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«efihemt H« SÖttttag. SeFugrprei»: mowt- «ch 2 Mark. Bei Lieferungsbrhinöettmgen »mch höhere et*««*«*, Streik», Tiussperrunze», Vahnsper« «f«. erwachen -em Bezieher keine Mfprüche. Verlag Meörich Ehreaklau, Knwa, Mitglied des Vereins veutfihrr Zeitungsser- leger. Postscheckksnto: Kraokfuet a. M. »r.SSSS
Tageblatt für Rhöa und Vogelsberg
Zulöa- im- Haunetal ♦ Zul-aer Kreisblatt
Ke-aktto« m»- Sefchästsstett«: Mühlenstraße 1 ♦ Zernsprech.flnsthlrrß Nr. 989
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Nr. 180 — 1926
Fulda, Montag, 9. August
3. Jahrgang
Kleine.Zeitung für eilige Leser.
* Nach einigen bisher nicht bestätigten Meldungen sollen Erleichterungen der Wohnungsnot im besetzten Gebiet durch Auswechslung verheirateter französischer Offiziere und Beamten mit unverheirateten bevorstehen.
* Miß Ederle, einer jungen Amerikanerin, gelang es, in der Rekordzeit von 14% Stunden den Ärmelkanal zu durchschwimmen.
* Eine englische Bergarbetterabordnung ist in Amerika eingetroffen, um dort Hilfe bei dem Grubenstreik in England zu erbitten.
* In Norwegen will ein Engländer das Grab entdeckt haben, in dem angeblich die angeschweinmte, bisher unerkannt gebliebene Leiche Lord Kitcheners ruht.
Deutsch-französischer Handel.
Viele Monate haben die Verhandlungen gedauert, in denen wir mit Frankreich handelspolitisch endlich zu vertragsmäßigen Zuständen kommen wollten. Nach den kleinen Provisorien und Abmachungen ist nun ein neues Provisorium zustande gebracht worden, nicht aber ein endgültiger Handelsvertrag. Doch nicht bloß bei einem Provisorium ist es geblieben, sondern in dieses vorläufige Abkommen sind große Wirtschaftszweige nicht hineingenommen worden, so die gesamte Schwer- i n d u st r i e und die Textilindustrie. Das erstere ist erklärlich, weil hierüber demnächst besondere Abmachungen zwischen den Interessenvertretungen ab- geschlossen werden sollen. Daß man die Textilien nicht in das Provisorium aufnahm, wird damit begründet, daß Deutschland für den künftigen endgültigen" Handelsver- trag noch ein paar Trümpfe in der Hand behalten wollte. Denn das Provisorium dauert nur sechs Monate. Schon aus diesem Grunde wird das Abkommen auf mannigfachen Widerspruch stoßen, wenngleich es immerhin ein gewisser Trost ist, daß wir jetzt doch wenigstens teilweise aus dem bisherigen vertragslosen Zustande herausgekom- men sind. Die Schwierigkeiten bei den Verhandlungen sind ganz außerordentlich große gewesen, weil sie nicht bloß technischer, sondern auch wirtschaftlicher, vor allem
^MM -lpäi^r u n 8 D^l i t i s ch e r Art sind. Die französische Zollgesetzgebung kennt nicht bloß einen Maximal-, sondern auch einen starken Minimaltarif; das heißt, daß unter einen bestimmten Zollsatz französischerseits nicht heruntergegangen werden kann. Wir aber haben den autonomen Tarif;
.. das heißt, daß bei den Verhandlungen die deutsche Regierung an einen bestimmten Satz überhaupt nicht gebunden ist.
Die bisherigen Klagen über die früheren Provisorien richteten sich besonders gegen die starken Vergünstigungen, die deutscherseits der französischen Einfuhr von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, beson
ders von Gemüsen, Obst und Wein, gemacht worden sind. Auch jetzt wieder erklärt die deutsche Regierung, daß es nicht möglich gewesen sei, Frankreich als fast reinem Agrarland diese Konzessionen zu verweigern, abgesehen vom Wein, wo Frankreich seine Absichten nicht ganz durchgesetzt hat. Ebenso ist die französische Luxuswarenindustrie in dem Abkommen recht bevorzugt, was man wirtschaftspolitisch vom deutschen Standpunkt aus nicht gerade als erfreulich bezeichnen muß. Und unerfreulich ist des weiteren, daß die Zollsätze auf der Grundlage des Papierfranken festgesetzt sind, die Ausführung des Abkommens also an diese überaus schwankende französische Währung geknüpft wurde.
