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Zulöaer Anzeiger

ZulSa / S>a« 2

71 Fulda, 19. Mai 1926

Oeneralfeldmarschall v. Kluck 80 Lahre

1846 — 20. Mai — 1926.

ßkeneralfcldmarschatt von Sind — ganz Deutschland kannte ihn in den August- und Septembertagen 1914, als sich die deutschen Heere über Belgien und Frankreich ergossen, als sich die 1. Armee, die er führte, mühsam ^urd) die Enge von Aachen hindurchgedrängelt hatte und ypcr Lüttich nach Nordwesten vorstieß zu dem großen Umgchungsmanöver. „Macht mir den rechten Flügel stark!" hatte der alte sterbende Generalstabschef von Schliessen noch gemahnt. Klucks Armee bestand aus Sachsen und Brandenburgern, Pommern und Schles­wig-Holsteinern, aktiven Korps, Reserve und Landwehr. Zum erstenmal in der neueren Geschichte trafen — bei Mons — Deutsche auf Engländer; Kluck war es, der den Sieg errang. Nach Südosten geht es in gewal­tiger Schwenkung, dann scharf nach Süden, den Feind von Paris abzudrän­gen in ununterbrochenen Kämpfen, ununterbrochenem Marschieren. Klucks rechter Flügel steht schon bis auf 50 Kilometer vor der fran­zösischen Hauptstadt. Bei Meaux werden die Fran­zosen geschlagen, weiter geht es nach Süden — da wird Kluck auf der rechten Flanke wütend angegriffen. Aber

er schlägt die Stürme ab. Doch an der Marne, links von ihm, droht feindlicher Einbruch — da muß er haltmachen, zurügehen zur Aisne. Die Front erstarrte. Noch einmal, im Januar, erringen seine Brandenburger bei Soissons einen Sieg, aber den Generalfeldmarschall trifft wenige Wochen daraus im vordersten Graben eine Schrapnellkugel und sie setzt seiner militärischen Laufbahn ein Ende.

Fast fünfzig Jahre hatte sie gewährt. Am 13. Oktober 1865 war der damals Neunzehnjährige in die preußische Armee eingetreten, wird 1866 Offizier und zieht in den Krieg. 1870 wird er vor Metz zweimal verwundet. Er war der typische „Frontsoldat", der fast sein ganzes mili­tärisches Leben bei der Truppe verbracht hat, fast immer in Truppenteilen, die im Westen standen. Aber als der 60jährige die Führung eines Korps erhielt, da war es nach dem 5. das 1. o st p r c u ß i s ch e, das in seine Hände gelegt wurde. Und wenn sich dieses Korps, an dessen Spitze er sechs Jahre hindurch bis 1913 gestanden hat, mit einer so unglaublichen Tapferkeit gegen die Russen schlug, in dieser so schwer bedrohten Provinz alle erdenk- Men militärischen Maßnahmen gegen den Russeneiubruch in so überaus durchdachter und genialer Weise getroffen wurden, wie das geschehen ist, so hatte der kommandierende General v. Kluck durch seine Erziehungsarbeit an Offizier und Mann mit das Hauptverdienst daran. 1913 wurde er Generalinspekteur der 8. Armeeinspektion, bis er 1914 dann zu seinem unvergessenen Fcldherrnwcrk im Welt­kriege berufen wurde.

Der Budapester FranksÄscherprozeß.

Bethlen wußte um die Fälschungen.

In der letzten Verhandlung des Frankfälscherprozesses sagte Zeuge Graf Sigray aus: Am Silvesterabend habe^ihm Prinz Windischgrütz gesagt, auch die Regierung und die Orga­nisationen seien in die Frankfälschungsangelegenheilen ver­wickelt. Auf die Frage, ob auch Bethlen um die Sache wisse, antwortete Prinz Windischgrütz, Bethlen habe darum gewußt, doch müsse er wahrheitsgemäß hinzufügen, daß er dagegen ge­wesen sei. Wiitdischgrätz habe ihm dann weiter gesagt, daß auch Rakowicz und Nadossy in die Sache hineingczogen seien. Die weiteren Zeugenvernehmungen ergaben nichts wesentlich Neues. Als Sensation erwartet man die bevorstehende Ver­nehmung des Ministerpräsidenten Graf Bethlen.

