Kleine Zeitung für eilige Leser.
* DaS neue Kabinett Dr. Marx hat sich konstituiert. Sämtliche bisbcriQcn Minister außer dem auSgeschie-enen Dr. Luther sind auf ihren Posten verblieben. Marx übernahm neven seinen bisherigen Portefeuilles für die Justiz und für die befeystli Gebiete das KMeLanzleranit.
* Die Abstimmung -um Volksentscheid über die Surften* enteigtmÄA findet bin 2». Juni statt.
* Aè' 15. Mai beginnt in Genf die Tagung der Abrüstungs
konferenz.
* Dör letzte Sultan der Türkei, Mehmed VI., ist in San Remo am Herzschlag gestorben; er ist 65 Jahre alt geworden. ^>» Jahre 1922 wurde er des Thrones entsetzt. ______
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Wir haben bei unseren Haussuchungen leider nicht alles Material Momnicn können, weil wir vor den Herren halt- machten, die in ihrer Eigenschaft als Abgeordnete oder wegen sonstiger hoher Ämter gewisse Rechte haben. Auch bei den Haussuchungen, die vorgenommen wurden, ist uns nicht alles Material in die Hände gefallen, weil die betroffenen Herren leider vorher bereits unterrichtet waren. Einer hat erklärt: „Ich habe die Sachen, die die Polizei nicht sehen soll, bereits auf die Seite geschafft!" Die Dinge seien durchaus nicht harmlos. Das preußische Volk, das in feiner überwiegenden Mehrheit republikanisch sei, werde sich das nicht bieten lassen. Die Regierung werde alle Machtmittel anwenden, um hochverräterische Unternehmungen mederzuringen.
DsLiühNQiisNale SLeiMngrrahme.
Abg. Steinhoff Otn.) betont, die jetzigen Maßnahmen stellten lediglich einen Wandschirm dar, um zunächst die Tatsachen zu verstellen, daß wir vor einer zweiten Revolution, vor einem roten Aufruhr stehen. Der Rote Kämpferbund ist nichts anderes als die Fortsetzung der roten Hundertschaften. Es hat sich herausgestellt, daß die Abnahmen des sogenannten Wehrkartells in den vaterländischen Verbänden reine Abwchrmaßnahmen gegen den roten Terror gewesen sind. Dafür follie man Dank bezeigen. Man hat an Stelle dessen die bekannten Maßnahmen ergriffen. Es besteht eine ungeheure Erregung in der Industrie. Auch in der Landwirtschaft des Westens herrscht große Aufregung wegen des Vorgehens gegen den Frhrn. von Lüning. Herr Braun hat einen beschlagnahmten Brief zitiert, der den Reichspräsidenten für eine Diktatur gewinnen will. Dieser Brief ist gar nicht abgesandt worden. Es handelt sich um einen Entwurf, aus den Die Polizei hereingefallen ist. Das letzte Ziel geht dahin, Nidlich die sozialdemokratische Absicht durchzuführe», aus der Reichswehr eine Miliz zu machen. Das ist ja klar ausgc- sprochen worden in Magdeburg auf bem Rcichsüannertag. Es wurde dort ja gesagt, daß wir den Faschismus hätten, wen» bas Reichsbanner nicht da wäre. Der Kanipf, der von der preußischen Regierung vom Zaun gebrochen ist, ist tatsächlich ber Kampf gegen die Reichswehr. Es handelt sich nicht um »inen Putsch der Vaterländischen Verbände, sondern um einen Putsch der preußischen Regierung. Wir werden nicht nachlassen, gas System Braun—Severing zu bekämpfen und halten an unserem Mißtrauen fest.
