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O UiifCk StegsrwaldS. Miiiisierpräfidon! h. T. Siegcr- Wald verletzte sich auf der Fahrt nach Trier beim. Um« steigen in Troisdorf am linken Bein und erlitt, wie nach« her durch Röntgenaufnahme fc st gest eilt nuude, einen Btui- ergnh ins Knie, Er hat das Krankenhaus der Barmherzi- gen Brüder in Trier au-gesucht, tvo er sich aus ärztliche .Anordnung einige Tage schonen muß.

O Schwere Bluttat aus Eifersucht. I» der Nähe deS Bahnhofes Holten geriet ein Arbeiter mit zwei jungen Leuten, die einige Worte mit seiner Braut gewechselt hatten, in Streit, Ter eifersüchtige Bräur-gam zog sein Taschenmesser und stach einen seiner Gegner in Brust und Rücken, den anderen in den Kopf. Beide wurden schwer verletzt nach dem Krankenhaus gebracht. Ter Täter konnte sofort Verhaftet werden.

O Vatermörder. In dem Orte Worfle s bei Kronach in Oberfranken wurde der 37jährige Landwirt Schedel tot und Verstümmelt au fgefunden. Ais Mörder wurden seine Söhne Georg und Haus verhaftet, die, wie es heißt, mit Hilfe der Mutter den Barer mugebrow:, die Leiche in einen Korb gepackt und dann fortgeswaffi haben.

C Eine 5rode englische Fabrik durch Feuer zerstört. Die ausgedehnten Gebäude der Fabrik E osmin «. Sohn mit ihren Holzvorratrn und Maschinen in Blundellsands wur­den von einer Feuersbrunst zerstört. Die ganze Um« gebung in einem ilmkreiS von vielen Kilomeiern war V o n d e n F l a in m e n e r hell t. Das Feuer bedrohte den benachbarten Bahnhof, der jedoch geschützt werde« konnte.

O DHnamitcxplvsion in Schweden. Beim Pressen von Tttnamit in Grängesberg ereignete sich eine Explosion, bei der sechs Personen, ein Mann und fünf Frauen, ge­tötet wurden. Zwölf Personen wurden verletzt. Der Grund des Unglücks ist noch nicht bekannt.

0 König Haakon von Norwegen von einem Hunde ge­bissen. König Haakon, der mit den beiden Zwergwind­hunden der Königin spazicrenging, wurde beim Angriff einer Buudogge auf die beiden Hunde in den Arm ge­bissen. Es bat den Anschein, daß der König eine nicht unbedeutende Verletzung erlitten hat.

O Eine russische Stadt in Flammen. Tie Stadt Koielyrtsch im Gouverncurcut Wsatta, die zum großen Töü aus Holzhäuser« bestebl, stxhi seit drei Tagen in Flaiumen. Alle stüdiischen Gebäude sind bereits ab­gebrannt. Ter angon^r'ßt?. Schaden belSuft sich auf Mil­lionen. Iber 700 Menschen sind obdachlos.. Tie Zahl der Opfer an Menschenleben ist noch nicht scstgestellt.

Bunte Tageschronik.

Dresden. Der Rcicbsvcrbaud der deutschen Fachzeit» schriftenverlegcr hält am 28. Juni seine diesjährige Mit- gUcderversammlmm in Dresden ab.

Rom. Der Papst, der erst kürzlich der Päpstlichen Aka­demie der Wissenschaften zur Förderung ihrer Bestrebungen 400 000 Lire geschenkt hatte, hat ihr wiederum 900 000 Lire überwiesen.

s Kairo. Eine Feuersbrunst zerstörte ein Dorf in der Pro­vinz Taka bl ich. 15 Personen wurden getötet und 30 verletzt. Viele Familien sind obdachlos.

Rcwyork. Das Rotorschiff „Baden-Baden" ist nach Phila­delphia abgegaugen, wo es au der Ausstellung zur 600-Jahr- Feicr teiluehmcu wird.

