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Zul-aer Anzeiger

Zul-a / Sia« 2

Nr. 154 Fulda, 9. Juli 1926

Nah und Fern.

O Rußland auf der Leipziger Herbstmesse vertreten. Die Sowjetregierung hat beschlossen, an der Leipziger Herbst­messe teilzunehmen. Sie wird über einen eigenen Pa­villon Verfügen, in dem sämtliche Exportwaren, besonders Naphtha, Erz und Rauchwaren, zur Ausstellung gelangen werden. Reben den hierfür in Betracht kommenden russi­schen Gesellschaften werden voraussichtlich auch eine An- zahl Wirtschafts- und Jndustrievertreter fowie der Leiter der russischen Messe in Rishnij-Rowgorod, Maschilew, zum Besuch der Messe in Leipzig eintreffen.

O Ein Eisenbahnräuber erschossen. Beim Plündern von Eisenbahnwagen wurden auf dem Hauptbahnhof in Oberhausen drei Eisenbahnrauber überrascht. Wäh­rend zwei von ihnen flüchteten, wurde der dritte in einem Wagen entdeckt. Da der Dieb mit einem Revolver Wider­stand leistete, machte einer der Kriminalbeamten von seiner Schußwaffe Gebrauch. Der Getroffene, ein Arbeiter aus s Gelsenkirchen, wurde so schwer durch einen Kopfschuß ver­letzt, daß der Tod sofort eintrat.

O Drei Jahre unschuldig im Zuchthaus. Vor Jahren wurde in Bad D r i c b u r g ein Gutsverwalter mit einem Melkeschemel erschlagen. Ein junger Mann wurde des Mordes angeklagt und zu 15 Jahren Zuchthaus verur- teikt. Er hat bis jetzt drei Jahre unschuldig im Zuchthaus i verbracht. Vor kurzem hat sich Herausgesiellt, daß der Un­glückliche nicht der Mörder ist. Als des Mordes dringend verdächtig wurde in Brackwede bei Bielefeld ein zuge­reister Arbeiter eines Brackweder Werkes verhaftet.

O Einführung des abgekürzten Strafverfahrens in Jena. In Jena wird nunmehr das abgekürzte Strafverfahren durch eine Polizeiverordnung gesetzeskräftig. Danach können die Polizeibeamten nach eigenem pflichtmüßigen Ermessen in Fällen einfacher Übertretungen straffällige Personen selbst durch eine Geldstrafe abstrafen.

O Ein Gemeindeverordneter als Brandstifter. Wie aus Oberkassel bei Bong gemeldet wird, wurde dort der kom­munistische Gemeindeverordnete Wolf wegen Brandstif­tung verhaftet. Wolf hatte die Baracken, die die Ge­meinde erworben hatte, um sie zu Wohnungen umzugestal­ten, augezündet, um das Vorhaben der Gemeinde unmög­lich zu machen.

O Vierzehn Verletzte bei einem Blitz­schlag. Vierzig Männer suchten vor plötzlich einsetzen- denl Gewitter in Be r n st e i n am Wald Schutz in einer Turnhalle, in die kurz darauf der Blitz eiuschlug und die Halle zum Einsturz brachte Die Giebeliuauern der Halle wurden durch den Blitzschlag zusammengedrückt und be­gruben die 40 Personen unter sich. 14 von ihnen wurden verletzt.

O Verhängnisvoller Zufall. Auf nicht alltägliche Weise kam in Duisburg ein siebenjähriges Mädchen zu Tode. Taschenmessers. Das Messer drang dem .Kind ms Herz und führte den sofortigen Tod herbei.

O Ein Flugzeug in Travemünde verbrannt. In Trave­münde ging auf der Pötenitzer Wiek ein neuerbautes Flug­

zeug der Casper-Flugzeugwerke in steiler Kurve nieder. Gleich darauf war das Flugzeug in Flam m e n ge­ll ü l l t. Der Führer, Pilot Sydow, und der Chefkon­strukteur der Casper-Flugzeugwerke, Loessel, kletterten auf die Tragflächen und wurden von einem Motorboot der Casper-Flugzeugwerke gerettet. Das Flugzeug verbrannte fast vollständig. Wie der Pilot mitteilt, war das Benzin- zuleitungsrohr gebrochen. Das Flugzeug sollte an dem Warnemünder Seeflugwettbcwerb teilnehmen.

