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O Eröffnung der Norddeutschen Automobilausstellung. In H a m b u r g wurde auf dem Ausstellungsgelände an der Flottbeker Chaussee die Norddeutsche Auto-, Flug­zeug- und Motorbootansstellung durch Oberbürgermeister Brauer mit einer Begrüßungsansprache eröffnet. Außer Fabrikaten englischer, amerikanischer, belgischer und fran­zösischer Firmen sind einzelne deutsche Firmen und diese besonders mit leichteren Fahrzeugen sowie Zubehör­teilen und Bedarfsartikeln der Autobranche vertreten.

O Eine internationale Zeitungsaussiellung in Köln. Der im vorigen Jahr angekündigte Plan einer inter­nationalen Zeitungsausstellung in Köln soll bereits im nächsten Jahre durchgeführt werden. Mit der Ausstellung, die alles umfassen wird, was irgendwie mit dem Zei- tungs- und Zcètschriftenwcscn zusammenhängt, soll eine internationale Pressetagung verbunden werden.

O 500 Jahr-Feier der Stadt Selb. Zur Erinnerung an die im Jahre 1426 erfolgte Verleihung des Stadtrechtes an den damaligen Markt Selb sind von der Stadt Selb eine Reihe festlicher Veranstaltungen geplant, die am 3. Juli beginnen werden. Für den 4. Juli ist ein großer historischer Festzug vorgesehen. Am gleichen Tage öffnet auch die Porzellanausstellung ihre Pforten, die, von führenden Selber Porzellanfabrikcn ansgestattet, vier Wochen dauern wird. Das Selber Handwerk veranstaltet, ebenfalls im Juli, eine Gewerbeschau.

O Todesfälle an Paratyphus. Unter verdächtigen Er­scheinungen von Paratyphus sind in der Unterstadt M a n n h e i in zwei Kinder einer Familie gestorben. Die Ursache der Erkrankung ist nach dem Sektionsbefund ver­mutlich Paratyphus. Die Mutter der Kinder ist unter den gleichen Erscheinungen erkrankt, sie befindet sich je­doch nicht in Lebensgefahr. Verdorbene Lebensmittel sollen die Vergiftung herbeigeführt haben.

O Ein Polizcèüeamter von „roten Frontkämpfern" lebensgefährlich verletzt. In Duisburg führte ein Kriminalbeamter ein Mitglied des Roten Froutkämpfer- bundcs wegen eines Überfalles auf Passanten zur Polizei­wache. Am Schwanentor wurde der Beamte von zahl­reichen roten Frontkämpfern angefallen, die ihn durch fünf Messerstiche in den Kopf und Rücken lebensgefährlich ver­letzten. Drei der Täècr konnten später von der Schutz­polizei verhaftet werden.

O Beim Fußballspiel tödlich verletzt. Beim Fußball­spiel wurde in R c i s c n b n r g (Bauern) der Weichen- wârterssohn Jofehp Weishaupt so schâr gegen den Unter­leib gestoßen, daß er umsank und heimgefahren werden mußte. An inneren Verblutungen ist er dann gestorben.

0 Außerdienstsetzung italienischer Schiffe. Nach dem „Giornale d'Jtana" wurden am 1. April aus wirtschaft­lichen Gründen 26 Dampfer mit 20 523 Tonnen Inhalt abgerüstet, ebenso 58 Segelschiffe von rund 3500 Brutto­tonnen.

0 Ende des Wiener Bierstreiks. Der Bierboykott in Wien ist beendet. Brauereien und Gastwirte haben ver­einbart, daß der Bierpreis von der Wirtschaftspolizei überprüft werden soll. Die Gastwirte verzichten zunächst auf ihren Prosit, so daß die Verbraucher den erhöhten Bierpreis noch nicht zu spüren bekommen. Die Braue­reien erhalten aber den erhöhten Preis. Die Gastwirte haben den stärkeren Schaden erlitten.