- Shranton. In einem in der Nähe gelegenen Anthrazit- kohlenbergwerk ist ein Grubenbrand ausgebrochen, durch den etwa 50 bis 80 Bergleute im Innern des Bergwerks vom Musgang abgcschnitten worden sind.

Tcsreczi«. Zu dem Prozeß gegen die Söhne des Wun- berrabhis.in OlaSz Liszka wegen B e r b r e i tu ng.falsch e r M i l l i o u c -rk r o u c n u o t e n wurde das Urteil gefällt. Friedrich Friedländer wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und io Millionen Kronen Geldstrafe, Salomon Friedländer zu 2 Jahren G Monaten Zuchthaus und 10 Mill. Kronen Geld­strafe verurteilt; anhsrdenc wurde gegen beide auf Amtsver- lrist für sechs Fabre und Aufhebung der politischen Rechte er­kannt. Tèsider (iini wurde wegen Vorschub le iftmig zu einer. Million Kronen Geldstrafe und einem Jahr Amisverlust ver­urteilt. Zwei weitere Angeklagte wurden sreigesprochen.

^Schützet den Wald vor Feuersgefahr l"

Aus 'vem . èrEsfa«s.

?> Verurteilung wegen Vrichhnpslnlg der Republik. In Breslau batte sich der 23 jährige Schtifileiter Ernst Grosse wegen Beschimpsuiig der Olcpuhlit zu verantworten. Der An­geklagte war mit seinen Freunden in ein politisches Gespräch verwictclt. Bald stellte sich Grosse in einen größeren Zuhörer- kreis und hielt eine politische Ansprache. In dieser Ansprache kritisierte er das Verhalten der Regicrungsmitglieder und behauptete, „bie Republik fei ein auf Feigheit unv Verrät nufgeüautes Staatsgebilde". Die Regierung fei eine »Räuber­bande, denn sie habe das deutsche Volk ausgeraubt uud be« trogen". Das Gericht hielt eine G e s ü n g u i s st rase von s r cb s M o u a t e u für am Platze und lehnte eine Bewilligung der BZvährüngsfrist ab.

Zeitgemäße Befrachtungen«

(Nachdruck verboten.)

Rückblick aus den Mai.

Das war der schöne Monat Hiai, — von dem wir viel erharrten, — er ließ gedeih'» jo vielerlei — zumal in Flur und Garten. — Er brachte uns die Blumen-Zier — im bunten Schöpfungsdrange, noch ist er Herrscher im Re­vier, — doch leider nicht mehr lange.---

Es ist der Mai zu jeder Zeit — sich konsequent geblie­ben. — er gab der Flur ein buntes Kleid — und bunt hat er's getrieben, — er liebte nicht des Friedens Ruh, — er rief die Geister munter, — und auf der Welt ging's streit­bar zu, — und bunter stets und bunter.---

Sehr kritisch war für uns der Mai — gleich an dem ersten Tage, — Regierungswechsel und derlei — stand wiederum in Frage, — doch hat sich noch mit gutem Glück — das Eabinet gehalten, — nur Doktor Luther trat zurück, — das Andre blieb beim Alten!---

Nun geht es wieder wie zuvor — wir leben möglichst friedlich, — nur nebenan im „Corridor" — ist's etwas ungemütlich, — in Polen streiten die Partei'» — jetzt heiß um die Regierung, — Pilfudski griff energisch ein — und übernahm die Führung. ——- —

Ein Volk aus dem die Einheit wich, — ruht sicher nicht auf Rosen, — schon bildeten zwei Lager sich: — Hie War­schau und hie Posen! — Wer immer auch der Sieger sei, — schwer wird die Wunde heilen, — die Polen sind aufs neu dabei, — sich wieder mal zu „teilen“. —---

Sonst ist der schöne Monat Mai — beliebt in allen Kreisen, — daß er ein Freund des Friedens sei, — will er zum Schlug beweisen. — Druin zieht er auch die Conse­quenz — es ist in diesen Wochen, — von einer Abrüstungs- Konfrenz, — noch mehr wie je gesprochen.---

Doch ob sich rings der Völkerbund — mit solcher Ab­sicht brüstet, — bis jetzt hat auf dem Erdenrund — nur Deutschland abgerüstet, —• und dabei bleibts wohl noch bestehn, — man wird in Zukunft weiter — noch oft zu Kon­ferenzen geh» — wie einst im Mai. ErnstHeiter.