Auf der anderen Seite soll aber nicht verkannt werden, daß durch den Vertrag eine ganze Reihe von Benachteili- gungen, denen bisher die deutsche wirtschaftliche Betätigung in Frankreich unterlag und die Ausnahmemaßregeln uns gegenüber darstellten, nunmehr beseitigt worden sind. Die uns schon früher von Frankreich zugesicherte Meist- begünstigung, die also hier nur den Genuß der Minimal- zolle bedeutet, wird damit erst wirklich durchgeführt. Begrüßenswert ist, daß auch die verkehrspolitischen Beziehungen zwischen uns und Frankreich in diesem Sinne geregelt sind, daß also die deutschen Schiffe genau wie vor dem Kriege sämtliche französischen und Kolonialhäfen anlaufen können, während es bekanntlich bisher vor allem für Käme r u n und Togo verboten war. Ebenso ist ein normales Verhältnis wieder hergestellt in der Frage des Niederlassungsrechtes deutscher Gesellschaften in Frankreich und seinen Kolonien; auch hier sind die Ausnahmemaßregeln gegen uns beseitigt worden.
»Ein Provisorium konnte es auch nur deswegen sein, weil die währungspolitischen Verhältnisse immer noch sehr schwankende sind und man die kommende Entwicklung des Franken angesichts der unsicheren innerpolitischen Lage Frankreichs nicht voraussehen kann. Immer wieder muß ja betont werden, daß wir Deutsche an der Stabilisierung der französischen Währung das allergrößte Interesse haben, daß aber natürlich ein endgültiger Handelsvertrag erst nach gelungener Stabilisierung geschaffen werden kann, weil bei einer Entwertung des Franken nun wiederum die Gefahr einer Valutaunterbietung entsteht, die durch ein- für allemal festgelegte Zollsätze dann nicht "sehr bekämpft werden kann. Nun sollen ja die Unter« nnnbier in kürzester Frist wieder zusammentreten, um b^en endgültigen Vertrag zu schaffen. Bis dahin wird dann wohl auch gelungen sein, die größte Schwierig-
"ämlich die Auseinandersetzung über die gegenseitigen iwwenndustriellen Beziehungen, zu regeln.
Keine Zusammenkunft Stresemann-Schacht.
>»nk„u/./ U T Von einer in mehreren Zeitungen er- KMnn,/ .Zusammenkunft zwischen dem Reichsbankpräsidenten xiütnMriu^i ^m Reichsantzenminister Stresemann ist, wie nutiuteilt wird, nichts bekannt.
Baldwins „niederträchtige" Botschaft.
Die Lage der englischen Bergarbeiter.
Vermittlungsbereitschaft der Regierung.
Die englischen Bergarbeiter machen die angestrengtesten Versuche, den nun schon über drei Monate dauernden Streik auch weiterhin durchzuhalten. Erst vor kurzem haben sie an die Arbeiterschaft Europas einen dringenden Appell um Hilfe gesandt, in dem etwa 20 Mil< lionen Mark als Unterstützungsgelder angefordert wurden.' Auch nach Amerika hat sich eine englische Arbeiterabordnung begeben, um dort Unterstützungsgelder für die englischen Bergarbeiter zu sammeln. Diese finanzielle Hilfe scheint dringend notwendig, wenn man in Betracht zieht, daß nach einer kürzlich veröffentlichten Meldung der englische Bergarbeiter nur etwa 1,60 Mark wöchentlich als Streikhilfe von seiner Organisation ausgezahlt erhält.
Anläßlich der Amerikafahrt der englischen Arbeiterabordnung hat sich Premierminister Baldwin einem amerikanischen Journalisten gegenüber über die Lage der englischen Bergarbeiter geäußert. Baldwin erklärte, daß die Berichte, nach denen die englische Bergbaubevölkerung am Verhungern sei, jeder Begründung entbehren. Tatsächlich erhielte sie in dem gegenwärtigen Konflikt mehr Hilfe, als dies je in der Vergangenheit bei ähnlichen Gelegenheiten der Fall gewesen sei. Im Monat Juni habe sich zum Beispiel die an Frauen, Kinder und Angehörige der Bergarbeiter in England und Wales von der A r ° me n f ü r s 0 r g e überwiesene Summe auf rund eine Million Pfund belaufen. Ferner erklärte Baldwin, man müsse daran erinnert werden, daß die Erziehungsbehörden in Großbritannien berechtigt seien, im Falle der Not den Kindern Mahlzeiten zu verabreichen. Tagtäglich würden Hunderttausende von Mahlzeiten verab-! reicht. Es sei in der Tat Grund für die Annahme vorhanden, daß die Kinder in vielen Bezirken gegenwärtig
AuWduug iw Leiche Kitcheners?
