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Ärl-aer /lnzeiger

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Nr. 194 1926

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulüaer Kreisbla«

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Fulda, Mittwoch, 25. August

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

r * Das Programm für die am 2. September beginnende Tagung des Völkcrbundratcs in Genf ist jetzt bekanntgegeben worden.

* Reichskanzler Dr. Marx hielt vor dem Abschluß des Deut­schen Katholikentages in Breslau eine bedeutsame Rede über die Pflege des Gemeinschaftsgefühls im deutschen Volke.

* Die diesjährige Generalversammlung der deutschen Katho­liken in Breslau ging Dienstag unter entsprechenden Feier­lichkeiten zu Ende.

* In Hannover ereigneten sich 24 Fälle von Kinder­lähmung, von denen fünf tödlich Verliesen.

* In einem Kinderheim in Falkenberg (Mark) er- krankten zahlreiche Personen an Pilzvergiftungen, fünf davon sind gestorben, andere schweben noch in Lebensgefahr.

Innere Stärkung.

Aus Japan kommt eine Meldung, aus der her­vorgeht, daß dieses Land in seiner bisherigen Auswan­derungspolitik eine grundlegende Änderung vorgenom­men hat. Eine große südpazifische Handelskonferenz wird von den Japanern in Tokio geplant. Bei der Ankündigung dieses Planes erklärte nun unvermittelt ein Mitglied des japanischen Auswärtigen Amtes, daß man die gesamte Auswanderungspolitik umgestoßen habe, nachdem man die Zwecklosigkeit und die Torheit der früheren Bemühungen eingesehen habe, den Überschuß der Bevölkerung dorthin zu senden, wo er nicht gewünscht werde. Japan will deshalb in Zukunft davon absehen, die Auswanderung nach Amerika und Australien zu för­dern, wie es bisher geschehen ist. Es will sich vielmehr darauf beschränken, seine dünner besiedelten eigenen Landesteile, wie die Inseln Hokkaido, Formosa und an­dere ihm zugefallene Gebiete, zu kolonisieren. Gleich­zeitig wird der Zweck dieser Änderung angegeben. Japan will sich im eigenen Lande eine gewaltige Industrie auf- baüen, um sich so' auf die Ausfuhr nach dem Stillen Ozean konzentrieren zu können.

Bei den Kennern der Probleme des Fernen Ostens dürfte diese Programmänderung einiges Aufsehen er- ^-Mäen, chMWT-si»doch nichts weniger, als daß. Japan seinen alten Plan aufgibt, vermöge seines Menschen­überschusses allmählich aus dem Stillen Ozean ein japa­nisches Meer zu machen. Es will sich in Zukunft mit seiner Durchdringung durch japanische Waren begnü­gen. Im Lande wird man vielleicht der Regierung Vor- werfen, vor den Vereinigten Staaten und auch vor Australien zurückgewichen zu sein. Andere wieder wer­den meinen, Japan hätte aus der Not eine Tugend ge- macht. Aber bei der Eigenart der ganzen Einstellung der japanischen Politik und bei ihrer Zielstrebigkeit, die nie gewaltsam etwas zu erreichen sucht, was ihr letzten Endes doch in den Schoß fallen muß, kann man anneh­men, daß Japan jetzt erkannt hat, welchen Wert die Stär­kung des sogenannten inneren Marktes hat. Daß es damit großzügige kolonisatorische Pläne verfolgt, die natürlich auch auf das asiatische Festland übergreifen werden, steht auf einem anderen Blatte. Wenn man^ie Dinge aber tiefer betrachtet, wird man erkennen, daß Ja­pan hier einen außerordentlich geschickten Schachzug tut. Es räumt den Hauptstreitpunkt mit den Vereinigten Staaten aus dem Wege. Dadurch wird es von Händeln ferngehalten und kann bei einem Streite um die Seeherr­schaft im Stillen Ozean zwischen den beiden wirklichen Rivalen, den Vereinigten Staaten und England, ruhiger Zuschauer bleiben und dabei nach Art der Vereinigten Staaten im Weltkriege schließlich die Früchte des Kampfes der anderecn in die eigene Tasche stecken.