Börse und Handel.

Frankfurter Börse vom 28. Mai. Nach den Kursrückgängen der lehren Tage setzte heute eine lebhafte Anfwärtsbewegung ein, bei bei Farbenindustriewerte mit einem Anfanqsgewinn von 5 Proz. die Führung übernahm; später stieg der Kursstand auf 183.5 (insgesamt + 8, Proz.). Metallbankwerte dagegen lagen matt, nur SHeideanflail war begehrt und holte um 3 Proz. auf. Nicht minder lebhaft gestaltete sich das Geschäft auf dem Elektromarkt, dessen Werte gleichfalls gut aufholten. Auf dem Montanniarkti verkehrten westliche Werte uneinheitlich; Eelsenkirchen. find gesucht. Von Autowerken gaben Ablerwerke nach, Daimler sind behauptet. Zuckerwerte bröckelten weiterhin ab. Ebenso gaben auch Schifsahrtswertc etwas nach. Bank­werte hatten nnemheitllchès Geschäft. Dannstädter Bank und Diskonts Commandit-Eef. verzeichneten lebhafte Umsätze bei fehrZefter Haltung. Deutsche Renten verkehrten matter; Kriegs­anleihen gingen von 380 auf 367.5 zurück. Von Auslandsren­ten stehen Mexikaner in unverändert scharfer Nachfrage. Auch die Äiachbörfe bewahrte bei lebhafter Geschäftstätigkeit die feste Haltung.. Die Börse schloß angeregt. — Die Stimmung der Abendborfe war recht fest. Farbenaktien gewannen wei­tere vier Prozent und stiegen bis auf 186. Auch die Metall-

banTgruppe lag gut erholt Clekiromerie verkehrt' •

ganz einheitlich, hatten aber immerhin noch Liu* im« Der Dankaktienmarkt hatte lebhafte Umsätze bei La ^Wmt holten Kursen. Montanwerte gewannen verein^,.. ^ M übrigen Märkte verkehrten still. Es wurden XL8“1' Dl- merz- u. Privatbank 107.25, Diskontogesellschast Coin- industrie 185, Rütgers 79, A.C.G. 121.5, Schricker» « ä°rbe^ bürget 108, Gelsenkirchen 112, Mannesman^ inop ^lem- 83.25, Holzmann 65.25, Rheinstahl 111.5, KriegsanleiA oWnii

Frankfurter Getreidebörse vom 28. Mai ™ °' ' zahlt für je 100 Kilo: Weizen 29.75—30.25, Kotigen m- en le, Gerste 22-24, Hafer 21.5-23, Mais 17.75-18

42.2.1—42.75, Roggenmehl 28.5—29, Weizenkleie' g^^kh^ genkleie 11. Tendenz: ruhig. -^. ^,

Amtliche Berliner Notierungen vom 28. Mgj

* Börsenbericht. Da von feiten des Publikums 1 Auslandes nicht unerhebliche Kaufaufträge borfaac-t Tendenz aus der ganzen Linie fest, verschiedentlich Kurserhohmcheii von 4 % zu verzeichnen. Im Gea-n?i den Vortagen erstreckte sich diesmal die feste Tender,' ziemlich alle Marktgebiete, nur inländische Anleiben etwas vernachlässigt. Tic günstige Lage des ©elbmar'L^ unverändert an.

