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Zul-aer ÄnZeiger

ZulSa / SlaS 2

gic, 91 Fulda, 24. April 1926

Jugendpflege.

Sirach 7, 25: Hast du Kinder, so ziehe sie.

Der zweite Sonntag nach Ostern ist kirchlich zum Jüaendsonntag bestimmt. Das ist gut und macht nnd)= deNklich. Worauf kommt es bei der Pflege der Jugend an? Zuerst auf die Pflege des Körpers. Das ist bei pcn Kleinsten ja auch das einzige. Aber es darf nicht das einzige bleiben. Wir alle kennen genug gesunde, körper- gepflegte junge Leute, an denen niemand Freude hat, am wenigsten Vater und Mutter. Auch der Gei st muß gepflegt werden. Die Jugend kann nicht genug lernen und ihre Gaben ausbilden. Aber auch das ist nicht das letzte. Wir alle kennen genug Menschen mit klugem Ver­stand, die viel gelernt haben und viel können und ans nie man doch nur mit Zorn und Verachtung sieht, weil sie all ihre geistigen Fähigkeiten mißbrauchen, nicht zum Segen, sondern zum Unsegen für viele. Das Entschci- vende bei aller Erziehung ist die Pflege des innersten Wesens zum Gutsein. Und damit wird es heute viel zu leicht genommen. Du, mein Leser, meine Leserin: hast du diese allerwichtigste Pflicht an deinen Kindern er­füllt? Rede dasja!" nicht so leicht hin! Es könnte heute in unserer Jugend nicht so aussehen, wie es aussieht, wenn wir Alten darin unsere volle Pflicht getan hätten. Gemahnt haben wir genug? Gestraft? Geredet? Das ist keine Kunst. Haben wir ihnen vorgelebt mit nn- fcrpm eigenen Vorbild, daß uns Gottes Gebot das Höchste ist? Auch zu uns wird cs einmal gesagt werden: Dieses Jünglings Seele ford'r ich einst von dir!

Aussichten für die Zivilversorgung der Reichswehr.

Das uns durch den Vertrag von Versailles aufgezwungene Heercssystem verlangt von Deutschland ein FreiwilligenHeer, dessen Angehörige alljährlich durch Werbung gewonnen werden. Es steht außer allem Zweifel, daß zum Eintritt in das Heer Liebe zum Soldatenderuf und ein ideales Streben, dem Volke unter Umständen mit Leib und Leben zu dienen, notwendig sind. Ebenso richtig ist aber auch, daß der zum Eintritt in die Reichs- webr bereite junge Mann, der sich auf 12 Jahre also die besten Jahre seines Lebens verpflichten mutz, darüber Gewißheit be­gehrt, was mit ihm dann geschreht, wenn er dem Staate 12 Jahre lang Dienste geleistet hat. Es kann keinem Zweifel un­terliegen, daß ein guter Ersatz für die Reichswehr auf die Dauer nur zu gewinnen ist, wenn den Soldaten nach dem Ausscheiden aus dem militärischen Dienst eine Existenz für das Leben ge­sichert wird. Es ist natürlich, daß die Soldaten diese Existenz- sicherung nach dem Ausscheiden vom Staate, oder bester gesagt im Staatsdienst begehren.

Die amtlichen Stellen bemühen sich seit langem, die ausschei- dendcn Soldaten im freien Erwerbsleben unterzubringen. Die Möglichkeit hierzu d. h. die Möglichkeit, diestn Beruf aus- üben zu können gibt man durch theoretischen Unterricht in der Reichswehr und durch Gewährung von Geldmitteln. Dabei darf bemerkt werden, daß erst kürzlich bei Beratung des Reichswehr­etats im Reichstag festgestellt wurde daß die Möglichkeit, auf diesem Gebiete den Soldaten eine Existenzsicherung zu bieten, außerordentlich gering ist. Ein Mensch, der 12 Jahre lang dem freien Wirtschaftsleben entzogen ist, kann unmöglich die nur im andauernden Wirtschaftskampfe zu erwerbenden Fähigkeiten in dem notwendigen Matze haben, um in der freien Wirtschaft wett­bewerbsfähig bestehen zu können. So ist es denn allzu natürlich, datz der größte Teil der ausscheidenden Soldaten durch Beantrag­ung des Zivildienstscheines, der eine Anstellung im Beamten­körper des Reiches, der Länder und Gemeinden sichern soll, diese Versorgung begehren. Eine jahrhundertelange Entwicklung in Deutschland wie auch die Erfahrung aller Militärstaaten läßt er­kennen, daß die Versorgungsberechtigten gerade ffür diese Dcr- wendung aus der Militärdienstzeit die allerbesten Eigeirschaften mitbringen. Durch entsprechende Gesetzgebung hat das Reich ja verfügt, daß ein ganz bestimmter Teil der Beamtcnstellen mit Versorgungsanwartcrn (so nennt man die Soldaten nach dem Ausscheiden) besetzt werden soll.

