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§ul-aer Anzeiger

ZuISa / Gott 2

Fulda, 29. Mai

1926

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Kongresse und Versammlungen.

1, «wanzigster Deutscher Liiftfnhrcrtag in Hamburg. F« Camburg wurde der 20. Deutsche Lustsahrertag durch einer Marüßunflsabend eröffnet. Erschienen waren fast 200 SetO ,hmcr, darunter Vertreter des Reichswehrministeriums, deS Ministeriums für Handel und Gewerbe foluie viele bekannt« Persönlichkeiten des deutschen Flugwesens. Es werden noch Vertreter des Rcichswehrministeriums erwartet. Die Tagung Tg sich mit den schwebenden, gegenwärtig besonders wichtigen Flügen des Flugwesens beschäftigen.

k. Eröffnung der Reichölolonialtngung in Bochum. Der Mische Reichskolonialtag begann mit einer Eröffnungsfeier ^ Parkhause in Bochum. Aus allen Teilen Deutschlands sind Fintierte von Delegierten der -Deutschen Kolonialgesckschast, fei Frauenbundes der Deutschen Kolonialgcsellschast, des Frauenbundes vom Roten fiten3 für Deutsch-übersee und des Kolonialen Kricgcrdaukes anwesend. Der Vorsitzende Der Bochumer Ortsgruppe der Deutschen Kolomalgcscllschaft ent­bot der Versammlung Den Willkommensgruß. Rach ihm cr- orifs der Präsident Der Deutschen Kolouiaigescllschaft, Gou- vcrneur a. D. Dr. Seitz, das Wort nnö dankte für Die herzliche Ausnahme, welche die Reichskolonialtagung in Bochum gc= guiden hat.

k. Der Verein für daS Deutschtum im Ausland und Süd­tirol. Auf Der Würzburger Fahrestagung des Vereins für das Trutschtum int Auslande wurde auch Die Südtiroler Frage eingehend behandelt. Die Hauptversammlung sagte nachsol- ^cnde Entschließung: „Die Hauptversammlung stellt fest, daß den Deutsch-Südtirolern Die Kulturautonomie, Die ihnen bei ihrer Übernahme in das italienische Königreich feierlich durch Königswort zugeiagt tvitrDc, nach wie vor verweigert wird. Die Mitglieder des Vereins für das Deutschtum im Aus­lande in Deutschland und Deutsch-Österreich halten das Recht her Südtiroler aus ungeschmälerte Erhaltung ihres deutschen Polkstums für unantastbar und fühlen sich verpflichtet, Den Südtirolern im Kampfe um ihr Recht und ihre Kultur .für Seite zu stehen und alle zur Erleichterung Der Lage ihrer Brüder in Südtirol geeigneten Maßnahmen zu ergreifen." Der Vorstand des V. D. A. richtete an alle seine Mitglieder und Freunde Die dringliche Aufforderung, durch verstärkten Be­such von Südtirol das bedrückte Volkstum in diesem alten deutschen Grenzlande zu stärken.

k. Caritastag in Trier. Zu Der Tagung des Deutschen Eari- nisvcrbandcs jütb mehrere hundert Teilnehmer aus ganz Deutschland, Österreich, Polen, Luxemburg und Den Vereinig­ten Staaten in Trier cingetrofsen. Aus Der Begrüßungsver- sammlung wies Der Vertreter des Reichswohlsahrtsministc- riiims daraus hin, daß ein Schrei nach Liebe und mehr Men­schentum durch das deutsche Volk gehe. Frau Ministerialrat Mene Weber (Berlin) sprach über Die rheinischen Frauen des Earitasverbandes. Weihbischos Dr. Deitmer begrüßte den Verband in der ältesten Bischofsstadt und in der Stadt Der Westmark des Reiches. Die kommenden Vcrhandluugs- tagc sind beruflichen und organisatorischen Fragen Oefoibmet.

Trautrselerfür dieOpser -eWchmmglüüs

F l a g g e n a tl f h a l b in a st.