0 Ein KorruptionSskandal in her Tschechoslowakei. Beim Bau des Elektrizitätswerks Seestadtl in Böhmen, der größten überlandzentrale der Tschechoslowakei, sind große Unterschleisc ansgedeckt worden. Es wurden Ar­beiten vergeben und bezahlt, die gar nicht ansgeführt wur­den. Firmen erhielten Aufträge, ohne daß der Verwal­tungs rat davon wußte, und immer ging es um Beträge von 100 000 bis 300 000 Kronen. Eine Firma erhielt einen Auktraa für rund 200 000 Kronen, als aber lanae nawber

eine andere Offerte ëmtras, die 70 000 Kronen höher war, erhielt aus Günstlingswirtschaft diese zweite Firma den Auftrag. Für die biologische Station wurden über eine Million Kosten mehr anfgewandt, als der Verwaltungs- rat genehmigt hatte. So kommt cs, daß der Bau statt sieben Millionen Kronen mehr als 20 Millionen kosten wird.

O R i c s e n b r a n d in N i k o l s b u r g. Die Stadt NikvlSburg wurde von einem großen Brande heimgcsncht, der 48 Häuser dem Erdboden glcichmachtc. Von 64 ande­ren Häusern brannten die Dächer ab. An den Löschar­beiten beteiligten sich 30 Feuerwehrkorps aus Mähren und Österreich. An den Rettungsarbeiten nahm auch Militär teil. Die Löfcharbeiten waren durch Wasser­mangel behindert.

0 15 Personen bei einem Bootsunfall in Bulgarien ertrunken. Beim Transport von Fahrgästen kippte in der Nähe von Varna beim Dorfe Bela ein mit 35 Personen beladenes Boot um. Bei dem Unfall ertranken 15 Per­sonen, von denen bis jetzt nur eine als Leiche geborgen werden konnte. Das Unglück entstand durch die Nervo­sität einiger Fahrgäste.

0 Der NiagKradurchschwimmer Opfer eines Unfalls. Der Australier Bobby Leach, der seinerzeit in einer Tonne die Niagarafälle durchschwommen hat, ist jetzt das Opfer eines geringfügigen Unglückssalles geworden. Er rutschte in seiner Heimatstadt Christchurch auf Neuseeland auf einer Apfelsinenschale aus und stürzte so unglücklich, daß er seinen Verletzungen erlag.

O Fahrräder für Schulkinder. Eine Neuerung haben die Schulbehörden von Oxfordshire eingeführt. Künftig wird jedem Schulkind gegen eine Gebühr von 50 Pf. bis 1 Mark ein Fahrrad zur Verfügung gestellt. Wenn sich die Ein­richtung bewährt und die Räder sorgfältig behandelt wer­den, sollen sie nach Verlauf von zwei Jahren Eigentum der Familie werden für die Zeit, solange die Kinder schul­pflichtig sind. Die genannte Gebühr ist für je zehn Schul­besuche, also je zwanzig Fahrten, zu entrichten.

G Brschofswcihen in Litauen. Der ehemalige litauische Sejmpräsident Staugaitis wurde in der Kownoer Kathe­drale zum Bischof geweiht. Der ehemalige litauische Außenminister Professor Reims soll am 16. Mai zum Bischofkoadjutor von Wilkowischki geweiht werden.

0 Der vermißte Polflicger Wilkins in Point Barrow eingetroffen. Ein Telegramm aus Point Barrow meldet, daß der Polflieger Kapitän Wilkins dort unversehrt ein- getroffen ist. Auch die Maschine befindet sich in guter Verfassung, scheint aber doch den Anforderungen eines Polsluges nicht gewachsen gewesen zu sein. Wenn nicht überhaupt der ganze Flug bis zum Sommer verschoben wird, will Willms unter Umständen mit einer neuen Maschine den Flug fortsetzen.

0 Einsturz einer Notbrücke bei Lenin­grad. — 30 Todesopfer? Durch das Hochwasser der Ochta wurde eine Notbrücke bei der Station M u - rino, 16 Kilometer von Leningrad, zerstört. Die im Augenblick des Einsturzes auf der Brücke befindlichen Passanten, deren Anzahl über 50 betrug, stürzten ins Wasser. 20 Personen wurden gerettet. Die Aufsuchung der Vermißten wird durch die reißende Strömung des Flusses erschwert.

