IKulöaer Anzeiger ZuISa / Slaa 2
; ^09 Fulda, 17. Mai 1926
Nah «nd Kern.
n Aufnahme des Flugverkehrs zwischen Deutschland d Frankreich. Auf Grund des deutsch-französischen Lust- ^rtabwmmëns hat ein französisches Flugzeug einen I ■ Versuchsflug auf der Linie Kopenhagen—Paris ."der Deutschland zurückgelegt. Das Flugzeug stieg um ; J ^hr in Kopenhagen auf und landete in Köln um ^O Uhr nach einer Zwischenlandung in Hamburg. In - '^in stieg es vormittags um 11 Uhr auf und landete um 126 Uhr in Le Bourget.
' o Tödliches Reichswehrunglück. Bei der Übung einer ' ^.jâvehrfunkabteilung bei Bärwalde in der Neumark I drührte ein Antennenmast der Sendestation eine Hoch- mannungsleitung. Ein Wachtmeister, der den Mast gerade anfaßte, wurde durch den Starkstrom getötet.
I Q Denkmalsschändung in Dortmund. Das Dortmunder BnWarck-Denknml ist nachts mit roter Ölfarbe angestrichen worden. Der hohe Sockel und eine bronzene Plakette wurden über und über mit Farbe beschmiert, während die k Figur selbst weniger beschmutzt wude, da sie den Tätern I Asghar nicht erreichbar war. Die Täter sind unerkannt entkommen.
0 Fahrt wines deutschen Geschwaders nach Spanien. Die Linienschiffe „Elsaß" und „Hessen" sowie der Kreuzer „N y in p h e", sämtlich von der Marinestation der Ostsee, haben Kiel verlassen. Die Schiffe fahren durch den Nord-Ostsee-Kanal nach der Nordsee. Nach erfolgter Vereinigung mit den Schiffen der Wilhelmshavener , Station wird die gemeinsame mehrwöchige Fahrt nach den spanischen Häfen angetreten werden.
0 Todestag der Gattin des Reichspräsidenten. Der Reichspräsident blieb am Todestag seiner Gattin in diesem Jahre zum erstenmal deren letzter Ruhestätte .mf ; dem Friedhof in Stöcken fern, wo die Gefährtin seines r Lebens inmitten eines Kiefernhains ruht. Auf dem efeu- c umsponnenen Grabe, auf dem Hortensien und Flieder blühen, wurde ein wundervoller großer Kranz aus Flieder und Nelken niedergelegt.
0 Frauenmord in Berlin. In einem Hotelzimmer in Berlin wurde die 30 Jahre alte Ehefrau des Nachtwach- i beamten Rechel, Marie Rechel, mit zertrümmertem Schädel
■ in einer großen Blutlache im Bette aufgefunden. Das s Mordinstrument, ein Hammer, wurde später gefunden ; und beschlagnahmt. Die Ermordete hatte mit dem mut- ■ maßlichen Mörder namens Max Harnisch ein Liebesverhältnis unterhalten. Aus welchen Motiven heraus die Tat verübt wurde, ist noch nicht bekannt.
O Eröffnung eines zeitungswissenschaftlichen Instituts in Dortmund. Anläßlich der diesjährigen Generaiver- i sammlung des Vereins Niederrheinisch-Westfälischer 6 Zestungsverleger fand im Festsaal der Dortmunder Stadt- vwüothek die feierliche Eröffnung eines zeitungswissenschaftlichen Instituts statt, das in enger Verbindung mit I der Landesuniversität in Münster stehen soll.
O Ein Geschirr vom Zuge erfaßt. Der V-Zug 88 Hamburg-München überfuhr auf der Station Triesdorf ein Fuhrwerk, wobei der Wagenführer, ein junger Landwirt, und die beiden Pferde sofort getötet wurden. Die Schranke an dieser Übersahrtsstelle war durch ein Versehen des Weichenwärters nicht geschlossen worden.
0 Mit 120 000 Mark flüchtig. Nach Unterschlagungen ! von rund 120 000 Mark zum Schaden des Bezirksamts ; Bad Aibling ist der Bezirksobersekretär Reges in Aibling mit seiner Frau flüchtig geworden. Die Flucht war von f beiden sorgfältig vorbereitet.
O Ein sechsfacher Raubmörder verhaftet. In Schneide- s mühl wurde der schon seit Jahren von mehreren Staats- anwaltschaften wegen sechsfachen Raubmordes gesuchte : Polnische Bandenführer Johann Lieinercz, genannt „blinder Johann", durch einen Oberlandjäger in dem Augenblick festgenommen, als er die Grenze überschreiten wollte. Der Verhaftete wurde dem Grenzkommissariat übergeben.