Kniisker-Prozetz.

Die E s f c k t c u d c ck u n g c n bei der Staatsbank.

§ Berlin, 18. Mai.

Dr. Rühe wurde weiter vernommen, und zwar noch immer über die Frage, aus welchen Gründen die von Kulisker ge­gebenen Deckungen für die Kredite von der Staatsbank so leichtfertig behandelt worden seien. Er sagte it. a. aus: Die Buchhaltung der Staatsbank war damals so überlastet, daß keine genauen Prüfungen vorgcnommcn werden konnten. Da Kutisker außerdem den kleineren Betrieb hatte, habe er ihn häufig gefragt, ob seine Deckungen auch in Ordnung seien. Er hat mir stets erklärt, daß er mehr Deckung gegeben habe, als notwendig gewesen fei. Unsere Buchhaltung hat darauf­hin öfters Stichproben gemacht und dann das Konto als richtig abgestimmt. Ich hatte außerdem Anweisung gegeben, daß Kittiskcr nur die zweifache Sicherheit bei Deckungen leisten sollte, da ich ihn für einen vertrauenswürdigen Kunden der Staatsbank hielt. Ich verließ mich im übrigen auf die An­gaben, die die Kontrahenten vor dem Notar gemacht hatten. In diesem Falle war der Notar Dr. Werthauer zugleich Syn­dikus des Äufsichtsrates der Stein-Bank. Er mußte doch am besten Wissen, ob die Grundstücke die als Sicherheit übereigneten Hypotheken wert waren.

Gpniweberprozeß.

Brandstiftung und Versicherungsbetrug.

§ Berlin, 18. Mai.

Der Angeklagte Hermann Weber äußerte sich zu der Brandstiftungsanklage. Er bestritt jede Schitld. Am Morgen des Brandtages sei er mit seinem Bruder Adolf nach Stahns­dorf hinausgefahren. Dort kam ein Lastwagen mit zwei Spritfässern an. Adolf und der Arbeiter Piehl wollten nun mit einer elektrischen Motorpumpe die Umfüllung vornehmen. Er selbst sei während dieser Zeit im Garten spaziercuge- gangen. Es soll dann eine Störung in der Leitung entstanden sein, und die beiden an der Pumpe gingen zum Nachbar- grundstück, von dem die Stwmzufuhr erfolgte, um nach der Sicherung zu scheu. Da habe plötzlich ein Arbeiter aus dem Nachbararundstück zum Fenster heransgcrufen: „Es brennt!" Der Brand habe schnell um fiep gegriffen und den Zollraum erfaßt. Sein Bruder Heinrich ist der Beihilfe zur Brandstif­tung, Peters unb Kriminalassisteut Beyer sind der Beihilfe zum Versicherungsbetrug augeklagl. Hermann Weber soll nämlich dem Polizeipräsidium, Abteilung W., eine Bestandsaufnahme eingcrcicht haben, die von Gustav Beyer unterzeichnet und der eine gestempelte Bescheinigung durch Kriminalkommissar Peters beigesngt war. Die Unterschrift von Beyer soll aber Peters selbst gemacht haben. Es heißt, daß letzterer von dem Versicherungsbeträge, den Hermann Weber ausgezahlt er­halten hat — cs sind 3 Millionen Goldmark gewesen —, für sich 100 000 Goldmark beansprucht habe.

Nah und Kern.

O Kommnnalkonflikt in Zwickau. In Zwickau in Sachsen ist ein Kommunalkonflikt ausgebrochen. Infolge der Obstruktion der Linken ist der ganze Haushaltsplan abge­lehnt worden. Der Oberbürgermeister hat daraufhin die höheren Instanzen angerufen; man rechnet mit der Ein- fetzung eines Staatskommissars, bis der Konflikt bcige- legt ist.

