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Zul-aer ^nscigct

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Nr. 192 1926

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg

Zul-a- un- Haunetal -Zul-aer Kreisblatt

Re-aktion un- Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-Rnschluß Nr.9S9

Nachdruck der mit * »ersehenen Artikel nur mit (RueUenangahe .Zuldarr Nnzri-rr'-»stattet.

Fulda, Montag, 23. August

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3. Jahrgang

Meine Leitung für eilige Leser.

* Die Rückgabe Eupen-Malmedys an Deutschland soll nach belgischen Erklärungen nicht mehr in Frage kommen.

* In Breslau wurde die diesjährige Generalversammlung der Katholiken eröffnet.

* Im mexikanischen Kirchenstreit ist eine Entspannung in­folge beiderseitigen Einlsnkens eingetreten.

* Das Parlament im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika hat einstimmig die Vernichtung des Blaubuches über deutsche Miß­handlungen beschlossen.

Französisches Sparprogramm.

Maßnahmen zur Bekämpfung der Teuerung.

Die französische Regierung veröffentlicht eine längere Mitteilung über ihr Programm zur Erzielung von Er- sparnissen. Bezüglich des Staatsbudgets sei 'ein allge­meiner Ersparungs-, Vereinfachungs- und Zusammen- legungsplan vorbereitet worden. Außerdem werden fol­gende Maßnahmen zur Bekämpfung der Teuerung und zur Einschränkung des Verbrauchs angekündigt: 1. All­gemeine Einführung des Verbrauchs von a l t b a ck e - n e in Brot. 2. Ausdehnung der schon in Paris bestehen­den Verpflichtung zur Auszeichnung der zum Verkauf gestellten Bedarfsartikel auf das ganze Land. 3. Zur Ein­schränkung des Verbrauchs von Lebensmitteln, besonders in vornehmlich von Ausländern besuchten Restaurants, sollen dieMahlzeitennurauszweiGerichten bestehen dürfen. 4. Überwachung der Vorräte bei den Großhändlern sowie in den Lagerhäusern.

Zum Schluß wird darauf hingewiesen, daß diese Maßnahmen nur den ersten und dringlichsten Teil der ge­planten bilden. Ein Programm über die Organisierung der Produktion soll folgen, durch das eine bessere Aus­nützung der Hilfsquellen und der natiirlichen Reichtümer des Mutterlandes und der Kolonien herbeigeführt wer­den soll.

Spanien will Tanger haben.

Ein diplomatischer Schritt Primo de Riveras.

General Primo de Rivera hat, wie der diplo­matische Korrespondent desDaily Telegraph" wissen will, auf dem üblichen diplomatischen Wege die englische, französische und italienische Regierung er­sucht, entweder ihre Zustimmung zur Einverleibung Tangers in Spanien zu geben oder aber Spanien durch den Völkerbund das Mandat über Tanger erlangen zu lassen. Ob Spanien sich auch noch an die an­deren Unterzeichner der Algecirasakte, nämlich die Ver­einigten Staaten, Holland, Belgien und Portugal ge­wandt habe, sei nicht bekannt. Auf jeden Fall habe Primo de Riveras Vorgehen den Kanzleien Europas betracht- liches Kopfzerbrechen verursacht. Selbst wenn man diesen Anspruch nicht direkt in Verbindung mit der Forderung Spaniens auf einen ständigen Ratssitz bringen wolle, so genüge er an sich schon, um in Europa erhebliche Verstim- mung zu erregen. Die Hauptschwierigkeit liege darin, daß derartige Aktionen geeignet seien, die ganze Genfer Konferenz im Herbst über den Haufen zu werfen.

Deginn des Deutschen Katholikentages.

Breslau, im August.

