denZersatzpflichi auf den amerikanischen SIeürrzahler ab. Er sei jedoch mit Borahs AbschaffnngSvorschlag einverstanden.
Aus Zn- und Ausland.
Berlin,. Der Handels- und SchisfahrtSvertrag zwifcheu dem Deutschen Reich und dem Königreich Schweden ist am 14 Mai unterzeichnet worden.
Berlin. Der Führer der sozialdernokratischen Rcichstags- fraktion, Abg. Müller Franken, vollendete sein 50. Lebensjahr.
Berlin. Während der Pfingsttage findet in der Reichs- Hauptstadt eine Massendemonstration der Kommunisten statt, an der etwa 80 000 Kommunisten teilnehmcu werden. Polizei und Reichswehr haben umfassende Maßnahmen getroffen, um etwaigen Ausschreitungen begegnen zu können. Jeder Urlaub bei der Polizei und der Reichswehr ist für die Feiertage ge» sperrt worden. 14.000 Schupobeamte befinden sich in erhöhter Alarmbereitschaft. Der Reichswehr werden Panzerwagen, Artillerie und Maschinengcwchrtolonncn zur Verfügung stehen. Die in Berlin einlaufenden Sonderzüge sollen nach Waffen durchsucht und das für die politischen Verbände vom preußischen Innenminister cingeführte Stockverbot soll strikt durMeführt werden. Außerdem sollen zahlreiche Rettungsstellen errichtet werderu r .
Drespn,!, Sie sächsische Regierung hat ihre Vertreter beim Reicks rat angewitDn, sich dem preußischen Einspruch gegen die Flaggeiwerordnung anzuschließen.
Breslau. DaS Alkoholausschankverbot für Oberschlesien, das vom Oberprüsidenten Zimmer erneut in Wirksamkeit gesetzt worden war, ist wieder ausgehoben worden.
Karlsruhe. Das Staatsministerium ernannte den Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht Karlsruhe Franz Honold zum badischen Gesandten und stellvertretenden Be- Vollmächtigten beim Reicksrat in Berlin.
Egen. Reichskanzler a. D. Dr. Luther hält sich seit seiner Abreise aus Berlin in Esten auf. Luther beabsichtigt, sich dort als RechOauwalt niederzulassen.
Lübeck, In einer stürmisch verlaufenen Bürger- schastSsibung brachten die Sozialdemokraten ein Miß- t r a n c n s v o t n m gegen den Bürgermeister Dr. R e n m a n n ein. Die Kommunisten und die Demokraten erklärten sich dafür. Die Abstimmung erfolgt erst in der nächsten Woche.
London. In Beantwortung einer Anfrage bezifferte Churchill die durch, den Streik verursachten Ausgaben der Regierung auf 750 000 P-und Sterling. Es besiehe jedoch, so sagte Churchill weiter, keine Notwendigkeit, eine Steuer- erhöhung vorzuschlagen.
London. (Die Verhandlungen im englischen Bergbau.) Die Vertreter der englischen Bergarbeiter der- handelten erneut mit Baldwin, um genauere Einzelheiten über den Vergleichsvorschlag des Premierministers zu erlangen, die einer' Delegiertenversammlung der Bergarbeiter am Donnerstag vorgelegt werden sollen. Allgemein ist man der Auffastung, daß die Bergarbeiter Baldwin keine Schwierigkeiten machen werden, während die Grubenbesitzer anscheinend sich nicht mit dem Plan Baldwins befreunden können.
Deutscher Reichstag.
(204. Sitzung.) CB. Berlin, 18. Mai.
