Zul-aer ÄnZeiger
Zul»a / eia« 2
91t. 133 Fulda, IS. Juni 1926
Tagung des Icherreichisch-deutschen Bolksbundes.
Frankfurt a. M., 13. Juni. Die diesjährige Bundestagung des Oesterreichifch-deuifche» Volksburrdes wurde am Samstag lidend mit einem Festkommers im Palmengarten eröffnet, auf dem nach einleitenden Begrützungsworten des Vorsitzenden der Frankfurter Ortsgruvpe, F. Langer, im Namen der Äadt Frank- iurt Bürgenneister Gräf und für die. Staatsregierung Polizeipräsident Zimmerman den Bestrebungen des Bundes volle Unterstützung der Behörden zusagten. Die Delegiertenversamm- lung am Sonntag brachte Referate der einzelnen Ausschuß» er - treter. Reg.-Rat Prof. Dr. Brandl sprach über das Unter- itchtswefen in Oesterreich, während der Aufsichtsratsvorsitz ende ist Oesterreich! sch-deutschen Verkehrsbüro A. G., Kommerzialrat Böhm-Berlin, deutsch-österreichische Verkehrsfraaen behandelte und Wege zur intensiveren Erschließung beider Länder aufzeigte. Im Anschluß daran sprach anstelle des verhinderten ReichsgerichtspräfiDenten Dr. Simons Reichsminister a. D. Schisser über „Die Rechtsangleichung Deutschlands und Oesterreichs^.
Zum Schluß gab Reichstagspräsident Loebe in einem hochinteressanten Referat ein Bild von dem gegenwärtigen Stand der Anschlußfra«. Er führte u. a. aus: Die Anschluyfrage hat in den letzten Wochen zweimal in Paris eine Rolle gespielt. Während der Locarnodebatte im Senat wandte sich der Senator Chène-Benoit gegen die Vereinigung Oesterreichs mit Deutschland und nannte sie eine eminente Gefahr, weil Deutschland durch die Annexion Oesterreichs den Krieg gewonnen haben würde. Er meinte, über dem Recht der Nationen stehe das Recht des Völkerbundes. Herr ChLne-Benvit verkennt damit vollständig- den Charakter unserer Bewegung imt» bekämpft untere demokratische, auf dem Selbstbestimmungsrecht der Völker fußende Forderung mit den Argumenten der Vorkriegszeit. Er kann nur in Bataillonen und Regimentern denken, und die sechs Millionen Deutsche, die zum Mutterlande zurückkshren wollen, sind für ihn nicht Menschen mit nationalen und individuellen Rechten, sondern lediglich Soldaten für den nächsten Krieg. Gegenüber diesen Irrwegen stellen wir fest: Auch uns steht über allen nationalen Ambitionen der Friede. Auch wir wissen, daß der Krieg' keine Erfüllung nationaler Forderungen und Wünsche, sondern nur ihre Zerstörung bedeutet. Auch wir wollen die Verträge nicht gewaltsam zerreißen, aber wir beanspruchen die wenigen Rechte, die sie uns noch einräumen. Das Recht des Völkerbundes steht auch über dem Widerspruch Frankreichs gegen den Anschluß. Die freiwillig kommende, zum eigenen Stamm und zur eigenen Nation gehörigen Volksteile ins Mutterland aufzunehmen, ist dagegen dâs ursprünglichste Selbst- bestimmungsrecht, das nicht nur für Franzosen" und Italiener, Polen und Tschechen, sondern auch für die Deutschen gilt. Besonders schmerzvoll aber ist es, was Frankreich aus der Rede des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Dr. Seipel in Paris herauszuhören glaubt. Sein Kernsatz: „Oesterreich droht nicht mit dem Anschluß!" kann je nach der Betonung verschieden ausgelegt werden. Aber Herr Seipel hat doch Wert darauf gelegt, hervorzuheben, daß er falsche Ansichten widerlegen will, die über seinen Berliner Besuch' entstanden sind, und daß man ihn. mit Unrecht als Vorkämpfer des Anschlusses bezeichnet habe. Er sagte in Paris kein Wort über den Willen seines Volkes, über das Ergebnis der Volksabstimmungen, über die machtvollen Kundgebungen für den Anschluß, führte aber aus, daß Oester- auch.MLjciiwn jetzigen woraus
