Die Wugegend in historischer Beziehung.
Vier Vorträge, gehalten im Rhönclub zu Fulda
von
Dr. Iustus Schneider, weiland Geheimer Sanitätsrat in Fulda und Präsident des Rhönklubs.
13. Fortsetzung.
Das Gefecht bei Hammelburg begann vomittigs 10 Ahr, nachdem bereits Avantgarden der Division Beyer bei Neuwirthshaus auf feindliche Kavallerie-Patrouillen gestoßen war, bei Unter-Erthal, wo eine bayrische Kolonne Infanterie von der preußischen Vierpfünderbatterie Schmitz so wirksam beschossen wurde, daß sie sich auf Hammelburg zurückzog, ebenso wie zwei bayrische Geschütze, welche jenseits des Thulbabaches postiert waren. General Schachtmeyer überschritt dann die verbarrikadierte Thulbabrllcke bei Unter-Erthal, wo er ein Bataillon zurückließ, bis das Eros der Division aufmarschiert war. Bayrische Schützen, die sich entgegenstellten, wurden vertrieben und eine Batterie westlich der Chaussee, gegen 1600 Schritte vor Hammelburg aufgestellt, deren Feuer ein vor der Stadt aufgestelltes Kavallerieregiment und eine Abteilung Infanterie veranlaßte, durch Hammelburg zurückzugehen. Zwei andere Geschütze vertrieben ein gegen Diebach zu stehendes Kavallerie-Regiment, dessen Verfolgung preußische Kavallerie übernahm, die aber die Thulba nicht passieren konnte. Indessen hatten die Bayern auf den Anhöhen südöstlich von Schloß Eaaleck eine Batterie aufgepflanzt, welche das Feuer der preußischen Artillerie erwiderte, jedoch bei der großen Distanz ohne Erfolg. Auch unterhielten die Bayern von der Lisière von Hammelburg und von den Höhen des Herolds- und Offenthaler Berges ein lebhaftes Geschütz- feuer, welches von dem Füsilier-Regiment Nr. 39 erwidert wurde, dessen Leute in den Weinbergen und Chausseegräben Deckung suchten. Dem General von Schachtmeyer wurde zuerst ein Pferd unter dem Leibe erschossen, dann erhielt er selbst eine Wunde an der rechten Hand. Auf dem rechten preußischen Flügel war unterdessen noch mehr Artillerie angenommen, auch hatten die Bayern bei dem Franziskanerkloster unter Eaaleck noch eine halbe 12-pfiin- dige Batterie aufgestellt. Da das Eros der Division mittlerweile angekommen war, befahl der selbst anwesende General Vogel von Falkenstein Sturm. Die rechte Flanke der Bayern auf dem Offenthaler Berg wurde zuerst von General von Elümmer angegriffen und das denselben besetzt haltende Bataillon vertrieben; die Lisière wurde im ersten Anlauf erstürmt. Die Bayern räumten die schon brennende Stadt, welche sie mit nur einer Brigade und 11 Geschützen lange genug gehalten hatten. Um 3 Uhr Nachmittags wurde Hammelburg von der Division Beyer besetzt, der Brand wurde durch preußische Truppen gelöscht, da sich fast sämtliche Bewohner entfernt hatten. Die Verluste betrugen bei den Bayern 100 Mann, darunter 10 Tote, bei den Preußen 82 Mann, darunter 10 Tote.