* Devisenbörse. Dollar 4,19—4,21; enaL 20,40—20,45; b o 1 L Gulden 168,57—168,99; San? i bis 81,12; franz. Frau 1^3,45—13,49: bela. i-tq^ Ss sch wc i z. 81,17—81,37;. Italien 15,62—15(66;*^* » r o n c 112,26-112,54; b ä n. 110,21—110,49; n o r biS 91,51; tschech. 12,42—12,46; öfterr. Schilkina bis 59,41; pol n, Z l o ty (nicht amtlich) 36,40—36,60. J

* Produktenbörse. Der scharfe Preissturz in Amerlt- ( fiter für Merzen nur geringen Einfluß geübt, weil i» ? laude der laufende Bedarf verhältnismäßig hohe Pkrii-^' greifbare Ware bezahlt und auch hier für auslatâ- a Ware Reflektanten im Markt bleiben. Per Mai imuen^ Andiènunge» von gemischtem unb kontraktlich bekund""' Anslandswcizcn erfolgt, die Ausnahme fanden. Die n ^ derungen Waren ermäßigt, doch übten sie im Zeitgeschäft auf Hintere Monate Einfluß. Von Roggen haben sich d-S Ice-erangen per Mai fortgesetzt, fanden aber wieder ° und drückten nicht. Das Angebot vom Inlands war N reichlicher und williger. Mais blieb behauptet, weitere abgeschwächt. Gerste ruhig. Hafer nur Wenig schwächer Mehl waren Käufer vorsichtiger. ' '

Getreide und Olsaaicu per 1000 Kilogramm, sonst per inn mu

grantnt in Reichsmark: h

28. 5.

27. 5.

1 28. 5

27 5

Welz., mâr'.

—

—

Weizkl.s.Brl. io.5

lös

pommersch.

—

—

Rogkl. s.Brl. 11,5-116

11 5.118

Rogg., mark.

177-182

178-183

Raps —

Pommersch.

—

—

Leinsaat —

weftprcuB.

—

—

Vikt.°Erbsen 33-44

33-43

Braugerste

187-200

187-200

kl.Speiseerbs. 26-30

25-26

Futtergerste

.169-182

169-182

Futtererbsen | 20-25

20-25

Hafer, märk.

197-208

197-208

Peluschken i 20-24

20-a

pommersch.

—

—

Nckerbohnen 22-24

22-2;

weftpreuB.

w

—

Wicken 1 28-32

28-31

Weizenmehl

Lupin., blaue 12-13,5

1253

p. 100 kg fr.

Lupin., gelbe 15.5-17,5

'SM

Bln.br.inkl.

Seradella ; 39-45

by-i)

Sack (feinst.

Rapskuchen 13.8-14,0

13.6-1.^

Mrk.il. Not.

36,7-39,5

37 39,7

Leinkuchen j 17,8-18

17,5-118

Roggenmehl

Trockenschtzl. 9.9-10,3

9.9401

p.lOO kg fr.

Svva-Schrot 19.0-19,2 19046!

Beiliw br.

Torfml.30/7tÜ -

tritt Sack

25,2-26.5

25 2-26 7

Kartoffelsick, i 17.8-18

17,7-17,9

* Magervichhof in Friedrichsfelde. Rindermar't: AmM 649 Strick Rindvieh, 146 Kälber, 645 Milchkühe, 2 2 Stück Jungvieh. Verlauf des Marktes: Langsam, greife nicht verändert. Es wurden gezahlt für: A. Milchkühe i» hochtragende Kühe: 1. Qualität 450—550 M„ 2. Dualität 300 bis 400 M., 3. Qualität 250—300 M. B. Ausgesuchte KüheSda Notiz. C. Tragende Färsen: 1. Qualität 270—420 M,2 Qiw< tät 200—270 M. per Stück; ausgesuchte Färsen

I). Jungvieh zur Mast: Bullen, Stiere, Färsen 35—39 SUto , Zentner Lebendgewicht. 17 Pferdemarkt: Ausgesuchte Pchm über Notiz: Pferde 1. Klasse 900—1200 M., 2. Klasie«« 900 M„ 3. Klasse 300—600 M., 4. Klasse 50—300 M. RHgs Geschäft, unveränderte Preise.

* Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 26. Mai IS Die auf den Stichtag des 26. Mai berechnete GroßhanSS indexziffer des Statistischen Reichsamts blieb mit 123,2 gegk» über der Vorwoche fast u nber ä ttb ert. Von den banp gruppen haben die Agrarerzeugnisse um 0,3 % auf 122,9 w gezogen, während die Jndustriestoffe um 0,2 % auf W zurückgegangen sind.

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Die Rose vom Haff.

Ein Sofrâman von Tmtle Erhard (Baronin o. Warburg).

38) (Nachdruck verboten.)

Auf dem Rückwege zum Schloß sprach der Prinz mit dem Adjutanten kein Wort, änderte dann einiges an der Toilette und empfing in dem gemeinschaftlichen Vorzimmer seine Gemahlin, mit der er eine zweite, schweigsame Fahrt zurücklegte.

Als bann Prinzetz Amalie vor dem Eintritt in dis Gefellschaftsräume, von ihrem Hofstaat umringt, sich ihres Umgangs entledigt, da frappierte ihn auch die äußere Er­scheinung der Prinzessin.

Es war nicht nur die kleidsame Toilette von Madame Laure aus Paris, auch nicht die künstlerische Frisur allein, die eine Veränderung ihrer ganzen Erscheinung bewirkten, es war noch etwas andres, wie er unklar empfand.

3m Empfangssälen, während beide, voneinander ge­trennt, ihren gesellschaftliche» Pflichten sich widmeten, folgte ganz unwillkürlich sein Blick der Gemahlin.

Er hatte Prinzeß Amalie geheiratet, weil er heiraten sollte, und weil sie ein Schützling der Königin Marie war, diese aber eine der drei schönen Schwestern, die seine Zu- gendidealc gewesen. Es hatte sich nicht so gefügt, daß er die Hand einer der Schwestern erreicht, Prinzeß Marie war mit dem Kronprinzen von Hannover bereits verlobt, als er sie tennen lernte.

An dem Herzoglichen Hof zu T. entwickelte sich die schüchterne Natur der jungen Prinzessin nicht, sie lebte dort unter stetem Druck, kam nie zur Geltung, war und blieb „nur Prinzeß Amalie". Erst hier in Berlin fühlte sie sich hcachret, und ihr Selbstbewußtsein fing an, sich zu heben. Die Aufmerksamkeiten des Künigs, das Wohlwol­len der Köniign, die liebenswürdigen Galanterien der königlichen Prinzen wirkten wie Sonnenlicht auf eine im Schatten erblühte Pflanze. Sie richtete sich auf und ent­faltete Blatt um Blatt, gewann Farbe unb Schmelz unb wurde über Nacht eine andre. Erft jetzt fing sie an, ihrer >

Person Aufmerksamkeit zuzuwenden, und fand in der ge­wandten Jungfer ihrer Hofdame eine willkommene Aus­hilfe. Mit zweiundzwanzig Jahren erlebte Prinzeß Ama­lie einen ersten Lebensfrühling.

Es kam aber noch etwas andres hinzu, das innere Reifen zu fördern. Sie hatte ihren Mann pflichtmäßig geliebt. Durch bie Bewunderung des Gemahls für ihre Hofdame wurde sie aus ihrer Indifferenz geweckt, sie fühl­te sich vorläufig aber nur in ihrem Eigentumsrecht ver­letzt. Doch grübelte und^fann sie darüber. Nun kam die Scene heute morgen im Zimmer Rosens, Prinzeß Amalie hatte jedes Wort vernommen unb zugleich zum ersten Male Worte der Leidenschaft von ihrem Manne gehört — der niemals ähnliche Worte für sie gehabt. Auch er erschien ihr in einem neuen Licht; sie fühlte sich wie von einem moralischen Druck befreit, fühlte sich über ihm stehen, zu dem sie bisher furchtsam aufgefehen! Sie meinte, ihr Stolz sei erwacht und löse die schwachen Bande ihrer Zusammen­gehörigkeit. Ein zuckender Nerv ihres Herzens verhieß indes noch ein andres Erwachen, von dem ihr nichts träum­te! Prinzeß Amalie plauderte mit dem Prinzen Karl von Preußen unb empfing, wie es schien, ohne Befangen­heit die Huldigungen des geistreiche» Prinzen.