Franzosen schließen sollten, daß es des Anschlusses nicht bedürfe. Dazu haben wir zu erklären: Unsere Hoffnung auf die Vereinigung gründet sich nicht auf Oesterreichs Not, sondern auf den deutschen Willen seiner Einwohner. Unser Anschlußwille war und ist mächtig auch gegenüber einem -gesundenden Oesterreich. (Lebhafter Beifall.) Herr Dr. Seipel hat dankenswerterweise in Paris von der Gleichheit unserer Sprache und Kultur, vom gemeinsamen Schicksal und von der Blutsgemeinschaft gesprochen, aber merkwürdigerweise daran die Mahnung gestrupft, deshalb nicht in französischer Sprache von einem Volk oder einer Nation zu sprechen, sondern nur von einer Rasse. Da frage ich Herrn Dr. Seipel: „Kann er sich einen Franzosen vorstellen, der im gleichen Falle ausführen würde: Wir sprechen eine Sprache und haben eine Kultur, uns bindet ein Schicksal, aber deshalb nennt uns nicht ein Volk oder eine Nation, die zusammengehört? Herr Dr. Seipel mag sich die Antwort darauf selbst geben. Wir beantworten sie anders, als dje, die ihm in Paris zustimmten. Wir erinnern daran: Am Tage der Geburt des österreichischen Staates beschloß die österreichische Nationalversammlung „Deutschösterreich ist ein Bestandteil der deutschen Republik, und fremde Gewalt allein hindert uns heute,
«URHEBER-RECHTSSCHUTZ DURCH VERLAG OSKAR MEISTER WERDAU
(27. Fortsetzung.)
(Nachdruck verboten.)
Erich stand kopfschüttelnd vor der Schwester.
„Na, alteriere dich nur nicht so, Kindchen. Ich will ja mit den beiden Musterknaben nicht anbinden. Nur die Krabbe, die Hanna, reizt mich."
„Hüte dich! Laß sie in Ruh'. Du bist ihrer nicht wert."
„So, warum denn nicht, Schwesterchen?"
„Du bist ein Spieler und Lump. Vater sagt es und er hat recht." Haß klang aus ihren Worten.
Mit wutverzerrter Miene trat er näher ans Bett heran.
„Du! Wag' das nicht noch einmal."
„Schlag doch zu, du--. So ist's recht. Der Vater zwingt um lumpiges Geld feine Brüder von der Heimat fort und dir wirft er das Geld hundertfach in den Rachen. Wahnsinnig könnte ich werden, wenn ich daran denke!"
„Mußt du in die Burschen verliebt fein, Schwesterchen?"
. "8a, ich bin’s. Aber wie ich dir schon sagte, ich begehre nichts! Sollte ich die nicht lieben, die Licht in mein erbärm- nches Leben gebracht haben?"
„Verrücktes Frauenzimmer!"
Hastig verließ er das Krankenzimmer. In seinen Auaen war ein böses Funkeln.
I Und Annette!
Steil aufgerichtet, mit geballten Fäusten, saß sie im Bett. Haß empfand sie gegen den Bruder.
. ^5 sie zum Fenster hinausblickte, sah sie im Garten spie« lenoe Kinder. Da löste sich alles Harte und Starre in ihrem Antlitz.
2Us sie einschlief, verklärte milder Frieden das unschöne Madchengesicht.
tret; 5 ^,°nnn om nächsten Tage Klaus im „Gambrinus" zu hossie, wartete sie vergebens. Sie mürbe unruhig v drüber aufzusuchen. Sie benutzte die Vor- Al« ki?,^ schritt zu Fuß der Wohnung der Brüder zu. klingelte, schlug ihr das Herz stärker.
'grüßt- »Vu1 °!^ke und erkannte Hanna sofort. Sie be- 1 B sie freundlich und bat sie, näherzulreten.
diesen Beschluß durchzufüHren, nicht der Wille des deutschen Volkes selbst." Wir erinnern an die Volksabstimmungen in Tirol und Salzburg, an die gleichen Ereignisse in Steiermark und dem übrigen Oesterreich, an die großen Anschlutzdemonstra- lionen von Linz bis Wien, und wir stellen fest, daß im Norden und Süden unsere großdeutschen Organisationen gewaltigen Zulauf erfahren haben. Der Stand der Anschlutzfrage war erst Totschweigen durch die Gegner, heute aber kann man sie nicht mehr beiseite schieben. Sie erzwingt sich die öffentliche Erörterung in England Frankreich, Amerika und allen anderen Ländern. In dem Grade, als die internationalen Kontrollen für Oesterreich fallen, als Deutschland aus einem leidenden Mitglied der europäischen Völkerfamilie ein mitleitendes Glied wird, rückt der Tag der Erfüllung des großdeutschen Ideals näher."