O Auf der Wallfahrt int Automobil verunglückt. Ein mit Wallfahrern besetztes Automobil kam bei Alt- B u n z l a u in Nordböhmen ins Gleiten und überschlug sich. Von den 32 Insassen wurden vier Frauen ge­tötet, vierzehn schwer verwundet.

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Die ersten authemschen Aufnahmen von der Eröffnung der Zugspitzbahn.

Im Beisein zahlreicher Vertreter des Deutschen Reiches, der österreichischen! Republik, der bayerischen Regierung, des deut­schen und des österreichischen Wirtschaftslebens und der Preße,

hat die feierliche Eröffnung und Einweihung der Drahtseilbahn auf die Zugspitze stattgesunden. Unser Bild zeigt einen blumen- geschmückten Wagen der Zugspitzbahn in schwindelnder Höhe über den gewaltigen Gebirgsschluchten zwischen Stützpunkt 3 und 4.

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O Verlobung des ältesten Sohnes des Erzherzogs Franz Ferdinand. Max H o y e n b e r g, der älteste Sohn des er­mordeten österreichischen Erzherzogs Franz Ferdinand, hat sich in Wolfseck in Württemberg mit der Gräfin Elisa­beth v. Waldburg verlobt. Dr. Max Hohenberg hat vor .eiiiifl£iv,aejt.bi^

22 Jahre alt.

0 Ungeheure Überschwemmungen in Mexiko. Die immer weiter ansteigenden Wassermassen bedrohen die Stadt Meriko mit einer Jsoliernna. Jin

Umkreis von 15 Kilometern von Mexiko sind die Eisen-' bahnschicncn unter Wasser. Man befürchtet den Ausbruch einer Hungersnot, wenn cs nicht gelingt, rasch größere Mengen von Lebensmitteln nach der Stadt zu bringen. Die Ernte aus den mexikanischen Hochebenen ist vollkom­men vernichtet. Man schätzt den Schaden ans 10 bis 15 Millionen Pesos.

Bunte Tageschronik.

Berlin. Auf dem Tempelhofer Feld stießen zwei Straßen­bahnwagen zusammen. Cs wurden elwa 20 Personen verletzt.

Goslar. Am 7-, Juli weilten unter Führung des Reichs- innenminifterS Dr. Külz, des Reichskunstwarls Dr. Revslob der Reichsratsausschuß für den Ehrenhain und Vertreter ver­schiedener Länderregierungen in Goslar. Es sand eine ein­gehende Besichtigung des in Aussicht genommenen Geländes "für den Neichsehrcnhain statt.

London. In Dublin wurden von Gruppen bewaffneter Männer sechs bis acht Einbrüche in Privatwohnnngen ausge- führt. Es wurden dabei lediglich Schriftstücke und Bücher, aber sein Geld weggcnonnnen.

Rom. Nach einer Meldung derTribnna" hat sich in Canncro am Lago Maggiore während eines heftigen Wolken­bruchs ein Teil des am Ufer gelegenen Platzes gelöst und wurde von dem See verschlungen. Der Anlegeplatz ist stark beschädigt.

Warschau. Hier liegen ans Wilna Meldungen vor, daß in dem Städtchen Lanvwarow im Wilnaer Gebiet die Cholera festgestellt wurde. Tie Behörden des Kreises Trocck haben strenge Maßnahmen ergriffen, um dem Ausbruch einer Epidemie vorzubeugen.

Newyork. Nach einerAfsociated-Preß"-Meldung aus Tokio wurde Westjapan von schweren Wolkenbrüchen Heim- gesncht. 30 Personen sind ertrunken. Ungefähr 4500 Häuser sind zerstört worden.

Newyork. In Newyork hat ein Mann die Scheidungs­klage eingereicht, weil seine Frau sich so stark mit Golsspielen beschäftigt, daß sie kein Zeit sindet, ihm die abgerissenen Knöpf, anzunähen.

