^uHöfcr sagi aus.
Er will selb st betrogen worden sein.
§ Berlin, 14. April.
Die Verhandlung beginnt mit einigen Pourparlers über Holzmanns Verhaftung. Holzmanns Verteidiger haben das Bestreben, ihn etwas zu rehabilitieren. Er habe gar nicht die Absicht gehabt, sich vor seinen Prozessen zu drücken, und Holzmann schlägt, als dies von den Anwälten bekundet wird, treu- Bergig die Augen zur Staatsanwaltschaft aus; et ist sich seiner Anständigkeit scheinbar voll bewußt. Dann begann Iwan Kntisker. Er spricht leise und die große Zahl der Angeklagten und Verteidiger kann ihn kaum verstehen.
Kutisker ist völlig unschuldig, so sagt er.
Er erörtert sehr eingehend seine Geschäfte, wie Strikter zu ihm gekommen sei und wie er ihm zunächst 30 000 Dollar, dann 200 000 Mark, dann 25 000 englische Pfund abgenommen hat. Kutisker stellt sich selbst als den Mann hin, der in ein scheinbar gutes Geschäft hineingezogen und dann betrogen wurde. Strikter und Holzmann, Die gerade In der Angelegenheit des Hanauer Lagers seine Gcgenpartncr waren, lächeln über die Art und Weise, wie Kutisker dieses Geschäft darstcllt. Sie scheinen nickn der gleichen Meinung zu sein. Da der Angeklagte durch seine Vernehmung, die immerhin dreiviertel Stunden gedauert bat, etwas erschöpft ist, wird seine Vernehmung ausgesetzt, und der Angeklagte S t r i c l c r wird vernommen, jener Mann, der mit 16 Jahren ein selbständiger Kaufmann in Kairo war. Ein wenig weltfremd und menschenfeindlich ist Strieters Art, über sich selbst zu sprechen. So zum Beispiel, als der Vorsitzende fragt, wie cs komme, daß er in so jungen Jahren in Addis Abbeba so große Geschäfte gemacht habe, antwortete er: „Dori ist so etwas nicht schwer, denn dort herrschen noch Treu und Glauben und nicht die sittliche Versumpfung, die in den Kulturstaaten herrscht." Es tritt nun eine längere Pause ein, da
Kutisker gänzlich verhandlungsunfähig
wird, und erst nach längerer Zeit wird Strikter weiter vernommen. Er erklärt sich für einen absolut anständigen Menschen. Auch Holzmann, der zunächst über sein Leben berichtet, ist nach seinen Aussagen ein völlig unschuldig ins Unglück geratener Mensch, der nie etwas Schlechtes getan, sondern im Gegenteil vielen Deutschen in der verworrenen Zeit in Rußland und ans dem Balkan geholfen hat. Dann ist Kutisker nickt mehr imstande, der Verhandlung zu folgen; sie wird daher auf Freitag vertagt_______________________________________________
Aus Nm Genchissaas.