Den Worten des Reichslagspräsidenten verlieh für die Deutsch-Oesterreicher überzeugenden Ausdruck Staatssekretär a. D. Nationalrat Deutsch-Wien, der ebenfalls scharf gegen die Pariser Rede Seipels Front machte und den unerschütterlichen Glauben der Deulsch-Oesterreicher an den Tag des Anschlusses betonte.
Der Schlußtag der Hauptversammlung des Volksbundes brachte mittags einen Empfang beim Oberbürgermeister im Römer dann eine Autofahrt durch den Taunus und heute abend eine stark besuchte Kundgebung für den Zusammenschluß beider Länder in der Paulskirche. Hier sprach der ehemalige Kanzler Renner Wien zündende Worte über das gemeinsame Groß-Deutschland.
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Das neue Fernsprechkabel Holland—England.
Eine Leistung deutscher Technik.
Die deutsche Fernsprechkabel-Technik ist mit einer sehr bedeutenden Leistung in ausländischen Gewässern aus den Plan getreten. Es ist das jetzt im Auftrage Hollands von Deutschlands gelieferte und verlegte Fernsprech-Seekabel, das Domburg in Holland mit Aldeourgh in England verbindet. Für die deutsche Wirtschaft ist die neue Kabelverbindung ebenfalls
von großer Bedeutung, da dadurch ein ständiger Sprachverkehr zwischen Deutschland und gleichzeitig England möglich' wird. Das Kabel kann gleichzeitig mit 12 Ferngesprächen und sechs Telegrammen belastet werden. 55 Spezialgüterwagen von 15 Meter Länge und 35 Tonnen Ladegewicht haben dieses neue Fernsprech-Seekabel, das 1700 Tonnen Gesamtgewicht und 165 km. Länge hat, vom Carlswerk in Köln-Mühlheim nach Nordenham a.d.W. gebracht, wo es in den neuen deutschen Kabel- dampfer „Neptun" umgeladen wurde.
Unser Bild veranschaulicht die Markierung der neuen gewaltigen Kabelstrecke durch Bojen aus hoher See.
„Er ist krank," sagte sie.
„Wer?" fragte Hanna angstvoll.
„Nun, Herr Werner. Er sah heute Morgen ganz elend aus und liegt jetzt. Herr Klaus pflegt ihn."
Hanna atmete auf. Die Sorge, die sie um den Geliebten erfüllte, wich von ihr.
„Dann will ich nicht stören," sagte sie. „Richten Sie meinen Freunden die herzlichsten Grüße aus und ich ließe Herrn Werner gute Besserung wünschen."
„Wollen Sie schon uckeder ausreißen? Warten Sie doch einen Augenblick. Ich werde Herrn Klaus benachrichtigen, er wird sich sehr freuen, daß Sie da sind."
„Nein, nein," wehrte Hanna hastiq ab. „Es ist nicht nötig." Im Inneren sehnte sie sich aber doch danach, den Geliebten zu sehen, und sei es auch nur einen Augenblick.
Da klopfte es, und Klaus trat ein.
„Ich wußte es doch, daß Sie es find, Hanna. Treten Sie doch einen Augenblick näher. Nehmen Sie uns die Ruhe nicht mit," sagte er herzlich.
Schweigend erfüllte sie feinen Wunsch.
Als sie an feiner Seite in das Wohnzimmer trat, schlug ihr Herz heftiger und doch fühlte sie sich geborgen.
Sie nahm in dem breiten Fenstersessel Platz, Klaus ihr gegenüber.
„Werner schläft. Gott sei Dank, Hanna. Den armen Kerl hat es furchtbar gepackt."
„Es muß furchtbar, grauenhaft fein, Klaus."
„Sicher, Hanna. Ich weiß es nicht, aber ich sehe wie er leidet."
Ihre Augen trafen sich und es war ihnen, als müßten sie nacheinander fassen. Doch Klaus bezwang die Sehnsucht die seiner Seele entstieg.
