Amrs-Maries Traum.
Von Olga Cordes.
(Nachdruck verboten.)
Anne-Mârie wußte nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Der, den sie liebte, hatte ihr heute nachmittag einen I Abschiedsbrief für immer geschrieben, weil er eine reiche Erbin aus seinen Kreisen heiraten mußte, und der, den sie nicht mochte, hatte ihr eben über dem Tresen seines Bäckerladens hinweg einen Antrag gemacht.
Gewiß war Kalli ein guter Junge und auch gar nicht häßlich. Sie kannte ihn schon von ihren Kindertagen her. Dann hatte er lange Jahre als Geselle in der Fremde gearbeitet und war erst vor kurzer Zeit zurückgekommen, um in seiner Vaterstadt ein Bäckergeschäft zu eröffnen. Gleich beim erstenmal, da sie bei ihm einkaufte, merkte sie am Aufleuchten feiner braunen Augen, daß er feine- einstige Jugendgespielin nicht vergessen hatte. Aber was lag ihr daran! Er war ein einfacher Mann geblieben, ohne weitere Bildung. Dazu verwechselte er häufig mir und mich, was ihr, als Korrespondentin, etwas Greuliches war. Auch fehlten ihm die feinen Manieren, die sie. sich im jahrelangen ,Verkehr mit dem — andern angewöhnt hatte.
Und wie konnte er ihr zumnten, hinter dem Ladentische zu stehen und Brot zu verkaufen, sie, die einmal ge- bosft hatte, als Herri« in eines der alten aristokratischen Häuser an der Cöutrescarpc einzuziehen.
Ganz entrüstet hatte sic daher ihre Semmel unter den Arm genommen und war Hals über Kopf aus dem Laden davongestürzt.
Mit vor Aufregung glühenden Wangen erreichte das junge Mädchen den Eingang des St. Jlsabeen-Stiftes, in dem sie ihre Tante besuchen wollte.
Um die Hitze nicht hereinzulassen, waren die Holzläden in der Haustür vorgelegt, dennoch herrschte eine drückende Schwüle hinter den dicken Mauern.
Und wie heiß mochte es erst da oben bei Tante Phine sein, sagte sich die Besucherin, mit einem Taschentuch über ihr erhitztes Gesicht fahrend.
Anstatt die weißgeschenerte steinerne Treppe hinauf- zugehen, die nach oben zu den Sorriboren führte, eilte Anne-Marie durch das Souterrain und öffnete eine Hoftür.
Vor ihr lag, schon halb im Schatten, der große Garten, eingeschlossen von den hohen Mauern des St. Jlsabeen- Stiftes, deren obere Teile noch in der Sonne glühten.
Die alten Obstbäume schienen mit ihren Zweigen in die vielen kleinen Fenster hineinzuwachsen, und ein Hauch von Kühle strömte von dem frischgeschnittcnen Rasen der Eintretenden entgegen.
Da es gegen die Abendbrotzeit ging, waren die meisten Bewohnerinnen mit dem Kochen ihrer Haferflockensuppe beschäftigt, und niemand befand sich im Garten; nur in der Ferne, auf der Bleiche, wurde ein grauer Kopf über der Fliederheckc sichtbar.
Anne-Marie setzte sich in eine Ecke hinter der Kapelle, wo die Jasminbüschc eine Laube bildeten. In ihren Zweigen sang die Amsel ihr Abendlied. Die süßen Töne drangen in das Herz der Lauscherin und erfüllten es mit Wehmut. Und während sie ihrer verlorenen Liebe nachtrauerte, fühlte sie eine tiefe Müdigkeit über sich kommen. War es der Duft der Jasminblüten, der sie betäubte, oder strahlten die heißen Mauern die am Tage empfangene Hitze wieder aus, ihr Kopf sank nach hinten auf die Lehne der Holzbank und sie schlief fest ein.
„Kommen Sie, Fräulein Anne-Marie. Sie dürfen im Freien nicht schlafen, sonst holen Sie sich wieder Ihr Rheuma!"
Anne-Marie öffnete die Augen und sah ein altes Fräulein mit einer Haube vor sich stehen, das ihr den Arm hinhielt.
Bereitwillig wollte sie sich erheben, sank aber mit einem Schmerzenslaut zurück, denn wie sie zutretcn wollte, versagte ihr das rechte Knie.