0 Kampf mit Einbrechern. Wie aus Terapel in Holland berichtet wird, kam es dort bei einem Einbruchsversnch in die Filiale der Niederländischen Bank zu einem Feuer-
Die Rose vom Haff.
Ein Hofroman von EmileErhard (Baronin v. Warburg).
28) (Nachdruck verboten.)
Nach einem kleinen Moment des Stutzens entgegnete ; Petow lachend:
»Nun meinetwegen auch als Ihr East, was die Sache ia nur angenehmer macht."
Nach dieser etwas gewaltsamen Wendung, die Wul- bradt nicht beantwortete, herrschte Schweigen auf dem kurzen Wege zum Kasino. Im Garderobezimmer fanden He den Haushofmeister, welcher Wulbradt auf Befragen die Anwesenheit dieses oder jenes Bekannten orien- Nach kurzer Verabredung durchschritten beide Ankömm- unge die eleganten, luxuriös ausgestatteten Räume, um um Billardsalon aufzusuchen.
Sie waren mit stummen Gruß an den wenigen Bekann- nn vorübergegangen und trafen vor dem Billardsalon b>u jungen Herrn, der halb liegend durch ein Monokel ote Eintretenden fixierte.
< A war eine lange, nachlässige Gestalt mit glatten, klen Haaren, dünnen Bärtchen, schmalen Lippen und . majwrtem Ausdruck. Auch in der Kleidung markierte sich I ’n achtloses Stichgehenlassen. Ohne ihn zu beachten, gin- I kue beiden an ihm vorüber und traten in den Billard- I °n- Wulbradt wurde von allen Seiten willkommen ge- liint L ei machte seinen Gast bekannt und fand sich bald s rer den Kameraden wie in einem Familienkreis.
I pi ®ö Vel Petow auf, daß der zugeknöpfte Adjutant hier ' tiifnn9an'L anörer f^'en als am Hofe zu X. Er gab sich ! Tirk y • ungezwungen, herzlich und warm, als ob er end- seme Atmosphäre gefunden.
Patow betrachtete ihn verwundert. te Ä ^^ "sten lebhaften Fragen und Antworten frag- -n-nuvradt die Kameraden:
Mennn m,X ™as in aller Welt ist denn das für ein der sich dort auf bem Sofa räkelt?"
gesecht zwischen der Polizei und den Einbrechern, von denen der eine getötet und der andere unverletzt verhaftet wurde.
0 Tödlicher Autounfall zweier italienischer Priester. Auf der Strecke Pisa—Genua ist der Bischof von Trivento, der sich mit seinem Sekretär und Vetter auf einer Inspektionsreise im Auto befand, von einem Zuge erfaßt worden. Beide Priester waren auf der Stelle tot.
0 Eine Million Pfund auf dem Meeresboden. Auf der Höhe von Brest sind die Hebungsarbeiten für den englischen Passagierdampfer „Ägypt" ausgenommen worden, der während des Krieges mit einer Goldladung im Werte von über einer Million Pfund gesunken ist. Das Schiff liegt in einer Tiefe von 110 Metern. Es soll mit Hilfe von deutschen Tauchern gehoben werden.
O Mit Kind und Kegel zum Militärdienst. Ein junger Mann aus Versailles war zum Militärdienst einberufen worden. Da er Vater zweier Kinder ist uns seine Frau ihn vor einiger Zeit verlassen hat, brachte er seine beiden Kinder in die Kaserne mit. Die Kinder wurden in der Kaserne unterMbracht und werden später einer Fürsorgeanstalt überwiesen werden.
O Beendigung des spanischen Philippinenfluges. Die spanischen Flieger Gallarza und Loriga sind in Manila angekommen und haben damit ihren am 5. April in Madrid begonnenen Flug nach den Philippinen beendet. Bunte Tageschronik.
Gero. Am Himmelfahrtstage wurde der Geraer Flug- p l a tz in Betrieb genommen. Von jetzt ab wird auf der Strecke Planen—Gera—Halle regelmäßig in jeder Richtung ein Flugzeug täglich verkehren.
Paris. Das Automobil des Generalstaatsanwalts der Vereinigten Staaten, James Beck, ist in Paris in voller Fahrt mit einem Lastwagen z u s a m m e n g e st o ß e n. Der Generalstaatsanwalt wurde ernstlich verletzt.
