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AS Heffen-Naffau und Aachbargebieten.

Der Abzug der Kirchensteuer. Die Kirchensteuern kön- liei der Ermittlung des Einkommens abgezogen wer- soweit sie im Steuerabschnitt, aber nicht etwa für den ° ^teuerabschnitt fällig geworden sind. Die Kirchensteuer mird im allgemeinen als Pauschbetrag und Zuschlag zu den Einkommensteuer-Vorauszahlungen erhoben. Wo dies der ~ y j», können nach dem neuen Sammelerlaß des Reichs- Manzininisters zur Frühjahrsveranlagung die Kirchen- «euerbeträge abgezogen werden, die im Kalenderjahr 1925 ' leisten waren. Es ist anzunehmen, daß die Kirchen- »cuern in den meisten Ländern als endgültige Kirchen- ^erschuld für das betreffende Kirchensteuerjahr gelten. Sollten in einzelnen Ländern bei der Kirchensteuer ivie bei der Einkommensteuer die Vorauszahlungen mit der endgültigen Steuerschuld abgerechnet werden, so bleibt 'Kirchensteuerabschlußzahlung oder eine Kirchensteuer- erstattung für die Veranlagung 1925 außer Betracht. Da eine solche Zahlung oder Erstattung erst 1926 füllig wird, sann sie erst bei der Veranlagung für 1926 berücksichtigt werden.

Mcterschutzfragcn. In Mieterschutzsachen hat das preuß. Kammergericht einige weitere bemerkenswerte Rechts- evtfcheide getroffen. Bei Berechnung der gesetzlichen Un­termiete ist von der gesetzlichen Miete des Hauptmietver- Haltnisses auszugehen, auch wenn sie für dieses nicht gilt. Steht die gesetzliche Miete für das Hauptmietverhältnis nicht fest, so ist sie zu errechnen. Dann darf das Mieteini- gungsamt die Ersetzung der Genehmigung der Gemeinde­behörde zum Wohnungstausch nicht deshalb ablehnen, weil ein Vermieter feine Zustimmung widerrufen hat. Die Beisitzer des Mieteinigungsamtes dürfen endlich als solche nur während des Geschäftsjahres tätig sein, für das sie gewählt sind.

* Goldregen ist giftig! Zur Zeit blüht der bei den Aus- qltigtern und Spaziergängern beliebte Goldregen. Es sei daran erinnert, daß die Blüten des Goldregens sehr giftig sind und keinesfalls in den Mund genommen, auch nicht mit Händen ungefaßt werden dürfen, an denen sich eine Wunde befindet. Mindern sollte man diese gefährliche Blume niemals in die Hand geben. Deshalb, größte Vorsicht!

Bad Nauheim, 16. Mai. (Fr ühjahrsoertreter tag des 116ei- Werbands in Bad Nauheim.) In unserem Weltbade versam- melten sich gestern und heute zahlreiche Vertreter der Regi- mentsvereine ehemaliger 116er und ihrer Kriegsformationen zu der diesjährigen FrühjArstagung. Die Tagung stand unter dem Zeichen des verflossenen großen l16er-Tages und der Denk- malsweihe für die gefallenen Regimentskameraden des 116er Regiments, beides fand vom 5.—7. September 1925 in Gießen statt. Die wichtigsten Fragen konnten nach längerer, oft recht lebhafter Aussprache schließlich zur allgemeinen Zufriedenheit rtUfM MMet . Würde die Daagna Mich einW ZBe.- grüßungsabend, den die Bad Nauheimer 116er zu Ehren der Kameraden im Teichhaus veranstalteten. Zu der Feier hatten sich als Vertreter der Stadt Bürgermeister Dr. -Kayser, die Bei­geordneten Notar Stahl und Kissel und einige Stadtverordnete etnyefunben. Der Besuch war über Erwarten groß. Dr. Knieriem begrüßte in herzlichen Worten namens des hiesigen l16er-Vcreins die Kameraden, namens der hiesigen Militärver­eine entbot Oberamtsgerichtsrat Fuhr Willkommengruß. Der Verbandsvorsitzende Kurt Mohr aus Gießen dankte und toastete auf den Verein ehemaliger 116er, dem stolzen ehemaligen Re­giment 116, dessen Ueberlieferung wachzuhalten, Pflicht des Verbandes sei, widmete er begeisterte Worte, sein Hoch galt dem Vaterland. Der Begrüßungsabend der Bad Nauheimer hatte eine auserlesene Festordnung. Ein Festgedicht trug Frln. Kötschau vor, die Musik stellte die Kapelle des Ausbildungs­bataillons Nr, 15 aus Marburg, zwei Theaterstückchen wurden in ausgezeichneter Weise zur Aufführung gebracht. Die Terch- bclcuchtung mußte leider wegen des Regenwetters ausfallen. — Die Verhandlungen begannen Sonntag vormittag 10 Uhr im Tcichhaus, es nahmen daran u. a. teil die 116er-Vcreine aus

