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Zul-aer Anzeiger

W=w* verlas Zrieörich (Ehrens lau, $ulda, Mitglieö des Deterns deutscher Mungsver-

Nr. 138 1926

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zulba- und Haunetal Zulöaer Kreisblatt

Reüaktio« und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernfprech^nschluß Nr. 984 Nachdem» 6« mit* versehenen Artikel nur mM ti^tUtnangabe .ZulSoer Anzeiger' gestattet.

Fulda, Montag, 21. Zum

Anzeigenpreis: §ür BehSrüen, Genossenschaf. ten, Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 M., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark < Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Platzvorschristen unverbinölich.

3. Jahrgang

/ Im Elstergebiet kam es infolge des Hochwassers zu einem sDammbruch, so daß weite Strecken unter Wasser gesetzt wurden.

* Wegen der bekannten Winzerunruhen in Bernkastel wur- den mehrere Angeklagte zu Gefängnisstrafen von drei bis acht Monaten verurteilt.

* Der Konflikt an der Technischen Hochschule zu Hannover wurde bei Nachgeben von beiden Seiten durch Vergleich beendet.

* Bei dem Kampf um die Schwergewichtsmeisterschaft im Noxen fiir Deutschland wurde Franz Diener gegen Samson- Körner der Sieg nach Punkten zugesprochen.

* In Lissabon kam es zu Ruhestörungen und Angriffen gegen den neuen Diktator, General Costa. Die Bewegung wurde niedergeschlagen.

Herriots Kabinettsbildung.

Erfolgreiche Bemühungen.

Herriot hat nachts die Vertreter der Presse in den Räumen des Kammerpräsidiums empfangen und ihnen lura erklärt, daß die Bildung des Kabinetts bald voll­zogen sein werde. Die bisherigen Verhandlungen, die ausschließlich der Feststellung eines Finanzprogramms ge­golten hätten, hätten schon zu einem ersten Ergebnis geführt.

Die Ministerliste Herriots wird alsbald fertiggestellt sein. Herriot erklärte, daß er vor der endgültigen Wahl seiner Mitarbeiter ein genaues Bild von der Finanzlage haben wollte. In der Besprechung hatte Herriot folgende Fragen aufgeworfen: 1. Welches sind die unmittelbaren Verpflichtungen des Staates; 2. Wie steht es um das Vor­schußkonto der Bank von Frankreich nach dem Fälligkeits­termin vom Juni: 3. Wie hoch ist der Bestand der ameri­kanischen Anleihe? Herriot hat wiederholt sozialdemo­kratische Delegierte, darunter Renaudel, Leon Blum und Paul-Boncour empfangen. Die besondere Bedeutung der vorherigen Ausarbeitung eines Finanzprogramms liegt vor allem darin, daß die «-ozialdemolraten von der Fassung dieses Programms ihre wohlwollende Unter­stützung des Kabinetts abhängig machen. Das in der Kammer umlaufende Gerücht, daß Tardieu einer Mit­arbeit im Kabinett Herriot nicht abgeneigt wäre, wird be­stätigt. Die allgemeinen Aussichten auf das Zustande­kommen des Kabinetts nahmen erheblich zu.

Die Konferenz der Kleinen Entente.

Vollkommene Übereinstimmung."

, Die Konferenz der Kleinen Entente in Veldes ist ge- tschlossen worden. Eine offizielle Mitteilung besagt fol­gendes über den Verlauf der Verhandlungen: Die Minister schlossen die Aussprache über die Beziehungen ihrer Länder zu den Nachbarstaaten ab. Die Lage in Mitteleuropa und in den Balkanstaaten wurde einer be­sonders eingehenden Prüfung unterzogen. Bei der Er­örterung der mit dem Völkerbund zusammenhängenden Fragen wurden gemeinsame Richtlinien für die Haltung der Vertreter der drei Staaten der Kleinen Entente aus der V ö l k e r b u n d v e r s a m m l u n g im September aufgestellt. Über alle diese Fragen wurde vollkommene Übereinstimmung erzielt. Dieser Gedankenaustausch der Minister der Kleinen Entente zeigte von neuem die Zweck- -mäßigkeit dieser regelmäßigen persönlichen Fühlung­nahme, bei der alle die drei Staaten der Kleinen Entente Interessierenden Fragen der internationalen Politik in einem Geist des Vertrauens und enger Freund­schaft erörtert und geklärt werden, der durch nichts ge­stört wurde und seit fünf Jahren durch nichts gestört -werden konnte. Die beiden nächste» Konferenzen der Kleinen Entente werden im September in Genf und im Frühjahr nächsten Jahres in Prag abgehalten.

