Ms auf sich nehmen. Noch den 12 mageren Jahren muß Më Zeit der Erholung für Renovierungen der Häuser Platz greifen. Wenn bann der Überschuß der Hausbesitzer großer wird, wird auch der Wert der Häuser steigen und das Geschäft am Grundstücksmarkt wieder mehr einsetzen. Wichtiger aber noch ist, daß damit zugleich der Hypothekeilmarkt belebt ^wird. Hypotheken sind die beste Kapitalsaulage, sie sind in •normalen Zeiten so leicht zu verkaufen wie Aktien. Einen Kapitalmarkt ohne einen Hypothekenniarkt haben wir von 1924—1926 gehabt. Es scheint so, als ob es hierin 1927^ anders werden sollte. ^' ®~
Nah «nd Fern.
O Ein Güterzug fährt auf einen Arbcitszug auf. Auf t>em Bahnhof Caputh-Geltow ereignete sich infolge falscher Signalstellung ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Güterleerzug und einem Teil eines Arbeits- Zuges, der auf dem Bahnhof hielt. Der Anprall war so heftig, daß acht Wagen des Güter- und drei Wagen des Arbeitszuges aus den Schienen sprangen und zum Teil völlig zerstört wurden. Der Sachschaden ist groß. Personen kamen nicht zu Schaden.
> O Absturz vom Kirchturm. Bei der Aufrichtung eines Kreuzes.auf der neuerbauten katholischen Pfarrkirche in Neheim-Hüsten ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Zwei mit dieser Arbeit beschäftigte Dachdecker, die Gebrüder Kotthoff, stürzten vor den Augen ihres Vaters in die Tiefe. Während der eine sofort tot Ivar, wurde der andere schwer verletzt.
O Ein Ständchen für den Reichspräsidenten. Der aus Bo Schülerinnen bestehende Mädchenchor der Volksschule Nord-Osterode (Ostpreußen), der, auf einer Deutsch- fandfahrt begriffen, mit fünf Lehrern in Berlin weilte, brachte dem Reichspräsidenten im Garten des Reichspräsidentenhauses ein Ständchen. Der Reichspräsident, der Ehrenbürger von Osterode ist, sprach den Lehrern «nd den Kindern seinen Dank aus.
O überfall auf einen Kassenboten. In B e r l i n wurde ein Kassenbote der Landbank im Flur des Landbankhauses überfallen. Der Kassenbole wurde durch einen Schuß des Räubers schwer verletzt. Es gelang jedoch dem Angreifer nicht, ihm die Aktentasche mit dem Geld zu entreißen. Der mutmaßliche Täter, der Kaufmann Dr. Otto Ulrich, wurde verhaftet.
O Höhlenbewohner bei Berlin. Bei einer Streife in der Nähe von Plötzensee machte die Berliner Kriminalpolizei eine eigenartige Entdeckung: sie sand in früheren Schießständen und Erdtrichtern eine ganze Kolonie von Höhlenbewohnern. Es waren Berliner „Hofsänger', die den Winter im Obdachlosenasyl verbracht und jetzt in etwa zwanzig Erdlöchern ihre Sommerresidenz aufge- fchlagen hatten. Sie hatten sich aus Papier und Laub notdürftige Lager bereitet und diese durch Sträucher und Vebüsch verdeckt. Die Kolonie wurde ausgelöst.
O Julius Barmat auf Reisen. Bekanntlich ist Julius Barmat, der eigentlich Untersuchungsgefangener ist, seines leidenden Zustandes halber ^eit längerer Zeit wieder auf freien Fuß gefetzt. Vor einigen Tagen reichte er an die zuständige Staatsanwaltschaft ein von mehreren Ärzten beglaubigtes Schreiben ein, in dem er bat, ihm einen Kurgebrauch in Aachen zu gestatten. Diesem Gesuch ist stattgegeben worden, so daß Barmat sich zurzeit in Aachen, wo er schon in früheren Jahren die Kur gebrauchte, aufhält. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird er von der Aachener Kriminalpolizei überwacht..
O Geldschrankeinbrecher im eigenen Auto. Der Einbruch, der am 28. Februar d. J. in das Postamt L e t s ch i n im Kreise Lebus verübt wurde, ist nach viermonatigen Ermittelungen aufgeklärt worden. Es gelang, die drei Verbrecher, die für 14 000 Mark Postwertzeichen und 7325 Mark bares Geld erbeutet batten, au verhaften. Diese
MMrechërkalönnë war H~effIF mDeuMsinnd^M 'M Raubzüge in ihrem eigenen Auto aussuyrte.