Abg. Heilmann (Soz.): Es ist eine Grundregel der Politik, den politischen Gegner, der sich blamieren will, nicht daran zu oerhinderu. Aber über Kleinigkeiten soll hier nicht gesprochen werden. Es handelt sich vielmehr um die Frage, ob der Preußische Staat durch monarchistische Umtriebe bedroht ist oder nicht. Tas Vorgehen der Polizei hat sich als begründet erwiesen. Man kann beweisen, daß in den Verbänden, gegen die Die Polizei vorging und von den Personen, gegen die sich die polizeilichen Beitreibungen richteten, planmäßig der Hochverrat an der Republik vorbereitet wird. Die Briefe, die der Ministerpräsident verlas, waren felbstverständlich von I u st i z r a t C l a ß, der der geistige Führer der Deutsch- nationalen und dex Völkischen ist. Diese Briefe sind ganz eindeutig. Der Redner geht weiter auf die aufgefunbeneu Wassendepots, auf die Tätigkeit des Justizrats Clatz und anderer Personen ein und sagt zu den lautgewordenen Verlangen nach beu Ausnahmezustand: „Den Ausnahmezustand zu verhängen, um unter seinem Schutze die Verfassung zu beseitigen, das wäre bereits Hochverrat. Sollte sich ein 'Reichspräsident finden, der aus diesem Grunde den Ausnahmezustand "verhängt, dann fei schon heute erklärt, daß jede Verfassungstreue Regierung die Pflicht hat, sich diesem Ausnahmezustand nicht zu fügen, sondern sich zu widersetzen und jeder Republikaner hätte die gleiche Pflicht.
Abg. Heilmann (Soz.) führt noch zahlreiche Einzelheiten an, wobei "öfters lebhafte Unruhe im Haufe entsteht. Redner und Zwischenruser von rechts werden zur Ordnung gerufen.
Nachdem Abg. Riedel (Dem.) die rechtzeitige Fertigstellung des Etats gefordert und Abg. Schwenk (Wirtsch. Vgg.) die Forderung nach Beseitigung aller Störungen des Wirtschaftslebens gestellt hatten, betonte Abg. Wulle (Völk.l, daß die Ausführungen des Ministerpräsidenten auf demselben Niveau standen wie die Behauptungen, daß Ludendorff im Hitler- Putsch auf dem Bauche gelegen habe, die als Lügen sestgc- stellt wurden.
Der Landtag vertagte sich darauf auf Dienstag.
Die Rose vom Haff,
Ein Hofroman von EmileErhard (Baronin v. Warburg).
29} (Nachdruck verboten.)
Graf Petow schien sich als Veranlassung zu dem bevorstehenden Femgericht zu betrachten und glaubte zu einem versöhnden Wort verpflichtet zu sein.
Der Eintritt neuer Gäste machte dem Thema ein Ende und brachte vielseitige Anregungen aus den verschiedenartigen Elementen, die sich hier zusammenfanden. Es herrschte bei aller Rang-, Alters- und Nationalitätsverschiedenheit ein so zwangloses, natürlich sich gestaltendes Amgangsleben, wie es nur die festen Formen feiner Sitte ermöglichen, innerhalb welcher sich ein jeder frei und sicher bewegt. Petow machte die Entdeckung, daß hier die Erklärung für Wulbradts Verwandlung zu suchen sei. Wo das Edelste gepflegt wird, bleibt jedem das Seine gewahrt; Kriecherei nach oben, lleberhebung nach unten und die sich dazwischen erhebenden Wucherpflanzen der Lüge, Intrige bleiben fern.
Nach Schluß der Theater fand eine neue Einwanderung statt, und noch etwas später erschienen die letzten Nachzügler aus den vornehmen Abendgesellschaften, welche viele nur passieren, um sich gezeigt zu haben und für die überstandene kleine Qual sich nun mit einem Souper unter Freunden selbst belohnen. ,
In den Gesellschaftsräumen wurde Tee verabreicht; wer soupieren wollte, mußte sich in den großen Epeisesaal begeben, der in der Art der Bedienung und Ausstattung wohl an ein vornehmes Privathaus, aber durchaus nicht an ein Hotel oder Restaurant erinnerte. — Nach Mitternacht trat mit einem Teil der rusiischen Gesandtschaft Fürst Scherikoff ein.