Nun ist aber jedem bekannt, daß in Deutschland einmal durch den Beamtenabbau die Beamtenschaft gewissermaßen verjüngt ist, und zum anderen hört man bei den diesjährigen Etatbera­tungen im Reichstag das Wort sparen in allen Tonarten. Zu diesem Sparen rechnet der Reichstag auch das Einsparen von Ve- amtenstellen. Außerdem verlangt der Reichstag zur Einsparung von Pensionen und Wartegeldern die Wiederverwendung von ab- gebauten Beamten (Wartegeldempfänger).

Aus der Reichswehr allein scheiden alljährlich etwa 12 000 Soldaten, die Existenzsicherung begehren, aus. 'Wenn man die Zahl der noch nicht angestellten, bisher ausgeschiedenen Versor­gungsanwärter mit 20 000 einschätzt,d ann ist dies sicher nicht zu hoch gegriffen. Das Reich gibt zwar den ausscheidenden Soldaten eine Zeitlang (höchstens bis zu S Jahren) Uebergangsgebührniffe,' ist diese Zeit abgelaufen, verweist das Reich sèine' Staatsdiener auf den Unterstützungsweg. Die Fälle sind heute nicht selten, in denen diese ehemaligen Soldaten als Erdarbeiter, Gepäckträger, Schiffsentlader, Kutscher, Landarbeiter usw. tätig sind. Arbeit schändet gewiß niemand, und die alten Staatsdienèr sind gewohnt zu arbeiten. Aber zur Erlangung eines solchen Berufs braucht man nicht erst 12 Jahre Soldat zu sein. Es wird höchste Zeit, daß alle verantwortlichen Stellen des Reichs (Regierung, Reichstag usw.) sich ernstlich für die Unterbringung der Versorgungsan- wärter im Staatsdienst einsetzen. Schöne Worte sind in den letzten Jahren viel gewechselt worden, aber immer noch wider­streben manche Behörden einer Unterbringung von Versorgungs- anwätern. Daß dies nicht staatserhaltend, sondern zerstörend auf die Reichswehr wirken muß, ist selbstverständlich.

Ein Senior der deutschen Wissenschaft.

Professor Dr. Max von Gruber, ber. berühmte Münchener Hygieniker, Präsident der bayerischen Akademie der Wissenschaften und Generalkonservator der wiffen- 'schaftlichen Sammlungen des bayerischen Staates, beging sein- goldenes Doktorjubiläum.

Besonders sind es Gemeindeverwaltungen, denen die Ueber­nahme der Vcrsorgungsanwärter in ihren Dienst ein Dorn im Auge ist.

Der Reichstag wird sich demnächst mit einer Vorlage der Reichsregierung beschäftigen, nach beb nicht nur bei Besetzung von Beamtenstellen, sondern auch bei der zukünftigen Besetzung der Stellen der Angestellten auf Privatdienstvertrag teilweise Versorgungsanwärter zu berücksichtigen sind. Es ist dies gewisser­maßen ein Notbehelf, veranlaßt durch den Mangel an freien Be- ämtenstellcn. Als Lebensstellung kann eine solche Anstellung nicht betrachtet werden. Sicherungen dagegen, daß vorhandene Angestellte, bin nicht Vcrsorgungsanwärter sind, nicht entlassen werden dürfen, hat der Reichstag bereits getroffen.

Bestand und die Erhaltung der Reichswehr fordern alles zu tun, um die vom Staate versprochene Existenzsicherung der aus­geschiedenen Soldaten durchzusührcn. Es ist sonst unmöglich, eine gute Wehrmacht aufrechtzuerhalten.