I n Norwegen angeblich a n g e s ch w e m m t.
Nach der in London veröffentlichten Meldung eines Engländers namens Power will dieser das Grab des Lords Kitchener, der während des Weltkrieges in der Nordsee mit einem britischen Kriegsschiff versank, in einem norwegischen Fischerdorf aufgefunden haben. Die Leiche Kitcheners fei, nachdem der Kreuzer „Hampshire", auf dem Kitchener nach Rußland fuhr, im Juni 1916 in der Nähe der Orkneyinseln in die Luft geflogen sei, dort angcschwemmt worden. Power will den Leichnam nach London bringen, wo er unter feierlichem Zeremoniell ausgebahrt werden soll. Amtliche Nachrichten über die Nichtigkeit dieser Angabe« lagen einstweilen nicht vor.
Nationalversammlung in Frankreich?
Paris. Ministerpräsident P 0 incar è hat in der Kammer eine Entschließung eingebracht, die die Einberufung der Nationalversammlung fordert. Die Kammer stimmte dem Antrag zu.
Wie die .Temps,, berichtet, ist im letzten Kabinettsrat beschlossen worden, gegen die Aufkäufe von Rohstoffen, Fettigfabrikaten und anderen Gegenständen durch Ausländer vorzugehen.
Internationale europäische Konferenz zur Behebung der Finanzschwierigkeiten.
Paris. Die französischen Blätter verzeichnen ein Gerücht, nach dem man in diplomatischen Kreisen daran denke, für kommenden Herbst eine große internationale Konferenz zur Be- Hebung der finanziellen Schwierigkeiten Europas zu organisieren.
Der mexikanische Kirchenstreii.
Zwistigkeiten mit A m c r i k a ?
In Mexiko werden neue Riesendemonstrationen der Arbeiterschaft erwartet. Der Vermittlungsvorschlag der Kirche Perus wurde vom Präsidenten Calles abge- lehnt; er war aber bereit, die Entscheidung über den Streit dem Parlament zu überlassen. Die Meldungen aus Mexiko lauten durchweg wieder e r n st e r ; die Presse Newyorks fährt mit dem Abdruck mexikofeindlicher Meldungen fort. Die amerikanische Regierung erklärte, daß sie, falls es nötig sei, die amerikanischen Bürger in Mexiko mit allen Mitteln gegen Enteignung schützen werde. Der Erklärung war ein Beschluß der amerikanischen Columbus-Ordensritter vorausgegangen, die die amerikanische Regierung um Einmischung in den Kirchenstreit ersuchten. Der Orden bewilligte für die Bekämpfung der bolschewistischen Internationale in Mexiko eine Million Dollar. Es verlautet, daß der amerikanische Botschafter in Mexiko am 13. August vorübergehend Mexiko verlassen werde, nachdem er vorher eine scharfe Note über die mexikanischen Petroleummaßnahmen überreicht habe.
*
Das offiziöse Blatt des Vatikans, „Osservatore Romano", wendet sich gegen die Versicherung des Präsidenten von Mexiko, daß seine Regierung nichts weiter tun werde, als das Gefetz von 1917 anzuwenden, das den Staat von der Kirche trennt. Artikel 130 der Konstitutton desselben Jahres bestimmt, daß die Provinzämter das Recht haben, die Höchstzahl der Priester festzusetzen. Die Konstitution verpflichte ferner die Priester, sich einzutragen, damit die Zivilbebörden bescheinigen können, wer von ibnen zur
weit besser genährt würden, als es vor dem Streik der Fall gewesen sei.
Zum Schluß seiner Erklärung betonte Baldwin noch einmal, daß eine weitere Subsidienzahlung an den Kohlenbergbau durch nichts gerechtfertigt wäre. Man könne dem Bergbau nicht weiter S u b s i d i e n za h len, nur um der Kohlenkommission Zeit zu geben, sich mit den Verhältnissen vertraut zu machen. Die Lasten seien zum großen Teil von anderen Industrien des Landes getragen worden, von denen einige sogar in weniger günstiger Lage seien als der Bergbau und in denen die Arbeiter selbst schlechter entlohnt würden als die Bergarbeiter. Alle notwendigen Voraussetzungen zu Verhandlungen und schiedsgerichtlicher Regelung seien nunmehr, vorhanden; es läge darum kein Grund vor, die Subsidieu- zahlungen fortzusetzen. Die englische Regierung sei nach wie vor gewillt, zu vermitteln, wenn Anzeichen dafür vor- Handen seien, daß die Anstrengungen Erfolg versprechen würden. Im Prinzip habe die Regierung die Schiedsgerichtsbarkeit angenommen.