Wulbradt saß mit seinem Gäste vor den Ruinen eines kopiösen Soupers, welches nach der langen Eisenbahnfahrt den Herren Bedürfnis gewesen. Kaum erblickte sie der Fürst, als er mit gewohnter Lebhaftigkeit auf sie zukam.
„Welche Ueberraschung, Sie hier zu sehen!"
Man tauschte Fragen und Gegenfragen aus, und die beiden deutschen Herren erfuhren, daß Fürst Scherikoff sich auf der Rückreise nach Rußland befinde, da er für das nächste Halbjahr im Dienste abgelöst worden sei, daß er nur einen kurzen Aufenthalt in Berlin zu nehmen gedenke und in den nächsten Tagen die Weiterreise antreten wolle.
DeNtscher' Neichsiag.
(203. Sitzung.) CB. Berlin, 17. Mai.
Aus der Tagesordnung stehen die sozialdemokratischen unb kommunistische» Anträge zur
Erwerbslosenfürsorge. .
Mg. Brey (Soz.) begründete den sSzialdemÄratifchen Antrag'auf Verlängerung der Verordnung über die Erwerbs- losens ürforge gemäß bem Beschluß des Sozialpolitischen Ausschusses bis Ende Juni b. Js. Die Sozialdemokraten sehen in den bestehenden Verordnungen zwar keine endgültige Lösung des Erwerbslosenproblents, aber cs gelte jetzt schnell zu helfen.
ReichsarbeitÄninister Dr. Brauns erklärt gd; mit der von ben Sozialdemokraten beantragten Verlängerung der Verordnung einverstanden. Der kommunistische Antrag auf Er- Höhung der Unterstützungssätze um 50 % fei nicht tragbar Und nicht durchführbar. Er würde dazu führen, daß in vielen Fällen die Unterstützung höher sein Würde als der normale Arbeitslohn.
Abg. Rädel (Koinm.) begründete den fommuuiftttoeii Antrag, der neben der Erhöhung ber Erwerbslosenunterstützung um 50 % auch die Auszahlung der Unterstützung ohne Karenzzeit für die ganze Dauer der Erwerbslosigkeit verlangt.
Damit schließt die Aussprache. Der kommunistische Antrag wird dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen. Der sozialdemokratische Antrag auf Verlängerung der Verordnung über die Erwerbslosenunterstützung bis, Ende Juni wird a n g e n o m m e n. Ein völkischer Antrag über die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen geht an
den Rechtsausschuß.
Abg. Torgler (Konim.) begründete dann einen kommunistischen Antrag, ben Zuschlag zum Gehalt der Beamten für die Besoldungsgruppen 1—6 von 1254 auf 30 % und für die Gruppe» 7—9 von 10 auf 20 % sofort zu erhöhen mit Rückwirkung ab 1. April d. Js.
Sibg. Dietrich-Franken (Völk.) erklärt die Zustintmung feiner Freunde zu dem kommuuistischen Antrag, der dem Haus- haltsausschuß überwiesen wird. Der kommunistische Antrag auf Wiederaufnahme der vom Staatsgerichtshof zum Schutz der Republik unter Mitwirkung des Landgerichtsdirektors Jttraens entschiedenen Verfahren wird abgelehnt. Das
Jürgens entschiedenen Verfahren wird abgelehnt. Haus vertagt sich daraus aus Dienstag.
Zusammenrritt des Auswärtigen Ausschusses.
Berlin. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages
wird AuS-
noch im Laufe dieser Woche sufammeutreten, um eine spräche über ben Verlauf der Verhandlungen der Genfer Kommission ffattfinber. zu lassen. Außerdem wurde auf Vorschlag des Vorsitzende» in Aussicht genommen, demnächst die Fragen des sogenannten W i l s o »-A b k o m in e ns vom 16. Juni 1919 im Auswärtigen Ausschuß zur Erörterung zu stellen, das bei rechtzeitiger Erfüllung der Deutschland auf» erlegten Verpflichtungen eine vorzeitige Räumung der besetzten Gebiete in Aussicht stellte.
Sie Reform des Völkerbmbrates.
