Einzelbild herunterladen
 
  

Siu# Men-MW und Aachimge-Uea.

Merkblatt für den 29. April. teSÄ. .6' »-Ä St «ter Diäter Ernst ^rtir. v. Fcuchterslcben in Wien ^â 1S54 Der Maler .Hermann Prell in Leipzig geb.

Wie bald ist der Blick auch von Meinung verstaubt, Miht einer den andern nach dein, was er glaubt, Doch vieles wird hell sein und herzlich und gut, Mißt einer den andern nach dem, was er tut!

Reinhold Braun.

Wetterbericht.

Die Tiefdruckfurche hat sich westwärts verlängert und sich ausaefüllt. Unser Bezirk liegt noch auf ihrer Westseite, ?sa» bei kühler Lust noch stärkere Bewölkung herrscht. » Mit heilerem Ausgleich der Störung und daher auch leichter Be- nükungsabnahme und langsamem Temperaturanstieg ist zu ?,»nen'. Niederschläge treten höchstens noch vereinzelt auf. Meraussage für Mittwoch: Wolkig, meist trocken, Temperatur menia verändert, schwache westliche Winde. Voraussage für D nnerstag: Wolkig, meist trocken, ein wenig wärnrer, Winde aus wechselnden Richtungen.

Dit Slot Wt Angestellten. Der Arbeitsmarkt für Angestellte pflegt int März sich zu Mebett. In diesem Jahre hat er sich wei­ter Ungünstig entwickelt. Das Angebot von Stellen ging- ('ren Müfi.it zurück. Auch an Ostern würden Verhältnismäßig- wenig Aushilfen verlangt. Zum Schluß des Vierteljahrs wur­de von größeren Betrieben fast aller Industrie- und Handels- aruppenIinbesondere beim Metall wieder vielfach gekündigt und entlassen wegen Betriebseinschränkungen, Umstellungen und z. T. Stillegungen. Dazu kamen Stellenlose aus kleineren Betrieben, wo Die Geschäftsinhaber mehr selbst Hand anlegen. Unter den trntlassenen befanden sich wieder viele ältere. Arbeit suchen viel­fach Beamtentöchter, Frauèn von entlassenen leitenden Ange­stellten, Firmeninhaüern im Konkurs, die nie im Handel tätig waren, ferner viele ganz junge Angestellte unb Absolventen der Berufsschulen, die hier u. da geschlossen dem Nachweis zugeführt werden. Das Angebot von Stellen war gering und umfaßte z. T. Aushilfen.

Was ist der deutsche Strohhuttag? In ganz Deutschland, in der Reichshauptstadt, in Großstadt und Klernstadt, wird am Freitag, den 30. April, gleichzeitig von allen Hutgeschäften Der deutsche Strohhuttag" begangen. Jedem, der in den letz­en Wochen mit einiger Aufmerksamkeit durch die Straßen eines Geschastsvierttzls gegangen ist, wird es aufgefallen sein, daß in keinem Schaufenster der führenden Hutgeschäfte bisher auch'nur ein einziges Modell eines Strohhutes zu sehen war. Am kom­menden Freitag wird sich das Bild aller Hutgeschäfte Deutsch­lands gleichzeitig verändern: der deutsche Strohhut erscheint in seinen etwa zehn neuesten, modernsten Ausführungen am glei­chen Tage in allen Schaufenstern. Die Idee für diesen Stroh­hut-Modetag ist von dem Modeamt der Hut- und Mützenbranche ausgegangen, das in vorbildlicher, straffer Organisation, jen­seits von Konkurrenz und Jnteressenveischiedenheit, Fabrika­tion, Großhandel und Einzelhandel zu gemeinsamer Arbeit zu­sammengefaßt hat.

Die Reichsgesmdheièswoche im Kreise Fulda.

Fulda, den 26. April. 1926.

