Moskau zum Generalstreik in England.
England steht im Zeichen des Generalstreiks. Ein „ mpf zwischen Kapital und Arbeit, wie er bis heute in
Fechichte eines gleichen nicht hat." So.beginnt die Moskauer „Prawda" ihren ersten Leitartikel über den âaebrochenen englischen Bergarbeiterstreik. Mit hoch- nabenden Worten schildert sie den Stillstand des engli-
Wirtschaftslebens und sagt: „Wie der Ausgang des Sheiks auch seien mag, diese Kraftprobe wird große Fol- für die Entwickelung des englischen Proletariats
Miter berichtet die „Prawda" über Ursache und An- des Streiks im englischen Kohlenbergbau, der Basis bei englischen Wirtschaft, wo seit Jahren eine Krise herrscht. „Als einzigen Ausweg aus derselben hat die Elische miners federation seiner Zeit die entschädigungs- ue Nationalisierung der Kohlenbergwerke der Regierung oorgeschlagen/' Statt dessen hatte die Regierung eine königliche Kohlenkommission eingesetzt, dersn Feststellun- acn ein Reorganisationsprogramm enthielt, welches letzten Endes zur Senkung des Arbeiterlohnes, Verlängerung der Arbeitszeit und Ausstellung von Hunderttausenden von Arbeitern führen mußte. Die Regierung und die Kohlen- magnaten haben dementsprechend ihre Forderungen geteilt, welche die Arbeiter mit der Einstellung der Arbeit beantworteten. „Dem streikenden Proletariate steht der hochgepriesene englische freie demokratische Staatsapparat eindlich gegenüber." Run schildert die „Prawda" eingehend diese staatlichen und gesellschaftlichen Machtmittel, wie auch die Mittel und Aussichten der Arbeiterschaft, wobei sie die Einigkeit als Urquell der Kraft hinstellt. Sollte der Konflikt andauern, so werden die rein wirtschaftlichen Forderungen auf politische übergreifen, das liegt int Wesen des Klassenkampfes. Jedoch der Kamps hat eben erst begonnen. „Die erste Begeisterung ist da, es folgt aber die Entspannung und der graue Alltag, der die größten Anforderungen an das kämpfende Proletariat stellen wird. Die höchste Pflicht des internationalen Proletariats ist es daher dem englischen Hilfe zu leisten. Es müssen alle Beschlüsse und Bestimmungen der Streikverordnung ins Leben umgesetzt werden."
Zum Schluß spricht die „Prawda" die Bewunderung und die Sympathie der russischen Arbeiter aus und endet mit den Worten: „Die Sache des englischen Proletariats, ist die Sache des Weltproletariats."
Der Nibelungenfilm im russischen Dorfe.
Auf seinem Siegeszugc durch die Welt ist der Nibelungenfilm auch bis ins russische Dorf vorgedrungen. Die russische Zeitschrift „Krasnaja Niwa" veröffentlicht einen Brief, der den Eindruck, den das deutsche Natio- aalepos dort hervorrief, beschreibt.
-Äuiopaup,
sammelte vor der Vorstellung auf dem Marktplatze eines in der Nähe von Petersburg liegenden Dorfes die Bewohner und erzählte ihnen den Inhalt des Films. Um den Erfolg zu sichern, mußte die Niebelungensage, die für den russischen Bauern wenig verständlich ist, ins gegenwärtigbolschewistische umgelegt werden. So sollten denn die Bauern am Abend durch diese lebende Bilder erfahren, wie die tyrannischen Könige früherer Zeit gelebt hatten.
Alt und jung des Dorfes folgte der Einladung des Ausrufers und am Abend war das Haus (eine leerstehende Scheune) voll besetzt. Der Eintrittspreis war 5 frische Eier oder 15 Kopeken (30 Pf.), aber auch um andere Viktualien konnte man die Einlaßkarte erstehen. Das Interesse wuchs von Bild zu Bild, und als der Ausrufer ankündete: „jetzt werdet ihr den Kampf des großen Helden Siegfried mit dem Riesendrachon sehen," war der Höhepunkt der Erregung erreicht. Der Anblick des Ungeheuers veranlaßte die einen zu einem Stoßgebete, die anderen waren vom Schreck wie gelähmt und ein guter Teil
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Die Rose vom Haff.