Wer,sich auf 12 Jahre zum Dienst in der Wehrmacht verpflich­tet, darf am Ende dieser Dienstzeit nicht mit schönen Worten ab- gespeist werden.

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Aah und Kern.

O Die selbstlose Tat eines Turnerknaben. Die Kinder des Bäckermeisters Arp in Lägerdorf vergnügten sich mit Rodeln von der Böschung an einer tiefen mit Wasser angefüllten Kreidegrube. Auch das achtjährige Töchterchen des Genannten wagte eine Fahrt, konnte aber unten angelangt, die Kurve nicht halten und sauste mit ihrem Schlitten anstatt dem Lande zu, in der «ntgc- gegengesetzten Richtmm duekt in die Grube Htne n und fanf ein ganzes Stück vom Ufer entfernt, ins Wasser. Das gewährte ihr zwölfjähriger einziger Bruder. Er eilte, ohne sich zu besinnen, nach, aber auch ihn hielt die dünne Eisschicht nicht. Er brach ein. Schwimmend arbeitete er sich an seine Schwester heran und erreichte sie gerade noch im letzten Augenblick. Schwimmend wollte er mit ihr das Ufer erreichen, aber leider konnte er mit ihr nicht gegen die Eisdecke an. Er beschränkte sich nun darauf, seine Schwester so lange über Wasser zu halten, bis Hilfe kam. Lange dauerte es, bis sich aus den zahlreich am Ufer'angefam- melten Zuschauern zwei beherzte Männer fanden, die die Ret­tung wagten. Wohl eine Viertelstunde lang hatte der kleine Held sein Schwesterchen über Wasser gehalten und sie fortwährend ba= mit getröstet, daß jeden Augenblick Hilfe kommen werde. Die

Hilfe kam. Doch in demselben Augenblick da die Kleine er­faßt wurde, sank er lautlos in die Tiefe. Der ganze Vorgang spielte sich unter den Augen der verzweifelten Mutter ab. Die Kleine wurde gerettet. Die sofort angestellten Wiederbelebungs­versuche hatten Erfolg. Ihr kleiner Retter aber konnte nur als Leiche geborgen werden. Unter gewaltigem Gefolge seitens der ganzen Einwohnerschaft wurde der auf so heldenhaft-traurige Weise ums Leben Gekommene zur letzten Ruhe geleitet. Der Turnverein nahm, da der Junge Mitglied der Knabenableilung war, mit sämtlichen Abteilungen an der Beerdigung teil. Seine Tat wird unvergeßlich bleiben und fortleben als echtes Zeichen von edelstem Mut, höchster Tatkraft und felbstaufopfernder Bru­derliebe. D.

O Der bestohlene Minister. Der preußische Minister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Steiger, wurde beim Besuch eines Konzerts in Berlin von einem Taschendieb bestohlen. In der Garderobe entwendete ihm, ohne daß er etwas merkte, ein Unbekannter die gol­dene Uhr mit einer Widmung des Landwirtschaftlichen Vereins Hildesheim 1900.

O Deutsche Studienreise ungarischer Landwirte. In Erfurt treffen Anfang Mai 50 ungarische Landwirte auf einer vom Ungarischen Dörferverband verauitaltetev Reise ein und werden einige Tage in Erfurt verweilen um die bedeutsamen Sehenswürdigkeiten, vor allem abei um die Weltruf genießenden Gärtnerei betriebe der Stadt Erfurt kennenzulerucn.

O Die Lohngeldunterschlagungen bei Thyssen. Zu der Lolmgeldunterschlagungen bei den Thyssen-Werken wirk noch bekannt, daß die Unterschlagungen sich auf ft bei 100 000 Mark belaufen dürften. Bisher wurden 12 Per­sonen verhaftet, davon neun in Hamborn und drei in Köln. Unter den Verhafteten befinden sich and) einigt Werkmeister der Thyssen-Hütte sowie ein Markenkontrolleui und ein Portier, die mit den verhafteten Monteuren bei Unternehmerfirmcn zusammengearbeitct batten.