„Hanna, mir haben uns entschlossen, schon früher zu reisen."
Er sah, wie sie blaß wurde.
„Wann?"
„Am kommenden Montag. Am Sonntag werden mir uns erlauben. Sie zu besuchen, und am nächsten Tag reifen wir."
„Sie kommen zurück, bald. Klaus," bat sie.
Er nickte und faßte ihre Hände.
' „Hanna, mir kommen wieder. Vielleicht, um für Jahre Abschied zu nehmen. Wer weiß es heule?"
„Nein, nein," schrie sie auf.
Das Wort tat Klaus unsäglich wohl und weh zugleich. Aber er schmieg.
Angstvoll wartete Hanna auf eine Antwort. Als diese nicht kam, stand sie auf und trat zu Klau
üüi) und §L^N.
O Deutschland als Fcrienland. Das deutsche Reisebureau in N e w h o r k sandte an die Reichsverkehrs- zenrrale in Berlin auf Anfrage ein Telegramm, in dem es heißt, daß die vielen Meldungen über Putschversuche und Zusammenstöße in Deutschland geeignet seien, Deutschland als Ferienland in Mißkredit zu bringen, zumal wenn die Meldungen sensationell ausgebauscht seien. Die Beamten des Newyorker Verkehrsbureaus müßten täglich über die Zustande in Deutschland Auskunft geben.
O Weber-Hundertjahrfeier in Eutin. In einer fünftägigen Hundertjahrfeier feierte Eutin das Andenken seines größten Sohnes, des „Freischütze-Komponisten LarlMariavonWeber. Den Höhepunkt der Feier bildete die Aufführung der halbvergessenen Kantate „Kamps, und Sieg", die anläßlich des Sieges von Belle-Aklianee komponiert wurde.
O Verhindertes Sittlichkeitsvcrbrcchen. In N i in p t s ch bei Breslau wurde ein Mann verhaftet, der an zwei Mädchen im Alter von neun Jahren ein Sittlichkeitsverbrechen versucht hatte. Ob der Verhaftete, wie vielfach angenom-. men wird, der Breslauer Kindermörder ist, wird die weitere Untersuchung ergeben.
O Autounglülkssälle. Zwischen Espenhain und Grmm in Sachsen geriet ein Chemnitzer Auto bei dem Versuch, ein anderes Auto zu überholen, ins Schleudern und fuhr in den Straßengraben. Eine Frau und drei Kinder wurde i schwer verletzt. — Bei Threna in Sachsen fuhr ein Privatauto in eine Gruppe Schüler hinein. Ein Knabe wurde zu Boden geschleudert und erlht einen Schädel- bruch. — Bei Marbach verunglückte ein Lastkraftwagen der Reichspost. Einer der Mitfahrenden wurde getötet, ein anderer schwer verletzt. — In der Nähe von ?! o r d - stemmen bei Hannover wurde bei einem Autounfall die Schauspielerin ThildeStetten aus Hannover getötet.
O Mit dem Fuhrwerk verunglückt. Das mit zwei Pferden bespannte Fuhrwerk des Gastwirts Rogg aus Birndorf (Amt Waldshut) geriet aus bisher noch unbekannter Ursache in einen Wassergraben. Rogg und seine Ehefrau konnten nur als Leichen geborgen werden. Ein dritter Insasse erlitt erhebliche Verletzungen.
O Vom Propeller enthauptet. Auf dem Flugplatz von Rochefort (Frankreich) ereignete sich ein schwerer Nn- glücksfall. Ein 25 jähriger Fliegerleutnant wollte nach der Landung sein Flugzeug bis zu dem Hangar bringen und warf den Propeller noch einmal an. Er glitt aber auf dem feuchten Boden aus und fiel in den rasenden Propeller hinein. Der Unglückliche wurde b u ch st ä b l i ch geköpft.
O Sieben Opfer eines Raubüberfalls. Nach einer Meldung aus Athen wurde ein Kraftwagen mit 15 Millionen Drachmen, die der Rationalbank von Griechenland gehörten, von Straßenräubern auf dem Wege von Prevesa nach Janina angegriffen. Der Führer des Kraftwagens, drei Schutzleute und drei Bankangestellte wurden erschossen. Die Täter sind entkommen, die Polizei soll ihnen aber aus der Spur sein.