Bunte Tageschronik.

Paris. In einer Dynamitfabrik bei Arles (Rhonemün­dung) ereignete sich eine starke Explosion. Das Atelier, in dem die Grundstoffe mit Rytroglyzerin getränkt werden, flog in die Luft, wobei drei Arbeiter getötet wurden.

Rom. Wie die saschisttschc Presse miticilt, soll das Bild Mussolinis auf den neuen Banknoten erscheinen.

Prag. Die zur Deckung der Staatsbcamtengehältâ her­angezogene Erhöhung der E i s e u b a h n f a h r p r e i s c in bet Tschechoslowakei wird 22 % betragen unb im Sommer öNrchgeführt werden. Mehrere Handelskammern in Tschechoslowakei haben beschlossen, gegen diese beabsichtigte Er­höhung zu protestieren.

Bukarest. Nach vorläufigen Schätzungen beläuft sich durch das ©rößfeiter auf dem Bukarester Gütcrbahuhsf angerichtetc Schaden auf etwa 500 Missionen Lei.

Pisa. In der Nähe der Stadt stürzte ein Militär- flngzcng infolge Moiordefekts ab. Die beiden Piloten kamen dabei ums Leben.

Souihaittvlvtt. Sechs Rettungsboote und 200 Mann be­gannen das Meer nach dem Unterseeboot „S. 51" abzusuchen das mit 33 Mann an Bord im vergangenen Herbst gc^ funken ist.

Oslo. Die unter Leitung Byrds stehende amerikanische P o l a r e x p c d i t i o n ist in Kingsbay auf Spitzbergen an- ßefommciL

Hankau. Der Missionar K. Wilhelm von der Liebenzeller Mission wurde in Kienjang (Provinz Hunan) von Räubern entführt. Die Behörden bemühen sich, feine Befreiung z„ erwirken.

Aus dem Gerichissaä

§ Der Lützow-Prozeß. In der letzten Verhandlung gegen Dr. v. Lützow wurden vier Zeugen vernommen, darunter ein 1906 geborener Schüler, der nur anzugeben wußte, daß er von anderen Schülern gehört habe, daß allerlei Gerüchte im Landerziehungsheim im Umlauf waren über das Verhalten v. Lützows. Ein Hausmeister bekundete, daß er einmal durch das Schlüsselloch die Züchtigung eines Schülers beobacht habe. In der nächsten Sitzung wird der Fall Matschke, einer der Hauptbelastungspunkte der Anklage, an die Reihe kommen.

§ Freisprechung im Hennersdorfer Mühlcnbrandprozh. In dem großen Prozeß gegen den Kaufmann Walter Jasst aus Berlin, früheren Mitinhaber der Hennersdorfer Mühlen- Werke, der wegen Brandstiftung angeklagt war, wurde nach zweitägiger Verhandlungsdauer das Urteil verkündet. Der Angeklagte wurde gemäß bem Anträge des Staatsanwalts frcigcsprochen, da, wie die Urteilsbegründung besagt, ein un­mittelbarer Beweis für seine Täterschaft nicht erbracht und ebenso ein glaubwürdiges Motiv nicht zu finden sei.

§ Der etubent, der die Eisenbahn inspizierte, freigesprochen. Ende vorigen Jahres hatte in der Pfalz ein Student im Be­reich der Eiscnbahndirektiou Ludwigshafen als angeblicher Eisenbahnbaurat die Beamten an der Nase herumgeführt. Es handelte sich um einen 24 Jahre alten Studenten der Tech­nischen Hochschule zu Karlsruhe, der zu seinen phantastischen Revisionsfahrten sich eines gefälschten Ausweises bediente. Er trat bei diesen Revisionen sehr schneidig und resolut auf, fuhr selbst'die Züge als Lokomotivführer, zeigte sich mit den technischen Eisenbahncinrichtungen sehr bewandert und wurde von allen Dienststellen ernst genommen. Nun hatte er sich vor dem Großen Schöffengericht in Ludwigshafen wegen Amtsanmaßung, Transportgefährdung und Urkundenfälschung zu verantworten, wurde aber freigesprochen, da das Gericht ans Grund eines ärztlichen Gutachtens annahm, daß sich bei dem Angeklagten in jenen Monaten krankhafte Störungen gezeigt hätten.