Paris. Nach einer Meldung aus Hankau ist ein Güterzug auf der Strecke Peking—Hankau e n t g l e i st. Über fünfzig Soldaten, die in einem Güterwagen untergebracht waren, wurden getötet.
Budapest. Der Budapester Bankier Ladislaus Samuel hat sich erschossen, weil seine Firma stark an dem Umsatz gefälschter ungarischer Kriegsauleihestiickc beteiligt war.
Moskau. Frau Krugskaja, die Witwe Lenins, ist schwer uerveuleidend geworden. Sie hat sich zur Herstellung ihrer Gesundheit nach Kislowolsk begeben.
Rewyork. Das Rotorschiff „Baden-Baden" unternahm eine dreistündige Fahrt im Newvorker Außenhafen mit Vertretern der Kriegsflotte, der Staatsbehörden, des Schiffbaues und der Schiffahrtsgesellschaften, die mit größtem Interesse den Rotorantrieb besichtigten.
In diesen Tagen
zieht der Briefträger die Gebühren für den Junibezug dieser Zeitung ein. Wir empfehlen, das Geld bereit zu halfen und die Posfquitfung möglichst schon bei der ersten Vorzeigung einzulösen. Nur dadurch wird die ununter- brodiene Lieferung dieser Zeitung gesichert und der Sonderzuschlag vermieden, den die Post für alle nach dem 25. eines jeden Monats eingehenden Zeitungsbestellungen in Anrechnung bringt.
Ns.KöHrr MWu SSerreM gesehen
G i f t m o r d wegen brutaler Behandlung.
r Dr. B rö cher und Frau O b e r reu te r, die in Amsterdam verhaftet wurden, haben bereits ein volles Geständnis abgelegt. Wie erinnerlich, hatte der Giftmord an dem Gatten der Frau Oberreuter seinerzeit großes Aufsehen in K ö l n erregt. Dr. Bröcher wurde beschuldigt, Oberreuter im Krankenhaus eine unbedingt tödlich wirkende Quecksilberdosis verabreicht zu haben, was sich jetzt durch das Geständnis bestätigt. Frau Oberreuter gibt an, sie habe Dr. Bröcher zu der Tat veranlaßt, weil sie von ihrem Maune brutal behandelt worden sei. Die Verhafteten waren bei ihrer Festnahme völlig mittellos und heruntergekommen. Sie sind bereits nach Köln transportiert.
Der Hungerunsug.
Beim Hungern gestorben. — Neuer Hungerweltrekord.
Der Hungerkünstler Max, mit seinem bürgerlichen Namen Scholz, der sich in Bautzen produzierte und bereits 42 Tage im Glaskasten ausgehalten hatte, wurde von Magenkrämpfen befallen und ins Krankenhaus gebracht. Dort versuchte man, durch Stärkungsmittel und Kochsalz- injektionen feine Kräfte wieder zu beleben, aber die Ärzte konnten den Verfall des auis äußerste geschwächten Ar-
Einer der Offiziere antwortete:
„Es ist ein Attache der B'schen Gesandtschaft, ein Chevalier Fesca. Ihnen also auch schon wegen Mangel an Manier ausgefallen?"
In diesem Moment öffnete sich die Tür, und der Besprochene trat ein, sah sich einen Augenblick um, ging dann auf Petow zu und redete ihn an:
„Erkennen mich nicht — ging mir vorhin beinahe ebenso — sind furchtbar dick geworden, was Sie bei mir als Entschuldigung nicht vorschützen können — haha! — Was sührt Sie denn her?"
Potews Blick taxierte während dieser Anrede den andern. Nach der Kritik von vorhin war Petow wenig erbaut von der Erneuerung dieser Bekantschaft, der er sich übrigens schon vorhin bei Nennung des Namens erinnert hatte. Vor einigen Jahren war er mit diesem Herrn in Norderney zusammengetroffen, wohin sich der Großherzog mit Prinz Joachim zur Brautschau begeben, bei der sich Graf Petow im Gefolge befunden hatte.
Die Begrühunt seitens des letzteren war ziemlich kühl, er erklärte kurz die Veranlassung seines zeitweiligen Aufenthaltes in Berlin.
Der Attache behielt seine vertrauliche Haltung: die eine Hand hinter die Weste gesteckt, mit der andern den kleinen, schwarzen Schnurrbart drehend, den Kopf vorgebeugt. so begann er mit mokant überlegenem Lächeln:
„Wie hat sich denn die kleine Blonde entwickelt, die sich Prinz Achim damals holt? Bei allem Respekt vor dem Mammon — es gehörte aber wahrhaftig Courage dazu —"
„Von wem sprechen Sie — wenn ich fragen darf?" unterbrach Graf Petow die näselnde Rede in warnendem Ton.