O Durch »Haldengase vergiftet. Auf einer Ziukhiitten- Halde bei Neudorf in Oberschlesien wurden drei Knaben im Alter von 12 bis 1! Jabren durch Haldengase vergiftet bewußtlos aufgefunden, esiiier der Knaben ist der Vergiftung erlegen, die beiden anderen konnten ge­rettet werden.

O Aus dem Gerichtssaal entflohen. Als das Schöffen­gericht in Ess e n gegen den 20jährigen Einbrecher Walte re itli verhandelte, sprang der Angeklagte plötz­lich ans dem Fenster des im ersten Stock gelegenen Ge­richtssaales, kletterte über mehrere Mauern und entkam.

O Schweres Autounglück in Aachen. In A a ch e n fuhr ein Kraftwagen mit großer Geschwindigkeit gegen ein Haus, wobei die Wand des Hauses stark beschädigt und ein Schaufenster zertrümmert wurde. In dem Augen­blick des Zusammenstoßes kam eine Frau mit ihrer Tochter an der Unglücksstelle vorbei. Das Mädchen wurde so gegen das Haus gedrückt, daß es »ach wenigen Minuten starb. Die Frau kam mit leichteren Verletzungen davon.

O Beim Scheibenschießen den Verstand verloren. Ein Landwirt in Lauingc n wurde beim Scheibenschießen plötzlich tobsüchtig und begann, von seiner Wohnung aus aus die gegenüberliegenden Häuser und schließlich auch ans die vorübergehenden Leute zu schießen. Im ganzen gab er aus seinem Revolver 40 Schüsse ab; schließlich gelang cs der Gendarmerie, den Wütenden zu fesseln. Während des Kampfes gab er weitere sechs Schüsse ab, die glück­licherweise alle in die Erde gingen. Der Tobsüchtige wurde in die Kreisirrenanstalt Günsberg gebracht. Man nimmt an, daß der Tobsuchtsansall die Folge einer Kriegsver­letzung ist.

O Amundsen und Ellsworth in Spitzbergen. Wie ans Kingsbay berichtet ivird, sind Amundsen und Ellsworth an Bord des DampfersSkaaluvcu" in Spitzbergen an- gekommen. Es sind alle Vorbereitungen zum Empfang des Luftschiffes getroffen.

O Projekt einer transsibirischen Luftverkehrslinie. Der deutsche Kapitänleutnant Bruns, der Generalsekretär der Internationalen Gesellschaft für Transarktischen Luftver­kehr, ist in Petersburg eingetroffen, um sich mit einigen russischen Sachverständigen zu besprechen. Das von Bruns entworfene Luftschiff hat eine Länge von 275 Meter und gewährt den Fahrgästen allen Komfort. Die von Bruns vorgeschlagene transsibirische Linie soll von Leningrad über Wologda, Tuchuransk nach Tokio führen.

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Kgl. und. Päpstlicher Hoflieferant Gegründet 1846.

Vertreter: Gustav Mandt, Lauterbach.

Unseren Kindern

Dackeli und Vaschi.

Eine Hun'degesch ichtc.

Dor ein paar Jahren war ich in der Schweiz zu Besuch. Die Leute dort hatten zwei Hunde. Der kleine war ein Dachshund, und man rief ihn einfach Dackeli. Der große hieß Baschi. Sie bewohnten zusammen eine Hütte, die dicht am Hause unter schö­nen, grünen Büschen stand. Die beiden vertrugen sich sehr gut. Daran war Baschi schuld, denn er dachte:Mit so einem kleinen Kerl, wie der Dackeli einer ist, will ich nicht raufen. Das wäre feine Ehre für mich. Nur spielen darf ich mit ihm."

. Wenn Dackeli einmal anders wollte als Bafchi, gab Vaschi immer nach. Dackeli gefiel das natürlich sehr. Er meinte, das mußte jo sein alles müßte nur immer nach seinem Kopfe gehen. Gin«s Tages siel, wie so oft in fenem Sommer, ein starker Regen. Grabe ging Baschi im Garten spazieren. Um nicht putschnaß zu werden, lief er schnell zur Hütte. Dort steht aber Dackeli am Eingang, guckt den Baschi groß an und rührt sich nicht ttom Fleck.