Ein Hofroman von Emile Erhard (Daronin v. Warburg).
(Nachdruck verboten.)
„Kannten Sie den Herrn wirklich nicht, Herr von Wul- bradt, der sich vorhin mir vorstellen lassen wollte?"
„Er gehört nicht zu den Herren, die ich Ihnen vorstelle, mein gnädiges Fräulein," antwortete der junge Offizier ausweichend.
„Ich möchte aber gern—“ Weiter kam Rose nicht, Wulbradt wurde durch einen der jüngeren Prinzen von ihrer Seite gerufen.
Das Foyer leerte sich schnell. Ein Teil der Gesell- Ichaft kehrte in die Logen zurück, ein andrer begab sich auf den Weg nach dem Saal. Von den Proszeniumslogcn war nur noch die mittlere besetzt. Prinzeß Amalie befand sich allein darin. Am Pfeiler lehnte noch immer Herr von »eska, in der Hand die Vergißmeinnichtranke.
Rose sah sich unschlüssig um. Prinz Joachim war mit den jüngeren Prinzen, Petow und anderen Herren nach oent, Restaurationszimmer gegangen.
.Ihre Befangenheit überwindend, wandte sich Rose mit Schein Entschluß dem Unbekannten zu. Die Tür nach Hi kleinen Proszeniumsloge war nicht ganz geschlossen, ?’n Fetzen blauer Gaze klemmte dazwischen, Prinzeß Amalie lauschte also.
Die Verlegenheit des ersten Wortes wurde dem jun- en Mädchen erspart, Herr von Feska trat ihr entgegen stellte sich selbst vor: „Baron von Feska, Legations- mletär!" und fuhr dann fort: „Ich bemühte mich verge- das, in Ihre Nähe zu gelangen, mein gnädiges Fräulein!" .»Eie haben, glaube ich, etwas gefunden, das der Prin- '’lo Amalie gehört," sagte das junge Mädchen eilig.
»Jawohl, ich fand unten im Saal ein Sträußchen Mai- -fllMen und Vergißmeinnicht —" Herr von Mska blickte
Cr Hofe fort nach der Logentllr.
»Es waren kostbare Juwelen darin befestigt —“ hab«6 ^ der Prinzessin direkt zu übergeben die Ehre
werde," anwortete der Legationssekretär mit einer tei.?^e wonbte sich, da stand Prinzeß Amalie mit leuch- bie W Hügen und brennenden Wangen in der Lagentür, ’ ^er Hand entglitten, sich so weit geöffnet hatte, daß
ergriff die Flucht. Die Vorstellung mußte unterbrochen werden bis sich die Aufregung gelegt hatte.
Nach Schluß der Vorstellung fand ein lebhafter Meinungsaustausch statt. „Genossen", sagte einer der Bauern, ihr habt nun einen Riesendrachen gesehen, wie man sie in den Wäldern der Zaren züchtete." Ein anderer meinte: „mit solchen Untieren haben also die Gutsbesitzer in alten Zeiten ihre Felder bestellt." Der Hauptredensführer des Dorfes traf aber den Nagel auf den Kopf. „Genossen", sagte er überzeugt, „das Tier ist ein großartiger Mechanismus, es lebt nicht, was ein Glück für uns ist, denn womit würden wir es ernähren. Eine Schmach aber ist es, daß die ausländischen Kapitalisten ihre Arbeiter zwingen im Leibe solcher Drachen zu sitzen um sie in Bewegung zu bringen. Genosse Siegfried hat die Arbeiter befreit, indem er das kapitalistische Ungeheuer tötete. Ich schlage vor, einen Beschluß zu fassen, in dem wir unseren Willen kundtuen, dem Weltkapitalismus dasselbe Los zu bereiten, wie es den Drachen durch den Genossen Siegfried ereilte." Der Beschluß ist laut „Krasnaja Niaw" einstimmig angenommen worden.