Die Rose vom Haff.

Ein Hofroman von Emile Erhard (Baronin v. Warburg).

31) (Nachdruck verboten.)

Rose hatte bis dahin den Besprochenen kaum bemerkt, jetzt blickte auch sie hinüber und errötete, denn der Unbe­kannte machte ihr offenbar ein Zeichen und hob wiederholt die Hand mit den Blumen.

Cie sah sich um, ob hinter ihr sich jemand befände, dem das alles bestimmt fei, und begegnete einem zornigen Alick aus des Prinzen Augen.

Verwirrt und ängstlich verfolgte Rose die Bewegun­gen des rätselhaften Vifavis und bemerkte, daß sein Blick gewissermaßen auffordernd von ihr nach der Proszenimns- W schweifte und ihre Aufmerksamkeit dorthin lenkte.

saß Prinzeß Amalie und sah echauffiert und ängstlich vorgebeugt nach ihr hin, machte sogar verstohlene Zei­ten mit der Hand.

Wieder sah Rose sich nach dem Prinzen um, der sprach oder mit Scherikoff, doch lag eine drohende Wolke auf sei- "or Stirn.

Was hatte das alles zu bedeuten?

Der Aufbruch der Majestäten veranlaßte ein Zufam- leiitteten der Hofgesellschaft im Foyer. In der allgemei- Unruhe erfaßte Prinzeß Amalie Rosens Hand und :>og lhre Dame mit sich in die leer gewordene Proszeniums- Atemlos und beinahe weinend flüsterte die Prin-

< «3$ bin außer mir, liebe Rose! Haben Sie drüben „s"/Venschen mit dem langen, schmalen Gesicht und den ' ^on, schwarzen Haaren gesehen?"

jawohl, Eure Hoheit! Es scheint, daß dieser Herr dem Prinzen ausgefallen ist, wenigstens schienen Hoheit expreß in unsre Loge gekommen zu sein, um 5 'ta^ dem Namen desselben zu erkundigen."

^inzeß Amalie fuhr aufgeregt fort:

cr x-r es sticht ein Blumenzweig von meiner Robe, den Ei E'en spielend hin und her drehte? Und nun sehen. jch’ cs fehlen hier zwei Buketts an der Garnierung, in dem «galten zwei große Chatons befestigt, Chatons aus sie v,Zs onschatz! Der Prinz würde es mir nie vergeben, Helk»,, ^st öu haben, ich-bin in der größten Verzweiflung!

- raten Sie mir doch — was soll ich tun?"

