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DüS Grausn.

Von Tin old Kull.

(Nachdruck verboten.)

Man saß schon lange beisammen in dem behaglich durwwärnuen Zimmer. Durch Die Fenster glotzte das tiefe Dunkel einer regenfeuchten Nacht. So lebhaft war bte Unterhaltung in dem kleinen Kreise,, daß man gar nicht an den Heimweg dachte. Man war, über Myde, Kunst und Politik zuletzt auf die Literatur gekommen unb blieb an dem jüngst erschienenen Buche eines berühmten v'lrztes

hangen, da

Grausig

s Tagesgespräch war.

Vorgang im Leicheukellex beweist, daß auch an gewöhnte Männer, Wissenschaftler von unbe«

dingter Zuverlässigkeit zuletzt doch ihren Nerven unter« morsen sind, daß sie in Lagen kommen können, wo fU..w Opfer ihrer Sinne werden, wo die Furcht ihnen einen ganz unwissenschaftlichen Streich spielt," behauptete der Hausherr.

Oder besser die Angst," rief der kleine Maler,denn Fluwi uud Angst sind zweierlei."

Einer gewissen Ängstlichkeit sind wir wohl alle unter= warfest, und die Geschichte von dem, der auszog, das gürdücH zu lernen, ist eben ein Märchen," meinte der ReLkcanwalt,sonst," und er wies auf das plätschernde Dunkel draußen,säßen wir vielleicht gar nicht mehr bei dieser gemütvollen Bowle," fügte er mit humorvoller Be- tonung hinzu und erhob sein Glas gegen den Gastgeber.

Was für mich als Hausherrn nicht gerade schmeichel- baft ist. Im übrigen, meine Freunde, Ängstlichkeit, Angst, Furcht, Sie werden mir glauben, wenn ich sage: ich kenne sie nicht. Und doch"

Aha, da haben wir's," rief triumphierend der Maler. Im letzten Winkel des Herzens schlummert doch so ein der Furcht verwandtes Gefühl."

Ter alte Soldat, dessen Bewährung und unerschrocke­ner Mut in manchem blutigen K ampfgaug über jeden Zweifel erhaben war, schüttelte den Kopf.

Sie werden mir das wohl nicht absprechen wollen, was man so gemeinhinMut" nennt und doch" fügte er wieder nachdenklich hinzu.

Tie machen uns begierig, lieber Major," rief man. Hinter Diesemund doch" steckt ein Erlebnis, eine Gc-

peitschte die hohen Pappeln. Ächzend und nagens vog nm die Vegetation im Winde. Zog mich nicht jemand am Rocke? Ich hieb mit dem Degen um mich. Ein Ast split­terte zur Erde. Das alte Eisen brannte mir in der Faust. Wie zur Verteidigung gegen einen herannahenden Feind, gegen ein ankriechendes würgendes Gefühl, gegen ein geisterhaftes Etwas schwang ich es vor mir her und stieß dabei fürchterliche Flüche aus. Wuchs da nicht ein Schat­ten auf mich zu? Ich führte einen Schlag danach, in die Luft, ins Leere, Aber dieses pfeifende Gewisper wie aus einer erstickenden Kehle? Und weiterhin die drei Juden, die da betend in ihre langen Tücher gehüllt bei- sammeustaudcu und sich gegeneinanderneigten? Mit aller Krast zwang ich das in den Schädel jagende Blut zurück. Bald war ich am Ziel. Ich mußte das Grab finden. Mit zitternden Händen versuchte ich eine mitgebrachte Kerze zu entzünden. Der Sturm zerriß das flackernde Flümm- cheu. Ratlos stand ich. Wo war das Grab? Wo der Stein mit dem leuchtenden Stern, wie man es mir be­schrieben batte? Stolpernd über Hügel und Hecken irrte ich über die Gräberstatt. Mit meiner Kaltblütigkeit war es langst aus. Stoßweise fühlte ich mein Gesicht von heißen und eisigen Blutwcllen überflutet.

Aber was ist Zufall?" warf der Major ein und er­hob sich. Seine Stimme klang mühe, als hätte er die Qualen jener grausigen Nacht noch einmal wirklich durchlebt.

schichte, rollten Sie selbst--?"

Allerdings ich selbst. Ich habe nicht die Furcht, aber Das G r a u e n erlebt und bin daran gescheitert."