Kongresse und Versammlungen.
k. Burschenschaftlichc Tagungen. Wie alljährlich, findet die grosse Tagung der Deutschen Burschenschaft zu Pfingsten wieder in Eisenach statt, nachdem in den Vorjahren Salzburg und Danzig mit Rücksicht aus das bedrängte Grenstanddcutschlum als Tagungsorte gewählt worden waren. Die Tagung beginnt am 23. Mai und wird voraussichtlich am 26. Mai beendet sein. Der Allgemeine Deutsche Burschenbund (A D B.j hält seinen diesjährigen Bundestag zu Pfingsten wieder in der alten Kaiserstadl Goslar ab. Neben den Verhandlungen, die sich mit inneren 'Angelegenheiten des Bundes und bochschulpoliti- schen Fragen beschäftigen werden, finden turnerische Wettkämpfe und ein Fackelzug statt.
k. Reichstagling deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener. In den Pfingstfeiertagen tritt der 3. ordentliche Verbandstag des Zenlralvcrbaudes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener in Köln zusammen. Mehrere hundert Vertreter der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen ans allen Gauen des Reiches werden Beratungen pflegen über wichtige Fragen der Kricgsbcschädigtenfiirsorge.
k. Die Tagung des Deutschen Schutzbundes. Der Deutsche Schutzbund, dem etwa 123 Organisationen mit rund sechs Millionen Mitgliedern angeschlossen sind, hält seine diesjährige Tagung in Glatz ab. Gleichsam als Auftakt zu der Tagung fand ein Besuch der Schutzbundtcilnehmer in Beuthen statt. Nach einem zwanglosen Beisammensein mit Vertretern des Magistrats und der Stadtverordneten der Stadt Beuthen folgten Besichtigungen von Kohlengruben und Hüttenwerken, denen sich eine Aulorundfahrt an die Grenze und durch den Industrie- bezirk anschloß. Den Beschluß des Tages bildete der „Ober- schlesische Heimatabend" im großen Schützenhaussaal in Beuthen.
MH und Kern.
0 Das Wildererdrama von Tambach. Vor dem Bamberger Schwurgericht wurde kürzlich gegen die drei Brüder Harlan von Ahorn verhandelt, die den Forstaufsehcr Franz Spielmann von Tambach, einem kleinen Orte zwischen Seßlach und Koburg im Bayrischen, in der schrecklichsten Weise ermordeten. Der Graf von Ortenburg legte von jeher großen Wert auf einen ausgezeichneten Wildstand, sehr zur Freude der benachbarten Tagediebe in Ahorn. So kam es, daß die 22- bis 19-jährigen Brüder Gotthelf, Thomas und Ludwig Hartan von Ahorn ihren Tüncher-, Maurer- und Schusterberuf an den Nagel hängten und ein volles Vierteljahr als Erwerb das Wildern be- triebem Der Vater, auf rätselhafte Weise sogar in den Besitz einer Jagoiarte gekommen, -tei-eir-fem* «mhne zu dem verwerflichen Tun an. Sie waren im Besitze von drei Schrotgewehren, einem Desching und erlegten damit soviel Wild, daß nicht nur die Familie davon lebte, sondern sogar der älteste der Brüder, Gotthelf, eine Geliebte in Koburg unterhalten konnte. Am 29. Dezember zogen die drei Brüder wiederum zur Jagd aus. Während einer trieb, lagen die beiden anderen vor und schossen eine Rehgeis kaum 400 Meter vor dem Forsthause, worauf sie weiterzogen. In einer Fichtenschonung längs einer Furt, legten sie sich wieder vor und der jüngere Bruder machte den Treiber. Plötzlich sahen die beiden älteren den 24jährigen Forst- aufseher Franz Spielmann, sorglos das Gewehr im Arm, auf sie zuschlendern, gaben gleichzeitig zwei Schrotschüsse auf Spielmann ab, die ihn in Gesicht und Schultern trafen. Spiel- mann anscheinend augenblicklich geblendet, schoß trotzdem rasch hintereinander in die Gegend, aus der die Schüsse kamen, die vier Kugeln seines Gewehres ab, ohne jedoch zu treffen. Die drei Brüder stürzten sich nun auf Spielmann und bearbeiteten ihn mit Kolbenstoßen und Schlägen und drosselten ihn solange, bis er kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Spielmann stieß und schlug um sich, sodaß die Wunden und blauen Flecke später bei den Wilderern zum Hauptüberführungsmoment wurden.