Der Deutsche Katholikentag, der hier eröffnet worden ist, steht unter dem Zeichen der Versöhnlichkeit und des Friedens. In der Einladung heißt es ausdrücklich, daß er eine Kundgebung katholischen Glaubens und katholi- scheai Lebens sein soll, und daß

weltliche Politik und Parteipolitik ausgeschaltet werden sollen. Das bringt diesen Katholikentag in einen gewissen Gegensatz zu dem Breslauer Katholikentag von 1909, der unter dem Zeichen der ch r i st l i ch e n G e w e r k- schaftsbewegung und des Gewerkschaftsstreites stand. Heute ist dieser Streit längst vergessen. An Stelle des Kardinals Kopp, der damals Fürstbischof von Breslau war, residiert heute im sürstbischöflichen Palais rauf der Breslauer Dominsel der Kardinal Dr. Adolf Bertram, der, ein tihfreligiöser Mann, immer und überall zum Ausgleich bestehender Gegensätze beizutragen suchte. Präsident des Zentralkomitees des Katholiken- tages ist Alois Fürst zu w enstein, der seinen Hauptsitz in Klein-Heubach in Unterfranken hat.

Nuntius Pacelli.

Unter den prominenten Gästen des Katholikentages sind an erster Stelle zu erwähnen der p ä p st l i ch e N u n- tius Pacelli, bei beim Kardinalfürstbischof Ber­tram abgestiegen ist, und Reichskanzler Dr. Marx. In der Begleitung des Reichskanzlers, der gestern abend hier eingetroffen ist, befanden sich bei der Ankunft der badische Staatspräsident Trunk und der Zentrumsabgeordnete Herold. Zur Begrüßung waren erschienen der Breslauer Polizeipräsident und Vertreter des nieder- und des oberschlesischen Oberpräsidiums sowie -des Breslauer Lokalkomitees der Katholikentagung.

Die öffentlichen Versammlungen werden umrahmt durch Tagungen der großen katholischen Organisationen, unter denen die Generalversammlung des Volksvereins für das katholische Deutschland die bedeutendste sein wird. Hier wird Reichskanzler Dr. Marx das Wort nehmen. Von bekannten Politikern werden außerdem sprechen: der neue Wiener Gesandte Gras Lerche nfeld, Staats- Präsident T r u n k - Karlsruhe, StaatsministerL s Wal d-

Keine Rückgabe Eupen-Malmedys.

Eupen und Malmedh bleiben belgisch

Frankreich und England widersprechen.

Wie die Brüsseler ZeitungSoir" mitteilt, hat der belgische Ministerpräsident I a s p a r erklärt, daß offi­zielle Verhandlungen über Eupen-Malmedy niemals statt- gcfundcn hätten und nicht pattfinden würden. Auch in englischen Zeitungen wird das gleiche Dementi gebracht. Es ist klar, daß die in den letzten Wochen geführten Ver­handlungen zwischen Deutschland und Belgien am fran­zösischen Widerstand gescheitert sind, den die britische Re- gierung unterstützte.

Es ist aller Welt bekannt, daß tatsächlich die deutsch- belgischen Besprechungen geführt worden sind. Wenn das Dementi bestreitet, daßoffizielle" Verhandlungen statt­gesunden hätten, so wird eben indirekt die Tatsachenicht- offizieller" Anknüpfungen zugegeben. Man weiß genau

Die Kreise Eupen-Malmedy.

und gerade f r a n z ö s i s che Blätter verkündeten es, daß an den Unterhaltungen, die über Eupen-Malmedy geführt worden sind, aus belgischer Seite die Minister Franqui und Vandervelde sowie Herr Delacroix beteiligt gewesen sind und aus deutscher Seite der Reichsbankpräst- dent Dr. Schacht, der die Besprechungen sicherlich nicht ohne Fühlung mit dem Reichskanzler und dem Auswär­tigen Amt geführt hat. Es haben also Mitglieder der belgischen Regierung und deutsche amtliche Persönlichkeiten die Besprechungen über Eupen-Malmedy vor mehreren Wochen ausgenommen. Auch war man genau in P a r i s und London unterrichtet

Belgien war bereit, gegen eine Währungshilse Deutschlands die Besetzung Enpcn Malmedys freiwillig aufzugeben und die Gebiete an Deutschland wieder abzu­treten.