„Sehen Sie . . . das kommt von Ihrem Leichtsinn, wir alten Leute dürfen nicht mehr so spät im Freien sitzen." Mit diesen Worten umfaßte die Sprecherin ihre hilflose Mitschwester und zog sie empor.
Mühsam schleppten sich die beiden Alten durch den Garten, keuchten die Steintreppe empor und erreichten endlich ihre Stübchen, die nebeneinander am Anfang des unteren Korridors lagen.
„ „Soll ich Ihnen eben das Teewasser auffetzen, Fräulein Anne-Marie?" fragte diè Nachbarin, die noch rüstiger war.
„Ach ja :, , wenn Sie so freundlich fein wollten! Denken Sie nur! Ich habe eben so schön geträumt... ich war wieder jung!"
Ein seliges Lächeln verklärte die Züge der Greisin.
»Ja, ja . . . das träumt man wohl manchmal . - - aber es is schon ’n büschen her."
»Ich saß da unten im Garten und — er hatte mir gerade einen Antrag gemacht. . ."
„Einen Antrag? Ja, warum haben Sie den denn nicht angenommen? Dann säßen Sie jetzt nicht hier im Stift."
„Er war mir nicht fein genug . . . nur ein Bäcker! Und ich wollte höher hinaus . . . später heiratete er dann irnd die Frau soll so glücklich geworden sein^ , . o wie hab' rch es bereut!"
„Das 's nu doch alle vorbei . s - wir sind alt und haben nichts mehr zu erwarten . . . mögen Sie nid) 'n büschen Heringssalat, Fräulein Anne-Marie? Er is mir so gut geraten."
Die, Fragerin erhielt keine Antwort, denn plötzlich dehnte sich die Gardine vor dem offenen Fenster wie ein Segel aus und ein heftiger Donnerschlag erfolgte. — — Anne-Marie fuhr auf und blickte verstört um sich.
Hatte sie denn geträumt?
, War sie ein altes Stiftsfräulein mit einem Humpel- bem?
Aufspringend überzeugte sie sich von der Kraft ihrer Grreder. Dann öffnete sie ihr Täschchen und blickte in ihr Handspiegelchen. Ein jugendliches Mädchenantlitz mit geröteten Wangen und glänzenden Augen strahlte ihr ent- Legen.
Gott sei Dank! Noch war sie jung! Es war nur ein (häßlicher Traum gewesen!
fe'n^^ fasst* dieser Traum eine Mahnung des Schicksals _ hen sie liebte, war unwiederbringlich für sie verloren, sollte sie nun auch auf den andern verzichten?.
Wer wußte, ob im Laufe ihres Lebens noch ein dritter in Frage kam? Die besten Jahre hatte sie ohnehin mit —• ihm vertrödelt.
Und eine plötzliche Angst erfaßte sie, daß der Traum zur Wirklichkeit werden könnte. Sie griff nach ihren Semmeln und stürzte durch den Garten, während die ersten dicken Tropfen des heranziehenden Gewitters fielen. Aber anstatt nach oben zu ihrer Tante zu gehen, lief Anne-Marie auf die Straße.
Draußen flüchteten die Kinder kreischend vor dem Platzregen in die Häuser. An den Mauern entlanglansend, versuchte Anne-Marie ihr Heim zu erreichen, doch der Regen drang durch ihre dünne Bluse bis auf die Haut, so daß sie in den an der Straßenecke befindlichen Bäckerladen flüchtete.
Der Bäcker, ein noch junger Mann, lehnte mit seinem Rücken gegen den Brotschrank und starrte in das Unwetter hinaus. So grau wie der Regen, so grau und mutlos war auch sein Gesichtsausdruck.
Als die Ladeutür klingelte, drehte er sich um.
„Anne-Mar'«!"
Es schien, als wenn ein Sonnenstrahl über die Dächer in den Laden glitt und das Antlitz des Einsamen verklärte.
„Kal... li... ich bin patschnaß , . hast du nicht ein Handtuch?"
Der junge Mann verstand gar nicht ihre Bitte, er hörte nur den trauten Namen, mit dem ihn die Jugendgespielin gerufen hatte, und er stürzte auf sie zu.