O Hinrichtung. Auf dem Hofe des Erfurter Gerichtsgefängnisses wurde durch den Scharfrichter aus Magdeburg der vom Schwurgericht Erfurt zweimal zum ~pbe verurteilte Schlosser Rudolph, genannt Trödels, b e r g e r, der im November vorigen wahres am Heidehaus bei Sondershausen zwei reisende Automobilisten er- fchoffen hatte, mittels Handbeils hingerrchtet.
O Zwei schlafende Soldaten auf Irrfahrten. In einem aus dem besetzten Gebiet koinmenden Zuge fand man in Bonn einen französischen Soldaten in tiefstem Schlaf. Er hatte auf der Heimfahrt vom Urlaub seine Z.elstation verschlafen. Der Soldat wurde verhaftet und man wird versuchen, ihn gegen einen deutsch e n Neichs- w e h r m a n n a u s z u t a u s ch e n, der vor längerer Zeit im Schlaf ins besetzte Gebiet gefahren und von den Franzosen verhaftet worden ist.
O Einsturz eines Tunnelgewölbes. Bei den seit einem Jahr dauernden Umbauarbeiten amTunnel vorder Station Gaildorf im Neckarkreis ist ein Einbruch des Gewölbes erfolgt. Zwei Arbeiter werden vermißt; sie sind vermutlich t ö d l i ch v e r u n g l u ck t.
O Zwanzigprozentige Aufwertung bei der Städtischen Sparkaffe in Stuttgart. Der Gemeinderat in Stuttgart faßte Beschlüsse über die Auswertung der Guthaben bei der Städtischen Sparkasse. Es wurde gegen zwei Stimmen ein Antrag angenommen, nach dem der Aufwertungssatz auf 20 Prozent aus dem errechneten G o l d m a r k w e r t der Guthaben festgesetzt wird. Als Fälligkeitstermin der Aufwertungsguthaben wird der 1. Januar 1932 in Aussicht genommen. Die Sparkasse wird im Bedürfnisfall zur Auszahlung von Vorschüssen auf die Aufwertung ermächtigt.
O Zwei Touristinnen tödlich verunglückt. Die 36jährige Margarete Zahn glitt bei einer Besteigung der Zua - f p j H e an einer harmlosen Stelle aus und rutschte ab. Unglücklicherweise riß das Seil, das sie mit ihrem Führer verband, gleich beim ersten Ruck, so daß die Dame über die hohen Felswände in das österreichische Schneekar stürzte, wo sie mit zerschmettertem Kopfe t o t liegenblieb. Der Bergführer wurde verhaftet. Es wurde festgestellt, daß das Führerseil durch eine Eisenstange ent- zweigeschnitten worden ist. Nach einer weiteren Meldung fand ein Fräulein Anna Lechner aus Garmisch beim Ausstieg zur mittleren Höllentalspitze den Tod.
0 Felssturz in Karlsbad. In Karlsbad ereignete sich unterhalb des Hotels Imperial ein gewaltiger F e l s st u r z, der durch die Regengüsse der letzten Tage verursacht wurde. Es stürzte eine Steinwand unter donnerähnlichem Krachen herunter und riß gewaltige Felsblöcke und Bäume mit sich fort. Weitere Einstürze werden befürchtet. Der Schaden wird auf eine Million Tfchechenkronen geschätzt.
0 Fünf Löwen gehen spazieren. Zwei Löwen und drei Löwinnen eines in Cremona gastierenden Zirkus brachen aus ihren Käfigen, die der Wächter aus Vergeßlichkeit unverschlossen gelassen hatte, aus. Auf ihrem Ausflug gelangten sie auf den Marktplatz, wo sie unter den Marktbesuchern eine ungeheure Panik Hervorriesen, überraschenderweise wandten sie sich aber nicht gegen die Menschen, sondern begnügten sich damit, einige kleinere Tiere, wie Katzen und Hühner, zu vertilgen. Nach einer aufregenden Jagd, die etwa eine Stunde dauerte, konnten die Löwen in ihre Käfige zurückgetrieben werden. Der nachlässige Wächter wurde verhaftet.
0 Wildwest in Newyork. Im Roosevelt-Hospital in N e W y o r k, das im dichtesten Verkehr des Westviertels liegt, gelang es sieben bewaffneten Räubern, ohne daß die auf den Gängen befindlichen Ärzte und Besucher aufmerksam wurden, in den Kassenraum einzu-
volver in Schach und raubten 10 000 Dollar, die zu Gehaltszahlungen bestimmt waren, worauf sie im Automobil flüchteten.
Bunte Tageschronik.