O lieber Herr Major, das müssen Sie uns noch er- mbleu vorm Heimgang, es ist doch sicher eine sehr roman­tische Geschichte," bat eine junge Dame.

Recht gern, wenn Ihnen der Gang durch die Nacht dann nur nicht zu unheimlich wird."

Ein Sturm heiterer Entrüstung brach los, worauf sich der Major int Sessel zurechtrückte.Ja das Grauen," begann er.Furcht und Angst kann man überwinden, wenn man die ganze Willenskraft aufbietet. Ich habe das auf manchem Schlachtfeld erfahren. Aber vor der Gewalt des Grauens kapituliert das stärkste Herz."

Ich war damals vierzig Jahre ist es wohl schon her von meinem Mutterregiment in eine kleine Gar­nison versetzt worden, die, abgesehen von einem pracht- oollen Kasino für uns Offiziere, nichts weiter bot als nn nüchternes Kasernement und noch nüchternere Klein- stadtstraßcn. Dienst gab es viel und passenden Verkehr wenig und so waren wir jüngeren unverheirateten Offi­ziere ganz auf uns selbst und auf die Räume des Kasinos angewiesen. Dieses lag aus einer anspruchslosen Erhe- buna außerhalb des Städtchens und war ein Gebäude, das ehemals klösterlichen Zwecken diente. Das alte dicke Mauerwerk mit seinen breiten Rundtürmen präsentierte sich im Sonnenlicht zwar ganz reizvoll. Am Abend je­doch, wenn im Mondlicht das dichte Laubwerk seine dro­henden Schatten auf Dächer und Wege warf, war es von einer fast grimmigen Düsterheit. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb saßen wir noch der Romantik zugänglichen Jungen gern hier zu fröhlichem Trunk beisammen. Wenn Dann der Wein seine Wirkung getan hatte, führte uns der jugendliche Übermut oft auf die absonderlichsten Ideen. Und fo kam es eines Abends oder besser eines Nachts, daß der vom Wein Besessene den Vorschlag machte: Der sollte der heimliche König unter uns sein, der das Grauen besiege und des Nachts zu den Toten ginge, da bei den Lebendigen ja doch keinerlei Sensation mehr zu er­warten sei. Zu den Toten also!

Etwa eine Viertelstunde von unserem Kasino entfernt, in einer von Pappeln umrauschten Senke, lag ein alter Judengottesacker. Ein dunkelumbuschter schlechter Pfad führte durch Felder über einen schmalen Flußarm dorthin. Diesen Weg nun zu gehen, den Friedhof zu betreten und aus dem Grabe des vor einigen Dezennien ermordeten Rabbiners ein Zeichen zu hinterlassen, sollte die Aufgabe fein. Sie war Dadurch noch besonders unangenehm, daß besagter Rabbiner zu einer bestimmten Nachtzeit ruhelos auf Dem Friedhof als Geist umherirren und nach dem Mörser rufen sollte. Als Zeichen war ein Degen in den Grabhügel des Toten zu spießen.

Da sich alle dazu drängten, mußte das Los entschei­den. Es traf mich.

Ich zog meinen Mantel an und trat ins Freie. Es war eine rauhe und stürmische Herbstnacht. Der Wind jagte phantastisches Gewölk über die Landschaft hin, daß der Mond immer nur auf Augenblicke durchbrechen konnte. Sogleich überfiel mich das Unwetter. Es fang uns pfiff in den Büschen und Bäumen und fegte Blätter und Sand in wirbelndem Tanz über den Weg. Doch ich schritt aus. Ab und zu warf ich einen Blick zurück zu den erleuchteten Fenstern des Kasinos, bis das Dunkel der Laubmassen alles verschluckt hatte.

Ich tastete mich durch die Dunkelheit, die nun fast wie eine körperliche Last auf meine Schultern drückte. Ganz selten trat der Mond aus dem Gewölk und beleuchtete den Weg, aber immer nur kurze Zeit. Dann sah ich mein Ziel, den Friedhof, in einer von alten hohen Bäumen ge­wölbten Kuppel wie einen mächtigen Grabhügel vor mir auftauchen.