mitnitJr“1 nuP siuker Rat teuer! Dem Prinzen die Sache

1 ^kon, wäre das einfachste und natürlichste gewesen,

Darmstadt, Neu-Psenburg, (neu aufgenommen), Offenbach, Frankfurt, Friedberg, Butzbach, Gießen, Alsfeld, Lauterbach, Marburg, Wetzlar, Neheim in Westfalen. Da der bisherige 1. Vorsitzende Lindenau sein Amt niedergelegt hatte, so wurde Kurt Mohr-Gießen zum T. Vorsitzenden, Dr. Knieriem-Vad Nauheim zum 2. Vorsitzenden gewählt, die übrigen Vorstands­mitglieder wurden wiedergewählt. Der Jahresbericht kam auf den 116er=5ag, die Denkmalsweihe und den Blumentag zu sprechen. Die Rechnungsablage über das Denkmal ergab eine Schuldenlast von 10 063 M, bei dem 116er-Tag wurden die Ein­nahmen in Höhe von 39 156 <lt um 7585 M von den Ausgaben überschritten. Die Gcjamtjchuld des Verbands für 116cr-Tag und Denkmal beläuft sich auf rund 17 983 X Ob die Aus- stände in Höhe von 2672 Ji eingehen werden, ist zweifelhaft. Es entspinnt sich eine lebhafte Aussprache, an der sich Boden­schatz-Offenbach, Silberbach-Darmstadt, Knieriem-Bad Nau­heim, Neuroth-Gießen u. a. beteiligen. Dem Rechner und dem Vorstand wurde alsdann Entlastung erteilt. — Ueber die be­absichtigte Herausgabe eines Verbandsblattes wie z. B. die Leibgardisten es haben, referierte Dr. Katz-Gietzen, das Blatt würde monatlich 20 Pfg. kosten. Es wird beschlossen, daß der Vorstand der Angelegenheit bis zur nächsten Tagung weiter nachgehen soll, die Vereine werden den Plan nochmals beraten. Der Verein Gießen beantragte, von jedem Mitglied 7 M Son­derboitrag zu erheben, um die Schulden zu decken. Er wurde dahin angenommen, daß vorläufig nur 2 .K erhoben werden sollen. Ein Antrag Darmstadt auf Aenderung der Satzung § 1 wird abgelehnt. Dem Antrag Gießen auf Errichtung einer Be­ratungsstelle für Kriegsbeschädigte wird itattgegeben. Der An­trag Bad Nauheim auf Errichtung einer Nerbandssterbelasse findet wenig Anklang und wird zurückgezogen. Dagegen wird der Antrag Bad Nauheim, wonach der Verband sich mit anderen Verbänden in Verbindung setzen soll, damit das Reiche eine Kriegsdenkmünze herausgebe-, angenommen. Vorsitzender Mohr teilt mit, daß die Stadt Gießen in Kürze eine Grünanlage um das 11ller-Denkmal herstellen will. Die Teilnahme an der Denkmalweihe der 168er in Offenbach und an der Fahnenweihe der 116er in Neheim (Westfalen) wird beschlossen. In den Landstädtchen sollen Ilker-Vereine gegründet werden. An die heute in Lützelbach (Odenwald) tagende Versammlung des 1. Bataillons Landwehr 116 wird ein Begrüßungstelegramm ge- fluldt. Der Herbstverbandstag findet im November in Als fe ld statt.

Bad Homburg v. d. Höhe. (Einweihung des Denk­mals der Cersdorffer Füsiliere in Bad Homburg.) Im Spätsommer dieses Jahres, in den Tagen des 21. und 22. August, wird in den herrlichen Kuranlagen der alten Ear- nisonftadt Bad Homburg ein Denkmal zur Ehrung der im Weltkrieg gefallenen Kameraden eingeweiht werden. Mit dieser Feier ist ein Regimentsappell verbunden, zu welchem alle Angehörigen des 80. Regiments eingeladen sind. Als Zugehörige zum Regiment sind zu betrachten: die Kameraden vom Res.-Jnf.-Regt 80, Landwehr 80, Res.-Jnf.-Regt. 223, Res.-Jnf.-Regt. 253, Jnf.-Regt. 365, Jnf.-Regt. 186, M.-G.-A. d. 18. A. K., Feld-Rekr.-Depot 21. Div., 1. u. 2. Ersatz-Batl. d. Flls.-Regt. von Gersdorff (Kurhessisches) Nr. 80. — Alles weitere ist vom Verband ehemaliger 80er, Sitz in Bad Homburg v. d. H., zu erfahr­en. — Beiträge zum Denlmalfonds sind noch sehr willkom­men und können auf das Postscheckkonto: Major von Hel- wede, Bad Homburg v. d. H., Nr. 32 333 Frankfurtmain eingezahlt werden.

Hanau, 18. Mai. (Vermißtes Kind.) Das 3%fäbrige Söhnchen eines hiesigen Einwohners ist seit Sonntag nachmit­tag spurlos verschwunden. nachdem es nod} kurz vorher auf der Straße gespielt hatte. Das Kind hat hellblondes Haar, frische Gesichtsfarbe und braune Augen. Bekleidet war es mit schwar­zen Schuhen und Strümpfen und grünlich gestreifter Bluse.