Kundgebungen in Lissabon.

Ein Angriff auf General Costa.

WieChicago Tribune" aus Lissabon meldet, haben sich nach Bekanntwerden der Tatsache, daß General Gomez Costa die Kontrolle über die Regierungshandlungen über­nommen habe, einige Kundgebungen in Lissabon abge­spielt. Erregte Menschenmassen versuchten einen A n griff auf den General, der in Begleitung einer militärischen Eskorte im Auto die Stadt durchfuhr, aber der Leibwache gelang es trotz der drohenden Haltung der Menge, einen persönlichen Angriff auf den General aüzu- wehren. Die Anführer sind verhaftet worden.

Nach einer weiteren Meldung derChicago Tribune" aus Lissabon hat General Gomez Costa einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Das ZieldesAufstandes ist durch die politischen Handlungen und Spekulationen, die auf einen Verrat an den republikanischen Grundsätzen hinauslaufen, verschoben worden. Ich bin aber ent­schlossen, mich an die Spitze der Truppen zu stell um meinen Ansichten über die Führung der Geschäfte in Por- tugal unter dem republikanischen System mit bewaffneter Hand Achtung zu erzwingen. Ich erkläre feierlich, daß ich meine nationale Ausgabe unter Mitarbeit der Armee und des Volkes durchführen werde.

Die Zivilpersonen, die bisher das Kolonial- bzw. Un- terrichtsministerium innehatten, sind durch zwei Militär- Personen ersetzt worden.

Der Volksentscheid.

Vorläufiges Gesamtergebnis.

B e r l i n, 21. Juni vorm. 6 Uhr (Tel.) Bei einer Gesamtzahl von 39 687 848 Stimmberechtigten wurden bei der gestrigen Volksabstimmung zur Fürstenenteig­nung insgesamt 15 025 451 Stimmen abgegeben.

Mit Ja stimmten 14 440 779 und mit nein 584 672. Aus dem vorläufigen Gesamtergebnis ergibt sich, daß bei dem Volksentscheid 36,3 Prozent der Stimmberech­tigten mit ja abgestimmt haben.

Nach den gegen 1 Uhr nachts eingetroffenen letzten Radiomeldungen betrug das vorläufige Endresultat im Reiche

ca. 13 500 000 Stimmen mit Ja, ca. 500 000 Stimmen mit Nein, ca. 500 000 Stimmen ungültig.

Das endgültige Resultat von Berlin stand noch aus.

7 Ä . *

Der Abstimmungstag.

Berlin, 20. Juni. (Stimmungsbild aus dem Reich z u in A b st i m m u n g s t a g e.) Nach den bisher vorliegenden Meldungen ist die Wahlhandlung im ganzen Reiche ohne ernste Zwischenfälle verlaufen. Die Wahlbe­teiligung schwankt sehr stark. Während aus einzelnen Stadtvierteln eine Wahlbeteiligung von nur 15 Prozent gemeldet wird, liegen aus Jndustriebezirken und aus den hauptsächlich von der Arbeiterschaft bewohnten Stadt­vierteln Meldungen über eine Wahlbeteiligung von bis zu 70 Prozent und darüber hinaus vor, obwohl z. B. aus den Jndustriebezirken Essen und verschiedenen ober­schlesischen Städten allerdings von 1 Uhr nachmittags Meldungen von einer geringen Wahlbeteiligung ca. 25 Proz. vorliegen. Der ganze Abstimmungstag war gekenn­zeichnet durch eine allein von den republikanisch«! Par­teien betriebene Propaganda, während die Rechtsparteien am heutigen Abstimmungstage fast auf jede Propaganda verzichteten. In Berlin selbst in die Abstimmung ohne jede Ruhestörung verlaufen. Dagegen werden aus Mag­deburg und Halle Zusammenstöße zwischen Stahlhelm­leuten und Anhängern des Roten Frontkämpferbundes ge­meldet. In Halle selbst verlief die Abstimmung zwar ruhig, aber in Ammendorf bei Halle wurden bei einem Zusammenstoß 7 Stahlhelmleute darunter 2 schwer ver­letzt. Die Kommunisten hatten 3 Verletzte. In Magde­burg wurden 3 Stahlhelmleute von Kommunisten schwer verletzt und mußten nach dem Krankenhaus geschafft werden. In beiden Fällen konnte die Polizei durch rasches Eingreifen weitere Zusammenstöße vermeiden. Auch in Görlitz kam es zu einer Schlägerei zwischen Stahlhelm­leuten und Anhängern des Roten Frontkämpferbundes, die aber keine ernstere Folgen hatte. Die Quartiere beider Parteien wurden von der Polizei nach Waffen durchsucht, die Untersuchung hatte aber ein negatives Ergebnis.