„Was konnte diesen nur vermögen, sich so lange der Unterhaltung mit dieser stillen, schüchternen Frau hinzu­geben'?" dachte Prinz Joachim für sich.

Sie sah heute allerdings vorteilhafter als sonst aus.

Prinz Joachim gestand sich bas mit Verwunderung, und fragte sich zum andern Male: „Was ist nur über sie gekommen?" Die hohe Gestalt des Prinzen Karl neigte sich eben etwas tiefer herab, um der Prinzessin irgendei­ne Bemerkung zuzuflüstern, die sie mit schelmischem Lächeln unb einem Bonmot beantwortet haben machte, denn sie errötete vor Vergnügen, als der Prinz sich höchlich amü­siert und sich, ihr Beifall nickend, umsah. Auch der Prin­zessin Blicke glitten über die Gesellschaft und begegneten denen ihres Gemahls. Sogleich änderte sich ihr Ausdruck, gleichgültig massen ihn die hellen Augen, die Lippen preß­ten sich fest zusammen, unb die Prinzessin wandte sich ab.

Prinz Joachim verließ seinen Platz. Während er eine

oberflächliche Unterhaltung mit dem Nächststehenden suh­le, beobachtete er eine andre Gruppe.

Da stand bie schöne Rose, duftig unb frisch wie eben w® Strauch gebrochen, umringt von Bewunderern. Das/" freilich eine andre Schönheit als Prinzeß Amalie, tp wunderbar schillernde Goldhaar deckte kein Blumenkranz- eine weiße Rose lag hinten in den reichen Flechten, e« weißes Spitzeirkleid umschloß die jungschöne Gestalt, tu schmaler Eoldgürtel die Taille. Es ging ein sanfte^Stra»- len von ihr aus, das nicht blendete, sondern wohltuem leuchtete unb wärmte. Wie oft hatte Prinz Joachim cu- sen Einfluß empfunden! Selbst jetzt konnte er davon freimadjen, und meinte doch, diesen falschen mer zu durchschauen unb die Trägerin desselben zu w.

Unter den Herren, die sie umgaben, bevorzugte |te e fenbar den Fürsten Scherikoff, zu ihm sah sie öfter/' dem Blick auf, den er, der Prinz, so gut kannte, diesen ® trauenden Kinderblick! War es Scherikoff, oder ®ar : Wulbradt, der ihm den Rang abgelaufen? Zum HM feines verschlossenen Adjutanten mußte sie den Schi", jedenfalls auch gefunden haben, denn das sonst sajl ^ nerne Gesicht Wulbradrs belebte sich nur unter no­

Blick.

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Prinz Joachim besaß zwei Fehler, er war

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lich und nachtragend. Rose aber hatte ihn an seiner

Die 6i*

wundbarftcn 'Stelle, in seiner Eitelkeit verletzt.

pen lösten sich, man begab sich in den Ballsaal. Herr -, Wulbradt näherte sich der Prinzeß Amalie, er abimv-^ auch heute ben Dienst des Kammerherrn, da Pctow eine leichte Indisposition verhindert war, zu erM/, Abgcfehün davon, daß der schweigsame, ernste, Zc! ^., der Prinzessin viel sympathischer war als der ^ par excellente", wie Scherikoff den Grafen Petow « - $ so konnte Wulbradt ihr in der Berliner, EestUlwas nützlicher sein, weil er in all ihren Kreisen genau

tiert war. .. ,nntri

Er konnte ihr die kiblichc» Prnzessinentauzer t^ und die hohe Dame über jeden derselben so weit. m 1jifjfIi ten, daß es eine wesentliche Erleichterung für bie Haltung gab. .

* (Fortsetzung folgt.) 1