Von Seiten des Kreisgesundheitsamtes wird uns ge­schrieben:

Die Reichsgesundheitswoche hat mit dem gestrigen Sonntag ihren Abschluß gefunden. Die Anregungen, die seinerzeit vom Ministerium ausgingen, sind auf guten Bo­den gefallen. Diè Fülle der Veranstaltungen sowohl im Stadtbezirk als im Landbezirk, der glänzende Besuch sämt­licher Veranstaltungen im Landbezirk, wie auch der meisten Veranstaltungen in der Stadt Fulda, ist ein Beweis dafür, daß die Idee der Reichsgesundheitswoche einem Bedürfnis entsprungen ist. Die orientierten Kreise haben von An­fang an erkannt, daß eine Reichsgesundheitswoche für das Land nicht weniger wichtig ist, als für die Stadt. Es dürfte nur wenige Kreise geben, in denen der ländlichen Bevölkerung soviel an belehrenden Vorträgen geboten wor­den ist, wie von Seiten der Kreisleitung für den Kreis Fulda. Außer der Stadt Fulda hatten 33 Ortschaften des Kreises eigene Veranstaltungen mit Vorträgen. Sämt­liche Schulkinder der oberen Klaffen wurden in Filmvor­trägen von feiten der Aerzte und Zahnärzte auf den Wert der Gesundheit hingewiesen.

In der Stadt Fulda wurde die Reichsgösundheitswoche begonnen mit dem Werbeturnen der Fuldaer Turnvereine, am Sonntag, den 18. April im Schloßgarten und beendet durch große sportliche Veranstaltungen am Sonntag, den 25. April. Während der Woche wurden 3 große Volksver­sammlungen in dem großen Stadtsaal einberufen, die Veranstaltungen an den anderen Abenden, die von den Vereinen ausgingen, gewannen durch die große Teilnahme der Bevölkerung die gleiche Bedeutung. Am Montag abend wurde von dem Privatdozenben der Universität Köln Dr. med., Dr. med. dent. und Dr. phil. Lejeune das Gebiet der Tuberkulose an Hand von Lichtbildern erörtert. Am Dienstag abend behandelt Dr. med. Koch die Zusammen­hänge zwischen Gesundheit und Leibesübungen. Den Glanzpunkt sämtlicher Veranstaltungen bildete die von den FrauenvereiNen einberufene Versammlung im Stadtsaal am Donnerstag abend, in welcher umrahmt von stim- mungsvoll angepaßten Liedern das wichtigste Problem unserer ZeitMutter und Kind" von Herrn Kreisarzt Dr. Nobel behandelt wurde. Freitag abend folgte Ler Film- vortragAllmutter Natur" der auf Veranlassung des Naturheilvereins vorgeführt werden sollte. Der letzte ärztliche Vortrag fand Samstag abend statt. Es war der Filmvortrag des Dr. med. Herrmann aus Frankfurt über Zahnpflege.

Nebenher gingen ärztliche Vorträge in sämtlichen Schu­len. Vor den Oberklassen des Gymnasiums, der Oberre- alch)ule und der Aufbauschule sprach am Mittwoch vormit- ur der Aula des Gymnasiums Herr Kreisarzt Dr. med. Nobel über das Thema der Vererbung, vor den un­teren Klaffen San. Rat. Dr. med. Schneider über Grund- Gesundheit, vor den beiden Lyzeen sprach Dr. meo. Raabe. Derselbe Redner sprach auch in den Volks- schulen. Der Mittwoch nachmittag vereinigte die Schüler Uno Schülerinnen sämtlicher Schulen zu einem Turn- und Spieltag auf der Johannisau. Nicht unerwähnt seien oie hygienischen Belehrungen, die täglich von Seiten der gesamten Lehrerschaft der Stadt Fulda gegeben wurden. Samstag vormittag hatten die Schüler- der Volksschule ei­nen Filmvortrag über Zahnpflege. Eine Ausstellung wirkte durch Bild und Modell zur Aufklärung. Von Sei­ten der einschlägigen Geschäfte der Stadt Fulda wurde das allgemeine Bild der Reichsgesundheitswoche durch ent- lprechende Ausstellungen in den Schaufenstern ergänzt.