8 Dienstenthebung eines Oberstaatsanwalts, Vor ber Diszi­plinarstrafkammer in Wei m a r fand der Prozeß gegen den Eisenacher Staatsanwalt Dr. Karl Elling statt, der sich wegen sittlicher Verfehlungen im Amtszimmer des Eisenacher Land­gerichts zu verantworten hatte. Das Urteil lautete auf Dienst­enthebung gemäß § 78, Absatz 2 des thüringischen Staats­beamtengesetzes unb billigte dem Angeklagten den Bezug bon Dreiviertel» des Ruhegehalts für das erste und der Hälfte für das zweite Jahr zn.

§ Zuchthausstrafe wegen Giftmordversuches. Das Schwur­gericht in Passau verurteilte den verheirateten Landwirt Meier, der seine beiden unehelichen Kinder durch Vergiften zu beseitigen versucht hatte, wegen versuchten Mordes zu einer Zuchthausstrafe von fünf Jahren und Aberkennung der bürger­lichen Ehrenrechte auf die Datier von zèHWZerWtzè^M- u»n

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Für Jeden etwas. --—

BZmhmie GalaikünMer.

In der jetzigen Zeit der Hochflut der frischen Salate wird es gewiß interessieren, zu hören, daß es Männer gegeben hat, die es in der Salatzubereitung zu einer wahren Künstlerschaft gebracht hatten. Zwar gab es schon im Altertum Kochkünstler, die aus einer Mischung von Endivien, Zwiebel, Honig, Essig und Olivenöl einen prächtigen Salat z uzn bereiten verstanden, doch von keinem dieser Meister ist der Name für die Nachwelt erhalten ge­blieben. Um die Wende des 18. Jahrhunderts hatte es in England der Franzose G a u d e t zu einer Berühmtheit in der Zubereitung von Salaten gebracht. Als Gaudet, arm wie Hiob, vor den Schrecken der Französischen Re­volution nach London slüchtete, versuchte er, sich durch seine koch- und backkünstlerische Begabung eine neue Existenz zu gründen. In einem Hotel entdeckte man seine besondere Fähigkeit in der Salatbereitung und in ver­hältnismäßig kurzer Zeit war der „Sälatier Gaudet" in der großen Gesellschaft der englischen Metropole ein ge- snchter Mann. Die „oberen Tausend" legten Wert darauf, bei ihren lukullischen Gastmählern auf die Speisekarte die Worte setzen zu können: „Die Salate sind von Monsieur Gandct persönlich entworfen und hergestellt." Der so hoch­geschätzte Salatkünstler verstand es aber nicht nur, etwas aus Lüttich, Melde, Endivien und ähnlichen Kräutern zu machen, er verstand auch etwas aus sich selbst zu machen. In einer von zwei nobel geschirrten prächtigen Pferden gezogenen eigenen Kutsche kam er bei seiner Kundschaft vorgefahren und ließ sich jede einzelne feiner „Schöpfun­gen" mit zehn Guineen bezahlen, was einem Betrage von 210 Goldmark entspricht. Als man ihn einmal fragte, ob gegen diese „Honorare" keine Einwendungen erhoben würden, meinte er stolz: „Ich würde meiner Kundschaft den Geschmack verderben, wollte ich weniger fordern." Ein anderes Mal bestellte ihn der Herzog von Devonshire zu einem Festessen, Gaudet mußte aber absagen, da er für diesen Abend bereits besetzt sei. Der Herzog war außer sich über diese Absage und fragte entsetzt: „Um Gottes willen, was mache ich denn da?" „Verlegen Sie den Festabend, Sir," erwiderte der berühmte Mann mit der selbstverständlichsten Miene von der Welt.