Endlich stand ich vor der alten Fiiedhosspsorte. Ver­schlossen? geb'-rüttelte am Gitter. Knirschend bewegte es sich und flog wieder krachend zurück. Ich hörte das Zu- fchnappen des Schlosses und mir war, als wäre eine- säugnistKy hinter mir zugefallen. Da stand ich also aus dem Arieohof. Wg mochte - nun das Grab sein? Die Kameraden hatten mir seine Lage beschrieben, aber in diesem grauen Gewirr von Hügeln, Steinen, Laubwerk und Grabmälern verlor ich jede Orientierung. Der Sturm

Älorgen, morgen, nur nicht heute! Sprechen immer träge Leute, Morgen! Heute will ich ruhn, Morgen jene Lehre fassen, Morgen diesen Fehler lassen, Morgen dies und jenes tun!

Und warum nicht heute? Morgen Kannst du für was anders sorgen! Jeder Tag hat seine Pflicht. Was gescheh'n ist, ist geschehen. Dies nur kann ich übersehen;

Was gescheh'n kann, weiß ich nicht.

C h r i st. Felix Weiße.

Heiteres.

Der verkannte Herkules. Frau Kulicke hat zum erstenmal ein Dienstmädchen! engagiert. Sie stellt ihr die Familie vor und erklärt ihr, wie sie die einzelnen Familienmitglieder airzu­reden habe:Dies ist mein Mann, der Herr Kulicke; das ist mein ältester Sohn, der Herr Karl; hier der zweite, Herr Erich; dies der jüngste, der Herr Fritz. Und das hier ist unser Hünd­chen," damit zeigte sie auf einen kleinen Dackel,der Herkules." Da rief das Mädchen ganz entrüstet:Wat!? Nee, det sollte mir jrade einfallen, zu so'n Viech noch Herr zu sag'n; den nenne ick einfach Kules!"

Preissenkung. Magdeburger trifft Weißenfelser.No, was gibt's?"Was solts geben? Preissenkung in meinem Ge­schäft!" ? ? ?Ja, gestern hatte ich im Schaufenster Lie Preistafeln meiner Anzüge noch oben am Rockkragen, heut' hab' ich sie an die Hosen gehängt!"

Der Papa im Hörer. Ein kleines Mädchen hatte noch nie telephoniert. Eines Tages aber, als die Klingel schrillte und niemand zur Stelle war, eilte es an deN Apparat und hielt den Hörer an das Ohr. Es hörte des Vaters Stimme und brach in Tränen aus.Mutter", rief es,Mutter, wie in aller Welt sollen wir den armen Papa aus dem kleinen Loch da her­ausziehen?" j

Bcrschnappt.Wie konnten Sie sich erlauben, mich zu küssen, , während ich in der Hängematte lag und schlief?" Er:Ich habe Ihnen doch nur ein kleines Küßchen geraubt." Sie (empört):Sie lügen! Ich habe bis 9 gezählt, ehe ich auf- ? wachte."

Schmeichelhaft. Dame (zu einem Studenten, der sie besucht): Was treiben Sie denn in Ihren! Mußestunden?"Wenn ich vor Langeweile nicht weiß, was anzufangen, dann gehe ich Be­suche machen." (,^il Blas")

Neueste Ausrede. Die junge Frau entdeckte ein blondes Haar auf dem Rock ihres heimkehrenden Gatten. Voll Miß­trauen fragte sie:Was bedeutet das?"Ach, du brauchst nicht eifersüchtig zu sein," entgegnete er unbefangen,für ein Frauenhaar ist es ja viel zu lang."

-SèLiervild.