O Beim Angeln ertrunken. In Ratzebur bei Neustettin ertranken die Brüder Wilhelm und Erich Schulz beim Äugeln. Sie hatten sich auf einen Kahn gestellt, der in­folge unvorsichtiger Bewegungen umschlng. Vor einiger Zeit ist ein dritter Bruder auf ähnliche Art ums Leben getommen.

O Auf der Landstraße erschlagen. In der Räbe von Ahrensburg bei Altona wurde ein Fuhrman» tot auf der Landstraße aufgefunden. Die Untersuchung ergab, daß er mit einem Knüppel erschlagen tvorden ist. Ein Schlächter aus Ahrensburg wurde als der Tat verdächtig festge­nommen.

O Einweihung des Schlostmuscums in Mannheim. In M a n n h e i m fand in Anwesenheit des badischen Staats­präsidenten, Trunk, der Regierung und des Badischen Landtages die feierliche Eröffnung des Schloßmnseums statt. Daran schloß sich in Rittersaal des Schlosses ein Empfang geladener Gäste durch den Staatspräsidenten.

O Schweres Automobilunglück. Auf der Straße zwischen Heitersheim und Griesheim ist der Kraftwagen des fran­zösischen Vizekonsuls in Stuttgart, JacqUemin, verun­glückt. Jaequemin fuhr mit voller Geschwindigkeit beim Rehmen einer Kurve über eine kleine Brücke in den Sulz­bach, wobei sich der Wagen überschlug und die Insassen unter sich begrub. Jaequemin ertrank. Seine Frau erlitt schwere, seine Tochter leichtere Verletzungen. Die beiden Verletzten sanden im Krankenhaus in Heitersheim Auf­nahme.

O Stärkerer Besuch der deutschen Schulen in Nord- schleswig. Wie aus offiziellen Berichten über das Schul­wesen in Rordschleswia bervoraebt. ist die Zabl der schul­

pflichtigen Kinder in den dänischen Schulen von 5.384 im Jahre 1921 aus 4026 im Jahre 1926, in den deutschen Schulen von 1167 aus 1039 zurückgegangen. Von schul­pflichtigen Kindern besuchten 1921 17,81 %, 1925 20,51 % deutsche Schulen.

0 Eine Luftschiffhalle vom Sturm zerstört. Ein heftiges Sturmwetter, das zeitweise einen orkanartigen Charakter annahm, ist über den größten Teil von Südfrankrcich niedergegangen. In zahlreichen Departements des Südens wurde großer Materialschaden an den Weinbergen und an den Obstgärten angerichtet. In der Nähe von Paris wurde eine der großen Luftschisfhallcn der Kriegsschn.le von St. Cyr, die Halle der Zodiac-Gesellschaft, vom Sturm emporgehobcn, mehrere hundert Meter weit fortgetragen und vollständig zertrümmert.

0 Erdspnltung in Belgien. In der Nähe von Tongern in Belgien spaltete sich plötzlich infolge eines lokalen Erd­bebens die Erde in der Nähe einer Sandsteingrube. Glück­licherweise hatte sich die Mehrzahl der Arbeiter noch nicht in die Grube begeben. Etwa 20 Mann, die sich anschickten, in die Grube zu steigen, fielen in den entstandenen Spalt. Ein Arbeiter wurde getötet, zwölf andere mit schweren Verletzungen konnten gerettet werden.

0 Verhinderte Gefangen mslucht. Im Lissaboner Zentralgefängnis wurde ein kühner Fluchtplan aufgedeckt. Mehrere Strafgefangene wollten die Hintermauer des Ge­fängnisses durchbrechen und so einen unterirdischen Tunnel freilegend entfliehen. Der Man wurde von einem Straf­gefangenen ausgedeckt, der deshalb von einem Komplicen durch Messerstiche schwer verletzt wurde.