Beginn der Abrüstungskonferenz in @ cnf.
Die vom Völkerbund eingesetzte Studienkommissiou, die in den letzten Tagen in Gens tagte und sich mit der Neubildung des Bölkcrbundratcs beschäftigte, hat ein gewisses Pensum ihrer Arbeiten erledigt. Es wurde eine grundsätzliche Einigung über die nichtständige n Rat sitze erzielt. Danach sollen die nichtständigen Rat- sitze auf neun erhöht werden, die jährlich zu einem Drittel aus dreijährige Amtsdauer zu wählen sind. Höchstens drei davon können durch besonderen Versammlungs- beschluß mit einer qualifizierten Mehrheit wiedergewühlt werden. Ter Amtsantritt erfolgt sofort nach der Wahl. In außerordentlichen Fällen kann die Völkerbundversamm- lung jederzeit die Neuwahl aller neun Mitglieder beschließen.
Am 18. Mai beginnt die Tagung der A b r ü st u n g s - konferenz in Genf. Die unter Führung des Grafen Bernstorff stehende deutsche Delegation setzt sich aus Geheimrat von Bülow vom Auswärtigen Amt, Konteradmiral Freiherr von Freiberg, Oberst von Stülpnagel, Major Schindler und Rittmeister Bäumkel zusammen.
Die Lage in Polen.
Eine Proklamation der neuen Regierung.
Sejmmarschall Rataj hat in Vertretung des Präsidenten der Republik den Abg. Professor Bartel zum Ministerpräsidenten ernannt, der bereits eine Regierung gebildet hat. Eine Verordnung des stellvertretenden Staatspräsidenten Rataj, des Ministerpräsidenten Bartel und des Heeresministers Pilsudski bestimmt, daß alle feindseligen Handlungen der Truppen einzustellen
Als er jedoch erfuhr, daß der Hof des Prinzen Joachim für die Karnevalsdauer in Berlin etabliert, und die schöne Rose anwesend sei, da erklärte er, durchaus keine Eile zu haben und zu Ehren der „braunen Goldaugen" dieser Schönsten der Schönen ein Stückchen Karneval mitmachen zu wollen.
„Ihre jugendliche Frische wird bei Hofe Sensation machen, ebenso wie ihre reizende Naivität," meinte er dann.
„Von dieser naiven Frische, die Sie so bezauberte, mein Fürst, ist wenig mehr vorhanden," erwiderte Petow spöttisch lächelnd, „es scheint, daß sie sich schnell verbraucht hat oder — um mich poetisch auszudrücken: über Nacht ist Mehltau auf die Blüten gefallen."
Der Fürst blickte überrascht auf, und Wulbradt sagte ernst:
„Das Fräulein vom Haff hat in diesem Winter ihren Vater verloren —“
In den kleinen, schwarzen Augen des Russen schimmerte eine zarte Teilnahme, er erkundigte sich sehr eingehend nach dem schmerzlichen Vorfall und wiederholte oft: „Das arme Kind! Ohne Eltern, ohne Verwandte, so exponiert, so jung und unschuldig!"
Die Saison wurde durch einen Ball im Opernhause eröffnet, die einzige Gelegenheit, bei welcher die Hofgesellschaft sich mit ben übrigen Gesellschaftskreisen der Residenz mischte. Eine die volle Breite der großen königlichen Loge einehmende teppichbelegte Treppe führte von dort in : das zum Niveau der Bühne erhöhte Parterre, welches, Petow warf ironische Blicke auf seine beiden Nachbarn, mit dieser also verbunden, einen einzigen riesengroßen Er hatte etwas reichlich den vor ihm stehenden Sorten
zugesprochen und deshalb momentan die Wulbradt gegenüber meistens bewahrte Vorsicht vergessen. „Ich hätte in Ihnen gar nicht eine so sentimentale Ader vermutet!" begann er mit zynischem Lächeln. „Trösten Sie sich übrigens, Fürst, für all die angeführten Verluste hat sich bereits Ersatz gesunden — ich versichere Sie, das Herz der schönen Rose ist dabei nicht zu kurz gekommen."