Hause wird der stattgesundene Regierungswechsel noch lebhaft diskutiert. Mit Spannung sieht man den morgigen Erklärungen des Reichskanzlers entgegen. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die
Handelsabkommen mit Spanien, Portugal, Honduras und das Zusatzabkommen zum deutsch-französischen Handelsabkommen in zweiter Beratung. Der Auswärtige Ausschuß und der Handelspolitische Ausschuß beantragen unveränderte Ge- ^'"^Äbw^Dr. Lejeunc-Füng (Stu.) erklärte, daß der neue spanische Vertrag gegenüber den früheren Verträgen wezent- liche Verbesserungen in der Meistbegünstigung enthalte. Deutschland genieße den niedrigsten Zollsatz, den Spanien keinem anderen Lande äewährt habe. Der Zollsatz für Want» fiten roten Verschnittwein werde hossentlich so angeUmudt, daß der deutsche Weinbau einen wirksamen Schutz habe. Seme Partei könne allo für den Vertrag stimmen, der für ue deutsche Industrie und Landwirtschaft einen Vorteil bedeute. Im übrigen wandte sich der Redner gegen etwaige Absichten bei späteren Handelsverträgen, aus reinem Exportbedürfinr- heraus die Interessen der deutschen Landwirtschaft zu opfern. Er meinte, der Wert der landwirtschaftlichen Urerzeugung in der Vorkriegszeit werde mit 17 Milliarden berechnet. Jede Minderung des Etrages, die auf Grund unzureichender Inlandspreise und einer verfehlten Handelsvcrtragspolmk der deutschen Landwirtschaft zugemutet werde, schlage schließlich zuungunsten der deutschen Industrie aus, mindere die Produktion und zerstöre die Kaufkraft des inneren Marktes.
Abg. Frau Sender (Soz.) meinte, daß die wichtigsten Interessen der Gcsamtwirtschast bei den Verhandlungen mit Spanien zugunsten einer kleinen agrarischen Gruppe verleugnet worden seien. Für die Kleiueisenindufirie sei sogar »in,, Nerkwtpmteruna aeaenüber dem Vrovisorium einaetreten.
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Die Rose vom Haff.
Ein Hoftoman von EmileErhard (Baronin v. Warburg).
30) (Nachdruck verboten.)
Unter den fremden hohen Gästen, die in diesem Winter zahlreicher als gewöhnlich sich eingefunden hatten, erregte die Erscheinung der hochblonden Prinzeß Amalie von T. die Aufmerksamkeit des Publikums ganz besonders. Nicht daß man die Prinzessin zu den schönsten Erscheinungen der' auserlesenen Gesellschaft rechnete, sie frappierte aber aus andern Gründen. Die Berliner Zuschauer hatten ein feines Verständnis für Toilette, speziell für den Schmuck an Edelsteinen, sie waren durch den Geschmack und Reichtum ihrer Prinzessinnen sehr genau? Das berühmte Perlendiadem der Königin Elisabeth, die gelben Diamanten der Prinzessin von Preußen, die großen Perlen der Prinzessin Karl waren der Stolz und die Genugtuung der königstreuen Berliner. Nun trug die junge, dem Publikum unbekannte Prinzessin, die vom Prinzen Albrecht von Preußen während der Polonäse geführt wurde, ein seltsames Kleinod in den aschblonden Haaren, ein Diadem von Türkisen und Brillanten, unter dem die runde, weiße Kinderstirn sich wie belastet senkte. Eine Zusammenstellung von Saphiren mit dem edelsten der Steine, dem Brillanten, war man an der Prinzeß Albrecht von Preußen zu bewundern gewohnt gewesen, Smaragden, gleicherweise gefaßt, hatte die Kaiserin von Rußland oft getragen, aber den Türkis als Halbedelstein mit einer großartigen Verschwendung der schönsten Brillanten zu einem Kuriosum an Wert und Kunst im Schmuckgenre erhöbet zu sehen, das war neu und wurde gebührend beachtet.
Nacken und Arme, der Ausschnitt des Kleides sowie die auffallend hübsch geformten, kleinen Ohren der Prinzeß Amalie waren mit Türkisen in Brillanten geschmückt. Ilebrigens war die ganze Toilette für die etwas schmächtige Gestalt der Prinzessin gut gewählt. Lichtblaue Silbergaze umwogte die zarten Glieder, hob das matte Blond des Hauptes und verlieh der weißen Haut einen wahrhaft blendenden Schimmer. Wie hineingestreut yt den duftigen Stoff erschienen unzählige Vergißmeinnicht- und Maiblumensträußchen. In allen Nuancen des Prismas funkelten kostbare Tautropfen in den Blüten. Diese Lha- tons wie der ganze übrige Schmuck gehörten dem grotz-
Die Nvtünn bei Winzer st i Sännt dennoch nicht vcHoven, denn diese Not hätte andere Ursachen als mangelnden Zollsmutz. Die Regierung habe anerkennen müssen, daß der letzte äon» tarif zollsteigernd auf andere Staaten gewirkt nabe.