Dackeli, bitte, inach mir Platz, daß ich auch hinein kann, es regnet doch so!" sagt Baschi freundlich und wedelt mit dem ^ywnnz. Dackeli aber rührt sich nicht und guckt dabei den Baschi ganz stets) ins Gesicht.

Bitte, Dackeli!" sagt Vaschi noch einmal. Doch umsonst!

Nun hätte ja Baschi einfach den Dackeli beiseite schieben und omiv in die Hütte gehen tonnen. Aber er dachte wieder:So einem kleinen Kerl muß man den Willen lassen/' Und das war allzugutmütig und nicht richtig. Still ging er fort zur Veranda und -legte sich dort auf die harten Steine.

Hier ist's auch ganz schön!" dachte er,meinetwegen mag Dackeli die Hütte für sich behalten, deswegen will ich noch lange mcht mit ihm streiten."

Nach kurzer Zeit hörte cs auf zu regnen, die Sonne schien wie- öer, und Elsi, eine Tochter des Hauses, kam auf die Veranda. BaW freute sich darüber so sehr, daß er an Elsi hoch sprang und 11,1 Hände und Gesicht leckte. Elfi mochte das gar nicht, beim sie u^urde von dem regennassen Baschi ganz schmutzig. Es sagte: Aber Baschi, laß wich -W, in Ruhe» Sieh mal. wie du mich wr-cber zugenchtet! Komm, laß uns lieber ein bißchen spazieren gehen.

Das . ließ sich Bafchi nicht zweimal sagen, denn nur gar zu gern ging er mit Elsi spazieren. - Aks sie aber so ein Stückchen vom Hause weg waren, sah Baschi von weitem einen anderir Hund, den er gut kannte. Schnell wollte er hin und ihn be­grüßen. In seiner unbändigen Freude aber sprang er so sehr, daß er gar nicht merkte, was alles im Wege war. Dabei rannte er so heftig gegen einen Stacheldrahtzaun, daß sein linkes Hinter­bein eine große Wunde bekam. Run heulte Baschi laut auf vor Schmerz, und alle Freude war dahin. Elsi streichelte und tröstete ihn und untersuchte sein Bein. Das sah freilich schlimm aus, und Elsi sagte:Es hilft alles nichts, wir müssen zum Onkel Tier­doktor gehen, der macht das Bein wieder heil."

Baschi hinkte nun auf drei Beinen, denn bas eine tat so weh, daß er nicht braus treten konnte. Der Doktor untersuchte die Wunde genau und meinte:Schlimm ijt's freilich, aber es kann wieder gut werden. Man muß Umschläge mit essigsaurer Ton­erde machen, und ihm ein weiches Kissen zum Draufliegen geben, und, wenn's auch weh tut, muß Baschi doch jeden Tag versuchen, auf bas kranke Bein zu treten, sonst wird's steif."

Als beide wieder heim kamen, suchte Elsi gleich nach Stoff zu einem großen, breiten Sack. Es nähte ihn zusammen und stopfte ihn voll Heu. Er kam auf die Veranda und war nun das weiche Kissen für Baschi, und er durfte sich gleich brauflegen. So etwas Bequemes hatte er in seinem Leben noch nicht gehabt. Behaglich streckte er sich aus und dachte:Nun habe ich ein viel besseres Lager als Dackeli in feiner Hütte!"

»Wenn man an den Fuchs denkt, kommt er gerannt!" So lautet ein altes Sprichwort. Kau in hatte Baschi seinen Gedanken ausgcdacht, so fam auch Dackeli schon um die Ecke herum. Als er seinen großen Kameraden so vornehm beliebn sah, machte er verwunderte Augen. Auf einem so schönen Kissen mußte sich's gut liegen, noch viel besser als auf dem Stroh in der Hütte! Und schnell sagte er zu Baschi:Ich will jetzt auf dem Kissen liegen. Du darfst auch wieber in die Hütte. Ich lasse sie dir ganz allein."

Diesmal aber tat Baschi dem Frechdackcli nicht seinen Willen. Fest blieb er auf dem schönen Kissen liegen und sagte ganz ruhig: Geh du nur in unsere Hütte. Ich bleibe auf meinem Kissen. Ich bin schwer verwundet!"