O Deutsche Feier in Chikago. An der Feier des Deutschen Tages auf dem Soldiers Field in Chikago nahmen 50 000 Personen teil. Von den Rednern des Tages wurde die deutsche Mitarbeit am Aufbau Amerikas eingehend gewürdigt. Die deutsche Musterriege wurde stür- miick begrüßt.
Bunte Tageschponik
Berlin. Der frühere stellvertretende Stadtvcrordnetcnvor- steher von Berlin, Wilhelm Gericke, den man wegen seiner Verdienste um den Ausbau des Stadtteiles Moabit Den ungekrönten „Kömg von Moabit" nannte, ist den Verletzungen, die er bei einem Straßenbahnunfall erlitten hatte, erlegen.
Berlin. In einer hiesigen Gastwirtschaft wurde ein betrunkener Kutscher vom Wirt erschossen. Der Gastwirt behauptet, in der Notwehr gehandelt zu haben.
Sagan. Ein Boot, in dem zwei junge Leute über Den Bober zu fahren suchten, kenterte in den Wellen. Beide Insassen des Bootes ertranken.
München. Gegen Die seit einigen Tagen flüchtigen Landtagsabgeordneten Schlaffer und Götz ist voin Oberreichsanwalt Haftbefehl erlassen worden.
Rastatt. Zwischen Rastatt und Baden-Oos sind die beiden letzten Wagen des Berlin—Baseler Schnellzuges entgleist. Personen sind nicht zu Schaden getomnien.
Essen. Auf Schacht 2 Der Zeche Langeubrahm stieß ein niedergehender Förderkorb auf den Schachtgrund auf. Drei Veraleute wurden leicht verletzt.
„Können Sie das? So auf Jahre fortgehen, — daß mir uns nicht mehr sehen?" j
Klaus atmete schwer. Am liebsten hätte er sie in feine Arme genommen und ihr unter Lachen und Küssen gesagt: „Ncin, nein, ich will immer bei dir bleiben.“
2(ber es ging ja nicht. Noch durfte er feine Hände nicht nach dem Menschenkinde ausstrecken, das jung schön ganz erfüllt von inniger Liebe vor ihm stand. Denn vor ibm lag noch die ganze Ungewißheit des Lebens.
„Können Sie es, Klaus?" wiederholte Hanna mit zitterns der Stimme. ।
»Wenn es sein muß, Hanna, dann kann ein rechter Mann alles.
Da wandte sich Hanna von ihm ab und trat ans Fenster.' Sie Tränen liefen ihr über die Wangen, und der Geliebte sollte nicht sehen, daß sie meinte.
„Hanna! Es wird alles gut und recht werden. Das Leben liegt vor uns, und mir müssen an das Leben glauben.
Da wandte sie ihm ihr Antlitz wieder zu. und aus ihren feuchten Augen brach ein helles Licht. Der unbesiegbare Glaube der Jugend. - -
„Es wird schon alles recht werden!"
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Werner war längst wieder gesund, aber sein Wesen hatte' sich sehr verändert.
Herb und ernst sah er in die Welt. Oft ging er ruhelos mit gequälter Miene stundenlang im Zimmer auf und ab.
Er hatte noch nicht überwunden, und Frau Monas Briefe taten das Ihrige, daß die Wunde nicht vernarbte.
Ungeöffnet lagen sie auf feinem Schreibtisch. Der feinet Helwtropduft schien alle köstlichen Erinnerungen wieder er» stehen zu lassen.
• °’ du Weste der Frauen! Du, die mich verriet. Die einen Michael neben dem Manne zum Geliebten haben wollte.
Ungeöffnet lagen die Briefe, und doch zuckte es in seinen Fingern, sie zu öffnen. Aber er wagte es nicht. Eine un» geheure Scham vor sich und dem Bruder wehrte es ihm.
Jeden Tag wartete er auf den Briefträger, und selige Freude und Qual erfüllte ihn, wenn er einen der schmalen Briefe in der Hand hielt.
Und doch — er ließ sie ungelesen.
Klaus sah das Weh, dos der Bruder trug.
„So geh das nicht weiter, Werner!" sagte er eines Zages zu dem Bruder.
Der zuckte zusammen und sah ihn mit angstooll-trotzigerzi Augen an. (Forljetzung folgt.1