Als der Redner, der in den ländlichen Bezirken des Kreises seine ganze Kraft Tag für Tag in selbstloser Wei- C -öerfügung stellte, verdient an erster Stelle Herr Dr. med. Adorf, Pater Eotthart O. F. M. vom Kloster Frauen- verg genannt zu werden. In den Ortschaften Eroßcnlü- «er, Oborblülbach, Hosenfeld, Hainzell, Blankenau, Klein- Ufder und Giesel verstand er bfe populäre und doch sach- luher und ernster Weise die schwere Aufgabe zu lösen, vor

Lei ländlichen Beyolkerung über hygiengche Fragen zu sprechen. Dr. med. Bogner sprach Rommerz und Nieder­kallbach, Dr. med. Sians- in Mittelkalbach und Neuhof, Dr. med. Hack in Johannesberg und Horas, Dr. Hofmann in Dietershausen, Dr. med. von Keitz in Hauswurz und Weidenau, Dr. med. Koch in Eichenzell und Pilgerzell, Dr. med. Löwenstein in Kerzell und Steinau, Kreisarzt Dr. med. Nobel in Hattenhof und Petersberg, Dr. med. Schirmer in Salzschlirf, Dr. meb. Seubert in Dipperz und Hofbieber, Dr. med. Sebald in Bachrain, Dr. med. Tölle in Flieden und Rückers. Behandelt wurde in erster Linie die Tuberkulose.

Aus der Erkenntnis hepaus, daß die Zahnpflege für die allgemeine Gesundheit von der größten Bedeutung ist, und daß die Erziehung zur Zahnpflege in der Schule be­ginnen muß, wurde vor sämtlichen Oberklassen der länd­lichen Volksschulen an Hand rum Lichtbildern die Zahn­pflege behandelt. Sämtliche Zahnärzte des Kreises hatten sich zur Verfügung gestellt. Es sind die Herren Dr. med. dent. Dangel, Dr. med. dent. Hommens, Dr. med. dent. Hunold, Dr. med. dent. Mohr, Dr. med. dent. Mollenhauer, Dr. ched. dent. Schmoll, Dr. med. dent. Schwarz, Dr. med. dent. Sichel. Außerdem sprachen an den Volksschulen Schulrat Dr. Hammacher und die Kreisfürsorgerin Frl. Fritz. Ferner fanden in den ländlichen Bezirken zahlreiche, sportliche Veranstaltungen statt, an denen sich auch zum Teil Schulen beteiligten. Im Bezirk Flieden wurden heilturnerische Uebungen durch Herrn Lehrer Schilling aus Höf und Haid vorgeführt. Die gesamte Lehrerschaft des Landbezirks sprach mehrfach im Lauf der Woche mit den Schülern über hygienische Lebensführung.

Im Rahmen der Reichsgesundheitswoche erfolgte auch die Einweihung der Badeanstalt in Kleinlüder.

Der große Erfolg in der praktischen Durchführung der Reichsgefundheitswoche ist erreicht worden durch das har­monische Zusammenarbeiten von Behörden und den ört­lichen Ausschüssen. Die warme Unterstützung durch die persönliche Teilnahme des Herrn Landrats Frh. v. Gagern und des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Antoni verdient besonders hervorgehoben zu werden, auch der Herren, die in uneigennütziger Weise die vorbereitenden Arbeiten zur Reichsgesundheitswoche geleistet haben, soll in Dank­barkeit gedacht werden. Es sind die Herren Magistrats­assessor ' Dr. Danzebrink und Kreisversicherungs - In­spektor Polster. Der Erfolg wäre auch nicht denkbar ge­wesen ohne die Mitarbeit der Presse und ohne das Ent­gegenkommen des Herrn Pauly, der zu einem großen Teil der Vorführung feine Apparate und Filme zur Verfügung stellte.