0 Ein Riescnbrand in Rumänien. In Bacan wurden durch eine gewaltige Feuersbrunst 500 Häuser im Arbeiterviertel unb zahlreiche Fabriken z e r st ö r t. Tausende von Einwohnern sind obdachlos. Infolge eines heftigen Sturmes war es unmöglich, das Feuer zu lokalisieren. Erst als sich der Sturm gelegt hatte, konnte das Feuer eingedämmi und gelöscht werden. Der Schaden ist sehr groß. Die Zahl der verletzten Per­sonen steht noch nicht fest, soll aber gering sein.

0 Schwerer Unfall eines italienischen Postautomobils. Tas Postautoniobil von Foligno nach bem Monte Falco in Umbrien, auf dem 13 Personen Platz genommen hatten, stiirztc infolge Platzens eines Reifens in einer Kurve um. Alle Insassen werden verletzt. Ausländer befinden sich nicht darunter.

0 Die Folgen des Wolgahochwasscrs. Nach den letzten Meldungen ist die Wolga in der Gegend von Rybinsk euren Meter gefallen und steht gegenwärtig imei Meter über dem Rormalstand. Bei Kasan ist das Hochwasser weiter im Steigen, in der Stadt selbst sind 51 Straßen überschwemmt. Ungefähr 10 000 Menschen mußten ihre Wohnungen ver­lassen und in Klubräumen und Schulen untergebracht werden. In Kanawino (in der Nähe von Nishnij Now- gorod) mußten annähernd 26 000 Menschen ihre Wohnun­gen verlassen. Der Schaden der ^tadt beträgt schätzungs­weise zehn Millionen Rubel.

O Ein mexikanischer Truppenzng nor u n - glückt. Nach einer Meldung aus Mexiko City entgleiste in der Nähe von Jxmiquilpan ein Militärzug und stürzte in eine Schlucht. 12 Soldaten wurden getötet und zahlreiche andere verlebt.

Bunte Tageschronik.

Schwerin. Hier hielt das Laudwehrrcgiment 76 seinen diesjährigen R c g i m e n t s l a g ab. 5Luë allen Teilen Nord- dcMschlands hatten sich die ehemaligen Kameraden wieder zusammcngcsundcn. ^Nil der Feier war die Fahnenweihe für die Ortsgruppe Schwerin der Kamcradcnvcrcimgung der 76er verbunden.

Schleswig. Am Sonnabend und Sonntag fand die A n s- ga r -1100 I a h r - F c i e r statt. Das preußische Jnncnmi- nisterillin war durch Staatssekretär Dr. Meister und Mi­nisterialdirektor Trendelenburg vertreten. Auch die Hanse­städte Hamburg und Lübeck hatten Vertreter entsandt.

Regensburg. Durch die Explosion eines Ölbehälters ge­riet ein in voller Fahrt befindliches Saruffett plötzlich in Brand. Unter den Besuchern entstand eine Panik, die bei und in dem Karussell befindlichen Frauen und Kinder wur­den in dem Gedränge teilweise 51t Boden geworfen. Das Feuer wurde jedoch durch Überwerfen von Decken sehr schnell erstickt.

Koblenz. Der Frost hat stellenweise den Weinbergen sehr geschadet. Die Seitentäler der Mosel sind unten und oben meist stark mitgenommen. Im Ruwericilc rechnet man mehr wie die Hälste als erfroren, an der Saar ein Viertel bis die Hälfte, je nach Lagen.

Stockholm. Die Hascnpolizci in Nynäshamu in Schweden hat den Hamburger Kutter „Roland" mit 60 000 Litern ge­schmuggelten Alkohols beschlagnahmt und die Bemannung verhaftet.

Bukarest. In einer chemischen Fabrik in Bacanlmarc (Siebenbürgen) erfolgte eine Kesselexplosion, bei der vier Personen getötet und zehn verletzt wurden.