Im Lager der Bergarbeiter und der Arbeiterpartei haben diese Erklärungen Baldwins große Erregung verursacht. Es müsse, so wird betont, entschieden in, Abrede g e st e l l t werden, daß die Familien der Berg- ’ arbciter keine große Not litten, und die Handlungsweise Baldwins könne nicht scharf genug verurteilt werden. Der „Daily Herald" überschreibt die Valdwinsche Veröffentlichung mit bin Worten: „Baldwins niederträchtige Botschaft an Amerika!" Gleichzeitig veröffentlicht das Blatt einen Leitartikel, in dem der sofortige Rücktritt der Regierung Baldwin verlangt wird. Es gebe keine Baldwinregierung, denn die englische Regierung setze sich aus Vertretern der Finanz, des Großhandels, der land-» wirtschaftlichen Interessen und der Interessenten des Alkoholhandels usw. zusammen.
.Ausübung des Gottesdienfies zugelassen wird. „Osser- vatore Romano" meint, man ersehe daraus, daß es sich nicht um eine Trennung von Kirche und Staat, nich^ darum, den Staat von einer unzulässigen Einmischung her Kirche zu befreien, handele, sondern um eine Ersetzung 0 er kirchlichen durch die Zivilgewalt.
Aufstand in der Ltkraine.
Russische Truppen sollen meutern.
Rumänische Blätter bringen Nachrichten über anaeb- lich in der Ukraine herrschende größere Verwirrungen. Die Truppen des ukrainischen Generals Lessevici weigerten sich danach zuerst, die Befehle der Regierung zu befolgen. Rebellierende Soldaten töteten den Regierungskommissar Dracenco, schlugen ihm den Kopf ab und trugen diesen auf der Spitze einer Lanze in den Straßen von Odessa umher, indem sie riefen: „Nieder mit der Regierung des Terrors und des Zwanges!" Die Infanterie-» regimenter Nr. 20, 25 und 35 hätten unter dem Kommando * des Hauptmanns Potnikow, nachdem sie General Lessevici' und die anderen von der Tscheka verhafteten Offiziere befreit hatten, den Kampf mit den regierungstreuen Truppen ausgenommen. Die Stadt befände sich in den Hände« der Aufständischen. Nach anderen Meldungen empörten^ sich zuerst Pioniere und Artilleriekommanden. Man sagt den Anschluß der Schwarzen-Meer-Flotte an die Auf- ständischen voraus. Außerhalb Odessas hätten sich zwei frühere Adjutanten Budjenys an die Spitze der Empörer gestellt.
Da Rumänien der russischen Sowjetregierung wenig freundlich gegenübersteht, sind die Meldungen vorläufig mit Vorsicht aufzunehmen.
Politische Rundschau. - ~ , Deutsches Reich
Die Bierteljahrszahlungen für Beamte.
Zu den Besprechungen zwischen Reich und Ländern, die nach Ablaufen des sogenannten Sperrgesetzes über die Besoldung der Beamten gepflogen worden sind und zu keiner Einigung geführt haben, wird gemeldet, daß das Hindernis hauptsächlich in der vom Reich angeregten Wiedereinführung der Vierteljahreszahlung der Gehälter an die Beamten lag. Viele Länder und Gemeinden er- klären sich dazu im Augenblick außerstande. Die Länder verlangen vom Reich, daß es in der Frage der Beamtenbesoldung entsprechende Rücksicht auf sie und ihre Lage nimmt.
Erleichterungen im besetzten Gebiet.
Wie eine südwestdeutsche Nachrichtenagentur erfahren haben will, beabsichtigt die französische Regierung, demnächst einen großen Teil der verheirateten Besatzungs- angehörigen im besetzten deutschen Gebiet durch unver- heiratete abzulösen. Die Maßnahme werde auf die neue Ersparnispolitik in Frankreich zurückgeführt, da man in Paris eine Sonderzulage für verheiratete Offiziere und Beamte abgelehnt habe. Die Verwirklichung dieser Anordnung würde die starke Wohnungsnot im besetzten Gebiet mildern.
Ein neues Potemkin-Berbot in Thüringen.
Das thüringische Staatsministerium hat die Vorstth- rung des gekürzten Bildstreifens „Panzerkreuzer Potem-