> § Der Asmus-Prozess. Im weiteren Verlauf trat als nächster Zeuge der Laudgerichtsrat Dr. Eichler-Freiberg auf, der im September 1923 mit Dr. Asmus das politische Register in Freiberg bearbeitete. Der Zeuge läßt sich eingehend über die von Dr. Asmus seinerzeit verfügte Haft- cntlassung aus. Er war mit den Anordnungen des Angeklagten nicht immer einverstanden. Als weiterer Zeuge wird daun der Justizsekretär Gerstenberger vernommen, der seinerzeit beim Freiberger Gericht tätig war. Der Zeuge er-, klärt, daß ihm nicht bekannt sei, daß durch Dr. Asmus Strafe sacken länger verzögert wurden. Es wird dann erst der Landgerichtsrat Dr. K r e i s ck e r-Freiberg vernommen, der als Untersuchungsrichter seinerzeit tätig war. Der Zeuge bemerkt, daß er von Dr. Asmus verhältnismäßig wenig Anträge auf Voruntersuchung bekommen habe. Bei einigen Anträgen hatte der Zeuge den Eindruck, daß diese zu spät auf Eröffnung der Voruntersuchung gestellt wurden. Der nächste Zeuge, Dr. Rose aus Chemnitz, behandelte den 8Ji Venzmann und pao weiter dèr Überzeugung Ausdruck, daß er die später cr- solgti. Verurteilung nicht erwartet habe. Er habe bestimmt ans einen Freispruch für die Angeklagten gerechnet. Der Kriminalbeamte Jakoby war im Jahre 1922 Leiter einer Dienststelle und erklärte aus Befragen, daß Asmus seine Ar- h^ten stets korrekt erledigt hat. Er hat nie etwas Gegen-
'ges bemerkt. Als nächster Zeuge wurde der Burcaudirck- Brltsche vernommen, der die Hauptperson im ganzen Verwaltungsapparat war. Bei ihm gingen alle Sachen aus und ein. Unregelmäßigkeiten sind ibm nie vorgekommen.
§ DaS Urteil im Mordprozeß Dahlenburg. Das Hamburger Schwurgericht verurteilte' den wegen Mordes ange- klagten Photographen Bernhard Dahlenburg wegen Totschlages und verbotenen Waffenbesitzes zu einer Gesamtstrafe von sechs Jahren und einem Monat Zuchthaus. Dahlenburg hatte in der Nacht vom 24. aus den 25. Juli vorigen Jahres seine Braut, Frau Lina Naujokat, durch drei Revolverschüsse so schwer verletzt, daß sie bald darauf starb.
§ Urteil in dem Prozeß wegen eines geplanten Attentats auf die Leipziger Synagoge. Das Leipziger Gericht verurteilte in dem Prozeß wegen eines geplanten Attentats auf die Leipziger Synagoge die beiden Hauptangeklagten, Reinhardt und Kirsten, wegen Verbrechens gegen § 6 des Sprengstoffgcsetzes zu je fünf Jahren Zuchthaus und die übrigen Angeklagten wegen Vergehens gegen § 12 desselben Gesetzes zu Gefängnisstrafen von drei Tagen bis zu einem Monat. Die vom Gericht erkannten Strafen entsprechen dem Antraae des Staatsanwalts.
Die Rose vom Haff.
Ein Hofroman von EmileErhard (Baronin v. Warburg).
3) (Nachdruck verboten.)
Zweites Kapitel.
Das blonde, rosige Freifräulein vom Haff mit der biegsamen, schlanken Gestalt und den lachenden Augen erregte in der Haupt- und Residenzstadt lebhafte Bewunderung. Es lag anfänglich nicht in der Absicht des Freiherrn, die kaum siebzehnjährige Tochter bei Hofe zu präsentieren.
Es gab zwei Höfe in der Residenz, deren Strahlen- kreise allerdings ineinandergriffen und nur eine Hofgesellschaft bildeten.
Der großherzogliche Hof bestand aus dem regierenden Herrn und seiner hohen Gemahlin sowie deren Hofhalt.
Der zweite Hof gruppierte sich um den Neffen des Eroß- herzogs, Prinzen Joachim, dem präsumtiven Tronerben, mit einer Prinzessin aus nicht regierendem Hause vermählt. Es gehörten zu diesem kleinen Hofstaat nur ein Kammerherr und zwei Damen, von denen die jüngere mit dem Kavalier der Prinzessin verlobt war und sich bereits der bevorstehenden Vermählung wegen vom Hofe zurückgezogen hatte.
Man war höchsten Ortes wegen der Wahl einer Nachfolgerin, trotz, oder vielmehr wegen einer Menge von Bewerberinnen, noch nicht schlüssig geworden; da schlug irgend jemand aus der Hofgesellschaft, dem das schöne, distinguierte Freifräulein vom Haff aufgefallen, dieselbe an entscheidender Stelle zur Hofdame vor, und weil die reizende Rose eben gar nicht bekannt war, so entschied sich die Wahl schnell für sie.