Smmlens (S. Vp.) erkannte die Tätigkeit der deutschen' Delegation am meinte aber, daß der beutfdtfpanif^e Vertrag nicht alle Forderungen der deu-schcu ^virtschaft - fülle Sellw Freunde würden zwar znstimmcn, mußten aber dagegen Verwahrung einlegen, daß bei anderen Handelsver tragen allein die Landwirtschaft Opfer bringen solle.
■ Aba Meyer-Berlin (Dem.) machte den Deutschnattonalen den Vorwurf, daß durch ihre Schuld die Begehungen i der deut- scheu Industrie zum AuSlaude von ^ahr zu ^ahr mehr in Ver- lvirrung geraten seien. Der Vertrag mit Spanien biete keinen Grund zur Genugtuung. Der von 1925 fei besser gewesen, aber auf Drängen der Denischnationalen gekündigt worden.
' Abg. Wiffell (Soz.) betonte den Rednern der Rechten gegenüber die Notwendigkeit einer Förderung des Exports im Interesse der deutschen Gesamtwirtschaft.
Abg. v. Gräfe (Volk.) bezeichnete die m dem neuen Vertrag enthaltenen Verbesserungen als eine Rechtfertigung für den Protest der Völkischen gegen den ersten Vertrag.
* Abg Urbahns (Komm.) richtete Angriffe gegen die Sozialdemokraten, deren ganze Politik darauf hinausgehe, die kaptta- listische Politik auf Kosten des Proletariats zu starten.
Die Handelsabkommen mit Spanien, Portugal mid Honduras wurden gegen die Kommunisten und Volktschcn, das deutsch-französische Zusatzabkommen und der oeutscy-estunche Konsulatsvertrag gegen die Deutschnationalen, Kommunisten und Völkische« in zweiter und dritter Lesung a n g e n o m m e n.
Das Gesetz zum Schutze der Nepubiik.
Es folgte bic zweite Beratung des völkischen Antrages auf AufhebungdcsVesctzcs zum Schutze der Republik bom 21. <>ult 1922? Der Rcchtsausschuß hat sich gegen den völkischen Antrag ""^Abg°Kube (Völk.) begründete den Antrag. Das Republik- schutzgcfet; fei ein unerhörtes Ausnahmegesetz, das schleunigst aufgehoben werden müsse. Der Beseitigung beëStaat^
Tin Fr 3 bei Illitsj € bl? Bè^LWAHHZ des Schutzgefetzes folgen, damit der Willkürherrschaft Severings und feiner Umgebung ein Ende gemacht Wirb. Das Republikschutzgesetz fördere Spitzeltum und Gesinnung^ schnüffelet weit mehr als das frühere Soziallftengesetz. Die vreuß sche Schupo ist heute nicht ein Instrument des Staates, sondern ein Instrument des bewußten Gegensatzes zur Reichswehr und zu allen vaterländischen Kreisen un ^olkc.
^lbg Dr. Rosenberg (Komm.) stimmt dem völkischen Antrag zu, wendet sich aber gegen die Begründung durch den Aba Kube Die Parteien von rechts wurden durch) oas Re- publik'schutzgesctz nicht bedroht, wohl aber die Kreise von links, besonders die Kommunisten.