Ohne sich im geringsten einschüchtern zu lassen, fuhr der andre in derselben Tonart fort:
„Spielen Sie doch nicht den sittlich entrüsteten Hof- kavälier, Sie waren damals gerade so viel, und wir haben trotzdem manch schlöchten Witz auf Kosten dieses Brautpaares gemacht!"
Graf Petow fühlte die Blicke der Anwesenden auf sich gerichtet, und das Blut stieg ihm in die Wangen.
Mochte Herr von Fesca in seiner sicheren Unverschämtheit immerhin den sonst zwischen ihnen üblichen Ton an
Wën nicht verhindern. Er starb, nachdem er mehrekS Stunden in tiefer Bewußtlosigkeit gelegen hatte.
Gleichzeitig kommt aus Altona die Nachricht, daß dort der Hungerkünstler Don Albino 60 Tage lang gehungert und damit einen neuen Rekord aufgestellt hat. Der Unfug, der, wie der Fall Scholz in Bautzen zeigt, die schwersten Folgen haben kann, nimmt aber immer noch kein Ende.
Aus dem Gerichtssaal.
§ Das Urteil im Kölner Spritschieberprozeß. Im großen Kölner Spritschieberprozeß wurden die Angeklagten auf Kosten der Slaalskasse freigesprochen. Ferner beschloß das Gericht, die in dieser Sache erlassenen Haftbefehle auszu- hebc» und die gestellten Sicherheiten freizugeben.
§ Frnnlfälscherprozetz. Über die Aussagen des Zeugen Fer- dinandv vom Vorsitzenden befragt, erklärt Prinz Windischgrätz: Ich erinnere nach nicht daran, dem Zeugen jemals gesagt zu haben, daß dem Grafen Bethlen von der Sache Mitteilung gemacht worden sei. Der Prinz sagt auch, daß er sich jetzt über die Teilnahme oder Nichtteilnahme der Regierung nicht äußern werde. Er erklärte dann noch mit erhobener Stimme, daß er die Verantwortung für die ganze Aktion trage und daß er diese Verantwortung noch hundertmal auf sich nehmen würde, wenn er hoffen könnte, dadurch dem Lande einen Dienst zu erweisen. Über sein Verhältnis zur Regierung wolle und werde er sich aber nicht äußern.
§ Tod eines Mitangeklagten im amerikanischen Treuhänder- prözesr. Wie aus Bridgeport (ConnecticM) gemeldet wird, ist hier John King, einer der Mitangeklagten in dem großen Prozeß gegen den ehemaligen Treuhänder für das ausländische Eigentum, gestorben. Die Angeklagten wurden, wie erinnerlich, beschuldigt, gegen Bestechung beschlagnahmte Vermögensteile ansgcfolgt zu haben.
Vermischtes
— Die erste Luftfahrt zum Nordpol. Der erste Versuch, den Nordpol auf dem Luftwege zu erreichen, wurde 1897 unternommen. Mit einer Tollkühnheit sondergleichen hatte der schwedische Ingenieur August S. A n d r 6 seinen Plan einer Luftballonfahrt — Luftschiffe und Flugzeuge galten damals noch nicht als Verkehrsmittel — zum Nordpol entworfen und sich durch zahlreiche Fahrten gründlich darauf vorbereitet. Am 11. Juli 1897 trat Andro mit seinen Freunden Frankl und Strindberg die. Fahrt zum Pol an und seither hat man nichts mehr von ihm und dem Schicksal seiner kühnen Fahrt vernommen. Von Zeit zu Zeit tauchten Nachrichten auf, daß Andr« irgendwo unter Eskimos lebe, oder auch, daß Spuren seiner verunglückten Expedition gefunden worden feien, aber alle diese Nachrichten erwiesen sich als trügerisch. An Andros Versuch eines Fluges zum Pol hat A m u n d- s e n augekuüpft. Seine bereits seit dem Jahre 1914 unternommenen Versuche zur Verwendung von Flugzeugen für Polarexpeditionen gipfelten in dem Start der Flugzeuge „N. 24" und „N. 25" am 21. Mai 1925. Es sei noch erwähnt, daß der angeblich gelungene Nordpolflug des Amerikaners Byrd von den beiden Milliardärssöhuen Edsel Ford und John Rockefeller finanziert worden ist.