„Siehst du denn nicht, daß ich triefe wie ein nasser Pudel!" rief sie lachend, vor ihm zurückweichend.
Doch er zog das junge Mädchen an sich.
„O, Anne-Marie , . . tote konntest du erst so davon- la.uren? "
Schicksal.
Ihr hundertfach geschiedenen Gestalten in meiner Brust, wer unter euch bin ich? Wes sind die Kräfte, die euch siegreich halten, wes ist das Reich, in dem sie sich entfalten? und welche unter euch befriedigt mich? — Kaum hingegeben an ein schönes Bild der Leidenschaft und der entzückten Sinne, wird dieses Herz in Gram und Zweifel inne, daß kein Beharren seine Inbrunst stillt.
Wer sorgte so, daß er sich selbst entrinne, so von sich selbst und seinem Wert erfüllt!
Waldemar Bonsels.
„Aber Kalli ... ich weiß auch jetzt noch nicht.. . ich muß mir doch erst überlegen . .
„überlegen . . . Anne-Marie ? Das Geschäft geh! gut! Ich habe mir draußen in der Fremde etwas erspart. . . doch alles nur für dich . . . und nun willst du noch lange überlegen?"
Und während das junge Mädchen zögerte, sahen ihre Augen draußen in dem Unwetter eines der alten Stifts- fräulein vorüberhumpeln, und die ganze Schwere ihres Traumes kam ihr wieder zum Bewußtsein.
„Ja. . . Kalli. , . wenn du denn durchaus willst?!"
„Ob ich will?"
Ein Jubelruf aus übervoller Mannesbrust erscholl durch den Laden, so daß die eintretende Kundin erschrocken zurückfuhr.
„Frau Meier - - . kommen Sie doch herein - - - ich konnte mir nicht helfen ... ich bin zu glücklich ., „ dies hier ist meine zukünftige Frau Bäckermeister!"
Fröhliches von berühmten Ärzten.
^"'^ Aeihe von Anekdoten aus dem Kreise großer Wiener Klunker wurde vor einiger Zeit in der „Wiener ^odiz milchen Wochenschrift" veröffentlicht; einiges. aus dieser Sammlung möge hier Platz finden. Ein junger Arzt, ~r- ~-' War ein Liebling und Protektionskind des berühmten Klinikers Edmund v. N e u ß e r. Eines Tages empfahl Neußer den Doktor dem damaligen Fürsten von Bulgarien a!^> ^eioargt Es war dies eine sehr gut bezahlte, aber wenig anstrengende Stelle. Der Leibarzt hatte die Auf- gäbe, den Fürsten jeden Tag nach dem Frühstück zu be« suchen und mit ihm über kleine Tagcsnemgkeiten zu plau- dern — man könnte auch klatschen sagen. Bei jedem ernsteren Krankheitsfall in der Familie des Fürsten wurde sofort Neußer aus Wien berufen, so daß sich der Leibarzt ziemlich überflüssig Vorkommen mußte. Als er eines Morgens seinen gewohnten Besuch beim Fürsten machen wollte, verwehrte ihm der Kammerdiener den Eintritt mit den klassischen Worten: „Nein, Herr Doktor, heute kann ich Sie nicht hineinlassen, der Fürst ist k r a n k!"
Einmal wurde Neußer in die Klinik eines bekannten Wiener Herzspezialisteu berufen, um dort eine Dame an- zusehcn, die einen merkwürdigen Gang hatte und nach Ansicht der Ärzte, die sie bis dahin behandelt hatten, an Tabes (Rückenmarkschwindsucht) litt. Neußer war gar nicht für die Privatpraxis gelaunt, entwickelte eine Unmenge neuer Theorien und schien auf das Thema der ärztlichen Beratung überhaupt nicht eingehen zu wollen. Nach langem Drängen erklärte er sich endlich damit einverstanden, daß die Patientin hereinkomme und an ihm einmal vorübergehe. Er warf, als sie ging, nur -ünen kurzen Blick auf sie und sagte halblaut: „Tabak!" Die anderen Ärzte glaubten, falsch gehört zu haben, und verbesserten: „Tabes, Herr Professor!" — „Nein," wiederholte Neußer, „Tabak!" Tatsächlich ergab dix Nachfrage, daß die Dame dreißig bis vierzig Zigaretten täglich geraucht hatte, und eine Entziehung des mißbräuchlichen Nikotingenufscs führte in kurzer Zeit völlige Heilung herbei. Neußer wurde nun bestürmt, seine glänzende Diagnose zu begründen. Dies zu tun war er nicht imstande. Er sagte nur: „Sie geht anders!" und damit war die Sache für ihn abgetan.