Abg. Dr. v. Freytagh-Loringhovcn (SW.) stimmt dem völkischen Antrag zu und protestiert gegen die jüngste, p reu» Tische Polizei aktiou gegen Maß und feine Freunde. Seit wann ist es denn Hochverrat, eine Verfassung auszuarbeiten. (Unruhe und Rufe links.) Aus den Kreisen der Sozialdemokraten ist doch 1917 auch eine republikanische Verfassung ausgearbeitet worden, (lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten) wenn auch das Wort „Republik dann nicht enthalten War. (Lärm bei den Sozialdemokraten.) Was will man von dem Bürgermeister Dr. Neumanns Heute trägt doch jeder Bürgermeister sein Reichskanzler- vatent in der Aktentasche. Warum soll ein.Rechtssteheuder davon ausgeschlossen sein? Wenn mtmarcbW Gesinnung als Hochverrat gilt, dann muß die ganze ^eutsch- nationale Volkspartei des Hochverrats angeklagt werden; denn keiner von uns verleugnet seine monarchtsche Gesmnung. (Laute Rufe bei den Sozialdemokraten: Sie waren ja Untertan des russischen Zaren im Kriege.) Solche Angriffe gegen den deutschen Stamm der Balten richten sich selbst. Sie Putschaktion des preußischen Innenministeriums war nur möglich auf der Grundlage des Nepublikphutzgesetzes. Darum muß dieses Gesetz fallen. ,
Abg. Dr. Scholz (D. VP.). Meine Freunde Haven im Rcchtsausschuß gegen den völkischen Antrag gestimmt, weil sie eine Überleitung der BestimmyngLN des angefochtenen Gesetzes in das allgemeine Strafrecht wünschen. Inzwischen sind die bekannten Ereignisse in Preußen eingetreten, von denen ich im Ramen meiner Fraktion feststellen darf, daß sie meine Partei au f ’ § äußer st e erregt haben und daß ich nicht anstehe, sie mindestens der Form nach als einen groben Mißbrauch der Gcsetzcsüestimmnugeu festzustellen. (Lebhaftes hört, hört Liuks. Große Bewegung bei den Demokraten und dem Zentrum.) Wir sind deshalb der Auffassung, die ganze Angelegenheit erneut einer Nachprüfung zu unterziehen mit dem Ziel, das Republikschutzgesetz so schnell Wie möglich aufzuheben.
Abg. Levi (Soz.). Wenn der völkische Abgeordnete Dr. Frick den Beschwerden seines Parteifreundes Kube über die Polizei zustimmte, so muß darau erinnert werden, daß am 9. Oktober 1920 ein des Mordes schwer verdächtigter Mann aus München entweichen konnte, mit einem falschen Paß, den er erhalten hatte durch die von Dr. Frick geleitete Abteilung der Münchener Polizei. (Lebhaftes Hörl, hört und Pfuirufe links.) Wir wissen, daß das Republikschützgesetz versagt hat,
herzoglichen Hausschatz an, jedes Stück, jeder Stein desselben war dem Prinzen Joachim von dem betreffenden Kronbeamten zugezählt worden.
Die blonden Wimpern gesenkt, die roten Lippen verlegen zusammengepreßt, ein feines Rot innerer Erregung auf den Wangen, so schritt Prinzeß Amalie an der Seite ihres hochgewachsenen Begleiters einher, wie glanzgeblendet und ihre eigene Pracht mit der Demut einer Griseldis tragend. Und Haltung wie Ausdruck der unbekannten Prinzessin waren als zweites bemerkenswertes Moment von dem kritisch veranlagten Berliner verzeichnet worden.
Auch das Fräulein vom Haff fand Beachtung. Blonde Frauen erfreuten sich der besonderen Gunst des Berliner Publikums, dessen Ideal die Königin Luise ist und bleibt. Vollendete Frauenschönheit mißt man an ihrem Bilde, an ihrer Statue.
Hier hatte man mit etwas Verwandtem zu tun. Rose war dem Berliner eine hochfympathische Erscheinung, eine echte Schönheit der Ostseeküste.
Ihre Toilette fand man sehr einfach, und dies beeinflußte die Kritik einer der sehr eleganten Berliner Hofdamen, die viel von dieser Schönheit gehört und etwas andres erwartet hatte.
„Sie weiß nichts aus sich zu machen, sie frisiert sich wie ein Schulmädchen, trägt billige Stoffe, hat keinen Schmuck und keinen Schick. Es mag alles echt an ihr fein, sie wird uns hier aber keine Konkurrenz machen."
Schon während der Polonäse war manchem der dabei Beteiligten, vor allem aber Herrn von Wulbradt, die wenig einnehmende Physiognomie des Legationssekretä^s von Fesca aufgefallen. Er befand sich in der vordersten Reihe der Spalier bildenden Zuschauer. Dabei starrte er, durch Sitte und Form wenig geniert, den hohen Herrschaften mit der Unbefangenheit eines Menageriebesuchers in das Gesicht.
Als der feierliche Umzug beendet war, und die königliche Familie mit ihren Gästen sich in die Proszeniums- logen der rechten Seite, die diensttuenden Hofstaaten aber in die für diesen Zweck reservierten drei folgenden Logen, die mit dem Proszenium und dazugehörigem Foyer zu einem abgeschlossenen Eescllschastsraum verbunden waren, zurückgezogen hatte«, da war der Chevalier Fesca in dem der Legation vorbehaltenen Proszeniuur vis-n-vis erschienen und lorgnettierte in der dreistesten Weise von dort aus abwechselnd Prinzeß Amalie und ihre Hofdame. Letztere hatte mit den Damen der Königin in einer der Hoslogen Platz genommen.