Frankfurt a. M., 18. Mai. (Die deutsche Reichsbahngesell- schast im April 1926.) Der Eisepbahngüterverkehr ist im Mo- nat April nur wenig gestiegen. Das Oster seit hatte vorüber­gehend zu einem gesteigerten Versand von Expreß- und Eil­gutstückgut geführt. Der Versand von Frachtstückgut war den ganzen Monat über lebhaft. Der Tierverkehr nahm an Bedeu­tung zu, seitdem die Maul- und Klauenseuche im Abflauen be­griffen ist. Kartoffeln wurden wegen des lebhaften Bedarfs an Pflanzkartoffeln lebhafter als im Vormonat begehrt. Die Kohlenmarktlage zeigte von Mitte des Monats an eine leichte Besserung. Der Versand künstlicher Düngemittel ging erheb­lich zurück. Erstmalig wurden besondere Eemüsezüge als Kon­kurrenz gegen die wachsenden Autotransporte zwischen Deutsch­land und Holland eingelegt. Der Personenverkehr erfuhr in einigen Bezirken- eine leichte Besserung. Zahlreiche Züge muß­ten indessen aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Fahrplan zurllckgenommen werden. Die Zahl der geleisteten Zugkilo­meter ging von 45 Mill, im März auf 41 Mill, im April zu- tück. — Es ist in Aussicht genommen, erneut eine größere An­zahl entbehrlicher Reichsbahnbeamten der Besoldungsgruppen 2 und 3 an den Reichspostdienst abzugeben. Die Abgabe dieser Beamten soll noch im Laufe dieses Monats durchgeführt werden.

davon wollte aber "Prinzeß Amalie nichts hören, sie fürch­tete seine Vorwürfe und seinen Zorn und glaubte, ihre ohnehin prekäre Stellung am Hofe durch Bekanntwerden des Vorfalls noch mehr zu schädigen.

So schüchtern Prinzeß Amalie in Wahrung ihrer Rechte nach oben war, so naiv war sie in ihren Anforderungen abwärts.

„Bitte, verschaffen Sie mir gleich — jetzt — ehe der Herr fortgeht, die Chatons wieder, liebe Rose. Wulbradt soll Ihnen helfen, er ist klug und verschwiegen. Der Mann muß sie Ihnen ausliefern, und er soll darüber ebenfalls schweigen. Es darf durchaus kein Aufsehen gemacht wer­den, die Keil und Petow dürfen nichts davon erfahren, sonst bleibt die Sache dem Prinzen doch nicht verborgen."

Rose stutzte, denn ehe sie antworten konnte, verwan­delte sich die fiebernde Hast, die ängstliche Spannung in dem Antlitz der Prinzessin in ein gefälliges, verlegenes Lächeln. Der Prinz war den Damen gefolgt und stand in der Logentür, der Rose den Rücken zuwandte.

„Prinzeß Karl und die jungen Prinzessinnen wollen den Ball verlassen, Amalie!" Dies wurde im Ton des Vorwurfs vom Prinzen gemeldet. Prinzeß Amalie schlüpf­te eilig hinaus. Der Prinz umfing die weiße Gestalt der Hofdame mit einem brennenden Blick, halb Zorn, halb Zärtlichkeit.

„Für wen sind Sie wohl so schön, Rose?" fragte er halblaut.

Prinz Karl von Preußen und andre Herren unter­brachen das Tete-a-tete, Rose zog sich schnell zurück und ver­suchte durch das Gedränge zu kommen, um ihre Prinzessin oder Wulbradt wiederzufinden.

Prinz Karl sah mit einem eigentümlichen Lächeln dem schönen Mädchen nach und wandte sich dann zurück an die ihres Schicks wegen berühmte Hofdame seiner Gemah­lin, Gräfin H.:

„Nicht jede Dame dürfte einen glatten Scheitel wagen, wie das schöne Fräulein hier; Gräfin, Sie sollten einmal solche Flechten im Nacken versuchen; es gibt dem Kopf ei­nen ganz besonderen Ausdruck."

„Man trug solche Flechten vor zehn Jahren, Eure Königliche Hoheit. Ich besitze noch welche aus jener Zeit, würde es aber nicht wagen, mit solchen Reliquien der Mode zu glänzen," war die schnelle Antwort.

Der Prinz lachte. ’

„Wie boshaft die Damen sind und, wie ich fürchte, in diesem Fall sogar auf Kosten der Wahrheit oder —" Er drehte sich zu einer der andern Damen herum und flüsterte dieser zu: „Glauben Sie auch, daß dieser köstliche Schmuck in seiner überzeugenden Einfachheit und Wahrheit trügt?"