*

Ergebnis im Volksstaat Hessen.

Volksstaat Hessen: Stimmberechtigte 866 920. Es stimm­ten mit Ja 348 335, Nein 15 572.

Darmstadt, 20. Juni. Bei der heutigen Abstimmung über die entschädigungslose Fürstenenteignung gaben von 64 252 Stimmberechtigten 18164 ihr Stimmen für die Enteignung ab, 957 stimmten mit nein. Somit haben nur etwa 35 Prozent der Stimmberechtigten überhaupt abge­stimmt.

Darmstadt, 20. Juni. Bei der heutigen Abstimmung über die Fürstenenteignung ergaben sich noch folgende Er­gebnisse. In der Stadt Mainz von 75 999 Stimmberech­tigten stimmten 36 239 mit ja, 1387 nein. Stadt Offen­bach stimmberechtigt 53 765, ja 33 804, nein 1504. In den Kreisen: Mainz (103 916), 49083 ja, 1666 nein, Worms (63 005), 21 719 ja, 921 nein, Bingen (29 460), 7838 ja, 420 nein, Oppenheim (31175), 6834 ja 312 nein, Alzey (26 755), 7 160 ja, 299 nein. Kreis Darmstadt (98 527), abgestimmt für ja: 36491. Offenbach a. M. Stadt (53 765), 33 804 ja, 1504 nein. Kreis Gießen Oberh. (64 086). 21241 ja, 682 nein. Kreis Schotten (17862) 2855 ja, 101 nein, Bensheim B. (44422), 17 346 ja 971 nein Hep­penheim Bergstr. (32 097), 13 852 ja, 653 nein, Erbach i. O. (30 323), 9457 ja 499 nein.

Darmstadt, 20. Juni. (Der Volksentscheid.) Der heutige Tag des Volksentscheides wurde gestern Abend durch einen Fackelzug der Linksparteien als letzte Propa­ganda eingeleitet. Heute war es im allgaemeinen still. An allen Ecken und Enden wurden noch Flugblätter für und gegen die Enteignung verteilt. Am Vormittag war die Wahlbeteiligung noch langsam, steigerte sich aber in den Nachmittagsstunden.

. Ergebnis in der Provinz Hessen-Nassau.

Hessen-Nassau: Stimmberechtigte: 1581716. Es stimm­ten mit Ja: 635 385, Nein 24 305, ungültig 23 207.

Stadt Kassel: Wahlberechtigt: 119 090, Ja 52 094, Nein 18 054, ungültig 3912.

Frankfurt a. M.: Wahlberechtigt: 342 865, Ja 176 849.

Hanau: Wahlberechtigt: 26 513, Ja 13 291, Nein 596, ungültig 693.

Wiesbaden: Wahlberechtigt: 76 000, Ja 27 816.

Bad-Salzschlirf: Wahlberechtigt: 1235, Ja 447, Nein 29, Ungültig 8.

Weitere Ergebnisse aus dem Reiche.

Berlin (Teilergebnis): Ja 2 420 295, Nein 176 658, Un­gültig 49899.

Dresden: Wahlberechtigt: 929 845, Ja 417 696.

Chemnitz: Wahlberechtigt: 220 738, Ja 103 400.

Köln (Teilergebnis): Ja 331513, Nein 124 530, Un­gültig 4637.

Düsseldorf (Teilergebnis): Wahlberechtigt: 1670 595, Ja 359 836.

Worms: Wahlberechtigt: 31377, Ja 13 351.

Bochum: Wahlberechtigt: 129 404, Ja 52 621.

Freiburg Wahlberechtigt: 59 564, Ja 20 833.

Mannheim: Wahlberechtigt: 197 436, Ja 109 159.

Kreis Gießen: Stimmberechtigt waren: 64 086, mit ja stimmten: 21241, mit nein stimmten: 682.

Kreis Schotten: Stimmberechtigt waren: 17 862, mit ja stimmten: 2855, mit nein stimmten: 101.

Kreis Büdingen. Vorläufiges Endresultat. Von 27 390 Wahlberechtigten haben gestimmt 7 456 mit Ja, 210 mit Nein, ungültig 135. Zum Volksbegehren hatten sich 6183 Personen eingeschrieben.

Stadt und Kreis Alsfeld. 24120 Stimmberechtigte, davon 3 467 Ja, 119 Nein, 65 ungültig. Beim Volksbe­gehren 2 392 Eintragungen.