Dag es seine Lillakse mit gegen »riu nie O7 n f'Sp- richtet hat, aber das ist nickt die Schuld des Gesetzes, fn;., der» derer, die es angewandt haben.. (Sehr wahr, links.) Darum stimmen Wir nicht für die Aushebung. Die Verfolgung der Hochverräter vvn remis ist das Ressort des Reichs- ânwalts Niethanimer, der dadurch gebührend gekennzeichnet ist, daß ihn int Prozeß gegen Vic Organisation Cottsul die Älngeklagtcn für seine Art der AMagpverirelUng Dank sagten
' Nach Schluß der Debatte wird der völkische Antrag a>i den Rechtsausschuß zurückvcrwiescn.
Daraus vertagt sich das Haus auf Mittwoch.
preußischer Laâag.
(173. Sitzung.) tt. Berlin, 18. Mai.
Das Haus verabschiedete zunächst zwei kleinere Vorlagen, so eine Finanzvorlage für den Ansbäu des Binnenhafens von Emden und sodann eine Vorlage zur Vermehrung unb Verbesserung von Arbeiterwohnungen aus den Domäne«.
Kortfehung Der Amschdebatte.
Abg. von Epnern (D. Vp.) bedauerte, daß trotz der Wichtigkeit der Materie irgendein Regierungsvertreter noch nicht anwesend sei. Sie polizeilichen Befugnisse müßten revidiert werden. Das freie Ermessen bei der Polizei dürfe nicht zur Willkür werden. Im vorliegenden Falle sei der Eindruck erweckt worden, daß sich die Regierung allein von der Parteileidenschaft habe leiten lassen. Bei Beratung des Hauptetats werde man Einzelheiten des Polizeictats nachzuprüfen haben, insbesondere, wieweit die Personalpolitik bei der Polizei von Parteigedanken geleitet werde. Ministerpräsident Braun habe auf die ganz präzisen Fragen des Redners der Volkspartei keinerlei Auskunft gegeben. Nachdem der Redner auf die dem Staate seiner Ansicht nach von der äußersten Linken drohenden Gefahren hingewicsen hat, die viel zu leicht genommen wurden, erklärt er, seine Partei werde zwar dem Rotetat zustimmen, weil er keine politische Angelegenheit darstellt. Man solle daraus aber nicht auf die Gesamteiustellung zum Kabinett Braun-Severing schließen.
Aba. Wrisemann (Dtn.) erklärt, durch die vorgcnomme- nen Hanssnchuugeu seien die Bestimmungen des Strafgesetzbuches verletzt. Überall zeige sich jetzt wieder der alte Dualismus der deutschen Geschichte. Schuld daran sei die Revolution, die aus Meineid und Hochverrat geboren wäre. (Große Unruhe; Unterbrechungen und Gelächter links.) Wenn nicht alles täusche, stauben Wir am Vorabend einer neuen revolutionären Welle. „ )......MH
Abg. Pieck (Komm.) erklärt, die Vertreter der Regierungsparteien hätten sich in dieser Debatte nicht als Ausbund von Klugheit gezeigt. Es müsse endlich einmal aufgeräumt werden mit jenen Burschen, die in der Reichswehr und in der Beamtenschaft die Monarchie wieder ausrichten wollen.
Die Aussprache wird baitn unterbrochen unb es folgen die Abstimmungen zum Kultushaushalt. Angeuonuneu wurde ein Antrag auf Errichtung von Schülerheimen bei Aufbauschulen. Die Anträge zu der Erhöhung des Schulgeldes werden dem Hauptausschutz, die Anträge betr. Erhöhung der Gehälter dem Beamtenausschutz überwiesen.
Nach einigen Abstimmungen betr. den F o r st e t a t Wirb die Beratung desNotc 1 ats fortgesetzt. Abg. Pieck (Komm.) wiederholt die von den Rednern seiner Partei vorher schon gemachten Ausführungen.