Die Übergabe der beiden Kreise sollte voraussichtlich vorbehaltlich der Zustimmung der Belgischen Kammer im Spätherbst erfolgen. Die Mitteilung von dèm Überein­kommen wäre etwa mit der Genfer Tagung des Völker­bundes zusammengefallen.

poincatè wollie nicht.

In Frankreich und in England hatte man anfänglich nichts gegen die Abmachung einzuwenden. Erst als Poincarè wieder an die Geschäfte kam, machte er in Brüssel Bedenken geltend Er erhob den Anspruch, daß sämtliche Signatarmächtr des Versailler Vertrages uni ihre Zustimmung ersucht werden müßten, da es sich um eine Anderuna des Friedensvertraacs bandle. Es hätten

München, der Abgeordnete Herold, Reichstagsabge- ordneter Dr. Lejeune-Jung.

Die Zahl der Teilnehmer am Katholikentage wird auf 40 000 aesthätzt. In recht stattlicher Anzahl ist der katholische Äd-l vertreten. Es sei noch erwähnt, daß Breslau bereits viermal den Katholikentag in seinen Mauern aufnahm: 1849, 1872. 1886 und 1909.

Reichstanzlerrede in Breslau.

Reichskanzler Dr. Marx sprach auf der General­versammlung des Augustinus-Vereins, die in Breslau vor Beginn des Katholikentages stattfand, auch über einige außenpolitische Tagesfragen. Er führte dabei u. a. aus:

Nach wie vor wird die deutsche Außenpolitik be­herrscht von dem großen Fragenkomplex, der sich an Locarno, die Besatzung unO den Völkerbund knüpft. Daß der Eintritt Deutschlands in den Böl- rervunv nicht, wie vorgesehen, bei der verflossenen Märztagung erfolgen konnte, ist, wie auch die Ver­tragspartner von Locarno offen anerkannt haben, nicht die Schuld Deutschlands gewesen und deswegen hat man uns auch zugesagt, daß die in Locarno versproche­nen Rückwirkungen eintreten sollten, als ob Deutsch­land bereits Mitglied des Völkerbundes sei, bzw. der Locarno-Pakt bereits Rechtskraft erlangt hätte. Nun werden manche von ihnen vielleicht dem entgegenhal- ten, daß ein praktisches Resultat dieser Besprechungen bisher kaum zu bemerken gewesen sei und daß der so viel zitierteGeist von Locarno" nachgerade sich nickt

also sämtliche Staaten, die den Vertrag von Versailles gezeichnet haben und die an der deutsch belgischen Ver- standigung nicht interessiert waren, ihre Zustimmung geben müssen. Poincarè forderte, daß der Völkerbundrat ein solches Übereinkommen zwischen Deutschland und Bel­gien gutheißen müßte.

Ferner übte Pöincarö in Brüssel einen starken Druck aus, um das Abkommen zu hintertreiben, was ihm nun gelungen ist.

Britische Ausreden.

Das britische Außenami informiert das Reuter- Bureau amtlich, daß das von der französischen Presse ans­gestreute Gerücht, Chamberlain habe sich in die Unterhandlungen über Eupen und Malmedy eingemischt, unwahr sei. Ein solches amtliches Dementi des Außen- amts ist ein ganz ungewöhnlicher Schritt.Morning Post" veröffentlicht eine Zuschrift aus Köln, in der der strategische Wert betont wird, den Eupen und Mal­megy vom militärischen Gesichtspunkt aus besäßen Die französischen Besorgnisse seien verständlich, da die Rückgabe dieser Gebiete für einen deutschen Revanchekrieg höchst wertvoll und in politischer Beziehung die Wirkung aus die ganze deutsche Nation ungeheuer wäre.

* <

Die Frage Gupen-Malme-y.

Eine amtliche deutsche Erklärung.