Altona. In dem großen Sägewerk und der Automobilfabrik H o l s a 1 i a entstand ein Großfeuer, das gewaltigen Schade» anrichtete. Die Ursache des Brandes ist noch mwe- konnt.
Pettau (Steiermark). In dem Dorfe Amtmannsdorf bei Marienstift brach ein Brand aus, der sich infolge des herrschenden Windes rasch ausbreitete und in wenigen Stunden ungefähr siebzig Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude einäscherte.
London. Bei dem Erdbeben in Ägypten sind 110 Menschen ums Leben gekommen und 4280 Häuser zerstört worden. Die Zahl der Todesopfer des Erdbebens auf Sumatra wird zurzeit aus 200 geschätzt.
Rom. Ein Zuchthäusler in Ferrara, der wegen Raubes eine Strafe von drei Jahren verbüßt, hat von einer in San Franzisko verstorbenen Verwandten eine Farm im Werte von einer Million Dollar geerbt.
Paris. Wie das Organ der französischen Faschisten „Le Nouveau Sieele" meldet, wird General Primo de Rivera am 10. Juli in Paris eintreffen, um der am 14. Juli unter Beteiligung spanischer Truppenkontingente aus Marokko stattfindenden Parade gemeinsam mit Marschall Petain beizu- wohnen. __________________
Aus dem Genchtsfaal.
§ Beginn des Paßfälscherprozesses in Leipzig. Vor dem I. Strafsenat des Reichsgerichts zu Leipzig begann unter dem Vorsitz des Senatspräsidenteu Niedner die Verhandlung gegen den Buchhalter H e r p o l d 1, den Schneider Breithaupt, den Dreher Husemann und den Bauanschläger Mehlbaum, alle aus Berlin, wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Es handelt sich um die sogenannte Paßfälscherzentrale der Kommunistischen Partei Deutschlands. Man hatte seinerzeit bei der Aushebung zweier kommunistischer Bureaus ein umfangreiches Fälschermaterial beschlagnahmt, darunter einen großen Schrank mit falschen Stempeln aller Art, die zur Anfertigung von Urkunden, vor allem Pässen, Geburtsscheinen, Zeugnissen, benutzt wurden, namentlich für führende Persönlichkeiten der Kommunistischen Partei.
§ Ein Todesurteil. Das Schwurgericht Offenburg hat den 27 Jahre alten Landwirt WilhelmSchütt von Stadelhofen, der Anfang des Jahres seine aus Oberkirch gebürtige Braut aus einem Spaziergang erdrosselt hatte, zum Tode verurteilt.
§ Gefängnisstrafe wegen Beschimpfung der Republik. Das Große Schöffengericht in Karlsruhe in Baden verurteilte den Eisenbahnobersekretär Otto Müller aus Feuerbach wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz zu sieben Wochen Gefängnis. Müller hatte in einer Gastwirtschaft sich in beleidigenden Ausdrücken gegen die Regierung und den verstorbenen Reichspräsidenten Ebert ergangen.
§ Polnischer Prozeß gegen den Schulrat Dudek. Vor der Strafkammer des Kattowitzer Bezirksgerichtes begann unter starkem Andrang des Publikums der Prozeß gegen den ehemaligen Leiter der Schulabteilung des Deutschen Volksbundes, Schulrat a. D. Dudek. Nach der Anklage wird Schulrat Dudek zur Last gelegt, am 10. Oktober 1925 vorsätzlich bewirkt zu haben, daß Nachrichten über militärische Organisation und Personalveränderungen in der Kattowitzer Division, die im Interesse der Landesverteidigung hätten geheimgehalten werden müssen, in die Hände von Personen gelangten, die im Jntereffe einer feindlichen Macht tätig waren. Für die ganze Dauer der Verhandlung wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.
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Gegründet 184».
Vertreter: Gustav Mandt, Lauterbach.
^^Für Jeden etwas. —
Reiseverkehr im Aliertum.
Eifrig studieren gegenwärtig alle, die sich eine som- Merliche Erholungsreise leisten können, Fahrplan und Reisebücher, um bequem und mit möglichst wenig Zeitverlust zu den erwählten Orten gelangen zu können; denn knapp nur ist den meisten der Urlaub bemessen und man möchte möglichst wenig Zeit mit der Reise verlieren. Selten kommen wir, die wir mit Eisenbahn und Dampfer wie im Fluge die weitesten Strecken zurücklegen können, zu einem Vergleich mit der Mühsal und der Langwierigkeit des Reisens in früheren Jahrhunderten.