Hundert Jahre später erstand diesem gefeiertsten aller Salatiers ein deutsches Gegenstück in Gestalt der Madame Drake, der beliebten Wirtin des damals vornehmsten Hotels in Berlin, des „Hotel de Rome". Diese würdige Dame galt in den Kreisen der dort ver­kehrenden Feinschmecker für die „deutsche Meisterschafts- salatherstellerin". Den Stammgästen des Hauses — zu denen viele in- nnd ausländischen Notabilitäten zählten — bot ein „Saèattag" bei Madame Drake noch den beson­deren Genuß der Vorfreude. Sie durften nämlich Zu­schauer bei der Herstellung des Göttergerichts sein, was nach einer zeitgenössischen Schilderung ein so hoher Reiz gewesen sein soll, daß den Teilnehmern der „Sitzung" schon vor der Vollendung des Kunstwerks das Wasser im Munde zusammenlief. Madame Drake soll freilich auch die Herstellung unter außergewöhnlichen Vorbereitungen vor-.

genommen haben. Nachdem sie ihre Mahlzeit mit langen weißen Glacehandschuhen eingenommen hatte, säuberte sie sich in Gegenwart der Gesellschaft die Hände aufs pein­lichste und ging dann an die „Arbeit", bei der sie niemand stören durfte. „Denn," so sagte sie, „einen Salat in allen Details richtig zu mischen, verlangt genau soviel geistige Sammlung, >vie einen von der Sonne beleuchteten See in naturgetreuer Farbenmischung auf die Leinwand zu malen."

Diese kongeniale Kochkünstlerin unterschied sich nur in einem von ihrem berühmten sranzösischen Kollegen; sie war bescheidener in der geldlichen Abschätzung ihrer Kunst. Sie vertrat den Standpunkt, daß der A p p e t è t auf Salat beim Essen unb nicht beim Ford crn von Phan beim Essen und nicht beim Fordern von P h a n t a s i e p r e i s e n kommt. A, I.

VslksHrä'ezche im Mai.

Der Mai, der soeben wieder begonnen hat, ist als der Monat, in dem das Leben in Waèd und Feld, überall wieder erwacht, ist noch heute der Lieblingsmonat des Volkes, und die Freude über das Wiederkommen dieser schonen Jahreszeit kommt in manchen Bräuchen und Volksbelustigungen zum NisdrüÄ. Vielfach werden zu Anfang des Monats Maibäume aufgepflanzt, die mit bunten Bändern oder mit Blnmen und Kränzen ans jun­gem Grün geschmückt werden. Da und dort wird ein aroßer Maibaum auf dem Dorfanger aufgepflanzt. Häu­figer ist es aber, daß auf jedem Hof kleinere Maibäume ausgestellt werden. In vielen Bezirken Deutschböhmens gelten abgeschülte, geschmückte Fichtenstämmchen als Maibäume. In verschiedenen Gegenden setzen auch die jungen Burschen ihren Mädchen in der Nacht zum 1. Mai aus- geputzte Bäumchen vor das Haus, wogegen mißliebige Torfmädchen erwarten müssen, mit einem vertrockneten Äst oder mit einem abgestorbenen Baum beschenkt zu werden. Häufig sind mit dem 1. Mai Umzüge von Kindern ver­bunden. Mit Zweigen und Sträußen in den Händen ziehen am Niederrhein, im Oberelsaß, in der Schweiz unb in Ostslandern die Dorfbewohner von Haus zu Haus, um Mailicder vorzutragen. Eines dieser Mailieder beginnt mit bem Vers:

Guten Tag, guten Tag ins Haus!

Hier bringen wir den Mai ins Haus^ Wir haben heute Maie, Der gibt uns unsere Weihe.