Kongresse und Versammlungen.

k. Verbandötagung des Reichsverbandcs deutscher Kriegs­beschädigter und Kriegshinterbliebener. In den Tagen Pont 18. bis 21. Juli hält der Rcichsvcrbanad deutscher Kriegs­beschädigter und Kriegshinterbliebener, Sitz Berlin, in H a m -. bürg seine Verbandssitzung ab. Die für den ersten Ver- Handlungslag angesetzten Referate besassen sich mit den im Vordergrund der Kriegsopferbewegung stehenden Probleme bei Versorgung und Fürsorge.

Aus dem Gerichissaal.

8 Ein verurteilter Hochverräter. Der vierte Strafsenat des Reichsgerichts beschäftigte sich mit dem Buchhalter Hermann Makower aus Berlin, der sich wegen hochverräterischer Um- t riebe und wegen Vergehens gegen das Nepublikschutzgesetz zu verantworten halte. Das Gericht erkannte gegen den Ange­klagten auf drei Jahre Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe.

§ Urteil in der AngelegenheitSidi Ferruch". In Marseille wurde in der Angelegenheit der heimlichen Einschiffnngeit an Bord des DainpsersSidi Ferruch", in dessen Bunkern elf Araber, die die Fahrt von Algier nach Marseille als blinde Passagiere zurücklegen wollten, den Tod fanden, das Urteil gefällt. Sechs Angeklagte wurden zu je zwei Jahren Gefängnis und je 6000 Frank Geldstrafe Verurteilt. Ein weiterer Ange- klagter wurde mangels Beweisen freigesprochen.

Heiteres.

Mißverständnis.Du hallest doch öfters Gelegenheit, mit der Br-aiut unseres Freundes Müller zusammenizu-kommen-. Wie ge­fällt sie dir?"Ra, weißt du, viel ist an ihr nicht dran". Aber ertaube mal, 180 Pfund sollen noch nichts fein!?

Modern. Ihr Antrag chrt mich-, Herr Baron, ich kann Ih­nen jedoch- mein Jawort nicht geben-, weil ich bereits verlobt bin! Daun werde ich mir erlauben, in acht Tagen wieder I vor,zu sprechen.

Stimmungsbilder. è ; (Skizzen aus dem Felde 191418.)

I I Von O t t o U l b r i ch, F u l d a.

' (Fortsetzung.)

Vor Verdun.