Die Bienen im schönen Lenz.

Lenzespracht überall! Blühen und Sprießen, Singen und Klingen, Knospen und Keimen allerorten! — Auch un Vienenstaate Lenzeszauber! Aus allen Straßen und Echsen der wundervollen Stadt mit den vielen tausend Häusern quillt es machtvoll hervor. Zum Licht, zur Son­ne, das ist das große Ziel, dem alle folgen. Entwickelung, Wachsen, Starkwerden, das ist die Aufgabe, der sich alle, alle unterordnen. Ein Träumen von einem Blütenmeer, non unversiegbaren Nektarquellen, von herrlichen Honig­vorräten geht durch die Völker hindurch.

Und doch bringt gerade der Lenz soviele Gefahren für unsere lieben Bienen. Er ist launisch, und oft bringt er Kälterückschläge in einem Maße, daß sie mnachem Früh- ungskinde bereits zum Verhängnis geworden sind. Auch für unsere Bienenvölker muß es die Hauptsorge des Im- sein, möglichst gleichmäßige Wärme in den einzelnen Stöcken zu erhalten. Nie soll er zu früh die schützenden, warmen Hüllen an den Bienenwohnungcn entfernen, ^or allen Dingen darf nicht zu früh erweitert werden. W wenn alle Waben von Bienen belagert sind, kann man das Vrutnest erweitern und Honigräuine geben und ^oun auch nur Schritt für Schritt, nie sprungweise, falls die Einrichtung in den Bienenwohnungen zuläßt. Erst A bn? Witterung soweit vorgeschritten ist, daß die ^utzenwärmtz behaglich in die Wohnungen dringt und die ^tockwärme unterstützt, kann man unbedenklich den Honig- "uin voll und ganz öffnen. Die Wärme ist somit die Dauptbedingung für die Entwickelung im Bienenvolk und r ^’- Grundlage für eine möglichst gute Honigernte. , 1° können wir ein schlagfertiges Heer von Honigsamm- . ‘Wn. zu gegebener Zeit in die weiten Trachtgefilde Arb k"m^ sie dem Imker den süßen Lohn für alle seine u r 11 ^ Sorgen heimtragen. Und gerade wir Im­in s, n unserem deutschen Volke eine so hochedle Gabe achten deutschen Honig zu bieten, daß wir alles

I 11 "Nissen, um möglichst alle Nektarquellen drau- Ihw» ö" erschöpfen. Nur dann wird es uns ge- än niu Auslandshonig, der sich auf allen Märkten, en Laden an allen Orten so unberechtigt breit macht,

zurückzudrängen und in unserem echten deutschen Honig unserem deutschen Volke vom Guten das Beste zu bieten.

Hätt' echten deutschen Honig^Vater Zeus besessen,

Und hätten Olymps Götter ihn gegessen, Sie schätzen heut ihn noch mit höchster Freude Und stellten Nektar und Ambrosia beiseite.

Ern st Eünther."

Die schwarze-Katze vonMohrbach.

Eine Hexengeschichte aus dem Jahre 1926.

