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Zulöaer Mzeiger

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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Iulöa- un- Haunetal *Zul-aer Kreisblatt

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Nr. 189 1926

Fulda, Donnerstag, 19. August

3. Iahrgan

Kleine Zeitung für eilige Leser.

Der D-Zug BerlinHannover ist heute nacht entgleist. Es sind (> Tote und 1 Schwerverletzter zu beklagen.

* Die Verhanoiungeu mit Belgien ubet sie Rückgabe Eupen-Malmedntz an DeuisctUaud sollen nach einet Pariser Meldung unmittelbar vor dem Abschluß ftefjeiL

* Der diessährige Deuische Kalholitentag finbet in den Tagen vom 21. vis 24 August in Breslau statt.

* Nach einem Randnversall auf eine Dame im Personen- zug Posen Berlin wurde der Täler, der aus dem Avleil ge­sprungen war. von einem »Zug getötet.

* Der amerifantfcbe Staalssckrelär QeHogg betonte in Pitls- burg. bag die bereinigten Slaaleu nach wie vor für den Plan einer allgemeinen Weliabrüsiuirg eintreten.

Englands Bergarbeiterfrage.

Die englischen Bergarbeiter haben sich endlich dazu entschließen müssen, ihren dreieinhalb Monate währenden Kampf als zusainrnengebrochen zu erklären; denn die Kon­ferenz ihrer Delegierten hat die Mitglieder des Vollzugs­rates ermächtigt, sich um die Wiederaufnahme der Ver­handlungen mit den Arbeitgebern und mit der Regierung zu bemühen. Allerdings hat man sich vorläufig noch nicht bedingungslos für besiegt erklärt, denn die schließliche Regelung wir würden es als einen Tarifvertrag bezeichnen soll sich auf das gesamte England er­strecken, nicht etwa bezirksweise erfolgen. Praktisch ist da- mit der Kampf zu Ende; denn daß es bei Ablehnung dieser Bedingung zu einem Neuaufflackern des Streiks kommen würde, ist kaum anzunehmen angesichts der Notlage schwerster Art, in der sich die streikenden Bergarbeiter befinden.

Aber gerade die bezirksweise Regelung der Arbeits­und Lohnverhältnisse ist eine Hauptforderung der eng­lischen Grubenbesitzer, die gleichfalls mit einer geradezu unglaublichen Zähigkeit diesen Kampf geführt haben. Der zweite Streitpunkt war die Frage der Arbeitszeit. Durch die Einführung der achtstiindigen Arbeitszeit ist auch dieser mit einer Niederlage gesetzgeberischer und tatsäch- - licherâr» auch den Bergherre» gegenüber entschieden. Unterlegen ist man auch im Kampf gegen den Versuch der Bergherren, die Arbeitslöhne mindestens bezirksweise her­unterzusetzen. Man sieht, daß die Bergarbeiter mit ihrer jetzt noch aufgestellten Bedingung gerade den Kernpunkt getroffen haben, weil die bezirksweise Regelung der Arbeitszeit und des Arbeitslohnes das Entscheidende ist. Dieser Bergarbeiterstreik hat England furchtbare Wunden geschlagen; die seit Jahrzehnten bewährte Soli­darität der vier großen Gewerkschaften ist zertrümmert. Die Dockarbeiter schaufeln ohne Widerstand die aus dem Ausland eintreffenden Kohlen aus den einlaufenden Schiffen und die Eisenbahner befördern sie gleichfalls ohne Widerstand. Die Gewerkschaftsinternationale hat versagt und wenn Moskau nicht finanziell so freigebig zu Hilfe gekommen wäre was aber auch nur ein paar Tropfen auf dem heißen Stein bedeutete, so wäre der Streik längst beendet, denn die Zuschüsse, die man aus anderen Ländern erhielt, waren geringfügig. Versagt hat die internationale Solidarität. Ob politisch von all dem der Kommunismus den Rahmen abschöpsen wird, weiß man nicht; jedenfalls macht die Arbeiterpartei unter Führung Macdonalds alle nur denkbaren Anstren­gungen, um die Ernte eènzuheimsen, und wie die letzte Neuwahl beweist, nicht ohne Erfolg. Die Konservative Partei unter Führung von Baldwin hatte bei der letzten Wahl viele Arbeiterstimmen hinter sich, dürfte wohl aber in Zukunft in dieser Hinsicht ziemliche Verluste erleiden.