Das japanische Vorgehen ist für uns in Deutsch­land sehr lehrreich, ganz abgesehen davon, daß der wie­der zunehmende Handel Deutschlands in Ostasten durch die japanischen Pläne in Mitleidenschaft gezogen werden dürfte. Ab und zu spukt noch in den Köpfen der Ge­danke von bett zwanzig Millionen Menschen, die zuviel auf deutschem Boden leben. Dieser Ausspruch Cle­men c e a u s hat inzwischen die verschiedensten Varia­tionen gefunden, die sich nach zwei Richtungen hin aus­zuwirken versuchen. Mitte des vorigen Jahrhunderts war Deutschland das Land, das mit die meisten Auswanderer stellte, so daß man direkt von einem deutschen Kulturdünger sprechen konnte. Das hörte mit der Gründung und dem schnellen Aufstiege des Deut­schen Reiches auf. Jetzt stehen wir wieder vor den alten Fragen und sehen eine steigende Auswanderung, die noch viel stärker sein würde, wenn nicht die Verarmung des ganzen Volkes einen Hemmschuh anlegte. Japans Bei­spiel zeigt nun den Wert des eigenen Volksgenossen für die Volksgesamtheit und wie er für die Wohlfahrt des Landes nutzbar gemacht werden kann. Zuerst ist Erstar­kung im Innern notwendig, der dann von selbst die Wir­kung nach außen folgt. Deutschland bedarf wahrscheinlich in erster Linie einer inneren Kolonisation. Es ist er­freulich, daß man jetzt bei uns energisch an die Ausfüh­rung solcher Gedanken herangeht. So soll besonders O st Preußen weiter aufgeschlossen werden. Aber auch im Herzen Deutschlands ist noch viel zu tun. Wir können unsern Bevölkerungsüberschuß bis zu einem gewissen Grade sicher selbst unterbringen.

Nichts wäre natürlich verkehrter, als die Auswande­rung ganz unterbinden $n wollen. Im Gegenteil, das Deutschtum im Auslande braucht die Zufuhr frischen Blutes. Das Auslandsdentschtum geht aber verloren, wenn es eine schwache Heimat hinter sich hat. Deshalb ist es Pflicht, deren Kraft zu stärken. Politisch werden wir nach dem schlimmen Ausgang des Weltkrieges noch lange in der zweiten Linie stehen müssen, aber schließlich muß uns eine intensive innere Arbeit wieder die nötige wirtschaftliche Stärke verleihen und uns damit von selbst nach vorn bringen.

Programm der Genfer Ratstagung.

Döilerbmrdral am 2. Septemder.

Die Tagesordnung.

Das Völkerbundfelretariat teilt offiziell mit, daß die 41. Session des Völkerbundrates am 2. September beginnt und für die ganze Dauer der Tagungen der Vollversamm­lung unter dem Vorsitz des Vertreters der Tschecho­slowakei, Dr. Benesch, stehen wird. Die gleichzeitig veröffentlichte vorläufige Tagesordnung enthält die folgenden Punkte: Bericht des Gefundhritsausschusses, der Mandatskommission, des Finanzkomitees, des Wirtschasts- komitecs, der Verkehrskommission, der Kommission für geistige Zusammenarbeit und der Opiumkommission. Der Rat wird außerdem die Schlußberichte der General- lommissare des Völkerbundes in Wien und in Budapest entgegennehmen. Er wird sich ferner mit der griechischen bzw. bulgarischen Flüchtlingsfrage, mit der finanziellen Lage der Stadt Danzig, mit der Frage der Sicherheit der Saareisenbahnen und mit einem Antrag Eng­lands, Frankreichs, Italiens und Japans wegen der Be­schwerde des Hafenrates von Memel gegen die litauische Memclregierung zu beschäftigen haben. Die litauische Regierung hat zu dieser Beschwerde ein Memorandum verfaßt, das bei diesem Punkte ebenfalls zur Prüfung vorliegt.

Den letzten Punkt der vorläufigen Tagesordnung für die Arbeiten des Völkerbundrats bildet der Bericht der Stndienkommission für die Ratsorganisation, dem die am 30 Augnst Mammentretende Kommission die letzte Re­daktion zuteil werden lassen" wird.

Genf und Saar.