— Der gefährliche Lebertran. Der schwedische Forscher Prof. Erik Agduhr von der Tierarzneihochschule in Stockholm behauptet, daß Lebertran, der ja bisher als eines der wichtigsten Arzneimittel galt, direkt schädlich wirke. Versuche an Menschen hat Prof. Agduhr nicht gemacht, dafür aber zahlreiche Versuche an weißen Mäusen, Katzen, Huudeu und Kälbern. Er fütterte die Tiere mit Weißbrot, Nährsalzen und Wasser und gab außerdem 0,1 Kubikzentimeter Medizinallebertran pro Tag und Tier. Alle Tiere, die Lebertran bekamen, wiesen bedenkliche Veränderungen der inneren Organe, und zwar hauptsächlich im Herzen, auf, während eine andere Tiergruppe, die in gleicher Weise, aber ohne Lebertranzusatz ernährt wurde, gesund blieb. Es sind übrigens schon früher Stimmen laut geworden, die vor Lebertran warnten. Der englische Arzt Dr. Mellanby veröffentlichte vor etwa zwei Jahren eine Abhandlung über die englische Krankheit, in der er u. a. sagte: „Das Verschreiben von Kabeljaulebertran muß vorsichtig geschehen, da sowohl Kinder als auch Erwachsene nach zu großen Dosen krank tverden. Ich gebe selten mehr als etwa 8 Gramm dreimal täglich einem Patienten."
— Die ehemalige Kaiserin von Mexiko fälschlich totgesagt? Nach einer unbestätigten Nachricht lebt die Kaiserin Charlotte von Mexiko, die im März 1925 totgesagt wurde, noch. Der Gothaische Hofkalender leitete kürzlich Erhebungen ein und wandte sich an das Königshaus in Belgien, wo Kaiserin Charlotte feit einigen Jahren auf einem Schloß lebt, und erhielt von dort die Mitteilung, daß die Nachricht von dem erfolgten Tode der Kaiserin auf einem Irrtum beruhe und diese noch am Leben fei.
geschlagen haben, hier patzte dieser Ton dem Grafen nicht. Er richtete sich daher zu seiner ganzen Höhe empor und ließ auch die Stimme an dieser Entfaltung von Würde teilnehmen, indem er antwortete:
„Ich lasse es dahingestellt, was ich jemals gesagt oder auch nicht gesagt haben mag, jetzt bin ich jedenfalls der begleitende Kavalier Ihrer Hoheit der Prinzessin Amalie von T. und muß Sie ersuchen, sich daran zu erinnern."
Der Attache hob den Kopf, ohne seine übrige Hal- tu ig wesentlich zu verändern.
„Mein Gott, bester Graf, welch ein Ueberfluß von Feierlichkeit! Natürlich ganz wie Sie wünschen! Umstände verändern die Ansichten! Von heute ab schwärme ich für fahle Blondinen, wenn Sie es wünschen! Kommen Sie heute abend zur Fürstin K., ein famoser kleiner Salon, um die Elite der Saison kennen zu lernen!"
„Ich sagte schon, daß wir vor einigen Stunden erst angekommen sind, morgen werde ich meine Karten herumschicken."
„Tut nichts, lieber Graf, die Fürstin ist meine Landsmännin und spezielle Gönnerin, ich führe Sie ein —“
Petow lehnte diese Gunst dankend ab und verließ diesen ersten Vekanten, bett er in Berlin wiedergefunden, ziemlich brüsk.
Herr von Fesca nahm keine Notiz davon, schlenderte nachlässig nach bem zweiten unbesetzten Billard und verschwand bann aus dem Salon.
Es befand sich in demselben außer Petow nur noch ein intimer Kreis von Offizieren. Wulbradt war der erste, der seiner Entrüstung Worte gab.
„Aber sagt mir — wie ist es möglich, einen so unmanierlichen Menschen hier zu dulden?"
Der Regimentskamerad, an den Wulbradt sich speziell wandte, zuckte mit den Achseln:
„Es kannte ihn niemand hier, und der Gesandte führte ihn ein. Auf sein unangenehmes Aeußere hin konnte ihn doch die geforderte Aufenthaltskarte nicht verweigert werden. In zwei Tagen läuft diese Frist ab, und du wirst Gelegenheit haben, bei seiner Wahl deiner Abneigung Ausdruck zu geben. Sein Schicksal unterliegt in dieser Beziehung wohl keiner Frage, ich glaube, daß keine Stimme für ihn sein wird."
(Fortsetzung folgt.)