Ebensowenig läßt sich ermessen, wie groß die augen­blicklichen, aber auch die zukünftigen wirtschaftlichen Ver­luste Englands im Gefolge dieses Streiks sind. Daß es Deutschland gelungen ist, einen großen Teil seiner Kohlen­bestände abzustoßen und die Förderung wegen der ge­stiegenen Absatzmöglichkeiten auf fast 100 % der Vor­kriegsförderung zu steigern, ist erfreulich; es bleibt abzu­warten, ob es gelungen ist, auch auf die Dauer frühere englische Absatzgebiete zu erobern. Ziel des Widerstandes der englischen Bergherren ist aber vor allem eine Herunter- drückung der Produktionskosten; kommt ihnen die eng­lische Regierung in irgendeiner Form verschleierter Sub­ventionen zu Hilfe, so kann Deutschland sich auf einen überaus scharfen Konkurrenzkampf gefaßt machen, der sich jedoch nicht von heute auf morgen zeigen wird, weil na­türlich die Instandsetzung der solange stillgelegten eng­lischen Bergwerke Zeit und vor allem Geld erfordert. Auch bei den anderen Industrien hat der Streik verheerend ge­wirkt, auch dort werden sich seine Folgen nicht in kurzer Frist beseitigen lassen. Doch ist auch hier damit zu rechnen, daß die englische Regierung diesen Wiederaufbau etwa durch zollpolitische Maßnahmen eifrig unterstützt und auch sonst seiner schwer bedrängten Industrie zu Hilfe kommen wird.

pomcarè an der Arbeit.

, Die Sparmaßnahmen der französischen Regierung.

Poincarä ist von einem kurzen Landaufenthalt nach Paris zurückgekehrt, um an den Kabinettssitzungen, in denen die Regierung sich eingehend mit dem Kampf gegen die Teuerung und mit den g e p l a n t e n S p a r m a tz - n ahme 11 befassen wird, teilzunehmen.

Der Kampf gegen die Verteuerung der Lebenshaltung soll durch eine Politik der Einfuhrbeschränkun­gen und durch eine Preispolitik geführt werden. Was die Ersparnisse in der Verwaltung angeht, so will man sich an die Empfehlungen von zwei Sparausschüssen, die be­reits von den trüberen Ministerien eingesetzt worden

Amerika wünscht Weltabrüstung.

"6 für allgemeine Entwaffnung

Im Gegensatz zu den von amerikanischen Blättern verbreiteten Nachrichten erklärte der amerikanische Staats­sekretär Kellogg, daß er sich nicht mit Rücktritts­absichten trage. Der Staatssekretär hat sich nach Pitts­burgh begeben, wo er anläßlich der Enthüllung eines Denkmals über Amerikas Politik im Verhält­nis zu Genf sprach.

Das Thema der Rede war die Gesamt- a b r ü st u n g s s r a g e, die es den einzelnen Nationen ermöglichen soll, sich von der Besorgnis vor Angriffen durch ihre Nachbarn zu befreien. Die Entwaffnung der Völker, so führte der Staatssekretär aus, müsse schleunigst von Grund auf begonnen werden. Man dürfe nicht warten, bis allgemein anwendbare Formeln, die für alle Welt paßten, gefunden seien. Besondere Aufmerksam­keit widmete Kellogg einem Abkommen über die Ma­ri n e a b r ü st u n g , dessen dringende Notwendigkeit er betonte. Er stellte sich auf den deutschen Stand­punkt, daß man sich in erster Linie an die greifbaren und sichtbaren Rüstungen halten müsse. Die Regierung der Vereinigten Staaten wünsche, daß Genf zu einer Beschränkung der Rüstungen in aller Welt führen möge.