ihre Gestalt im Lichtkreis des Lüsters erschien.
„Eure Hoheit haben ein paar Brillanten verloren, die ich so glücklich gewesen,zu finden; gestatten Eure Hoheit mir, Ihnen Blumen und Steine wieder zuzustellen."
Wie in Rosenglut getaucht stand die Hoheit unter den kühnen Blicken und Worten da. Sehr anmutig in ihrer Befangenheit, streckte sie, einige Worte des Dankes stammelnd, die Hand aus, zuckte aber heftig zusammen, als der Legationssekretär, sich über diese Hand neigend, sie mit seinen Lippen berührte, ehe er ihr die Steine überließ. Die Verlegenheit der beiden Damen erhöhte offenbar den Reiz der Situation für Herrn von Feska, und er begann mit süffisanter Miene:
„Von unsrer Loge aus habe ich diese reizende Toilette Eurer Hoheit nicht nur bewundert, sondern wirklich studiert, und habe dabei entdeckt, daß auf der linken Seite ein zweites Sträußchen fehlt."
Das Monokel ins Auge klemmend, bückte er sich nach der bezeichneten Stelle.
„Freilich," antwortete die Prinzessin hastig, sich an Rose wendend, „ich sagte Ihnen schon, daß mir zwei der Buketts im Saal verloren gegangen seien, und ich erinnere mich, sie noch beim,Beginn der Polonäse gehabt zu haben — es waren in jedem derselben sehr wertvolle Cha- tons befestigt."
„Vielleicht bin ich imstande, auch über den Verbleib dieser andern Nachricht geben zu können," fiel Herr von Feska mit einem triumphierenden Lächeln ein. „Ich bemerkte wenigstens ein ganz gleiches Bukett einer sehr bekannten Dame, unsrer schönen Bellarina vom Ballet, welche diese Blumen mit einer gewissen Neugierde prüfte."
Zum ersten Male, seit die befremdliche Persönlichkeit ihr so nahe getreten, wagte Prinzeß Amalie, sie voll ins Auge zu fassen.
„Ach, bitte, mein Herr, ich würde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie der Dame die Blumen und den Schmuck ab= forderten."
„Ich zweifle aber daran, daß Fräulein Vallarina mir als einem ihr durchaus Unbekannten den kostbaren Fund ohne weiteres übergeben wird. Ein andres wäre es, wenn mich das gnädige Fräulein hier zu meiner Legitimation begleiten würde."
Die Prinzessin ergriff hastig den gebotenen Vorschlag, einzelne Personen wurden bereits wieder im Hintergründe des Foyers sichtbar.