Daß man aber bereits im Altertum schon recht ansehnliche Ergebnisse im Schnellreisen zuwege gebracht hat, mag folgende kleine Blütenlese aus den Schilderungen von Schriftstellern aus jenen Zeiten zeigen. Plinius erzählt, daß man mit der römischen Staatspost die 150 geographischen Meilen von Antiochia bis Konstantinopel in sechs Tagen zurücklegen konnte. Diese Staatspost erreichte also pro Tag die ansehnliche Leistung von 190 Kilometern. Cäsar reifte von Rom bis an die Rhone in nicht vollen acht Tagen, er machte demgemäß 150 Kilometer pro Tag.
Der Kurier, der die Nachricht von der Ermordung des Maximin in knapp vier Tagen von Aquilegia nach Nom brachte, übertraf damit die Sportleistungen unserer modernen Dauerreiter um ein beträchtliches; selbst wenn er die Strecke auf gewechselten Pferden oder teilweise per Wagen zurückgelegt haben wird. Brauchte doch die Distanzsahrt im Sommer 1908 von Berlin nach München — etwa 700 Kilometer — vier Tage, verhältnismäßig bedeutend mehr. Die Reiter, welche die Nachricht vom Aufstand in Belgien im tiefen Winter des Jahres 69 n. Chr. nach Rom brachten, legten neun Tage lang je etwa 240 Kilometer zurück. Eine der fchnellsten bekanntgewordenen Reisen ist die des T i b e r i u s zum erkrankten D r u - 1 n § von Pavia nach Germanien. Er erreichte eine Geschwindigkeit von etwa 290 Kilometer in je vierundzwanzig Stunden. Die Sportgeschichte der letzten Jahrhunderte dürfte dazu kaum etwas Vergleichbares bieten. Im Durchschnitt freilich legte sonst der im Wagen fahrende Reisende zur Römerzeit täglich nur etwa 60—75 Kilometer zurück, während der frühmittelalterliche Tagesmarsch 20—30 Kilometer betrug. Eine Seereise von fünf Tagen, von Ostia bis Taraco in Spanien, in römischer Zeit, galt für eine schnelle Fahrt. Cervantes nannte eine zwölftägige Fahrt von Neapel nach Barcelona eine hervorragende Eilreise. Im frühen Mittelalter bezeichnete man eine Geschwindigkeit von doppeltem Zeitausmaß für eine gute Durchschnittsleistung. Wie rege der Reiseverkehr zur Römerzeit bereits war, beweist die Tatsache, daß frische Austern regelmäßig an die Feinschmecker des von der Küste entfernteren Binnenlandes zur Versendung ge- jangtjinb.
Beschwerlich ist aber trotzdem das Reisen zu jenen Tagen gewesen, davon berichtet der jüngere Plinius. Wollten z. B. Kranke zu den als besonders heilkräftig angesehenen Thermen von Lugano reisen, so brauchten sie von Rom aus länger als zehn Tage. Au verschiedenen Zwischenstationen mußten die Pferde gewechselt werden, und oft, so bemerkt der Schriftsteller ironisch, kam der Patient mehr tot als lebendig im Heilbad an. Der römische Arzt Asclepiades von Prusa war im ersten Jahrhundert v. Chr. durch seine Kaltwasserheilkuren berühmt geworden und von nah und fern strömten die wohlhabenderen Kranken zu ihm, um sich heilen zu lassen. Um es den Zureisenden bequemer zu machen, ließ er für seine Patienten regelmäßige Personenposten aus den umliegenden größeren Städten einrichten. Kaiser Augustus soll sich im Jahre 23 v. Chr. bei einem Schüler dieses Mannes mit Erfolg in die Kur begeben haben. W. G.
Mit dem Rucksack.
Praktische Ratschläge für wandernde Damen.