Abg. Körner (Völk.) erklärt das Vorgehen der politischen Polizei in der Putschangelegeuhett als Verfassungsbruch. Wir lebten in keinem Rechtsstaat, sondern vielmehr schon unter der Diktatur, und zwar der Diktatur gegen den vaterländische« Geist.
Damit ist die Besprechung geschlossen und der Notetat wird in ziveiter Lesung gegen Deutschnationale und Kommunisten angenommen, ebenso der Nothaushaltsetat des preußische» Staatsmiuisteriums. Schließlich wird der gesamte Not- etat in der Schlußabstimmung gegen TMtschnationale und Kommunisten angenommen. Dann vertagte sich das Hans.
Aus Stffen-Raffm und Nachdargebieteu
Merkblatt für den 20. Mai.
Sonnenaufgang 42 I- Mondaufgang 11" V, Sonnenuntergang 751 y Monduntergang 1“ V.
1798 Der Stenograph Wilh. Stolze in Berlin geb. —,
1799 Der Schriftsteller Honorb de Balzac in Tours geb.
Treue üben ist Tugenb, Treue erfahren Ehre.
Freifrau v. Ebner-Eschenbach.
Wetterbericht.
Der Luftdruck über Europa ist sehr gleichförmig geworden. Infolgedessen bilden sich immer wieder flache Druckstörungen, die noch keine beständig trockene Witterung aufkommen lassen. Da jedoch die Zufuhr weiterer kalter Luftmassen aus Norden abgeschlossen ist, ist jetzt mit allmählicher Erwärmung der auf das europäische Festland schon vorgedruwgenen kalten
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Die liebenswürdige Gräfin D. überließ den beiden jüngeren Hofdamen die vorderen Plätze und lud den ihr näher bekannten Fürsten Scherikoff ein, sich zu ihr zu setzen.
Es waren zwei Rosen, diese beiden Damen'in der Hofloge, Gräfin Rose von K., eine Hofdame der Königin, und die Rose vom Hâff. Fürst Scherikoff blickte bewundernd von einer zur andern.
„Welch reizende Variation desselben Themas!" flüsterte er halblaut seiner älteren Freundin zu. „Diese beiden Rosen von der blauen Ostsee! In der Gestalt sich ähnlich, nur in der Farbe verschieden."
Gräfin Rose von K. war eine Ostpreutzin und zeigte die hübsche Zusammenstellung von blauen Augen und dunklen Haaren, wie man das dort meistens findet. Lebhafter in den Farben, bildete ihr Köpfchen einen interessanten Gegensatz seiner Anbetung, der schönen Eräsm Lory in T.
„O, die Gräfin ist noch unbeschreiblich reizend," antwortete der Russe mit Wärme.
„Wie hat sich denn Ihr Herz während des Aufenthaltes in X. zurechtgefunden zwischen zwei Schönheiten von gleichem Wert und Reiz, wie Gräfin Lory und das Fräulein vom Haff?" neckte die liebenswürdige Dame.
Voller Eifer griff der Fürst die Bemerkung auf.
„Nicht von gleichem Reiz und Wert, meine gnädigste Freundin, sagen Sie das nicht. Gräfin Lory — sehen Sie, die eine ist künstliches .Parfüm', die andre ,Dnft'. Es gibt kein besseres Wort für die Unterscheidung, Sie verstehen, welch verschiedenen Wert beide haben." ' „ I
Während Gräfin D. sich über das hllbfche Bonmot amüsierte, war Prinz Joachim in die Nebemloge getreten. Er stand hoch aufgerichtet an der Tür und richtete sein Elas auf die Diplomateuloge.
„Wer ist der unverschämte Patron da drüben, der so unverwandt herüberblickt?" fragte er einen der Herren. i
Der Chevalier Fesca hob eben mit Ostentation ein paar Blumen bis an die Lippen, nachdem er lange zu Prinzeß Amalie hinübcrgesehcn und dann das Fräulein vom Haff fixiert hatte.
Man konnte dem Prinzen den Namen des ihm mißfällig Gewordene« nicht nennen.
„Irgendein Attach« oder Sekretär, der sich seit einiger Zeit in der Gesellschaft umhertreibt, gern eine Rolle spielen möchte und seiner schlechten Manieren wegen ig”^ riert wird," gab jemand aus einer Nebenloge zur Erklärung. ,
(Fortsetzung folgt.) , i, -