Fulda, 28. April. (P r o m e n a d e n k o n z e r t.) Heute Abend von 6 Uhr ab findet in den Anlagen am Frauenberg ein Promenaden-Konzert des Trompeter- Korps des'ü. Art. Regts. statt.

Fulda, 28. April. (B ll r g e r v e r e i n e. V.) Es wird an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, daß heute, Mittwoch abend ^9 Uhr, eine Generalversammlung mit sehr wichtiger Tagesordnung stattfindet und der Vor­stand zahlreiches und rechtzeitiges Erscheinen erwartet.

Fulda, 27. April. (Verbindlichkeitserklä­rung.) Wie wir vom Deutschnationalen Handlungsge- hilfen-Verband hören, hat der Schlichter für Hessen-Nas­sau (Gewerberat Schilling in Hanau) den am 17. März 1926 vom Schlichtungsausschuß gefüllten Schieds­spruch zur Neuregelung der Angestellten-Arbeiisverhält- nisse für verbindlich erklärt. Dadurch ist die Arbeitszeit, Ser Urlaub und die Eingruppierung der Fuldaer kauf­männischen Angestellten wieder tarifvertraglich geregelt.

* Fulda. (Ordnung i in Wald.) Die Wan­derzeit hat kaum begonnen und schon liegen wieder in Wald und Feld Papierfetzen, Eierschalen, leere Bierflaschen usw. herum. Ist das nicht eine Schande? Jedes Jahr wird gegen die Verschandelung der Natur in der Oeffent- lichkeit Lärm geschlagen. Und immer noch ist die alte Un­sitte nicht abgeschafft. Helfe jeder mit an der Sauberhal­tung des Waldes. Jeder anständige Wanderer wird sein Papier usw. mitnehmen oder vergraben und auch das des unordentlichen Vorgängers.

Horas, 27. April. Die Ortsgruppe des Fulva-Rihön-Sänger- bundes, Fulda-Land, hielt am vergangenen Sonntag hier eine Versammlung ab, die von Vertretern der Gesangvereine Haim­bach, Neuenberg, Maberzell, Lehnerz und den beiden hiesigen GesangvereinenGemütlichkeit" undEintracht" beschickt war. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die neue Einrichtung des Bundes, wonach der aufgegebene Bundeschor nach Ortsgrup­pen getrennt schon vor dem Bundessängerfest, durch den Bun­desdirigenten abgehört und gewertet wird. Für die obener­wähnte Ortsgruppe ist hierfür Sonntag, der 30. Mai vom Bund bestimmt und als Ort Horas festgelegt worden. Mit ,6er Erledigung, der Vorarbeiten wurde der GesangvereinGe­mütlichkeit" Horas beauftragt. Die Versammlung beschloß aus diesem Anlaß ein Konzert zu'veranstalten, bei dem jeder Ver­ein neben dem Bundeschor noch einen ssIbftgewählten Chor singt. Außerdem soll mit einem Massenchor ausgewartet werden. Hierfür ist dasDeutsche Lied" von Pauly gewählt. Als Di­rigent der Ortsgruppe gilt der Dirigent desjenigen Vereins, welcher jeweili tmit der Durchführung und Uebernahme eines gleichartigen Festes innerhalb der Ortsgruppe beauftragt wird. Am 38. Mai wird der Massenchor von dem Chorleiter des GesangvereinsGemütlichkeit", Horas, Herrn Worringen, Fuldaf geführt. Als Lokal der Veranstaltung wurde die Gast­wirtschaft zum Bonifatiusbrunnen in Horas festgelegt. Die Gruppe wählte sich einen Vorstand, der sich aus den Herren Franz KrämerGemütlichkeit", Horas. 1. Vorsitzender; Valen­tin SchreinerEintracht", Horas, Schriftführer und Paabe, Neuenbsrg, Kassierer zusammensetzt.- Außerdem gehört von je­dem Verein ein Beisitzer dem Vorstand an. In recht erfreu­licher Weise konnte wahrgenommen werden, wie sich die Ver­eine in ihren Aeußerungen ereiferten, recht oft innerhalb der Ortsgruppe Zusammenkünfte in Form von Konzert oder Lie­derabenden herbeizuführen, um dadurch das Verhältnis unter den Sänaern inniaer zu gestalten und auch die Oeffentlichkeit mehr für die Bestrebungen des deutschen Männergesangs zu gewinnen.