Die Gefechte bei Kissingen fanden an demselben Tage statt. General von Soeben erhielt hinter Waldfenster die Mitteilung, daß Kissingen stark von Bayern besetzt sei. Er ließ deshalb die Brigade Kummer über Schlimphöf und Albertshausen nach Garitz marschieren. Dieser folgte die Brigade Wrangel und die Reserve unter Generalmajor von Treskow. Zwei Bataillone unter Oberst von der Goltz marschierten über Claushof nach der Saline. Die Avantgarde von Kummer erreichte gegen 10 Uhr Garitz. Schwa
che, dort ausgestellte bayrische Streitkräfte zogen sich auf Kissingen zurück. Zwei bayrische Batterien eröffneten von einer nordöstlich von Kissingen gelegenen Anhöhe, dem Sinnberge, aus das Feuer, welches preußische Artillerie von einer Höhe nördlich von Garitz (Staffelsberg) erwiderte. Das 53. Regiment und 2 Bataillone des 13. gingen gegen die auf dem rechten Saale-Ufer gelegene Borstadt Kissin- gens vor und setzten sich im ersten Anlaufe in deren Besitz, während der Feind sich fechtend über die Brücke zuruckzog. Die steinerne Brücke war verbarrikadiert und durch 2 Geschütze verteidigt, die Holzbriicke oberhalb und der Belag des eisernen Steges bei dem Kurgarten abgebrochen. Es war also hier nicht möglich, über die Saale zu kommen und wurde vorerst ein lebhaftes Schützenfeuer von beiden Seiten unterhalten. Da wurde unterhalb Kif- singens vor der Lindlesmühle ein Steg entdeckt, dessen Belag zwar abgenommen, dessen Balkenlage und Geländer aber unbegreiflicherweise belassen war. Hauptmann von dem Busche führte seine Compagnie im Laufschritt hinab und kletterte als der Erste hinüber. Ihm folgten langsam die Compagnie und, nachdem von den Pionieren der Belag des Steges notdürftig hergestellt worden war, auch das ganze Bataillon. General von Wrangel dirigierte dann noch mehr Truppen hinüber.
Bald hatten auch die Bayern den Uebergang bemerkt und dirigierten Truppen vom Stationsberge und um die Winterleite dorthin. Die preußischen Truppen formierten sich in zwei Halbbataillone an der Schweinfurter Chaussee und in dem Gehölz unter der Bodenlaube und rückten unter dem Schutz dichter Tirailleurschwärme zum Angriff gegen den südlichen Ausgang von Kissingen vor. Ein Zug des Bataillons war auf der Bodenlaube zurückgeblieben und vertrieb von dort aus eine bayrische Infanterie-Abteilung, die von Reiterswiesen herankam. Nachdem nun die genannten Truppen in den südlichen Teil der Stadt eingedrungen waren, folgten über den eisernen Steg am Kurgarten und Uber die Barrikade der großen Chausseebrücke auch die übrigen Truppen und es gelang nach einem erbitterten Straßenkampfe, die Bayern gänzlich aus der Stadt Kissingen hinauszutreiben. Die bayerische Artillerie war ebenfalls durch die preußischen Geschütze genötigt worden, weiter rückwärts Stellung zu nehmen. Gegen 1 Uhr Mittags war Kissingen vollständig in den Händen der Preußen. Die Bayern hatten sich aber auf beiden Seiten der Straße nach Nüdlingen festgesetzt und sich auf dem erhöht liegenden, mit Mauern umgebenen Kirchhofe zur Verteidigung eingerichtet. Dort entspann sich noch ein sehr hartnäckiger Kampf und erst als die Besatzung des Kirchhofes durch die vom Stationsberge herabkommenden Schützen in Gefahr war, abgeschnitten zu werden, suchte sich dieselbe mit dem Bajonnet Bahn zu machen und kam mit schwerem Verlust durch die fast völlig das Terrain umfassenden Preußen hindurch. Noch einmal wagten die Bayern, durch Kavallerie unterstützt, einen Vorstoß, wurden aber endlich bis Winkels zurückgetrie- ben. Ihre Batterien richteten jetzt ihr Feuer gegen die Stadt. Es sollten deshalb von den Preußen die Höhen gegen Nüdlingen hin genommen werden. General von Soeben dirigierte das 19. Regiment zur Verstärkung herbei und Kummer ging gegen die Höhen von Winkels vor, während die Brigade Wrangel über die Winterleite gegen Nüdlingen marschierte. Die Bayern wurden von sämtlichen Höhen vertrieben und blieben in Nüdlingen. Leutnant von Papen vom preußischen Regiment Nr. 55, welcher mit ungefähr 20 Mann eine bayrische Batterie
nehmen wollte, geriet in Gefangenschaft. Ein bayrisch-« 12-pfllndiges Geschütz wurde von Hauptmann von lunxen genommen. Gegen 4 Uhr Nachmittags mußten Bayern auch Nüdlingen räumen.
(Schluß folgt.)
Vermischtes.