In M ü n ch e n fanden Die Trauerfeiern für die Opfer her Eisenbahnkatastrophe im Münchener Ostbahnhos statt. M«iBf Trauer, stL^ ^ädl tam in der Kraucr- bestaggung der staatlichen und städtischen sowie einer großen Zahl von Privatgcbändcn 511m Ausdruck. Auch Die fremden Konsulate hatten halbmast geflaggt. Die Gottesdienste, zu denen außer den Hinterbliebenen der Bcruitglückten die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden sowie Vertretungen des Bayerischen Landtages, der Reichsbahn, der Reichswehr und anderer Stellen er-, schienen waren und zu denen sich eine große Zahl von 'Andächtigen cingefunden Halte, wurden mit feierlichem Trauergeläut cingelciict und beschlossen.

GZlhssfchytz bei (Sijen^mssif^

Die entsetzliche Eisenbahnkatastrophe in München gibt kinem Mann, der viel in der Welt herumreist und seibft Wlm emen folgenschweren Zugzusammenstoß mitcrlcbt bot, Veranlassung zu folgenden bemerkenswerten Rat­schlägen:

Dse Geschichte der Eisenbahnunfälle, die durch den ^ngzusammenstoß in München um ein neues furchtbares Kapitel bereichert worden ist, zeigt, daß ein großer Teil Der Katastrophen die gefährdeten Passagiere Nicht ganz unvorbereitet trifft. Das Stoßen und Schlagen Der aus Dein Gleise gesprungenen Wagen, das jähe Bremsen des Zuges, die gellenden Warnnngspfifse sind zumeist die ersien Anzeichen, die Die Passagiere auf die drohende Gefahr aufmerksam machen. Ist cs nun möglich, diese wenigen Sekunden zwischen den ersten Anzeichen der Gc- whr und dem tatsächlichen Eintritt Der Katastrophe geistesgegenwärtig anSzMÜtzen, um durch eine Art Selbstschutz die drohende Gefährdung des Körpers wenig- ßens abzuschwüchen? Das oberste Gebot für alle Eisen- eahnreisendcn, wenn sie etwas Außergewöhnliches be- werken, heißt: iveg von den Fenstern! Abgesehen von den Gefahren, die das zersplitternde Glas mit sich bringt, ist Amcist auch der Verlauf der Ereignisse derartig, daß Serabe in dem Augenblick, wenn der Reisende neugierig miaussieht, das Unglück bereits cintritt: durch den 9(n= 'rall oder Zusammenstoß werden sofort die dünnen, ?Mä widerstandsfähigen Fensterrahmen znsammengc- ^uckt unD der gerade Hinansschaucndc lvird hilflos zcr- D^'cht, Darum: weg von den Fenstern! Ein Sitzen- ueiben ist aber den Reisenden wohl auch kaum anzu- Wcblett, da sich durch die Wucht des Anpralles oder sc Gewalt des Zusammenstoßes Die Sitzbänke gcwöhn- *7 zusammcnschiebcn, so daß dem Reisenden die Beine liessen oder abgeguctscht werden können. Man rät da- V den Reisenden, falls sie die ersten drohenden Anzeichen

Gefahr verspüren, die Beine ans die Sitzbänke hin.

Piziehcn und sich in dieser Stellung mit aller Gewalt J.’wu Sitz zu klammern. Man kann nun zwar auf

Weise dem Einklemmen der Füße meist vorbeuge», Ifiirt r ^^" von oben durch die herabstürzenden Gepäck- drohenden Gefahren schutzlos ausgesetzt. Besser es daher, beim Herannaben einer Gefahr frei- \ ’S den Boden des Eisenbahnwagens aufzusuchen, den Bänken Schutz zu finden; die sich znsam- „MA^ebcndcn Sitzbänke bilden geradezu einen . Schutz- Gea/nkt^egen alle herabstürzcndcn oder zerbrechenden

Der Fachmann empfiehlt im Falle eines PätfLn ? Zusammenstoßes auch die Flucht in das Ge- wcnin^' 0" Dtfa^tungSgentäfs der obere Teil des Wagens Untere L^’f’ört und beschädigt zu werden pflegt als Der tomibtiT#11' -fi^cr ^"^u gchörl immerhin schon einige Ge­leit, die nur wenigen Passagieren eigen sein dürfte,

Zehn Jahre nach der Skagerrak-Schlacht.