Gersfeld, 27. April. (G a uturnfe st.) Für das am 20. und 21. Juni in Gersfeld stattfindende Gauturnfest des Ober-Fulda-Werra-Rhöngaues haben im Turnverein Gersfeld unter der äußerst rührigen Leitung des Herrn Bürgermeisters Seifert die Vorarbeiten begonnen. Während der Samstag und Sonntag dem Wettkampf der Vereins. gewidmet ist, soll der Montag der Schul­jugend des engeren Bezirks Gelegenheit geben, ihre Kräfte zu messen und vergnügt zu sein. Da der Verein über eine der schönsten und größten Turnhallen des Gaues und mehrere gedeckte Hallen verfügt, kann das Fest bei jeder Witterung seinen Besuchern etwas bieten.

Gersfeld, 28. April. (S i e d e l u n g s b a u t e n.) Die drei letzten der 8 Siedlungsbauten an der neuen v. Waldt- haüjenftraße schreiten ihrer Vollendung entgegen. Ein Haus soll in diesem Jahre noch errichtet werden. Damit dürfte die Neubautätigkeit wohl beendigte sein. Fast sämt­liche Häuser sind bei weitem teurer gekommen, als man sonst wo anders ähnliche Sauten herstellt. Auch die Er­schließung des schwierigen, am steilen Hang gelegenen Baugeländes, vor allem der Straßenbau, Hat der Stadt

enorme Kosten verursacht, sodaß andere Projekte unterq bleiben müssen.

Obernhausen (b. Gersfeld). Herr Lehrer Wende­roth von hier bestand heute vor der Prüfungskommis­sion unter Vorsitz des Herrn Oberregierungs- und Schul­rats Kellner aus Kastel seine 2. Staatsprüfung.

Geisa (Rhön), 2». April. Der wegen des Verdachtes der verübten Sranbftiftung, welcher neun Gehöfte zum Opfer fie= len, von hier verhaftete Besitzer des einen abgebrannten Ge­höftes-, Fritz Jünger, ist von Len Kriminalftellen weiter in Host behalten worden. Da die amtlichen Stellen sich in der Ange­legenheit vorläufig^ ansschweigen, kann man einen bestimmten Schluß noch nicht ziehen. Man nimmt aber allgemein an. daß die Verdachtsmomente begründet sind, da Jünger sonst binnen 24 Stunden wieder entlassen worden wäre.

Oberaula. (Gestörtes Idyll.) Sonntag nachmittag begaben sich drei junge Pärchen in den naheliegenden Wald (Katzbach.) Kaum hatten sie sich in dem Schatten einer Heinen Fichtenpflanzung niedergelassen, als sie durch ein Geräusch auf» geschreckt wurden. Um die Ursache desGerüujches zu ergründen, stand einer von den Burschen auf. Aber das sollte ihm schleck» bekommen. Ein Rehbock, der in seinem Mittagsschlaf gestört worden war, sprang ihm direkt ins Gesicht und brachte ihm über dem linsen Auge eine erhebliche Wunde bei. Er mußte sich so­fort in ärztliche Behandlung begeben. Der Rehbock aber war mit dem Schrecken davon gekommen.

Unterhaun, 24. April. Der Feuerwehrkreisverband hält hier am- 20. Juni seinen Kreisverbandstag ab. Zu der Tagung wer­den sämtliche etwa 80 Feuerwehren des Kreises ihre Vertreter entfenben. Die Tagung wird vom Kreisverbamdsoorsitzenden' unb Feuerwehrhauptin-ann Schüßler geleitet werden. Auch die Kreisbehörde wird vertreten sein.