Es hat etwas für sich, mit dem Ränzel auf dem Rücken durch die Welt zu wandern. Unabhängig von Gepäckschwierigkeiten, größtenteils auch von der Eisenbahn, lernt der Wanderer Land und Leute am besten kennen. Aber das Reisen mit Rucksack muß verstanden sein, der Rucksack muß alles Notwendige enthalten und darf doch nicht zur Last werden. Die Kleidung, auf das Mindestmaß be- schränkt, soll doch gefällig wirken, besonders bei Damen steht der typische graue Lodenanzug mit farbloser Hemdbluse nicht besonders aus. Ich habe es ausprobiert, daß es auch anders geht, und wenn ich in meinem weißen Kreppkleid abends bei Tisch im Gasthaus erschien, war große Verwunderung, denn es war kein Koffer vorausgeschickt worden. Die heutigen Kleider nehmen ja so wenig Platz weg- und Krepp ist der geeignete Stoff, da er sich nicht drückt. Das Kleid — es kann auch ein hellfarbiges ^in — wird schmal zusammengelegt und gerollt, desgleichen ein Unterrock aus Seidentrikot oder Mull, dazu ein Paar weiße Strümpfe und Leinenschuhe in Säckchen aus alten Strumpflängen, alles zusammen in einem kleinen, aus altem Bettzeug genähten Täschchen. Die mitzuneh- mende Wäsche besteht nur aus zwei, höchstens drei Hemdhosen aus Seidentrikot, die man jeden Tag auswaschen kann. Für die Wanderung sind Schweißsocken am prak- ttichsten, da die Füße immer gut mit Hirschtalg geschmiert werden müssen — es können ganz billige Socken sein, die man eventuell fortwirft. Abgeschnittene graue Strumpflangen mit Steg zog ich darüber. Davon genügen zwei Paar, ebenso zwei Schlüpfer. Ein nicht zu enger Rock aus möglichst wasserdichtem Kostümstoff und zwei Blusen ans Krepp in irgendeiner hübschen Farbe, die eine mit langen Ärmeln, am Hals zu schließen, die andere aus- aefctmitten. mit kurzen Ärmeln, bilden den Tagesau
zug für kühles oder warmes Wetter. Dazu kommt noch ein leichtes Wolljäckchen, eine Windjacke oder ein Lodencape, ersteres ist aber praktischer, und ein Leinenhut, der leicht ist und doch vor der allzu heißen Sonne schützt. Denn es ist für die meisten nicht zuträglich, ohne Kopfbedeckung zu wandern. Ein Paar feste Stiefel genügen, da man im Falle einer kleinen Reparatur, die überall schnell gemacht wird, ja die Leinenschuhe hat. Nun fehlt noch das Nachtzeug, das möglichst beschränkt werden muß. Das Necessaire (ein Gummibeutel) muß vor allem Hirschtalg, Hautcreme und Puder enthalten, denn vor Sonnenbrand muß man sich hüten. Ein Gummischwamm darf ebensowenig fehlen wie ein Frottierhandtuch. Eine kleine Reiseapotheke darf der Wanderer ebenfalls nicht vergessen, desgleichen etwas Kölnisches Wasser zur Erfrischung. Als eiserner Bestand für den Mundvorrat diene ein Paket Zwieback. Sonst soll man sich mit Eßvorrat nicht schleppen, da es jetzt überall gutes und preiswertes Essen gibt. Der Rucksack muß gleichmäßig und fest gepackt werden, damit er nicht drückt. Die saubere Wäsche kommt für sich in einen Beutel, einen anderen nimmt man für die gebrauchte Wäsche mit, die gerollt hineingesteckt wird. G. Kristen-Lißner.
Wie die „SchWeWWerchen" oerfdmianben.
Unter den Moden der Damenwelt unter der Regierung Ludwigs XIV. spielten die Schönheitspflästerchen im Gesicht und auf dem Halse der Damen eine große Rolle. Man sah sie zu allen möglichen und unmöglichen Figuren geschnitten, ja ganze Landschaften en miniature hoben sich in glänzender Schwärze von der gepuderten Haut der Schönen ab. Alles Eifern der Behörden, aller Witz der Satiriker, ja selbst die Mißbilligung des Königs, dessen anfänglicher Geschmack an der Mode durch die maßlosen Übertreibungen sich in Widerwillen verwandelt hatte, vermochten die Schönheitspflästerchen nicht zu verbannen. Das unmöglich Scheinende gelang endlich dem berühmten Kanzelredner und Beichtvater Ludwigs XIV., dem Pater La Chaise. In einer Fastenpredigt äußerte er seine Genugtuung darüber, daß die wirklich jungen und hübschen Damen die Mode nicht mehr mitmachten, sondern daß ihr jetzt nur noch die Frauen in vorgeschrittenem Alter huldigten, da diese die sichtlichen Furchen der Jahre durch künstliche Überklebung zu verbergen suchten, um der runzellosen Jugend gleich zu scheinen, die solcher Bedeckung nicht bedürfe. Ja, es sei mit Gewißheit anzunehmen, daß jede Dame, die sich der Schönheitspflästerchen bediene, mindestens die Mitte der Dreißig überschritten habe. Am nächsten Tage schon waren die Trägerinnen der Pflästerchen zu zählen und bald verschwand die Mode ganz: keine, die sich zum schönen Geschlecht zählte, wollte in dem Ruf stehen, ihr Alter nach der Äluslegung des Paters La Chaise deuten zu lasten. .. . ... . ... ^ 2^ j