Höchst n. M., 18. Mai. (Erweiterung der Höchster Farsi- werke.) Die Höchster Farbwerke lassen gegenwärtig in der Richtung auf Kriftel zu bedeutende Neubauten aufführen, die zum weitaus größten Teil schon fertiggestellt sind. In diesen Neuanlagen wurden dieser Tage mit der Gewinnung von Kali­salpeter in großem Maßstabe begonnen. Für die rasche Fort­schaffung dieses hochwertigen Düngemittels sind weiterhin großartige Silos, erhebliche Bahnanlagen und neue Bahnan­schlüsse gebaut worden. Den für die Herstellung des Kalksal­peters erforderlichen Rohstoff, Ammoniak, liefert die Badische Anilin- und Sodasabrik, Abteilung Oppau. Die neuen Anla­gen, die übrigens auch eine Reihe von Laboratorien enthalten, können die Nachfrage nach dem Kalksalpeter kaum befriedigen, obwohl auch in dem Oppauer Werk täglich bedeutende Mengen hergestelll werden. — Als letzte der heimischen großen chemischen Werke wird nunmehr auch das Mühlheimer Farbwerk vorm. A. Leonhardt u. Co. in Mühlheim a. M. in den Intcressenkreis der Farbenindustrie A. E. einbezogen.

Königstein i. T. 17. Mai. (Mehr Jagdkanzeln als Hirsche.) Im Altkönigrevier stehen auf einem knapp 20 Morgen großen Kahlschlag nicht weniger als fünf Jagd­kanzeln und ein Ansitzschirm. Das sind nach der Meinung waidgerechter Jäger mehr Schießbehelfe, als überhaupt gegenwärtig jagdbare Hirsche im Vordertaunus vorhan­den sind. Wenn von jeder Jagdkanzel nur ein Hirsch ab­geschossen würde, dann könnte man den letzten Taunus­hirsch recht bald im Wiesbadener Naturhistorischen oder im Senkenbergmuseum zu Frankfurt bewundern.

Ginsheiin, 18. Mai. (Im Alkoholrausch ertrunken.) Vorige Woche hatte der aus Weinheim (Rhl.) stammende Straßenar­beiter Eisinger mit mehreren Kameraden in verschiedenen hie­sigen Wirtschaften Einkehr gehalten und sich dabei sinnlos be­trunken. Auf dem Heimweg sprang er plötzlich in den Schwarz­bach und ertrank.

Darmstadt, 18. Mai. Wegen fahrlässiger Tötung stand jetzt der Kunstmühlenbesitzer H. Spahn aus Schönberg a. Ä. vor der Strafkammer. Sp. versuchte das Benzin seines Kraftwagens, das eingefroren war, mit einer Lötlampe wieder flüssig zu machen, wobei das Auto in Brand geriet. Die Feuerwehr trat in Tätigkeit, und hierbei wurde der 14jährige Sohn des Feuer- wehrkommandanten, sowie eine ganze Anzahl von Personen, darunter der Autobesitzer bedenklich verletzt, da der Benzinbe- Hälter beim Abjchleppen des Autos explodierte. Der Sohn des Feuerwehrhauptmanns starb an den Brandwunden. Wegen Aueßrachtlassen der nötigen Vorsicht erhält Sp. 6 Monate Ge­fängnis, der Mitangeklagte Feuerwehrhauptmann wird frcige- fprochen,

Hachenburg, 17. Mai. (Der alte Westerwald auf Ab­bruch.) Wie von amtlicher Seite mitgeteilt wird, hat sich auf dem Westerwald ein neuer Geschäftszweig auf­getan. Alte Westerwälder Häuser, die vor dem Abbruch stehn, werden von Zwischenhändlern auf Abbruch erwor­ben. Das Balkenwerk wird sorgsam auseinander genom­men und hauptsächlich nach England verkauft. Hier wird es auf den Landhäusern meistens, etwas aufgeputzt und frisiert, neu aufgesetzt. Solange dieser Handel darauf be­schränkt ist, Gebäude, die ohnehin verloren, zu verhandeln, ist dagegen nichts einzuwenden. Sollte man dagegen da­zu übergehen, architektonisch wertvollere und noch benutz­bare Häuser des alten Westerwaldes — und dann wohl auch im Taunus und in der Mainebene — zu „verschie­ben", so würden die Behörden diesem Geschäft nicht un­tätig zusehen können. Die Bürgermeistereien und sonsti­gen interessierten Kreise wurden angewiesen, die Ange­legenheit scharf im Auge zu behalten.