Gesundheitspflege der Nieren und Harnorgane, von Vrf Richter. 111 Seiten. Preis gebunden 1.85 X Mar Vertag, Berlin W 15. — In mustergilti«r Weise hat der Amer Specialist feine Aufgabe gelöst. Nach! einer kurzen «no tomischen Einleitung gibt er eine allgemeine Darstellung, sj Hygiene der Nieren und Harnorgane. Viele NierenkranWeiten entwickeln sich langsam, die Anfangserfcheinungen bleiben unbe achtet und ärztliche Hilfe roi* vielfach nicht rechtzeitig, ost ™ spät angerufen. In ausführlichen! Kapiteln werden die Erfchei nungen bei Erkrankungen der Nieren und Blase besprochen diè einzelnen Ursachen und Formen der Nierenkrankheiten bebon, belt. Zum Schluß gibt der Verfasser zahlreiche Ratschläge als Frucht l^angfähriger Erfahrungen. Viele Abbildungen unterstützen die klaren! Ausführungen. Da erwiesenermaßen die Erkrankungen der Nieren« u. Harnargane seit dem Kriege eine un- gewönhiichd Steigerung erfahren haben, kommt das Buch wie gerufen und wird bei weiter Verbreitung viel Segen stiften
— Der „italienische" Andreas Hofer. Der Sandwirt Andreas Hofer, der als Führer Tiroler Freischärler gegen die Franzosen kämpfte und dann „zu Mantua in Banden lag", stammte aus dem Wirtshause Am Sand zu St. Leonhard im Passeiertale. Von Meran aus kann man bequem dorthin pilgern. Daß er von tirolischen Eltern stammt und nur Tiroler oder schlechthin Deutsche unter seinen Vorfahren hatte, ist mehrfach nachgewiesen und fogllr wissenschaftlich erhärtet worden. Nun kommt plötzlich M italienischer Senator und erklärt, daß Hofer ein echt« Italiener gewesen sei. In einer Senatsrede führte du Herr folgendes aus: „Die Geschichte Tirols hat durch vier« Jahrhunderte die Kämpfe mit den Bayern zu verzeichnen, und Andreas Hofer ist das Symbol eines antideutschen Helden. Er stammt aus jenem Meraner Geschlecht, dos für die lateinische Kultur gewonnen wurde. Ein Jahrhundert österreichischer Herrschaft hat diese Kultur auszu- löschen gesucht, aber eine italienische Politik der Festigkeit und der Gerechtigkeit wird sie wieder erwecken...." Man braucht dem Jünger Mussolinis nicht erst umständlich zu beweisen, daß Hofer ein Tiroler war; in jedem Lexikon findet er das Nötige hierüber. Aber wenn er Hofer das „Symbol eines antideutschen Helden" nennt, so fälscht er bewußt Geschichte. Wahrscheinlich werden die Faschisten demnächst alles Land, wo einmal römische Legionen gestanden haben, für italienisch erklären.
— Wie sieht es am Nordpol aus? Amundsen und Ellsworth veröffentlichen jetzt in ausländischen Blättern einen eingehenden Bericht über ihren diesjährigen Nord- polflug und kommen in der Frage, ob am Nordpol neues Land zu finden fei, zu folgenden Ergebnissen: Zwischen dem Nordpol und dem Point Barrow liegt lein, Land. Auch die Vermutung, daß nördlich der Wrangel-Insel eine weitere große Insel läge, trifft nicht zu. Zwischen Spitz- bergen und Alaska liegt ein einziges, mit dichter Eisschicht bedecktes Meer. Aus den weiteren Veröffentlichungen ist ersichtlich, daß Amundsen den Nachweis, daß das Polarbecken für die Einrichtung eines Flugverkehrs keine meteorologischen Hindernisse bietet, für erbracht hält.
Spitzen, Hoßlsäum
Stickereit
mittagsgarderobs der eleganten Frau und ist auch für solche, die nicht so exklusiv in ihrer Kleidung sein können, nicht so unpraktisch, wie viele im ersten Augenblick glauben, denn es ist zugleich ein entzückendes Theater- und kleines Abendkleid. Sehr hübsch ist statt des rundherum eingereihten Rockes der vorn und seitlich über dem gleichfarbenen Georgetteunterkleid geschlitzte Spitzenrock. Der mit Spitzen umhüllte Arm ist eine anmutige Abwechslung nach der allgemeinen Aermellosigkeit, zu ver-
aus
bene Spitzenkleid mit langen Aermeln, dem schmalen gebundenen Hüftgürtel und dem leicht eingereihten Rock gehört heute zur Nach-
saume un J seide —
werden sommerliCh durCh CDurckLruckarLod
K 3139. Sommerliches Abendkleid aus Spitze. Blonder Spitzenstoss ist ms. Wll einaefastt, in ärmelloser Dolerosorm verarbeitet. Breite hell- grüne Seidenschcirpe und helles Unterkleid.