Ohne die Phrase zu beantworten, betrachtete der gutmütige Fürst sein Visavis einige Sekunden nachdenklich, während Wulbradts Antlitz sich langsam zu färben begann. Dann hob Fürst Scherikoff sein Elas und sagte ruhig:
„Ich finde Sie in Ihrer Stimmung verändert, Graf Petow, und erinnere mich recht wohl, daß Sie damals in als cavalier par excellence auch einer der eifrigsten Verehrer der Baroneß waren."
Petow neigte das wohlfrisierte Haupt.
„O, meine Verehrung ist natürlich ganz dieselbe geblieben, aber Sie wissen, daß beim Streben nach demselben Ziel immer nur einer das Kleinod ergreifen kann, und da wurde mir die Konkurrenz als Höfling par excellence, wie Sie sich auszudrücken beliebten, unmöglich."
sind, die Wiede raufn ahme feindseliger Handlungen durch die Truppen ohne Zikstimmung des Präsidenten Verboten und dem Heeresminister anHeimgestellt wird, weitere Maßnahmen zur Konsolidierung der jetzigen Lage zu ergreift»
Die neue Regierirng richtete eine Proklamation an das Volk, in der sie erklärt, daß sie ihre Machtüefug»,Z in die Hände eines von der Nationalversammlung g», wählten Präsidenten der Republik zurücklegen werde. Eine Anstrengung der gesamten Nation fei notwendig, um eine WiedWholung der tragischen Ereignisse der letzte» Tage ein» für allemal unmöglich zu machen. Die Re. gierung werde sich eins eisen für eine sittliche Wiedergeburt der Nation, für die Beachtung der Gesetze, für soziale Billigkeit und für die Ausrottung der Eigensucht des einzelnen und der Parteien.
Senatsmarschall Trampczynski reiste nach Polen ab, um in dem Pilsudski f e i n d l i ch e n W e st p o l e n zu Vermitteln und den Abzug der bei Zyrardow aufgestellten Posener Regimenter zu veranlassen. Die Verhandlungen sollen aber, wie es heißt, gescheitert sein.
politische J^M^^fd^u
Deutsches Mich.
Empfang der lc-ndSmamtfchasilichcn Verbände.
In der Reichskanzlei fand zur Erinnerung an die Volksabstimmungen in den deutschen Grenzgebieten ein Empfang von Vertretern landsmannschaftlicher Verbände mit anschließendem Tev im Part statt. Der stellvertretende Reichskanzler, Reichswehrminister Geßler, begrüßte die Erschienenen im Namen der Neichsregierung und sprach ihnen herzlichen Dank und A n e r k e n n u n g für die während und nach der Abstimmung in den Grenzgebiete» geleistete außerordentlich wertvolle Tätigkeit zur Erhaltung des deutschen Volkstums aus. Für die Landsmannschaften gaben der erste Vorsitzende der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier, Landtagsabgeordneter Fabrikdirektor Arlt, und für die Gesamtheit aller übrigen deutschen Landsurannschasten Präsident Kaufmann, Berlin, den Sorgen und Hoffnungen der Grenzgebiete Ausdruck, Kundgebungen gegen die Fürstenenteignung.
Die Vereinigten Vaterländifchen Verbände veranstalteten gemeinsam mit dem Stahlhelm, dem Jungdeutschen Orden und anderen nationalen Organisationen in 20 verschiedenen Bezirken Berlins Kundgebungen gegen die Fürstenenteignung. Die Verbände zogen unter Vorantritt von Musikkapellen durch die Straßen. Jeder Zug führte zahlreiche schwarz-weiß-rote Banner und Tafeln mit Aufschriften gegen die Enteignung der Fürstenhäuser. Da von der Polizei mit der Möglichkeit von kommunistischen Gegendemonstrationen gerechnet wurde, waren außerordentlich starke Kräfte der Polizei mobilisiert worden, um Zusammenstöße zu vermeiden. Im Verlauf der Demonstration ist es zu 40 Zusammenstößen gekommen, so daß die Polizei 174 Personen festnehmen mußte.