Der Oberst vom Haff zögerte keinen Augenblick mit seiner Einwilligung.
Rose war sprachlos vor Ueberraschung und geblendet von glückseliger Erwartung.
Es kam ihr wie ein phantastischer Traum vor, datz sie, das einfache Kind der Provinz, die kaum dem Namen nach die Herrlichkeit der großen Welt gekannt hatte, nun plötzlich eine Rolle in der unmittelbaren Nähe dieser nach ihren Begriffen Höchsten der Erde übernehmen sollte.
Die Anwesenheit hoher Gäste gab trotz der stillen Saison Veranlassung zu einem größeren Hoffeste, und bei dieser Gelegenheit erfolgte die feierliche Präsentation Rosens unter dem Schutze einer Patin, das heißt einer vornehmen Dame, die eine gesicherte Stellung am Hofe einnahm. Für
$ Freispruch im Dernfungsverfahrcn Worch. Vor bet Großen Strafkammer in Rudolstadt fand die Berufung des früheren Gemeindevorftandcs Worch aus Langewiesen statt, der wegen Überschreitung seiner Amtsbefugnisse gelegentlich der Überwachung des Verkehrs zwischen Thüringen und Bayern im November 1923 als stellvertretender Leiter des Thüringer Kriininalamtes in Weimar vom Rudolstädter Schöffengericht zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt worden war. Das vorinstanzliche Urteil wird aufgehoben, der Angeklagte wird srcigcsprocken und die Kosten werden der Staatskasse auserlegt. In der Begründung heißt es, der Freispruch fei aus Mangel an überzeugenden Beweisen erfolgt.
§ Ein Schuljunge, der seinen Lehrer verklagt. Ein Schuljunge im Alter von 10 Jahren hat in England seinen Lehrer verklagt. Während die Kinder in der Schule saßen und Gedickte lasen, mußte der kleine Junge plötzlich lachen. Der Lehrer ließ ihn daraufhin ans der Bank heranskommen und gab ihm einige Schläge mit dem Lineal. Hierbei stürzte der Junge hin und verletzte sich, so daß er fast ein Jahr aus der Schule fernbleiben mußte. Der Gerichtssall ist so schwierig, daß die Gerichte die Entscheidung zunächst ausgesetzt haben.
Sie „Aorge" nach Petersburg unterwegs
Amundsen nach Spitzbergen a b g e r e i st.
Die „Norge" ist in Pulham ausgestiegen und nach 13 stündiger Fahrt unter dem Jubel der Bevölkerung in Oslo gelandet. Von da aus soll die Fahrt über Stock- holm nach Petersburg gehen.
In einer Botschaft des Kommandeurs des Luftschiffs heißt es: „Unser Unternehmen bietet Schwierigkeiten und ernste Gefahren, aber wir hoffen, in der Lage zu sein, ihnen erfolgreich entgegenzutreten. Wenn uns dies gelingt, werden wir zweifellos einen neuen Beweis dafür geliefert haben, von wie großer Hilfe die Luftschiffahrt für den Fortschritt der Zivilisation sein kann." — Die Wetterberichte lind ausaereichnet.
Die ersten Ausnahmen von der Amundsen-Ellsworth-Expedition nach dem Nordpol.
Ankunft des Polarluftschiffes „Norge" in Pulham.
„Norge" unter Führung von Major E. H. Scott landet in dem englischen Lnftsthiffhcrfen Pulham, und wird nach der Halle gebracht. Von hier aus geht der Flug weiter nach Oslo und über Spitzbergen.