Der Widerstand wurde schwächer und als die Verbrecher glaubten, daß Spielmann tot sei, suchten sie das Weite. Erst nach 11 Stunden wurde Sp. von einer ausgesandten Patrouille leblos, etwas entfernt vom Tatort aufgefunden. Während die Mordkommission in Tambach die Leiche sezierte, feierte einer der Täter mit seiner Geliebten in Koburg in tollster Weise Sylvester. Es gelang den unablässigen Bemühungen des Staatsanwaltes Schneider und bes Untersuchungsrichters Dr. Mugler von Bamberg, bald Licht in die Angelegenheit zu bringen. Der Staatsanwalt Schneider trug aus den Aussagen von 28 Zeugen und drei Sachverständigen nach zweitägiger Verhandlung Punkt für Punkt zu einem Schuldbeweis zusammen. Das Gericht erkannte nach Unständiger Beratung für Gotthelf und Thomas Hartan auf 15 Jahre Zuchthaus, für Ludwig Hartan auf 1015 Jahre Zuchthaus. In der Urteilsbegründung wurde betont, daß nur die große Jugendlichkeit die Angeklagten vor lebenslänglichem Zuchthaus rettete.
U Die neueste geschmacklose Schaustellung. In B e r l i n wird sich nach den Ankündigungen ein deutscher Fakir unter dem indischen Pseudonym Taimu am selben Ort, an dem Jolly es mit dem „Hungern" geschafft hat, ans Kreuz^schlagen lassen. Er hat die Absicht, täglich vierzehn Stunden dieses Martyrium zu ertragen.
O Drama am Tegernsee. Das Ehepaar Dr. Georg und Hilla von Lagerstroem auf Schloß Wotansquell in Tuften in der Nähe des Tegernsees, wurde von Hausangestellten tot in den Betten aufgefunden. Es wird angenommen, daß Dr. von Lagerstroem (vorm. Dachs) seine Gattin durch einen Schuß in den Hinterkops und dann sich selbst durch einen Herzschuß getötet hat. Finanzielle Schwierigkeiten sollen das Motiv zur Tat gewesen sein.
O Unbewusst im Traum erhängt. In einem Regensburger Vorort hörte zur Nachtzeit die Witwe eines Tagelöhners aus der Schlaskammer ihres 18jährigen Sohnes ein starkes Röcheln. Als sie daraufhin nachschante, fand sie zu ihrem Entsetzen den Sohn aufgehängt vor. Sie hatte die Geistesgegenwart, sofort den Strick abzuschneiden. Als der Bursche wieder zum Bewußtsein gekommen war, tat er sehr erstaunt und fragte, was geschehen sei. Nach einer Weile konnte er sich plötzlich entsinnen, daß er geträumt hatte, er habe mit mehreren Kameraden das „Aushängen" im Spaß probiert.
O Aufgeklärte Mordtat. Im November v. Js. verschwand in Vlotho a. d. Weser plötzlich die Ehefrau eines Zigarrenfabrikanten; alle Nachforschungen waren ergebnislos, bis man nach etwa dreiwöchigem Suchen die Leiche der Frau aus den Fluten der Weser bergen konnte. Die Kriminalpolizei stellte eingehende Nachforschungen an, welche zur Verhaftung des Ehemannes und zweier anderer Personen führte. Mehrere eidliche Bekundungen liegen vor, daß der Ehemann der Hauptan- stister der Tat war und seine Frau durch andere Personen beseitigen ließ. Auf Grund dieser Aussagen wurden in diesen Tagen weitere Verhaftungen oorgenommen; andere Verhaftungen stehen noch bevor.
O Tie eigene Hand abgetanen. Im Gefängnis der schlesischen Stadt Frankenstein befand sich ein Arbeiter namens Keil in Untersuchungshaft. Als er mit anderen Gefängnisinsassen ans dem Hofe den üblichen Spaziergang unternahm, sprang er plötzlich ans der Reihe uns lief auf einen Hauklotz zu, der sich in der Nähe befand. Er ergriff ein darauf liegendes Beil und hackte sich, ehe er daran gehindert werden konnte, eine Hand ab. Der zu Hilfe gerufene Arzt mußte die Hand völlig amputieren. Man nimmt an, daß Keil die Tat in geistiger Umnachtung begangen hat.