31. Mai 1916.

Seit vielen, vielen Tausenden von Fahren brausen die Stiirme über den grauen Wogen der Nordsee, strahlt die Sonne auf die weiten Wasser — doch so furchtbar, so gewaltig wie am 31. Mai lülG, vor zehn Jahren, krachten noch niemals die Donner über den Wellen, zuckten die Blitze, prasselte ein Eisenstnrm daher. Die Seeschlacht am Skagerrak! Dort, wo sich die Wasser der Ostsee mit denen der Nordsee vermählen, stand zum erstenmal in der Ge­schichte eine gewaltige denische Flotie mit den Engländern im Kampf und siegte trotz der vierfachen Überlegenheit des Gegners, über dreimal so groß als die unseren waren die Verluste des Gegners, wie schaurige Fackeln brannten in der Nacht seine vergeblich anrennenden Tor­pedobootszerstörer. Aber das Ziel, die deutsche Flotte, die »Ratten, die man ausräuchern iverbe", gänzlich zu vernichten, war in das Gegenteil nmgeschlageii.

Fast zwei Jahre hatte es gedauert, ehe die große Seeschlacht kam; nicht an der deutschen flotte lag die Schuld hieran. Und als der Gegner die Gelegenheit für gekommen glaubte — er war über das Auslaufen und das Ziel der deutschen Schiffe leider nur zu gut unter­richtet —, da gelang es der deutschen Führung unter Admiral Hippels Befehl, im Kreuzergefecht einen raschen Sieg zu erringen, drei englische Panzerkreuzer zu L-ernichten. Bei der Verfolgung stößt Hippel ans das feindliche Gros, aber bald sind auch die deutschen Linien-^ /chiffe heran und die große Seeschlacht hebt an. Von allen tSeitcH hageln die 38-Zentimeter-Granaten auf Die deut­schen Geschwader, aber überlegene Führung, überlegene

Reinhold Scheer.

Unter den deutschen Seehelden des Weltkriegs wird der Name des Admirals Reinhold Scheer, der am 31. 5. 1916 am Skagerrak gegen die gewaltige Uebermacht der englischen Flotie einen glänzenden Sieg erfocht, stets in dankbarer Erinnerung bleiben. Seit 1879 Miiglied der Marine, war Scheer nach er- fol-grei'cher Teilnahme an den Kamerunkämpfen im Reichsma­rineamt tätig, wurde 1909 Konteradmiral und im Frühjahr 1916 nach dem Tode des Admirals v. Pohl zum Chef der Hoch­seeflotte ernannt. Die englischen Schiffverlnste der Skagerrak­schlacht betrugen gegen 240 000 Tonnen, denen nur etwa 60 000 Tonnen, deutscher Schiffsverluste gegenüberstehen.

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am 31. Mai 1916.

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Unsere Karte veranschaulicht die Bewegungen und den Kampf der deutschen und britischen Flotte in der Skagerrak- Schlacht bis zum Einbruch der Nacht. Der Auslauf der Dcui- schen Hochseeflotte unter Admiral Scheer erfolgte von Wil­helmshaven aus in nordwestlicher Richtung, wo sich ihnen die britische „Große Flotte" unter Admiral Sellicoe und die bri­tische Schlachlkreuzcr-Flolte unter Admiral Beatty entgegen« stellte. Das Slärkeverhältnis beider Flöten wird am besten dadurch gekennzeichnet, daß man nur die Großkamvffchiffe, die die Träger der Schlucht waren. gegenüberfteUt. Wir erhalten dann im ersten Akt dieses großen Kricgsdramas fünf deutsche Schlachtkreuzer gegen sechs englische Schlachtkreuzer plus mer Schlachtschiffe des 5. Kampfgeschwaders, d. h. also das Ver-