Von zuständiger Seite wird zu der Frage Eupen- Malmedy eine längere Erklärung veröffentlicht, in der es u. a. heißt:

Für die Teutsche Regierung ist der Tatbestand sehr einfach. Er läßt sich mit wenigen Worten wiedergeb««: äwischen deutschen und belgischen Finanzmänner« sind wn vor längerer Zeit Besprechungen tu Gang ge­kommen, die sich auf eine dentsche Mitwirkung bei den internationalen Pläncn zur Sicherung der belgischen Währung bezogen. Dhue daß es einer besondere« deutschen Initiative bedurft hätte, ist dabei auch der Gedanke erörtert worden, ob nicht die Möglichkeit be­stände, ein deutsch-belgisches Zusammengehen ans finan­ziellem und wirtschaftlichem Gebiete dadurch zu för­dern, daß gleichzeitig eine Berstänvigung über das künftige Schicksal der Kreise Eupen «nd Malmedy her­beigeführt würde. Es bedarf keiner Begründung, daß eine Bereinigung dieser Frage auf dem Wege verständ­nisvollen gegenseitigen Entgegenkommens wesentlich zu einer Vertiefung der gesamten Beziehungen zwischen Deutschland und Belgien beitragen würde.

Auch in belgischen Kreisen schien man sich dieser Erkenntnis keineswegs zu verschließen. Das zeigte die verständige Haltung maßgebender belgischer Blätter. Es muß betont werden, daß diese Besprechungen nicht den Charakter offizieller Verhandlungen von Regie­rung zu Regierung angenommen haben. Selbstver­ständlich hat die Reichsregierung von den Unterhal­tungen Kenntnis gehabt. Ebenso selbstverständlich ist es, daß sie die Entwicklung der Dinge mit dem größten Interesse verfolgt hat.

Angesichts des geschilderten Sachverhaltes kenn­zeichnet sich der. Versuch der französischen Zeitungen, dieser Haltung der Reichsregierung den Vorwurf der Erpresser-politik zu machen, ohne weiteres als widersinnig. Für Deutschland konnte und kann nichts anderes in Frage kommen, als eine Verständi­gung, die die Gewähr der Dauer dadurch erhält, daß sie in völlig gleicher Weise den Interessen beider Län­der entspricht, nicht aber eine Verständigung, die für den einen Teil nur ein Notmittel sein würde, um über derzeitige Schwierigkeiten hinwegzukommen.

allzusehr ausgewirkt habe. Ich gebe zu, daß wir alle, die wir Hoffnungen auf Locarno setzten,

unsere Hoffnungen bis jetzt nicht i« dem Maße in

Erfüllung gehen sahen,

wie wir es im Interesse unseres Landes und der Be­friedung Europas gewünscht hätten. Wir vergessen aber nur allzu leicht bei der Beurteilung der Lage von heute den Vergleich mit der Lage von gestern, und da fällt der Vergleich doch trotz allerlei berechtigter Beschwerden entschieden zu­gunsten der Lage von heute aus.

Bezüglich der Besatzungsfrage liegt das Mögliche zur Zeit in der Richtung einer erheblichen Verminderung der Besatzung, einer Erleichterung der gesamten Situation im besetzten Gebiet durch weiteren Abbau der Ordonnanzen, durch Befreiung kleiner Ort­schaften und Städte durch Besatzungstruppen, freilich unter Vermeidung einer stärkeren Belastung der größe­ren Garnisonen. Ich gebe zu, die Tatsache, daß nach der Räumung der Kölner Zone die Truppenzahl in der zweiten und dritten Zone sich zunächst noch um einige Tausend Mann vermehrt hat, verglichen mit der Zahl, die in den beiden Zonen vor der Räumung der Kölner Zone vorhanden waren, ist eine schmerz­liche Enttäuschung für uns gewesen.

Frankreich hat nicht i« dem Maße seine« Truppe«, bestand vermindert, wie englische un» belgische Truppen neu hinzukamen.

Nach der Note der Botschafterkonferenz vom 14. November 1925 durften wir auf einefühlbare" Ver-