29. März 1916.

. Auf schlechter Straße marschiert am frühen- Sonntagmorgerr eine Kolonne im Felde gibt es keinen Sonntag, wir sind be­reits daran gewöhnt und wissen oft erst durch einen Blick auf I den Kalender oder durch die Zeitung, daß Sonntag ist. In Deutschland läuten die Glocken und rufen die Gläubigen zur Kirche, hier kömmt vom Westen her das dumpfe Dröhnen der Einschläge fran.zösischer Geschosse und hoch in den Lüften zieht das Singen der deutschen Granaten, die in die Ferne, zu den Stellungen des Feindes jagen. Droben auf der Höhe sieht man am Abend das Bersten der Granaten im verblauenden Walde; ein schöner Anblick, das fortwährende AuMitzen und die Beob­achtung vom Abschuß und Widerhall des Einschlagens. Unser Weg führt uns durch einen Wald, dessen Boden ganz aus Knüppel-Dämmen besteht, eine Notwendigkeit, da diese Wege sonst nicht zu passieren sind. Es sind nebeneinander gelegte Blöcher, mit Astwerk -ausgefüllt, durch welche der zerweichte Boden quillt. Wir trotten zumeist hinter dem Wagen her, um nicht des öfteren unsanfte Bekanntschaft mit dem Lehm des Waldbodens zu machen. Wir sehen den Wald belebt, kleine Brückchen führen über das rechts und links der Straße rinnende Wasser, niedlich mit Geländer versehen! Wegweiser und kleine Ro-stpsade führen wiederum in das Waldinnere, in welchem blau ausstergende Rauchwölkchen uns das stille Waldleb-en von Tausenden anzeigt. Hier liegen in Zelten, Hütten, Blockhäu­sern, teilweise wunderbar ausgebaut, ganze Regimenter in Reserve, Fußartillerie, Infanterie Pioniere, Trainkolonnen usw. Was hier an Arbeit und Fleiß geleistet würde, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Die Blockhäuser der Offiziere äh­neln oft deutschen Forst- oder Schweizerhäuschen, Fenster und Türen sind oft aus den zerstörten Ortschaften herbei-geholt, um sie herum, überall aus -dem- vorhandenen Holz vielfach ist es Birke sind Tische und Bänke angelegt zu angenehmer Rast. Langgestreckt ziehen sich aus Dachpappe und Blech die Wohnun­gen der Mannschaften hin, in besonderem Bau steht die Feld­küche und die gedeckten Speisehallen für die Leute. Ein Dach für die Feldschmiede, ein Wasser-Destillier-Apparat, eine Wasch­anstalt und mehr sehen wir an uns vorüberziehen. Hier ein * Schild zur KolonieWaldesruh" also nahe dem Feinde deutsche Liebe zum Walde und zur Ruhe vereint.Wir fahren 111 großen Abständen, hin und wieder sitzt ein Wagen fest, die braven Gäule werden ständig angetrieben, doch oft versinken und die Wagen im tiefen Morast. Wir müssen oft herunter U vom trockenen Sitz hinein in den Schlamm, in die tiefsten brau- I neu Pfützen. Dann hat man das kalte Schlaminwasser bis zum Knöchel im Stiefel, alles- was nun noch kommt, kann uns nicht mehr anfechten- Wie Trunkene taumeln die Wagen von einer Straßenseite jur anderen, die Fahrer müssen den Eranattrich- lern auLweichen-, die die Wege zertrümmerten. Links -im Walde ? ließen am Boden eine Anzahl 42 Zentimeter -Geschoße, -darüber schwebt ein Fesselballon. Der Wald wird heller, jetzt sehen wir ; ein Dutzend Fesselballons in den Lüften. Am Straßenrands ließen einige tote Pferde, arme brave Tiere, die bei der Arbeit fielen, hin und wieder ein Erdhügel darüber, dort ein Metzger ' ehend. Links oben auf dem Berge grüßt ein ge- I Wutzler Beobachtungsturm, dahinter am Fuße des Berges steht - eine Batterie langrohriger und weittragender Geschütze, welche i Wollüstigen Zeitabstanden feuern. Wir kommen durch -das ' Städtchen Damvillers, wo wir Halt machen müssen vor zurück-