Da kam mir der Mond zu Hilfe, der den ganzen Totengarten plötzlich in einem kalten phosphoreszierenden Lichte aufstrahlen ließ, und da schimmerte da nicht der bleiche Stern auf dem Grabe des Ermordeten? Gewiß, er mußte es sein. Schnell hin zu ihm, ehe das gräßliche Dunkel den matten Schein wegsraß. Wie ein flüchtiges Wild hetzte ich über die Grabhügel, glitt aus, fiel, raffte mich auf und stand endlich vor ihm. Ja er war es wirklich, die Beschreibung'paßte genau auf ihn. Ich stieß einen' triumphierenden Fluch aus. Wie erschreckt durch diese Lästerung verkroch sich der Mond wieder hinter sei­nem grauen Vorhang. Doch das machte mich nicht mehr unsicher. Ich hatte ja das Grab gefunden. Eine ruhige Gefaßtheit löste die furchtbare Spannung, die mich fast zersprengt hätte. Ich hob den Stahl, das Zeichen meines Sieges. Schrammend glitt der Degen über den Stein und drang mit einem knirschenden Ton in den Grab­hügel. Ich rüttelte ihn. Er steckte fest. Mochte auch das Geäst zornig anfheulen, ich hatte die Wette gewonnen. Zurück nun zu den Kameraden! Ich richtete mich aus mei­ner gebückten Stellung, die ich bei dem Stoß mit dem Degen eingenommen hatte, empor. Ein überhängender Ast riß mir die Mütze vors Gesicht. Ein Ast war es ein Ast? Ich neigte mich zu der Mütze herab ein Ruck ging durch meinen Körper ich konnte die Bewegung nicht vollenden. Ich fühlte, wie sich das Haar auf,mei­nem Kopf emporsträubte. Was war das? Ein heiseres, meckerndes Rufen drang aus dem Buschwerk neben mir. Ich fühlte, wie mein Hirn in einer aufkochenden Blut­welle ertrank; nur ein Gedanke stand noch über dem Chaos: Fort fort schnell fort von hier. Ich wand mich em­por, um dieser Stätte des Grauens zu entfliehen, tat einen Schritt vorwärts wieder jener geheimnisvolle Ruck, wie wenn eine bekrallte Hand mich am Nacken packte ich konnte nicht vorwärts, wie ich mich auch mühte, wäh­rend alle teuflischen Finsternisse mit einem donnernden Halt! ans mich niederstürzten. Schweiß drang mir aus- allen Poren, ich sah noch die Lebensbäume wie schreckliche Masken auf mich zuschweben, fühlte noch einen harten Stoß gegen meinen brausenden Schädel, dann verließ mich das Bewußtsein ich sank sank tief und tiefer in ein geöffnetes Grab und die Erdichollen leaten lieft wie Kissen weich und wohlig um meine Glieder."

Aus dem gespannten Miterleben der Gesellschaft löste sich die Stimme des Malers.So sind Sie das Opfer Ihrer erregten Sinne, Ihrer Halluzinationen geworden? Denn, meine Lieben, Friedhofsgespenster nicht wahr, daran können wir doch unmöglich glauben."

Nein es waren in der Tat keine Geister, keine rächenden Phantome," fuhr der Major fort.Doch lassen Tie mich zu Ende erzählen, was mir meine Kameraden später berichteten. Die jungen Offiziere harrten im Kasi­no vergebens auf meine Wiederkehr. Als zwei Stunden gespannter Erwartung verstrichen waren, befiel die über­mütige Gesellschaft eine katzenjammerhafte Nüchternheit. Schließlich zog die ganze Rotte mit Laternen zum Fried­hof hinaus. Hier fand man mich denn auch bewußtlos über den Grabhügel gewälzt. Und nun klärte sich auch der Geisterspuk auf, der geheimnisvolle Zauber, der mich an das Grab geschmiedet hatte. Als ich nämlich den Stoß mit dem Degen in das Erdreich führte, hatte ich, wahrens ich mich über den Hügel beugte, den unteren Teil meines Mantels mit durchbohrt und so mich selbst an dem Grabe festgeheftet. Bei meiner Erregung war es nur natürlich, daß ich dies in der Finsternis nicht bemerkte. Die Wette hatte ich nun zwar getvonn.en, aber lange noch klang das Grauen jener schrecklichen Nacht auf dem Judenkirchhof in meiner Seele nach."

Die prosaische Aufklärung war den Gästen des Ma­jors überraschend gekommen. Sie waren enttäuscht. Der mystische Vorhang war gefallen, das Geheimnisvolle war verschwunden und geblieben der Z u fall. So kon­statierte wenigstens der überlegene Skeptiker, der Rechts­anwalt.

Wo ist der Hinausgeworfene?

Rätselecke.

Lchach.Kufgave.

(Schwarz) d e f g h

a b c d e (Weiß) Weiß zieht an und setzt mit dem

vierte» ^»ge matt.

Zahtenquadrak.

Die Zahlen des Quadrates sollen derartig geordnet werden, daß in den beiden Diagonalen, sowie in jeder senkrechten und wagerechten Reihe die Sun'"'" 897 entsteht.