Dackeli ärgerte sich sehr. Baschis schwere Verwundung rührte ihn kaum. Aus das Kissen wollte er, alles andere war ihm einer­lei. Er merkte aber, daß da vorläufig nichts zu wollen war, trollte sich in die Hütte und machte ein Brummgesicht Dabei kam ihm das Kissen nicht aus dem Sinn. Wer hätte auch gedacht, daß Baschi wegen der Hütte so beleidigt sein wurde! Hätte er ihn doch lieber herein gelassen! Zu dumm!

Auf einmal sieht Dackeli den Basch, auf seinen drei gesunden Seinen im Garten langsam spazieren, humpeln. Nun denkt ihr natürlich, das Mitleid sei ihm gekommen? Keine Spur! Nur ein boshafter Gedanke taucht in ihm auf.

Das Kissen ist jetzt frei! Wenn ich mich schnell braus lege, gehört cs mir! Ich lasse bahn einfach den Bafchi nicht wieder braus!"

Dackeli rannte nun heimlich, ohne daß der arglose Baschi etwas davon merkte, zur Veranda und legte sich ganz frech mitten auf das Kissen. Bald kam Bafchi von feinem Spaziergang zurück. Das Humpeln auf drei Beinen hatte ihn müde gemacht, und er wollte sich auf feinem schönen Kissen ausruhen. Wie er heim­kommt. sitzt Dackeli da.

Dackeli, geh! Ich bin schwer verwundet, nicht du! Ich muß auf dein Kissen liegen!" sagt Baschi, aber Dackeli geht nicht.

Dackeli, geh! bittet Baschi wieder,Du siehst doch, wie müh­selig ich auf 3 Beinen hinke."

Dackeli aber rührte sich nicht.

Elsi saß nicht weit davon am Tsch und nähte. Ein Weilchen sah es die Sache mit an. Schließlich aber wurde sie ihm doch zu bunt. Es stand auf und sagte in strengem Tone:Dackeli, geh!"

Dackeli hob den Kopf wie jemand, dem niemanb etwas zu be­fehlen hat, sah Elfi an, sah den Baschi an, und blieb ruhig liegen.

Nun hält ihm Effi eine Strafpredigt. Es sagt:Dackeli, du bist ein ganz ungezogener Bursche. Baschi ist immer viel zu gut mit dir gewesen. Er hat dich von jeher viel zu sehr verwöhnt! Erst lässest du ihn nicht in die Hütte, und nun willst du sein Kisten auch noch haben! Wo du doch ganz genau siehst, wie schwer ver­wundet er ist! Pfui, schäm dich! And geh! sag ich dir, oder . . ."

Auf Dackeli machte das alles keinen Eindruck. Er war schon so verwöhnt, daß er gar nicht glaubte, irgend jemand könne ernst­lich böse mit ihm sein. Es fiel ihm gar nicht ein, den strengen Worten des ®ji zu gehorchen.

Da ging Elsi in des Vaters Stube und holte dort einen Stock. Dackeli konnte cs nicht sehen, denn er saß mit dem Rücken grad nach der Tür. Elsi hielt den Stock hinter sich, stellte sich vor Dackeli und sagte noch einmal streng:Dackeli, geh!"

Aber Dacfeh ging nicht, und Elsi nahm den Stock und baute ihm feit, eins über. Nun merkte endlich Dackeli, daß es Ernst war. Er heulte, sprang auf, .zog ben Schwanz ein, lief in die Hütte, verkroch sich in di« hinterste Ecke und schämte sich.

Daschi konnte sich nun wieder auf sein Kissen legen. Dackel» hat's ihm auch nie wieder streitig gemackfi. Ganz scheu lief er immer in großem Bogen drum herum. Aber eines Tages rief ihm Baschi zu:Komm Dackeli. laß uns wieder gute Freunde sein. Leg dich neben mich. Wenn du hübsch Mbciben bist und mcht grabe die Mitte -beanspruchst, haben wir betbe darauf Platz."

Das ließ sich Dackeli nicht zweimal sagen. Er war ja zu froh, daß sein großer Kamerad ihm wieder gut sein wollt«. Gon,-, bescheiden legte er sich neben thn und sagte:Und die Hütte ge­hört uns auch wieder zusammen!" F. N,