flutenden Truppen, Kran-kenauids usw. Wir warten eine Stunde, bis wir endlich weiter kommen. Ueber uns sind Flie- gerkämpfe, wir stehen in einer engen Gasse, Rusien tragen ein zertrümmertes Haus ab, die Franzmänner funken zuweilen hinein und ein eigener Anblick ist es, mitten in der Straße ein großes gähnendes Loch zu finden, ehemals eine glückliche Heim­stätte. Auf dem Markte steht das Denkmal eines Generals, heute umlagert von deutschen Feinden, er zeigt- mit dem Fin­ger nach uns hin. Die Kirche, deren Mauern, -ebenso wie die den Friedhof einschließende Mauer, sind zum Straßenbau ab­getragen und dient als Pferdestall. Wo ehemals fromme Chöre erschallten, scharren heute die Hufe unserer Rosse, Ammoniak- gerüche bilden die Weihrauchschwaden. Reben der Kirche stehen die abmontierten Glocken, sie läuten nicht mehr zur Freud und nicht zum Leid, bald werden sie hinweg-geführt in das Land der Feinde. Ueber Damvillers hinaus geht die Fahrt, bald kommen mahnende SchilderKolonnen dürfen die Straße nur nachts passieren oder einzelne Gefährte in Abständen von 500 Metern. Straße wird vom Feinde eingesessen und be­schossen!" Die Straßen sind von hier ab kulissenartig abgedeckt gegen den Feind hin, zwei bis drei Meter hohe Holz- und Rei- serwände decken! uns gegen die Sicht von den fernen vom Feinde besetzten Höhen. Mitunter geht eine Kulisse, einem Ehrenbogen gleichend, quer über die Straße, auf einzelnen Bäumen sehen wir Beobachtungsleitern angebracht für die Leiter unserer Bat­terien, auf ihnen stehen die Offiziere mit den Scherenfernroh­ren und leiten per Telephon das Feuer. Feldgendarmen und Wegepatrouillen reiten hin und her und halten laut schreiend und befehlend Ordnung. An der Straße liegen Tornister, fran- -sische Stahlhelme, weggeworfene Montierungsstücke aller Art. Wir kommen nach- Azannes, einem Ort, dessen Namen durch die kriegerischen Ereignisse der letzten Woche in alle Welt hin­aus getragen wurde, heute bildet derselbe nur noch einen tau­sendfach von glühenden deutschen Granaten zerwühlten Trüm- M-erhanfen in deutscher Hand. Ambulanzen- halten massenhaft hier, Pferde werden beschlagen. Autokar-awanen ziehen neben Trains aller Art hin und her, oft in drei Reihen nebeneinander. Der ganze Trotz stockt, große Lastautos sind vorn tief im Morast stecken geblieben, und nur die Krankenwagen dürfen passieren. Wir halten rechts der Straße, zwei Stunden. Wir essen hus dem Brotbeutel und trinken aus der Feldflasche einen Schluck Kaffee oder Branntwein. Ein fünf Meter breiter Gürtel von Drahtverhauen zieht sich, dem Gelände knifflich angepaßt, quer durch das Land, davor spanische Reiter, Wolfsgruben, Eggen, Knäuel von Stacheldraht, Astverhaucn und dergleichen. Da­hinter die ersten- geräumten Schützengräben. Die Kanonen don­nern in unverminderter -Heftigkeit, sie vollenden langsam und sicher das begonnene Werk. 1100 gefangene graublaue Franzo­sen ziehen an uns vorüber, geleitet von einem Dutzend tanzen­bewehrter Dragoner. Fast durchweg gut ausgerüstete, kräftige Gestalten, Kerntruppen der ersten Linie, aber auch junge, schmächtige Kerlchen dabei, einzelne Leichtverwundete, fast alle frohen Muts und uns 'zurufend:la guerre finis! Nix kanut! Sie alle freuen sich, gefangen zu- fein, und daß der entsetzliche Krieg für sie ein Ende hat. Nur wenige gehen still in sich gekehrt, mit in den Hosentaschen vergrabenen Händen dahin. Nichts- ist von dem Orte geblieben als Mauerreste, fußhoch liegen Schutt und Triimmerreste in den zerschlagenen Räumen, durch die der Frühlingswind fegt, und durch bereit zerstörte Decken der Himmel strahlt, -das Licht fällt frei auf die zerfallenen Kamine, auf alte, verblassende Tapeten- und -a-bbrök- jelnde Slu-ckzierraten. In den Lüften über uns pfeift und singt es wieder, heult es jaulend, auf. Der Gegner schießt in bas von uns genommene Dorf V.....links auf der Höhe. Zwei Riesengeschütze gellen- scharf hinter uns auf, jede Minute feu­ernd, weit hinter die feindlichen Linien- hinein, Sie beschießen die rückwärtigen Verbindungen. An den Straßen- liegen tau­sende von Geschossen, harrend des Vorbringens. Wie könnt ihr,