In der Frage der Sicherheit der Saareisenbahnen besteht zwischen dem Präsidenten der Saarregierung und dem Saarvcrtretcr einerseits sowie den drei frankophilen Mtgl.iedeM der Saarregieruug^audererseits ein gewisser Gegensatz. Der Präsident und der Saarvertreter halten die Anwesenheit und das Einareifen der.beiden franzö­sischen Bataillone im Saargebiet für unzulässig. Der Präsident ist bereit, im Notfalle ein Eingreifen der franzö­

Schon wieder ein Eisenbahn-Attentat.

Gegen einen Borortzug BerlinBernau.

Steinhaufen auf den Gleisen Panik, aber keine Verletzungen.

Die Berliner B. Z. am Mittag schreibt:

Auf einen Vorortzug der elektrischen Strecke Berlin- Bernau ist gestern abend ein Anschlag verübt worden!. Etwa 400 Meter vor dem Bahnhof Carow zwischen den Stationen Blankenburg und Carow fuhr kurz nach 11 Uhr der Triebwagen des nach Bernau fahrenden Zuges auf einen Haufe«! Schotter und Feldsteine, die quer auf die Schienen gelegt waren.

Der ganze Zug, der plötzlich zum Stehen kam, wurde schwer erschüttert, und die Fahrgäste des im allgemeinen schwach besetzten Zuges gerieten in große Aufregung. Sie stürzten aus den Wagen, weil sie eine» Unfall befürchteten. Die Zugbeamten und der Wagenführer und die Fahrgäste liefen vor die Maschine und fanden dort einen großen Hau­fen Steine, die von den nahen Feldern auf den Bahndamm

5Me in Griechenland.

Streben nach Besserung der Wirtschaftslage.

Nach Meldungen aus Athen herrsch, in ganz Griechenland völlige Ruhe. Die Verhaftung des Gene­rals Pangalos bat nirgends irgendwelche Ruhe- störungen hervorgerufen. In Athen haben umfangreiche Kundgebungen für General Kondilis stattgefunden, an denen sich auch die Arbeiterorganisationen beteiligt haben. Der Führer der bisherigen Opposition, General M e - t a r a s der vor einiger Zeit auf Anordnung des Gene­rals Pangalos aus "Griechenland ansgewiesen worden war, ist nach Athen zurückgekehrt.' ,

General Kondilis erklärte einem auslandnchen Journalisten, das einzige Mittel zur Beseitigung der Re­volution sei die Wiederherstellung der durch General Pangalos abgefchäfften Freiheit. Er stehe über den poli­tischen Parteien, obwohl er der Führer der .laitonab demokratischen Partei sei. Er habe sich der Armee bedient, um die Diktatur Pangalos' zu zerstören, weil diese etc einzige Macht sei, um die Tyrannei zu Fall zu bringen. Sobald Admiral Konduriotis eingetroffen sei, werde er die Führer aller politischen Parteien zusammenberufen, um ein unpolitisches Kabinett zu bilden, das sich besonders der Besserung der Wirtschaftslage zu widmen habe. Nach der Bildung der Regierung würde bte Armee von leder Politik ferngehalten werden.

Erbitterung gegen Pangalos.

Als das Automobil, in dem Pangalos nach Athen zurückgebracht wurde, das Flüchtlingsviertel passierte, ver­suchte die Menge, den ehemaligen Diktator zu lynchen, und es gelang den Begleitmannschaften nur mit Muhe, ihn freizumachen. Der Frau des Generals Pangalos ist es nicht gelungen, ins Ausland zu entfliehen. D,e Zeitungen bedienen sich der wiedergewonnenen Pressefreiheit und

sischen Truppen, die jedoch außerhalb des Saargebiets stationiert sein müßten, zu gestatten. Die oppositionellen Mitglieder der Regierung wollen, daß die französischen Truppen im Saargebiet bleiben.

Deutschland und die Vöikerbundtaßimg.

Wie man aus unterrichteten Kreisen in Berlin er­führt, wird die deutsche Völkerbunddelegation sich erst nach Genf begeben, wenn dort die Lage soweit geklärt ist, daß die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund feststeht.

Neue Schwierigkeiten durch Spanien.

Der in Madrid unter dem Vorsitz des Königs tagende Kabinettsrat hat beschlossen, die F 0 r d er u n g Spa­niens auf einen ständigen Ratssitz unverändert aufrecht­zuerhalten. Ferner sollen die diplomatischen Vertreter Spaniens angewiesen werden, Spaniens Anspruch auf Tanger bei den ausländischen Regierungen darzulegen.