Amundsen und Ellsworth sind von Oslo über Tromsö nach Spitzbergen abgereist. Eine vieltausendköpfige Men"^ schenmenge war zum Abschied auf der Bahn erschienen und ' brach, als der Zug sich in Bewegung setzte, in brausende Hurrarufe aus. Vor der Abfahrt erklärte Amundsen den Vertretern der Presse, daß er diesen Tag als den glücklichsten seines Lebens betrachte, da sein sehnsüchtiegr Traum nunmehr in Erfüllung gehen solle. Bei der befriedigenden Leistungsfähigkeit, die die „Norge" auf der Fahrt von Rom nach Pulham bewiesen habe, zweifle er keine Sekunde an einem glücklichen Ausgang der Expedition. Der norwegische Ministerpräsident Lykke hat Amundsen beauftragt, wenn er neues Land finde, dieses im Namen Norwegens zu annektieren.
jede Dame, der sich die Pforten der exklusiven höflischcn Welt erschließen sollen, ist eine solche Patin nötig, die gewissermassen mit ihrem eignen Namen und ihrer Person eine Garantie für die Zulässigkeit der Eingeführten bietet. So war nun das Röschen vom Haff an den Hof verpflanzt, und eine Welt von Glanz und Freude schien sich ihr erschlossen zu haben.
Bei der Vorstellung an der Seite ihrer Beschützerin schwindelte es ihr vor Aufregung und Erwartung.
Wie es die Courtoisie der höfischen Sitte mit sich bringt, ließ der Großherzog sich der jungen Dame vorstellen, ebenso Prinz Joachhim und der anwesende fürstliche East.
Rose war es unverständlich, daß diese Herren der allerhöchsten Sphäre eine so offene Bewunderung für sie an den Tag legten. Sie selbst fühlte sich geblendet von dem Glanz und der verwirrenden Schönheit der Damen um sie her. Das harmlose, einfache Kind ahnte nicht, daß geübte Blicke unter all den künstlischen Rosen die echte hcr- ausfanden und ihrer taufrischen Schönheit huldigten.
Einige Tage nach diesem Feste, und kurz ehe die schöne Rose ihre ersten Funktionen als Hofdame auszuüben hatte, wurde sie von der Großherzogin zu einer Audienz befohlen. Die hohe Frau wollte sich der Mühe unterziehen, die unerfahrene junge Dame persönlich, mit den Pflichten ihrer neuen Stellung bekanntzumachen.
Zur anberaumten Zeit und in der durch die diensttuende Dame anbefohlenen Toilette erschien Rose allein im Palais und wurde von der Hofdame empfangen. Musternde Blicke übrflogcn den Ankömmling, dessen Schönheit sich auch im hellen Mittagslicht stichhaltig erwies.
Nach kurzer Plauderei meldete der Kammerdiener, daß sie Ihre Königliche Hoheit erwarte. Die Hofdame geleitete Rose bis an den Salon und zog sich dann in das Vorzimmer zurück.
Rose kannte die Frau Großherzogin bereits, bereit liebenswürdige Herablassung sowie freundliche Worte und Unterweisungen sie bald so ermutigten, daß sie aus vollem Herzen ihren Dank aussprechen konnte und mit kindlich warmer Zuversicht sich auch fragend an die hohe Frau zu wenden wagte.
Die Großherzogin aber blickte wohlgefällig auf das reizende, ungekünstelte Kind, das sich mit so naiver Bewunderung und doch natürlichem Taktgefühl in die fremde Welt fand.
Zum Schluß empfahl die hohe Frau der jungen Hofdame, bei allen Gelegenheiten den Rat und die llnterwei- fung der Oberhofmeisterin, Gräfin Keil, einzuholen, auf deren mütterlichen Schutz Rose jederzeit rechnen könne.
Vermischieet.
