung immer wieder zurückgeschleudert, er gibt den Kampf mit dem Element deshalb nicht auf, er bezwingt die tückische Flut. In der Tat hier spricht mehr mit, wie bloße Rekordsucht. Als Deutsche freuen wir uns über die Leistung unseres Landsmannes nicht weniger, wie über die mutige Gertrud Ederle, die ja auch Deutschen Geblütes ist. Es ist erfreulich, wie allenthalben in unserem Vaterlands die zielbewußte Betätigung des Sportes wächst in dem uralten Gedanken: ein gesunder Geist in dem gesunden Körper. Man mag gegen die frühere militärische Dienstpflicht einzuwenden haben, was man will, aber das ist nicht zu bestreiten, daß diese Dienstjahre ganz hervorragend zur vielgenannten körperlichen Ertüchtigung der deutschen Jugend beigetragen haben. Da die Dienstpflicht weggefallen ist, ist es nur eine folgerichtige Entwicklung, ein Ausgleich, daß sich die Jugend in erhöhtem Maße sportlicher Betätigung hingibt. Auch Fulda geht mit großzügigen Plänen' zur Förderung der Volksgesundheit um, Volksbad, Turnhalle und noch einiges andere. Hoffen wir, daß etwas daraus wird, nur keine „Alles- oder Nichtspolitik", fangen wir mit dem Volksbad an, das andere wirb dann schon nachkommen. Die Anlagen beim Kriegerdenkmal sind nun auch wirklich mustergültig hergestellt. Hoffentlich bleibt es dabei; einige Körbe aus Drahtgeflecht für die unvermeidlichen Abfälle aller Art, dürften dein Ordnungssinn der dort frühstückenden kleinen und großen Kinder dienlich sein. ^m Zentrum der Stadt wirb seit einigen Tagen bas von der Firma Henninger in ein neues, prächtiges Gewand gekleidete Seipel'sche Haus bewundert, in dem seit dem 1. Sept, die Weinhandlung Müller ihrem Großhandel ein Ladengeschäft angegliedert hat. Man darf die Farbenzusammenstellung an diesem Hause als gelungen bezeichnen. Trotz größter Lebhaftigkeit nichts Schreiendes — so ein altes Patrizierhaus darf schon lebhafter wirken als etwa der Totenwagen 1. Klasse, der zur Zeit von der Fa. Spiegel (am Wege zum Rosenbad) einer stilgerechten Auffrischung unterzogen wird. — Wer sich und seinen Kindern in den nächsten Tagen eine rechte Freude bereiten will, versäume nicht die Aquarien- unb Terrarien-Ausstellung (wer verdeutscht die beide Fremdworte am besten?) zu besuchen. Auch dem Kakteenfreund ist der Besuch zu empfehlen. An anderer Stelle wird ausführlich darüber berichtet. — Aus den Rhön-- bergen kommt die Nachicht, daß alles für einen Massenbesuch in den nächsten herrlichen (Septembertagen — mögen Wochen daraus werden — gerüstet ist. „Zieh an die Wanderschuh." Gerne würde ich den Eremitenpvsten im Fuldaer Haus auf der Maulkuppe annehmen — aber 'hier stock ich schon, wer hilft mir weiter fort? — Wie sage ich eL meiner Frau? ^)â A. M. *$
Bilder aus der Rhön.
' Von H. Staubitz - Dalherda.
2. Die Rhöner Holzwarenindustrie.
Schon lange vorher, ehe Martens, Schulz und Kegel durch ihre Segelflüge die Welt in Erstaunen setzte i, hatte die Rhön ihre stillen Freunde und Freundinnen in der Welt. Du lächelst, holde Freundin! Ja, auch du erstandest dir im Laden bei Tietz, Schmöller und Wronker — ob in Berlin, Frankfurt oder Nürnberg — den weißen, schlanken, tadellos ausgehöhlten Kochlöffel oder Die Wäscheklammer in einfachster oder beyerer — gedrehter — Form für ein Spottgeld und ahntest nicht ihre Herkunft. Ganze Waggonladungen, verließen die Rhön. Hat man dir auch oft eindringlich die amerikanische Klammer — in schlanker Form automatisch gedreht — oder die Federklammer angepriesen, immer wieder kehrtest du zu der handfesten, dauerhaften Rhönware zurück, die in ihrer schlichten Form ein Ebenbild dieses Gebirges und in ihrer Güte ein Zeichen, des Deutschtums war. Auch du, werter Leser, hattest vielleicht ein geschnitztes Schreibzeug oder einen Aschenbecher aus dem Schreib« tisthe. Die ehemals als Ahornbäume oben auf dem Kreuzberg die Klosterleute in ihrem stillen Tun beobachteten.