Dürfet
X Der Exsultan gestorben. Der letzte Sultan der Türkei Mehmed VI. ist, wie aus St. Remo gemeldet wird, dort an einem Herzschlag gestorben. Der Sultan war der 37. Nachkömmling aus der Familie Osman. Er hat ein Alter von 65 Jahren erreicht und war im Jahre 1918 feinem Bruder auf den Thron gefolgt. Nachdem die Türkische Nationalversammlung im Jahre 1922 die K al i- sat abgeschafft hatte, lebte Mehmed VI. hauptsächlich in der Schweiz und der Riviera.
Aus In- und Ausland.
Leipzig. Der dritte Strafsenat des Reichsgerichts verwarf die Revision des Zahntechnikers Hugo Rumpf aus Erfurt, der wegen versuchten Mordes in zwei Fällen vom Schwurgericht in Erfurt am 5. März zu fünfzehn Jahre» Zuchthaus unb zehn Jahre» Ehrverlust verurteilt worden war. Rumpf hatte im Rovembc 1923 versucht, seine Mutter und seine» Bruder zu vergifte», inbem er einem Kuchen Arsenik zusetzte, worauf beide erheblich erkrankten. Rumpf war auch beschuldigt, seine Schwester, feinen anderen Bruder unb sein uneheliches Kind vergiftet zu haben, doch war er wegen dieser Fälle steige» ivrocken worden.
Paris. Nach einer Meldung des „New Aork Herald" aus Meriko hat die mexikanische Regierung die Ausweisung des p ap st l i ch e n Delegierten in Mexiko, Caruana, eines amerikanischen Staatsangehörigen, beschlossen. Als Grund für den Ausweisungsbefehl wird angegeben, Bischof Caruana sei unter Verheimlichung seiner Mission unb seines Amtes nach Mexiko gekommen.
Das Auge des Adjutanten hatte ernst und fest auf dem Grafen geruht, und die gemessene, leise Frage: „Wie meinen Sie das, Graf Petow?" brachte den Weinseligen zur Ueberlegung.
„Eine ganz harmlose Bemerkung, lieber Wulbradt, die nur besagen will, daß unter den eingetretenen Verhältnissen Seine Hoheit sicherlich die geeignetste Person war, um die arme, junge Hofdame zu beraten."
Wulbradt schwieg, auch der Fürst schien von Unbehagen ergriffen zu sein, man sprach noch über gleichgültigere Dinge, dann verließ der Adjutant die Gesellschaft, nachdem er die Versicherung des Fürsten empfangen hatte, daß diesr sich am nächsten Morgen im Schlosse melden würde.
Achtes Kapitel.
Saal bildete.
Der Hof hatte sich in den kleinen königlichen Logen und dem angrenzenden Foyer versammelt, von wo aus er sich in die Mittelloge begab und unter Vortritt des Intendanten, welcher der schönen Hofdame Gräfin O. die Hand zur Polonäse geboten, seinen Eintritt in die Gesellschaft nahm.
Seine Majestät der König Friedrich Wilhelm IV. hatte der Großherzogin-Mutter von Mecklenburg-Schwerin, seiner Schwester, die Hand gereicht; nach Rangeswürden folg-- seit paarweise die hohen Gäste und Mitglieder der könig- • lichen Familie, denen sich die entsprechenden Hofstaaten, ebenfalls paarweise geordnet, anschlossen.
Unter den Klängen einer Polonäse hielt der Hof so einen feierlichen Umzug durch den strahlenden Festraum in breiter Straße, zwischen einer von beide» Seiten festgeschlossenen Mauer bewundernder und neugierig beobachtender Menschen dahinwandelnd.
Das Berliner Publikunr zählte unter den hohen Gästen so manchen Liebling und übte seine Kritik in hergebracht ter Weise an den oft und doch nie genug Gesehenen.
(Fortsetzung folgt.)