Eine Hexengeschichte, wie man sie unserm aufgeklär­ten Zeitalter nicht mehr zutrauen sollte, hat sich in dem Dorfe Rohrbach im Kreise Hersfeld zugetragen. Sie hat gegenüber andern Hexengeschichten, die vielleicht nur er­dacht sind, den Vorzug wahr zu sein, wie sich aus den ein­geleiteten amtlichen Ermittlungen ergeben hat. Dort in Rohrbach gab eine Kuh morgens keine Akilch mehr. Das Melkmädchen bemerkte eine schwarze Katze im Stall und machte ihren Dienstherren, den Landwirt L., darauf auf­merksam. Eine alte Frau riet diesem, er solle von dieser Kuh Milch nehmen nachts zwischen 11 und 12 Uhr in einer Pfanne kochen und mit Messern in die kochende Milch ste­chen, um dadurch die Hexe zu töten. Als L., seine beiden Arbeiter und das Dienstmädchen nachts in der Milch her­umstachen, öffnete sich plötzlich die nur angelehnte Tür, die schwarze Katze kam herein und ging schnurrend in der Küche umher. Als die vier Leute die schwarze Katze bemerkten, verließen sie fluchtartig den Raum und berie­ten in der Stube, die sie hinter sich verschlossen hatten, was zu tun sei. Schließlich riefen sie aus dem Fenster nach Nachbarn um Hilfe. Ein Nachbar kanx und in seiner Ge­genwart wurde die Prozedur des Milchkochens nachdem man der Hexe (der schwarzen Katze) mit Stöcken und Ge­wehren den Garaus gemacht hatte, wiederholt. Die Katze erschien hierauf nicht wieder und man fand sie später tot auf dem Felde. Die Hexengeschichte verbreitete sich im ganzen Kreise, sodaß schließlich auf Veranlassung des Land­ratsamts durch die Landjägerei Ermittlungen ausgenom­men wurden. Diese ergaben, dann, daß die neben der fraglichen Kuh stehende Kuh an deren Euter gelangen konnte und daran gesaugt hat.

Vermischtes.

— Der Reichspräsident und der alte Feldwebel. Wäh­rend seines Aufenthaltes in Hamburg wurde der Reichs- Präsident auch von den Kriegsveterancn von 1866 und von 1870/71 begrüßt. Bei dieser Begrüßung spielte sich eine rührende Szene ab. Der Ehrenvorsitzende des Ham­burger Kriegerverbandes führte den Reichspräsidenten durch die Reihen der Veteranen und stellte ihm einzelne der alten Herren vor. 9US man bei dem 83 jährigen frühe­ren Gardefeldwcbel Reichow angelangt mar unb der Vorsitzende auch diesen vorstellen ivollte, sagte Hindenburg lächelnd: „Nicht nötig, wir kennen uns bereits. Reicholv war ja dabei, als der Leutnant Hindenburg bei der Ein- nahme von Königgrätz den Kopfschuß erhielt!" Der. Reichspräsident war sichtlich erfreut, den alten Kriegs­kameraden nach so vielen Jahrzehnten wiederzuschcn, und man sah es nicht bloß den Veteranen, sondern auch allen anderen, die der kleinen Wiedererkennungsszene bei­gewohnt hatten, an, daß sie aufs tiefste ergriffen innren.

— Der Reformator der Kirchenmusik. (Zu Palestrinas 400. Geburtstag.) Neuere Forschungen haben festqestellt, daß Giovanni Pierluigi da Palestrina, der von seinen Zeitgenossen durch den Beinamen „Fürst der Musik" (musicae prüicepkO ausgezeichnet wurde, am 9. Mai 1526 geboren worden ist; Geburtstag unb Geburtsjahr waren früher oft anders angegeben worden. Der berühmte Mann, den man mit Recht den Reformator der .Kirchen- musik genannt hatte, hieß eigentlich Saute und war zu Palestrina (Präneste) im ehemaligen Kirchenstaat geboren. Seit dem Jahre 1555, wo ihn Papst Julius III. nach Rom berufen hatte, bekleidete er Kapellmcistcrstellen an den größten Kirchen Roms, zuleyt an der Peterskirche. Als das Tridentinische Konzil (1526) die Reinigung der mit allerlei Profanem vermischten Kircheumusik beschloß, wurde Palestrina zum Mitglied einer aus acht Kardi­nälen und acht Mitgliedern der päpstlichen Kapelle zu­sammengesetzten Kommission, die einen einfachen und edlen, von Künsteleien freien Kirchenmusikstil fcsllcgcn sollte, ernannt. Palestrina schrieb darauf drei scchsstrm- mige Messen. Von seinen Kompositionen werden noch gegenwärtig verschiedene jährlich zu bestimmten Zeiten in der Sixtinischen Kapelle gesungen. <