Zwei Arten von,Holzwaren machten die Rhön bekannt: die gröbere Küchen- und Gebrauchsware, und die heuere Schnitzerei. Erstere ist die älteste, und Dalherda der typische Ort dafür. Schon 1797 weidet Die Chronik, daß hier 18 Holzschnitzer' wohnhaft seien. Aber auch sonst gab es in der weiteren Umgebung Leute, welche Me^ermulden, Fleischteller und' Hackbretter, Rechen, Seusenwürfe und kleine Kinderschiebkarren berste Uten, ebenso Spitzbretter (Schindeln) zum Bekleiden' der Häuser und Wetterbrrtter. Aus den Bezirken Gersfeld und Brückenau seien die Orte genannt: Kippelbach, Maiersbach, Hettenhausen, Gichenbach. Abtsroda, Reußendorf, Glashütten, Werberg, Kothen. Teilweise griff die Industrie auch fast auf den Spessart über, auf Oberzell, Leichtersbech, Singenraine u. a. Orte. Daß heute aus manchem dieser Orte die Holzindustrie verschwunden ist, hat seine Uusache darin, daß hier und da andere Verdienstmöglichkeiten geschaffen wurden, so die Holzindustrie- werke Agi in Oberbach-Krugfabrik und die Schwerspatgruben in Silber'hos, Wildflecken und Oberbach; oder aber ist infolge des Nieoergangs der Industrie und des Handels im allgemei-
men und der enormen Steigerung der Holzpreife ein lohnender Verdienst nicht mehr möglich gewesen.
Ter Kochlöffel und die Klammer sind so recht das DaHer- daer Wappen. Schon beim Eintritt in Den Ort bemerkt man die überreichen Stapel an Buchenscheitholz, sowie Buchen- und Ahornstämme jeder Länge und jeden Durchmessers. In jedem Hause wird die Holzschnitzerei als Heimarbeit im Sommer wie im Winter, nur mit kurzen Unterbrechungen in der Saat- und Erntezeit, betrieben. Hier ein Löffelmacher: Sein Handwerk ist nicht leicht; primitiv wie zu Großvaters Zeiten ist sein Werkzeug, seine Hilfsmittel, die Herstellungsweise. Ungesund ist die sitzende Lebensweise, in hockender, vornllbergebeugter Stellung. Da muß bei schlechter Stubenlust, die noch durch Holz- und Kochdunst nicht gerade verbessert wird — denn wegen ter enormen Wohnungsnot wird im selben Zimmer in Größe von 4:4: 2,30 m. gelebt, gearbeitet, gekocht und geschlafen — der nur mangelhaft genährte Körper frühzeitig altern.