K 3135. Helles «leid mit Blenden, borbare.
Weitze Waschseide mit breiter Dor» büre aus hellgrauen und blauen Streifen ist zu einem einfachen Kleid mit kleinem Plastron verarbeitet.
K 3136. «leid mit 8o*fiüe«iM8c” Helles Fouleetuch ist teils «l°» teils in Lochsticker« -u-geschl<-S°n zusammen verarbeitet. ™ Schulter und am Gurt«
Smoknäherei emgezogen.
K 3134. Sommerkleid mit Hohlnähten.
Mattrosa Crèpc de Chine ist In ganz schlichter gerader Form gearbeitet. Als einzigen Aufputz hat das Kleid breite handgearbeitete Hohlnähte.
K 31W. Nachmittagskleid ane Spipe. Ueber einem Unterkleid aus za, .- grünem Crepe Georgette ist in d!'. selben Farbe eingefärbte Seiden- spitze zu einem einfachen Äletb oc < arbeitet
frappierende Einfachheit il rer Machart. Das pastellfar-
; Fu -er zarte Hauch der Sommer- Heiber ist auch mit dem leichtesten Stoff allein nicht zu erzielen, wenn nicht irgendeine besondere Nuance, ein anmutiges Detail, eine filigranhafte Zierlichkeit den letzten Duft ausmacht. Meist ist es die Spitze, die diesen Beruf erfüllt, denn sie ist das leichteste, graziöseste Material schlechthin. Zart und lieblich umspielt sie wippende Röckchen, schreitende Hüften, ein Heben der Hände, ein Neigen des Halses. In diesem Jahr näht man sie schmal, schmäler, am schmälsten, auf Tüll, in Bogen, in Zacken oder gerade, und verarbeitet sie als kleine Kragen, Plastrons, Rocksäume, zwischengesetzte Streifen, Manschetten, Aermel- puffen. Nicht ganz neu, aber noch nie so in Mode wie in diesem Jahr ist der Spitzenstoff. Man taun ihn in allen Breiten und beinahe allen zarten Farbtönen kaufen und verarbeitet chn zusammen mit Cr'pe Georgette in derselben Fari-e. Die Muster sind den belgischen und französischen Spitzen nachgeahmt. Die modernen Spitzenkleider unterscheiden sich von ihren Vorgängern einmal — und am meisten in die Augen springend — durch ihre Farbigkeit, dann durch das se dige und unendlich weiche und schmiegsame Material, und endlich durch die oft
gleichen ist er in Wirkung mit dem seidenen Strumpf.
Anspruchsvoller wirkt das Abendkleid aus Spitze mit zipflig verarbeitetem Rock und loser ärmelloser Bolerojacke, doch der größere Stil beschränkt die Möglichkeiten ! des Tragens. Hohlsäume, Blendenbordüren, Lochstickereiarbeit sind andere Details, die - dem Hochsommerkleid den zarten Hauch geben. Der handgearbeitete Hohlsaum wirkt besonders am waschseidenen Kleid sehr duftig, aber auch Boile und Chiffon arbeitet man mit breiten Hohlsäumen, die entweder echt sind, d. h. durch Ausziehen der Stoff- fäden hergestellt werden, oder unechte, d. h. Stäbchenhohlnähte sind, die sich nicht nach der Fadenlage des Stoffes richten müssen und in Bogen und Zacken verlaufen können.
Durchbruchstickereien hat man gern an den dünnen Hellen Wollstoffen, die man im Sommer trägt, weil durch ihre Durchsichtigkeit auch schwere Stoffe leichteren sommerlichen Charakter bekommen. Auch festonierte Bogen, unregelmäßige Rock- säume, breite Schleifengürtel geben den Kleidern eine beschwingte Rote und die freudige Stimmung der Sommertage. Dr. Heddy Undank
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