Hersfeld, 25. April. (Kurbetrieb in Hersfeld.) Die hiesige Kutfaifon beginnt am 13. Mai. Die Nachfrage nach Kurkar­ten ist bereits ziemlich, rege. Im vergangenen Jahre konnten über 4000 Äwrfarten verabfolgt werden.

Hersfeld, 27. April. Die ReichsgcfunLheitswochc wurde hier mit einer eindrucksvollen JugenLveranftaltung geschlossen. Sämtliche Turn- und Sportvereine marschierten auf. 'Ls wurde in aller Oejsentlichkeit gezeigt, was alles auf turnerischem und sportlichem Gebiete in Hersscld vertreten ist und was geleistet wird. Die Sammlung für die Zeppelin-Eckener-Spende hat in der Stadt Hersfeld endgültig 3050 Mark ergeben.

Bebra, 24. April. (Jeftgemumwen.) Auf dem hiesigen Bahn­hof wurde der ISjäljrigc Büroaehilfe Gustav Zänker aus Ber­lin festgenommen und den, AmtsMtiGtgefängnis Rotenburg zugesllhrt. Er war der Eifenbahnkriminalpolizei durch sein sonderbares Benehmen ausgefallen. Die Untersuchung ergab, daß der Verhaftete in Berlin mit der Frau seines Chefs ein Liebesverhältnis unterhalten hatte. Er hat dasselbe dann zu Erpressungen benutzt und ist auch des Totschlagsversuches be­schuldigt.

Bebra, 27. April. In der Gemeindeveriretersitzung gab Bürgermeister Kraffke eine Uebersicht über die ©emeinbefinan» zen. Trotz verschiedener Senicinbebauten im vergangenen Jah­re ist es* möglich gewesen, ohne steuerliche Erhöhungen auszu­kommen. Auch im neuen Haushaltsplan ist mit Usbèrschreitun- gen nicht zu rechnen. Der Etat wurde genehmigt. Er schließt in der Einnahme mit 353 520 Mark ab, in der Ausgabe mit 392 029 Mark. Zur Deckung des Differenzbetrages werden 200 Proz. Zuschläge zur Gewerbesteuer und 150 Prozent zur Grund­steuer erhoben. Die Erundvormogenssteuer bleibt also wie int vergangenen Jahre, während Lie' -Eewerbesteuer um 25 Prgz. herabgesetzt wird. Einem Vertrag mit der Reichsbahn, nach dem die hiesige Reichsbahnverwaltung ihren gesamten Wasser­bedarf aus der Gemeindewasscrleitung entnimmt, wurde zu ge­stimmt. Der Kubikmeter wird mit 10 Pfg. bezahlt und eine tägliche Abnahme von 150 Kubikmeter garantiert.

Kassel, 25. April. (Großer Auslandsauftrag für Henschel u. Sohn.) DerKasseler Post" zufolge, hat die Verwaltung der Südafrikanischen Eisenbahnen der deutschen Industrie einen Auftrag von 20 schweren Lokomotiven erteilt. Von diesem Auf­trag sind zehn Lokomvtivcn bei der Kasseler Lokomotivenfabrik Henschel u. Sohn in Kassel bestellt worden, während der Rest an die Lokomotivensabrik Maffei kn München vergeben worden ist. Dem Werke ist durch diesen Auftrag Gelegenheit gegeben, seinen seit langem fchlechtbe.schLftig.ten Lâmötivbau zu er­halten.

Kirchhain, 25. April. Der Kreistag des Kreises Kirchhain trat unter dem Vorsitz des Landrales von Gilsa zu einer Sitz­ung zusammen. Eine Entschließung, die gegen etwaige Ein» verleiduiWLabsichten entschieden Stellung nimmt, wurde ein­stimmig angenommen und soll auch an den maßgebenden Stel­len durch eine vom Kreistag gewählte dreigliederige Kommis­sion vertreten werden.