Da und dort werden am 1. Mai die Brunnen gereinigt unb ausgeschmückt. In manchen Gegenden ist es Brauch, daß das Vieh am ersten Maitag zum erstenmal auf die Weide getrieben wird. In Dentschböhmen ziehen die Hirten in der Frühe des 1. Mai hinaus auf die Felder und blasen auf Musikinstrumenten. Der Hirt, der zuletzt auf dem Sammelplatz ankommt, muß sich gefallen lassen, als Langschläser mit kaltem Wasser bespritzt zu werden. In den ländlichen Gegenden Belgiens ist das Absingen von Mailicdcrn und M# Abhâlten von Maitänzen noch

ziemlich verbreitet, in Holland werden zum Maifest von den jungen Burschen Maiköniginnen und Maibräntc aus- gewählt und in Dänemark sind mit dem Maifest ost allge­meine Volksbelnstigungcn verbunden. Auch die Schweden haben derartige Maibelustiguttgen. A. M.

Mchaeö WagZrer und der Kutscher.

Richard Wagner vesünd sich, so erzählt ein Mailänder Blatt, einmal in Berl i n und nahm sich, da er sich in eine an der Peripherie der Stadt gelegene Straße begeben mußte, einen Wagen. In jener Zeit war für die Droschken ein bestimmter Tarif für eine gewisse Zone in Kraft, die fast bie ganze Stadt umfaßte, und Wagner wollte sich ge­rade in eine der Grenzstraßcn begeben, für die dieser feste Tarif noch Geltung hatte. Als die Hälfte des Weges zu- rückgelegt war, sieht der große Komponist zu seiner Ver- Wanderung; wie der Kutscher anhält, vom Bock steigt und die beiden Türen des Wagens eine nach der anderen öffnet und wieder zumacht und erst dann weiterfährt. Ain Ziel angenommen, fragt Wagner nach bem Sinn dieser Hantierung und bekommt'zur Antwort, daß das Pferd sich geweigert haben würde, einen so langen Trab zum sich geweigert haben würde, einen so langen Trab zum ein­fachen Preise zu machen, und daß er so genötigt gewesen wäre, es glauben zu machen, daß auf.halbem Wege der erste Reifende ansgestiegen und ein zweiter cingestiegen wäre. Der Kutscher hatte uach seiner Meinung ein sinnreich^ Mittel ausfindig gemacht, um seinem Fahrgaste begreiM zu machen, daß er mehr zahlen müßte, was Wagner bei1*! auch tat. G. D.

Gewichi uNd LaKglshigkeii.

Das „Statistical Bulletin of the New Dorf Life In­surance" hat seine Aufmerksamkeit auf die Beziehungen ge­richtet, die zwischen dem Körpergewicht und der Lang­lebigkeit bestehen. Es ist zu bem Ergebnis gekommen, dw- das übernorsttale Gewicht eine Anomalie barstest, die gewöhnlich nach dem 35. Lebensjahr zeigt und allmähl'-Ä weiter zunimint. Die Personen, die kleiner sind als 1,80 Metèr, sind zwischen 40 und 45 Jahren gewöhnlich einer Gewichtszunahme unterworfen, ' bie, wenn sie 20 % cri reicht, die Sterblichkeit auf 30 % und, wenn sie 40 % er­reicht, auf 80 % erhöht. Personen von hohem Wuchs, die über 1,90 Meter groß sind, nelsinen zwischen 40 und 40 Jahren gewöhnlich um 20 % zu, ihre Sterblichkeit steigt auf 40 % und, wenn die Gewichtszunahme 40 % betragt, auf 80 %. Das niedrige Gewicht, das eine Unvollkommen­heit des jugendlichen Alters darstellt, ist vortellnw während des mittleren Alters und ist eines der sicherste Anzeichen für ein langes Leben. Es wurden außerae noch gründliche Beobachtungen angestellt über den ö ' fammeuhang zwischen Körpergewicht und Herz-, -'ciere - und LungèNkrankhèiten und diätetische Richtlimen a u gestellt, um zu vermeiden; daß die FetMnhäufung dw org Nischen Funktionen hceinträchèigt.