Feuerlcitnng wie Munition und Material ermöglichen einen zweimaligen Durchbruch. Wieder werden vier englische Panzerkreuzer vernichtei. Und plötzlich flattert am Mast des Flaggschiffes des Admirals Scheer Der blut- rote Stander „Z“, also: „Torpedoboote heran an Den Feind!" Wie eine Meute preschen Die schwarzen Gesellen heran und schassen Luft. Der englische Admiral Fel- l i c 0 c vermag aber die Masse seiner Schiffe nicht zu meistern, zumal sich seine Verluste mehren.

Und zum zweitenmal macht die deutsche Flotte kehrt, entschlossen, das Schlachtfeld nicht zu räumen, solange noch die Sonne nicht unter den Horizont gesunken ill. Noch einmal stoßen unter dem Feucrschntz der angreifen-- den Linienschiffe die Torpedobootflottillen ans den Feind — doch dieser Dreht ab. Verschwindet im Dunkel. Die deutsche Flotte hat keinen Feind mehr in Sicht. Englische Torpedobootsangriffe bleiben so gut wie erfolglos, noch ein Panzerkreuzer, der ahnungslos auf Die Deutschen stößt, ist in drei Minuten vernichtet. Und als der frühe Morgen tagt, ist die englische flotte unsichtbar, wie sich hcrausstclltc, in drei verschiedene Gruppen auseinander­geraten.

2500 deutschen Seeleuten fingt die Nordsee, die Mord­see, ein ewiges Schlummerlied. Sie sanken im Sieg und in ewigen Ruhm. Unsere Flotte ist nicht mehr. Aber wenn die Stiirme daherbransen über die grauen schän­denden Wogen der Nordsee, dann klingt wie ein gewal-^ >iger Orgelion das Lied von dem großen deutschen See--' sieg am Skagerrak. D. Pr. ,

Franz Ritter von Hipper,

der aus der Skagerrat'fchlacht rühmlichst bekannte Admiral Franz Ritter von Hipper wurde wurde am 13. 9. 1863 zu Weil­heim in Bayern geboren.

Eintritt in die Marine: 12. 4. 81, Kommandos: 1906 Komüt. SMS. „Leipzig". 1906/08 SM.S. „Friedrich Karl". 1908 Kmdt. S.M.S. „Eueisenau". 1911/12 Kmdt. SMS. „Park" Kommodore. 1912/13 .2 Admiral der Ausklärungsschi sie.

1913/18 Befehlshaber der Aufklärungsschiffe auf S.M.S. „Seydlitz". 1916 Teilnahme an der Skagerrosich lacht als B. D. Ä. auf „Lützow". Orden: Pour le mcrite. Verleihung des persönlichen Adels durch den König von Bayern. August 1918 Flottenchef (Nachfolger von Admiral Scheer.)

Erläuterung:

77g Feindliche Minen- Felder.

Hällnis 5 : 10, und in der Hauptschlachi 16 deutsche Großkampf- schiffe gegen 24 englische plus drei Schlachtkreuzer Der „Znvin- ciblc"-Klassc, also 16 : 27. Die erdrückende Uebermacht der Engländer ist hieraus ohne weiteres ersichtlich. Und doch hatte die schwächere deutsche Flotte dem fast doppelt so starken Etig- länbcr das Doppelte an Verlusten beige bracht. Ein Sieg war erfochten über die als unbesiegbar geltende englische Flotte. Dieser Sieg wurde erreicht durch unser vorzügliches Schiffs­material. durch unsere unvergleichliche Friedensau sbilbung, durch den engen Zusominenhali'von Offizieren und Mounschai- tcn. durch das gegenseitige Vertrauen, durch die Einheit der Kraft und durch Den Willen zum Siege,