waren, halten. Die Ersparnisse sollen aus dem Verord­nungswege durchgeführt werden. Die Regierung will die Zahl der Steuerbeamten nicht verringern, sondern sogar erhöhen, um eine bessereKontrollederSteuer- Eingänge zu ermöglichen. Auch das Telephon- und Telegraphenpersonal soll verstärkt werden. Dagegen sollen in anderen Verwaltungen alle Stellen, die durch Pensio­nierung der Inhaber frei werden, eingezogen werden, ebenso das zahlreiche Hilfspersonal. Man hofft, auf diese Meise etwa 500 Millionen jährlich zu erspa- ten. Außerdem soll so schnell wie möglich das Budget für 1927 fertrggestellt werden, damit die Parlamentsaus­schüsse bald mit der Prüfung beginnen können.

Dr. Leibl.

Gegen den Führer der Sudetendeutschen Dr. L e i b l, der auch als Vertrauensmann der Deutschen Studenten­

schaft in der Tschechoslowakei bekannt ist, wurde ein Straf­verfahren wegen Gesährdung der Sicherheit der Tschecho- slowakischen Republik eröffnet.

Die Stu-ienlommisfion des Döller-undes

Keine Vermehrung der R a t s s i tz e.

An der zuständigen Berliner Stelle ist jetzt die be­stimmte Mitteilung eingegangen, daß die Studien- k 0 in m i s s i 0 n des Völkerbundes zur Be­ratung einer Ratsreform am 30. August zu­sammentreten wird. Die formale Einladung, deutsche Vertreter zur Studienkomniission zu entsenden, liegt aller­dings noch nicht vor, doch kommt dieser Verzögerung keine besondere Bedeutung zu; denn auch die Einladung zur Maitagung der Studienkommission lief erst wenige Tage vor dein, Zusammentritt ein. Die deutsche Regierung wird in der Studienkommission durch ihren Botschafter in Paris, Dr. V 0 nH 0 esch, vertreten werden.

Der amtliche englische Funkdienst meldet, daß die britische Haltung bei der koinmeuden Sitzung der Studicn- kommission immer noch die sei, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und der ständige Ratssitzfür Deutschland allen andern Erwägungen vorgehen müsse. Durch Deutschlands Ein­tritt in den Völkerbund würden der Einfluß und die Autorität des Völkerbundes in der ganzen Welt außer- ordentlich vergrößert und man hoffe, daß aus diesem

Herrick über Frankreich.

Der amerikanische Botschafter in Paris, Herrick ist in Washington eingetrosfen. Bei einer Unterredung gab Herrick ein günstiges Bild von der französischer Wirtschaftslage. Danach hätten die Franzosen nich nur Arbeit für sich selbst, sondern müßten außerdem zwe Millionen ausländischer Arbeiter einführen. Das indu strielle, wirtschaftliche Frankreich gehöre zu den blühend sten und reichsten Ländern der heutigen Welt. Die euro päischeu Länder hätten die Notwendigkeit eines wirtschaft lichen Zusammengehens erkannt und beurteilten heute Dinge von einem mehr internationalen Gesichtspunkte. Ol er damit eine Einflußnahme des Völkerbundes meine, ver schwieg Herrick. Er fand auch Entschuldigung für französischen Ausschreitungen gegenüber den Fremden, dc die Erbitterung und Verärgerung über den Sturz bei Franken sehr groß wäre. Berliner Auslegungen über du Besprechungen Coolidges und Kelloggs mit Herrick uni Houghton, nach denen Amerika eine stärkere Annäherung an Europa wünsche, träfen keinesfalls zu. Diese Be sprechungen müßten vielmehr im Hinblick auf den Wahl kampf betrachtet werden, wobei die allgemeine Parole bei Republikaner noch immer dasLos von Europa" sei.