Nah und Kern.

O Festnahme einer Falfchnrünzerbandc. Der Magde­burger Kriminalpolizei ist es nach monaielaiiger Arbeit gelungen, eine sehr vorsichtig arbe lende Falschmünzer- bande, die falsche Fünfzigpseiuugssückc in großen Mengen herstellte und in den Verkehr brächte, hinter Schloß und Riegel zu bringen. Die Maschinen und das dazugehörige Material wurden in einem Lokal in Biederitz beschlag­nahmt.

O Verhängnisvoller Flug einer Gans. In O b c r k a tz bei Meiningen ereignete sich ein schweres Unglück, dem zwei Einwohner zum Opfer fielen. Eine Gans flog aus der zur Weide hinausziehenden Herde gegen den Draht einer elektrischen Starkstromleitung. Dieser riß durch und fiel zur Erde. Der Gänschirt wollte den Draht aus dem Wege räumen, wurde aber im Augenblick des Anfassens durch den Starkstrom getötet und in den nahen Wassergraben geschleudert. Ein von einer Frau zu Hilfe gerufener Landwirt, der den Verunglückten vom Draht zu befreien

Achselzuckend erwiderte die Dame: „Einfachheit, die so ostensibel auftritt, muß es sich gefallen lassen, angezwei­felt zu werden."

„Ich hätte große Lust, dem Streit damit ein Ende zu machen, daß ich den kleinen, silbernen Pfeil aus den be­wußten Flechten zöge."

„Der auch mehr verspricht, als '— er hält, Eure König­liche Hoheit."

Rose hatte nur mit halbem Ohr auf die Bemerkungen um sich her geachtet, ihre Aufmerksamkeit war durch den Eintritt Fescas gefesselt, der die allgemeine Unruhe be­nützt hatte, um sich in die Hofgesellschaft zu drängen. Er kam langsam näher, von der andern Seite trat Prinz Joachim an das Fräulein vom Haff heran. Herr von Wulbradt stand dicht hinter der jungen Dame.

„Stellen Sie mich, bitte, dem gnädigen Fräulein vor," hörte sie eine Stimme mit fremdem Akzent hinter sich.

„Ich erinnere mich Ihres Namens nicht, es ist wohl auch eben nicht der geeignete Moment für eine Vorstel­lung," erklang die Antwort von Wulbradts Lippen. Im selben Augenblick wurde Rose vom Prinzen Joachim an­geredet:

„Würden Sie nicht Vergnügen daran finden, sich in die Gesellschaft unten inkognito zu mischen, mein gnädi­ges Fräulein, nachdem wir pflichtmäßig die Galagesichter in Empfang genommen respektive selbst aufgesetzt ha­ben?" und dann mit einem Blick auf Wulbradt: „Kom­men Sie mit, Wulbradt?"

Der Adjutant wußte genau, daß die Galagesichter für den hohen Herrn den Wert hatten wie das Festtagskleid für ein junges Mädchen — er verneigte sich indes zustim­mend, die junge Dame aber antwortete hastig:

„Ich bedaure, Eure Hoheit, aber ich werde in der Nähe der Frau Prinzessin bleiben müssen, die, glaube ich, allein in der Loge sein wird."

„O, seien Sie unbesorgt, ich werde die Gräfin Keil ver­anlassen, der Prinzessin Gesellschaft zu leisten. Sie ist in der Berliner Gesellschaft famos orientiert, sie kann der Prinzessin als Fremdenführer dienen."

„Ich hatte mich außerdem mit den Damen der Königin und dem Fürsten Scherikoff verabredet," stotterte die Be­fangene.

Der Prinz wollte etwas sagen, biß sich auf die Lippen und wandte sich brüsk ab.

Nur von der Sorge um den von der Prinzessin er­haltenen Auftrag erfüllt, sah sich Rose nach dem Herrn mit der blauen Blume um. Er stand nicht fern an einem der Pfeiler.

(Fortsetzung folgt.)