Im -Nachbarhause schnurrt die Drehbank, bis heute noch ohne Maschinenbetrieb. Klammern,.. Sägenfäuste und Quirle werden da gedrechselt. Hier muß dem abgearbeiteten Vater der Sohn oder die Tochter beim Treten Helsen, sodaß beide in Schweiß gebadet sind. Ein Gang aus der Stube, besonders in eisiger Winterszeit, hat Lungenentzündung unausbleiblich zur Folge. Beide Typen erarbeiten sich den Tag über bestenfalls 2—2,50 Ji bei zwölf- bis fünfzehn stündiger Arbeitszeit. Wegen der Handarbeitsmethode fällt gar zu viel Holz ab, man rechnet mit 30—40 Prozent Abfall, und doch ist die Ware, wenn auch haltbarer, recht unanfehnlich. Zur Zeit wird mit tatkräftiger Unterstützung des Wohlfahrtsministeriums elektrische Kraft durch den Anschluß an das Ueberlandwerk Fulda—Hünfeld -Schlüchtern ins Dorf gebracht, wodurch man im Laufe der Jahre eine Belebung der Heimarbeit erhofft, Heute hat Ware aus Ahornholz noch guten Absatz und etwas besseren Verdienst. Wegen des Niedergangs Der Heimarbeit und des geringen Absatzes suchen die Holzarbeiter der Rhön im allgemeinen durch persönliches Verschleißen der Maren im Hausierhandel etwas zu verdienen. Sie könnten sich fast alle arbeitslos melden, sind aber zu stolz, sich auf Staatskosten durchfüttern zu lassen, lieber essen sie das trockene Brot der Armut. In enteren Orten ist die Herstellungsweije die gleiche und Die Lage der Heimarbeiter nicht rosiger, die Verhältnisse sind aber nicht so in die Augen fallend^ da sie dort in der Minderzahl sind.
Eitne andere Art von Hokzwaren einzuführen, scheiterte 1912 an Der Ungeeignetheit des Lehrmeisters. Schade um die Mühe
and Einsichk der Leute, die schon Damals die Zeichen der Zeit
verstanden, schade um den Kostenauswand der Regierung. Richtiger verfuhr bisher und noch heute der Polytechnische Verein in Würzburg, der mit staatlicher Unterstützung Holzschnitzschü- ley errichtete, so in Empfertshausen, Osthaufen und Bischofs
heim. Früher war auch eine solche in Poppenhausen. Aus-
s chend von Dem Prinzip, mit wenig Holz und geringstem Ab- ' ,11 unter Anwendung künstlerischer Ideen Wertgegenstände her- ;uftelleu1, werben junge Leute in dreijähriger Lehrzeit von dem tüchtigen Meisterlehrer.Fischer in Bischofsheim herangebildet. Sie gehen bann als Holzbildhauer entweder in die Fremde und ins Holzgewerbe, oder üben im väterlichen Hause ihre Kunst als Heimarbeiter aus. So hat sich z. V. Sandberg ant Fuße des Kreuzberges vollkommen auf Schnitzerei umgcstellt. Dort fertigte man früher nur Holzschuhc. Das Paar zu 40—60 Pfg., an, jetzt schnitzt man kleine Gegenstände, die dem kleinbürgerlichen und bäuerlichen Hause gerne zur Zierde gereichen, z. B. Rehköpfe, Schlüsselhalter, EckbrettHen. u bergt m. Zwar spinnen diese Leute heute auch keine Seide, aber ihr Los ist gegen das der Hersteller von Haus- und Küchengeräten ungleich bef= fa zu nennen, zumal ihnen die Holzbeschaffung nicht so große Schwierigkeiten und Kosten bereitet. Aus der Holzschnitzschule in Bischofsheim gehen viele Werke von hohem Kunstwortes z. V. Altare, Möbel u. a. m„ in die Welt hinaus.
Sollte cs noch gelingen, den Forstfiskus zu veranlassen, nicht nur Mchtenanpflan, Zungen vorzunehmen und der bedrängten Bevölkerung in mancher Hinsicht etwas mehr entgegen zu kommen, sollte es möglich werden, den genossenschaftlichen! Gedanken durch Matorialbezug and Warenvertrieb etwas mehr zur Auswirkung und Geltung zu bringen, sollte auch der Heimarbeiter zu bewegen sein, sich durch freiwillige Vorficherung in der Sozialfürsorge gegen Not zu schützen — ein schwerer Krankheitsoder Todesfall wirst ihn am Jahre zurück, und fast sollte man für sie auf BelsicherungszWang bringen — sollten sich die Erwartungen, die man auf Die Maschinenhilfe setzt, bewahrheiten, sollte vielleicht gar einmal ein Versuch auf Verfeinerung der Arbeit gelingen, so wäre diesem von der Natur gut veranlagten, zähen Arbeitsgeist in vielem geholfen. Denn besonders auf den anspruchslosen, fleißigen Rhöner paßt das Sprichwort, von Tilly geprägt: „Wo Hessen und Holländer verderben, kann niemand Nahrung erwerben“. ,