— Der degradierte Staatssekretär. In der tschechoslo- wakischen Armee, die ja noch ein bißchen neu ist, fehlt es nicht an Beispielen eigenartiger Karrieren. Es ist dort mehr als einer in knapp sieben Jahren vom Gemeinen der österreichischen Vorkriegsarmee zum General avanciert. Man kann aber bei den Tschechen auch den umgekehrten Weg gehen oder vielmehr purzeln und von einem hohen Chargengrad mit einem Schlage ii^den niedrigsten hineingeworfen werden. Da ist z. B. Joseph Mayer. Der Name klingt ein bißchen alltäglich, aber Joseph Mayer ist immerhin wer oder war es mindestens: er ist Abgeordneter im tschechoslowakischen Parlament und war kurz nach dem Umsturz Staatssekretär für das Heerwesen in Österreich. Da er außerdem Rittmeister war, kann man wohl annehmen, daß er einiges vom Militär versteht. Sieben Jahre lang haben aber die Tschechen um Mayers militärischen Rang einen schweren Kampf geführt unb nach mehrjährigem Jnstanzenzug ist jetzt endgültig fest- gestellt worden, daß der ehemalige Staatssekretär für das Heerwesen zum Gemeinen 31t „ernennen" sei. Auf Vl- sitenkarten müßte sich das besonders hübsch ausnehmen: „Gemeiner Maher, Kriegsminister a. D."
— Jedem Polen eine Gasmaske. In Polen gibt es eine Gasschutzgesellschaft, die bereits stark für den nächsten Krieg übt. Sie macht das unter der Devise „Jedem Bürger eine Gasmaske" und veranstaltete dieser Tage bei Warschau ein Gaskampfmanöver, bei dem es so hoch herging, daß ganz Warschau heute noch nach den bedenklichsten Gasen stinkt. Eine Kompagnie der „Chemischen Waffen" — so ; heißen jetzt die Gasleute — begab sich mit Gasmasken durch die Stadt auf das jenseitige Weichsclufer und er- - öffnete einen Gasangriff auf die Vorstadt Praga, die stundenlang so in Rauch gehüllt war, daß man sie zuletzt nicht mehr sinden konnte. Schlachtenbummler waren natürlich in großer Menge zur Stelle, und da sie sich ihrer nicht erwehren konnte, eröffnete plötzlich die kampfesmutige Kompagnie der Chemischen Waffen einen Gasangriff mit einem tränenerregenden Gas gegen das zudringliche Publikum. Polen hat diesen Gaskrieg gegen das Zivil gewonnen!
=5 Regenabwehr bei Filmaufnahmen. Eine amerikanische Filmgesellschaft hat sich eine merkwürdige Er- sindung zum Schutze der Filmaufnahmen im Freien patentieren lassen. Bekanntlich können derartige Filmaufnahmen durch plötzliche Platzregen in unangenehmer Weise gestört werden. Tritt nun eine solche Störung ein, so tritt sofort auch der neu patentierte Negenabwehrappo.- rat in Tätigkeit. Er besteht aus zwei Reihen von Flucs- zeugmotoren mit allem Zubehör, die regelrecht und parallel montiert sind. Die Motoren machen zwischen den Köpfen der Filmkünstler und den Regenwolken soviel Wind, daß durch den Luftstrom der Regen abgelenkt und anderswohin getrieben wird. Die Filmkünstler können also, von den Motoren umfächelt, ruhig weiter mimen.