Hermann N o t h n a g el, einer der berühmtesten Wiener Professoren, war als Prüfer ziemlich streng und sich der Verantivortilng, eventuell schlecht beschlagene Ärzte aus die Menschheit loszulassen, voll bewußt. Einst prüfte cr einen Kandidaten, der vollständig versagte. Auf die gang- barsten Fragen über Tvvbus. Vueumomie. Tuberkulose
relne richtige Antwort. Da wurde der sonst W höfliche Prozessor ernstlich böse und fuhr den Kandi- £?„P iM- »Heer, wie kann man ohne jede Vorbereitung zur Prüfung kommen?" - „Entschuldigen Sie," erwiderte der jnnge Medizinmann, „ich habe geglaubt, die Prüfung wäre cr>t morgen. Er war nämlich einen Tag zu früh zur Prüfung gcruieu toorbcn und hatte geglaubt, daß er in 24 Stunden die ganze Medizin lernen würde. Nothnagel lachte grauen ob dieser Unbefangenheit des Kandidaten.
Zum Schlüge der Ausspruch eines Wiener Klinikers der grope Freude am Gelde hatte (das soll übrigens öfter Vorkommen!), und dessen Namen nicht genannt werden soll. Er behandelte einen Patienten im Sanatorium und ^r jltoient fragte: „Bitte, Herr Professor, wie lange soll ich den Mann elektrisieren?" — „Bis zu zweitausend Kro- nen," erwiderte der Professor, Selbstverständlich meinte er Friedenskronenl
Rätselecke.
\J^0«
§AußetâtfeL
Lebkuchen, Regenschirm, Schieber, Rosenblatt, Schneehuhn, Kreislauf, Heringsdorf, Hagenau, Schneeschuhe, Schlemmer, Schuhsohle.
Die vorstehenden Wörter sollen untereinandergestellt und seitwärts derartig verschoben werden, daß in zwei senkrechten Buchstabenreihen ein Sprichwort zu lesen ist.
Anagramm.
Ballen, Kelter, Kosten, Palmin, Reuter, Wandel.
AuS'den vorstehend angegebenen Wörtern bilde man durch Änderung je eines Buchstabens neue Wörter. Werden dieselben richtig in die Felder des beistehenden Quadrats eingetragen, so liest man in der durch Zahlen bezeichneten Diagonale den Namen eines Dramas von Shakespeare.
Aitalenräkfck.
1. Wie er räuchert und wie er spuckt, daS habt ihr ihm glücklich abgeguckt.
2. Denn er war unser.
3. Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler.
4. Der Mann muß hinaus ins feindliche Leben.
ö. Mit diesem Wort nehmt ihr mir alle Hoffnung.
6. Prüfet alles und behaltet das Beste.
7. Nur wer die Sehnsnckt kennt, weiß was ich leide.
8. Mes in der Welt läßt sich ertragen.
9. Trotz, allem Pech ein lustig Lied.
10. Ich denke einen langen Schlaf zu tun.
11. Landgraf werde hart.
12. Meine Ruh' ist hin,. mein Herz ist schwer, ich finde sie nimmer und nimmer mehr..
13. Die Erde trägt nicht seinesgleichen.
14. Man muß erst sehn, wie ihm zu helfen ist.
Aus jedem der vorstehenden Sätze soll ein Wort genommen werden. Die richtig gewählten Wörter nennen ein Zitat von Shakespeare.
ALlftkhäske Anschrlsk.
Amwerrdkung.
Donner, Dorn, Arie, Ernst, Klee, Liter, Latein, Meile, Rcdèn, Siiek.
Durch Hinzufügcir je eines Buchstabens und Wüste llung der übrigen Buchstaben soll aus jedem der vorne denden porter ein neues Wort gebildet werben. Die AnsongSbnchstaben der richtig geordneten neuen Wörter nennen ein geschichtliches^