Grunde Spanien bemüht sein werde, an der Lösung der Weltprobleme und des Wiederaufbaues Europas mit­zuarbeiten. Für den n u r D c u t s ch l a n d zu gewähren­den ständigen Ratssitz hat sich auch die Nordisch« interparlamentarische Konferenz, die in Stockholm zusammengetreten war, ausgesprochen.

Der späte Termin des Zusammentrittes der Studien­kommission erregt allerdings einige Besorgnis, da bet Völkerbundrat selbst schon am 3. September zusammentreten soll und die Vollversammlung am 6. Sep tember.

poliirsche Rundschau.

Deutsches Neich

Konferenz der Innenminister der Länder.

Die InnenministerderdeutschenLänder werden voraussichtlich Anfang nächsten Monats in Berlin zu einer neuen Arbeitstagung zusammentreten. Die Be­sprechungen dürften sich in der Hauptsache um die Gesetz­entwürfe aus dem Arbeitsbeschaffungspro­gramm der Reichsregierung drehen. Außerdem dient die Tagung der Behandlung der seit der letzten Jnnen- ministerkonferenz angefallenen Gesetzentwürfe innerpoli­tischen Charakters. So dürfte u. a. auch die Neuregelung des Beamtenrechts zu den Beratungsgegenständen der Konferenz gehören.

Um Eupen und Malmedy.

Verschiedene Andeutungen der Pariser Boulevard­presse lassen vermuten, daß die französische Regierung gegen eine etwaige Absicht der belgischen Regierung, EupenundMalmedyanDeutschlandzurück- z u g e b e n , in Brüssel Protest eingelegt hat. Es sei aller­dings fraglich, ob Frankreich und die übrigen Alliierten auf Grund des Versailler Vertrages und der Locarno­verträge ein besonderes Abkommen zwischen Deutschland und Belgien verhindern könnten. Belgien soll, wie die französischen Blätter wissen wollen, als Gegenleistung für die Rückgabe von Eupen-Malmedy die Summe von 1,5 Milliarden Goldmark erhalten, und zwar auf dem Wège der Übernahme einer Schuldverschreibung Belgiens an Holland in dieser Höhe. Diese Zahlung be­deute zugleich die Rückerstattung bzw. Aufwertung der seinerzeit von Deutschland in Belgien ausgegebenen Bank­noten. In Berlin sind alle diese Meldungen bisher nicht bestätigt worden.

Paßerleichterungen für Amerikaner in Deutschland.

Der Reichsminister des Innern hat im Interesse der Erleichterung des amerikanischen Reise- Verkehrs nach Deutschland die Sondermaßnahme getroffen, daß bereits in Europa weilenden Angehörigen der Vereinigten Staaten die Einreise über die deutsche Grenze, und zivar über Bentheim, Aachen, Kehl und Basel auch ohne Sichtvermerk einer deutschen Vertretung im Ausland gestattet ist, und zwar bis zum 31. Oktober.

Große litauische Vergünstigungen für Deutschland.

Der Entwurf eines russisch-litauischen Handelsver­trages, der vom litauischen Kabinett genehmigt wurde, enthält neben der Meistbegünstigung auch Punkte, die in anderen Verträgen nicht enthalten sind. In die Reihe der Staaten, die größere Vergünstigungen genießen können, als das Meistbegünstigungsrecht sie festsetzt, wurde auch Deutschland einbezogen.

Nußland

X Mißerfolg der Sparkampagne. Rykow, Stalin und Kuibyschew weisen in einer offiziellen Kundgebung auf den sehr geringen Erfolg der Sparsamkeits­kampagne hin, bereit Gründe sie mit Schärfe ausein­andersetzen. Sie erklären, daß die Befestigung und Weiter­entwicklung der Industrie nur durch innere Mittel gesichert, aber weder durch Belastung des Bauern noch des Arbeiters, sondern nur durch den Kampf gegen Un­fähigkeit und Bureau! ratismus im Wirt-