Hanan, 24. April. (K r e i s t a g s i tz u n g.) In der Sitzung des Kreistages Gelnhausen ist der Etat des Krei­ses für das Rechnungsjahr 1926 beraten und verabschiedet worden. Einnahmen und Ausgaben schließen ab mit 2 405 647 Mark (im Vorjahre 1199 OOOWarf). An Kreis­steuern müssen 197 128 Mark erhoben werden. Beschlossen wurde u. a., zur Förderung des Wohnungsbaues eine An­leihe von 50 000 Mark anfzunehmen. Die Ent- und Be­wässerungsgenossenschaft des Bracht- und Kinzigtals in Wächtersbach hat seinerzeit die Regulierung der Kinzig und der Bracht in den Gemarkungen von Wächtersbach und umliegenden Ortschaften sowie die Entwässerung ei­nes großen Wiesengeländes beschlossen. Die Ansfiih- rungskosten sind nun gestiegen, so daß weitere Darlehen von der Genossenschaft ausgenommen werden müssen, für die der Kreis Gelnhauson die selbstschuldnerische Bürg­schaft zu übernehmen hat. Die Höchstbürgschastssuinme wurde vom Kreistag auf 200 000 Mark erhöht. Das Ee- famtprojekt kostet etwa 400 000 Mark.

Frankfurt a. M., 26. April. (Die Lohnbuchhalte- r i n als B r a n d ft i f t e r i n ?) Dic^ Feuerwehr wurde in der Nacht zum 25. Okr. 1924 nach der wbrgaffe alarmiert, wo eine Kleiderfabrik in hellen (flammen stand. Was das Feuer nicht vernichtete, wurde durch die Wasiermasien damals zer­stört. Noch während die Feuerwehr mit den Löschardeiten be= schäjtigt war, klopfte an bas Küchenfenster eines Nachbarhmrfes ein junges Mädchen und begehrte um Einlaß. Es war die Lohnbuchhalterin, bie der Wohnungsinhaberin erklärte, daß sie sich aus der brennenden Farbit an einem Seil hinabgelafsen habe und sich jetzt retten müsse. Das Mädchen wurde einge­lassen und schon am nächsten Morgen als Brandstifterin ver­hafte:. Auf der Polizei gestand das Mädchen unter dem Druck der Beamten, sie fei die Brandstifterin. Akan entließ es später wieder, um es dann wieder einzufperren. Vor dem Unter» fuchüngsrichter widerruft die Angeklagte das Poli zeig eftäudnis und bleibt bis heute, da sie vor dem erweiterten Schöffengericht als Angeklagte steht, bei dieser Behauptung. In den Anklage­akten steht, daß das Mädchen über schikanöse Behandlung durch den Chef geklagt habe, daß es sich am Drandtage ein Seil ge­kauft habe. Das Mädchen steht vor den Richtern und leugnet nicht, in der Vrandnacht in der Fabrik gewesen zu sein. Es er­klärt, es habe sich im Geschäftsraum Lücken wollen mitten in der Nacht habe einen Ohnmachtsanfall bekommen, und plötzlich fei es erwacht, mitten von Flammen umzüngelt. Den Verdacht der Brandstiftung lenkt das Mädchen, die fünfund zwanzigjährige Buchhalterin Elifal^kh Eller aus Mvsdach a. d. H., auf die Geschäftsinhaber selbst Das Mädchen macht einen klugen vernünftigen Eindruck, was es heute den Richtern sagt, klingt wahrheitsgetreu und ehrlich. Man fragt sich un­willkürlich. ob man solchem Mädchen einen Racheakt, wie den vorliegenden, zutrauen könne. Das ist das Ergebnis ^des ersten' Verhandlungstages. Wer Tage sind vorgesehen. Viele Zeugen sind berufen, meistens Belastungszeugen. Ueber den Ausgang des Prozesses ist man in den weitesten Kreisen, auch der Juristen, sehr gespannt.