Kreis Gersfeld: Wahlberechtigt: 13 041, Ja 3208, Nein 121, Ungültig 72.

Fulda Land (ohne Stadt): Wahlberechtigte: 26 140, Ja 12 111 Nein 471, Ungültig 315.

Das Eesamtresultat des Kreises Fulda, einschließlich der Stadt Fulda ergibt also folgendes Bild:

Wahlberechtigt: 42 015, Ja 17 462, Nein 661, Ungültig 414.

Sitzung der Abrüstungskonferenz.

Berlin. Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, nimnit man hier an, daß die Arbeiten der Unterausschüsse der Abrüstungskonferenz im Oktober soweit fortgeschritten sein werden, daß dann die Voltkonscrenz in Genf stattfinden kann. Deutschland wird auf dieser Volltonsercnz wiederum durch den Grasen Bernstorfs vertreten werden.

Aeues deutsch-französisches Hanbelsprovisorium.

Pari s. Noch einer Mitteilung hat die Deutsche Wirt­schaftödelegation die Zustimmung des Rcichskabinctts zu dem französischen Vorschlag eines neuen, diesmal weitgehenden Handclspravisoriums mitgrtcilt. Die daraus bezüglichen Ver­handlungen sollen in Anbetracht der bevorstehenden Par- lamentsfcrien in beiden Ländern mit größter Beschleunigung zu Ende geführt werden.

Neuere Meldungen.

Abschluß der preußischen StSdtctagung.

Düsseldorf. Der Hauptausschutz des Preußischen Städte- tages hat nach den Vorschlägen des Untersuchungsausschusses die Neuwahl des Vorstandes borgenommen. Reu in den Vorstand wurden gewählt: Hirsch-Darmstadt, Stadtler- Kassel, Gaebel- Berlin und Müller- Berlin. Sodann wurde die Tagung des Hauptausschusses von dem Vorsitzenden, Oberbürgermeister Dr. Bocß, geschlossen.

Staatsminister Leutheußer Dr. h. e.

Jena. Auf der Feier der akademischen Preisverteilung, bei der Rektor Professor Dr. Gutbier die Festrede hielt, ver­kündete der Dekan der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät die Verleihung der Ehrendoktorwürdc an StaatS- minister Leutheußer, der persönlich zugegen war.

Aeue Funde in der Breslauer Kindermordsache.

Breslau. In Zimpel, der wahrscheinlichen Stelle deS Kindermordes, wurde eine Nachprüfung sämtlicher Kanal- deckel vorgenommen, die ein überraschendes Ergebnis zeitigte. Man entdeckte, daß einer der Kanaldeckel von unbefugter Hand geöffnet sein mußte und fand im Kanalschacht etwa 74 Meter von der Fundstelle des zweiten Paketes ein Stück Darm und verschiedene noch nicht identifizierte Stücke, die in Zeitungs- papier cingcwickelt waren, sowie an einer anderen Stelle eine in Zeitungspapicr cingewickeltc blutige Arbeitsschürze. Die gcrichtsârztlichc Untersuchung der Fundstücke ist im Gange.

Ausbreitung der Klingenthaler Vcrgiftungscpidemie.

Klingenthal. Zu den gemeldeten Erkrankungen infolge Genusses trichinenhaltigcn Fleisches wird berichtet: Die Fleischerei, die das trichinöse Fleisch geliefert hat, ist ge­schlossen worden. Der schuldige Fleischbeschaner, ein Tierarzt, befindet sich noch in Haft. Neue Krankheitsfälle werden au8 Eibenstock im Erzgebirge gemeldet. Dort sind allein in einer Familie acht Personen erkrankt; sie sind in einem Krankenhaus in Zwickau untergebracht worden. Auch in Schönheide und Schönheider Hammer sind Erkrankungen vorgekommen.

Schlagende Wetter auf der Zeche Püttlingen.

Saarbrücken. Auf dem Mathildenschacht der Zeche Püttlingen" entstand durch schlagende Wetter eine Explosiv«. In dem Schacht befanden sich eine Anzahl Bergleute, von denen acht schwer verletzt wurden.

Zu dem großen Scklagwetterungluck tn dem Ma- thildenschacht werden folgende Einzelheiten gemeldet: Das Unglück ereignete sich auf der neunten Sohle aus ylog Heinrich der Abteilung 2L Im Bereich der Explosion waren neun Berg- leute tätig, von denen acht schwer verletzt wurden. èive> schweben in Lebensgefahr. Der Schlag der Erplosto« ging gegen den Wcttcrstrom. so daß ein größeres Unglück »erbittet wurde. Der Betrieb ist nicht gestört.