Ferner verlautet, daß der Vorschlag, den Spanien der britischen und der franazösischen Regierung unterbreitet bat, verlange, Spanien für eine Reihe von Jahren das Mandat über Tanger durch den Völkerbund zu übertragen. Dieser Vorschlag sei in unzweideutigen Ausdrücken mit Spaniens Anspruch auf einen ständigen Ratssitz verknüpft worden.

Polens Ansprüche.

Der polnische Außenminister Zaleski wird sich ans seiner Reise nach Genf vorher nach Brüssel und Paris begeben, um mit der belgischen und mit der fran­zösischen Regierung zu verhandeln. Zaleski soll mit ge­nauen Instruktionen des Ministerrates reisen und für Polen einen ständigen Ratssitz oder einen periodischen Ratssitz mit der Garantie der Wiederwahl nach drei Jahren verlangen. Ein der Regierung nahestehendes Blatt bemerkt, Polen müsse aus dem Völkerbund aus­treten, wenn seiner Forderung nicht Rechnung getragen würde.

geschafft sein mußten. Dazu waren noch Steine aus der Schotterung des Bahndammes hcrausgerissen und gleich­falls auf die Schienen gelegt.

In gemeinsamer Arbeit schassten die Zugbeamten und die Fahrgäste die Hindernisse beiseite. Bei weiterer Unter­suchung des Bahndammes wurde eine gleiche Anhäufung von Steinen auch auf dem Nachbargleis vorgefunden.

Zweifellos liegt hier ein verrbecherischer Anschlag vor. Bon der zuständigen Bahnmeisterei unir dem Kriminal­revier wurde die ganze Umgegend des Tatortes abgesucht, aber nirgendwo wurden Spuren gefunden, die auf die Täter hinweisen könnten.

Das Sonder-Dezernat für Eiscnbahnanschläge der Ber­liner Kriminalpolizei wurde gleichfalls alarmiert und Kriminalkommissar Dost hat mit mehreren Beamten die Ermittlungen ausgenommen. Auch Polizcidiensthunde wurden angcsetzt, doch gelang cs auch mit Hilfe der Tiere nicht, irgendeine Spur zu entdecken, da die Niederschläge in der Nacht den Erdboden völlig durchnäßt hatten.

zählen nicht weniger als dreihundert von Pangalos ge­machte irreguläre Geschäfte auf. Durch die einzuleitende Untersuchung würde sich ergeben, daß es sich um einen wahren Skandal handele. Mit Ausnahme von Pangalos, dem Staatssekretär Matry und Generalstaatsanwalt Bus- fides sowie drei weiteren Persönlichkeiten sind sämtliche Personen, die festgenommen worden waren, wieder frei- gelassen worden.

Kindendurg Her den süddeutschen Manövern.

M e r g r n t h c i m. Die süddeutsche» Herbstnmnövcr wer­den Bad Mergentheim zum Treffpunkt der staatlichen und miiitänüücn Führer Deutschlands machen. Der R c i ch s - Präsident, der Reichâwehrministcr, der Chef der Heeres­leitung, ferner die Inspcktenrc der Kavallerie, Artillerie und der Nachrichtcntruvpcn haben Quartier belegen lassen. Die Staats- und die Ministerpräsidenten derjenigen Länder, die durch Kontingente an dem Manöver beteiligt sind, werden den Reichspräsidenten besuchen. Die Hcrbstübungen, die im Würt- tembergisch-badisch-bnyrrischen Grenzgebiet abgehalten werden, gehen diesmal über den feit 1918 üblichen Rahmen eines Divifionsinanövcrs hinaus.

Schluß des Kacholikentages.

Breslau, 24. August.

Der Katholikentag sandte gestern Telegramme an den P a p st, den Reichspräsidenten von Hi n d e n b u r g und an den Erzbischof von Mexiko. Der Papst hat ein Antwortschreiben übermitteln lassen, in dem er seiner großen Freude über den christlichen Gehorsam und über die Abhaltung der Generalversammlung Ausdruck gibt. Er begrüßt vor allem die Inangriffnahme der Be­handlung der in der Not der gegenwärtigen Zeit wich­tigsten Angelegenheiten. Zum Schluß spendet er den