0 Unwetter in Südtirol. 9(n vielen Orten in Südtirol erfolgten infolge des Regens Erdrutsche, welche die -Strogen mwuLmuLahzUmien sperrten. „Zo wurde u. a. Die Strecke von Bozen nach Welschenhofen durch 12 Erd- muren verschüttet, so daß der Wagenverkehr auf längere Zeit unterbrochen sein wird. Die Bahnlinien Kältern— Mendel, Toblach—Cortina d'Ampezzo und Lana—Meran wurden durch Erdrutsche unterbrochen.
O Schreckenstat einer wahnsinnig gewordenen Mutter. In C o r b e i l l e bei Fontainebleau bei Paris erlitt eine Frau, die mit ihren drei Kindern int Alter von zwei, vier und sechs Jahren spazierenging, einen Anfall von Geistesgestörtheit und stürzte sich mit den Kindern unter einen Schnellzug. Die beiden älteren Kinder konnten sich im letzten Moment losreißen, die Frau und das jüngste Kind, das sie auf dem Arm trug, wurden zermalmt.
0 15 Arbeiter durch eine Hochspannungsleitung getötet. In einem Torfgewinnungsbetrieb in der Nähe des Dorfes Pribyl, 32 Kilometer von Moskau, schleppten fünfzehn Arbeiter eine Lokomobile, deren Schornstein eine Hochspannungsleitung berührte. Dadurch wurden sämtliche Arbeiter auf der Stelle getötet.
„Gehen Sie, liebe Rose, beeilen Sie sich, hier" — sie stecke ihr Juwelen und Blumen zu, die sie eben von dem Legationssekretär erhalten — „verbergen Sie die Steine, nehmen Sie auch die andern von jener Dame zu sich, ich werde sie Ihnen später abfordern, die Blumen mögen Sie fortwerfen — aber bitte, gegen niemand ein Wort, ich möchte kein Aufhebens von der Sache gemacht wissen —“ Und mit einem letzten Dank, den die Augen ausdrucksvoller als die Lippen des Herrn von Feska übermittelten, schlüpfte die Prinzessin leicht wie eine blaue Libelle in ihre Loge zurück, die junge, unerfahrene Hofdame der peinlichen Situation und ihren Schultern Sorge und Verantwortung überlassend.
Vor allem brachte Rose die Edelsteine an gesicherter Stelle unter.
Und nun blieb Rose nichts andres übrig, als dem unsympathischen Führer, dessen Persönlichkeit ihr durch Wul- bradts Weigerung, ihn vorzustellen, und des Prinzen Bemerkungen schon auffällig geworden, zu folgen.
Als beide an den Hoflogen vorüber gingen, trat ihnen Scherikoff aus einer derselben entgegen.
„Wohin, wohin, meine Allergnädigste? Warum entziehen Sie uns Ihre liebreizende Gegenwart, dem Kranze der Hofdamen die schönste Blume?"
„Ich wollte eben nur einmal durch den Saal unten gehen."
„Darf ich mich Ihnen anschlicßcn?"
Rose sah unschlüssig auf ihren Begleiter, der indes in vollkommener Unbefangenheit an ihrer Stelle erwiderte: „Die Quadrille wird sogleich beginnen, wir werden Eile nötig haben."
„Ah so, Sie wollen am Tanze teilnehmen, das ist etwas andres." Der Fürst trat zurück.
In ihrer Befangenheit über die Unklarheit der Situation nahm Rose den ihr von Feska gebotenen Arm. Sie traten in die Menschenflut hinaus. Hin und wieder trafen sie auf einen Bekannten aus dem Hofkreise, und jedesmal meinte Rose, einem Blicke der Bewunderung zu begegnen.
„Wissen Sie ungefähr den Platz, wo Fräulein Bellarina zu treffen sein wird?" fragte sie in zunehmendem Unbehagen ihren Führer.
„Habe keinen Schimmer, meine Gnädigste," antwortete dieser gelassen. „Da die Dame aber keine Stecknadel ist, jo wird sie ja wohl mit der Zeit zu finden sein."
(Fortsetzung folgt.)