= Kuriere mit Mond! Von der Sonne als Heilfaktor weiß man bereits allerlei, und jeder hat einiges von den berühmten ultravioletten unsichtbaren Strahlen, die fo= ^ohl die Nahrungsstoffe als auch den Körper vitaminhaltig machen, vernommen. Auch über die Höhensonne ließe sich manches sagen. Zu diesen Tagkuren nun kommt jetzt eine Nachtkur mit Mond hinzu: es wird nämlich behauptet, daß auch das Mondlicht heilkräftig sei. In beut Kurort Leysin, wo bisher Sieche und Leidende mit Sounenkraft behandelt wurden, hat man bei einer lungenkranken Schwedin, die ihre Liegekuren auf dem Balkon auch in der Nacht machte, eine bedeutende Besserung festgestellt. Man hat darauf mit anderen Kranken BersHche angestellt, indem mau sie in mondhellen Nächten dem Mondlicht aussetzte, und man hat gefunden, daß auch dieser Trabant unserer Erde als Heilfaktor zu werten ist. Bisher stand der Mond in der Medizin ja nicht int allerbesten Jtuf: man braucht nur an die Mondsüchtigen zu denken, um zu wissen, was man von ihm erwarten kann. Aber -es kann ebensogut richtig sein, daß das milde Mondlicht besonders bei seelischen Erkrankungen beruhigend und lindernd wirkt, und die Hauptsache bleibt ja schließlich, daß man als Kranker an etwas glaubt. Also soll sich, wer will, in Leysin mit Mond kurieren lassen. Die Astrologen und die Dichter haben ja schon längst an seine geheimnisvollen Einflüsse geglaubt.
In kürzester Zeit wurde die Ausstattung Rosens beschafft, kaum drei Monate nach jenem Abschiede auf dem Bahnhöfe zu K. tat das Freifräulein vom Haff bereits den ersten Dienst bei feiner jungen Gebieterin.
Und Rolf, der alte treue Freund? War er vergessen in dein Glanz der neuen Verhältnisse, unter den neuen Freunden?
Das nicht; oft sagte Rose zum Vater: „Was würde wohl unser alter guter Rolf dazu sagen, wenn er seine kleine Rose so gefeiert sähe?" — Aber Sehnsucht nach ihm empfanb sie nicht, es gab zu viel des Neuen, Interessanten, Fesselnden für ihre empfängliche Seele für ihren lebhaften Geist. Die Monotonie ihres Aufenthaltes in der Pension hatte zu sehr auf ihr gelastet, um nicht ein frisches Regen der Flügel, ein schnelles Entfalten ihrer geistigen Fähigkeiten jetzt zur Folge zu haben, unter welchen der Sehnsucht nicht Rau:» und Zeit gegönnt wurde. Kurze, jubelnde Briefe nahmen ihren Weg nach Rolfshagen; aus den Glückwünschen, die als Antwort eintrafen, las Rose freundschaftliche Teilnahme, aber ein schwerfälliges Verständnis, der Oberst indes — eine wehmütige Resignation heraus.
llebrigens fand sich Rose sehr bald in die Pflichten ihrer Stellung. Bei ihrer vornehmen Gesinnung, ihrem angeborenen Taktgefühl und hingebenden Diensteifer konnte es kaum ausbleiben, daß sie sich schnell das Vertrauen und die Zuneigung der Prinzessin Amalie, Gemahlin des Prinzen Joachim, erwarb.
Die Kollegin Rosens, ein Fräulein von Eltzinger, er« setzte durch Eleganz und Routine, was ihr an Jugend und Schönheit abging, sie war eine Hofdame comme il faut, erfüllte ihre Pflichten höchst gewissenhaft, wenn auch mit vornehmer Gelassenheit, spottete gern über den atemlosen Eifer der Gefährtin und empfand mit innerer Genugtuung, daß sie dieser aufrichtig imponierte. __ _
Ihr am Hofe und in militärischen Kreisen sehr ange- schener Vater gab der Stellung Rosens einen sicheren Halt. Vater und Tochter trafen einander bei allen Hoffestcn, unb der Oberst vom Haff empfing mit verzeihlicher Eitelkeit und stolzer Genugtuung die Glückwünsche der Gesellschaft, die seiner Tochter bewundernd huldigte.
Im stillen wünschte sich der Oberst nun mehr Glück dazu, daß Rolf nicht gesprochen, seine Hand nicht nach der Rose 0011t Haff ansgestreckt hatte, neue und glänzen- 1 bete Aussichten eröffneten sich seinem Ehrgeiz.
Es war der Höhepunkt des Glanzes, eine Zeit des M-. j getrübten Glückes für Väter und Dochtei»
(Fortsetzung folgt.) ^'7