meine lieben Freunde, zu Hause wissen, was Krieg ist und heißt: Quer durch- Frankreich zieht,sich eine breite Zone des Entsetzens, alle -die blühenden Dörfer liegen zur Hälfte ober ganz in vermodernden Trümmern! Wo find -die Bewohner? Geflüchtet, gestorben, verdorben! Die Felder und Aecker trei­ben Untraut, außer denen, die der deutsche Soldat bebaut und pflügt. Wiesen sind versumpft und verschlammt, zerfahren und zertreten, die einstmals großen und schönen Rânalstraßen in Trümmer gefahren durch Lastautos und schweres Geschütz. Wel­ches Glück -bedeutet bas sieghafte Vordringen- und Aushalten unserer tapferen Armeen! Unsere Heeresleitung führt unmit­telbar hinter die fäntpfenbe. Front- die Schienenstränge, teils gedeckt durch den Wald, auf ihnen- wird dann Proviant, Muni­tion und alles Notwendige bis dahin geführt, wo noch die Granaten hageln. Auf einen Rückzug richtet sich die deutsche Heeresleitung nicht ein. So auch hier! Wir sind auf dem Bahnhof Mourey, rechts davon liegt das vielgenannte Flabas. Auf dem Bahnhöfe werden Geschoße für diedicke Berta" aus­geladen. Heu, Stroh, Hafer, Brot, kurz alles, was gebraucht wird. Wir sehen Holzwolle, Papieischnitzel, Stacheldrahtwände, Schu-tzschilde für Infanterie, Balken, Dachpappe, Blech, Benzin usw. An der Straße liegen die armen Helden, die schwerverwun­det auf Abtransport warten, teils auf dem Boden kauernd, teils auf offenen und verdeckten Bahren ruhend. -Friedlich neben­einander, die sich vor einigen Stunden auf Leben und Tod g-e- genüberftanben. Feldgaue neben den elenden Zuaven und In­diern, von denen wir nur Verwundete sehen. Gefangene machen unsere Kameraden wenig von dieser Sorte, ihre Kämpfesweise ist hinterlistig unb gemein. Sie nähern sich mit erhobenen Hän­den unb wenn -sie unsere Infanterie herankommen läßt, fallen sie stechend hinterrücks über sie her. Ueber bas Feld her schlep­pen sich die armen Verwundeten unb langsam, in unaufhörlichem Zuge nahen sich die Krankenträger mit ihrer schweren Lajt-von Villers herab, wo die Franzosen erst hinausgeworfen woroen. sind. Aus jedem zurücks-ahrenden Gefährt hängt oder liegt ein Verwundeter, mühsam schleppen sich einzelne an Wagen heran und lamentieren um Mitnahme, was ja immer geschieht, sofern es rückwärts geht. Ein unausspre-chilichcs, uno-ergeWches Bild des Elends und des Jammers. Fuß-artillerie gräbt große, eingedeckte Gruben für ihre Geschoße, Pioniere fürihre Minen usw. Wagen voll von Schiapzgerät unb großen- Sturmleitern harren des Vorholens, alles ist bereit. Der Bergrücken hinter V. . . . ist wie von Maulwürfen durchwühlt, alles liegt einge­graben in Deckung, wie überhaupt alle Berge rückseits bewohnt sind in Erdgruben und verdeckten Lagern. ' Wir fahren hinter dem großen- Berge bei V. . . . aus, und legen rascheste ns unsere Feldhaubitzengeschoße auf die beveilgestellten Roste, um wendend heimwärts zu ziehen. Ein Infanterist, der sich -den- Fuß ver- staucht hat, fährt mit mir, bis wir abbiegen. Unser Ne im weg führt uns über Mangiennes, wo die Kirche zum Lazarett um» gewandelt ist, und die Cchwerverwundeten zuerst gebettet und operiert werden. Wer bann die Nacht überlebt, kommt ehestens weiter. Der Turm der Kirche ist a-bgesch-oßen bis auf das Dach, dieses noch teilweise im Fallen mit sich reißend. Einige Massen­gräber fallen uns dort in die Augen, am Ausgange'des eben­falls sehr zerstörten- Ortes. Heimwärts geht's. der beutfdw Gürtel um Verdun wird enger und enger,' die Franzmänner werden in zähem Ringen schrittweise zurückgetriâii, und unsere schwere Artillerie beherrscht immer mehr die Lage. Wer. wie wir hier, die ungeheueren Vorbereitungen Md die Millionen Geschoße für diese überragende Artillerie gesehen hat, der glaubt, wie wir alle, an den Sieg, der kommen muß und wird! Darum halle weit über den Rhein, nach Deutschland hinein, du Kano­nendonner vor Verdun denn nichts anderes auf dem weiten Erdenrund hat heute Wort und Geltung, als die Kanonen von Verdun!

Fortsetzung folgt. ^,, ^ . _____